Der Aufruhr Korahs und das Wesen der Sünde
Autor: Schumacher, Heinz | Kategorie(n): Heilsgeschichte, Israel, Versuchung & Verführung | 739 x gelesen“Und Korah, der Sohn Jizhars, des Sohnes Kehaths, des Sohnes Levis, unternahm es, und mit ihm Dathan und Abiram, die Söhne Eliabs, und On, der Sohn Peleths, die Söhne Rubens, und sie standen auf gegen Mose, mit 250 Männern von den Kindern Israel, Fürsten der Gemeinde, Berufenen der Versammlung, Männern von Namen. Und sie versammelten sich wider Mose und wider Aaron und sprachen zu ihnen: Laßt es genug sein! denn die ganze Gemeinde, sie allesamt sind heilig, und der Herr ist in ihrer Mitte! Und warum erhebt ihr euch über die Versammlung des Herrn?” (4. Mose 16, 1-3)
Was wir in diesen und den folgenden Versen von 4. Mose 16 vor uns haben, ist ein Gemeindestreit besonderer Art. Nicht nur wurde er auf eine außergewöhnliche Weise von Gott beendet und gerichtet, nicht nur barg er besonderen Zündstoff in sich, weil er zugleich ein Streit unter Verwandten war, und nicht allein spielt er sich vor einem ungewöhnlich dunklen Hintergrund der Geschichte Israels ab — an dieser Rebellion in der Wüste Paran läßt sich auch so besonders deutlich erkennen, worin das Wesen der Sünde eigentlich besteht.
Wie ernst Gott das Ganze nahm, läßt sich daran messen, wie streng Er es bestrafte. Mose darf in V. 29 und 30 der ganzen Gemeinde die drohenden Worte entgegenschleudern: “Wenn diese sterben, wie alle Menschen sterben, und mit der Heimsuchung aller Menschen heimgesucht werden, so hat der Unwandelbare mich nicht gesandt; wenn aber der Herr ein Neues schafft und der Erdboden seinen Mund auftut und sie verschlingt mit allem, was ihnen angehört, und sie lebendig in den Scheol (das Totenreich) hinabfahren, so werdet ihr erkennen, daß diese Männer den Herrn verachtet haben.” Kaum hatte er diese Worte ausgeredet, da geschah das Außerordentliche: der Erdboden spaltete sich, die Erde tat ihren Mund auf und verschlang die Rebellen samt ihren Familien und Anhängern und ihrer ganzen Habe. Sie fuhren lebendig ins Totenreich hinab, und die Erde bedeckte sie (Verse 31-33).
Bevor wir uns ansehen, worin denn diese so außergewöhnlich streng und furchterregend bestrafte Sünde bestand, sei noch ein Blick auf die verwandtschaftlichen Verhältnisse und die geschichtliche Epoche geworfen, in der sich dieser Aufruhr ereignete. Ersteres verdeutlichen wir am besten durch eine Skizze:

Einer der 12 Söhne Jakobs war Levi. Seinen Söhnen gab er Namen, in denen sich die Not der Verbannung und der immer stärker werdende Druck in Ägypten (wohin ja zu Josephs Zeiten die ganze Familie Jakobs gezogen war) widerspiegelt: Gerson (= Vertreibung, Verbannung) heißt der älteste, Merari (= Bitterkeit) der jüngste. Da sich Heimatvertriebene in der Fremde um so fester zusammenzuschließen pflegen — besonders wenn sie bedrückt und deklassiert werden —, bekommt der mittlere Sohn den Namen Kehath (= Versammlung). Dieser Kehath ist der gemeinsame Großvater derer, die in 4. Mose 16 so erbittert aufeinanderprallen, sowohl der Großvater Moses und Aarons (über ihren Vater Amram) als auch der Großvater des Empörers Korah (über Jizhar).
