Zweierlei Erwartungsgut
Autor: Herbst, Gerhard | Kategorie(n): Gemeinde, Heilsgeschichte, Israel, Schriftteilung | 866 x gelesenDie Zukunftserwartung der Gemeinde Jesu Christi geht himmelwärts.
Die Zukunftserwartung des Volkes Israel ist erdbezogen.
»Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln, von wo wir auch den Herrn Jesus Christus als Retter erwarten, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit Seinem Leibe der Herrlichkeit« (Phil. 3, 20.21).
»Siehe, Ich werde die Kinder Israel aus den Nationen herausholen … Ich werde sie von ringsumher sammeln und sie in ihr Land bringen. Und Ich werde sie zu einer Nation machen im Lande auf den Bergen Israels …, und sie werden wohnen in dem Lande …, worin eure Väter gewohnt haben …, sie und ihre Kinder und Kindeskinder, bis in Ewigkeit« (Hes. 37, 21.22.25).
Aus den vorangestellten Schriftzeugnissen ersehen wir, daß beide Heilskörperschaften eines in ihren Erwartungszielen gemeinsam haben: Beide sehnen sich danach, aus der Fremdlingschaft in die Heimat zurückzukehren. Der Unterschied besteht nur darin, daß sich die Heimat der Gemeinde in den Himmeln befindet (Phil. 3, 20), während Israels Heimat das verheißene Land Kanaan (Erez Israel) auf dieser Erde ist (Hes. 37, 25). So liegt die Zukunftserwartung der Gemeinde auf geistlicher Ebene und zielt himmelwärts, die des Volkes Israel auf irdischer Ebene.
Wenn die Staatsbürgerschaft der Glieder des Leibes Christi »in den Himmeln« ist, dann beschreibt dies nicht nur unser Erwartungsziel, sondern zunächst einmal unsere himmlische Herkunft: »Auserwählt in Ihm vor Grundlegung der Welt, zuvorbestimmt zur Sohnschaft durch Jesus Christus« (Eph. 1, 4.5), durch den Heiligen Geist zu einer neuen Schöpfung gezeugt (Röm. 8, 16; 2. Kor. 5, 17). Darum hat Gott uns auch gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus (Eph. 1, 3). Die Dinge dieser Erde sind für die Gemeinde zweitrangig. Wir sollen sie zwar beachten, ihnen aber den richtigen Stellenwert einräumen, denn in Kol. 3, 1-4 fordert uns Paulus auf, das zu suchen, was droben ist, wo der Christus ist, und auf das zu sinnen, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist.
Gott hat Seinem Sohn Jesus Christus alles unterworfen und Ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, die Sein Leib ist, die Vervollständigung dessen, der alles in allen erfüllt (Eph. 1, 22.23). Christus wartet auf die Vervollständigung des Körpers durch Seine Glieder. Die Gemeinde sehnt sich nach der Vereinigung mit ihrem Haupt. So sind beide Seiten von einer großen Sehnsucht zueinander erfüllt. Erst nach der Vereinigung mit Seinen Gliedern kann Christus die großen Vollendungsaufgaben erfüllen. Er will, daß wir diese Aufgaben zusammen mit Ihm ausführen. Er hat verheißen, daß wir allezeit bei Ihm sein werden (1. Thess. 4, 17). Zu diesen Aufgaben gehört nach 1. Kor. 6, 2.3, daß wir die Welt und die Engel richten, d. h. zurechtbringen werden. Mit unserem irdischen Leib sind wir nicht in der Lage, diese Aufgaben, die sich bis in den Kosmos erstrecken, auszuführen. Darum warten wir nach unserm Eingangswort und nach 1. Thess. 4, 13-17 darauf, daß unser Herr Jesus Christus am Tage der Entrückung unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit Seinem Leibe der Herrlichkeit, der nicht mehr an Raum und Zeit gebunden ist. Zur Entrückung kommt Christus Seinen Gliedern bis in den Lufthimmel entgegen. Die Vereinigung des Hauptes mit Seinen Gliedern findet in dem Bereich statt, in dem Satan heute noch die Herrschaft hat (Eph. 2, 2). Welch ein Triumph!
Nachdem Christus uns vor Seinem Richterstuhl (2. Kor. 5, 10) in der Feuerprobe geläutert und danach dem Vater die Gemeinde makellos vorgestellt hat, werden wir Seine Mitarbeiter sein, bis Er das Ziel erreicht hat, »in der Fülle der Zeit alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus, das, was in den Himmeln, und das, was auf der Erde ist, in Ihm« (Eph. 1, 9.10). Daß wir dieses herrliche Ziel erreichen, dafür hat Er uns Seinen Heiligen Geist als Unterpfand gegeben.
Wie grundlegend anders ist das, was dem auserwählten Volk Israel von Gott verheißen ist! Während die Gemeinde vom Glauben zum Schauen kommen wird, ist es bei Israel umgekehrt: Sie kommen durch Schauen zum Glauben. Wenn die Füße des sichtbar wiederkommenden Messias nach Sach. 14, 4 auf dem Ölberg stehen werden, der vor Jerusalem gen Osten liegt, wird jedes Auge Ihn sehen, auch die, die Ihn durchstochen haben, und alle Stämme des Landes werden über Ihn wehklagen (Sach. 12, 10; Offb. 1, 7). »An jenem Tage wird ein Quell geöffnet sein dem Hause Davids und den Bewohnern von Jerusalem für Sünde und für Unreinigkeit« (Sach. 13, 1).
