Was sagt die Schrift vom Adler?
Autor: Heller, Adolf | Kategorie(n): Biblische Symbolik, Das prophetische Wort, Lehre | 885 x gelesen(Nach einer Tonbandaufnahme eines Dienstes in Hamburg)
Meine Brüder, meine Schwestern, ihr Heiligen und Geliebten in Christo Jesu!
Wenn ich im Laufe dieser Woche heute zum letztenmal zu euch reden darf, so tue ich es freudig bewegten Herzens. Ich weiß, daß die Botschaft von dem ganzen Christus, dem Haupt und den Gliedern, euch aufleuchtete und lebendig wurde. Gott ließ Sein Wort uns groß und kostbar werden. Heute nachmittag sahen wir, daß oft in zwei bis drei Versen der Schrift das ganze Heilsprogramm niedergelegt ist. Wir haben erkannt, daß das Alte und Neue Testament von Christus zeugt und uns das Strahlbild des Sohnes Gottes erkennen läßt, und wie scheinbar nebensächliche Bemerkungen große Bedeutung gewinnen, wenn uns erst einmal das Auge des Geistes dafür geöffnet ist.
Laßt mich nun versuchen, euch noch ein Schlußwort zu sagen, indem ich euch zeige, wie Gott rettet, leitet und vollendet. Dazu möchte ich eines der Hunderte von Bildern zugrunde legen, die die Schrift anwendet.
Hören wir ein Wort aus 2. Mose 19, 4: “Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch getragen auf Adlers Flügeln und euch zu mir gebracht habe.” Gott vergleicht sich hier mit einem Adler. Halten wir das zunächst einmal fest. Dazu lese ich 5. Mose, 32, 11: “Wie ein Adler sein Nest zerstört”, so heißt es wörtlich, also nicht aufstört, sondern zerstört, “über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie trägt auf seinen Schwingen, so leitete ihn der Herr allein.” Der Adler zerstört sein Nest, damit die Jungen herauspurzeln und fliegen lernen. Verstehen wir jetzt in unserem Leben manches Weh, manche dunkle Führung, die wir früher nicht begreifen konnten? Hat Gott auch dir das Nest deiner Behaglichkeit und deine natürlichen Sicherungen weggenommen, damit du dich ganz auf Ihn und auf nichts anderes verlassen lernst?
1. Adler leben einsam und bauen ihr Nest hoch
Der Adler, ein Abbild für den Herrn und Seine Geliebten, ist der König unter den Vögeln. Wir lesen in der Schrift, daß die Adler einsam leben und ihr Nest hoch setzen. Die wahren Gläubigen sind bei aller Gemeinschaft, die sie mit allen Kindern Gottes pflegen oder doch zu pflegen gewillt sind, einsam. Wir wollen Gemeinschaft haben mit allen Heiligen und machen darum keinen Unterschied: alle, die von Christus ergriffen und erfüllt sind, sind unsere Brüder, zu welcher Organisation sie auch gehören mögen. Wer wirklich Christi Eigentum ist, der ist mein Bruder; wer ein Kind meines Vaters ist, gehört zu meinen Geschwistern. Ich kann doch nicht zu meinem leiblichen Bruder sagen: “Du bist zwar ein Kind meines Vaters, aber als Bruder erkenne ich dich nicht an.” Wahre Gläubige suchen Gemeinschaft mit allen Heiligen. Dennoch steht jeder von ihnen im tiefsten und letzten Grunde allein vor Gott. Als wir zum Glauben kamen, standen wir mit der Schuld und Sünde, der Angst und Not unseres Lebens allein vor Gott. Und wenn wir die Erde verlassen, werden wir, wenigstens im ersten Augenblick, wieder allein sein. Dennoch haben wir Gemeinschaft mit allen Heiligen, wenn es auch unmöglich ist, praktische Arbeitseinheit mit allen zu pflegen. Mit den letzten Problemen unseres Lebens sind wir meist unverstanden und allein. Wir fliegen wie die Adler: abgesondert, einsam, nie in Massen und großen Schwärmen.
Die wahren Gläubigen bilden nie eine geschlossene Macht- und Weltkirche. Sie haben den heiligen Mut, nach dem Liedvers zu leben: “Und stünd’ ich allein auf dem Plan!” Halten wir also als erstes fest: Adler sind abgesondert, fliegen nie in Massen und bauen ihr Nest hoch.
2. Adler nähren sich gern vom Blut des Lammes
Dazu ein Zweites! Adler leben am liebsten von frischem Blut. Sie schlagen gern ein Lamm oder ein reines Tier und leben von dieser Beute. Von dieser Speise nähren sie sich. Das ersehen wir aus Hiob 39, 27-30. Gott fragt den Leidensmann aus Uz: “Erhebt sich auf deinen Befehl der Adler und baut in der Höhe sein Nest?” Bist du es, der das macht? Das tue doch ich, der allmächtige Gott!
“In den Felsen wohnt und verweilt er.” Auch wir sind in dem Felsen geborgen, in Christo Jesu. “Er (der Adler) wohnt und verweilt auf Felsenzacken und den Spitzen der Berge.” So haben auch wir, wenn unser Glaube schriftgemäß und gesund ist, unser Ziel hoch gesetzt. Wir sind mit den Zielen der Welt, der Augenlust, der Fleischeslust und dem hoffärtigen Leben, nicht mehr zufrieden. Wir haben unser Ziel höher gestellt: “Du allein sollst es sein, unser Gott und Herre, Dir gebührt die Ehre!” Wir streben wie die Adler empor zu den höchsten Höhen.
