Friede auf Erden?
Autor: Heinemann, Karl | Kategorie(n): Heilsgeschichte, Lehre, Zeitgeschichte & Politik | 4,215 x gelesenNach dem Verlust des Paradieses erlebt die unter dem Fluch der Sünde stehende Menschheit alles andere als wirkliche Friedenszustände. Im persönlichen Bereich sind Mißgunst, Neid, Zwietracht, Haß, Auseinandersetzungen, Streit und Aggressionen immer wieder die bemerkenswertesten Störfaktoren friedlichen Zusammenlebens. Auf der gesellschaftlich-politischen Ebene versuchen die verschiedensten Interessengruppen ihre Ziele oft mit gewalttätigen Mitteln zu erreichen. Verbale Drohungen, Streiks als Mittel der Tarifkonflikt-Lösungen bei den Gewerkschaften, Terrorakte fanatischer Extremisten (auch in religiösen Bewegungen) und bewaffnete Auseinandersetzungen rivalisierender Parteien sind in der Gegenwart weltweit an der Tagesordnung. Zur Zeit (1996/1997; Anm.) weist die Statistik etwa 70 Krisengebiete mit kriegerischen Auseinandersetzungen auf unserem Planeten aus. Und man gewinnt nicht den Eindruck, daß die vielseitigen Friedensbemühungen auf verschiedenen Ebenen — selbst durch UNO-Vermittlung — einen positiven Erfolg garantieren könnten.
Warum, so fragen sich die meisten Menschen, gelingt es denn nicht, ein friedliches Zusammenleben aller Erdenbewohner, zumindest der Bürger von Ländern und Regionen, zu ermöglichen? Politiker, Philosophen, Theologen, Pädagogen und Psychologen mühen sich allerorts um Lösungen dieses schwierigen Problems.
Den meisten bekannt sein dürfte die Initiative des sogenannten konziliaren Prozesses mit der Forderung nach Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Die Absichten der Initiatoren sind gewiß lobenswert, werden aber nach der Erkenntnis bibelgläubiger Christen nicht zum gewünschten Erfolg führen. Denn hier werden nicht die biblischen Begriffe »Gerechtigkeit« und »Frieden« aufgearbeitet und verwandt, sondern lediglich der Bezug zu gesellschaftlichen Ordnungen wird hergestellt. Nicht die Gerechtigkeit Gottes und der Friede mit Gott werden angestrebt, sondern der sozial-politische Aspekt ist der beherrschende Faktor aller Bemühungen. Und die Forderung nach Bewahrung der Schöpfung läßt völlig außer acht, daß die jetzige Schöpfung vergänglich ist und erst ein neuer Himmel und eine neue Erde die endgültige Lösung aller ökologischen Probleme garantieren.
Wer erinnert sich noch an die Hippie-Bewegung, die vor ca. 30 Jahren in den USA Aufsehen erregte? Diese »Blumenkinder« mit ihrem »Flower-Power« wollten der Welt den Frieden bringen. Ein Jahr der angeblichen Liebe in der Gemeinschaft sollte viel Freundschaft mit wenig Konsum, aber gemeinsamem Teilen in allen Lebensbeziehungen bringen. Doch schon wenige Jahre später folgte die Ermordung Martin Luther Kings und J. F. Kennedys, und die US-Nationalgarde feuerte auf Studenten, die gegen den Vietnamkrieg demonstrierten. — So ließen sich aus der Geschichte und der Gegenwart zahlreiche typische Beispiele anführen, die alle ein gemeinsames Phänomen deutlich werden lassen: Die Menschen guten Willens bemühen sich, das Zusammenleben auf persönlicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene möglichst mit friedlichen Methoden konfliktfrei zu gestalten. Aber in letzter Konsequenz gelingt das nie dauerhaft. Im Gegenteil: Oft ergeben sich aus den vordergründigen Lösungsansätzen weitere schwierige Probleme bzw. Konflikte.
