Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Ägypten im Heilsplan Gottes

Autor: Wollenberg, Ewald  |  Kategorie(n): Das prophetische Wort, Heilsgeschichte  |  911 x gelesen

Unter allen Ländern, die neben dem “Heiligen Land” in der Schrift genannt werden, nimmt Ägypten einen ganz besonderen Platz ein; der Name dieses Landes am Nil und des in ihm wohnenden Volkes kommt mehr als siebenhundertmal darin vor. Schon allein diese Tatsache macht es deutlich, daß dieses Land im Ratschluß Gottes, gerade in Verbindung mit Gottes auserwähltem Volk Israel, eine sehr wichtige Rolle spielt.

Die Geschichte Ägyptens reicht in eine nebelhafte Vergangenheit zurück, in das dritte Jahrtausend vor Christus. Zur Zeit Abrahams, um 2000-1800 v. Chr., war bereits die 12. Dynastie auf dem Herrscherthron des Mittleren Reiches. Zu dieser Zeit standen schon die Pyramiden, jene riesigen Bauwerke der bekannten Pharaonen Snofru, Cheops und Chefren, die heute noch allen Reisenden, die sie aufsuchen, Staunen und Bewunderung abnötigen. Man vermutet, daß die gewaltigen Steinblöcke, im Gewicht von oft mehreren Tonnen, auf einer aufgeschütteten schiefen Ebene immer höher gehoben und schließlich in der Pyramide zusammengebaut wurden. Aber das “Wie?” der genauen Zusammenpassung in einer fast fugenlosen Millimeter-Maßarbeit ist den Architekten und Baufachleuten unserer Zeit immer noch ein Rätsel.

Von der Cheopspyramide in Gizeh (der “großen” Pyramide) in der Nähe der früheren Sonnenstadt Heliopolis sagt Herodot, der Vater der Geschichtsschreibung, daß 100.000 Männer, die alle drei Monate abgelöst wurden, über 30 Jahre, einschließlich 10 Jahre vorbereitender Steinbrucharbeiten, daran beschäftigt waren. Sie bestand aus 203 übereinander lagernden Mauerwerkschichten, war 152 m hoch und hatte an der quadratischen Basis eine Seitenlänge von 230,28 m. Sie bedeckte eine Fläche von 5,30 ha, und jede ihrer Seitenflächen maß 2,22 ha, alle vier zusammen 8,9 ha. Ursprünglich war sie mit fein polierten Kalksteinblöcken bedeckt, die im grellen Sonnenlicht Ägyptens wie mächtige Spiegel wirkten, deren starke Lichtausstrahlung weit im Lande gesehen werden konnte. Die alten Ägypter nannten sie darum Ta Khuti = das Licht, oder auch Ikhet = das herrliche Licht; und der Geograph Strabo sagte von ihr: “Sie gleicht einem vom Himmel herabgelassenen Bauwerk, unberührt von Menschenhand.”

Ehe der Name des Landes in der Bibel erwähnt wird, erscheint der Name des Stammvaters seiner Bewohner, und zwar 1. Mo. 10, 6, wo wir lesen: “Die Söhne Hams (des Sohnes Noahs): Kusch und Mizraim und Put und Kanaan.” Die Fußnote der “Elberfelder Bibel” deutet die Namen Kusch und Mizraim und Put folgendermaßen: Äthiopien, Ägypten und Mauretanien (im Altertum eine römische Provinz, das heutige Marokko). Der alte biblische Name Ägyptens wurde mir 1956 während des Sinaifeldzuges wieder ins Gedächtnis gerufen. Als ich eines Abends die Einstellknöpfe an meinem Radio drehte, hörte ich mit einem Mal einen Kriegsbericht in jiddischer Sprache über den Vormarsch der Israelis gegen “Mizraim”, worüber ich damals recht überrascht und erstaunt war.

Das Wort “Ägypten” finden wir in der Schrift zuerst in 1. Mo. 12, 10: “Abram zog nach Ägypten hinab, um sich daselbst aufzuhalten” (oder: um dort als Fremdling zu weilen, d. h. ohne ansässig zu werden). Eine Hungersnot im Lande Kanaan, wo er mit seinem Weibe und Lot gezeltet hatte, war die Veranlassung zu dieser Südwanderung. Um der Schönheit seines Weibes willen, die er am Hofe des Pharao als seine Schwester eingeführt hatte, empfing er reiche Geschenke an Kleinvieh, Eseln und Kamelen, dazu auch an Knechten und Mägden, während das Haus des Pharao mit schweren Plagen geschlagen wurde. Weil er dem Pharao gegenüber nicht aufrichtig gewesen war, wurde er ausgewiesen und mußte das fruchtbare Land am Nil verlassen.

