Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Kirchen-Ökumene aus der Sicht des prophetischen Wortes

Autor: Kahn, George, Dr.  |  Kategorie(n): Endzeit, Kirchentum, Religionen, Versuchung & Verführung, Zeitgeist  |  748 x gelesen

Vorbemerkung: Dieser Artikel erschien 1965. Heute sind die ökumenischen Bestrebungen bereits wesentlich weiter, und vieles von dem, was Dr. Kahn noch mit Grausen kommen sah, hat sich mittlerweile bestätigt und erfüllt — und ist gar schlimmer gekommen. Trotzdem dieser Artikel nicht auf dem heutigen Stand der ökumenischen Verhandlungen und Gegebenheiten ist, stellt er einen lesenwerten, mahnenden, immer noch aktuellen Beitrag zu dieser unbiblisch-religiösen Bündnisbestrebung dar, die im Gesamtrahmen der heilsgeschichtlichen Endzeitprophetie ein wesentlicher Mosaikstein ist für die sich immer deutlicher abzeichnende widergöttliche — Gott sei Dank im letzten Ende nur kurz dauernde! — “Welt-Einheit” des Antichristen.

(Unterstreichungen im Artikel vom Bearbeiter)


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Joh. 10, 14-16: “Ich bin der gute Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle; und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden.”

Diesem “eine Herde und ein Hirte” liegt zunächst alle ökumenische Bestrebung zugrunde. Da in dieser Richtung so viel aufrichtiges Bemühen sichtbar wird, ist die Gefahr einer Einbuße an Glaubenssubstanz und damit unbewußter Schrittmacherdienste zum Abfall, ja zum Widerchristen hin sogar, besonders groß. Es ist ein menschliches Vorwegnehmen eines großen Zieles Gottes auf das Reich hin, ähnlich wie beim vorweggenommenen Missionsauftrag von Matth. 28, alle Nationen zu Jüngern zu machen, nur viel schwerwiegender und in der Folge unabsehbar, weil bei den Missionen immerhin viel gottgefälliger Erfolg auf manchen Gebieten sich einstellen kann, während die Gefahr fauler Kompromisse und der Verflachung — als Folge ökumenischer Zielsetzung — unabsehbar ist.

Da, wie gesagt, dennoch — zunächst — sehr viel aufrichtiges Wirken geschieht und auch Frucht zu bringen scheint, ist vor allem die Jugend gefährdet. Sie wird nicht unterscheiden können, was an solchen Bestrebungen wertvoll ist, und was negativ. Ganz im Gegenteil: Sie wird den Gesprächspartnern, welche auf die Gefahren hinweisen — und wären die Argumente noch so überzeugend vom Wort der Bibel her begründet —, entgegenhalten, alles Abbremsen solcher Bestrebungen stelle überaltete “konservative” Einstellungen dar, und es sei an der Zeit, der “neuen Zeit neuen Wind” in das religiöse Segel wehen zu lassen.

Als Phänomen der grundsätzlich umstrittenen Grundhaltung und damit auch — leider! — als Prototyp der Schrittmacherdienste zum Antichristentum hin, mag Albert Schweitzer gelten. Steht er doch im Ansehen vieler Christen als ein wunderbares Zeugnis beglaubigter Nachfolge Jesu Christi da, als ein Ausweis, ein “Brief Christi”, eine Ausprägung vieler christlicher Tugenden. Und doch glaubt Schweitzer weder an die Gottes-Sohn-Natur Jesu (”ins Fleisch gekommen”) noch an das Blut Jesu. Keine Erlösung direkt von Gott her also, sondern nur Ideal und Vorbild menschlichen Wirkens. Wäre das ganze Werk Schweitzers nur philanthropisch oder humanitär, dann dürfte, ja müßte man es als solches begrüßen und achten. Dann wäre es ein humanitäres Wirken etwa von der Art Marshalls mit seinem Marshall-Plan, oder Dunants, des Gründers des Roten Kreuzes. So aber ist das Werk Schweitzers in den Augen vieler Zeitgenossen in ein christliches Zeugnis eingemäntelt und dient mit dazu, die Grundelemente evangelischen Glaubens von der Erlösung Jesu und dem gewaltigen Heilsplan Gottes auf eine menschliche Ebene zu verschieben! —

Die Gespräche zwischen der katholischen Kirche und dem evangelischen Sektor sind noch nicht in Fluß gekommen, nicht einmal im Anfangsstadium. Dies kommt daher, daß auf katholischer Seite erst einmal die schwerwiegenden internen Fragen (Konzil!) abgeklärt werden müssen, ferner daher, daß die Zeit offenbar noch nicht reif genug erscheint, das nie preiszugebende Primat des Papstes — als Oberhaupt einer Gesamtkirche — herauszustellen.

