Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Vom Reden mit Gott zur Anbetung

Autor: Bayer, Rupprecht  |  Kategorie(n): Anbetung, Andachten, Glaubensleben & Wandel  |  846 x gelesen

Ein Gottesmann hat einmal folgenden Satz ausgesprochen: “Am Gebet müssen wir das Beten lernen, so wie einer am ABC das Lesen lernt. Wir zwingen uns zum Gebet, damit es uns zwinge, und lassen nicht von ihm, bis es uns segnet und der Erhörung gewiß macht.” Das ist eine kräftige Sprache, und wir müssen dieses “Zwingen” vom inneren Menschen her auffassen. Spurgeon hat es einmal ähnlich ausgedrückt. Er meinte, daß es nichts Besonderes ist, mit Gott zu sprechen, wenn wir in Gebetsstimmung sind; wenn wir aber nicht in der inneren Verfassung sind, dann sei es gefährlich, in einem so ungesunden Zustand zu verharren. Gerade dann dürfen wir uns im Gebet mit dem HERRN vereinen.

Diese Feststellung hat etwas mit der Aufforderung des Apostels Paulus zu tun: “Übe dich selbst in der Gottseligkeit” (1. Tim. 4, 7). Darin sei jeder Tag dem Herrn geweiht. Das ist die Voraussetzung, daß wir auch bei schweren Führungen die erfahrbare Kraft Gottes als Realität erleben. Die innige Lebensgemeinschaft, die alles mit IHM bespricht, trägt hindurch. Da dürfen wir in den kleinsten Dingen des Alltags gespannt sein, wie wir von der Größe Gottes getragen werden. Beschämt können wir dann feststellen, wie klein wir oft von dem großen Gott denken! In der beständigen Gebetsverbindung mit IHM als Lebenshaltung ist unser Christsein durchaus keine langweilige Angelegenheit, sondern hochinteressante Führung und göttliche Leitung.

Unser Reden mit Gott ist Gespräch auf höchster Ebene

Beginnt und endet bei uns jeder Tag mit der Lagebesprechung vor Gott, der in Jesus Christus unser himmlischer Vater ist?

Das überwältigt mich stets neu: Wir haben im Glauben Zugang zur höchsten “Weltraumbehörde”, zur höchsten Autorität, zum Herrn aller Herren (Hebr. 4, 16). Tag und Nacht haben wir jederzeit Audienz bei DEM, der alles in Seinen Händen hat. Wenn wir davon Gebrauch machen, verläuft unser Leben in Bahnen göttlicher Dimensionen. Das ist unser Lebenselement: Im Geist und in der Wahrheit vor Gott zu stehen (Joh. 4, 24), im Dialog mit IHM Seinen Willen zu erfragen und auf Seine Antwort zu lauschen.

Gebete sind Zwiegespräche mit dem lebendigen Gott und keine frommen Selbstgespräche, keine Autosuggestion, keine fromme Leistung, kein religiöses Gehabe, kein egozentrisches Wünschen, kein Selbsteinreden von Mut! In den Evangelien erkennen wir ergreifend, wie das Leben Jesu eine beständige Zwiesprache mit dem himmlischen Vater war (Joh. 5, 19; 8, 29). Als der Sohn des Vaters war ER sich stets gewiß, daß Sein Beten erhört wird. Als Söhne des Vaters — die Glieder des Leibes sind zur Sohnschaft berufen — dürfen wir uns ebenso der Erhörungsgewißheit erfreuen.