Von den Spitzen der Berge aus erspäht der Adler seine Nahrung. “In die Ferne schweift sein Blick, und seine Jungen schlürfen Blut.” Wir wissen, daß die wesenhafte Speise, die wir genießen, das teure Blut Jesu Christi ist. “Wer mein Blut nicht trinkt und mein Fleisch nicht ißt, der hat kein Leben bleibend in sich.” Dieses wunderbare Adler-Wort gilt geistlicherweise auch uns.
3. Adler fahren auf mit neuer Kraft
Laßt mich ein Drittes sagen: Adler fahren auf mit neuer Kraft, und dieses Auffahren in göttlicher Stärke wird, wenn wir uns unter die Blutskraft Jesu Christi stellen, auch unser Teil. Ihr kennt alle das Wort in Jes. 40, 31, wo gesagt wird, daß wir auffahren wie die Adler. Wie der Herr Jesus in Seiner Himmelfahrt emporgefahren ist in die Himmel, durch die Himmel und über alle Himmel hinüber, so haben auch wir täglich unsere Himmelfahrt. Denn jeden Tag schicken wir unser Herz, unsere Sehnsucht, unser Verlangen und Lustbegehren dorthin, wo wir ewig zu sein wünschen. Ist es nicht etwas Wunderbares, daß wir auffahren dürfen mit Flügeln wie die Adler, die sich mit stetig erneuter Kraft dorthin erheben, wohin die andern Vögel nicht kommen? Jawohl, Adler fliegen hoch!
Darf ich euch noch etwas Köstliches sagen? Wie kam es wohl, daß Israel, als es aus Ägypten auszog und diesen ungeheuer anstrengenden Weg über den Grund des Meeres ging, nicht zusammenbrach? Das Heer der Israeliten bestand ja nicht aus kriegsgeübten Soldaten wie die Armee der Ägypter. Da gab es Alte und Schwache, Gebärende und Kinder, Mütter und Säuglinge und viele Elende. Wie war es da möglich, daß sich Ps. 105, 37b bewahrheitete, daß kein Strauchelnder, kein Schwacher in Israels Reihen war? Rein menschlich ist es nicht zu erklären, daß ein Volk, beladen mit Hausrat und Schätzen, die es auf Anordnung Gottes von den Ägyptern bekommen hatte, und sein Vieh vor sich hertreibend, diese ungeheuren Mühen überstand. Die ganze vorhergegangene Nacht hatte Israel in größter Aufregung durchwacht. Sie hörten die Todesschreie der Erstgeborenen der Ägypter und warteten, den Stab in der Hand, Sandalen an den Füßen und gegürtet, auf den Marschbefehl Gottes. Sie brachen auf nach langer, banger Nacht, kamen ans Rote Meer, zogen unter größter Mühsal hindurch und erlebten den Untergang der verfolgenden Feinde. Dann wanderten sie weiter durch die Wüsten, die am Tage brennend heiß, in der Nacht jedoch eiskalt waren, und ertrugen viele Strapazen. Und da war kein Strauchelnder unter ihnen!! Wie war das möglich? Wir haben doch heute unter uns Frommen so viele Müde, Kranke, Elende, Matte, Verzweifelte und von geheimen Sünden Gebundene. Aber Israel zog seinen weit schwierigeren Weg, ohne daß ein Strauchelnder unter ihnen war.
Ich will euch sagen, wie das möglich war. Sie hatten sich genährt von dem Fleisch des Lammes, gebraten am Feuer, mit bitteren Kräutern. Wer von solcher Speise sich nährt, wer unter der Deckung des Blutes bleibt, der darf erleben, daß er ohne Straucheln seinen Weg gehen darf. Das ist eine wunderbare, göttliche Tatsache! Wir wissen, daß Israel später auch gestrauchelt ist, daß es viele Sünden begangen hat und ein warnendes, mahnendes Vorbild für uns, ja, ein Abbild von uns wurde. Aber wir wissen auch, daß sein Auszug herrlich war, eine wirklich grandiose Sache.
Wie war es damals bei deiner Bekehrung? Hat in jener Stunde dein Herz nicht gebrannt? Gelobtest du damals nicht in heiliger Hingabe: “Herr, ich will alles in den Tod geben, was Dir nicht gefällt, ich will von heute an Dir völlig zu eigen sein, ich will alles Böse hassen und lassen in Deiner Kraft”? Klang’s nicht so in dir? Und hast du nicht Tage, Wochen, Monate und Jahre gehabt, wo du rein und sauber trotz mancher Anfechtung deinen Weg gingst? Ja, so war’s bei vielen. Warum aber ist das nicht so geblieben? Frage dich das jetzt in heiligem Ernst und gib Gott die ehrliche Antwort!
So war es einst auch bei Israel. Gott sagt: “Erinnere dich an deine Jugend, als ich dich errettete!” Dieses Wort dürfen wir auch für uns nehmen. Kein Strauchelnder war in der Mitte des befreiten Gottesvolkes, und kein elender Versager braucht in unserer Mitte zu sein. Wiederum steht geschrieben, daß keine Klaue in Ägypten zurückbleiben sollte. Wir dürfen das auch auf uns beziehen! Schmutzige, erdverkrustete Klauen, das sind wir. Wir bleiben aber nicht dahinten; Gott selbst hat ja verheißen, daß keine Klaue zurückbleiben soll, und darum bringt Er auch dich und mich zum Ziel. Wer wirklich Christi Eigentum ist, der wird entrückt, wenn der Herr kommt. Aber wir sollten dann auch wandeln wie Israel bei seinem Auszug: ohne Straucheln! Steht doch im 24. Vers des Judasbriefleins geschrieben, daß Gott uns ohne Straucheln zu bewahren vermag.