Abrahams Sohn Isaak wollte später wegen einer neuen Hungersnot in Kanaan wie sein Vater nach Ägypten gehen; Jahwe aber erschien ihm und sagte: “Gehe nicht hinab nach Ägypten! Bleibe im Lande, von dem Ich dir sage”. Und er blieb in Gerar, bei dem König der Philister (1. Mo. 26, 1-6). — Dann wird Ägypten erst wieder genannt, als Joseph, der Liebling seines Vaters Jakob, von seinen Brüdern an die Ismaeliten verkauft wurde und an den Hof des Pharao kam. Sein Erleben dort ist uns hinreichend bekannt; bemerkenswert aber ist, daß Gott wiederum eine Hungersnot dazu gebraucht, ihn als Traumdeuter beim Pharao Ehre und Ansehen finden zu lassen. Er, der Pharao, nennt ihn “Zaphnath Paneach” und gibt ihm Asnath, die Tochter Potipheras, des Priesters von On, zur Frau. In diesen Namen um Joseph wird uns das Handeln Gottes wie in einem Programm vor Augen gestellt, und wir dürfen staunend und anbetend die Weisheit Seiner Wege rühmen.

In Mizraim (= Einengung, Bedrängnis, eingeschlossenes Land, Gefangenschaft) erkennt der Pharao, dessen Name später ein Vorbild auf Satan, den Widerwirker und Dazwischenwerfer wird, den Joseph, den Mann aus dem Samen der Verheißung, als den “Retter der Welt” an, was er in dem Namen ausdrückt, den er ihm gibt. Er stattet ihn mit allen Ehren und Rangstufen aus, die er als König zu vergeben hat, und gibt ihm Asnath, was Verderben oder Todeswesen heißt, die Tochter des Heidenpriesters Potiphera (= der, den Ra der Sonnengott gab) zum Weibe. In seiner Vorschattung auf Jesus, den echten “Retter der Welt”, der jeden Hunger stillen und alles und jedes Verderbenswesen liebend erretten wird, finden wir in diesem Geschehen um Joseph einen so wertvollen prophetischen Hinweis wie bei keinem anderen Manne der Bibel.

Damals hat Ägypten, das fruchtbare und reiche Land am Nil, dem Samen der Verheißung in Jakob und seinem Geschlecht zur Rettung dienen müssen. Vier Jahrhunderte blieben die Kinder Jakobs/Israels im Lande Gosen, dem wohl fruchtbarsten Teil Ägyptens, wo sie sich so vermehrten, daß sie am Ende dieser Zeit 600.000 Männer im Alter von mehr als 20 Jahren zählten.

Ein anderes Pharaonengeschlecht hatte unterdessen den Königsthron bestiegen, das von Joseph und seiner Rettungstat für das Land nichts wußte. Man sah nur das beängstigend wachsende Volk der Hebräer und versuchte, die drohende Gefahr der Überbevölkerung durch schwersten Arbeitseinsatz aufzuhalten, aber vergeblich. Auch die befohlene Tötung aller neugeborenen Knaben nach ihrer Geburt brachte nicht den erwarteten Erfolg. Ja, dieses grausame Gebot war der Anlaß, daß einer der neugeborenen Hebräerjungen nach drei Monaten von seinen Eltern am Nil ausgesetzt, von der Königstochter gefunden, an den Hof gebracht und dort in allen Wissenschaften der Ägypter unterwiesen und erzogen wurde. So bereitete sich Gott das Werkzeug für die Aufgabe, von der Er schon zu Abraham geredet hatte: Mose sollte das geknechtete und gefolterte Volk in die Freiheit führen, es sollte ausziehen “mit großer Habe” (1. Mose 15, 13.14). Ehe aber Mose diese Aufgabe erfüllen konnte, mußte er nach Midian fliehen, wo er 40 Jahre blieb und wo Zippora (= Vöglein, die Zwitschernde, Singende), die Tochter des Midianiterpriesters Reghuel/Jethro, sein Weib wurde. Wie Gott im Leben des Joseph der allein und wirklich Handelnde war, so auch im Leben des Mose und seines Volkes, um dessen Errettung willen nach vielen furchtbaren Plagen in Ägypten zuletzt auch dessen Erstgeburt an Menschen und Vieh umkam. Dazu heißt es Psalm 78, 51: “Und Er schlug alle Erstgeburt in Ägypten, die Erstlinge der Kraft in den Zelten Hams!” Und Psalm 106, 21.22: “Sie vergaßen Gottes, ihres Retters, der Großes getan in Ägypten, Wundertaten im Lande Hams, Furchtbares am Schilfmeer.”