“Alle eure Sorgen werfet auf IHN” (1. Petr. 5, 7)

Daß wir das tun dürfen, ist befreiend, ist Lebensglück! Niemand in der ganzen Welt nimmt uns unsere Sorgen und Probleme, Ängste und Nöte ab. Nur der lebendige Gott macht uns ein solch gewaltiges Angebot! Werfen wir aber auch wirklich alle Verzweiflungsschreie auf IHN? Und lassen wir sie dann auch bei IHM? Oder holen wir nach dem “Amen” allen Kummer wieder zurück und grämen uns selbst damit ab? Wenn ein Gotteskind sagt: “Ich werde damit nicht fertig”, so ist das ein Zeichen, daß man nicht im totalen Vertrauen alles aus Seinen Händen entgegennimmt; man kann in bestimmten Umständen zu Gottes Willen und Führung nicht ja sagen. Durch solch ein Verhalten wird unser Glaubensleben blockiert. “Werft die Last der Gegenwart, werft die Sünde der Vergangenheit, werft die Furcht vor der Zukunft auf den HERRN, der Seine Heiligen nicht verläßt. Seid mit der Kraft zufrieden, die ihr für den heutigen Tag empfangen habt. Gebt nicht viel auf eure Stimmungen und Gefühle. Ein Körnchen Glaube wiegt mehr als eine ganze Tonne Aufregung” (Spurgeon). Gott schenkt keine Kraft auf Vorrat. Er gibt sie für heute. “Schenk mir Kraft für diesen Tag, Herr, ich bitte nur für diesen, daß mir werde zugewiesen, was ich heute brauchen mag.”

Das steht unumstößlich fest: Wer alles mit seinem Herrn bespricht, alles auf IHN wirft, dem öffnet sich die Welt Gottes in wunderbarer Weise!

Bitte und Fürbitte

Der indische Gottesmann Sadhu Sundar Singh erzählte folgendes Erlebnis:

Bei einer Wanderung im Gebirge kommt er an einen einsam gelegenen Bergsee. Gelb, golden, kupfern spiegelt sich die Sonnenglut in den Fluten des Sees. Augenblicklich ist er von dem einmaligen Anblick ergriffen. Am Ufer gewahrt er, wie regungslos ein Fischreiher dasteht. Er blickt auf die in der Sonne sich glühend spiegelnde Wasserfläche. Man hat den Eindruck, er sei ganz versunken in die Harmonie dieses herrlichen Naturschauspiels. Doch plötzlich macht der Reiher “schnapp”, und im Schnabel hat er einen silbern glänzenden Fisch.

Diese Situation vergleicht Sadhu Sundar Singh mit dem Bittgebet der Gläubigen. Wie oft hat man, so sagt er, in Gebetsversammlungen den Eindruck, daß die Christen ganz in die Anbetung versunken sind. Doch plötzlich macht der und jener “schnapp”, und sie benehmen sich wie der Fischreiher: Ihr Verhalten ist darauf gerichtet, “Beute” zu erhalten, d. h. sie möchten einen ganz bestimmten Wunsch vom Herrn erfüllt bekommen.

Mögen wir über diesen Vergleich denken, wie wir wollen, sicher ist er dazu angetan, unser Bittgebet im Lichte Gottes zu überprüfen. Wie drehen wir uns doch immer wieder um die eigene Achse! “Es ist gar nicht auszudenken, worum Gott im Bittgebet angerufen wird” (Prof. Köberle). Denken wir daran, das echte Gebet sucht nicht die Gaben, sondern den Geber. Sich in die Gegenwart Gottes stellen, das ist der Sinn des Betens.

Das Bitten sollte stets unter Danksagung geschehen (Phil. 4, 6). Keine Situation ist so verfahren, daß nicht noch genug Grund zum Danken vorhanden wäre. Vor allem sollten wir prüfen, ob das, was uns der Herr in Notsituationen lehren will, nicht wichtiger ist, als die Not hinwegzubeten. Gerade im Bittgebet darf die grundlegende Haltung unseres neuen Lebens zum Ausdruck kommen: “Herr, was willst Du, daß ich tun soll?” (Apg. 22, 10). Erhörliches Bitten ist ein Flehen nach Seinem Willen (1. Joh. 5, 14). In dieser Gesinnung wird manche Bitte unter den Tisch fallen. Vieles, was ich in den Anfangsjahren meines Gebetslebens in meinen Bitten vor Gott brachte, spreche ich heute längst nicht mehr aus. Auch da gilt, was 1. Kor. 13, 11 geschrieben steht. Wenn ich Seinen Plan mit mir persönlich und der gesamten Welt erkannt habe, wird auch die Bitte in die rechte Richtung gelenkt.

