Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Von den Engeln

Autor: Merz, Karl  |  Kategorie(n): Unsichtbare Welt  |  700 x gelesen

Es war im ersten Weltkrieg gewesen. Da sagte eines Tages der damals bekannte und bald darauf heimgegangene Verlagsbuchhändler Immanuel Közle zu mir: “Bruder Merz, wir müssen mit einer zunehmenden Diabolisierung der Menschen rechnen.” Er hat recht gehabt; die folgenden Zeiten bewiesen es.

Auf derselben Linie liegt, was Karl Heim in seiner Selbstbiographie sagt. Das letzte Kapitel trägt die Überschrift: “Rückschau und Ausblick am Lebensabend”. Heim wirft darin die Frage auf, wer bei dem geistigen Ringen unserer Tage den Sieg gewinnen werde, der dialektische Materialismus oder etwa der Kapitalismus. Die Antwort, die er gibt, lautet überraschenderweise, daß er weder dem einen noch dem andern zuteil werden würde, sondern dem Okkultismus. Dann begründet er seine Schau mit Beispielen, bei denen es einem kalt und warm über den Rücken laufen kann.

Er wird, so scheint es, recht bekommen. Unwillkürlich drängt sich uns da der Vergleich mit den Erdentagen Jesu auf. In den Evangelien, die davon berichten, ist viel von Besessenheit und Besessenen die Rede. Satan hat gewußt, daß es jetzt um seine Macht geht. Darum wirft er alle Kräfte in den Kampf. Am Ende der gegenwärtigen Weltzeit wird sich dies wiederholen. Während es damals noch mehr ein geistiges Ringen war, wird Satan jetzt auch praktisch von seinem Thron gestoßen.

Da mag es nicht unangebracht sein, daß wir uns mit diesen Mächten beschäftigen. Uns geht es dabei allerdings nicht so sehr um das, was die Sadduzäer und Pharisäer alter und neuer Zeit darüber sagen, sondern um die Tatsachen und Aussagen, die in der Schrift berichtet werden. Von ihr geführt und unterrichtet, wollen wir einen Blick in die unsichtbare Welt hinein tun. Dabei wenden wir unseren Blick weniger der dunklen als mehr der lichten Seite zu.

Wie wir wissen, hat das Wort “Engel” im Grundtext zunächst die Bedeutung von “Boten”. Dies kann ein Mensch von Fleisch und Blut, dies kann aber auch ein Geistwesen sein. Ob in dem einzelnen Fall das eine oder das andere in Frage kommt, muß jeweils der Zusammenhang ergeben.

Erschaffung und erstes Auftreten

Über ihre Erschaffung wird uns so gut wie nichts gesagt. Ihr Dasein wird in der Schrift vorausgesetzt. Zum erstenmal lesen wir von einem Engel in 1. Mose 3, 1. Da ist allerdings von einer Schlange die Rede. Nun wissen wir zwar, daß z. B. in der Geschichte Bileams auch eine Eselin spricht. Ähnliches berichtet Justinus Kerner in der “Seherin von Prevorst”. Da reden Pferde. In allen diesen Fällen aber stehen wir unter dem Eindruck, daß solche Tiere von einer fremden Macht ge- und mißbraucht werden. Auf jeden Fall trifft es auf die Schlange im Paradies zu. Hinter ihr stand Satan. Dies geht unzweideutig aus anderen Stellen der Schrift hervor; man denke nur an Offb. 20, 2. Im übrigen mag hier erwähnt werden, was Jakob Kroeker dazu sagt. Er hält dafür, daß die Schlange das intelligenteste unter den Tieren gewesen sei. Sie habe von Natur einen aufrechten Gang gehabt. Beweis dafür ist ihm, daß sie zur Strafe für ihre Hingabe an den Feind Gottes jetzt auf dem Bauch kriechen müsse. — Dann lesen wir im gleichen Kapitel, nämlich 1. Mose 3, von einem Cherub mit dem bloßen hauenden Schwert. Die Jubiläums-Bibel erklärt ihn so: “Cherubim, die heiligen Thronwächter Gottes, müssen das verscherzte Paradies bewahren.” Hier also handelt es sich um einen treugebliebenen Engel, wahrscheinlich sogar Engelfürsten.