Dann vergingen Jahrhunderte, in denen Ägypten im Kampf mit seinen Nachbarvölkern Siege oder auch Niederlagen erlebte, und Juda und Israel waren wiederholt in dieses kriegerische Geschehen mitverflochten, Ägypten hörig und tributpflichtig oder einigermaßen frei, je nachdem, wie sich das Kriegsglück wandelte. Von dem Pharao Mernephtah ist die sogenannte Israelstele erhalten mit einer Inschrift aus dem Jahre 1230 v. Chr., in der der Pharao sich seiner Siege in Kanaan rühmt und erklärt: “Israels Leute sind wenig, und sein Same besteht nicht mehr!”

Nach mehreren Dynastien schwacher Pharaonen erstarkte Israel unter David und Salomo, der sich sogar mit einem der Pharaonen verschwägerte (1. Kön. 3, 1). Salomo war auch ein guter Handelspartner Ägyptens, indem er dort u. a. Pferde und Wagen kaufte und einen Teil davon an Syrien und die Hethiter lieferte (1. Kön. 10, 26-29). Sisak aber, der erste der Pharaonen, der in der Bibel namentlich genannt wird, zu dem Jerobeam geflohen war, nachdem er sich mit Salomo entzweit hatte (1. Kön. 11, 40), zog im fünften Jahr Rehabeams, des Königs von Juda (925 v. Chr.), wider Jerusalem, beraubte den Tempel, eroberte Meggido im Nordreich und verheerte das Land (2. Chron. 12, 2-11). Wie Jerobeam, so hatte auch Hadad, ein edomitischer Königssohn, ein Gegner Salomos, den “Jahwe ihm erweckte”, bei dem Pharao Zuflucht gefunden (1. Kön. 11, 14-25).

Jerobeam kehrte nach dem Tode Salomos aus Ägypten zurück und wurde (nach dem Wort Jahwes an den Propheten Achija) König über das Nordreich, das sich vollkommen von Jerusalem, dem Tempel und dem Gesetz löste und dem Götzendienst huldigte. 722 v. Chr. wurde der größte Teil seines Volkes in die assyrische Gefangenschaft weggeführt und ist seitdem für die weltliche Forschung wie auch für die meisten Theologen “verloren”. Judas König Josia fiel 609 v. Chr. in der Schlacht bei Meggido, als er dem Pharao Necho (Neko) entgegentrat.

Ägypten war und blieb der “geknickte Rohrstab”, der, wenn jemand sich auf ihn stützt, ihm in die Hand fährt und ihn durchbohrt (2. Kön. 18, 21). Daher warnte Gott auch das Restvolk der Juden, das nach dem Sieg Nebukadnezars über Juda im Lande blieb und nicht nach Babylon weggeführt wurde, nach Ägypten zu ziehen. Der Sieger hatte Gedalja, den Sohn eines Hofbeamten, als Statthalter über Juda eingesetzt. In Mizpa residierte er und sammelte alle zerstreuten Juden um sich. Auf Betreiben des Ammoniterkönigs Baalis aber wurde er erschlagen, und “Gedalja starb sowie die Juden und Chaldäer, die zu Mizpa bei ihm waren. Da machte sich alles Volk vom Kleinsten bis zum Größten mit den Heerobersten auf, und sie kamen nach Ägypten (um 586 v. Chr.), denn sie fürchteten sich vor den Chaldäern” (2. Kön. 25, 25.26). Jochanan, der Führer des Flüchtlingszuges, “und alle Heerobersten nahmen den ganzen Überrest von Juda, welche aus allen Nationen, wohin sie vertrieben wurden, zurückgekehrt waren, um sich im Lande Juda aufzuhalten, die Männer und die Weiber und die Königstöchter (des in Ketten nach Babylon weggeführten Königs Zedekia) und alle Seelen, welche Nebusaradan, der Oberste der Leibwache, bei Gedalja zurückgelassen hatte, und auch den Propheten Jeremia und Baruk (seinen Schreiber), und sie zogen nach Ägypten, denn sie hörten nicht auf die Stimme Jahwes (der sie vor diesem Weggang gewarnt und gesagt hatte, daß sie in Ägypten umkommen würden), und sie kamen nach Tachpanches” (Jer. 43, 5-7).

Dort sprach Gott zu Jeremia:

“Nimm große Steine in deine Hand und senke sie in Mörtel ein am Ziegelofen (so nach der Elberfelder Bibel), der bei dem Eingang des Hauses des Pharao in Tachpanches ist, vor den Augen der jüdischen Männer; und sprich zu ihnen: So spricht Jahwe der Heerscharen, der Gott Israels: Siehe, Ich sende hin und hole Nebukadnezar, den König von Babel, meinen Knecht, und setze seinen Thron über die Steine, die Ich eingesenkt habe, und er wird seinen Prachtteppich darüber breiten … Und er wird die Säulen von Beth-Semes, welche im Lande Ägypten sind, zerschlagen und die Häuser der Götter Ägyptens mit Feuer verbrennen” (Jer. 43, 8-11.13).

