Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Acht göttliche Gewißheiten

Autor: Heller, Adolf  |  Kategorie(n): Gemeinde, Lehre  |  722 x gelesen

“Die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen”, sagt der Herr im Blick auf die Endzeit (Luk. 21, 26). Ist diese Zeit schon im Anbruch? Über dieses Problem wird viel geredet und geschrieben. Fragen wir uns aber zuerst einmal, ob es in dieser Zeit der Furcht und ängstlichen Erwartung überhaupt noch wirkliche Gewißheiten gibt. Ist nicht vieles, was gesprochen und gedruckt wird, Schwärmerei und religiöse Selbsttäuschung? Diese Frage ist durchaus berechtigt, denn der Herr spricht gerade im Blick auf die Letztzeit von “vielen falschen Propheten”, die in frommem Gewande auftreten.

Darum gilt es nüchtern zu sein, allein auf dem untrüglichen, gottgehauchten Wort heiliger Schrift zu stehen und dabei genauestens zu verharren. Wenn wir das nicht tun, verfallen wir dem Formalismus und Rationalismus, dem Liberalismus und Atheismus. Das aber ist Abfall von dem lebendigen Gott, der gesagt hat, daß Himmel und Erde, nicht aber Seine Worte vergehen werden.

Wir wollen im folgenden von acht göttlichen Gewißheiten sprechen. Wenn wir nicht von Gewißheiten schlechthin, sondern von Stufen göttlicher Gewißheiten reden, so soll damit gesagt sein, daß auch unser Glaubenswachstum sich nach “Naturgesetzen in der Geisteswelt” vollzieht.

Das hat auch der Herr Jesus bezeugt, wenn Er in Mark. 4, 26-29 sagt: “So ist das Reich Gottes, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same sprießt hervor und wächst, er weiß selbst nicht, wie. Die Erde bringt von selbst Frucht hervor, zuerst Gras, dann eine Ähre, dann vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht sich darbietet, so schickt er alsbald die Sichel, denn die Ernte ist da.”

Gras, Ähre, voller Weizen heißen die Stufen natürlichen Wachstums. Im Göttlich-Geistlichen ist es ebenso. Auch bei uns, den Gliedern des Körpers Christi, geht alles wachstümlich. Wo das nicht der Fall ist, gibt es keine wesenhafte, bleibende Frucht. Wer göttliche Sterbens- und Wachstumsprozesse überspringen will, wird meist schon hier auf Erden, bestimmt aber dort vor der Preisrichterbühne Christi oder dem großen, weißen Gerichtsthron Gottes ungeahnte Enttäuschungen erleben. Davon redet die Schrift sehr ernst. Wer z. B. seinem Bruder nicht vergeben will, wähne ja nicht, Vergebung von Gott zu haben! Und wer seinen Bruder nicht lieben will und kann, behaupte ja nicht, er sei aus dem Tode zum Leben gelangt!

1. Heilsungewißheit

Was wir zuerst nennen müssen, ist in gewissem Sinn keine Glaubensstufe, sondern der Naturzustand des unerretteten Menschen. Es ist die Heilsungewißheit. Man kann in diesem Zustand weltenweit vom Heil Gottes entfernt sein, Ihm aber auch so nahe sein, daß es nur eines einzigen Schrittes bedarf, um über die zweite zur dritten Stufe zu gelangen.

Es gibt, mit andern Worten, sehr viele Grade von Heilsungewißheit. Je nachdem, ob es sich um Verstandes-, Gefühls- oder Willensmenschen handelt, finden wir die verschiedensten Kennzeichen und Auswirkungen von Gottesferne oder Gottesnähe.

Das zu erkennen und daran gottgemäß anzuknüpfen, ist Aufgabe des Evangelisten, noch mehr aber des Seelsorgers. Dazu aber muß er ein wirklicher Seelsorger, ein Hirte nach dem Herzen Gottes sein. Im Gespräch unter vier Augen werden die meisten Menschen in und durch die Anfangsstadien geführt. Selbstverständlich ist es zutiefst der Heilige Geist, der erleuchtet, erweckt, bekehrt und von einer Stufe zur andern leitet. Und doch hat es Gott wohlgefallen, den Dienst der Evangelisten, Hirten und Lehrer zum Bau der Gemeinde des Christuskörpers zu benützen.

Weitaus die meisten Menschen kommen während ihres ganzen Lebens aus der Heilsungewißheit nicht heraus. Viele wollen auch gar nicht heraus! Gotthold Ephraim Lessing soll einmal gesagt haben: “Wenn Gott mir in Seiner Rechten die Wahrheit und in Seiner Linken das lebenslange Suchen nach Wahrheit anböte, ohne daß ich sie jedoch finden könnte, dann würde ich antworten: Gib mir das Suchen nach Wahrheit, aber nicht die Wahrheit selbst!”

Der natürliche, auch der religiöse Mensch kommt sich interessant und wichtig vor, ein Wahrheitssucher zu sein. In Wirklichkeit aber will er die Wahrheit gar nicht! Denn die Wahrheit ist keine Sache, sondern eine Person, ist unser Herr Jesus Christus, ist Gott selbst. Und in diese Wahrheit kann man nur als armer, verlorener Sünder hineinsterben. Das aber wollen die meisten Menschen nicht! Sie wollen sich durchbehaupten, wollen ihr eigenes Ich um jeden Preis retten.

2. Unheilsgewißheit

Wer erkennt, daß in ihm gar nichts Gutes wohnt, daß er das Gute, das er tun will, nicht tun kann, und das Böse, das er nicht tun will, tun muß (Röm. 7, 19), der steht in einer gottgewollten Unheilsgewißheit. Damit aber ist er reif zur Rettung. Er traut sich selber gar nichts mehr zu und beginnt, wenn auch nur sehr zögernd und schwankend, sein Vertrauen auf Gott zu setzen. Diesen Weg müssen wir alle einmal gehen. Aus eigener Kraft kann kein Mensch diese Einsicht erringen noch erzwingen, — sie ist eine Gnadenwirkung des Heiligen Geistes, ein Geschenk Gottes.

Wer das erlebt hat, der weiß, daß dem wirklich so ist. Wer das aber noch nicht erfuhr, hält es für Übertreibung oder Schwärmerei. Mit ihm wollen wir nicht streiten. Es wäre völlig wertlos. Da kann man nur beten und warten, ob der Herr vielleicht Gnade zur Selbsterkenntnis geben kann, damit der “Gottsucher” auch des Geschenkes der Buße teilhaftig wird. Wer aber weiß, daß er ein total verlorener Mensch ist, daß gar nichts Gutes in ihm wohnt (Röm. 7, 18) und daß sein Gutestun oder seine Güte nicht hinaufreicht zu Gott (Ps. 16, 2), an dem hat das Werk Gottes in Wahrheit begonnen.

Nur wer bereit ist, rückhaltlos sich seinem Gott zu stellen, als Verlorener auf der ganzen Linie vor Seinem heiligen Angesicht offenbar zu werden und sich in keiner Weise mehr selber zu rechtfertigen, an dem geschieht ein gründliches Werk. Nur die Erkenntnis und das Bekenntnis völligen Verlorenseins führt zur echten, bleibenden Heilsgewißheit und Heilsfreude.

Nur wer gänzlich an sich selber verzweifelt, dem wird die tiefe, unsagbar köstliche Glückseligkeit der Errettung geschenkt. Solange man aber nur eine Verstandes-, Gefühls- oder Willensbekehrung vollzogen hat, bleibt man ein armer, freudloser Finsterling. Und deren gibt es in allen Kirchen und Freikirchen, Gemeinschaften und Hauskreisen mehr, als wir glauben. Das sind dann die Leute, die aus ihrer mühsam errungenen Frömmigkeit, auf die sie sehr stolz sind, ein Gewerbe machen (1. Tim. 6, 5; Tit. 1, 10.11; 1. Petr. 5, 2.3) und diejenigen schmähen und hassen, die wesenhaft von der Liebe Gottes erfaßt und erfüllt sind, loben und danken können allezeit für alles und nicht mehr ihre Brüder ablehnen und bekämpfen. Gehörst du, gehöre ich auch zu ihnen? Davor bewahre uns der Herr in Gnaden!

Halten wir fest: Aus der Heilsungewißheit kann man nicht “mit Schuhen und Strümpfen”, wie unser Bruder Geyer zu sagen pflegte, in die Heilsgewißheit und noch weniger in die Heilsfreude und in wesenhafte Heilsdienste “hineinspazieren”, — da muß man zuerst, je gründlicher desto besser, das dunkle, demütigende Tal der Unheilsgewißheit durchwandern, durchweinen und durchsterben. Wer das nicht will oder noch nicht kann, den darf man dazu nicht drängen, dem darf man nicht in gesetzlicher, wenn auch noch so gutgemeinter “Seelsorge” etwas aufschwätzen wollen, wozu er noch gar nicht reif ist. Oft müssen dann solche, besonders wenn sie in frommer Umgebung und christlichen Formen aufgewachsen sind, diese Entwicklung auf schmerzlichen, demütigenden Wegen nachholen. Denken wir nur an David und lesen wir immer wieder von Zeit zu Zeit seinen 32. und 51. Bußpsalm.