Wir halten fest: Näheres über die Erschaffung der Engel ist uns in der Schrift nicht gesagt. Vielleicht aber kommt Milton in seinem “Verlorenen Paradies” der Wahrheit nahe. Wir nehmen die Vorstellungen einiger Brüder sowie unsere eigenen Gedanken hinzu und möchten so sagen: Es scheint, als ob Satan ein Engelfürst gewesen wäre, der die Provinz Erde in Gottes Universum zu verwalten gehabt hätte. Offenbar genügte ihm dies aber nicht. Er neidete dem Sohne Gottes seine höhere Stellung. Ja, er wollte “sein wie Gott”. Eines Tages zettelte er eine Empörung gegen Gott und dessen Sohn an. Sie wurde jedoch niedergeschlagen. Dadurch entstand auf der Erde ein Chaos. Sie wurde ein “Tohuwabohu”. Ursprünglich war sie dies nicht gewesen. Das geht deutlich aus Jes. 45, 18 hervor. Die Elbf. Bibel übersetzt: “Nicht als eine Öde hat Er sie erschaffen” und bemerkt in einer Fußnote zu “Öde”: “… dasselbe Wort wie in 1. Mose 1, 2″. Satan gelang es offenbar, einen Teil der Engel in die Empörung hineinzuziehen. Diese hielten es auch nach dem Sturz weiter mit Satan. Wir nennen sie Dämonen. Seitdem gibt es also gute und böse Engel. (Manche Brüder sehen in dem “Morgenstern” = Lucifer von Jes. 14 den Satan. Vielleicht ist diese Stelle aber doch nicht beweiskräftig genug.)

Gefallene Engel

Dann begegnen uns in 1. Mose 6 wieder gefallene Engel. Luther spricht von “Kindern Gottes” und “Töchtern der Menschen” und versteht unter den Kindern Gottes die Nachkommen Seths und unter den Töchtern der Menschen die Nachkommen Satans. Doch hier können wir der Jub.-Bibel nicht folgen. Zunächst weisen wir darauf hin, daß es nicht eigentlich “Kinder”, sondern “Söhne” Gottes heißt. Wer unter diesen Söhnen Gottes zu verstehen ist, erfahren wir aus Hiob 1, 6 und Hiob 38, 4.7. Auch dort ist die Rede von “Söhnen” Gottes. Der Zusammenhang zeigt jedoch, daß es sich da um Engel handelt. — Wir wissen, daß 1. Mose 6, 1-4 eine “dunkle” Stelle ist. Ob aber nicht schon die alten Griechen etwas von diesen Dingen geahnt haben? Wir denken an ihre Heroengeschichten. Zu beachten ist ferner, was Fritz Binde in seiner Broschüre “Spiritismus” schreibt. Er geht von jener Lehre der Dämonen aus, die verbieten, ehelich zu werden (1. Tim. 4, 1-3), und sagt dann: “… Da nun viele Menschen nicht den wirklich für sie bestimmten Mann oder die für sie bestimmte Frau in diesem Leben bekommen, so haben sie also ihren wirklichen Gatten oder Gattin drüben zu erwarten. Und was liegt nun näher, als daß jene himmlischen Geliebten ihren noch irdischen Geliebten sich schon jetzt offenbaren und mit ihnen in Verkehr treten möchten! Merkt der Leser bereits, worauf die Sache hinausläuft? Nun eben auf die Wiederholung jenes Verkehrs der Dämonen mit den Töchtern der Erde, wie es 1. Mose 6, 1.6 angedeutet ist. Die Dämonen erscheinen in Menschengestalt, und tatsächlich macht man in Amerika in spiritistisch-spiritualistischen Kreisen längst kein Hehl mehr aus den Engelsehen.” (Ob nicht so auch der Mensch der Sünde gezeugt wird? Paulus spricht von einem solchen in 2. Thess. 2.)

Wenn wir die Geschichte der Engel weiter verfolgen, dann kommen wir zu dem Engel in 1. Mose 16, 7.10.11, der sich der Hagar annimmt. — Unter den drei Männern, die bei Abraham im Hain Mamre eingekehrt sind, sind gewiß zwei davon Engel gewesen. Bei dem dritten scheint es sich um den Herrn, oder sagen wir es jetzt einmal so: um Jahwe-Jesus gehandelt zu haben. — Engel sind es wieder, die Lot auf den Untergang von Sodom vorbereiten und ihn retten wollen.