Ein weiterer Beleg für dieses Dilemma ist der angestrebte Friedensprozeß im Nahen Osten zwischen Israel und der PLO bzw. den arabischen Nachbarländern. Auf dieses für prophetisch orientierte Christen bedeutsame heilsgeschichtliche Ereignis wird später noch einzugehen sein.
Nur die Bibel kann dem nach den tiefsten Ursachen dieser Misere fragenden Menschen befriedigende Antworten und Hilfen für die Lösung der Friedensprobleme geben. Wir wollen im folgenden zunächst auf diese Hintergründe anhand einiger Bibeltexte eingehen und danach die heilsgeschichtlichen Linien bis zur endgültigen Herstellung des Friedens im gesamten Universum aufzeigen.
I.
Seit das erste Menschenpaar, Adam und Eva, als Folge ihres Verstoßes gegen Gottes Gebot das Paradies verlassen mußte, war der Friede zwischen den Menschen und ihrem Schöpfer gestört. Sünde und Tod kennzeichnen am eindrücklichsten den verlorenen Zustand des Menschen. Der Egoismus in all seinen vielfältigen Variationen bestimmt seitdem seine Denk- und Verhaltensweisen. Paulus beschreibt den gottlosen Menschen in Röm. 3, 12-17 so: »Sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden. Da ist nicht, der Gutes tue, auch nicht einer. Ihr Schlund ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen handeln sie trüglich. Otterngift ist unter ihren Lippen; ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit. Ihre Füße sind eilend, Blut zu vergießen; auf ihren Wegen ist eitel Schaden und Herzeleid, und den Weg des Friedens wissen sie nicht.« Treffender und realistischer kann kein Anthropologe den wahren Charakter des Menschen beschreiben. Und vor allem wird dem Bibelleser kundgetan, daß der Mensch den geeigneten Weg des Friedens mittels eigener Vernunft nicht erkennen kann. Er bedarf der göttlichen Weisheit und Erkenntnis zu klarer Problemsicht und -lösung.
Im Kolosserbrief wird uns eine weitere Hintergrundinformation von Paulus gegeben, die das Gefangensein des unerlösten Menschen im Reich der Finsternis beschreibt. Die Abhängigkeit dieses Menschen von seinem Herrscher, Satan, verdunkelt den Denksinn und bestimmt somit seine gesamte Existenz in all ihren vielfältigen Strukturen. Nur der erlöste Christ ist in die Lage versetzt, durch die Erkenntnis des Willens Gottes ein völlig neues Verständnis der wahren Lebensbedingungen zu gewinnen (Kol. 1, 12-14).
Des weiteren geht aus dem Inhalt dieser Verse hervor, daß der Hauptgrund für den fehlenden Frieden auf Erden in der unsichtbaren Welt zu suchen ist. Der Kampf zwischen Satan und Gott, dem Reiche der Finsternis und dem Reiche des Sohnes Seiner Liebe, ist primär auch verantwortlich für das Verhalten der Bürger dieser Kontrahenten auf unserer Erde.
Wie die gläubigen Menschen in diese Auseinandersetzung mit einbezogen wurden und stets noch werden, sollen uns einige biblische Texte verdeutlichen:
In Daniel, Kap. 10, wird uns berichtet, wie der israelische Staatsmann in persischen Diensten um das weitere Schicksal seines Volkes besorgt ist und mit Fasten und Beten vor Gott um Antwort ringt. Nach drei Wochen des Ausharrens erscheint der Engel Michael dem Daniel und teilt ihm für sein verspätetes Erscheinen den Grund mit: Er sei von dem Fürsten Persiens 21 Tage lang aufgehalten und behindert worden. Aber er durfte auch von dem Boten erfahren, daß sein Gebet vom ersten Tage an erhört worden sei. Daniel bekommt dann göttlichen Zuspruch: er solle sich nicht fürchten, sondern weitere Erkenntnis erhalten. Außerdem bekam er göttliche Kraftzufuhr für seinen geschwächten Körper durch Berührung des himmlischen Boten. Und die tröstenden, Mut spendenden Worte vor der folgenden Prophezeiung lauten: »Fürchte dich nicht, du vielgeliebter Mann! Friede sei mit dir! Sei stark, ja sei stark!« (V. 19).