Befestigung in der Unheilsgewißheit ist eine große Gnade, die wir nicht nur im Anfang unseres Glaubens unbedingt nötig haben, sondern auch während unseres ganzen Glaubenslebens uns immer wieder schenken lassen müssen. Ich weiß von treuen, wertvollen Menschen, die Davids Bußpsalmen in Verbindung mit Römer 7 immer wieder knieend laut durchbeten. Wer das tut, wird sich nie über andere erheben, wird seine Brüder nie ablehnen und schmähen.

Der Herr sei gepriesen für das Gnadengeschenk der Unheilsgewißheit! Denn nur daraus werden echte, beglückende Heilsgewißheit, Heilsfreude und Heilsvollmacht geboren.

3. Heilsgewißheit

Der Begriff biblischer Heilsgewißheit ist viel tiefer und umfassender, als er gewöhnlich dargestellt wird. Meist meint man, mit der Gewißheit seiner persönlichen Errettung sei er erschöpft. Ohne Zweifel muß zunächst die Frage des persönlichen Heils geregelt sein. Unser gesamtes Denken, Fühlen und Wollen wird davon ergriffen und erfüllt. Im Denksinn fängt es an und wirkt sich dann in unserem Gefühls-, Wunsch-, Trieb- und Traumleben aus.

Das alles liegt aber noch auf der Ichlinie. Es ist gewiß etwas Großes und Wunderbares und gesegneter als alles, was Menschengeist zu ersinnen und zu bewirken vermag, wenn man bis zum Schwören wissen darf, daß unser Schuldbrief zerrissen, die Zahlung für die Sünde vollbracht ist und man darum nie mehr eine gerichtliche Verurteilung und eine Strafe zu erwarten hat. Das ist anbetungswürdig. Darum arbeitet auch jeder Evangelist auf dieses Ziel hin. Hunderte von Bibelstellen stehen ihm zur Verfügung, diese köstliche Wahrheit und Tatsache der Heilsgewißheit und Heilsfreude zu bezeugen, zu erhärten, von immer neuen Seiten und in immer neuen Zusammenhängen zu zeigen und anzubieten.

Und doch ist das erst der Anfang. Es ist peinlich und kein Zeichen für gesundes, gottgewolltes Wachstum, wenn jemand nur von sich und seiner Gewißheit der Errettung zu sagen weiß. “Ich habe mich bekehrt!” — “Mein Heiland hat mich gerettet!” — “Ich weiß ganz genau, daß ich nicht verlorengehe, sondern daß ich Vergebung meiner Sünden habe!” — Das zu wissen ist richtig, gut und notwendig. Aber dabei darf man nicht stehenbleiben, weil die Schrift nicht dabei stehenbleibt.

Wir wollen darum hier nicht versuchen, durch Bilder und Gleichnisse, Ereignisse und Begebenheiten aller Art, von den rührseligsten bis zu den sachlichsten, die Heilsgewißheit und den Weg zur Erlangung dieser Fundamentalerkenntnis darzustellen. Das ist ungezählte Male geschehen und dafür gibt es sehr viel christliches Schrifttum von wissenschaftlichen theologischen Werken bis zu volkstümlichen Traktaten, Handzetteln und Briefeinlagen und dergleichen. Gott segne diesen notwendigen Dienst, der gar nicht eindringlich und häufig genug geschehen kann! —

Für den Bau und die Vollendung der Gemeinde Christi Jesu genügt das aber nicht. Dazu gehört mehr als nur die Milch des Wortes Gottes. Wir brauchen, wenn wir die Anfangsgründe gelernt haben, ein Fortschreiten zur festen Speise, zu den Ziel- und Füllewahrheiten, zu der göttlichen Innenschau der Vollendungspläne unseres Vaters. Heil brauchen nicht nur du und ich und die Körperschaft, der wir aus Gnaden angehören dürfen, Heil braucht auch Israel, das in den vor uns liegenden Jahren noch durch schwerste Gerichte gehen und Drangsale erleben wird, wie sie nie ein Volk vor ihm durchlitt noch später erleiden wird. Heil brauchen Himmel und Erde, Fürstentümer und Gewalten, die Mächte des Lichts und der Finsternis, — Heil braucht das gesamte Weltenall.

Wir wollen deshalb die Frage nach dem Heil inmitten einer heillosen Welt in einem tieferen, wesenhafteren Zusammenhang zu sehen versuchen. Wir finden im NT, wenn wir nur die drei bedeutendsten Zeugen Jesu Christi nennen wollen, im Blick auf die Errettung und Wiederherstellung der gefallenen, in Satans Macht befindlichen Welt ein Dreifaches:

  1. die petrinische Außenschau,
  2. die johanneische Innenschau,
  3. die paulinische Zielschau.

Darf ich meinen Lesern zumuten, selber einmal alle Schriftworte zusammenzutragen, die diese drei biblischen Schreiber bezüglich göttlicher Gewißheiten gebrauchen? Man lese nach, was über “ich weiß”, “wir wissen” und “wisset!” geschrieben steht. Das ergibt eine köstliche Fundgrube für den forschenden Geist und das anbetende Herz. Wer solch ein Studium einmal erlebt hat, wird auch weiter forschen und immer heilsgewisser, dankbarer und glückseliger werden.

Die petrinische Außenschau hat es in erster Linie mit Sachen und Dingen zu tun. Dazu nur ein Beispiel: “Wir erwarten nach Seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt” (2. Petr. 3, 13). Man beachte auch den Kontext, d. h. das, was vorher und hinterher geschrieben steht. Da entdeckt man überraschende, wunderbare Zusammenhänge, und unsere biblischen Erkenntnisse werden originell, echt und tief.

Die johanneische Innenschau könnte man auch Wesensschau nennen. Sie zeugt von Jesus als dem “logos”, dem Weltenordner oder Weltenharmonisierer und schaut Seine “doxa”, Seine Herrlichkeit. Johannes erkennt und schaut tiefer als der ganz anders geartete Petrus. Jede Schau entspricht eben der Wesensart ihres Schreibers.

Am überwältigendsten aber ist die paulinische Zielschau. Der Lehrer der Gemeinde des Christuskörpers weiß um den Überstrom der Gnade und von den Endergebnissen aller göttlichen Äonen und Ökonomien. “Ich werde erkennen, wie ich erkannt worden bin!” — “Gott wird sein alles in allem!” Das sind Worte, die in ihrer Wucht und Weite kaum überboten werden können; das ist Heilsgewißheit für alle und alles, was war, ist und sein wird. Glückselig, wem Gott zu dieser Schau die Schrift öffnet! —

4. Auserwählungsgewißheit

In 1. Thess. 1, 4 lesen wir: “Wir wissen, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung.” Ist das nicht ein wunderbares Zeugnis, das verzagten Herzen großen Trost vermittelt? Die kleine, arme, angefochtene Hafengemeinde hat selbst oft nicht die strahlende Freimütigkeit, zu glauben und zu sagen, daß sie von Gott auserwählt ist. Aber sie hat einen lebendigen Glauben, der sich in praktischen Liebeswerken erweist, sie hat göttliche Liebe, die sich nicht auf fromme Gefühle beschränkt, sondern sich abmüht in Opfern und Anstrengungen. Dann hat sie eine starke Hoffnung in mutigem Ausharren auf den wiederkommenden Herrn. Daran, schreibt der Apostel Paulus, erinnere ich mich unablässig. Und wenn euch eure eigene Auserwählung oft nicht lebendig bewußt ist, ich, euer Bote und Bruder, euer Vater in Christo, ich weiß um eure Auserwählung!

Noch anschaulicher und lebendiger wird uns das, wenn wir den 4. Vers in Zusammenhang bringen mit all den Aussagen hinsichtlich der Erfahrungen des Paulus mit den Thessalonichern, die wir von Vers 5-10 lesen. Im ganzen finden wir 14 Stücke, die in Verbindung stehen mit der Auserwählungsgewißheit. Sie sind zugleich Wurzel und Frucht dieses wunderbaren Wissens. Es sind

  1. das Werk (Arbeit, Kampf) des Glaubens,
  2. die Mühe (Anstrengung, Beschwerde) der Gottesliebe,
  3. das Ausharren (Standhaftigkeit, Festhalten) der Hoffnung oder Erwartung,
  4. das Wort (Kunde, Botschaft, Nachricht),
  5. die Kraft (Stärke, Macht, Vermögen),
  6. der Heilige Geist (gottgeweihter Hauch oder Odem),
  7. große Gewißheit (starke Bestätigung, Vollgewißheit),
  8. unsere und des Herrn Nachahmer (Darsteller, Ebenbilder),
  9. in vieler Drangsal (Trübsal, Druck und Angst),
  10. Freude des Heiligen Geistes (Lust, Wonne, Seligkeit),
  11. Vorbilder (Beispiel, Gepräge, feste Norm),
  12. euer Glaube ausgebreitet (ausmarschiert, zum Kampf ausgezogen),
  13. Gott dienen (Sklave sein, gehorchen),
  14. den Sohn erwarten (aushalten, ausharren).

