Laßt uns nie vergessen, daß immer der Fleischgeborene den
Geistgeborenen lästert und verfolgt, und nie umgekehrt (Gal. 4,29).


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Wann gewinnt Israel Heilsbedeutung?

Autor: Malessa, Friedrich  |  Kategorie(n): Heilsgeschichte, Israel  |  546 x gelesen

(Nachschrift eines mündlichen Dienstes)

Israel ist heilsmäßig und heilsgeschichtlich ein besonderes Problem. Zunächst wird Israel Unheilsträger sein, ehe es Heilsträger wird. Und zwar wird Israel beide Seiten in der krassesten Form durchlaufen. Die alttestamentliche Verheißung: “Aus dir soll mir kommen der Herrscher und Friedefürst” (vgl. Micha 5, 1-3; Jes. 9, 6) hat sich in Jesus Christus erfüllt. Aus Israel kam der Retter, der Heiland. Aber auch das andere hat sich erfüllt: “Er kam in Sein Eigentum, und die Seinen nahmen Ihn nicht auf” (Joh. 1, 11). Sie haben Ihn, ihren Messias, ans Kreuz gebracht. Schon an diesen beiden Schriftaussagen sehen wir, wie Israel einerseits Heilsträger, andererseits Unheilsträger war. Und dieses Volk wird noch eine Weile Unheilsträger sein, bis es eines Tages das Heilsvolk Gottes wird. Glauben wir: “Was Er sich vorgenommen, und was Er haben will, das muß doch endlich kommen zu Seinem Zweck und Ziel.”

Wann aber wird Israel Heilsbedeutung gewinnen? Dieses “Wann” ist auch für uns wichtig.

Der Prophet Daniel hatte nicht nur den Auftrag, die Nationenzeiten und die Nationengeschichte zu zeigen, sondern auch die Geschichte Israels. Wir müssen uns von Daniel sagen lassen, wann Israel wieder Heils- und Weltbedeutung gewinnt. In Daniel 9 finden wir eine wunderbare Weisung für das Volk Israel, die auch uns angeht. Daniel wurde nach einem langen Gebet diese Schau geoffenbart. Lesen wir von Vers 25 an: “Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Messias, den Fürsten, sind 7 Wochen und 62 Wochen. Straßen und Gräben werden wiederhergestellt und gebaut werden, und zwar in Drangsal der Zeiten.” Bis hierher ist der Text bereits Geschichte geworden. Bis auf die Ausrottung des Messias waren 7 und 62 = 69 Jahrwochen verstrichen. Dann wurde der Gesalbte ausgerottet, gekreuzigt. Israel aber wurde verwüstet, seine Bewohner zerstreut, weil es sich an dem Gesalbten versündigt hatte. (Man lese dazu aus Daniel 9 die Verse 26 und 27!) Diese “wüste Zeit” ist ohne Zahlenangabe und darum auch nicht zu berechnen. Die letzte Jahrwoche steht noch aus (Vers 27). Eine Jahrwoche hat 7 Jahre, und auch die letzte Jahrwoche wird 7 Jahre lang sein. Der den Bund mit den Vielen stärken wird, ist der Antichrist. Er wird in der Mitte der letzten Jahrwoche Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen. Schon aus dieser Tatsache können wir ersehen, daß es sich um Israel handelt. Der Antichrist (das Tier) wird den Vielen (Israel) eine Woche lang (7 Jahre) den Bund stärken. Ein Teil Israels (die “Hure”) wird sogar das Tier, d. h. den Antichristen und die antichristliche Welt, nach Offb. 17 als Reiterin lenken. In dieser Stellung ist Israel dann Unheilsträger. Beim Auftauchen des Antichristen also wird Israel Weltbedeutung erlangen, und zwar zunächst Unheilsbedeutung.

Geht dieses Geschehen uns, die Gemeinde, etwas an? Wo befinden wir uns denn zu dieser Zeit? Das müssen wir feststellen. Vor der letzten Jahrwoche läuft Israels “wüste Zeit”, die Zeit der Zerstreuung und Blindheit. “Wüst” ist diese Zeit für Israel, aber nicht für Gott; denn Gott hat in dieser Zeit einen anderen Heilsträger: die Gemeinde. Wir lesen in Röm. 11, 25.26: “Denn ich will nicht, Brüder, daß euch dieses Geheimnis unbekannt sei, auf daß ihr nicht euch selbst klug dünket: daß Verstockung Israel zum Teil widerfahren ist, bis daß die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird; und also wird ganz Israel errettet werden …” Paulus schreibt hier an die Römer, also an Gläubige aus den Nationen. In der Zeit der Verstockung Israels geht die Sammlung der Gemeinde Jesu Christi vor sich. Der Fülle-Christus wird gebildet. Das Eingehen der Fülle der Nationen ist die Entrückung der Gemeinde. Wenn die Entrückung stattgefunden hat, dann wird Israel zurechtkommen. Israels Weltbedeutung beginnt also, wenn unsere Heilszeit beendet ist, beginnt mit dem Offenbarwerden des Antichristen und der antichristlichen Welt. Israel ist dann zunächst zwar ein Unheilsträger. Es wird als Hure dargestellt, die trunken ist vom Blute der Heiligen (Offb. 17). Doch zu Beginn der letzten Jahrwoche treten zwei Zeugen auf. Die Gemeinde ist zu jener Zeit entrückt. Sie war das Aufhaltende in dieser Welt (2. Thess. 2). Sie war bis zu ihrer Entrückung der Heilsträger Gottes auf Erden. — Die Zeit dieser beiden Zeugen ist auf 42 Monate begrenzt, das sind dreieinhalb Jahre (Offb. 11). Die erste Hälfte der letzten Jahrwoche ist also ihre Zeugenzeit. Durch die Tätigkeit dieser beiden Zeugen beginnt in Israel ein Umschwung. 144.000 Israeliten werden gesammelt, je 12.000 aus jedem Stamm. In diesen ersten dreieinhalb Jahren geht es noch friedlich zu. Auch das Sonnenweib (Offb. 12) wird in dieser Zeit erstehen. Andere Erweckungsgruppen kommen hinzu (siehe Offb. 7). Es wird eine große Erweckungszeit sein. Während das ungläubige Israel zu jener Zeit als “Hure” eine Unheilsbedeutung hat, beginnt zugleich durch das Auftreten der zwei Zeugen in etwa die Heilszeit Israels.