Wie Glauben stärkend sind doch diese Worte für jeden Kämpfer im Reiche Gottes: Er darf Gebetserhörungen erwarten, mit göttlicher Weisheit und Kraft rechnen. Und er steht auf der Seite des Siegers!
Ein weiterer, für unser Thema instruktiver Text ist in 2. Kön. 6 zu finden. Dort wird uns vom Kampf der Aramäer gegen Israel berichtet. Der Prophet Elisa und sein Diener befinden sich in der von den Feinden belagerten Stadt Dotan. Dem verängstigten und ratlosen Diener kann der Prophet Mut zusprechen, da er selbst geöffnete Augen für die unsichtbare Welt hat: »Fürchte dich nicht! Denn zahlreicher sind die, die bei uns sind, als die, die bei ihnen sind« (V. 16). Dann bittet Elisa auch für seinen Diener um geöffnete Augen, so daß er feurige Pferde und Kriegswagen auf ihrer Seite wahrnehmen kann. Auf die Bitte des Propheten zu Gott werden danach die Feinde mit Blindheit geschlagen und zurück nach Samaria geleitet. — Auch in dieser Berichtssituation wird uns wieder bewußt: Die berufenen Männer Gottes dürfen sich im völligen Vertrauen auf die Allmacht ihres Herrn auch in den schwierigsten Lagen verlassen. Er führt sie um Seines Namens willen auf dem rechten Weg zum Ziel (vgl. 2. Kor. 1, 14; Ps. 23!).
Die Geschichte des alttestamentlichen Gottesmannes Hiob gewährt uns ebenfalls einen tiefen Einblick in die unsichtbare Welt mit ihren das irdische Geschehen beeinflussenden Aktionen. Hier wird uns Satan, der große Durcheinanderwerfer (diabolos), persönlich als Verursacher der Leiden Hiobs vorgestellt. Er darf — wenn auch unter den von Gott zugelassenen und festgelegten Bedingungen — der Familie des Gerechten große Verluste an Besitztum und Leben zufügen. Hiob selbst darf mit schweren körperlichen Krankheiten geschlagen werden! Nur sein Leben darf Satan nicht auslöschen. Welch eine Dramatik wird uns hier in der unsichtbaren Welt enthüllt! Und auch die mit diesem Ereignis verbundenen kontroversen Diskussionen Hiobs und seiner Freunde zu dieser menschlichen Tragödie zeugen beispielhaft davon, wie die Menschen unter den Angriffen der Finsternis leiden und nach befriedigenden Antworten suchen.
Am Ende der Leidensprüfungen kann Hiob persönlich bezeugen: »Vom Hörensagen hatte ich von Dir gehört; nun aber hat mein Auge Dich gesehen« (Kap. 42, 5). Nach einem eindrücklichen Buß- und Fürbittegebet für seine Freunde darf er dann eine herrliche Zuwendung Gottes erfahren: Er selbst wird geheilt und erhält das Doppelte von dem zurückerstattet, was er vor diesen Leiden besessen hatte.
Kampf gegen Gewalten und Mächte
Und noch ein letztes, neutestamentliches Zeugnis zur Bestätigung unserer These, daß die unsichtbare Welt Hauptverursacher der vielen Probleme, Konflikte und Kämpfe auf Erden ist, soll hier folgen: In Eph. 6, 10-18 bezeugt der Apostel Paulus, daß der eigentliche Kampf der Gläubigen nicht »gegen Fleisch und Blut« stattfindet, sondern »gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die Geister der Bosheit in der Himmelswelt«. Diese Sichtweise bekommt nur der erlöste Christ, der aus dem Machtbereich der Finsternis in das Reich des Sohnes Gottes versetzt wurde. Menschen mit verblendeten Sinnen haben keinen Blick für diese Dimensionen der Auseinandersetzungen und Kämpfe. Sie können deswegen ihre Methoden und Strategien zur Lösung von Konfliktsituationen nur im vordergründig wahrnehmbaren Bereich festlegen. Und die wichtigste Erkenntnis aus dieser paulinischen Lehre: Der ungläubige Mensch wird manipuliert durch die »feurigen Pfeile des Bösen« (V. 16), während der gläubige Gotteskämpfer sich der ganzen Waffenrüstung seines Herrn bedienen darf (V. 13-17).