Weil diese 14 Dinge bei den Thessalonichern vorhanden waren, wußte Paulus, daß sie wirklich Erwählte waren, selbst wenn sie selbst daran gezweifelt hätten. Laßt uns diesen ganzen Schriftzusammenhang gründlich durchforschen und durchbeten! Er wird uns gewaltig anregen und zur beglückenden Bestätigung unserer Auserwählungsgewißheit werden. Immer und unbedingt gilt auch uns Jesu Wort in Joh. 15, 16: “Ihr habt nicht mich auserwählt, sondern ich habe euch auserwählt.” So wie Israel von Grundlegung der Welt an erwählt ist, so sind wir als Glieder des Körpers Christi vor Grundlegung des Kosmos erwählt; beide Körperschaften sind auserwählt, wenn auch zu verschiedenen Zeiten und zu unterschiedlichen Aufgaben.

Einen unerschöpflichen Trost für solche, die ihrer Erwählung nicht vollgewiß sind, bildet 1. Kor. 1, 26-28a: “Sehet eure Berufung, Brüder, daß es nicht viele Weise nach dem Fleische, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, auf daß Er die Weisen zu Schanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, auf daß Er das Starke zu Schanden mache; und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, und das, was nicht ist.”

Denken wir daran, daß der alttestamentliche Träger der Gottheit, wenn wir so sagen dürfen, die von Gold überzogene Bundeslade war. Diese aber bestand aus Akazienholz, der wertlosesten aller Holzarten. Wer wirklich die Bibel zu lesen versteht und angefangen hat, ins Innere des Wortes Gottes einzudringen, dessen Herz jubelt bei einer solchen Feststellung. Ja, die Gotterwählten sind immer Törichte (Dumme, Einfältige), Schwache (Dürftige, Kraftlose), Unedle (Niedrige, Gewöhnliche), Verachtete (Unwerte, Ehrlose) und Nichtse (oder Nullen). Wir lassen uns immer zunächst durch eine solche Erkenntnis und ein solches Eingeständnis schrecken und meinen, jetzt bestehe für uns überhaupt keine Hoffnung und Aussicht mehr. In Wirklichkeit aber ist dieser vom Heiligen Geist gewirkte Einblick und Durchblick in uns selbst die Voraussetzung und nicht etwa die Verunmöglichung unserer Erwählung.

Auf noch einen wunderbaren Punkt möchten wir in diesem Zusammenhang hinweisen. Wir finden in unserer Korintherstelle eine Verknüpfung von Berufung und Auserwählung. Und doch sind das zwei verschiedene Dinge nach Gottes Wort. Vielleicht dient uns eine ganz kurze Formel, wenn wir so sagen dürfen, zur Befestigung und wird uns zugleich eine schlaglichtartige Einführung in das Heilsprogramm Gottes. Bei unserem Vater in Christo Jesu ist

  1. Gnade für alle (Tit. 2, 11),
  2. Berufung für viele (Matth. 20, 16; 22, 14),
  3. Auserwählung für wenige (Matth. 20, 16; 22, 14).

Ganz ängstliche Gemüter dürfen auch umgekehrt lesen und sich sagen: Wenn ich auch nicht zu den wenigen gehöre, die auserwählt sind, ja, nicht einmal zu den vielen zähle, die berufen wurden, so bin ich doch bestimmt einer bzw. eine von allen, für die Gnade da ist! Mit diesem Hinweis dürfen nicht nur du und ich getröstet sein, sondern damit können und wollen wir viele Bedrückte und Unsichere ermuntern. Und wenn man ihnen dann anschließend am aaronitischen Segen zeigt, wie diese Gnade aktiviert, d. h. wirksam gemacht wird, dann dürfen solche auch zur Vollgewißheit der Erwählung durchbrechen. Im zweiten Doppelglied von 4. Mo. 6, 24-26 heißt es nämlich: “Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig!” Das leuchtende Angesicht Gottes bedeutet aber immer ein Aufdecken der Sünde, während das Wesen der Gnade Beseitigung, Hinwegnahme der Sünde ist. Wie unbeschreiblich schön und herrlich ist doch Gottes Wort, wo immer man es auch aufschlägt! —

5. Entrückungsgewißheit

Bei der Auserwählung schauten wir zurück in die Vergangenheit; bei der Entrückung blicken wir vorwärts in die Zukunft. Während aber die Rückschau in unsere voräonische Erwählung sich über unermeßliche Zeiträume spannt, ist unsere Entrückung uns sehr, sehr nahe. Bis dahin ist, an den Äonen gemessen, nur ein Augenblick, nur das Zwinkern eines Auges.

Wir wollen zum Beweis für die herrliche und darum bekämpfte, von vielen abgelehnte und geschmähte Wahrheit der Entrückung nur drei Gottesworte nennen: 1. Thess. 4, 16-18; Phil. 3, 20.21 und 1. Kor. 15, 51-58. Wir haben zu der Kernstelle beim ersten und dritten Schriftwort noch einen bzw. einige Verse hinzugenommen, weil darin ernste und köstliche Wahrheiten genannt sind, die in organischem Zusammenhang mit der Entrückung der Gemeinde stehen. Lesen wir aufmerksam und betend folgende Worte, auch wenn wir sie, was ja bei den meisten unserer Leser der Fall sein wird, auswendig wissen. Göttliche Wahrheitsworte muß man nicht nur “auswendig”, sondern auch “inwendig” und “anwendig” kennen!

“Der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel.” (Für Israel sendet Er Engel, für uns, Seinen Körper, also einen Teil Seines Ich, kommt Er, das Haupt, selbst! Beachte die Ausdrücke: Gott selbst, der Herr selbst, der Geist selbst, was immer einen Gegensatz zu Engeln und Geistermächten bedeutet!) “Und die Toten in Christo werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und also werden wir allezeit bei dem Herrn sein. So ermuntert nun einander mit diesen Worten … Unser Bürgertum ist in den Himmeln, von woher wir auch den Herrn Jesum Christum als Heiland erwarten, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit Seinem Leibe der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, mit der Er vermag, auch alle Dinge Sich zu unterwerfen … Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dieses Verwesliche muß Unverweslichkeit anziehen, und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: ‘Verschlungen ist der Tod in Sieg’. Wo ist, o Tod, dein Stachel? wo ist, o Tod, dein Sieg? Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesum Christum! Daher, meine geliebten Brüder, seid fest, unbeweglich, allezeit überströmend in dem Werke des Herrn, da ihr wisset, daß eure Mühe nicht vergeblich ist im Herrn.”

Wem gilt die Entrückung?

Über die Entrückung herrschten und herrschen die verschiedensten, sich zum Teil stark widersprechenden Auffassungen. Der Liberalismus, zu deutsch Unglaube aller Schattierungen, behauptet, es gäbe gar keine Entrückung. Schwärmer, Fanatiker, Ketzer und Sektierer hätten sie erfunden. Mit solchen Schmähungen göttlicher Liebessehnsucht nach den Gliedern Seines Sohnes brauchen wir uns nicht auseinanderzusetzen. Das wird Gott zu Seiner Zeit und auf Seine Weise tun. Und bis dahin wollen wir warten.

Aber auch unter denen, die sich zu diesem herrlichen Erwartungsgut bekennen, gibt es die unterschiedlichsten Meinungen. So wurde mir z. B. berichtet, daß ein durchaus ernst zu nehmender Pfarrherr in einer vielhundertköpfigen Brüderversammlung sagte, daß von den anwesenden Jünglingen und Männern wohl kaum mehr als eine Handvoll entrückt würde, wenn der Herr jetzt käme.

Ganz anders wiederum urteilen Männer und Gruppen, die dafür halten, daß Entrückung etwas für die große Masse des unerretteten “Kirchenvolkes” sei. Entrückung gehöre nicht zum Hoffnungsgut der Gemeinde, die den Leib oder Körper des Christus bildet. Ja, manche lehren sogar, die Gläubigen und Heiligen aus Japhet, die nicht zu Sem, insbesondere nicht zu Juda oder Israel gehörten, seien nicht Glieder des Leibes, sondern Glieder des Hauptes Christi Jesu. Als solche hätten sie nichts mit Entrückung zu tun. Sie erwarteten die Exanastasis, die Aus- oder Herausauferstehung. Was das besagen will, werden wir bei unserem nächsten Punkt zu beleuchten versuchen. Hier kursieren die unmöglichsten Auffassungen, die sich ergänzen, widersprechen oder überschneiden. Geistliche Menschen, die sowohl die Schrift als auch die menschliche Seele kennen, haben den Eindruck, daß sich hierbei meist starkes Geltungsbedürfnis, eitle Wichtigtuerei “durchdrückt”, wie ein Fachausdruck der Psychoanalyse das nennt. Jeder will mehr sein als der andere.

Von solchen “zu eitlem Geschwätz Abgeirrten” schreibt Paulus in 1. Tim. 1, 3-7, wenn es sich auch hier zunächst um gesetzliche Anordnungen und Geschlechterfolgen des Alten Testaments handelt. Im tiefsten Grunde ist die Sache die gleiche: menschliche Rechthaberei und Besserwisserei, die am Herzstück gesunden, biblischen Glaubenslebens vorbeigeht. Wir wollen niemand verurteilen noch schmähen. Das letzte und allein richtige Urteil gibt, wer weiß wie bald, der Herr selbst. —

Eisennägel und Holznägel

Entrückt werden alle, die wirklich Leben aus Gott haben, ob sie nun aus dem Volk der Wahl oder aus den Nationen kommen. Ein schlichtes Bild, das schon vielen Gläubigen half und ihnen ein wesenhafter Trost wurde, sei hier gegeben. Stellen wir uns einen Schuhmacher vor, der am Wochenende seinen Schustertisch aufräumt. Er will Eisennägel und Holznägel besonders legen. Was tut er? Er nimmt nicht jeden einzelnen Nagel in die Hand, sondern fährt mit einem starken Magneten langsam über seinen Arbeitstisch. Die Eisennägel springen an den Magneten und die Holznägel bleiben liegen. Nicht nur die neuen, sauberen, unbenützten Eisennägel hängen sich an das magnetisierte Eisen, sondern auch die krummen, häßlichen, angerosteten. Die Holznägel jedoch, auch wenn sie ganz neu und sauber sind, bleiben liegen. Sie sind ja nicht vom gleichen Charakter, von der nämlichen Substanz wie der Magnet.

