Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Das Gericht am Hause Ahab

Autor: Bayer, Rupprecht  |  Kategorie(n): Gerichte Gottes, Israel, Religionen  |  1,178 x gelesen

Unlängst hatte ich ein Gespräch über den König Ahab. Ich bekam dabei den folgenden Einwand zu hören: “Ich kann nicht verstehen, daß die Nachfahren des Königs Ahab bestraft werden für den Mord, den er an Naboth begangen hatte. Was können Kinder und Kindeskinder dafür, wenn ihre Väter Sünde auf sich luden?”

Ganz abgesehen davon, daß die Folgen der Schuld immer schrecklicher sind, als wir Menschen es wahrhaben wollen, und die Missetat der Väter an den Kindern heimgesucht werden kann bis ins dritte und vierte Glied (2. Mos. 20, 5), so ist die Schuld des Königs Ahab viel umfassender, als man bei oberflächlicher Betrachtung meint. Da liegt nicht nur die Tyrannei gegen Naboth vor, um in den Besitz seines Weinberges zu kommen, sondern der Schaden liegt viel tiefer. Der Untergang des Hauses Ahab war längst bei Gott beschlossen, ehe sich jenes schauderhafte Vergehen ereignete. Der Justizmord an Naboth bildete nur das letzte Glied einer Kette schuldhafter Ereignisse, das die Bibel berichtet. Das Grundübel aber war sein gottloser, götzendienerischer Lebensstil, der sich auf das ganze Volk auswirkte. “Er tat, was böse war in den Augen des Herrn, mehr als alle, die vor ihm gewesen waren” (1. Kön. 16, 30). Das müssen wir sehen und erkennen, und dann urteilen wir anders.

Die Heilige Schrift berichtet von Ahabs Vater, Omri, daß er bereits einer war, der “tat, was dem Herrn übel gefiel, und er trieb es ärger als alle, die vor ihm gewesen waren” (1. Kön. 16, 25). Ahab war von 875-854 v. Chr. König vom Nordreich Israel. “Es war ihm ein Geringes, daß er in der Sünde lebte” (1. Kön. 16, 29ff.). Seine Heirat mit Isebel (= “Baal sei mit dir”) war eine rein machtpolitische. Sie war die Tochter des heidnischen Königs von Sidon, die dafür sorgte, daß der Glaube an Jehovah abgeschafft und daß der Baalskult eingeführt wurde. Die Altäre des HERRN wurden niedergerissen, Baalstempel und -altäre gebaut, Ascherabildnisse (Göttin der Fruchtbarkeit) aufgestellt. Die Propheten Gottes wurden ausgerottet. Hundert konnte der Hofmeister Obadja retten (1. Kön. 18, 4). Nun trieben 450 Priester und Propheten des Baal und 400 der Aschera ihr Unwesen (1. Kön. 18, 19). So tat Ahab unter dem verhängnisvollen Einfluß seiner Frau mehr als alle Könige vor ihm, um den lebendigen Gott zu erzürnen. Das war der Grund für das Gericht am Hause Ahab. Seine außenpolitische Bündnispolitik vermochte ihn nicht vor dem Untergang zu retten. Wer Gott den Kampf ansagt, zieht letztlich immer den kürzeren, mag er menschlich auch eine noch so kluge Politik treiben.

Unermüdlich bekämpften die Propheten Israels den Baalsdienst. Gott teilt Seinen Anspruch nicht mit Abgöttern. Du sollst Gott, deinen HERRN, allein lieben und Ihm dienen und keine anderen Götter neben Ihm haben (2. Mos. 20, 1-6; 5. Mos. 6, 4-7). Das wußte Ahab ganz genau, und das wissen (mehr oder weniger) alle “Ahabs” auf dem Erdenrund!

Bevor es zur Durchführung des Gerichtes kommt, läßt der Herr Warnungen ergehen. So spricht Gott zu Ahab durch verschiedene drastische und eindeutige Ereignisse. Gott kann hart, zuweilen sehr hart reden. Dreieinhalb Jahre fiel kein Regen. Große Dürre und Hungersnot waren die Folgen. Der Herr zeigt dem König und dem ganzen Volk sehr deutlich: Nicht die Verehrung der Aschera bringt dem Land Fruchtbarkeit, sondern allein die Güte des lebendigen Gottes. Gerichtswege sollen dazu dienen, daß wir Gottes Gnadenhand ergreifen, und dann kann sich alles wenden. Der Prophet Elia ermahnt immer wieder, aber statt zu Gott umzukehren, will Ahab bzw. Isebel den lästigen Gottesmann töten. Elia muß sich verbergen.

So war das immer, und so ist es bis zum heutigen Tag: Die Rufer zur göttlichen Wahrheit werden als unbequeme Zeitgenossen von den antigöttlichen Machthabern mundtot gemacht. Der Mensch kann dazu die grausamsten und teuflischsten Methoden erfinden!