Des weiteren wird der Gemeinde Jesu Christi gezeigt: Solange Satan noch als Fürst und Gott dieser Welt in dem gegenwärtigen bösen Äon (Zeitlauf) herrscht, wird kein dauerhafter Friede auf dieser Erde möglich sein.
Trotz dieser klaren Aussagen meinen hingegen immer wieder — auch bewußt bibelorientierte — Christen, sie müßten jetzt schon für nationalen oder gar globalen Frieden eintreten. Dabei berufen sich viele ihrer Vertreter auf die Bibelstelle Luk. 2, 14, die nach der zitierten Lutherübersetzung lautet: »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!« (Diese Verkündigung bringt der Engel des Herrn den Hirten auf dem Felde bei Bethlehem in Verbindung mit der Geburtsanzeige Jesu.) Die richtige Übersetzung der Textstelle, dem Urtext entsprechend, muß allerdings heißen: »… und Friede auf Erden in (unter) den Menschen des Wohlgefallens.« Also noch keine allgemeine Auswirkung der Erscheinung des Messias auf den Friedensprozeß in der Welt! Diese Erkenntnis wird uns bestätigt durch den Lobpreis des greisen Simeon, den er nach seinem Besuch des Jesusknaben spontan äußert: »Herr, nun entläßt Du Deinen Knecht nach Deinem Wort in Frieden, denn meine Augen haben Dein Heil gesehen« (Luk. 2, 29). Der persönliche individuelle Friede wird hier nur dem bewußt auf Gottes Wort vertrauenden gläubigen Menschen geschenkt.
Mit dieser Aussage wollen wir nun zu dem zweiten Teil dieses Artikels übergehen, der uns die heilsgeschichtliche Entwicklung des Friedensplanes Gottes mit dem einzelnen, der Gemeinde des Christusleibes, dem Volk Israel, der übrigen Völkerwelt und schließlich dem gesamten All erhellen soll.
II.
Wenn wir die Bibel unter heilsgeschichtlichem Aspekt lesen, wird uns in allen Entwicklungsphasen mit ihren Ereignissen ein entscheidendes Prinzip deutlich: Gott handelt in der Regel durch wenige auserwählte Personen und nicht durch Volksmassen zur Verwirklichung Seiner Heilspläne, solange der böse Äon andauert. Bis zur Aufrichtung des Tausendjährigen Friedensreiches auf dieser Erde praktiziert Gott dabei eine weitere Methode, vor allem bei Seinen Dienern: Die göttliche Herrschaft im einzelnen erfolgt über den Weg von innen nach außen, vor allem seit Christi Erlösungswerk. Das heißt, Gottes Geist beginnt mit der Neuzeugung und -geburt im Geiste des Menschen und möchte über die Seele und den Körper verfügen, um die göttlichen Ziele auf diese Weise zu verwirklichen. Diese Grundsätze gelten insbesondere auch für die Friedensprozesse bis zur Vollendung des gesamten Universums. Die wichtigsten Entwicklungsphasen wollen wir nun näher betrachten.
Gnade und Friede den Gläubigen!
Der Apostel Paulus spricht die Adressaten seiner Briefe, die einzelnen Mitarbeiter (Timotheus, Titus, Philemon) und auch die Gemeinden in seiner Begrüßungsanrede in der Regel etwa wie folgt an: Gnade und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus!
Das ist keine inhaltsleere Sprachformel, sondern mutmachende, geistlich bedeutungsvolle Mitteilung. Auf welcher Grundlage kann der Apostel so inhaltsträchtige Segenswünsche übermitteln?
Wir wollen auf diese Frage anhand einiger Bibeltexte antworten und dabei auf die Adressaten, den einzelnen Gläubigen und die Gesamtgemeinde des »Leibes Christi«, achten.
