Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Was sagt die Schrift zum Weltuntergang?

Autor: Merz, Karl  |  Kategorie(n): Endzeit, Heilsgeschichte  |  1,309 x gelesen

An zahlreichen Stellen der Bibel ist von der Wiederkunft unseres Herrn die Rede. Der durch sein Lexikon zur Bibel wie durch die Herausgabe der Wuppertaler Studienbibel und anderer Schriften bekannte Fritz Rienecker sagt dazu in seiner Broschüre “Wenn dies geschieht …” u. a.: “Vor ihnen allen (nämlich den Menschen, die gelebt haben, die leben und die leben werden) wird unser Herr sichtbar erscheinen und in unvorstellbarer Majestät und Macht sich zeigen. Diese Wiederkunft wird in den 929 Kapiteln des Alten Testaments 1527 mal erwähnt und in den 260 Kapiteln des Neuen Testaments 319 mal angekündigt. So einzigartig wichtig war den biblischen Schreibern dieses Ereignis.”

Rienecker denkt bei der Wiederkunft Jesu nicht an den Weltuntergang. Er spricht darum auch in den obigen Sätzen von Menschen, die gelebt haben, die leben und die leben werden. Der Jüngste Tag ist nicht ein Tag von 24 Stunden, sondern ein “Gottestag”. Vor Gott sind bekanntlich 1000 Jahre wie ein Tag, und ein Tag wie 1000 Jahre. Am Morgen des Jüngsten Tages findet das Gericht über die Lebenden und am Abend das Gericht über die Toten statt. Man vergleiche, was der Herr in Matth. 25 hierüber sagt.

In der herkömmlichen Verkündigung erscheint die Wiederkunft Jesu als Sein Kommen zum Jüngsten Gericht. Man verbindet damit zugleich den Weltuntergang. Wir bedauern dies. Das Apostolische Glaubensbekenntnis hat nicht unrecht, wenn es am Schluß von Jesus sagt: “von dannen Er wiederkommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten”. Aber es sagt viel zu wenig über die Letzten Dinge und die Weltvollendung. Zwischen dem Gericht über die Lebendigen und die Toten liegt ein Zeitraum von 1000 Jahren. Dann erst erfolgt der Weltuntergang; dann kommt der neue Himmel und die neue Erde und schließlich die Weltvollendung, von der Paulus in 1. Kor. 15, 28 sagt: “Gott wird sein alles in allem (oder: allen)”.

Pfarrer Ernst Schmidt aus Nürnberg-Lichtenhof unterscheidet in einem Flugblatt “Sein Plan” ein Kommen Jesu für Seine Gemeinde und ein Kommen Jesu mit Seiner Gemeinde. Dann läßt er das 1000-jährige Reich folgen; dann die Loslassung des Teufels für kurze Zeit; dann erst den Weltuntergang; dann das Weltgericht und die neue Erde.

Wir verstehen, daß nachdenkliche Menschen in unseren Tagen auf den Gedanken kommen, daß der Untergang der Welt bevorstehe. So wie die Dinge stehen, können und werden sie nicht bleiben. Die ausgestreute Saat reift aus; es kommt ein Tag der Ernte, d. h. des Gerichts. Wir denken an die Worte Jesu in Matth. 24, 6-8: “Ihr werdet hören Krieg und Geschrei von Kriegen; sehet zu und erschreckt nicht. Das muß zum ersten alles geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. Denn es wird sich ein Volk wider das andere erheben und ein Königreich wider das andere, und werden sein Pestilenz und teure Zeit und Erdbeben hin und wieder. Da wird allererst die Not anheben.” Man wendet hier gern ein, daß es Krieg, Teurung, Seuchen, Erdbeben usw. immer gegeben habe. Der Sinn der Worte Jesu wird jedoch meist falsch verstanden. Er will keine Allgemeinheiten aussprechen, sondern Er will sagen, daß auch nach der Erlösungstat von Golgatha es noch solche Nöte geben werde, ja daß sie sich gegen das Ende der gegenwärtigen Weltzeit steigern würden. Seine Vorausschau enthält auch den Satz: “Die Ungerechtigkeit (eigentlich: Gesetzlosigkeit) wird überhandnehmen.” Unwillkürlich müssen wir da an das Verhältnis von Mann und Frau wie von Eltern und Kindern denken. Es ist nicht nur irreführend, sondern geradezu gefährlich zu sagen: “So ist es früher gewesen; heute macht man es anders.” Nein, es wird bei dem bleiben, was der Herr in Matth. 24 sagt: “Wie es war in den Tagen Noahs, so wird es sein in den Tagen des Menschensohnes.” Wie aber war es damals? Die Menschen versanken je länger, desto mehr im Irdischen. Sie aßen, sie tranken, sie freiten usw., bis die Sintflut kam. So war’s auch in den Tagen Lots, bis Feuer vom Himmel fiel. Aber nicht nur die Gesetzlosigkeit und das Genußleben sind ein Kennzeichen der Gegenwart. Paulus stellt in 2. Tim. 3, 1ff. ein Bild von der Sittenlosigkeit und Zügellosigkeit vor uns hin, wie es weithin schon zu sehen ist. Dabei ist nicht einmal das Umsichgreifen des sittlichen Verderbens das Schlimmste, sondern das laxe Verhalten ihm gegenüber. Es hat uns stark beeindruckt, als Dekan Krusche kürzlich in einer Sonntagspredigt des Bayr. Rundfunks darauf hinwies, daß man sich früher über solche Dinge wenigstens noch erregt habe. Heute geschehe es nicht mehr. Neben der sittlichen Verwilderung nimmt die geistliche Verwirrung zu; man lese, was Paulus darüber in 1. Tim. 4, 1ff. schreibt. Oder wir denken an 1. Joh. 2, wo Johannes es als ein Zeichen der letzten Zeit hinstellt, daß Jesus als der Sohn Gottes geleugnet werde. Zu den Antichristen kommt dann der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet.