Ohne Frage war Kehath ein gottesfürchtiger, ja ein glaubensmutiger Mann. Das ersehen wir aus den Namen, die er seinen vier Söhnen in Ägypten gibt. Wenn uns heutzutage die Kinder einer Familie mit “Traugott, Immanuel, Dorothea, Gottlieb” vorgestellt würden, so könnten wir — ohne die Eltern zu kennen — aus ihren Namen den Schluß ziehen: die Eltern sind wohl auch nicht fern vom Reiche Gottes. Ebenso hier. Zu einer Zeit, als Israel äußerlich einem elenden Sklavenhaufen glich, von den Fronknechten Ägyptens aufs ärgste bedrückt, gibt Kehath seinem erstgeborenen Sohn den Namen: “Das Volk (nämlich unser Volk) ist hoch, ist erhaben!” Das heißt: Mag es scheinbar noch so niedrig und elend sein, in Gottes Augen ist es ein hohes und erhabenes Volk! Ein ähnlich trotziges Dennoch des Glaubens bezeugt der Name seines zweiten Sohnes: Jizhar (der Vater des Rebellen Korah). Sein Name bedeutet: “Er wird leuchten lassen (zu ergänzen: Sein Antlitz)”. Das heißt: Mag Gott uns hier in Ägypten auch scheinbar im Stich gelassen haben, — Er wird uns Sein Angesicht wieder leuchten lassen! So ist es dann ja unter Mose auch geschehen. Die Bedeutung des Namens des dritten Sohnes Kehaths ähnelt der des väterlichen Namens: Hebron (= Gemeinschaft). Der vierte Sohn schließlich erhält den glaubensfrohen Namen: Ussiel (= Meine Stärke ist Gott).
Aber schon in Israel war ein gottesfürchtiger Großvater keine Garantie für den Glauben und das friedliche Miteinanderleben der folgenden Generationen. In der übernächsten Generation befinden sich die Kehath-Nachkommen Mose und Korah in erbittertem Streit.
Wie aber war die Lage des Volkes zur Zeit von 4. Mose 16? Gewiß, die Not in Ägypten hatte durch den Auszug unter Mose ein herrliches Ende gefunden. Am Sinai hatte Gott Sein Volk unter Gesetz gestellt. Daraufhin zogen sie vom Südzipfel der Sinai-Halbinsel, vom Berg der Gesetzgebung, im zweiten Monat des zweiten Jahres nach dem Auszug aus Ägypten (4. Mose 10, 11) in nördlicher Richtung weiter und kamen in die Wüste Paran. Von dort werden 12 Stammesfürsten als Kundschafter in das von Gott versprochene Land geschickt. Sie kommen mit der Meldung zurück: Das Land ist gut; es fließt von Milch und Honig; nur haben wir dort die Riesen und große, befestigte Städte gesehen (4. Mose 13). Daraufhin klagt und murrt und weint die ganze Gemeinde Israels in ungläubiger Furcht. Nur zwei Männer glauben — das heißt: rechnen mit Gott und Seinem Verheißungswort —, nämlich Josua und Kaleb. Alle anderen mißtrauen Gott und rechnen allein mit der eigenen Schwachheit und der Überlegenheit der Feinde. Die Folge ist das ernste und schwerwiegende Gottesgericht, das in 4. Mose 14 verhängt wird: Um in das verheißene Land zu kommen, das zu erforschen die Kundschafter nur 40 Tage gebraucht hatten, soll Israel 40 Jahre benötigen, je ein Jahr für einen Tag! In dieser Zeit soll die ganze ältere Generation, die zwanzigjährig oder älter aus Ägypten auszog, in der Wüste dahinsterben. Da sich Israel bereits im 2. Jahr nach dem Auszug befindet, soll es 38 Jahre in der Wüste umherirren. Am Ende dieser dunklen Gerichtszeit, in der Gott außer Josua und Kaleb, die geglaubt hatten und denen nach ihrem Glauben geschah, die ganze ältere Generation in der Wüste dahinstreckte, aber zugleich eine jüngere Generation heranwachsen ließ und wunderbar erhielt, erging dann der Befehl: “Lange genug habt ihr dieses Gebirge umzogen; wendet euch gegen Norden!” (5. Mose 2, 3; man vergleiche 5. Mose 1, 46; 2, 1-3.7.13-15).
Im 4. Mosebuch, in welchem dieses furchtbare Gericht im 14. Kapitel verhängt wird, stehen wir im 20. Kapitel bereits am Ende dieser Gerichtszeit, nämlich im 40. Jahr nach dem Auszug. Denn in 4. Mose 20 wird uns der Tod Aarons gemeldet, der laut 4. Mose 33, 38 in das 40. Jahr nach dem Auszug fiel. Somit liegen die 38 dunklen Jahre des Umherirrens in der Wüste Paran auf der nördlichen Sinaihalbinsel, des Dahinsterbens der älteren Generation des Auszugs, in den Kapiteln 4. Mose 15 bis 19 verborgen. Nichts Liebliches, Erfreuliches, Gott Ehrendes wird uns aus jenen Tagen berichtet. Diese Kapitel handeln von strengem Gesetz sowie von Sünde und Aufruhr. In diese Zeit fällt auch der Aufruhr der Rotte Korahs im 16. Kapitel.