Gewiß: Gespräche gibt es, und hat es schon zuvor gegeben, z. B. im Rahmen der “Una Sancta”. Man hat sich besser kennengelernt, man hat mehr mit- und zueinander gesprochen. Man hat gemeinsame Gottesdienste und Lieder. Auch dabei war oft viel Aufrichtigkeit und Liebe. Sobald es aber auf die eigentlichen Kernfragen zuging, und damit ins Zentrum der dogmatischen Substanz, hörte das Gespräch auf. Denn die katholische Kirche kann — ungesagt, aber spürbar — nun einmal ihren “Erstlings”-Anspruch nicht preisgeben, auch nicht ihr Mariendogma, während umgekehrt zunächst weder der “Gottesmutter”-Begriff noch die Heiligsprechung Marias für den evangelischen Christen zumutbar erscheinen.

Doch schon in diesen Tastversuchen einer Annäherung zeigte es sich, daß das profiliertere Glaubensgut auf der katholischen Seite zu finden ist. In den Konferenzen und Tagungen, auch beim Rundfunk usw., stellte der katholische Partner auch immer die “erste Garnitur” ins Treffen. Die Kompromißbereitschaft ist auf evangelischer Seite viel größer. Um so mehr ist dort die Gefahr der Einbuße der Glaubenssubstanz vorhanden, zumal ohnehin durch die liberale Theologie starke Einbrüche erfolgt sind. Wir werden dies nachher noch feststellen können.

Ein Gebiet freilich gibt es, wo “Ökumene” sich wohlgefällig und segensreich auswirken kann: beim diakonischen Dienst. Ich denke als Beispiel an die Kirchentagungen in Rüschlikon bei Zürich, wo sich alle möglichen Vertreter von Kirchen, Gemeinschaften, Körperschaften treffen und in gemeinsamen Referaten, Aussprachen, aber auch in gemeinsamen Gottesdiensten in freundschaftlichem Zusammengehörigkeitsbewußtsein ihre besondere Aufgabe darstellen. Aber dieser diakonische Dienst ist eben “nur” ein Amt und Werk der Liebe, der Hilfe in gemeinsamer Zielsetzung, fern aller dogmatischen oder lehrmäßigen Auseinandersetzung. Es ist denkbar, daß, von der Zielsetzung unseres Herrn her beurteilt, hier die große, wunderbare Keimzelle späteren Geschehens “eine Herde, ein Hirt” liegen und sich auswachsen kann. Ja, aber eben erst später!

Um so erstaunlicher ist es, daß auf anderer Ebene die ökumenischen Gespräche schon viel weiter gediehen sind, nämlich unter den verschiedenen evangelisch-protestantischen Reformationskirchen, Freikirchen, Gemeinschaften, und zwar mit den Altkatholiken, mit den griechisch-orthodoxen Kirchen, ja (siehe die Tagung von Neu-Delhi!) sogar in ersten Anfängen und Anbahnungen mit dem Islam und dem Buddhismus. Wenn wir diese Entwicklung aufmerksam verfolgen, besteht für die wahrhaftigen Glieder des Leibes Christi die große Frage: Haben wir damit zu tun, und zwar im Sinne einer positiven Mitarbeit, oder aber ist es ein Infragestellen unserer ganzen Glaubenshaltung? Wird hier nicht, wenn auch nur schattenhaft und in kleinen Anfängen, aber dennoch deutlich genug, widerchristliches Wesen aufgebaut?