Wahrlich, es ist letzte Zeit. Es wird kaum noch lange dauern, bis der Herr für die Seinen und dann mit den Seinen wiederkommt.

Damit ist dann das Ende der gegenwärtigen Weltzeit, nicht aber das Ende der Welt überhaupt gekommen. Dazwischen liegen noch 1000 Jahre. In dieser Zeit herrscht Jesus Christus auf unserer Erde. “Trotz all seiner Herrlichkeit hat das Tausendjährige Reich zunächst einen erschütternden Abschluß. Auch das sichtbare Friedensreich auf Erden ist noch nicht die absolute Vollendung. Sünde und Tod sind noch da, auch die Möglichkeit des Verfluchtwerdens der Schuldigen (Jes. 65, 20), ja sogar die Möglichkeit nationalen Ungehorsams ganzer Volksgruppen (Sach. 14, 17.18). Die Gerechtigkeit ‘herrscht’ eben erst auf Erden; sie ‘wohnt’ noch nicht restlos in allen. Dies wird vielmehr erst auf der neuen Erde der Fall sein … Zuletzt muß Satan (der vor der Übernahme der Regierungsgewalt durch Jesus Christus 1000 Jahre zuvor gebunden worden war) noch einmal losgelassen werden, um seine Verführungsmacht (ein letztes Mal) zu versuchen … Was ist das Ergebnis all jener Herrlichkeit und Segnung von tausend langen Jahren? — Völkerempörung im weitesten Umfang! … Hier kann es nur eine Antwort geben: Vernichtung und Untergang. Noch ehe es zum Kampf kommt, fällt Feuer vom Himmel herab und verzehrt sie … Jetzt bricht das Jüngste Gericht an.” So schildert Erich Sauer in seinem “Triumph des Gekreuzigten” den Lauf der Ereignisse. Wir stimmen ihm zu. Es dauert also noch mindestens 1000 Jahre bis zu dem Weltuntergang.

Wir dürfen uns nicht dadurch irremachen lassen, daß sowohl im Alten wie teilweise auch noch im Neuen Testament die Ereignisse zusammen gesehen und gezeigt werden. Ein Bild mag uns helfen, das zu verstehen. Als wir z. B. heuer wieder auf der Zugspitze waren, sahen wir zwar Hunderte von Gipfeln. Die Täler mit ihren Seen und Flüssen und Ortschaften konnten wir jedoch nicht wahrnehmen. So zieht das prophetische Wort oft nur die großen Linien; um es recht zu verstehen, müssen wir das andere hinzunehmen, was an Einzelheiten dazu gehört. Auf unsern Fall angewandt, bedeutet es, daß wir etwa Offb. 20 zur Hand nehmen und sehen, daß zwischen der Übernahme der Herrschaft Christi und dem Weltuntergang tatsächlich 1000 Jahre liegen.

Dies schließt nicht aus, sondern ein, daß schon die Wiederkunft Jesu von schreckhaften Zeichen und Wundern am Himmel und auf der Erde begleitet sein wird. Ob diese Dinge durch den menschlichen Unverstand herbeigeführt werden (etwa durch Atombomben oder beim Weltuntergang durch eine Art Kettenreaktion) oder ob wir mit einem unmittelbaren göttlichen Eingreifen zu rechnen haben, wissen wir nicht.

Eines aber wissen wir, daß es gilt, bereit zu sein auf den Tag Jesu Christi und den Tag Gottes. Bist du es?

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 4/1966; Paulus-Verlag, Heilbronn)

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