Was war es denn, was dieser Empörer Korah in seinem Herzen erstrebte? Welch grauenhafte, widerliche, abscheuliche Sünde wollte er über Israel bringen, daß ihm ein so außerordentliches Gericht widerfuhr? Wollte er heidnischen Götzendienst aufrichten, Unzucht und Zaubereisünden im Volke Gottes einführen?
Da stellen wir zu unserem Erstaunen fest, daß dieser Korah im Grunde genau das erstrebte, was Gott anderthalb Jahrtausende später in Seiner Gemeinde aus allen Nationen ohnehin verwirklichen wollte, und was Er schon von alters her in Seinem Herzen verborgen hielt und verschwieg, bis die Zeit gekommen sein würde, es durch Paulus endlich zu offenbaren (Röm. 16, 25.26; Eph. 3, 5.6; Kol. 1, 25-27): eine Gemeinde zu schaffen, in der sie allesamt heilig sind, nicht nur eine bevorzugte Priesterhierarchie. Nur wollte Korah gewaltmäßig an sich reißen, durch eine Art kommunistischer Revolution und Gleichmacherei verwirklichen, was Gott zu Seiner Zeit aus Liebe schenken wollte und würde. Deshalb mußte er scheitern.
Das ist in so vielen Fällen das Wesen der Sünde: ein Gott-Vorgreifenwollen, ein Nichtwartenkönnen, ein Gewaltsam-Ansichreißenwollen dessen, was Gott ja gern schenken will, nur auf Seine Weise und zu Seiner Zeit!
Von Karl Geyer finden wir in dem Büchlein “Vom bleibenden Leben” auf S. 18 das Wort: “Letzten Endes ist jede Sünde der Versuch des Geschöpfes, eine echte Sehnsucht auf falschem Wege oder mit falschen Mitteln zu befriedigen.”
Man könnte das noch erweitern und sagen: Jede Sünde ist letztlich der Versuch, ein gutes und göttliches Ziel auf falschem, eigenwilligem Wege zu erreichen. Oder: Die Sünde besteht sehr oft darin, eine richtige und gute und an und für sich durchaus erlaubte Tat am falschen Platz oder zur falschen Zeit zu tun.
Hierzu seien einige Beispiele aus ganz verschiedenen Zeiten und Lebensbezirken genannt:
Als die Sünde in die Menschenwelt eindrang, geschah es deshalb, weil Satan im Weibe das Verlangen geweckt hatte — nicht etwa nur, eine verbotene Frucht zu genießen, sondern — zu sein wie Gott (1. Mose 3, 5)! War das ein schlechtes, verderbliches, ungöttliches Ziel? Nein, es war ein durch und durch göttliches Ziel, das man aber niemals gewaltsam an sich reißen kann, sondern zu dem uns Gott durch einen wachstümlichen Umgestaltungsprozeß gnaden- und geschenkweise führen will (1. Joh. 3, 2). Eben dieses Ansichreißenwollen der Gottgleichheit hatte ja einst den erhabensten und schönsten der Engelfürsten, Luzifer, zum Sturz in die Tiefe geführt — nach Jesaja 14, wo der König von Babel unbestreitbar der Typ auf diesen vom Himmel gefallenen Glanzstern ist; im Paradies gelang es dann Satan, die Menschen durch die gleiche Sünde zu Fall zu bringen, durch die auch er zu Fall gekommen war: gewaltsamer Griff nach der Gottgleichheit.
Was also durchaus gottgewollt ist, ja ein Herzensanliegen unseres Gottes der Liebe — Seine Geschöpfe Ihm gleich zu machen —, wird in dem Augenblick zum Anlaß für die Sünde, wo ich es Gott eigenmächtig vorwegnehmen, mir gewaltsam rauben will, statt es mir schenken zu lassen.
Ist es “Sünde”, von einem Birnbaum eine Birne zu pflücken? Im eigenen Garten durchaus nicht; wohl aber dann, wenn ich dasselbe am falschen Ort versuche — auf verbotenem fremdem Grundstück — oder zur falschen Zeit, indem ich unreife Früchte pflücke und esse.
Ist es “Sünde”, in einer Wohnung Klavier zu spielen? Normalerweise nicht; wenn ich aber nachts von 1-3 Uhr damit alle Leute des Hauses aus dem Schlaf wecke, bin ich ein Gesetzesübertreter und Sünder.