Daß Israel adlergleich seinen Weg zog, kam daher, daß es sich nährte von dem Fleisch des Lammes und in der Todesnacht geborgen blieb unter dem Blut seines geschlachteten Stellvertreters. Das war das Geheimnis. Das losgekaufte und befreite Volk lernte immer wieder aufstehen in neuer Kraft. Schwache und Kranke, Krüppel und Greise, sie alle zogen ihren Weg wie Helden. So dürfen auch wir unseren Weg ziehen, obwohl wir alle kümmerlich und müde, schwach und elend sind. Wir dürfen marschieren wie siegreiche Truppen und auffahren mit Flügeln wie Adler, die laufen und nicht müde werden. So steht es geschrieben, so ist es verheißen!
4. Adler erneuern ihre Jugend
Laßt mich euch auf noch etwas Wunderbares hinweisen. Die Erforschung der Lebensgewohnheiten der Adler durch Film und Mikrofon hat merkwürdige Tatsachen ans Licht gebracht. Ehe ich diese schildere, lese ich Ps. 103, 3-5. Dort steht geschrieben: “Gott vergibt alle deine Ungerechtigkeit, Er heilt alle deine Krankheiten; Er erlöst dein Leben von der Grube, Er krönt dich mit Güte und Erbarmungen, Er sättigt dein Alter mit Gutem, deine Jugend erneuert sich wie die des Adlers.”
Wenn wir den hebräischen Text genau lesen, so finden wir, daß es nicht heißt “… wie die des Adlers”, sondern “… wie der Adler”. Das hieße also, daß sich der Adler erneuert. Gibt es denn so etwas? Ja, Gott weiß eben doch mehr als der Mensch, und Sein Wort ist immer und unbedingt wahr. Es gibt nämlich gewisse Adlerarten, die über hundert Jahre alt werden. Wenn diese Adler 60 bis 70 Jahre alt sind, ergeht es ihnen ähnlich wie den Menschen. Da hocken sie trübselig herum und starren uninteressiert irgendwo hin. Sie haben keine Vitalität mehr, und die Kraft, die sie einst mit jauchzendem Schrei zum Himmel erhob, ist erloschen. Sie sitzen müde da und es scheint, als müßten sie bald sterben; sie sind wie vergreist. Auf einmal kommt ein Zeitpunkt, da fahren diese Adler auf. Sie zerschlagen ihr Gefieder an den Felsen und hauen ihre Schnäbel und Krallen an das Gestein, so daß man dort oft große Lachen von Blut findet, in denen Federn und Hornteile zu sehen sind. Gefieder, Schnäbel und Krallen wachsen rasch nach, und die Adler werden wieder jung. Auf diese Weise erneuern sich die Adler. Das alles hat man erforscht und beobachtet. Nach der Erneuerung erheben sich die Adler mit Jauchzen und Schreien und ducken sich nicht mehr müde und ängstlich wie die Hühner, wenn ein Gewitter kommt. Sie stoßen durch die Wolken hindurch der strahlenden Sonne entgegen.
Der gleiche Prozeß ist auch uns verheißen. Wir brauchen nicht trübe und kraftlos herumzuhocken, sondern dürfen auch, indem wir an dem Felsen, dem Christus, unser altes Wesen opfern und in den Tod geben, eine Erneuerung erfahren. Der wahre Gläubige steht immer, auch wenn er alt wird, in einer herrlichen Erneuerung. Ob auch der äußere Mensch verdirbt, der Geist frohlockt und jauchzt und die Seele betet an. Darum gilt für uns das wunderbar kühne Wort aus dem 103. Psalm: “… der mit Gütern sättigt dein Alter, deine Jugend erneuert sich wie der Adler”.
Wir Gläubigen haben nicht nur eine zweite Jugend wie der Adler, sondern eine ewige Jugend. Die Kräfte der zukünftigen Vollendung pulsieren schon jetzt in uns. Gottes Wort und Geist, das Gebet und die Liebe zu allen Heiligen bewirken das in uns; und im Adler und seiner Erneuerung hat uns Gott ein Vorbild dafür gegeben.
5. Der Adler zerstört sein Nest
“Wie der Adler sein Nest zerstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet und sie auffängt” (5. Mose 32, 11), so macht es auch Gott. Man hat beobachtet, daß die jungen Adler, wenn sie anfangen flügge zu werden, d. h. Flugversuche unternehmen sollten, nicht aus ihrer Nestwärme heraus wollen, sondern lieber den Schnabel aufsperren und sich füttern lassen, wie das die Menschenkinder ja auch tun. Junge Adler sind auch nicht anders als kleine Kinder. So notwendig die Nestwärme, die Behaglichkeit und das Geborgensein ist, so notwendig ist es auch, daß wir einmal aus all diesen Bindungen gelöst werden und man uns in unser Eigenleben schleudert. Darum machen die Adler folgendes, was Adlerforscher feststellten und genau übereinstimmt mit dem, was die Bibel sagt: Der Adler zerstört sein Nest, indem er es auseinanderreißt, so daß die jungen Tiere schließlich auf einem Ast sitzen und ängstlich balancieren. Jetzt fühlen sie sich nicht mehr behaglich und warm, bequem und angenehm geborgen, jetzt werden sie nicht mehr von Vater und Mutter gefüttert. Dieses Bild ist, wie alles in der Schrift, Offenbarung des Wesens und der Wege Gottes. Gott macht es wie der Adler. Er zerstört unser warmes Nest der Bequemlichkeit und Sicherheit, stößt gegen den Ast, auf dem wir sitzen, so daß wir wie die jungen Adler herunterpurzeln. In ihrer Angst flattern die jungen Tiere und versuchen zu fliegen. Das gelingt aber nicht gleich. Was tut dann der Adler? Er stößt blitzschnell hinunter, breitet seine Schwingen aus und fängt die Jungen auf. Er läßt sie nicht in die Tiefe stürzen und zugrunde gehen. Darin hat Gott ein Vorbild gegeben, ein Abbild aufgezeigt, wie Seine Erziehungswege mit uns sind. Wir begreifen so schwer, wie Gott ist und was Er mit uns vorhat. Durch die Natur sagt uns Gott: “Macht doch einmal eure Augen auf, sehet die Vögel unter dem Himmel an, betrachtet den Adler, denn so verfahre ich auch mit euch.”