Verstehen wir, was das heißen soll? Ein Kind begreift dieses wunderschöne Bild. Es kommt nicht darauf an, daß wir ganz blank und frei von Flecken und Beschädigungen sind, sondern nur darauf, daß wir nicht Holz-, sondern Eisennägel sind, der Natur und dem Charakter unseres himmlischen Magneten entsprechen. Nicht wir Menschen sortieren, wer wirklich gerettet ist, wer ein Glied am Körper Christi ist, wer entrückt wird und wer nicht, sondern Gott. Wer sich ganz mit Christus eins machen läßt, wer Seinen Geist hat, der ist Sein. Und bei wem das nicht der Fall ist, und sei er ein noch so sauberer, fehlerfreier “Holznagel”, der wird nicht emporgezogen in den Lichtglanz Gottes durch die magnetische Liebesgewalt des wiederkommenden Herrn.

Mir hat schon mancher Mensch in heiligen Stunden gebeugt, beschämt und doch zuversichtlich vor Gottes Angesicht bekannt: “Wissen Sie, Bruder Heller, ich bin auch so ein verbogener, angerosteter Eisennagel, aber ich bin ein Eisennagel. Das darf ich ganz bestimmt wissen durch den Geist meines Gottes. Und darüber bin ich trotz meines Nochnichtvollendetseins von Herzen froh und glücklich.”

Wer das nicht versteht, der weiß noch nicht, was Gnade ist. Er mag ein strenger Moralist, ein eifriger Gesetzesmensch, ja, eine religiöse Größe sein, — aber von dem Erbarmen des Vaters der Liebe hat er noch wenig oder nichts verstanden. Und solche “Holznägel” haben wir in unseren organisierten und nicht organisierten “Christentümern” mehr, als wir meinen.

Wohl uns, daß es einen Weg gibt, aus einem stolzen Holznagel ein lebendiger, wenn auch noch nicht völlig zurechtgebogener Eisennagel zu werden! Das wird einst in dem Umschmelzungs- und Vollendungsprozeß im Reinigungsfeuer vor dem Preisrichterstuhl Christi nachgeholt werden, Lesen wir dazu 2. Tim. 2, 20.21 u. a. Stellen! Es gibt eine Entrückungsgewißheit! Glückselig der, der sie haben darf und dafür loben und anbeten kann in heiliger Freude und von Herzen rufen kann: “Amen, ja, komm, Herr Jesu!” Wer aber mitleidig lächelnd glaubt, diese vermeintlich niedere Stufe längst überwunden zu haben, prüfe das Wort Gottes und sich selbst, damit er einst nicht beschämt und gedemütigt vor seinem Herrn erscheine! —

Wir haben bis jetzt fünf Gewißheiten bzw. Ungewißheiten betrachtet, die wir alle durchlaufen und durchsterben, durchleben und durchlieben. Nun bleiben noch drei Gewißheiten, die nicht gegenwärtiger Besitz, sondern Verheißungsgut sind, gewissermaßen “Zukunftsmusik”, wie der Volksmund gar nicht so unzutreffend sagt. Es sind dies die Ausauferstehungsgewißheit, die Kronengewißheit und die Vollendungsgewißheit, — drei wunderbare Gnaden Gottes, die unser Herz mit Entzücken und Frohlocken füllen, wenn der Heilige Geist sie uns innerlich durch den Glauben zugeeignet hat. Betrachten wir also als nächstes die

6. Ausauferstehungsgewißheit

Was ist Ausauferstehung? Wohl kein biblischer Begriff wurde in den letzten Jahrzehnten so innig bezeugt und von der anderen Seite so verächtlich geleugnet wie die sogenannte Exanastasis. Was will Gottes Wort darunter verstanden wissen? Was sagen die heiligen Urkunden darüber? Wie steht geschrieben? Andere Quellen können und dürfen uns nicht entscheidend sein.

Das Wort Exanastasis = Ausauferstehung kommt im NT ein einziges Mal vor. Wir begegnen ihm in Phil. 3, 11: “… ob ich auf irgend eine Weise hingelangen möge zur Ausauferstehung aus den Toten.” Das entsprechende Zeitwort exanistämi finden wir an drei Stellen: Mark. 12, 19; Luk. 20, 28 und Apg. 15, 5. Sie lauten: “Wenn jemandes Bruder stirbt und hinterläßt ein Weib und hinterläßt keine Kinder, muß sein Bruder sein Weib nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken … Wenn jemandes Bruder stirbt, der ein Weib hat, und dieser kinderlos stirbt, soll sein Bruder das Weib nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken … Etliche aber von der Sekte der Pharisäer, welche glaubten, standen auf und sagten: Man muß sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz Moses zu halten.”

Wir sehen an sämtlichen drei Stellen, in denen das Wort ausauferstehen als Tätigkeitswort gebraucht wird, daß es sich in keinem Fall dabei um Ausauferstehung aus Toten handelt, sondern daß dieser Ausdruck für Nachkommenzeugen bzw. für das Heraustreten einzelner aus einer bestimmten Gruppe von lebenden Menschen gebraucht wird. Es bleibt also nur eine einzige Stelle übrig, die klar und hell sagt, daß es eine Herausauferstehung aus Toten gibt. Niemand wird bezweifeln, daß Ausauferstehung mehr ist als anastasis (Auferstehung), das 42-mal im NT vorkommt.

Zwei oder drei Zeugen

Nun lesen wir aber in 5. Mo. 19, 15b: “Auf zweier Zeugen Aussage oder auf dreier Zeugen Aussage soll eine Sache bestätigt werden.” Dazu schlagen wir Hebr. 1, 1 auf, wo geschrieben steht: “Nachdem Gott vielfältig und auf mancherlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat Er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn.” Es ist doch klar, daß eine wichtige Sache mehr als einmal gesagt wird. Darum hat auch Gott auf die verschiedenste Weise geredet. Und das nicht nur zur Welt, sondern auch zu Seinen Auserwählten. In wieviel Prototypen (Urbildern, Mustern oder Vorbildern) hat Er z. B. auch die Auswahlgemeinde des Körpers Christi dargestellt!

Daß “jede Sache” (jeder Ausspruch) aus zweier oder dreier Zeugen Mund bestätigt werden muß, sagt auch 2. Kor. 13, 1. In Joh. 5, 31-39 nennt der Herr eine Reihe von Zeugen, die Seine Gottessohnschaft beglaubigen. Zunächst sagt Er es selbst von Sich, dann nennt Er Johannes den Täufer als Bestätiger Seiner Messianität, und zum dritten führt Er Seine Werke als Beweis für die Wahrheit Seiner Aussagen an.

Doch nicht nur das! Er sagt im 37. Vers: “Der Vater, der mich gesandt hat, Er selbst hat Zeugnis von mir gegeben.” Zuletzt nennt Er auch die Schriften, also das gesamte AT, als Seinen Zeugen.

Noch ein letztes Wort sei in diesem Zusammenhang genannt: 1. Joh. 5, 7.8. Dort steht geschrieben: “Drei sind, die da zeugen, der Geist und das Wasser und das Blut. Und die drei sind einstimmig. Wenn wir das Zeugnis der Menschen annehmen, das Zeugnis Gottes ist größer; denn dies ist das Zeugnis Gottes, welches Er gezeugt hat über Seinen Sohn.”

Wir sehen, daß wichtige Wahrheiten mehrfach bezeugt werden. Damit ist keineswegs gesagt, daß irgendetwas, was in der Schrift nur einmal ausgesprochen ist, fraglich sei! Aber es sollte uns doch zu denken geben, daß man auf Grund einer Schriftstelle versucht, eine Heilskörperschaft mit großen Sonderbegnadungen zu sammeln, für die die Entrückung der Gemeinde eine längst überwundene, minderwertige Sache sein soll, da man ja kraft “höherer Erkenntnis” jetzt zur Ausauferstehungsgemeinde gehöre.

Voraussetzungen zur Ausauferstehung

Als Paulus den Philipperbrief schrieb, hatte er für sich persönlich noch nicht die Gewißheit, ob er ausauferstehen werde (Vers 12a). Erst der ganze Zusammenhang von Kap. 3, Vers 7-16, den man betend und in heiliger Selbstprüfung immer wieder durchdenken sollte, zeigt uns, welch ernste Voraussetzungen vorhanden sein müssen, um zu dieser hohen und herrlichen Vollgewißheit durchzudringen.