Vor allem hat zur Bitte eine gezielte Fürbitte hinzuzukommen. In der Fürbitte suchen wir, was des andern ist (1. Kor. 10, 24) und nicht uns selbst. Da lernen wir, je länger je mehr, daß uns die Not des andern ein Anliegen vor Gott wird; wir lernen, von dem “Drehwahn um das liebe Ich” uns zu lösen und jede “unwürdige Bettelei” (Zitate von Köberle) im Lichte Gottes zu korrigieren. Wir müssen auch wissen, daß der Feind uns gern dahin bringen will, daß wir in der Fürbitte erlahmen: “Hör doch auf zu beten; es nützt ja doch nichts!”

Auch das gehört zur ‘Übung in der Gottseligkeit: Die anhaltende und intensive Fürbitte öffnet uns den Zugang zu der Welt Gottes. Dann wird auch die Bitte und Fürbitte das Wunder der Erhörung erhalten.

Flehen und Kämpfen im Geist

In schweren Entscheidungen und Lebenskrisen kann das Beten zum inneren Schreien werden, zum tränenvollen Flehen, zum Gebetskampf. Vertiefen wir uns doch wieder einmal in den Gebetskampf des Mose (2. Mose 17, 8-16) oder in den des Josaphat (2. Chr. 20, 1-26). Wir werden großen inneren Gewinn dabei haben. Da wird uns der Gott vor Augen geführt, der stärker ist als alle Mächte der Welt, und der Glaube wird uns groß, der sich am HERRN festklammert. Jedes Vertrauen auf die eigene Kraft hört hier auf.

Das schwerste Ringen, das je im Gebetskampf stattgefunden hat, ereignete sich in Gethsemane: “Und da Jesus sich in einem Ringen befand, betete Er inbrünstiger, und es ward Sein Schweiß dabei wie Blutgerinnsel, die herabfielen auf die Erde” (Luk. 22, 44). “ER hat Sein Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dargebracht” (Hebr. 5, 7).

Ob uns für unseren Gebetskampf nicht auch das Wort aus Hebr. 12, 4 etwas zu sagen hat: “Ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden in dem Kampf wider die Sünde”? In Kol. 4, 12 bezeugt der Apostel Paulus von Epaphras, daß er “immer für euch ringt in den Gebeten, auf daß ihr vollendet werdet in Christus und vollgewiß seid in allem Willen Gottes”. Hier wird im Gebetskampf gerungen um Erkenntnis des Willens Gottes, um Vollgewißheit, um Vollendung! Darin sollten auch wir immerdar Fürbitte tun, wie einst Epaphras.

Danken und Lobpreisen

Schon manchesmal erlebte ich in seelsorgerlichen Gesprächen, in denen über ein mattes, freudloses Glaubensleben geklagt wurde, schließlich das erlösende Aufjubeln: “Jetzt weiß ich, woran es liegt: ich bin ein undankbarer Mensch, ich danke viel zu wenig!” Wir kennen alle die oft zitierten Sätze: “Danken schützt vor Wanken”; “Loben zieht nach oben”; “Lobpreis schafft Veränderung”. Wir sollten sie auch in unserem Wandel wirklich und wahrhaft praktizieren! Danken und Lobpreisen ist das Geheimnis der Glückseligkeit eines Christen, gerade dann, wenn es unter Seufzen und Tränen geschieht. Wir dürfen in der Kraft Gottes praktizieren: “Wir stehen in dieser Welt als die Traurigen und doch allzeit Fröhlichen” (2. Kor. 6, 10). “Wer Dank opfert, der preiset mich, und das ist der Weg, daß ich ihm zeige das Heil” (Ps. 50, 23).