Beth-Semes, d. h. Sonnenhaus (nach Hes. 30, 17 auch Aven), ist die hebräische Übersetzung des heiligen Namens der Stadt On, griechisch Heliopolis, d. h. Sonnenstadt, die durch den ihrem Sonnengott geweihten Tempel weit berühmt war. Die Stadt lag 32 km von Memphis entfernt, nördlich vom heutigen Kairo. Reste von ihr bilden gegenwärtig das Dorf El Matarije. Sie war Hauptsitz des ägyptischen Sonnendienstes, und in ihr hatte der Vater Asnaths, der Frau Josephs, seinen priesterlichen Tempeldienst verrichtet. Von den hohen Obelisken (Sonnensäulen), die dort waren, ist nur noch einer vorhanden, 20 m hoch. Die “Nadel der Kleopatra”, eine 22 m hohe Säule, steht in London, eine weitere in New York. Die Obelisken wurden während der 12. Dynastie errichtet. Bei welcher Gelegenheit einige von ihnen durch Nebukadnezar “zerschlagen” oder “zertrümmert” wurden, ist nicht näher bekannt.

Nebukadnezar (oder Nebukadrezar), der Gerichtsvollstrecker an Ägypten und zugleich auch an den vor den Chaldäern nach dort geflohenen Juden, wird auch an anderen Stellen des prophetischen Wortes genannt, so Jer. 46:

“Das Wort, welches Jahwe zu Jeremia, dem Propheten, redete betreffs der Ankunft Nebukadrezars, des Königs von Babel, um das Land Ägypten zu schlagen: Verkündiget es in Ägypten, und lasset es hören in Migdol, und laßt es hören in Tachpanches und in Noph! Sprechet: Stelle dich und rüste dich! Denn das Schwert frißt alles rings um dich her. Warum sind deine Starken niedergeworfen? Keiner hielt stand, denn Jahwe hat sie niedergestoßen. Er machte der Strauchelnden viele; ja, einer fiel über den andern, und sie sprachen: Auf! und laßt uns zurückkehren zu unserem Volke und zu unserem Geburtslande vor dem verderbenden Schwerte! Man rief daselbst: Der Pharao, der König von Ägypten, ist verloren; er hat die bestimmte Zeit vorübergehen lassen! So wahr Ich lebe, spricht der König, Jahwe der Heerscharen ist Sein Name: Wie der Tabor unter den Bergen und wie der Karmel am Meere wird er (der alle anderen überragende König von Babel) kommen! Mache dir Auswanderungsgeräte, du Bewohnerin, Tochter Ägyptens; denn Noph wird zur Wüste werden und verbrannt, ohne Bewohner!” (Jer. 46, 13-19).

Und Verse 25.26 des gleichen Kapitels:

“Es spricht Jahwe der Heerscharen, der Gott Israels: Siehe! Ich suche heim den Amon von No und den Pharao und Ägypten und seine Götter und seine Könige, ja, den Pharao und die auf ihn vertrauen. Und Ich gebe sie in die Hand derer, welche nach ihrem Leben trachten, und zwar in die Hand Nebukadrezars, des Königs von Babel!”

Dazu noch Hes. 29, 19.20:

“Darum, so spricht der Herr, Jahwe: Siehe, Ich gebe Nebukadrezar, dem König von Babel, das Land Ägypten; und er wird seinen Reichtum wegtragen und seinen Raub rauben und seine Beute erbeuten, und das wird der Lohn sein für sein Heer. Als seine Belohnung, um welche er gearbeitet hat, habe Ich ihm das Land Ägypten gegeben, weil sie für mich gearbeitet haben, spricht der Herr, Jahwe!”

Und Kap. 30, 10-12:

“So spricht der Herr, Jahwe: Ja, Ich werde dem Getümmel Ägyptens ein Ende machen durch die Hand Nebukadrezars, des Königs von Babel. Er und sein Volk mit ihm, die Gewalttätigsten der Nationen, werden herbeigeführt werden, um das Land zu verderben; und sie werden ihre Schwerter ziehen wider Ägypten und das Land mit Erschlagenen füllen. Und Ich werde die Ströme (das Wort bezeichnet stets die Arme und Kanäle des Nil) trocken legen und das Land in die Hand von Bösewichtein verkaufen und das Land und seine Fülle durch die Hand Fremder verwüsten. Ich, Jahwe, habe geredet!”