  1. Paulus hatte alles, was ihm Gewinn war, um Christi willen für Verlust geachtet. Das waren nach Vers 4-6 gewaltige Dinge.
  2. Er hat alles eingebüßt, alles verloren und drangegeben, ja, es für “Dreck” (skybalon = Unrat, Auswurf, Mist, Kot) geachtet.
  3. Er wollte allein in Christo erfunden und gefunden werden. Wo man ihn auch suchte, nur “in Christo” und sonst nirgends wollte er aufgefunden werden. Du und ich auch?
  4. Er wollte den Herrn, die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft (Teilnahme) Seiner Leiden erkennen (ginooskoo = verstehen, erfahren, dazu entschlossen und entsprechend gesonnen sein, in der festen Überzeugung verharren).
  5. Diese Stellung wollte er erreichen, indem er Seinem (d. i. Christi) Tode gleichgestaltet werde (symmorphoo = der Gestaltung, Schönheit und Qualität innerlich und äußerlich gleichgeartet).
  6. Er will auf irgendeine Weise zur Ausauferstehung hingelangen. Daß er zur Auferstehung bzw. zur Verwandlung und Entrückung kommen werde, dessen war Paulus längst vollgewiß. Das beweisen seine Briefe. Aber die Vollgewißheit seiner persönlichen Ausauferstehung stand noch aus (Vers 13).
  7. Da er von Christo ergriffen war, wollte er alles ergreifen, was ihm von Gott im Sohn verheißen und geschenkt war. In allen Stücken wollte er seinem Herrn und Haupt gleichgestaltet, innerlich und äußerlich ähnlich werden. Diesem Ziel jagte er nach (verfolgte, erstrebte es eifrig, wie wir auch übersetzen dürfen) und wartete nicht, daß es ihm in den Schoß gelegt werde, da ja angeblich Gott alles ganz allein tut und wir gar nichts zu tun vermögen (Vers 12-14).

Die folgenden Verse 15 und 16 sind von einer wunderbaren Milde und Güte erfüllt, so ganz anders, als wir es bei den Fanatikern aller Prägungen finden, die aus ihren “allein seligmachenden” Sonderlehren eine Keule schnitzen, mit der sie jeden bedrohen, der nicht ihrer Meinung ist. Welch ein abgrundtiefes Mißverständnis der Frohbotschaft der Liebe! Lesen wir langsam und betend die beiden oben genannten Verse von Phil. 3 und lassen wir uns die gleiche Gesinnung schenken! —

Halten wir fest: Es gibt nach Phil. 3, 11 eine Heraus- oder Ausauferstehung, die nach ihrem Wortlaut eine Auferstehung aus der Mitte solcher ist, die ebenfalls auferstehen. Sie ist eine besondere Begnadigung, eine Bevorzugung, die denen zuteil wird, die daran teilhaben dürfen. Die griech.-kath. Kirche kennt sie auch und nennt sie “anastasis honoris causa”! Das heißt, daß solche, die Gott besonders ehren will, dieser Auferstehung teilhaftig werden dürfen.

Wenn bei einer Wahrheit in besonderer Weise darauf hingewiesen werden muß, daß wir weder zur Linken (in den Unglauben, die Leugnung und die Lästerung) noch zur Rechten (in die Übertreibung, die Linienverlängerung und die Gigantomanie) abirren dürfen, dann hier! Wer aus der Wahrheit ist, wird zur gottverordneten Zeit auch diese köstliche Wahrheit fassen und verstehen dürfen. Vergessen wir aber nie, daß Gott Seine Geheimnisse nur denen offenbart und wesenhaft vermittelt, die in der Demut vor dem Herrn und in der Liebe zu allen Heiligen stehen! —

7. Kronengewißheit

Wenn Gottes Wort von Kronen spricht, so haben wir nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, davon Zeugnis zu geben. Wollte man nur von Kronen und Thronen reden, die nach unserer Meinung auf uns warten, so wäre das hochmütige Schwärmerei. Das kommt leider da und dort vor und hat meist üble Folgen.

Auf der anderen Seite führt eine Verkündigung, die den Goldklang des Evangeliums, die Freude und die Krone (Phil. 4, 1), nicht kennt und nur Leiden und Sterben betont, in Schwermut und Fruchtlosigkeit. Vor beiden Abwegen möchten wir uns in heiligem Ernst bewahren lassen; wir erleben in diesem Stück manche abschreckenden Beispiele.

Nach der Schrift gibt es Kronen und Kronengewißheit. Schon Joseph wurde von seinem Vater Jakob in seiner prophetischen Rede in 1. Mose 49, 26 Nasiräer oder Gekrönter genannt. Auch Mose nennt ihn so (5. Mo. 33, 16). Spr. 17, 6 bezeichnet Enkelkinder als “Krone der Alten”, und in Sach. 9, 16 werden die Glieder des auserwählten Volkes “Kronensteine” oder “Gemmen (Edelsteine oder Glanzstücke) eines Diadems” genannt. Sie empfangen also nicht nur eine Krone, sondern sie sind selber Krone! Darüber später mehr.

Arten von Kronen

Gottes Wort kennt fünf Arten von Kronen. Schon bei der folgenden Aufzählung werden wir bei der Erklärung, wofür diese Kronen einmal verliehen werden, erkennen, daß sie mehr als nur ein äußerlicher Schmuck von zweifelhafter Dauer sind.

Oder würdest du dich wohlfühlen, wenn du dauernd eine schwere Goldkrone auf dem Kopf tragen müßtest? Ganz gewiß nicht! Und dennoch dürfen wir alles, auch wenn es nicht nach unserm Geschmack ist und wir es nicht begreifen können, zunächst wörtlich nehmen und nicht sofort vergeistigen und damit verflüchtigen. Die himmlische Stofflichkeit wird einmal eine ganz andere, von viel höherer Art und wunderbarerer Geistsubstanz sein als unsere jetzige verfinsterte irdische (vgl. 1. Kor. 15, 40ff.). Die Schrift nennt

  1. die Lebenskrone für Dulder und Märtyrer: Jak. 1, 12; Offb. 2, 10;
  2. die Krone der Unvergänglichkeit für Enthaltsamkeit und Leibesbezähmung: 1. Kor. 9, 24-27;
  3. die Krone der Herrlichkeit für gottgemäßen Hirtendienst: 1. Petr. 5, 1-4;
  4. die Krone des Ruhmes für fruchtbaren Zeugendienst: 1. Thess. 2, 5-7.19;
  5. die Krone der Gerechtigkeit für Kampf und Bewahrung des Glaubens: 2. Tim. 4, 7.8.

Wie erlangt man Kronengewißheit?

Der Apostel Paulus, der sich unser Vorbild nennt, dem wir nacheifern sollen (Phil. 3, 17; 1. Kor. 11, 1), hatte Kronengewißheit. Diese Gewißheit wird aber nicht wie eine Schleuderware jedem in den Schoß geworfen. Zu ihr führen steile Stufen. Diese finden wir in den Ermahnungen und Ermunterungen von 2. Tim. 4, 5-8 aufgezeichnet:

  1. Nüchternheit oder Enthaltsamkeit in allem (en pasin);
  2. Mühsal, Unglück, Schaden, Niederlagen erleiden oder sich abquälen;
  3. “Vollbringe mit Fleiß das Kunstwerk eines Evangelisten!”
  4. “Richte deinen diakonischen Dienst völlig, d. h. bis zum Vollmaß aus!”
  5. Paulus stellt sich Gott als Trankopfer dar, gießt sich aus, gibt sich hin, stellt sich völlig zur Verfügung;
  6. Pauli Abscheiden (analysis = Auflösung, Erlösung, Abreise, Aufbruch, Tod) ist gekommen;
  7. den guten Kampf, der bis in die Todesnähe führte, hat er gekämpft;
  8. er hat den Wettlauf (das Rennen, den Sturmschritt) genau eingehalten, verwirklicht, erfüllt, vollendet.

Wenn wir uns im Spiegel dieser acht paulinischen Zeugnisse prüfen, dann kommen wir uns doch ohne Zweifel kraftlos und armselig, bequem und faul vor. Aber Gott erwartet ja von uns auch nicht, daß wir das gleiche tun und leisten, was Paulus vollbracht hat. Doch sollten wir die gleiche Gesinnung, die gleiche Zielrichtung innerster Herzenseinstellung haben. Weil das bei unserm großen Bruder und Lehrer so war, wie es oben gezeigt ist, darum wurde ihm auch die Kronengewißheit geschenkt. Es soll keiner unter uns von Kronen und Thronen sprechen, wenn er nicht in der gleichen sich verzehrenden Liebe wie Paulus vor seinem Gott und Vater steht!

Dennoch ist es möglich, diese Krone oder diesen Siegeskranz zu empfangen! Lesen wir doch in 1. Kor. 9, 25: “Laufet so, daß ihr ihn (den Kampfpreis) erlanget!” Schon im Buch der Sprüche werden wir vom Herrn aufgefordert, durch Gehorsam gegen die Eltern einen “anmutigen Kranz” und ein “Halsgeschmeide” zu erringen (1, 8.9). Nur am Rande sei vermerkt, daß diese Worte zunächst Israel, im weiteren Sinne auch uns, jedoch zutiefst dem Sohne Gottes gelten, da ja in prophetisch-symbolischer Schau der Psalter und die Sprüche wie auch das Predigerbuch und das Hohelied Zwiegespräche zwischen Gott und Seinem Sohn enthalten, in die wachstümlich die Gemeinde, Israel, die Nationen sowie die Licht- und Finsterniswelt einbezogen sind. Wer das zu fassen vermag, der fasse es! Wem es aber noch nicht aufgeschlossen ist, der lasse es ohne Widerspruch und Streit liegen, bis es dem Geist Gottes wohlgefällt, es ihm zu enthüllen. —

Beim genauen Prüfen der Stellen vom Erlangen der Krone finden wir, daß nicht Leistungen, sondern Treue und Liebe die Ursachen für die Verleihung eines Siegeskranzes sind. Erinnern wir uns nur etwa an 2. Tim. 2, 5; 4, 8; Jak. 1, 12 und Offb. 2, 10b! Das ist ein starker Trost für uns Elende und Arme, die wir uns nicht zu den ungeheuren Leistungen eines Paulus aufzuschwingen vermögen.