Widerchristlich nicht nur, weil allzusehr menschliches Erwägen und Handeln vordergründig obwaltet, und ein ungöttliches Vorgreifen dazu, sondern weil die widerchristlichen Merkmale, die uns die Schrift deutlich als solche mitteilt, wahrnehmbar in Erscheinung treten. So müssen wir zuerst aufmerken, wo uns in der Schrift der Begriff “Widerchrist” (oder: Antichrist) entgegentritt. Dies geschieht ausdrücklich in den Briefen des Johannes. Man beachte folgende Stellen:

1. Joh. 2, 18.22: “Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, daß der Widerchrist kommt, so sind nun viele Widerchristen geworden; daher erkennen wir, daß die letzte Stunde ist … Wer ist ein Lügner, wenn nicht, der da leugnet, daß Jesus der Christus sei? Das ist der Widerchrist, der den Vater und den Sohn leugnet.” — Kap. 4, 3: “Und ein jeglicher Geist, der da nicht bekennt, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Widerchrists, von welchem ihr habt gehört, daß er kommen werde, und er ist jetzt schon in der Welt.” — 2. Joh. 7: “Denn viele Verführer sind in die Welt gekommen, die nicht bekennen Jesum Christum, daß Er in das Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und der Widerchrist.”

Diese Charakteristika sind klar und unwiderlegbar: Nur in der Verbindung des Gottes-Sohnes und des Menschen-Sohnes läßt sich Jesus der Christus glaubensmäßig erfassen und glaubenswürdig erweisen. Hier liegt die Entscheidung: “Jesus der Christus” wird schon weitgehend entthront. Man spricht viel und ohne hemmende Beeinträchtigung von “Jesus”. Warum auch nicht? Da kann man ja ohne weiteres mit jedem Juden und Moslem ins Gespräch kommen. Jesus der Nazarener, ein großer Prophet, eine gewaltige Persönlichkeit, “guter Rabbi” (aber nicht mehr!), wie es schon damals hieß. Mensch also ja, aber nicht Gottessohn. Umgekehrt kann man auch von Christus = Christos = der Gesalbte = Messias sprechen, als von einer “Idee” gewissermaßen, oder als von einer Verheißung bei den Juden (was immerhin noch besser ist). Dabei wird der Menschensohn, die Fleischwerdung übersehen. Da wird nur noch ein transzendentes “Idealbild” oder ein philosophisches Gebilde hingestellt. Man prüfe einmal, wie in evangelischen Predigten und Gebeten zwar oft die Rede ist von “Jesus” und mitunter auch von “Christus”, wie herzlich wenig aber von “Jesus dem Christus”.

Alle ökumenischen Gespräche sind zur Zeit ja erst im Beginn der Entwicklung. Trotzdem ist der Rahmen, wenn man an die bereits in Erscheinung getretenen oder mutmaßlich nächsten Gesprächspartner denkt, bereits sehr, sehr weit gespannt worden. Sie umfassen alle evangelisch-reformatorisch-protestantischen Kirchen, die großen Freikirchen wie Methodismus und Baptismus, die englische Hochkirche und die Presbyterianer, die amerikanischen Freikirchen, die römisch-katholische Gesamtkirche (mitten in ihren eigenen Konzilsgeburtswehen), die griechisch-orthodoxen Kirchen; und bereits hat das Gespräch mit dem Islam und dem Buddhismus im Anfangsstadium begonnen!

Bei allen diesen Anfangsanknüpfungen steht das Judentum — zunächst — völlig abseits! Ich betrachte das, vom Heilsplan Gottes her gesehen, als einen großen Gewinn für die Juden. Die sogenannten christlich-jüdischen Arbeitsgemeinschaften befassen sich nur mit den Problemen des Zusammenlebens und Sich-besser-Verstehens auf kulturellem, humanitärem und soziologischem Gebiet, haben aber nie den Anspruch erhoben, “ökumenisch” im Sinne einer “Glaubensangliederung” zu wirken.

Und doch wird — nach der Gesamtstruktur des Abfalls des Endes — das Judentum nicht nur “mit dabei” sein (bei der Ökumene), sondern nach dem prophetischen Gesamtbild eine entscheidende Rolle spielen.