Da hat man sich ein Häuslein gebaut, es schön und modern eingerichtet, alles läuft glatt und wir fühlen uns ganz behaglich. Und was geschieht dann? Da kommt ein Krieg, da fallen die Bomben, da wird alles zerstört. Oder wir erleben Familienkatastrophen, berufliche Schwierigkeiten, Krankheit, Elend und Jammer. Gott hat tausend Möglichkeiten, unser warmes Eigennest zu zerstören, damit wir starke Adler werden. Das tut Er nicht, weil Er uns quälen will, sondern damit wir reif werden für die kommenden Äonen und unsere Ewigkeitsaufgaben, damit wir in Sein Herz und Seine Gedanken hineinschauen können und begreifen lernen, daß Er ein Gott aller Gnade, ein Vater der Erbarmungen und der Herr der Herrlichkeit ist. Wenn uns alles zerstört wird, fürchten wir in die Verzweiflung zu fallen und zerschmettert zu werden. Doch was geschieht? Gott fängt uns auf, denn unter uns sind ewige Arme. So, wie der Adler seine Flügel ausbreitet und seine Jungen darauf trägt, so macht es auch Gott. Er zerstört unser Familienglück und unser irdisches Wohlergehen, um uns unendlich Größeres dafür zu geben. Wir lernen fliegen und werden so stark wie die jungen Adler, werden wie der König unter den Vögeln, der hinaufstößt ins Licht! —
Meine lieben Freunde, ich will nun versuchen, euch zu zeigen, was der Adler in der Schrift noch bedeutet. Wenn ich bei dem bisher Gesagten stehenbliebe und nicht weitere, tiefere Bedeutungen hinzufügte, so könntet ihr vielleicht sagen: “Ja, das Zeugnis vom Adler war schön und fesselnd, und ich sehe ein, Gott macht’s wie der Adler. Und ich will mir das von nun an gefallen lassen; hat Er doch auch mein Familienidyll zerstört, hat Er doch auch mich im Beruf und in Krankheitsnöten aus meiner warmen Geborgenheit und Sicherheit herauspurzeln lassen. Aber schließlich hat Er mich aufgefangen und mich wunderbar geführt und geleitet. Und das ist meines Lebens starker Trost.”
Doch bleiben wir bei dem seither Gesagten nicht stehen, denn wir haben die Pflicht und das Vorrecht, in die Tiefe des ganzen Wortes Gottes hineinzuschauen und uns all das vom Herrn schenken zu lassen, was Er uns an symbolischer Bedeutung der heiligen Schriftaussagen durch Seinen Geist zusätzlich enthüllen will. Deshalb haben wir die Aufgabe, die biblische Bedeutung des Adlers durch das ganze Wort Gottes hindurch zu erforschen.
Darum habe ich mir die Mühe gemacht, besser gesagt, ich habe mir das tiefe, reiche Erleben schenken lassen, alle Stellen in der Schrift über den Adler nachzulesen. Wir möchten ja nicht nur über das eine oder andere Vorkommen glücklich und von Dank erfüllt sein, sondern Gott in Seinem Wort um alles fragen, was Er uns über den Adler sagen will. So stieß auch ich auf einige wunderbare Dinge, die ich euch noch nennen möchte.
6. Die 4 Lebewesen der Offenbarung und der Charakter der 4 Evangelien
Zunächst lese ich Offb. 4, 7. Die Speise wird jetzt etwas stärker; versuchen wir das zu fassen, was ich noch bezeugen möchte. Hier ist die Rede von vier lebendigen Wesen, den Repräsentanten alles Lebens in der Schöpfung. Vier ist ja die Zahl der Schöpfung, wie wir das aus vielen Zusammenhängen unseres Gotteswortes schon manchmal gezeigt haben.
In unserem Zeugnis heißt es: “Das erste lebendige Wesen war gleich einem Löwen, und das zweite lebendige Wesen gleich einem Kalbe (oder einem Stier), und das dritte lebendige Wesen hatte das Angesicht eines Menschen, und das vierte lebendige Wesen war gleich einem fliegenden Adler.” Diese vier Lebewesen entsprechen den vier Strömen im Paradies und den vier Evangelien; sie kehren wieder bei den Cherubim und kommen in einigen andern Zusammenhängen vor.
Der Löwe ist der König unter den Tieren, und das Evangelium, das es in besonderer Weise mit dem Königreich zu tun hat und mit Jesus als dem König Seines Volkes, ist das Matthäusevangelium. Wenn das stimmt, so müßte das Geschlechtsregister des Matthäusevangeliums zurückgehen bis auf den ersten bedeutenden und Gott wohlgefälligen König in Israel. Wer ist das wohl? Das ist der König David! Schlagen wir einmal nach, ob das stimmt. Lesen wir zuerst Matthäus 1, 1. Da steht: “Buch des Geschlechtes Jesu Christi, des Sohnes Davids.” Hier wird Christus der Sohn Davids genannt.