Die Gemeinde ist Christi Ruhmeskranz

Daß Herrscherkrone und Siegeskranz mehr als nur Äußerliches bedeuten, ersehen wir aus der wunderbaren Tatsache, die wir schon berührten: In Phil. 4, 1 nennt Paulus seine Briefempfänger “geliebte und ersehnte Brüder, Freude und Krone”. Welch ein köstliches Wort! Was aber die Philipper für den Apostel bedeuteten, bedeutet die Gesamtgemeinde für Christus Jesus, der ja in Paulus wohnte. Sehnte sich doch der Apostel der Nationen nicht mit seinem eigenen, sondern mit dem Herzen Christi Jesu nach allen Philippern! Nach ihnen allen, nicht nur nach einigen wenigen besonders Frommen und Vollkommenen! Lesen wir dazu betend Phil. 1, 8!

Schlagen wir dazu noch das ergreifende Wort in 1. Thess. 2, 19.20 auf: “Wer ist unsere Hoffnung oder Freude oder Krone des Ruhmes? Nicht auch (oder: nicht gerade) ihr vor unserm Herrn Jesu bei Seiner Ankunft? Denn ihr seid unsere Herrlichkeit und Freude.”

Mit diesen beiden Zeugnissen eröffnet sich uns eine neue, herrliche Wahrheit. So, wie die Philipper und Thessalonicher die Ruhmeskrone des Apostels Paulus sind, so sind wir die Hoffnung, die Freude und der Siegeskranz des Herrn selbst! Wem das zu groß und kühn erscheint, der bedenke doch einmal, was es bedeutet, daß unser Bruder Paulus in Gal. 2, 20, inspiriert durch den Heiligen Geist, sagen durfte: “Ich bin mit Christo gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt lebe im Fleische, lebe ich durch den Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat.”

Wir dürfen also, wenn wir diese Zusammenhänge durch den Geist aus dem Wort der Schrift erkannt haben, froh und frei bezeugen, daß wir Christi Jesu Ruhmeskranz und Herrlichkeitskrone sind.

Der Glaube wagt in diesem Licht folgende Worte auf das Haupt und die Glieder zu beziehen: “Du (Gott) hast Ihn (den Sohn) ein wenig unter die Engel erniedrigt; mit Herrlichkeit und Ehre hast Du Ihn gekrönt und Ihn gesetzt über die Werke Deiner Hände; Du hast das All Seinen Füßen unterworfen … Jetzt aber sehen wir Ihm noch nicht das All unterworfen. Wir sehen aber Jesum, der ein wenig unter die Engel wegen des Leides des Todes erniedrigt war, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt” (Hebr. 2, 7-9a).

Man könnte einwenden: Daß wir wie unser Herr ein wenig oder für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt sind und unter gewissen Umständen auch eine Krone erwarten dürfen, das können wir noch begreifen. Aber daß wir für andre leiden oder gar den Tod schmecken sollen, das kommt doch auf keinen Fall in Frage!

Dennoch geben wir folgendes zu bedenken: Wenn wir nicht nur die gleiche Gesinnung haben sollen wie unser Herr (Phil. 2, 5), sondern auch Christus in uns Gestalt gewinnt (Gal. 4, 19) und wir mit Ihm eins gemacht werden in der Gleichheit Seines Todes (Röm. 6, 5), so dürfen wir unter der Zucht des Geistes auch diese Linie bis zu dem Zeugnis von Kol. 1, 24 verlängern. Dort lesen wir: “Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und vervollständige in meinem Fleische, was noch rückständig ist von den Drangsalen des Christus für Seinen Leib, das ist die Gemeinde, deren Diener ich geworden bin.”

Was bedeutet “die Drangsale des Christus für Seinen Körper ergänzen”? Das letzte Wort heißt antanapläroo = anstatt-hinauf-füllen. Paulus freut sich jetzt — er hat es also nicht immer gekonnt und getan! — in den Leiden (pathä = Erdulden, Schmerz, Unglück, Krankheit, Mißhandlung, Hinrichtung, Tod). Dies bedeutet aber ein Vollmachen, ein Auffüllen der Leiden des Sohnes Gottes.

Damit ist natürlich nicht Sein Erlösungstod am Kreuz gemeint. Den hat Er allein erduldet, dabei half Ihm niemand. Kein Geschöpf vermag etwas zu Seinen Versöhnungsleiden hinzuzutun oder hinwegzunehmen. Aber es gibt auch ein priesterliches Mitdulden und Mitleiden mit den Schmerzen und Nöten andrer. Diese sind hier gemeint, und an denen haben auch wir teil, wenn ein fühlendes Herz in unserer Brust schlägt. Es gibt sogar stellvertretendes Leiden für unsere Mitgeschöpfe, wie wir das nicht nur bei Edlen und Frommen, sondern sogar bei ausgesprochen Gottlosen finden, ja, sogar in der Tierwelt beobachten. Wer wollte das leugnen?

In dem Maß, wie wir mit Christus leiden, werden wir mit Ihm verherrlicht werden. Und in dem Maß, wie ein Mensch oder ein Volk sich selbst verherrlicht und Üppigkeit treibt, wird ihm Qual und Trauer zuteil (Offb. 18, 7.8). Es lohnt sich, den erschütternden Abschnitt von Offb. 18, 11-20 gründlich durchzustudieren, denn die Erfüllung dieses Wortes ist näher, als wir leichtsinnigen Menschen es vermuten.

In 2. Kor. 8, 23 lesen wir: “Unsere Brüder sind … Christi Herrlichkeit.” Welch ein Wort! Das gleiche steht in 1. Kor. 11, 7 geschrieben: “Der Mann ist Gottes Bild und Herrlichkeit.” Schließlich denken wir noch an 2. Thess. 1, 10, wo uns bezeugt wird, daß der Herr bei Seiner Wiederkunft mit Seiner Gemeinde nicht von, sondern in Seinen Heiligen verherrlicht und in allen, die Ihm geglaubt haben, bewundert werden wird.

Diese Aussagen sind nicht im Hirn oder Herzen eines Größenwahnsinnigen entstanden, sondern sind inspiriertes, geistgehauchtes und geisthauchendes Gotteswort. Auch hier gilt: “Wer es zu fassen vermag, der fasse es!”

Der Herr selbst ist Krone und Kronenträger

Noch eine Schlußbemerkung sei hinsichtlich der Kronengewißheit erlaubt. In Jes. 28, 5 und 62, 3 steht geschrieben: “An jenem Tage wird der Herr der Heerscharen dem Überrest Seines Volkes zur prächtigen Krone und zum herrlichen Kranze sein … Du (Zion und Jerusalem) wirst eine prachtvolle Krone sein in der Hand des Herrn und ein königliches Diadem in der Hand deines Gottes.”

Diese beiden Zeugnisse schließen nach menschlichen Denkgesetzen einander aus. Denn nach Jes. 28, 5 wird Gott dem Überrest Seines Volkes eine prächtige Krone, also der König Seines Erbteils, und ein herrlicher Kranz, also der Sieger in den Wirren der Endzeit sein. Gott selbst ist die Herrscherkrone und das Siegesdiadem Seiner Erwählten. Ein wunderschönes Bild!

In Jes. 62, 3 ist es gerade umgekehrt! Da ist nicht das Volk der Gekrönte und der Herr die Krone, sondern Zion, d. h. Israel wird eine prachtvolle Krone in der Hand des Herrn sein, ein königlicher Schmuck in der Hand seines Gottes. Da ist also Jahwe (Jehova) der Kronenträger und Israel der edelste Kopfschmuck höchster Würde.

Wir sehen hier, wie in so vielen Zusammenhängen der Schrift, die göttliche Wahrheit, die wir das “Gesetz der Rückbeziehung” nennen möchten. Was die Geliebte für den Liebenden ist, das ist auch gleichzeitig der Liebende für die Geliebte.

Ist nicht auch der Körper des Christus die Vervollständigung (plärooma = Ergänzung, Auffüllung, Vollkommenheit, Fülle) des Hauptes und das Haupt wiederum die des Körpers oder Leibes? Oder sind in einem normalen, gottgewollten Familienleben nicht die Kinder die Freude der Eltern und die Eltern das Glück und die Versorger der Kinder? Oder nennt nicht die Braut ihren Bräutigam “Schatz” und umgekehrt der Bräutigam sein zukünftiges Eheweib sein höchstes, heiligstes Gut, seinen “Schatz”?

So wird Israel oft als das “Schatzvolk” Gottes bezeichnet, das für Gott so unantastbar ist wie Sein eigner Augapfel. Andrerseits sind der Vater und der Sohn das höchste und schönste Gut derer, die ganz Sein eigen sind, es seien Israel oder die Nationen.