Mitten in der Jahrwoche aber geschieht eine große Katastrophe. Das aus dem Abgrund wiedererstandene Haupt wird die zwei Zeugen töten. Die vereinigte antichristliche Welt lehnt sich gegen die Heiligen auf, lehnt sich auch gegen die Erweckung in Israel auf. Der Kampf gegen die Heiligen beginnt. Schließlich wird die antichristliche Welt vereint gegen das Lamm marschieren (Offb. 19, 19). Aber der Christus wird die Angreifer mit dem Hauch Seines Mundes vernichten. Das Sonnenweib (Offb. 12) wird in jener Zeit bewahrt werden. Es hat sich bereitet für ihren Mann, den Christus. Dann kommt der Fülle-Christus mit Seinen Heiligen zur Hochzeit des Lammes. Und Ihm entgegen zieht die Braut, die sich in der Wüste zubereiten ließ. Dann kommt die wunderbare Begegnung auf dem Olberg, und die Hochzeit, die hohe Zeit, findet statt. Dann wird aus dieser Braut das Weib des Christus. Nach der Hochzeit des Lammes wird Israel der Heilsträger für die Nationen sein. “Zehn Männer aus den Nationen werden den Rockzipfel eines jüdischen Mannes ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, daß Gott mit euch ist” (Sach. 8, 23). Alle Nationen werden kommen und Ihn, den Christus, in Seinem Tausendjährigen Reiche anbeten. Dann wird sich erfüllen, was Gott schon zu Abraham sagte: “In dir und deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.” Israel ist dann das Heilsvolk.

Es kommt also die Stunde, in der Israel Heilsbedeutung erlangt, aber zuerst erlangt es Unheilsbedeutung. Ist Israel verstoßen? Keineswegs. Es wird von Gott im Tausendjährigen Reich zu wunderbaren Diensten eingesetzt werden. Sogar noch auf der neuen Erde wird Israel eine zentrale Heilsbedeutung haben. Denken wir an das neue Jerusalem! Israel wird für diese und die neue Erde im Sichtbaren Bedeutung haben.

Wir stehen gegenwärtig in der Zeit, in der sich Israel völkisch sammelt. Israel ist auf alle Fälle ein Zeiger an der Weltenuhr. Wann der Zeiger die 12 erreicht, wissen wir nicht. Die Gemeinde Jesu Christi wird dann bei Christus sein und vor Seinen Preisrichterstuhl gestellt werden. Dort müssen wir offenbar werden. Israels Unheilsgeschehen offenbart sich, wenn unser Heilsgeschehen zum Abschluß gekommen ist. Unser Herr Jesus Christus wartet zuerst nicht auf Israel, obgleich es Sein Volk ist und bleibt, sondern auf Seine Gemeinde. Wir kommen zuerst zum Abschluß, dann folgt alles andere. Auf dich und mich, auf uns wartet der Herr! Alles hängt jetzt davon ab, daß der Christus Sein Vollmaß erreicht. Gott segne uns, daß wir rechte Heilsträger werden möchten! Amen.

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 6/1965; Paulus-Verlag, Heilbronn)

Bisher gibt es einen Kommentar zu “Wann gewinnt Israel Heilsbedeutung?”

  1. 1 Judith (Donnerstag, 15. Oktober 2009; 17:15): 

    Hallo,
    ich habe nur eine Frage: was ist mit den messianischen Juden (an Yeshua Glaubende)? Gehören sie zu der Gemeinde, die entrückt werden oder zu dem vorerst unheilsbringenden Israel?
    Mir stellt sich hier dir Frage, warum man dann für Israel beten soll, wenn das geschieht, was hier geschrieben steht….
    Ich habe selber jüdische Vorfahren und mich interessiert es brennend.
    Liebe Grüße und Schalom,
    Judith

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