Bevor ganz Israel jedoch den großen Tag seiner Wiedergeburt erleben wird (Jes. 66, 7-9; Matth. 19, 28), muß es sieben Jahre der Verführung durch den falschen Friedefürsten, den Antichristen, und der großen Drangsal Jakobs (Jer. 30, 7; Dan. 12, 1; Matth. 24, 21) durchleben und durchleiden. Dies wollen und dürfen wir nicht verschweigen.
Wenn jedoch der Herr nach Zion zurückgekehrt sein wird und inmitten Jerusalems wohnt (Sach. 8, 3), wird Er dort Sein Tausendjähriges Friedensreich aufrichten. Das Gesetz wird von Zion ausgehen, und der Messias wird König über die ganze Erde sein (Sach. 14, 9). Das gerettete Israel wird in den Satzungen und Rechten des Herrn wandeln und dadurch ein Segen für alle Völker sein.
An sich selbst wird Israel dann die Erfüllung all der Segensverheißungen erfahren, die der Herr ihm schon zur Zeit des Mose gegeben hatte (5. Mose 28, 2-13): »Gesegnet wirst du sein in der Stadt und auf dem Felde. Gesegnet wird sein die Frucht deines Leibes und die Frucht deines Landes … Alle Völker der Erde werden sehen, daß du nach dem Namen des Herrn genannt bist … Und Er wird dich zum Haupte machen und nicht zum Schwanz.« Der Friede wird sich auch auf die Tierwelt erstrecken (Jes. 11, 6-8). Sünde und Tod werden eingeschränkt sein: »Der Jüngling wird als Hundertjähriger sterben und der Sünder als Hundertjähriger verflucht werden. Und sie werden Häuser bauen und bewohnen und Weinberge pflanzen und ihre Frucht essen« (Jes. 65, 20.21).
Erst unter der Herrschaft des Messias wird der langersehnte Friede unter den Völkern verwirklicht werden. Micha 4, 3: »Und Er wird richten zwischen vielen Völkern und Recht sprechen mächtigen Nationen bis in die Ferne. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugmessern schmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht wird Nation wider Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.« Welch eine Zukunftserwartung für diese Erde!
Schließlich hat der Herr noch Seinen 12 Jüngern verheißen, daß sie in Seinem Reich auf Thronen sitzen und die 12 Stämme Israels richten werden (Luk. 22, 30).
Wenn wir die Zukunftsverheißungen der beiden Heilskörperschaften Gemeinde und Israel miteinander vergleichen, dann erkennen wir, daß sie in ihrer Zielrichtung und auch hinsichtlich des Weges zum Ziel so unterschiedlich sind, daß sie weder ausgetauscht werden können noch miteinander vermischt werden dürfen.
Denjenigen, die nun vielleicht sagen — was durchaus verständlich wäre —, daß die herrlichen Verheißungen Israels für diese Erde sie mehr locken als die Aufgaben im Kosmos, möchte ich das Wort des Apostels Paulus in 1. Thess. 4, 17 zurufen: Nach der Entrückung dem Herrn entgegen in die Luft »werden wir allezeit bei dem Herrn sein«. Kommt also unser Herr mit allen Seinen Heiligen auf diese Erde herab (1. Thess. 3, 13), dann werden wir auch dabei sein. Wir werden das Land Israel nicht nur von oben sehen, sondern darin leben, solange auch unser Herr dort anwesend ist. Mit dem Christus und Israel zusammen werden wir die großen Herrlichkeitsziele unseres Gottes vollenden. So dürfen wir heute schon Israel von ganzem Herzen lieben, es segnen und uns nach dem Kommen unseres Herrn und Hauptes und des Messias Israels ausstrecken.
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 1/1997; Paulus-Verlag, Heilbronn)


Jeden Sonntag ab 10:00 Uhr von der 
Als langjähriger Leser der Broschüre “Gnade und Herrlichkeit”, war mir auch dieser Artikel, von dem von mir geschätzten Autor Gerhard Herbst, schon bekannt.
Bei einer, von vielen Seiten gemachten, Auslegung, stolpere ich immer wieder drüber:
>>Bevor ganz Israel jedoch den großen Tag seiner Wiedergeburt erleben wird (Jes. 66, 7-9; Matth. 19, 28), muß es sieben Jahre der Verführung durch den falschen Friedefürsten, den Antichristen, und der großen Drangsal Jakobs (Jer. 30, 7; Dan. 12, 1; Matth. 24, 21) durchleben und durchleiden. Dies wollen und dürfen wir nicht verschweigen.<<
Es sind dies die 7 Jahre der Verführung, gemäß Daniel 9, 26 + 27.
“Darf” man von den 70 Jahrwochen 69 in e i n e m Zusammenhang an Jahren sehen und die 70. Woche einfach abkoppeln und in die ENDzeit verlagern?
Ist es denn so eindeutig, dass “der feste Bund” (Vers 27) mit dem endzeitigen Israel geschlossen werden wird und sich nicht gleich nach dem Tod des Messias erfüllte, als ab Pfingsten für die Gläubigen keine Schlachtopfer und Speisopfer (Vers 27) mehr vom himmlischen Vater verlangt wurden und daher aufhörten?
Mit Segenswünschen aus dem Wienerwald grüßt herzlich und fragend -
Gerd