Zuletzt wird nach Gottes heiligem Eidschwur die Schöpfung ihren Schöpfer mit der Liebe lieben, mit der der Gründer des Weltalls alle Wesen liebt, die Er ins Dasein rief und nach denen Er sich gemäß Hiob 14, 15 mit großer Sehnsucht sehnt. Soll doch auch die gleiche Liebe, mit der der Vater den eingeborenen Sohn liebt, in Seinen Jüngern sein, wie im letzten Vers des hohepriesterlichen Gebets geschrieben steht: “Ich habe ihnen Deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, auf daß die Liebe, womit Du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen.”

Der Glaube ergreift diese beseligenden Wahrheiten und betet darüber in heiligem Staunen an. Man kann und darf aber solche göttlichen Mysterien nicht verstandesmäßig an sich reißen wollen. Es gilt sie zu erleiden und zu ersterben, zu erlieben und zu erleben. So und nicht anders werden sie unser unsagbar seliger Besitz, eine göttliche Frucht, die da bleibt, wenn Himmel und Erde in Gottes Gerichtszorn zerstäuben. —

8. Vollendungsgewißheit

Unser Herr Jesus sagte einmal über Sein Volk und Seine unvollkommenen, oft jämmerlichen Nachfolger und Mitarbeiter: “O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen?” (Matth. 17, 17; Mark. 9, 19; Luk. 9, 41). Der Heilige Geist hielt diese Feststellung für so wichtig, daß Er sie dreimal bezeugen ließ.

Zu den gleichen Jüngern sprach Er das wunderbare Wort: “Ein Jünger ist nicht über den Lehrer; jeder aber, der vollendet ist, wird sein wie sein Lehrer” (Luk. 6, 40).

Die erste Hälfte dieses Verses drückt eine selbstverständliche Wahrheit aus. Ein Lehrer muß mehr wissen und können als seine Schüler, sonst ist er kein wirklicher Lehrer. Die zweite Hälfte unsrer Stelle ist jedoch von außerordentlichem Gewicht. Jesus sagt im Blick auf Seine um Ihn stehenden Jünger, daß es eine Vollendung gibt und jeder, der sie erreicht, seinem Meister, also Ihm selbst, gleich sein wird.

Wenn dieses Wort Seinen jüdischen Jüngern gilt, die einmal zur Braut, zum Weib oder auf irgendeiner andern Berufungs- und Erwählungsstufe zum Reich gehören sollen, — wieviel mehr dann uns, die wir Sein Körper, Seine Glieder und Brüder sein dürfen! Der Glaube denkt darüber nach, bekommt Licht von oben und betet an in heiliger Freude. Das kann man nicht erlernen oder erkämpfen; das muß man sich als zerbrochenes, entleertes Nichts vom Herrn selbst schenken lassen.

Nach der Schrift gibt es also eine Vollendungsgewißheit.

Paulinische Zeugnisse über das Vollendetwerden

Am Schluß des 2. Korintherbriefes (Kap. 13, 11) fordert Paulus die gewiß mit vielen Mängeln behafteten Glieder der Gemeinde auf, sich zu vervollkommnen (sich zurechtbringen zu lassen oder vollendet zu werden). Das hier gebrauchte Wort katartizoo ist ein medizinischer Ausdruck, der bedeutet, ein Glied einzurenken, einzurichten oder wieder zur Funktion zu befähigen. Das ist ein treffendes Bild für Gottes Arbeit an einem gefallenen Menschen. Er ist ja hinsichtlich seiner ursprünglichen Bestimmung blind, taub, gelähmt und völlig aus den Fugen. Der Herr wird ihn aber durch Gericht und Gnade völlig wiederherstellen, und wenn Sein Werk Äonen dauern müßte! —

Neben dem guten und wohlgefälligen gibt es auch einen vollkommenen oder zielführenden Gotteswillen. Das ersehen wir aus Röm. 12, 2. Dieses Wort offenbart dem, der es mit erleuchteten Augen des Herzens zu lesen versteht, köstliche Wahrheiten. Man darf darin das Heil des Vorhofs, des Heiligtums und des Allerheiligsten sehen; man kann auch hier Körperschaften der Nationenwelt, Israels und der Gemeinde erkennen; es enthüllt aber auch die Berufung des Adam, des Herrn Jesus und des aus Haupt und Gliedern bestehenden Christus Gottes.

Siebzehnmal kommt im NT das Wort teleios vor. Es bedeutet vollkommen, ausgereift, zielstrebig, Erfüllung bringend. Das ist kein Zufall, wenn wir bedenken, daß 17 die Zahl der geistlichen Vollendung ist. Was nach Matth. 5, 48 (”Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist”) der ins Fleisch erniedrigte Sohn Gottes von Seinen Jüngern verlangt, erwartet das verklärte und erhöhte Haupt Seiner Gemeinde auch von Seinen Gliedern. Siehe Phil. 3, 15; Kol. 1, 28 u. a. m.!

Welche Rolle spielen die Werke?

Eine tiefere Schau über die Bedeutung der “Werke”, die gemeinhin sehr einseitig und oberflächlich ist, gibt uns Jak. 2, 22. Dort lesen wir: “Du siehst, daß der Glaube zu seinen (Abrahams) Werken mitwirkte und daß der Glaube durch die Werke (oder: aus den Werken) vollendet wurde.” Man kann das Verhältnis von Glauben und Werken vielleicht am besten in dem Bild des Baumes begreifen. Die in der Erde verborgene Wurzel des Baumes, die ihn nährt und trägt, ohne die der Baum gar kein Leben hätte, ist der Glaube.

Darum lesen wir auch, daß Gott nicht das “ansieht”, d. h. für das Wichtigste hält, was vor Augen ist, was man sehen und betasten kann, sondern das Herz, das verborgene, eigentliche Quellgebiet unserer Gedanken, Worte und Taten.

Die Krone des Baumes ist sichtbar, imponierend und prahlt mit ihren Früchten. Das sind gewissermaßen die Werke. Aber ohne die verborgenen Wurzeln gäbe es weder Fruchtansatz noch Reife! Doch auch ohne die vor allen Augen bloßliegenden Früchte wäre der Baum wertlos, wäre er zumindest keine Pflanzung Gottes, die ihre Frucht bringt zu Seiner Zeit!

Zum Baum gehören Wurzel und Krone, verborgene Verankerung und Ernährung und sichtbare, einladende, lockende Frucht. So gehören auch zu unserm Leben Glauben und Werke. Ohne Glauben sind hinsichtlich der Errettung unsre Werke wertlos.

Im Blick auf Art und Dauer der Gerichte der Unerretteten spielen die Werke allerdings eine wichtige Rolle; ja, sogar bei uns, den Gliedern des Körpers Christi, werden unsre Werke berücksichtigt bezüglich des Lohnes, der uns gegeben wird. Darum lesen wir in 2. Kor. 5, 10: “Wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus geoffenbart werden, auf daß ein jeder empfange, was er in dem (oder: durch den) Leib getan, nach dem er gehandelt hat, es sei Gutes oder Böses.”

Methoden Gottes zur Vollendung des Alls

Ein gewaltiges Zeugnis über die Wege und Methoden Gottes zur Vollendung des Alls finden wir in Eph. 4, 10-16. Lesen wir es langsam und betend nach. Das All soll nach V. 15 hinein in den Christus zum Wachstum gebracht werden. Und zwar dadurch, daß wir die Wahrheit festhalten in Liebe. Das ist etwas, was wir mit Bewußtsein und Eifer selber tun. Die Wahrheit in Liebe festhalten, sagen und tun, ist gar nicht so leicht.

Wie oft unterschlagen wir die halbe oder die ganze Wahrheit, wenn wir fürchten, daß sie dem Bruder weh tut! Und wie oft schweigen wir, statt zu reden, weil wir in Gefahr stehen, Wahrheitsfanatiker zu werden nach Meinung der andern! Das erfordert gründliche und ernste Selbstprüfung, ob und wie wir etwas sagen sollen!

Was wir aber dadurch bewirken, daß wir die Wahrheit festhalten in Liebe, das kommt uns kaum zum Bewußtsein: Wir bringen das All zum Wachstum (Gedeihen, Vergrößerung, Erhöhung) hinein in den Christus. Wenn das nicht geschrieben stünde, wäre es ein Wahnsinn, so etwas zu behaupten. Das gehört zu den vielen großen, wunderbaren Gottestatsachen, die nie in eines Menschen Herz gekommen sind.

Eine Parallele, die nach unsern irdischen Denkgesetzen als Widerspruch zu der Aussage von Eph. 4, 15 erscheint und schier unglaublich anmutet, ist Kol. 2, 19. Dort ist im Zusammenhang mit der Gefahr des Engelsdienstes, der besonders in der kommenden Endzeit eine gefährliche Rolle spielen wird, die Rede davon, daß diejenigen, die nicht Christus als Haupt festhalten, der schwarzen oder weißen Magie verfallen. Und zwar auf religiösem Gebiet. Wir müßten den ganzen Abschnitt von Kol. 2, 6 - 3, 11 gründlich durchforschen, damit uns die gewaltige Bedeutung der darin dargelegten Wahrheiten aufleuchtet.