Das hier im letzten Vers genannte Gericht der Trockenlegung des Nil, seiner Arme und Kanäle, wird an mehreren Stellen der Schrift recht breit und ausführlich geschildert und kann mit dem Sieges- und Verheerungszug des Königs von Babel nicht ursächlich in Beziehung gebracht werden. Es ist der Arm Gottes selber, der hier Seine Macht erweist und Ströme zum Versiegen bringt. Dazu sagt der Prophet Hesekiel (Kap. 29, 2.3.9-10):

“Menschensohn, richte dein Angesicht wider den Pharao, den König von Ägypten, und weissage wider ihn und wider ganz Ägypten. Rede und sprich: So spricht der Herr, Jahwe: Siehe, Ich will an dich, Pharao, König von Ägypten, du großes Seeungeheuer, das in seinen Strömen liegt, das da spricht: Mein Strom gehört mir, und ich habe ihn mir gemacht … Und das Land Ägypten wird zur Wüste und Einöde werden. Und sie werden wissen, daß Ich Jahwe bin. Weil der Pharao spricht: Der Strom ist mein, und ich habe ihn gemacht, darum, siehe, will Ich an dich und an die Ströme; und Ich werde das Land Ägypten zu öden, wüsten Einöden machen, von Migdol bis nach Syene, bis an die Grenze Äthiopiens.”

Von Migdol bis Syene (Assuan) sollte die Einöde reichen, von der Gott durch den Propheten geredet hatte. Beim Einfall des Königs von Babel in Ägypten (568 v. Chr.) ist dieses Prophetenwort aber nicht erfüllt worden, und auch die spätere Geschichte Ägyptens weiß nichts von einem derartigen Versiegen des Nil und seinen schrecklichen Folgen für das Land und seine Bewohner. Da Gott aber niemals in den Wind geredet hat, wird sich auch dieses Wort kommenden Unheils noch erfüllen, und zwar in einem Umfang, daß das ganze Land davon betroffen werden wird. Migdol lag an der nordöstlichsten Grenze Ägyptens (2. Mo. 14, 2), während Syene in der Nähe des heutigen Assuan lag, wo gegenwärtig ein riesiger Staudamm gebaut wird, der dem Lande einen großen Gewinn fruchtbaren Bodens geben soll.

Angst und Schrecken und Verzweiflung werden das ganze Land Ägypten erfassen, wenn sich das Wort von Jes. 19, 1-10.16.17 erfüllen wird:

“Siehe, Jahwe fährt auf schneller Wolke und kommt nach Ägypten. Und die Götzen Ägyptens beben vor Ihm, und das Herz Ägyptens zerschmilzt in seinem Innern. Und Ich will Ägypten aufreizen gegen Ägypten; und sie werden streiten, ein jeder wider seinen Bruder, und ein jeder wider seinen Nächsten, Stadt wider Stadt und Königreich wider Königreich. Und der Geist Ägyptens wird vergehen in seinem Innern, und Ich will seinen Ratschlag zunichte machen … Und Ich will die Ägypter überliefern in die Hand eines harten Herrn, und ein grausamer König wird über sie herrschen, spricht der Herr der Heerscharen. — Und die Wasser werden sich aus dem Meer verlaufen (Meer = hier wie immer im Altertum eine Bezeichnung für große Ströme, der vereinigte Nil), und der Strom wird versiegen und austrocknen, und die Ströme werden stinken; die Kanäle Mazors (eigtl. Unterägypten, aber auch poetischer Name für ganz Ägypten) nehmen ab und versiegen, Rohr und Schilf verwelken. Die Auen am Nil, am Ufer des Nil, und jedes Saatfeld am Nil verdorrt, zerstiebt und ist nicht mehr. Und die Fischer klagen, und es trauern alle, welche Angeln in den Nil auswerfen; und die das Netz ausbreiten auf der Wasserfläche schmachten hin. Und beschämt sind die Wirker gehechelten Flachses und die Weber von Baumwollenzeug. Und seine Grundpfeiler sind zerschlagen; alle, die um Lohn arbeiten, sind seelenbetrübt … An jenem Tage werden die Ägypter wie Weiber sein, und sie werden zittern und beben vor dem Schwingen der Hand Jahwes der Heerscharen, die Er wider sie schwingen wird. Und das Land Juda wird für Ägypten zum Schrecken sein. Sooft jemand es bei den Ägyptern erwähnt, werden sie beben wegen des Ratschlusses Jahwes der Heerscharen, welchen Er über sie beschlossen hat …”

Und Jes. 11, 15 ergänzt dieses Gerichtswort:

“Jahwe wird die Meereszunge Ägyptens zerstören (eigtl. verbannen, den Bannfluch darüber sprechen, d. h. austrocknen) und Er wird Seine Hand über den Strom schwingen mit der Glut Seines Hauches und ihn in sieben Bäche zerschlagen und machen, daß man mit Schuhen hindurchgeht.”