Wir brechen hier ab. All die Stellen anzuführen, die uns von den Engeln künden, ist hier unmöglich. Wir wollten durch einen flüchtigen Überblick nur darauf hinweisen, daß es Engel gab (und gibt). Lediglich daran sei noch erinnert, daß viel von Engeln die Rede ist bei der Ankündigung und der Geburt Jesu, in Seinem Leben, bei Seinem Sterben und Auferstehen, bei Seiner Himmelfahrt und Seiner Wiederkunft. Bei der letzteren denken wir nicht zuletzt auch an die Rolle, die Engel in der “Offenbarung Jesu Christi” spielen.

Natur der Engel

Im Blick auf die Natur der Engel sagten wir schon, daß es sich bei ihnen um körperlose Wesen handelt, was indes nicht ausschließt, daß sie sich materialisieren können. Im Unterschied zu den Menschen bilden sie keine Familien; wir denken da an Lukas 20, 34.35. Sie können also ihre guten oder schlechten Eigenschaften nicht vererben. Jeder Engel ist ein Individuum für sich. Doch können sie sich in Gruppen zusammenschließen. Gemeinsam mit den Menschen haben sie aber, daß jeder mit einem freien Willen ausgestattet ist. So wenig wie die Menschen zwingt Gott die Engel, Ihm treu zu bleiben. Sie können sich auch gegen Ihn entscheiden. Dies hat offenbar ein Teil von ihnen getan. Davon lesen wir Judas 6. Danach haben Engel ihre Behausung (Menge: “Herrschaftsgebiet”) verlassen. Zur Strafe dafür werden sie mit ewigen Banden der Finsternis für den großen Gerichtstag Gottes aufbewahrt. Ganz ähnlich äußert sich Petrus in seinem 2. Brief, Kap. 2, 4. Dies schließt aber nicht aus, daß sie sich von da aus und bis dahin noch betätigen können. Paulus spricht in Eph. 6, 12 von Gewalten, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, von den bösen Geistern unter dem Himmel, mit denen wir zu kämpfen haben. — Doch braucht uns vor ihnen nicht bange zu sein. Johannes sagt in seinem 1. Brief, Kap. 4, 4, daß der, der mit uns sei, größer sei als der, der in der Welt sei, also Satan und die Dämonen. Fritz Binde sagte einmal: “Der Mensch ist mächtig, Satan ist übermächtig, aber Gott ist allmächtig.”

Erscheinung von Engeln

Über das Auftreten oder die Erscheinung der Engel lesen wir in der Schrift mancherlei. Die Engel, die z. B. bei Abraham eingekehrten oder die zu Lot kamen, erwecken den Eindruck von Menschen. Nur ihre lichte Gestalt besagt, daß sie aus der Himmelswelt stammen. Dem Cornelius erscheint nach Apg. 10, 3 ein Engel im Gesicht. Dasselbe erfährt Paulus auf seiner Fahrt nach Rom (Apg. 27, 23). Im Traum sah Paulus jenen Macedonier, der ihn bat, doch zu ihnen zu kommen. Die Engel können sich, wie wir oben sagten, materialisieren. Sie passen sich, wo es nötig ist, den Umständen an. Ein Beispiel aus dem Leben mag dies veranschaulichen. So erzählte ein Bruder von dem, was er auf einer Fahrt von Basel nach Freiburg erlebte. Er wollte in einen bestimmten Wagen einsteigen, wurde aber von einem Schaffner daran gehindert. Dieser bat ihn, in einem anderen Wagen Platz zu nehmen. Unterwegs gab es ein Eisenbahnunglück. Der Wagen, in den unser Bruder zuerst einsteigen wollte, wurde zertrümmert. Nur weil er dem Rat des Schaffners folgte, blieb er am Leben. Er wollte diesem nachher danken. Merkwürdigerweise wußte aber niemand von der Zugleitung von einem solchen Schaffner. Der Bruder erklärte sich’s so, daß ein Engel sich in einen Schaffner “verkleidet” und ihn so gerettet habe. — Es ließen sich da noch viele Beispiele dieser Art anführen, doch würde das zu weit führen.