Wer sich darüber freuen kann, daß er täglich aus der Güte und dem Erbarmen Gottes lebt, in IHM total geborgen ist und sich an Seiner Gnade völlig genügen läßt (2. Kor. 12, 9-10), der kann allezeit für alles danken (Eph. 5, 20). Wo die Danksagung überfließt und überströmt (Kol. 2, 7), wird Gott verherrlicht (2. Kor. 4, 15). Dieser Christ steht im Frieden und in der Freude des HERRN. “Meine Lippen, die Du erlöst hast, lobsingen Dir” (Ps. 71, 23).

Wer danken kann, der sieht auch entmutigende Geschehnisse und dornenvolle Wege von Gott her, und dann sieht alles anders aus. Dankbare Augen sind verklärte Augen. Dankbare Menschen bringen Licht in das Leben der dunklen Welt. Durch Danken kommt immer Gottes Leben in unser Leben. “Gott danken macht den Weg frei für größere Segnungen” (Langenberg).

Gott zu preisen heißt nichts anderes, als unsere Unvollkommenheiten, Ängste und Sorgen von der Größe Gottes verschlungen zu sehen. Reinster Lobpreis ereignet sich dort, wo der Mensch ganz verschwindet und Gottes Verherrlichung alles ist.

Frohlocken und Jauchzen

Den Glaubensweg gehen zu dürfen, ist durchaus nicht selbstverständlich. Daß ich ihn gehen darf, ist mir immer wieder ein Wunder vor meinen Augen! Das ist für mich Grund genug, im tiefsten Herzensgrund zu jauchzen und zu frohlocken!

Wenn wir “singen und spielen dem Herrn in unserem Herzen”, dann werden wir erfüllt mit der Gabe des Heiligen Geistes (Eph. 5, 18b-19). “Die festlich jubelnde Freude ist die prägende Haltung der Gemeinde und des einzelnen Christen. Sie gehört zur Grundhaltung im Leben des einzelnen wie der Gemeinde. Auch unter Lasten und Leiden bekommen wir genug Ursache zum Jubeln von Gott geschenkt” (Theol. Begriffslexikon NT). Mit IHM leben und feiern, das ist neues Leben. Der gesegnete Pastor Wilhelm Busch bekannte, im neuen Leben wäre jeder Tag für ihn Sonntag gewesen. Wenn doch unser Lebensstil nur etwas davon Zeugnis geben könnte!

“Jauchzet dem Herrn! Dienet dem Herrn mit Freuden und kommt vor Sein Angesicht mit Frohlocken” (Ps. 100, 1-2). Jesus Christus macht uns nicht nur für ein paar Stunden froh, sondern für alle Zeiten. ER schenkt uns Seine bleibende Freude (Joh. 16, 22). Laßt uns deshalb frohlockende Menschen sein! Auch darin sind wir ein Schauspiel dem Kosmos, den Engelmächten und den Menschen (1. Kor. 4, 9). Das Beten unseres Herrn Jesus war ein Frohlocken im Geist, eine Huldigung des Vaters (Luk. 10, 21). Auch unser Beten darf ein Lobpreis, Frohlocken und Jauchzen sein. Wir haben allen Grund dazu. Dem herrlichsten Ziel gehen wir entgegen, das es in dieser Welt überhaupt gibt, nämlich der Fülle der Zeiten der neuen Schöpfung! Deshalb laßt uns den Retternamen Jesu Christi über alles erheben, auch wenn unser alter Mensch verdirbt und aufgerieben wird (2. Kor. 4, 16; Phil. 1, 20). Laßt uns dem Herrn entgegenjauchzen und IHN mit Frohlocken in jubelnder Freude anbeten!

Mein Glaube weiß, es ist ein Herrscher,
der waltet über dem Geschehn,
und alles muß Ihm letzten Endes
allein zu Dienst und Willen stehn.

Mein Glaube weiß, es ist ein Vater,
dem hebend alles untertan,
und was sich jetzt und hier ereignet,
dient nur dem Heilsvollendungsplan.

Mein Glaube weiß, es ist ein Retter,
erbarmend zu uns beugt Er sich.
In Ihm weiß ich mich ganz geborgen,
Er kennt, Er lenkt, Er liebt auch mich.

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 3/1983; Paulus-Verlag, Heilbronn)

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