Bei Joel lesen wir 3, 19 ein anderes Wort (Luther 4, 19):

“Ägypten wird zur Einöde und Edom zu einer öden Wüste werden, wegen der Gewalttat an den Kindern Judas, weil sie in ihrem Lande unschuldiges Blut vergossen haben.”

Vor diesem Wort bei Joel und nach ihm stehen zwei Verse, die von dem Segen reden, der über Juda ausgegossen werden soll an “jenem Tage”, wenn die Berge von Most triefen und eine Quelle aus dem Hause Jahwes hervorbrechen wird, also am Ende dieses Äons. Es ist darum wohl so, daß auch das Austrocknen des Nil in diese Zeit gehört und sich dann erfüllen wird.

Das gewaltige Projekt des Assuan-Dammes am Nil verschlingt Riesensummen, und an seiner Finanzierung sollten zu Anfang auch Amerika und England beteiligt werden. Als sie gewisser Umstände wegen ihre zugesagte finanzielle Unterstützung versagten, sprang sofort Sowjetrußland ein. Es entsandte Wissenschaftler und Ingenieure nach Ägypten, so daß die Planungen und Vorbereitungen nicht unterbrochen werden mussten und der Bau begonnen und bis jetzt weitergeführt werden konnte. Es wird oft gesagt, daß der Nil Ägypten bedeutet und daß jeder, der den Nil kontrolliert, damit auch Ägypten unter seiner Kontrolle hat, weil Ägypten ohne den Nil nicht leben kann.

Um eine konstant bleibende Wassermenge während des ganzen Jahres zu sichern, wurden schon wiederholt Dämme am Nil gebaut, ganz besonders mit britischer Hilfe. Aber das gegenwärtige Projekt eines Hochdammes soll die bisherigen Schwierigkeiten einer ständigen Wasserversorgung für immer beenden. Sir William Wilcocks sagte am Ende des letzten Jahrhunderts im Blick auf den Victoria-See: “Wer auch immer ihn hat, hält das Schicksal Ägyptens in seiner hohlen Hand!” Solange Großbritannien ihn kontrollierte, war alles gut, aber die neuen unabhängigen Staaten, die ihn heute umgeben, könnten einen Weg finden, einen Großteil des Wassers, das den Nil speist, für ihre eigenen Zwecke zu verbrauchen.

Könnte aber etwa der Bau des Assuan-Dammes die Ursache für ein so schreckliches Geschehen sein, wie es in den Gerichtsworten der Propheten zum Ausdruck kommt? Es ist gut bekannt, daß es an der Ostseite des Nil eine Serie von Senken gibt; und wenn der Damm auf die vorgesehene Höhe (364 Fuß) gebracht wird, werden diese Senken gefährlich.

Winston S. Churchill, ein Großsohn von Sir Winston Churchill, schreibt in seinem Buch “Erste Reise” u. a.:

“Die Sudanesen kennen eine Legende, nach der der Nil eines Tages seinen Lauf verändern und ins Rote Meer fließen wird; und sie glauben, daß der Hochdamm bei Assuan die Ursache dafür sein wird.”

Ob Nasser schon einmal gesagt hat: “Mein Strom gehört mir, ich habe ihn mir gemacht!” weiß ich nicht, sicher aber mag er in seinem Innern schon oft als der neue Pharao so gedacht haben. Der Suez-Kanal — früher weithin unter englischer Kontrolle — ist vollkommen in seiner Hand; er kann ihn schließen oder öffnen, wie er will. Mit dem Bau des Assuan-Dammes hofft er die Wasser des Nil noch viel mehr als bisher für sein Land auszunutzen und neben der Bewässerung bisher unfruchtbaren Wüstenbodens auch eine Kraftquelle für elektrische Energie zu gewinnen, die er für den industriellen Aufbau des Landes braucht.

Winston S. Churchill schreibt in seinem erwähnten Buch weiter:

“Er ist aber nicht allein dabei, den Ablauf des Nilwassers durch Dämme zu regulieren und zu kontrollieren. Auch Äthiopien und der Sudan sind sehr emsig an dem Bau eigener Staudämme beschäftigt. Und Ägypten ist der letzte in der Reihe, das Wasser des Nil zu bekommen und zu verbrauchen. Einige Leute meinen deshalb, daß für alle Interessenten nicht genug Wasser da sein wird und daß der “See Nasser” eine Wüste bleibt. Wenn das so wäre, dann würde der Hohe Damm von Assuan gleich den Pyramiden nur eine Touristen-Attraktion sein, um recht viele Besucher anzulocken.”