Unser Herr wird auch viermal als Sproß oder Zemach bezeichnet. Diese vier Vorkommen des Wortes “Sproß” entsprechen genau den vier Zoä, den vier Lebewesen von Offb. 4, 7, und dem Charakter der 4 Evangelien. Schlagen wir Jer. 23, 5.6 auf! Da steht geschrieben: “Siehe, Tage kommen, spricht der Herr, da ich dem David einen gerechten Sproß erwecken werde; und er wird als König regieren und verständig handeln, und Recht und Gerechtigkeit üben im Lande. In seinen Tagen wird Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit wohnen; und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: der Herr, unsere Gerechtigkeit.”
Gehen wir weiter zum Markusevangelium. Es zeigt uns Christus als Knecht oder als Diener. Vierzigmal lesen wir dort das Wort “alsbald”. Vierzig ist die Zahl der Erprobung, der Prüfung, des Gehorsams. “Alsbald” wurde der Knecht Gottes in die Wüste geführt. Ähnliches finden wir fortwährend in dem zweiten Evangelium. Das Markusevangelium stellt Christus dar als Kalb oder Stier. Ein König muß ein Geschlechtsregister aufweisen, auch ein Priester muß ein solches haben, aber ein Knecht braucht kein Geschlechtsregister. Seine Stellung ist nicht so hoch und wichtig, daß er seine Vorfahren nachweisen muß. Deshalb finden wir bei Markus kein Geschlechtsregister. Das ist kein Zufall, keine Willkür, das ist göttliche Ordnung des Heiligen Geistes in der Heiligen Schrift.
Nun laßt mich euch zeigen, daß der zweite Zemach oder Sproß nicht König genannt wird. Dieser zweite Sproß heißt vielmehr Knecht. Schlagen wir Sach. 3, 8 auf: “Höret doch, Josua, du Hoherpriester, du und deine Genossen, die vor dir sitzen — denn Männer des Wunders (des Wahrzeichens oder des Vorbildes) sind sie; denn siehe, ich will meinen Knecht, Sproß genannt, kommen lassen.” Ist Jesus also König oder Knecht? Er ist beides! Denn Er soll ja alles in allem sein. Alle menschlichen Wahrheiten beruhen auf der Denkformel “Entweder-oder”; aber die göttlichen Wahrheiten beruhen auf dem “Sowohl-als-auch”. Wer das erfaßt, dem werden sich viele sog. Widersprüche in der Schrift lösen.
Jesus ist also sowohl König, der ein königliches Geschlechtsregister hat, als auch Knecht, der kein Geschlechtsregister hat. Dazu kommt nun ein Drittes: Im Lukasevangelium wird Jesus Christus dargestellt als Mensch. Darum lasen wir auch vorhin: “Das dritte Lebewesen hat eines Menschen Angesicht.” Erst kommt der Löwe, dann der Stier, dann der Mensch. Das sind doch seltsam dunkle Dinge!
Wenn im Lukasevangelium der Herr als der Mensch, der wahre Mensch, dargestellt wird, dann muß Sein Geschlechtsregister zurückgehen bis auf Adam, den ersten Menschen, und seinen Schöpfer. Schlagen wir Lukas 3 auf. Da steht ab Vers 23 geschrieben: “Er selbst, Jesus, begann ungefähr 30 Jahre alt zu werden und war, wie man meinte, ein Sohn des Joseph, des Eli …”, und dann kommt das ganze Geschlechtsregister. Es endet mit den Worten: “des Enos, des Seth, des Adam”, und dann heißt es noch “des Gottes”, weil Adam ja von Gott erschaffen wurde.
In Sach. 6, 12.13 steht folgendes geschrieben: “So spricht der Herr der Heerscharen und sagt: Siehe, ein Mann, sein Name ist Sproß; — er wird von seiner Stelle aufsprossen und den Tempel des Herrn bauen. Ja, er wird den Tempel des Herrn bauen, und er wird Herrlichkeit tragen; und wird auf seinem Throne sitzen und herrschen und wird Priester sein auf seinem Throne; und der Rat des Friedens wird zwischen ihnen beiden sein.”
Solche, die Gott und Sein Wort nicht kennen, sagen: “Eure Bibel ist ja ein Buch voller Widersprüche; erst sagt sie, der Sproß ist ein König, dann heißt es, der Sproß ist ein Knecht, und dann wird bezeugt, der Sproß ist ein Mensch. Das ist ja Unsinn, denn das alles sind doch Widersprüche.” So reden sie, nicht nur einfache Leute, sondern auch hochgebildete Herren in Ämtern und Würden.
Wir aber wissen: Jesus ist der König, Er ist der Knecht, Er ist der Mensch, Er ist aber noch mehr! Und damit kommen wir an das letzte. Wir hörten vom Löwen, dem König der Tiere, vom Stier oder Kalb, dem uralten Symbol für die Fruchtbarkeit und das Wirken, vom Menschen oder Mann, der Darstellung des Sohnes Gottes im dritten Evangelium, und finden Ihn nun im vierten Evangelium der Frohbotschaft nach Johannes als Adler, der zum Himmel fliegt. Und da wird Er genannt: der Herr, Jahwe, der unabänderlich Seiende. Da ist Er Gott selbst. Wenn im vierten Evangelium Jesus als Sohn Gottes beschrieben wird, so muß Sein Geschlechtsregister ohne jede Zwischenschaltung sofort auf Gott zurückgehen. Darum beginnt es mit den Worten: “Am Anfang war der Logos (das Wort), und der Logos war bei Gott (d. h. war Gott zugeneigt, war vollkommen aufgeschlossen und hingegeben an Gott), und der Logos war Gott.” —
7. Der Adler — ein Bild für den Herrn
Solche Aussagen gehen weit über unser menschliches Verstehen hinaus. Hier wird Jesu Geschlechtsregister ohne Umschweife sofort auf Gott zurückgeführt. Der Adler ist der Herr! Lesen wir dazu Jes. 4, 2-5: “An jenem Tage wird der Sproß des Herrn (oder der Sproß, der Herr) zur Zierde und Herrlichkeit sein, und die Frucht der Erde zum Stolz und zum Schmuck für die Entronnenen Israels. Und es wird geschehen, wer in Zion übriggeblieben und wer in Jerusalem übriggelassen ist, wird heilig heißen, ein jeder, der zum Leben eingeschrieben ist in Jerusalem: wenn der Herr den Unflat der Töchter Zions abgewaschen und die Blutschulden Jerusalems aus dessen Mitte hinweggefegt haben wird durch den Geist des Gerichts und den Geist des Vertilgens. Und der Herr wird über jede Wohnstätte des Berges Zion und über seine Versammlungen eine Wolke und einen Rauch schaffen bei Tage, und den Glanz eines flammenden Feuers bei Nacht. Denn über der ganzen Herrlichkeit wird eine Decke sein.”