Das wird dann sein, wenn der letzte “Weltenmeister” das Regiment beginnt, d. h. im Anlaufen ist. Wir stehen heute im Vorgeschehen, durch das — vielleicht — so etwas wie die “pax americana” zum Durchbruch gelangt, selbst wenn zur Stunde die Zeichen von “Krieg und Kriegsgeschrei” vordergründig erschallen. Doch das geschieht mit Planung, damit aus der großen Spannung und sogar Gefahr (wie schon einmal im Falle Kuba) die Entspannung und Friedensstimmung besonders erlösend erscheint.

In dem großen ökumenischen Vereinigungsgeschehen, parallel der politischen Koexistenz-Verbrüderung, wird das Weltjudentum führend mit dabei sein — im Gegensatz zur kleinen Schar der Ecclesia Israels.

— Soweit Dr. Kahn —


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Fragen an die Ökumene

stellt Pfarrer Dr. Gerhard Bergmann aus der Sicht der Deutschen Evangelischen Allianz in dem neuerschienenen Heft “Ökumene — wohin gehst du?” (Schriftenmissions-Verlag). Landesbischof D. Erich Eichele richtet im gleichen Heft seinerseits “Fragen der Ökumene an die Allianz”. Die Ausführungen des Landesbischofs sind zwar in besserem Stil gehalten, dafür aber in der Argumentation u. E. wesentlich schwächer als die schwerwiegenden Fragen Bergmanns, der etwa sagt:

“Sieht die Ökumene die in der Kirchengeschichte sich vollziehende Entwicklung von der bruderschaftlichen, glaubensmäßigen Ekklesia hin zur institutionellen, rechtlichen Kirche? Sieht sie, wie eine aus Glauben geborene Gliedschaft am Leibe Christi durch Taufvollzug bewirkte Mitgliedschaft in der organisierten Kirche wird? Das Neue Testament kennt aber keine vom Glauben gelöste selbständige Bedeutung des Taufaktes. Wir fragen: Sieht die Ökumene, wie sich durch die taufbedingte Mitgliedschaft ein anderes, nämlich ein statisches, kirchenrechtliches Verständnis von Einheit ergibt? Wenn die Ökumene dies sieht, welche Konsequenzen zieht sie daraus? [...]

Darf die Ökumene sagen, daß das Streben nach einer Einheit im Sinn einer ‘extra unio’ = einer äußeren Einheit dem Willen Gottes entspricht? — Wenn schon die Ökumene auch nach äußerer Einheit strebt, was tut sie, um nicht die eschatologische säkularisierte Kirche (die verweltlichte Endzeit-Kirche) zu werden? [...]

Ist die Glaubensgrundlage (der Ökumene) ausreichend? Stellt sie nicht eine Minimaltheologie dar? Wie weit ist die bestehende Glaubensgrundlage überhaupt verpflichtend? [...]

Ist nicht eine dogmatische Ausweitung und Präzisierung der ökumenischen Glaubensgrundlage notwendig, wenn sich die Ökumene vor einem lehrmäßigen Synkretismus (= Religionsvermischung) schützen will? [...]

In Neu-Delhi stimmten zu unserer großen Bestürzung 10 Prozent aller Delegierten gegen das trinitarische Bekenntnis. Damit stehen diese Männer offensichtlich nicht auf dem Boden der Basis (der Glaubensgrundlage der Ökumene). Dennoch hat sich die Ökumene nicht von ihnen getrennt. Wir fragen die Ökumene: Wann wird sie das tun? Wird sie das überhaupt tun? Wer sammeln will, muß auch ausscheiden können.”

Ernsteste Bedenken meldet Bergmann auch gegenüber der Erklärung zum “Proselytismus” an, welche besagt, an Gliedern, die einer Kirche angehören, dürfe nicht durch Glieder einer anderen Kirche missioniert oder evangelisiert werden. (Unter Berufung hierauf protestierte der griechisch-orthodoxe Metropolit von Deutschland in einem Brief an den Vorsteher des Bundes Freier Evangelischer Gemeinden in Deutschland gegen evangelistisches Wirken an Gastarbeitern!) — Das interessante 79 Seiten starke Heft kann zur Klärung wichtiger Fragen beitragen.

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 4/1965; Paulus-Verlag, Heilbronn; Originaltitel des Artikels von Dr. Kahn: “Das Problem der ökumenischen Gespräche in der Sicht des prophetischen Wortes”)

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