Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Wasser und Geist

Autor: Geyer, Karl  |  Kategorie(n): Lehre, Verwandlung & Erstattung  |  767 x gelesen

Wo die Gewalt der Finsternismächte gebrochen wird, indem der Geist Gottes sie austreibt und die aus ihrer Macht Befreiten unter die Herrschaft Gottes stellt, da ist Reich Gottes (Matth. 12, 28; Luk. 11, 20). Das Mittel, durch das der Geist den Herrschaftsanspruch Gottes kundtut und dem Sklavenhalter befiehlt, sein Opfer loszulassen, ist das Wort. Der Hauch des Mundes, das an den Geist gebundene Wort, ist das Schwert, mit dem der Herr Seine Feinde schlägt. Dies muß der Antichrist beim Kommen des Herrn zunächst erfahren (2. Thess. 2, 8); dann aber auch alle Nachfolger des falschen Christus (Offb. 1, 16; 2, 16; 19, 15; vgl. auch 1. Kor. 10, 20). Das Wort Gottes ist ein wesenhaftes Wort, die Wahrheit oder Wirklichkeit und darum auch ein Schöpfungswort, durch das Er alles wirkt. “Wenn Er spricht, so geschieht’s, und wenn Er gebietet, so steht’s da” (Psalm 33, 9; 147, 18; 148, 5). Durch Sein Wort tut Er Seinen Willen kund, und dem vermag niemand zu widerstehen. Auf Sein Wort hin geben die Weltbeherrscher der Finsternis ihre Opfer frei. Die Dämonen fahren aus, sobald der Herr es ihnen befiehlt (Mark. 1, 27; Luk. 4, 36; 8, 29-33), und der Gott und Fürst dieser Welt, Satan (2. Kor. 4, 4), muß sich wegheben, wenn das Wort Gottes es gebietet (Matth. 4, 10.11; Joh. 12, 31; 14, 30; 16, 11). “Ein Wörtlein kann ihn fällen.”

Überall da, wo die Herrschaft der Zwischenmächte aufhört und Gott selbst die Herrschaft übernimmt, ist Reich Gottes. Es ist also kein äußeres Reich, das mit äußeren Gebärden kommt, d. h. so, daß man es beobachten könnte (Luk. 17, 20), sondern die Aufrichtung der Herrschaft Gottes in den Herzen. Wer diese Herrschaft Gottes anerkennt, wer Jesus als Herrn bekennt, der ist ein Glied dieses Reiches, ganz einerlei, welche Berufung ihm zuteil wurde oder zu welcher Heilskörperschaft er gehört.

Im Gegensatz zum Reiche Gottes kommt das Königreich des Sohnes äußerlich sichtbar und ist auch zeitlich begrenzt. Auf der alten Erde dauert es 1000 Jahre und auf der neuen Erde so lange, bis Er alles dem Vater zurückgebracht und untertan gemacht hat. Dann unterwirft sich der Sohn selbst dem Vater, auf daß Gott sei alles in allem.

Reich Gottes ist also überall da, wo Gott unmittelbar die Herrschaft ausübt. Wer diese Herrschaft anerkennt, gehört zu Seinem Reiche. Darum gehören die Glieder der Leibesgemeinde ebensogut zum Reiche Gottes wie die Gläubigen auf früheren oder späteren Berufungslinien. Der Unterschied in der Berufung besteht ja nicht darin, daß man zu einem anderen Reiche gehört, sondern darin, daß man in demselben Reiche verschiedene Aufgaben hat, verschiedene Dienste und Berufe ausübt, eine andere Stellung einnimmt, einer anderen Heilskörperschaft angehört. Darum predigt Paulus das Reich Gottes genausogut wie jeder andere Apostel, ja, mehr als alle (Röm. 14, 17.18; 1. Kor. 4, 20; 6, 9.10; 15, 50; Gal. 5, 21; Eph. 5, 5; Kol. 4, 11; 1. Thess. 2, 12; 2. Thess. 1, 5; 2. Tim. 4, 1.18), denn die andern Apostel erwähnen das Reich fast gar nicht, sondern nur einmal in Jak. 2, 5. Dies ist gut zu verstehen, denn in diesem Reiche, das nicht mit äußeren Gebärden kommt, ist die Leibesgemeinde die erste Heilskörperschaft, die als Organismus von innen her durch den Geist geleitet ist und nicht als Organisation mit äußeren Machtmitteln erscheint. — Das Reich Christi aber erwähnen die andern auch (vgl. Apg. 1, 6; 2. Petr. 1, 11; Offb. 11, 15; 20, 4).