Wie könnten wir an diesem wunderbaren Zeugnis vorbeigehen, ohne mit tiefer Freude des Herzens auf einen Punkt hinzuweisen: Der Geist des Gerichts und der Geist des Vertilgens, der für den Bibelunkundigen nur etwas Schreckliches, etwas Negatives ist, dient dazu, Unflat und Blutschulden des heiligen Volkes zu tilgen und zu beseitigen!
Wer ist nun der Sproß Jehovas? Ist Er der König oder der Knecht, ist Er der Mensch oder der Herr, d. h. Gott selbst? Was ist Er? — Er ist alles! Wahrer Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, wahrer Gott, vom ewigen Vater gezeugt und geboren, das ist der Sproß, dargestellt in den vier Lebewesen und in den vier Evangelien. Noch ist jener Tag, von dem in Jes. 4, 2 die Rede ist, nicht erschienen. Noch ist unser Herr nicht zur Zierde und zur Herrlichkeit und zum Ruhm Seines Volkes. Noch hat man Ihn nicht begehrt, man hat Ihn verachtet, man hat das Angesicht vor Ihm verborgen, aber Er wird einmal, wer weiß wie bald, Israels und der ganzen Erde Zierde, Ruhm und Herrlichkeit sein.
Wißt ihr auch, meine teuren Brüder und Schwestern, wer im biblischen Vollsinn der ist, der Israels und aller Nationen Herr und Haupt, Glanz und Ruhm ist? Es ist der Christus, der ganze Christus, das Haupt und alle Seine Glieder. Wenn du von ganzem Herzen Ihm gehörst, wenn du wirklich völlig Ihm hingegeben bist, indem du allem andern absagtest und Ihm allein dich völlig weihtest, dann bist du in den Augen Gottes ein Glied, ein Teil dieses herrlichen Fülle-Christus. Wir werden in der Schrift das plärooma, die Vervollständigung des Christus genannt. Er ist das Haupt, und wir sind Seine Glieder. Wer das unter der Zucht des Heiligen Geistes aus Gottes untrüglichem Worte zu fassen vermag, dem eröffnen sich ungeahnt weite Durchblicke und Fernblicke.
Die Israeliten, die in der Drangsal Jakobs nicht getötet werden, werden einmal zum Schmuck und zum Stolz des Herrn den Grundstock für das Herrschervolk der Erde bilden. Wer weiß, wie nahe diese Zeit ist! Wir aber, die Gemeinde des Leibes Christi, haben höhere Aufgaben: wir stehen in Beziehung zum Weltall. Was Israel für die Erde ist, das sind wir für das Universum, für das All. Das ist kein Hochmut und kein Wahn, das lehrt die Schrift. Welche gewaltigen Linien leuchten dem Glauben hier auf!
Wir lasen: “Und der Herr wird über jeder Wohnstätte des Berges Zion und über seine Versammlungen eine Wolke und einen Rauch schaffen bei Tage und den Glanz eines Flammenfeuers bei Nacht.” Früher waren Rauch und Feuerglanz nur über der Stiftshütte, der Wohnung Gottes. Hier aber, im tausendjährigen Friedensreich, sind sie über jeder Behausung, in der eine jüdische Familie wohnt. Was einst nur bei der Wohnung Gottes der Fall war, ist dann bei allen! Was ist das für ein gewaltiges Programm! Welch eine unaussprechlich herrliche Aussicht für Israel!
Leider sind diese Wahrheiten bei dem Heilsvolk des Herrn kaum bekannt. Ich habe manchem Juden schon gesagt, ich sei hinsichtlich seines Hoffnungsgutes ein viel besserer Jude als er, denn ich freue mich über die Zukunft seines Volkes mit ganz großer Freude und wisse darüber besser Bescheid als er selbst. Daß über jeder Wohnung, jeder Behausung Israels ein Rauchschatten bei Tage und ein Glanz flammenden Feuers bei Nacht sein wird, ist ein Hinweis darauf, daß Israel durch große Gerichte und Leiden zubereitet wird als Beispiel für alle anderen Wesen und Welten. Feuer ist ein Bild für verzehrende Strafe, Reinigung und Läuterung. Lesen wir nur Jes. 5, 24; 2. Mo. 3, 2; 4. Mo. 21, 4-9; Sach. 13, 9 und viele andere Schriftzusammenhänge, die uns das bestätigen.