Doch eines Tages hat Elia den Mut und stellt sich dem König (1. Kön. 18, 15ff.). Er tut es in der Gesinnung, die später Paulus in die Worte faßte: “… auf daß Christus an meinem Leibe hoch erhoben werde, es sei durch Leben oder durch Tod” (Phil. 1, 20). Doch Elia bekommt zu hören: “Da ist ja der, der Israel verwirrt!” Eine typische Rede für viele selbstherrliche Machthaber! Die Träger der göttlichen Offenbarung bekommen seit eh und je den Vorwurf zu hören, sie seien die Urheber aller Verwirrung. Aber dennoch gilt: Nicht die “Ahabs”, sondern die “Elias” sind die wichtigsten Persönlichkeiten der Geschichte! Nicht der Wandel in der göttlichen Wahrheit stiftet Unordnung, sondern die Abgötterei. Einzelne Machthaber haben auf diese Weise immer wieder ganze Völker in Unheil und Gericht gestürzt. Auch unser Volk hat solch einen “Heil”-Bringer in der jüngeren Geschichte erlebt.

Elia antwortet in göttlicher Vollmacht dem König: “Nicht ich verwirre das Volk, sondern du! Du und deines Vaters Haus, und zwar deshalb, weil ihr den HERRN verlassen habt und wandelt den Baalim nach!” Nun muß Ahab der Aufforderung des Propheten nachkommen, das ganze Volk auf dem Berg Karmel zu versammeln. Hier werden die Priester des Baal und der Aschera in einem öffentlichen Gottesurteil herausgefordert. Der König erhält dort einen sichtbaren Machtbeweis des lebendigen Gottes. Aber bei Ahab bleibt alles beim Alten. Er fällt keine Entscheidung zur Umkehr.

So kann man, wie ein Ahab, viel von Gott aus berufenem Munde hören und sehen und sich doch nicht für den Herrn entscheiden. War das nicht auch die Erfahrung, die der Herr Jesus bei Seinem Erdenwandel gemacht hat? “Obwohl ER solche Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie doch nicht an IHN” (Joh. 12, 37). Alles Hören von Gott und alles Wissen von Glaubenslehren bedeutet noch nicht, Gemeinschaft mit IHM zu haben. Nur die innige Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus adelt und verändert unser Leben. Es ist manchmal geradezu niederschmetternd zu erleben, wie Menschen von finsteren Zwängen umklammert in Bann und Fluch festgehalten werden.

Betrachten wir nun in kurzen Zügen, was in 1. Kön. 21 über den Frevel an Naboth geschildert wird. Sein Weinberg lag dicht bei Ahabs Palast. Der König fordert von Naboth den Weinberg. Dieser erklärt ihm, daß das vor Gott nicht recht sei, denn das Erbe der Väter durfte er nicht veräußern. Es ist also kein Eigensinn von Naboth, sondern Treue zu dem allgemein gültigen Gesetz. In Naboths Augen dreht es sich weniger um den Weinberg, als vielmehr um die Wahrung des väterlichen Erbes. Ahab weiß das. Dennoch spielt er entrüstet den Gekränkten und ist voller Zorn und Trotz. Die fanatisch-heidnische Isebel hilft nach: “Was wäre das Königreich Israel ohne den König Ahab!” Unter dem Siegel des königlichen Dekretes und mit Hilfe von zwei bestochenen Zeugen — “schlechte, nichtswürdige Männer” — schafft es die gewissenlose Isebel, über die Leiche des Naboth in den Besitz des Weinberges zu kommen. “Naboth hat Gott und den König gelästert!” Darauf beruhte die Todesstrafe durch Steinigung. Auch Naboths Kinder werden umgebracht (2. Kön. 9, 26), so daß keine Nachfahren mehr da sind und der König das Erbe in Besitz nehmen kann. Elia, der mutige Prophet, muß daraufhin dem König das Gericht verkündigen: “An der Stätte, wo Hunde das Blut Naboths geleckt haben, sollen auch Hunde dein Blut lecken! Du hast übel getan vor dem Herrn!” Auch Isebel erhält ihr Todesurteil.

Das trifft augenblicklich den König so hart, daß er “jämmerlich im Sack einhergeht und fastet”. Dem Demütigen gibt Gott Gnade. Ob aber die Buße Ahabs wirklich echt und tief, gründlich und nachhaltig war? Hätte er sonst nicht die begangene Missetat mit aller Tatkraft wieder gutmachen müssen (wie z. B. David an Mephiboseth; 2. Sam. Kap. 9)? Die letzte Chance, die ihm hier gegeben war, nutzt er nicht. Sonst wäre vielleicht sein weiteres Geschick in eine andere Richtung verlaufen. Jedoch er steckt zu fest im verhängnisvollen Bann Isebels, gebunden an die Macht der Finsternis, des Verbrechens, der Gewalt und Gier, so daß er nicht fähig ist, aus dem Machtbereich des Dämonischen auszubrechen. Auch von Ahab gilt: “Die Menschen wollen sich von meinem Geist nicht zurechtbringen lassen, denn sie sind Fleisch” (1. Mose 6, 3). Isebels Hurerei und Zauberei aber wurde immer größer (2. Kön. 9, 22). Ahabs Verhängnis war seine Frau. Gottes Barmherzigkeit verschont den König noch bei Lebzeiten vor dem Gericht. Nach seinem Tode ist es aber nicht mehr abzuwenden.