Die Botschaft von der besonderen Berufung und Auserwählung der Leibesgemeinde empfing erst Paulus. Dieses Geheimnis wurde niemand vor ihm kundgetan. Hierüber hat der Herr während Seines Erdenwandels nicht geredet (Joh. 16, 12), sondern erst vom Himmel her, als Er durch Tod, Auferstehung, Himmelfahrt und Verklärung alle Kräfte der Herrlichkeit Gottes für die Seinen freigemacht hatte (vgl. Eph. 3, 3-11; Röm. 16, 25.26; Eph. 1, 9; Gal. 1, 11.12 u. a.).

Diese Dinge gilt es zu unterscheiden, aber nicht zu zerreißen. Wer Zerreißung anrichtet, ist weit schlimmer als der, der gar nicht unterscheidet, obwohl auch dieses ein furchtbarer Schaden ist (2. Tim. 2, 15; 1. Kor. 11, 29.30).

In der Welt, dem Kosmos, gibt es viele Götter und Herren (Eph. 3, 10; 6, 12; 1. Kor. 2, 6.8; 8, 5.6; 10, 20; 2. Kor. 4, 4; Gal. 4, 2.8.9; Kol. 2, 10.15.18; vgl. auch Jes. 26, 13). Ihrer Herrschaft sind wir entnommen (Eph. 2, 1-10; Gal. 1, 4; Kol. 2, 10.13-15). Sie können uns auch nicht mehr zurückholen in ihr Reich, aber sie versuchen immer wieder, uns um den Kampfpreis zu bringen, indem sie uns das Ziel der Berufung verrücken, d. h. zu kurz stecken (Kol. 2, 8.18). Darum gilt es den Elementen des Kosmos gegenüber, die uns wieder unter die Vormundschaft ihrer Verwaltung bringen möchten, immer aufs neue zu betonen: “Wiederum steht geschrieben!” Wir sind nicht mit der Verwaltung von Dingen und Formen betraut, sondern mit der Verwaltung der Personalgeheimnisse Gottes (1. Kor. 4, 1; Kol. 2, 2 u. a.). Damit sind wir allen anderen Verwaltungen zum Haupt gesetzt (Kol. 2, 10). Nur Christus allein ist unser Haupt (Eph. 1, 22.23; Kol. 2, 19). Wer nicht unter dieser Verwaltung der Gnade und des Geistes steht, steht noch unter Vormündern und Verwaltern. Dann mag er auch der Größte unter den Weibern Geborenen sein, aber der Kleinste im Reiche der Himmel ist größer als er. Denn in dieses Reich tritt keiner ein, der nicht gereinigten und erneuerten Herzens ist, und niemand kann das Reich Gottes sehen, der nicht von neuem geboren ist aus Wasser und Geist (Joh. 3, 5).

Dieses Wasser ist nicht ein äußeres, natürliches Wasser. Wie in Matth. 13 der Samen nach des Herrn eigner Erklärung das lebenzeugende Wort Gottes ist, so ist hier mit Wasser die reinigende Wirkung des Wortes angedeutet. Dies ersehen wir gleich aus dem nächsten Kapitel (Joh. 4), in dem ein sündiges Weib vom Herrn mit dem reinigenden und belebenden Wasser des Wortes besprengt und also gereinigt wird vom bösen Gewissen (Joh. 4, 10.13.14; vgl. Eph. 5, 26; Hebr. 10, 22; Joh. 15, 3 u. a.). Dies ist die praktisch-erbauliche Bedeutung des Wortes Wasser. In prophetischem Sinne bedeuten ja die unteren Wasser das Völkermeer, die Nationen (Offb. 17, 15), die Wasser oberhalb der Ausdehnung (oder Feste) die Heere des Himmels, die Engelwelten. Auch die sollen Ihn einmal loben (Psalm 148, 4; Hebr. 1, 6), wie sie es schon bei der Gründung der Erde taten (Hiob 38, 4-7). — Symbolisch aber bedeutet Wasser das Mittel zur Erneuerung der Welt, die ja aus Wasser und in Wassern entstand (2. Petr. 3, 5.6) und schon einmal durch Wasser gereinigt wurde zur Zeit Noahs, abgeschattet in der Taufe, die damit ein ständiges Symbol der Reinigung des gesamten Kosmos von der Sünde ist. Darum geht auf der neuen Erde aus dem Throne Gottes und des Lammes ein Strom von Lebenswasser hervor, an dessen Ufern die Lebensbäume stehen, deren Früchte die Heiligen genießen, deren Blätter aber zur Heilung der Nationen dienen, die dann noch draußen sind (Offb. 22, 1-5). Dieser Zustand findet schon im 1000-Jahr-Reich seine prophetische Erfüllung, die ja nur Anbruch für das Kommende ist (Hes. 47, 9). Die Vollerfüllung findet erst auf der neuen Erde statt. Von allen diesen kommenden wesenhaften Reinigungen sind alle vorausgehenden Reinigungen durch Waschungen und Taufen nur ein Symbol.