Was davon auch immer nur Vermutung oder Wahrheit sein mag, es ist wert, noch andere Umstände zu beachten, die die Bibel aufzeigt. In ihrem Sprachgebrauch ist der Wind immer ein bemerkenswerter Faktor, und wir lasen Jes. 11, 15, daß Gott mit der Glut “Seines Hauches” den Strom in sieben Bäche spalten oder zerschlagen wird. Auch Erdbeben könnte Gott für dieses Zerstörungswerk gebrauchen. Alles irdische Geschehen aber, das den Ägyptern Zerstörung und Verwüstung bringt, könnte zugleich dem Lande, das Gott immer wieder “Mein Land” nennt, zum Segen sein.

Hesekiel weissagt von dem “lebendigen Wasser”, das unter der Schwelle des neuen Tempels in Jerusalem entspringt (Hes. 47), daß es zuerst nach Osten fließt, dann seinen Weg südlich des Toten Meeres in die Wüste nimmt und dann in dem Meer, dem Golf von Akaba, endet, an dessen Nordende heute die israelische Hafenstadt Eilath liegt. Nach dem Wort der Bibel wird ein großes Erdbeben, das auch den Ölberg spaltet, die Ursache dafür sein, und dann wird auch das Jordan-Wasser-Problem gelöst werden. Alles das aber wird zur Zeit der Wiederkunft des Herrn vom Himmel her geschehen.

Mit der Erwähnung dieses Verheißungswortes stehen wir aber bereits in der Zeit, in der das Gericht über den Nil und seine Bewohner in der Vergangenheit liegt. Wie jedes Gericht seine Zweckbestimmung hat, so auch dieses: “Hernach aber — nach dem Wort des Gerichts durch Jeremia — soll es bewohnt werden, wie in den Tagen der Vorzeit, spricht Jahwe!” (Jer. 46, 26b). “Und Jahwe wird sich den Ägyptern kundtun, und die Ägypter werden Jahwe erkennen an jenem Tage, und sie werden dienen mit Schlachtopfern und Speisopfern und werden Jahwe Gelübde tun und bezahlen. Und Jahwe wird die Ägypter schlagen und heilen; und sie werden sich zu Jahwe wenden; und Er wird sich von ihnen erbitten lassen und sie heilen” (Jes. 19, 21.22).

Immer wieder finden wir in der Schrift eine sehr deutliche Verbindung Ägyptens mit Israel, so z. B. Jes. 11, 11.12:

“Es wird geschehen an jenem Tage, da wird der Herr noch zum zweiten Male Seine Hand ausstrecken, um den Überrest Seines Volkes, der übrigbleiben wird, loszukaufen aus Ägypten und aus Pathros und aus Äthiopien und aus Elam und aus Sinear und aus Hamath und aus den Inseln des Meeres. Und Er wird den Nationen ein Panier erheben und die Vertriebenen Israels zusammenbringen, und die Zerstreuten Judas wird Er sammeln von den vier Enden der Erde!”

Das Wort der Verheißung geht aber noch weiter, wenn wir Jes. 19, 23-25 lesen:

“An jenem Tage wird eine Straße sein von Ägypten nach Assyrien, und die Assyrer werden nach Ägypten und die Ägypter nach Assyrien kommen, und die Ägypter werden mit den Assyrern Jahwe dienen!”

Ob das wohl die gleiche Straße (eigtl. Hochweg) sein wird, von der es in Jes. 35, 8-10 heißt:

“Und daselbst wird eine Straße sein und ein Weg; und er wird der heilige Weg genannt werden; kein Unreiner wird darüber hinziehen, sondern er wird für sie — die Losgekauften — sein. Die Erlösten werden darauf wandeln. Und die Befreiten Jahwes werden zurückkehren und nach Zion kommen mit Jubel, und ewige Freude wird über ihrem Haupte sein, und Kummer und Seufzen werden entfliehen.”

Ein anderes Wort in Jes. 19, 18-20, das sich auch auf “jenen Tag” bezieht, ist in seiner Bedeutung stark umstritten. Es heißt dort: “An jenem Tage werden fünf Städte im Lande Ägypten sein, welche die Sprache Kanaans (wohl hebräisch) reden und bei Jahwe der Heerscharen schwören werden. Eine wird die Stadt Heres heißen (Anmerkung in der “Elberfelder Bibel”: Stadt der Niederreißung — Andere lesen: Cheres = Sonnenstadt Heliopolis. Nach Menge: “Eine von ihnen wird Ir-Heres, d. h. Stadt der Gerechtigkeit heißen. Gemeint ist Leontopolis = Löwenstadt oder Heliopolis”). An jenem Tage wird inmitten des Landes Ägypten ein Altar dem Jahwe sein und eine Denksäule nahe der Grenze dem Jahwe; und das wird zu einem Denkzeichen und zu einem Zeugnis sein dem Jahwe der Heerscharen im Lande Ägypten.”