So ist auch, was in der Ehe gottgewollt und erlaubt und gesegnet und richtig ist, vor, neben und außer der Ehe ein unaufhörlicher Quell von Sünde, Herzeleid, Unbefriedigtsein, Sklaverei und Durcheinander.
Ist es ein richtiges und gutes und göttliches Ziel, sich nach Joh. 17 unter den Gotteskindern darum zu mühen, “daß sie alle eins seien”? — Das bedarf keiner Frage. Anders aber ist es, wenn ich dieses erhabene göttliche Ziel statt von “unten” her — von Herz zu Herz — von “oben” her, nämlich von Kirche zu Kirche, erreichen will, und dabei Volkskirchen und Freikirchen, Namenchristen und echte geistgesalbte Christen, vor einen Wagen spanne. Solche Einheit kann nur eine Pseudo-Einheit sein. Mag “ökumenische” Zusammenarbeit auf sozialem Sektor fruchtbar und richtig sein, — die wahre Einheit aller Kinder Gottes kann man so nicht schaffen. Sie ist durch den einen Geist, der alle Leibesglieder verbindet, bereits geschaffen, und soll von uns lediglich in der Praxis anerkannt und geübt werden.
So erkennen wir anhand dieser Beispiele, die sich noch vermehren ließen, daß Sünde nicht immer etwas unbedingt Ungöttliches und Abscheuliches sein muß, sondern in einer Vielzahl von Fällen gerade dadurch verlockend und anziehend wirkt, daß
- eine echte Sehnsucht mit falschen Mitteln befriedigt,
- ein göttliches Ziel auf falschem Wege erreicht oder
- eine gute Handlung zur falschen Zeit, am falschen Ort getan werden soll.
Geheime Triebfeder hierzu ist der Unglaube, der nicht auf Gottes Zeit warten, Seinem Führen nicht vertrauen, sich von Ihm nicht demütig beschenken lassen, sich in Seine gutgemeinten Ordnungen nicht fügen will.
In diesem Rahmen muß nun auch noch die Sünde erwähnt werden, die daraus erwächst, daß man die Ordnungen der verschiedenen göttlichen Haushaltungen nicht unterscheidet, sondern durcheinanderwirft. Gottes Heilsplan durchläuft ja verschiedene Zeitalter und Haushaltungen. Wir unterscheiden
- die Zeit des Paradieses (Adam, Eva),
- die Zeit der Urväter (Kainiten, Sethiten bis Noah),
- die Zeit der Nationen oder der menschlichen Herrschaft (von der Flut bis zum Turmbau zu Babel),
- die Zeit der Patriarchen (Abraham bis Mose),
- die Zeit des Gesetzes (Mose bis Christus),
- die Zeit des Reichsanbruchs (Christi Erdenwandel und die Pfingstzeit),
- die Zeit der Gemeinde (von Apg. 10 bis zur Entrückung),
- die Endzeit dieses bösen Äons (Antichrist, 2 Zeugen, 70. Jahrwoche),
- die Zeit des Tausendjährigen Reiches,
- die Zeitalter der Neuschöpfung.
In diesen verschiedenen Abschnitten Seines Heilplans gelten verschiedene göttliche Ordnungen. Ein Blick auf die Speisegebote, die Gott den Menschen in den verschiedenen Haushaltungen gab, kann uns dies verdeutlichen.
Im Paradies ernährten sich die Menschen von “allem Kraut auf Erden und jedem Baum, an welchem samenbringende Baumfrucht ist” (1. Mose 1, 29). Zwei Haushaltungen später, nämlich nach der Flut, ordnete Gott etwas anderes an: nun wurden auch die Tiere der Erde und die Fische dem Menschen als Nahrung erlaubt; nur soll das Blut, in dem die Seele ist, nicht mitgenossen werden (1. Mose 9, 2-5). Wieder zwei Haushaltungen später, nämlich in der Zeit des Gesetzes, wurde dem Volke Israel eine lange Liste von erlaubten und verbotenen, reinen und unreinen Tieren gegeben (3. Mose 11), die vor dem Genuß von Fleisch sorgfältig zu beachten war. Schweinefleisch zum Beispiel war und ist dem gesetzestreuen Juden verboten. Gilt diese Ordnung nun auch heute noch? Muß die gläubige Hausfrau vor dem Einkauf beim Metzger einen Blick auf 3. Mose 11 werfen? Nein, denn für die heutige Haushaltung ist uns der Apostel Paulus als Lehrer gegeben, und was sagt nun dieser “Lehrer der Nationen” hinsichtlich des Fleischgenusses? Er schreibt in 1. Kor. 10, 25: “Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, esset, ohne zu untersuchen um des Gewissens willen.” Wir dürfen prüfen und unterscheiden hinsichtlich des Preises, der Qualität, der Gesundheit, des Geschmackes — hinsichtlich des Gewissens aber sind wir frei.