Jedes Symbol ist das Bild einer Wesenhaftigkeit, einer Wirklichkeit. Es ist darum eine folgenschwere Täuschung, das Symbol an die Stelle der Wesenhaftigkeit zu setzen bzw. das Symbol bereits für das Wesen selbst zu halten. Niemals kann eine äußere Zeremonie oder kultische Handlung das innere Wesen ersetzen. Deshalb wehrte auch die Urgemeinde allen denen das Wasser der Taufe, die keine Erneuerung durch Wort und Geist empfangen hatten. (Dies ist übrigens die erste wesenhafte Erneuerung im gesamten Kosmos, die erst infolge der Auferstehung Jesu Christi möglich wurde und an den Erstlingen dargestellt wird als Vorbild für die allgemeine Erneuerung der Welt.) Wer aber den Geist Gottes empfangen hatte und wiedergeboren war durch den lebendigen Samen des Wortes Gottes, dem durfte auch das äußere Wasser nicht mehr gewehrt werden (Apg. 2, 41; 10, 47). Erst dann, wenn die Herzen besprengt sind und der Mensch gereinigt ist vom bösen Gewissen, darf auch der Leib gewaschen werden mit reinem Wasser (Hebr. 10, 22; 1. Petr. 3, 21).

Das Wasserbad des Wortes reinigt vom alten Wesen, und die lebendigmachende Kraft des Geistes erneuert uns im Geiste unseres Gemüts, im pneuma unseres nous (Eph. 4, 23). Ohne diese Erneuerung ist jede äußere Waschung oder Taufe ein frommer Betrug, mag sie nun an Kleinen oder Großen vollzogen sein.

Christus reinigt wesenhaft, so daß das Alte vergeht und ein Neues wird (2. Kor. 5, 17). Diese Reinigung vollzieht Er durch Sein Wort (Eph. 5, 26; Joh. 15, 3 u. a.). Jede Reinigung ist Gericht über Fehlentwickeltes. Darum bedeutet der Hauch Seines Mundes, durch den Er nach dem Willen Gottes alles lebendig macht, auf der anderen Seite Gericht über alles Fleischeswesen und jede Sünde (1. Mose 2, 7; 2. Thess. 2, 8 u. v. a.; vgl. auch Joh. 5, 25-29; 11, 41-44). Der Mensch, der sich unter die richtende Macht des Wortes stellt, wird gereinigt und kommt deshalb nicht mehr in das Gericht vor dem großen weißen Thron, vor dem einmal alle Ungerechten (bis dahin nicht Gerechtfertigten) erscheinen müssen, die noch der Reinigung bedürfen (Joh. 3, 18; 5, 24; Offb. 20, 5.11.12). “Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen, ausgenommen die Füße” (Joh. 13, 10). Das glaubend aufgenommene Wort reinigt die Herzen (Joh. 15, 3; Apg. 15, 7-9). Dies bestätigt Paulus ausdrücklich für die Leibesgeineinde (Eph. 5, 26). Sie ist gereinigt im Wasserbad des Wortes durch Christus, ihr Haupt, und Er bleibt für die Gemeinde der sie ständig Reinigende. Immer wieder bestaubt ja der Gläubige auf dem Pilgerweg die Füße, so daß sie gereinigt werden müssen.

Gott ist wesenhaftes Sein und haßt den Schein. Er reinigt deshalb auch in Wahrheit oder Wirklichkeit, und die Reinigung geschieht durch Sein Wort, das Geist und Leben ist (1. Petr. 1, 23; Joh. 6, 63.68; 17, 8.17). Wiedergeboren aus unverweslichem Samen durch das lebendige und bleibende Wort Gottes! Das ist wesenhafte Geburt und damit wahre Kindschaft (Joh. 1, 12.13). Diese Geburt macht uns Seiner Natur teilhaftig (2. Petr. 1, 4) und läßt uns Anteil haben am Reiche Gottes (Joh. 3, 5).