Bullinger sagt zu diesen Versen in der “Companion Bible”: “Die fünf Städte sind wahrscheinlich Heliopolis, Leontopolis, Daphne (Tachpanches), Migdol und Memphis. Die Erfüllung des Wortes von dem Altar geschah nach den Kriegen zwischen den Juden und den Syrern. Onias IV., der Hohepriester, floh von Jerusalem nach Alexandrien. Wegen seiner großen Sympathie für Ägypten (im Streit mit Syrien) wurde er von Ptolemäus Philometer willkommen geheißen und damit belohnt, daß er ihn zum Fürsten über die Juden in Ägypten machte und ihm den Titel eines Ethnarchen verlieh. Josephus sagt, daß Onias den Ptolemäus und seine Gemahlin Kleopatra bat, in Ägypten einen Tempel nach dem Muster des Tempels in Jerusalem zu erbauen. In einer schriftlichen Eingabe wies er darauf hin, daß der Prophet Jesaja vor 600 Jahren gesagt habe, daß in Ägypten ein Tempel erbaut werden sollte dem höchsten Gott. Als Ort für den Tempelbau schlug er Leontopolis im Distrikt Heliopolis vor, wo ein heidnischer Tempel gestanden habe, der aber nur noch eine Ruine sei. An diesem Platz, einem befestigten Bollwerk, sei genügend Holz und auch heilige Tiere vorhanden. — Seiner Bitte wurde entsprochen, und so entstand der Tempel an dem Ort, wo viele Jahrhunderte vorher die Israeliten in ihren Wohnungen Licht hatten, während die Wohnungen der Ägypter in Finsternis gehüllt waren. Der Tempel hat mehr als 200 Jahre bestanden und wurde erst von Vespasian (71 n. Chr.) geschlossen.”

Die Juden Jerusalems opponierten gegen diesen Tempel in einem heidnischen Lande und waren eifersüchtig. Ihnen ist es wohl auch zuzuschreiben, daß im masoretischen Text des Jesaja durch eine ganz kleine Veränderung zweier Buchstaben aus der Stadt der Sonne eine Stadt der Zerstörung wurde. Die “Septuaginta” zeigt, daß in hebräischen Manuskripten, von denen diese Lesung herkommt, “ir-hazedek” steht, d. h. “Stadt der Gerechtigkeit”. — Die sog. Pyramidenforschung, die bereits eine beachtliche Literatur umfaßt, versucht, die große Pyramide bei Gizeh als das Wahrzeichen, die Denksäule oder den Altar zu identifizieren und will in ihr das ganze Programm Gottes für den Ablauf der Welt- und Heilsgeschichte entdeckt haben. Ihre Berechnungen interessieren uns nicht, wohl aber die Tatsache, daß dieses Land am Nil einen sehr bestimmten Platz im Heilsgeschehen und in den Gedanken unseres Gottes einnimmt.

Immer wieder fanden wir in unserer Betrachtung Ägypten, das Land am Nil, in Verbindung mit Israel genannt. Beide sehen dem wiederkommenden Herrn und ihrer Umgestaltung zu einem Kleinod in der Hand unseres und ihres Gottes entgegen. Das wird gewiß die Lösung aller Rätsel um Ägypten und aller anderen Geheimnisse bedeuten, in die dieses Land und sein Volk noch gehüllt sind. Auch Herr Nasser spielt in diesem gewaltigen Programm Gottes eine Rolle, da auch seine Stellung und sein Tun in den Plan Gottes, des Herrn der ganzen Erde, eingeordnet sind. Und das Wort des Propheten Jesaja (19, 24.25) wird ebenso sicher und gewiß erfüllt werden, wie alle anderen Gottesverheißungen, deren Erfüllung noch aussteht:

“An jenem Tage wird Israel das dritte sein mit Ägypten und mit Assyrien, ein Segen inmitten der Erde! (Israel bewohnt ja den Nabel oder Mittelpunkt der Welt — Hes. 38, 17). Denn Jahwe segnet es und spricht:
Gesegnet sei mein Volk Ägypten
und Assyrien, meiner Hände Werk
und Israel, mein Erbteil!”

Welch ein wunderbarer Dreiklang, wenn diese drei Länder und ihre Bewohner, für immer zu Freunden geworden, in vollster Harmonie dem einen Gott dienen und Seinen Willen tun werden! Das ist ein Zukunftsbild, das bisher kaum geahnt und noch viel weniger geglaubt wird. Wir aber dürfen wissen, daß Gott zu jedem Seiner Worte steht und alle — eins nach dem andern — zu Seiner Zeit herrlich erfüllen wird!

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 5/1967; Paulus-Verlag, Heilbronn)

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