Auf der “anderen” Seite geschieht ähnliches. Da ist viel die Rede von Gesichten und Träumen, in denen der Herr oder ein Engel im Traum oder Gesicht erschienen sei. Wir haben nicht das Recht zu sagen, daß der Herr das heute nicht mehr gebe. Doch gibt es zu denken, was ein Führer der Pfingstbewegung einmal sagte, daß nämlich 99 % von diesen Dingen menschlichen oder satanischen Ursprungs seien. Auch kennen wir alle das Wort des Paulus, wonach Satan sich gelegentlich in einen Engel des Lichts verstellt. Die Regel wird die sein, daß der Herr sich durch Sein Wort offenbart. Was daneben herläuft, müssen wir mit Vorsicht betrachten, und was darüber hinausgeht, trotz des frommen oder geistlichen Scheines ablehnen. “Meidet das Böse in jeglicher Gestalt.” Diese Worte des Paulus in 1. Thess. 5 gilt es zu beachten. O, daß der Herr uns doch mehr den Geist der Prüfung schenkte! (Dr. Lechler spricht in seiner Broschüre “Der Dämon im Menschen” sich über die Frage aus, ob es sich bei Besessenheit um die Besitzergreifung eines Menschen durch einen bösen Geist oder um den Geist eines unselig Verstorbenen handle. Er hält beides für möglich. Sowohl in dem einen wie in dem anderen Fall würde ein solcher Geist seine Lüste und Sehnsüchte durch einen Menschen von Fleisch und Blut zu befriedigen und zu stillen suchen.)

Gliederung der Engelwelt

Die Schrift spricht oft von Heerscharen der Engel. Ihre Zahl ist also groß. Denselben Eindruck gewinnen wir, wenn wir an Matth. 26, 53 denken. Nach diesem Wort brauchte der Herr Seinen Vater nur zu bitten, und Er würde Ihm mehr denn 12 Legionen Engel senden. (Eine Legion ist eine militärische Einheit und umfaßte damals 5-6000 Mann.) Die größte Zahl aber, die in der Schrift überhaupt vorkommt, bezieht sich auf die Engel. Sie steht in Offb. 5, 11 und spricht von “Zehntausenden mal Zehntausenden und Tausenden mal Tausenden” (Elbf.). Man hat versucht, das auszurechnen, und ist auf 200 Millionen gekommen. Aber man kann diese Zahl eigentlich nicht ausrechnen; denn wir wissen nicht, an wie viele Zehntausende mal Zehntausende und wie viele Tausende mal Tausende (beide Male die Mehrzahl) gedacht ist.

Die Engel stellen nicht einen regellosen Haufen dar. Sie weisen vielmehr eine reiche Gliederung auf. So gibt es Engelfürsten. Als solcher wird Michael in Daniel 12, 1 bezeichnet. Zwei Kapitel vorher, nämlich Daniel 10, ist die Rede von einem Fürsten im Perserland und von einem solchen in Griechenland. Es unterliegt nach dem Zusammenhang keinem Zweifel, daß es sich beide Male um Engelfürsten handelt. Über ihnen scheint ein Engel zu stehen, den wir vielleicht allgemein als den “guten Geist” in der Völkerwelt sehen dürfen. Zu den Engelfürsten gehört zweifellos auch Gabriel, der in der Geburtsgeschichte des Johannes und Jesu vorkommt. Weiter lesen wir von Cherubim und Seraphim: alles Engel in höheren “Rängen”. Ihnen unterstehen offenbar die mittleren und unteren Engel. Aber auch die letzteren stellen eine imposante Erscheinung dar. Wir dürfen und wollen darum nie von “Engelein” sprechen. Sie sind allesamt Helden. So reich, wie die Gliederung in der Lichtswelt ist, scheint auch die Gliederung in der Finsterniswelt zu sein. Wir schließen dies aus Eph. 6, 12 und anderen Stellen. Jakob Kroeker gab einmal der Meinung Ausdruck, daß es Engel gebe, die etwa das “Referat” der Unzucht, andere der Trunksucht usw. unter sich hätten. (Dieser Gedanke wird in dem Buch “Der Tanz mit dem Teufel” von G. Schwab anschaulich gemacht; H. Sch.)