Die Wiedergeburt durch den unvergänglichen Samen des Wortes Gottes ist das wesenhafte Wasserbad, von dem jedes andere Bad nur ein Abbild ist. Darum nennt die Schrift diesen Vorgang auch das Bad der Wiedergeburt oder die Waschung der Wiedergeburt, nicht aber setzt sie an die Stelle der Wirklichkeit das Symbol, indem sie sagen würde: das Bad der Taufe. — Da wir jedoch nicht nur vom alten Wesen gereinigt, sondern auch durch den Heiligen Geist erneuert wurden, faßt Paulus in Titus 3, 5 beides zusammen und sagt: “Er errettete uns … durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes.” Das hat mit Taufe zunächst gar nichts zu tun, sondern mit Wort und Geist. Jede Veräußerlichung rächt sich. Der Zustand der sogenannten Christenheit ist Beweis genug dafür, wo man hinkommt, wenn man Formen für Wesen ausgibt. Gott läßt sich nicht täuschen! Und wir haben es mit Ihm zu tun, dem lebendigen Gott. Schauen wir auf Menschen, so werden wir zu Totengräbern an der Gemeinde.

Wer die Wiedergeburt aus Wasser und Geist wesenhaft erlebt hat und dazu erkennt, wie Christus ständig um die Gemeinde bemüht ist, sie reinigend im Wasserbad des Wortes, dessen Verlangen geht dahin: “Herr, Du sollst mit mir zu Deinem Ziele kommen, mag es kosten, was es will!” Im Geiste aber betet er:

Herr, eines schenke mir in meinem Leben,
auf meinem Gang durch diese Erdenwelt:
daß Unvergängliches mich ganz durchstrahle
und Zeitliches mich nie gefangen hält.

Laß meiner Sehnsucht Kraft mich nie vergeuden
an Dingen, die dem Untergang geweiht,
und lenke meiner Seele Heimverlangen
hin zu Dir selbst — weit über Raum und Zeit.

Bewahre mich vor trügerischem Scheine,
vor allem, was im Weltgericht vergeht!
Laß meine Liebe überströmend werden
auf alles, was in Deinem Bilde steht!

Die Wiedergeburt des einzelnen ist nur ein Anbruch. Im Tausendjahrreich erfüllt sich dieser Vorgang an allen Nationen, zunächst jedoch an dem durch furchtbare Gerichte gereinigten Israel (Hes. 36, 16-38; 37, 1ff.). In Hes. 36, 25.26 verheißt der Herr, daß Er reines Wasser auf sie sprengen will, damit sie rein seien, und daß Er Seinen Geist in ihr Inneres geben will, damit sie leben. Deshalb müssen auch in Hes. 37 die Totengebeine zuerst das Wort des Herrn hören, und dann wird der Geist über sie angerufen. Wort und Geist! Durch diese beiden Mittel will der Herr alles ausrichten (vgl. auch Hes. 47, 1-9; Offb. 22, 1-5).

Der Herr, der in Joh. 3 einem der religiösen Führer des Volkes bezeugt, daß ohne eine Neugeburt aus Wasser und Geist niemand das Reich Gottes sehen kann, läßt bald hernach diese Reinigung durch das Wasserbad des Wortes einem sündigen Weibe zuteil werden; siehe das nächste Kapitel (Joh. 4)! Schon der Platz ist symbolisch: Der Herr sitzt an einem Brunnen. Aber dessen Wasser ist kein Wasser des Lebens. Dieses Lebenswasser kann nur Er geben. Und Er tut es, indem Er sich dem Weibe bezeugt als der Messias. Da geht die gereinigte Sünderin hin und läßt das empfangene Lebenswasser weiterströmen und begründet ihren Glauben den andern gegenüber damit: “Er hat mir alles gesagt!” Er, dessen Worte Geist und Leben sind, hatte Sein Wort in sie gegeben, ihr Glaube ergriff es, und sie war rein um des Wortes willen, durch das ihr glaubendes Herz gereinigt wurde. — Die Reinigung dieses Weibes aber ist typisch für die zukünftige Reinigung Seines Weibes, nämlich Israels.

Und zuletzt kommt die Reinigung des ganzen Alls. Wenn einmal Himmel und Erde im Gericht vergangen sind, entstehen durch das schöpferische Lebenswort ein neuer Himmel und eine neue Erde. Dann spricht der auf dem Thron: “Siehe, ich mache alles neu!” Und Er spricht: “Schreibe! Denn diese Worte sind gewiß und wahrhaftig” (Offb. 21, 1-5). Und im Geiste schaut der Seher die Gemeinschaft Gottes mit den Menschen. Dann geht das ganze All durch das Bad der Wiedergeburt hindurch und durch die Erneuerung des Geistes, und Gott wird alles in allem sein.

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 5/1965; Paulus-Verlag, Heilbronn)

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