Nur klare Scheidungen können uns retten! Lassen wir uns an dieser Stelle an 2. Kor. 6, 14-18 erinnern:

“Seid nicht zusammengejocht mit den Ungläubigen! Welche Teilhaberschaft haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft hat das Licht mit der Finsternis? Und welche Übereinstimmung hat Christus mit Belial? Oder welches Teil hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen? Welchen Zusammenhang hat der Tempel Gottes mit den Götzen? Denn ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: Ich will unter ihnen wohnen und wandeln und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein (3. Mose 26, 11-12). Darum gehet heraus aus ihrer Mitte und sondert euch ab, sagt der HERR. Und rühret kein Unreines an, und dann werde ich euch annehmen und werde euch zum Vater sein, und ihr werdet mir zu Söhnen und Töchtern sein, sagt der HERR, der Allmächtige.”

Prüfen wir uns deshalb: Wo ist noch Mischwesen in unserem Leben? An welcher Stelle ist unser Glaubensleben blockiert? Ohne kompromißlose Absage gibt es keine klare Hingabe! Tun wir alles aus unserem Leben hinaus, was uns von Gott trennt! Gott nimmt es bei Seinen Berufenen und Erwählten genau. Das sind nach Gottes Heilsplan Sein Volk Israel und Seine Gemeinde — Israel als Sein Eigentumsvolk und Sein erstgeborener Sohn, und die Glieder Seiner Gemeinde als die zur Sohnschaft Berufenen (5. Mose 7, 6-7; 2. Mose 4, 22; Röm. 9, 4; Gal. 4, 4-6; Eph. 1, 4-6).

Gottes Gnade kann wunderbar erretten aus Verstrickungen von Sünde und Schuld. Das dürfen wir erleben! Aber auf fortlaufende Verstockung folgt unerbittlich das Gericht. Hier spiegelt Ahab ein Stück Weltgeschichte wider: sie ist voller “Ahabs”, die die klare Sprache Gottes nicht vernehmen wollen, ja, sie gar nicht ertragen können. Die Weltgeschichte hat genügend Gestalten, die der Selbstvergottung anheimfielen. Da kann nur das Gericht Gottes folgen. Gerichte sind nie Zufallsereignisse, nie blindes Geschehen, ganz gleich, ob es Gerichte über Völker sind oder über einzelne. Gottes Gerechtigkeit erweist sich so deutlich am Hause Ahabs, daß man darüber nur erschrecken kann. “Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen” (Hebr. 10, 31).

Jeder gegen Gott geführte Kampf endet mit dem Verderben des Menschen. Über dem Leben des Ahab könnte noch so manches Gotteswort aufleuchten:

“Nicht gut ist die Sache, die du getan hast; so wahr ihr lebt, ihr seid Kinder des Todes” (1. Sam. 26, 16). “Die Folge der Sünde ist der Tod” (Röm. 6, 23). “Fleischlich gesinnt sein, ist Feindschaft wider Gott” (Röm. 8, 7). “Wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch das Verderben ernten. Wer auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten” (Gal. 6, 8). “Der Geist ist’s, der lebendig macht, das Fleisch ist nichts nütze” (Joh. 3, 8).

Gott will uns ganz mit unserer gesamten Lebensexistenz. Haben wir deshalb “keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis” (Eph. 5, 11). Vor Gott kann kein Synkretismus (Vermischung von Religion oder Lehren) und Pluralismus bestehen, kein Markt der Möglichkeiten und Unverbindlichkeiten. Machen wir keine halbe Sache mit dem lebendigen Gott! Jeder aber, der es erfahren hat, daß ihn der HERR aus dem Machtbereich der Finsternis herausgerissen und hineinversetzt hat in den Herrschaftsbereich des Christus, kann darüber nur jauchzen und jubeln (Kol. 1, 13).

“Stellen wir unseren Leib IHM zur Verfügung zu einem Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist, als unseren folgerichtigen Gottesdienst, und stellen wir uns nicht dem Zeitgeist dieser Welt (dieses Äons) gleich, sondern lassen wir uns umgestalten durch die Erneuerung unseres Denksinns, damit wir zu prüfen vermögen, was da sei der gute, wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes” (Röm. 12, 1-2).

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 6/1983; Paulus-Verlag, Heilbronn)

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