Viel Not und Gewissensknechtung wäre niemals in die Gemeinde Gottes eingedrungen, wenn man immer “das Wort Gottes richtig geteilt“, d. h. darauf geachtet hätte, welche Anweisungen des Wortes uns heute gelten, und welche nicht. Niemals hätte dann der Sabbatismus die Gewissen knechten können, oder irgendeine andere Gesetzesvorschrift. Es ist ohnehin Unfug, sich aus dem Gesetz des Alten Bundes irgendeinen Teil herauszusuchen und nur diesen zu beobachten. Geht man schon mit Gesetzeswerken um, dann gilt es das ganze Gesetz zu halten; mit weniger gibt sich Gott auf Gesetzesboden niemals zufrieden (5. Mose 28, 1.15; Jak. 2, 10).
Kehren wir nach diesem Exkurs zu der Rebellion des Korah in 4. Mose 16 zurück, so erkennen wir, daß auch seine Sünde — ohne daß er es wußte — ein Vertauschen verschiedener göttlicher Ordnungen in verschiedenen Haushaltungen war. “Die ganze Gemeinde, sie allesamt sind heilig”, das war seine Losung, sein für die damalige Zeit verfrühtes und aufrührerisches Programm. Wie schwer er für diesen Aufruhr büßen mußte, wie außerordentlich die Strafe für die versuchte Gewaltlösung war, haben wir bereits gesehen.
Was aber damals und dort und auf jenem Wege falsch war und gerichtet werden mußte, ist in der augenblicklichen Haushaltung der Gnade und der Gemeinde herrliche Wirklichkeit geworden! “Die ganze Gemeinde ist heilig” — das ist geradezu ein charakteristisches Kennzeichen der Gemeinde Gottes aus allen Nationen. Hier gibt es keine Priester und Hohenpriester und Leviten mehr, hier haben nicht mehr nur wenige Zutritt zum Heiligtum oder Allerheiligsten, nein, der Vorhang ist seit Jesu Tod zerrissen, der Zaun ist abgebrochen (Matth. 27, 51; Eph. 2, 14), und alle Glieder der Gemeinde sind nun geheiligt durch den Heiligen Geist, alle haben Zugang zum Gnadenthron und Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohne, alle werden einmal beim Kommen des Herrn verwandelt und zum Herrn emporgenommen werden.
Darum redet der Apostel Paulus die doch so fehlerhaften Korinther mit “Geheiligte in Christo Jesu” und “berufene Heilige” an und in Kap. 3, 16.17 sagt er ihnen: “Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? … der Tempel Gottes ist heilig, und solche seid ihr.” Den Römern schreibt er Kap. 8, 9: “Ihr aber seid nicht im Fleische, sondern im Geiste, wenn anders Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht Sein.” Nach Römer 8, 14 ist es ein Kennzeichen echter Söhne Gottes, daß der Geist Gottes sie leitet und treibt, und nach Eph. 2, 21 ist die ganze Gemeinde ein “heiliger Tempel im Herrn”.
Fürwahr: die der Gemeinde geschenkte göttliche Heiligkeit — d. h. das Abgesondert- und Geweiht- und Hingegebensein an Ihn, bzw. das Beschlagnahmtsein von Ihm — ist allumfassend! Kein Glied ist ausgenommen. Die ganze Gemeinde ist heilig! Was Korah aufrührerisch erstrebte, ist uns geschenkt! Nun geht es darum, der uns grundsätzlich geschenkten Heiligkeit durch praktische Heiligkeit zu entsprechen, das heißt nicht, durch verkrampfte und geschraubte, allen Humor und alles Natürliche meidende Gesetzlichkeit, Isoliertheit und Trübseligkeit sich selbst “heilig” zu machen, sondern ein Ihm in allen Bereichen froh geweihtes Leben zu führen. Die ganze Gemeinde ist heilig! Das dürfen wir heute dankbar glauben, demütig anerkennen und im Gemeindeleben praktizieren.
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 6/1966; Paulus-Verlag, Heilbronn)


Jeden Sonntag ab 10:00 Uhr von der 