Rauch schattet Qual und Zorn, aber auch Vergänglichkeit ab. Erinnern wir uns etwa an 5. Mo. 29, 20; Ps. 74, 1; 80, 4; 18, 8; 68, 2 oder lesen wir Ps. 37, 20 u. v. a. Stellen nach. Dabei wollen wir aber nie vergessen, daß an ungezählten Stellen der heiligen Schriften bezeugt, ja beschworen ist, daß Feuer und Rauch, Fluch und Nacht und Tod einmal ein Ende haben werden. Darum schließt auch unsere Jesajastelle vom Rauch der Qual und dem flammenden Feuer des Gerichtes mit dem prophetischen Hinweis: “Über der ganzen Herrlichkeit (nach 2. Kor. 3, 7.9 ist auch der Dienst des Todes und der Verdammnis Herrlichkeit!) wird eine Decke sein (chuppah = Schirmdach oder Hochzeits-, Priester- und Königsbaldachin).” Wer solches zu fassen vermag, fasse es. Wem es aber nichts sagt und sein Herz nicht anspricht und entzündet, der lasse es liegen, bis der Geist es ihm lebendig macht. —
Die Schau von den vier Lebewesen Löwe, Stier, Mensch und Adler zeigt uns, wie Gott den Adler hochschätzt und wie das Köstlichste, das Innerste, das Gottgemäßeste, das Johannesevangelium, nicht durch die Majestät des Menschen, sondern durch den fliegenden Adler dargestellt wird. Jesus Christus ist der Adler, der zum Himmel steigt. Er ist aber auch der König, der Knecht und der Mensch: Er ist eben alles und in allem!
8. Der Adler — ein Bild für die Nationen
Der Adler ist auch, prophetisch gesehen, ein Bild für die Nationen. Da er ja ein Raubvogel ist, gebraucht ihn Gott wie die Nationen, die immer wieder über Israel herfallen. Spricht doch der Herr: “Ich habe meinen Knecht gerufen, Nebukadnezar, aus fernen Landen, einen Raubvogel; ich habe ihn gerufen, damit er das Gericht an dir ausführt.” Über dieses Wort und viele ähnliche Zeugnisse gäbe es wunderbare Dinge zu berichten. Denken wir nur etwa an die Nation, die Jerusalem zerstört hat, Rom. Was aber haben die Römer in ihren Standarten? Einen Adler! Die römischen Adler wurden den siegreichen Heeren vorangetragen. Jerusalem war ein Aas geworden, verdorben in seinen Sünden, und “wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler”, die Geier, die Raubvögel. Nun verstehen wir diese Worte, und die Schrift wird uns immer mehr zu einer wunderbaren, in sich geschlossenen, unerschöpflichen Einheit. Jedes Wort wird dem Glauben lebendig.
9. Der Adler als Bild des Bösen
Wenn wir noch mehr Zeit hätten, würde ich beweisen — bitte erschreckt nicht! —, daß der Adler auch ein Bild für Satan ist. Manche werden jetzt denken, daß man so etwas nicht sagen dürfe, denn das könne doch nicht sein. Wie kann der Adler ein Bild auf Christus und Seine Gemeinde und zugleich eine Abschattung des größten Feindes Gottes sein? Ich will das zu erklären versuchen, und wer es fassen kann, der fasse es.
Der Löwe ist ein Bild für Christus. Ist doch unser Herr der siegreiche Löwe aus Juda. Ist aber nicht der Löwe auch ein Bild auf Satan? Gewiß! Er wird doch ein brüllender Löwe genannt, der umhergeht und sucht, wen er verschlinge. Und so ist auch der Adler sowohl ein Bild für Christus als auch ein Hinweis auf Satan, der wie ein Raubvogel niederstößt auf seine Beute. Wir können eine ganze Anzahl solcher Bibelstellen als Beweis der Doppeldeutbarkeit biblischer Symbole im Wort der Wahrheit finden.
Laßt mich in diesem Zusammenhang auf eine wunderbare, selten angeführte und biblisch ausgelegte Begebenheit hinweisen. Als Gott mit Abraham einen Bund machte, zerteilte Abraham einige Opfertiere und legte sie links und rechts des Weges. Das war eine damalige Gepflogenheit unter den Heidenvölkern, die auch von Israel übernommen wurde. Bundesschließende gingen zwischen den geteilten Tieren hindurch und beeideten damit, daß ihnen, wenn sie ihre Verpflichtungen nicht halten sollten, so geschähe, wie diesen geteilten Tieren. Sie sollten dann auseinandergerissen werden. Dieses Hindurchgehen zwischen Opfertieren war der heiligste Schwur, den es gab (vgl. 1. Mose 15, 7-21 und Jer. 34, 18.19!).
Nun machte Gott mit Abraham einen Bund. Er befahl ihm, die dazugehörigen Tiere zu schlachten. Das tat Abraham und legte die beiden Hälften jedes Tieres rechts und links des Weges. Die Sonne ging auf und es wurde heiß, immer heißer. Aber Gott zögerte und kam nicht. In großer Spannung wartete Abraham. Da kamen die Adler, die gierigen Räuber, um die Äser zu fressen. Sie wollten, wenn wir das göttlich so verstehen und schauen dürfen, daß das Opfer nicht zustande komme. Satan wollte einen Segensbund zwischen Gott und Abraham verhindern. Zu diesem Zweck sandte er Raubvögel, seine Mitarbeiter, die in der Gestalt der Adler kamen. Abraham, dessen heißester Wunsch es war, daß Gottes Segensbund mit ihm zustande käme, bewaffnete sich mit einem Knüppel und schlug auf die Adler ein. Doch wenn er sie links fortgejagt hatte, hockten sie im nächsten Augenblick auf der rechten Seite, um sich der Äser zu bemächtigen. So mußte Abraham fortwährend hin- und herlaufen, wurde müde, fiel hin und schlief. Lesen wir das zu Hause einmal in 1. Mo. 15 nach!