Aufgaben der Engel

Die Aufgaben der Engel sind mannigfaltig. Nach der “Offenbarung Jesu Christi”, dem letzten Bibelbuch, gibt es einen Engel über das Wasser und einen Engel über die Winde. Ob sie über das Wasser auch im Sinne von Flutkatastrophen und über die Winde etwa auch im Sinne von Geistesströmungen zu entscheiden haben? Freilich wird dies erst nach einem genehmigten Vorschlag im himmlischen Ministerium geschehen dürfen. Daß es so etwas gibt, geht aus 1. Kön. 22, Daniel 4, 14, auch Hiob 1 hervor. — Was die Aufgaben der Engel betrifft, so ist am bekanntesten wohl das Wort Jesu aus Matth. 18, 10, wonach die Kinder einen Engel (wir sagen gern: Schutzengel) haben. Auf der gleichen Linie liegt Hebr. 1, 14: “Sind die Engel nicht allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienste derer, die die Seligkeit ererben sollen?” Wieder müssen wir sagen, hierfür Beispiele anzugeben, ist nicht möglich, weil es deren zu viele gibt, und zwar gut bezeugte, glaubwürdige. — Nicht vergessen wollen wir Lukas 15, 10, wo gesagt wird, daß die Engel im Himmel sich über jeden Sünder freuen, der Buße tut. Dazu gehört auch Hebr. 12, 1, wo gesagt ist, daß eine Wolke von Zeugen uns umgebe. Diese Zeugen können ja nach dem Zusammenhang nur in den Männern und Frauen gesehen werden, von denen in dem Kapitel vorher die Rede ist. — Beide Stellen aber bezeugen, daß sowohl Engel wie unsere Heimgegangenen an unserem äußeren und inneren Erleben teilnehmen. Dabei schauen sie nicht nur zu, sondern greifen ein und helfen mit, wo der Herr es für gut und nötig hält. Denn Ihm stehen sie zur Verfügung.

Der Leib Christi und die Engel

Wir kommen zu der letzten und für uns im Augenblick vielleicht wichtigsten Frage, nämlich ob das, was von den Engeln gesagt ist, nur für die jüdische Haushaltung oder auch für die Glieder des Leibes Jesu Christi gelte. Wir geben gern zu, daß der Umgang der Leibesglieder mit ihrem Haupte unmittelbarer ist, als es bei dem Volk der Wahl möglich war. Ganz brauchen und wollen aber auch wir nicht auf die Engel verzichten. Wir haben im Laufe unserer Darlegungen wiederholt gezeigt, daß Engel auch im Leben etwa eines Paulus vorkommen. Wir fügen dem noch drei Stellen hinzu. Die eine findet sich in 1. Kor. 4, 9. Danach sind die Gläubigen ein Schauspiel der Welt und den Engeln. Sie bilden gleichsam die Zuschauer in dem Theater, in dem wir spielen. Sie beurteilen uns. Die andere findet sich in 1. Kor. 11, 10. Danach sind die Engel unsichtbare Teilnehmer in unseren Versammlungen. Oft werden sie ihr Angesicht verhüllen müssen, wenn sie den “Aufzug” besonders der weiblichen Glieder sehen. Zuletzt weisen wir noch auf 1. Tim. 5, 21 hin. Dort bezeugt Paulus in geradezu feierlicher Weise dem Timotheus “vor Gott und dem Herrn Jesus Christus und Seinen auserwählten Engeln”, daß es gelte, den Dienst ohne Gutdünken und Gunst so zu tun, wie er, also Paulus, es angeordnet habe.

Ein in unseren Tagen viel genannter und mit Recht hochgeschätzter Bruder fragte mich vor Jahren einmal, ob ich schon einen Engel gesehen hätte. Als ich ihm diese Frage verneinen mußte, sagte er fast inbrünstig: “Wie schön müßte es doch sein, einem Engel zu begegnen!” Ich gestehe, daß ich auch heute nicht etwa ein starkes Verlangen habe, einen Engel zu sehen. Ich möchte vielmehr Jesum immer besser kennenlernen. Auf den Dienst der Engel und, wenn es sein dürfte, auf ihre sichtbare Gegenwart möchte ich trotzdem nicht grundsätzlich verzichten.

Wenn ich recht sehe, dann droht uns augenblicklich eine doppelte Gefahr. Sie besteht einmal darin, daß wir sagen, daß Engel für die Leibesglieder nicht mehr in Frage kämen. Um uns würde sich der Herr selbst kümmern. Begründet wird eine solche Haltung mit dem Wort des Paulus, daß es gelte, das Wort der Wahrheit recht zu teilen. Ob wir aber hier nicht in der Gefahr stehen, das Wort nicht nur recht zu schneiden, sondern es zu zerschneiden? Paulus hat bei dieser Teilung doch wohl in erster Linie daran gedacht, daß wir Gesetz und Evangelium nicht miteinander vermischen. — Die andere Gefahr sehe ich darin, daß wir uns zuviel mit den Engeln beschäftigen. Da und dort wird sogar versucht, eine Engellehre aufzustellen. Davor aber wollen wir uns durch Kol. 2, 18ff. bewahren lassen. Im Mittelpunkt unserer Lehre wie unseres Lebens stehe Jesus!

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 6/1966; Paulus-Verlag, Heilbronn)

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