Bleiben wir aber in unserm Zusammenhang nur bei Kol. 2, 18.19! Dort lesen wir: “Laßt niemanden euch um den Kampfpreis bringen, der seinen eignen Willen tut in Niedriggesinntheit und Anbetung (Verehrung!) der Engel, indem er auf Dinge eingeht, die er nicht gesehen hat (besser: die er in Gesichten geschaut hat!), eitler Weise aufgeblasen von dem Sinne seines Fleisches, und nicht festhaltend das Haupt, aus welchem der ganze Körper, durch die Gelenke und Bande Darreichungen empfangend und zusammengefügt, das Wachstum Gottes wächst.”

Das “Wachstum Gottes”

Das gleiche Wort auxäsis = Wachstum, Vermehrung, steigendes Ansehen, dem wir in Eph. 4, 15.16 begegnen, finden wir auch hier. Sonst kommt es nicht im NT vor. “Wachstum Gottes”, welch ein Wort! Wächst denn Gott? Oder will der Ausdruck nur besagen, daß der Körper des Christus aus dem Haupt, unserm Herrn, sein Wachstum nach Gottes Maßstäben wächst?

Ohne Zweifel sind hier Tiefen, die wir oberflächlichen modernen Menschen noch längst nicht ausgelotet haben und die wir nach amerikanischer Methode einfach als irreale, nicht wörtlich zu nehmende “Sprachfigur” abtun.

Sicher ist so viel, daß nach 1. Kor. 13, 12b in und nach den kommenden Äonen die unendlichen Räume des Universums durch geist-leibliche Zeugungen der vollendeten Gemeinde des Christuskörpers mit Welten und Wesen gefüllt werden. All das aber wird geschehen ohne Schwachheit und Krankheit, ohne Sünde und Tod! Das geht aus deutlichen Schriftaussagen klar hervor.

Vollendung ist nur in Liebe möglich

Nicht nur für uns, sondern für alle gibt es Rechtfertigung durch Glauben, Heiligung durch die Hoffnung und Vollendung durch und in Liebe. Liebe hat es also mit Vollendung zu tun. Vergleichen wir dazu nur etwa 1. Joh. 4, 17.18: “Hierin ist die Liebe mit uns vollendet worden, auf daß wir Freimütigkeit haben am Tage des Gerichts, daß, gleichwie Er ist, auch wir sind in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollendet in der Liebe.”

Der Herr selbst vollendet uns

Oder erinnern wir uns an das wunderschöne Wort in Ps. 138, 8: “Der Herr wird’s für mich vollenden! Herr, Deine Gnade währt ewiglich! Du wirst nicht lassen die Werke Deiner Hände!”

Wir brauchen nichts und niemand zu vollenden, weder uns noch andre! Das tut der Herr selbst. Das hat schon David gewußt und bezeugt; wieviel mehr sollten wir das fassen und dankbar verkünden! Wird uns doch in Phil. 1, 6 zugesichert: “Ich bin dessen in voller Gewißheit, daß der, welcher ein gutes Werk in euch angefangen hat, es auch vollenden (vollführen, vollbringen) wird bis auf den Tag Jesu Christi.”

Vollendung durch Herrlichkeit

Im 22, und 23. Vers des hohepriesterlichen Gebets (Joh. 17) lesen wir hinsichtlich der Voraussetzung und der Folgen unsrer Vollendung die gewaltigen, bedeutsamen Zusagen: “Die Herrlichkeit, die Du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, auf daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind; ich in ihnen und Du in mir, auf daß sie in eines vollendet seien, auf daß die Welt erkenne, daß Du mich gesandt und sie geliebt hast, gleichwie Du mich geliebt hast.” Die vom Vater dem Sohn und vom Sohn uns verliehene Herrlichkeit bewirkt, daß die Gläubigen “in eins vollendet” sind. Das dürfen wir in bezug auf alle Körperschaften fassen. Dann erst wird die Welt erkennen, was sie jetzt unmöglich verstehen kann und auch nach Gottes Plan und Willen noch nicht verstehen soll, daß Gott den Sohn gesandt hat und uns und alle so liebt, wie Er den Sohn. Das aber ist Vollendungsgewißheit!

Vollendung vollzieht sich nicht automatisch, d. h. ganz von selbst. Man erreicht sie nicht spielend. Sie muß, wie alles Echte und Göttliche, erlitten, erstorben und erliebt werden. Die Akte und Schübe der Vollendung sind wie die Wehen einer Geburt. Es gibt eine Art oberflächliche, amerikanische Frömmigkeit, die nicht viel taugt. Durch Reklame und Propaganda finanzierte, mit seelischen Mitteln betriebene Erweckungen halten nicht stand. Die Scheinfrucht des Promille-Ertrages beweist es. Gott sei Dank, daß es überall, auch in Amerika, echte, göttliche, geistgewirkte Erweckungen gibt und gesegnete Männer ihren Dienst an Massen tun! Ich selbst bin das Kind einer Erweckung in englischer Kriegsgefangenschaft und habe in den fast fünf Jahrzehnten meines Evangelistendienstes Köstliches an Wundern der Gnade erleben dürfen. Gelobt sei der Herr dafür!

Gerade hier heißt es aber nüchtern, bescheiden und demütig sein, ans Wort gebunden und dem Geist gehorsam. Wer das nicht beachtet, betrügt sich selbst und wird einmal tief enttäuscht vor der Preisrichterbühne Christi stehen.

Vollendung durch Leiden

Vollendung kommt nicht von selbst. Sie kostet die Totalität unsres Lebens, fordert den Tod unsrer hochmütigen, selbstsicheren Ichhaftigkeit und führt durch tiefe Nöte. Mußte nicht selbst unser Herr und Haupt “durch Leiden vollendet” werden (Hebr. 2, 10)? Oder lesen wir das gewaltige, inhaltsreiche Zeugnis von Hebr. 5, 7-9: “Der in den Tagen Seines Fleisches, da Er sowohl Bitten als Flehen dem, der Ihn aus dem Tode zu erretten vermochte, mit starkem Geschrei und Tränen dargebracht hat (und um Seiner Frömmigkeit willen erhört worden ist), obwohl Er Sohn war, an dem, was Er litt, den Gehorsam lernte; und vollendet worden (oder vollkommen gemacht) ist Er allen, die Ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden.”

Allen, die durch fromme Leistungen errettet werden wollen, schlägt Hebr. 7, 18.19a jede Stütze aus den Händen: “Da ist eine Abschaffung des vorhergehenden Gebots seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit wegen, denn das Gesetz hat nichts zur Vollendung gebracht.”

Allein das vollkommene Opfer des Leibes Christi kann Grundlage unsrer Rettung, unsrer Heiligung und unsrer Vollendung sein. Darum lesen wir in Hebr. 10, 14: “Durch ein Opfer hat Er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden.”

Wer diese Welt verläßt und in die uns jetzt noch unsichtbare zukünftige Welt eingeht, kann sich auf nichts berufen als auf das für uns und alle vollgültige Opfer des Sohnes Gottes. Wer etwas anderes glaubt bringen und vorweisen zu können, betrügt sich selbst. Denn unser Gewissen sagt uns, daß wir nichts in uns selber haben, was zur Errettung ausreicht.

Die Glaubenshelden von Hebräer 11 werden “nicht ohne uns” vollendet

Und dennoch gibt es einen Synergismus, ein menschliches Mitwirken, das durchaus nicht das aufhebt, was wir oben bezeugt haben. Denken wir nur an die aktiven und passiven Glaubenshelden von Hebräer 11! “Diese alle, die durch den Glauben ein Zeugnis erlangten, haben die Verheißung nicht empfangen, da Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, auf daß sie nicht ohne uns vollkommen gemacht würden” (Verse 39 und 40).

Man kann das so auffassen, wie das Hans Bruns in seiner Übertragung tut, daß die vorausgegangenen Gläubigen warten müssen, bis auch wir, die Letzten, ins Heil eingegangen sind, damit niemand einen Vorrang habe.

Ich halte aber dafür, daß es wohl so genommen werden darf und soll, wie es unser heimgegangener Bruder Karl Geyer immer wieder betont hat: Die Glaubenshelden von Hebräer 11 werden nicht vollendet ohne uns; darum lagern sie nach Hebr. 12, 1 um uns und werden nach 2. Kor. 1, 20 vollendet durch uns. Das ist gewiß eine kühne Formulierung, der aber jeder zustimmen muß, der den Gesamtplan Gottes mit Seiner Schöpfung aus Gnaden aus der Schrift erkennen darf. —

Von acht Gewißheiten suchten wir einiges zu sagen aus der Fülle dessen, was Gottes Wort darüber berichtet. Möchten wir erkennen, auf welcher Stufe wir stehen, und voll Vertrauen weiterwandern auf dem schmalen Pfade, der ins Leben führt! “Es ist der Mühe und des Schweißes wert!” Denn das Ende von allem wird Herrlichkeit sein! Darum

“Laßt uns immer weiter gehn,
bis wir ganz im Lichte stehn!”

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 1-3/1967; Paulus-Verlag, Heilbronn)

Bisher gibt es einen Kommentar zu “Acht göttliche Gewißheiten”

  1. 1 Ulrike Pleßer (Donnerstag, 05. August 2010; 19:51): 

    Vielen, vielen Dank dafür…ich kann nicht mit Worten ausdrücken was mir diese wunderbare Wahrheit bedeutet.

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