Als Abraham, ermattet durch seinen Kampf gegen die Raubvögel, fest eingeschlafen war, kam Gott, und zwar in der Gestalt eines rauchenden Ofens. Rauch ist nach der Deutung der Schrift ein Bild der Qual und der Ofen ein Symbol für das Gericht. Denken wir nur etwa an den “eisernen Schmelzofen Ägyptens”. Lest einmal alle Stellen über Rauch und Ofen nach! Ihr werdet staunen, was euch der Geist Gottes aus der Schrift alles enthüllen wird. Ich erinnere nur an den Ofen, in welchem Sadrach, Mesach und Abednego verbrannt werden sollten.
Gott fuhr also als rauchender Ofen zwischen den Tierhälften hindurch. Dadurch beschwor Er, daß Er Seinen Bund halten werde. Wenn Er ihn aber breche, dann wolle Er zerrissen werden, mitten entzweibersten. Ist schon mal jemand, der untreu wurde, mitten entzweigeborsten? Jawohl, Judas! “Er barst mitten entzwei” (Apg. 1, 18).
Gott leistete dem Abraham Seinen Schwur. Abraham aber schlief, erschöpft durch die Abwehr der satanischen Angriffe. Darum konnte er nicht zwischen den Opferteilen hindurchgehen, nicht schwören. War nun Gott verpflichtet, Seinen Bund zu halten? Gewiß! Er war ja zwischen den Tierhälften hindurchgegangen. Abraham aber war durch die Raubvögel, die Gesandten Satans, verhindert und in tiefen Schlaf versetzt worden. Wenn nun Gott den Bund hielt und Abraham hielt den Bund nicht, war er dann noch gültig? Ja, auch dann. Warum? Weil Abraham nicht aus Absicht, sondern vom Feind überwältigt, nicht zwischen den Hälften der Opfertiere hindurchgegangen war. Damit war der Bund Gottes eine allein auf Ihn gestellte, nur Ihn verpflichtende Angelegenheit, während Abraham, selbst wenn er, bzw. sein Volk, den Treubund brach, nicht getötet werden mußte. Versteht ihr jetzt, warum im Galaterbrief geschrieben steht: “Ein Bündnis ist nur für zwei, Gott aber ist einer”?
Vieles wäre noch zu sagen über die Adler als Bild des Bösen und auch als Tilger des Bösen. Denn viele Symbole haben Doppelbedeutung. So auch die Bilder für den Christus, die zugleich Seinen Gegenspieler abschatten.
Schluß
Meine Freunde, ich habe versucht, euch etwas zu sagen über die Adler. Nicht wahr, ihr habt mir abgespürt, wie voll mein Herz ist. Aber es soll genügen. Wenn ihr mitnehmt, daß wir, wenn wir in Christo sind, auffahren wie die Adler, so habt ihr mich verstanden. Wenn wir geistlicherweise wirklich Adler sind, so müssen wir damit rechnen, daß eines Tages alles, was uns auf der Erde lieb und wert war, irgendwie zerstört wird und wir nichts mehr haben als das eine, daß wir von Gott aufgetangen und in Ihm geborgen werden. Und dann bekommen wir alles auf höherer Ebene wieder geschenkt. Jeder junge Adler baut sich wieder sein Nest und erlebt dasselbe später mit seinen eigenen Jungen. Was doch in diesen einfachen Begebenheiten für gewaltige Wahrheiten stecken! —
Gott segne uns und schenke es uns, aufzufahren mit Flügeln wie Adler! Dein Alter, mein Bruder und meine Schwester, möge sich erneuern wie der Adler! Mögen noch so dunkle Zeiten vor uns liegen, uns noch so bange Tage und Nächte bedrohen, ehe wir am Ziele sind — mit jauchzendem Schrei dürfen wir immer wieder im Geist und im Glauben emporsteigen zu Gott und brauchen uns nicht zu bücken und zu ducken vor der Macht der Bosheit und Sünde, die über und unter uns, um uns und in uns ist. Bald, ja bald werden wir durch die Wolken hindurchstoßen in der Entrückung und bei unserm Herrn sein allezeit, sieghaft und glücklich! Das ist unsere Zukunft, dargestellt durch das eine Wort “Adler”. Gott segne euch! Fahrt auf wie die Adler, verjüngt euch wie die Adler, indem ihr euer altes Wesen an dem Christusfelsen zerschlagen laßt, und Gott wird euch wunderbar führen und vollenden! Gelobt sei Sein Name! Amen.
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 2 & 3/1966; Paulus-Verlag, Heilbronn)


Jeden Sonntag ab 10:00 Uhr von der 
Der Artikel ist für mich eine Ermutigung. Die Sprache ist allerdings sehr altbacken.
Ich würde ihn so nicht weitergeben, sondern vorher umschreiben.
Mit freundlichen Grüßen
M.Berger
Danke für Ihren Beitrag, liebe Schwester. Ich habe bewusst die alte Ausdrucksweise resp. den Sprachstil unverändert übernommen, zum einen weil es für mich derzeit schlicht zu viel Aufwand wäre, alles umzuschreiben (das schaffe ich gegenwärtig aus Zeitgründen nicht), zum anderen weil ich persönlich diese alte Sprache sehr schätze, und zuletzt weil bei jeder Überarbeitung die Gefahr besteht, zumindest die Intentionen des Autors zu verwässern, zu verändern oder gar zu verfälschen. Sicher nicht die größte Gefahr, aber sie besteht prinzipiell. Desweiteren handelt es sich hier ja um die Abschrift gesprochenen Wortes. So etwas ist immer u.a. ein Stück sprachlicher Zeitgeschichte und will oft auch bewusst die sprachlichen Spitzen, Ecken und Kanten erhalten wissen. Aber es steht Ihnen selbstverständlich frei, den Text für sich selber oder zur Weitergabe an andere sprachlich zu überarbeiten :)
Herzliche Segensgrüße
JK