In Röm. 5, 1-10 zeigt Paulus die Grundlage für den existentiellen persönlichen Frieden der Gemeindeglieder auf: Jesus Christus selbst ist der Friedensvermittler, indem Er dem Glaubenden die Gerechtigkeit Gottes zuteil werden läßt (V. 1). Das ist ein reines Gnadengeschenk. Denn in V. 10 wird uns mitgeteilt, daß wir, als wir noch Feinde waren, bereits mit Gott versöhnt wurden durch den Tod Jesu Christi. Dabei ist die Liebe Gottes für dieses Erlösungswerk, das dem Sünder zugute kommt, die wesentlichste Triebkraft dieser Gnade (V. 8-10).
Diese geistlichen Zusammenhänge müssen uns bezüglich des dauerhaften Friedens stets bewußt sein: Ohne wahre Gerechtigkeit gibt es keine echte Versöhnung; und ohne Versöhnung bzw. Aussöhnung kann kein wirklicher Friede herrschen.
Übrigens bestätigen uns in negativer Weise die tragischen kriegerischen Auseinandersetzungen der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart (z. B. in Bosnien und Tschetschenien) die Wahrheit dieser biblischen Informationen. Weil die verfeindeten Parteien ausschließlich ihre subjektiven Sichtweisen von Recht, Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden haben und nur ihre eigenen Vorteile suchen, müssen »Friedensprozesse« dort wiederum durch militärische Präsenz (z. B. durch IFOR-Truppen auf dem Balkan) eingeleitet und gesichert werden. So entsteht kein wahrer Friede, bestenfalls kann diese Situation mit »Abwesenheit von Krieg« bezeichnet werden.
Nun nach diesem wichtigen kurzen Exkurs zurück zur Gemeindeentwicklung mit Blick auf den einzelnen Gläubigen: Der Friede mit Gott ist für den gerechtfertigten, versöhnten Sünder also Grundlage und Einstieg für ein neues Verhältnis zu Gott. Der Zustand der Rebellion gegen Gott ist grundsätzlich beendet, ein geistlicher Prozeß beginnt mit dem Ziel, die Geistesfrucht der Liebe und des Friedens zu erzeugen (Gal. 5, 22). »Abba, lieber Vater« sagen zu können, ist ein herrlicher Beweis für die neue, total veränderte Stellung des gläubigen Menschen. Dieses neue Liebesverhältnis soll nun weiter gefestigt und bestätigt werden.
Von Tag zu Tag darf in diesem Wachstumsprozeß das Kind Gottes jetzt die liebende Fürsorge des Vaters erfahren. Dieser Vater, der in 1. Thess. 5, 23 auch der Gott des Friedens genannt wird, möchte nun das Verfügungsrecht über den erlösten Gläubigen besitzen. Und dieses Geschehen vollzieht sich — wie bereits oben nachgewiesen — von innen nach außen. »Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig, und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus« (V. 23). Dieser Weg wird als Heiligung beschrieben und ist vorrangig Gottes Erziehungshandeln; denn Christus selbst ist unsere Heiligung (1. Kor. 1, 30). Wir aber sollen dieser Heiligung, die als göttliche Tatsache schon vorhanden ist, im Glaubensgehorsam nachjagen (Hebr. 12, 14).
Aber es muß hier noch einmal unmißverständlich bezeugt werden: Dieser Heiligungs- und Friedensprozeß ist nicht fromme Eigenleistung. In Eph. 2 verkündet Paulus, daß nur Christus selbst — und keine menschlich-gesetzliche Anstrengung — der Friedensbringer ist. Er allein ist in der Lage, selbst verfeindete Parteien zu gemeinschaftlichen Beziehungen zu führen. So erinnert der Apostel die Nationengläubigen daran, daß sie als die einst vom Bürgerrecht Israels ausgeschlossenen Fremdlinge nun durch das Blut des Christus nahe geworden seien. Durch den Kreuzestod des Erlösers wurde die Feindschaft, die »Zwischenwand der Umzäunung« des Gesetzes, beseitigt. Friedenstiftend hat Christus die zwei — aus Israel und den Nationen — in sich selbst zu einem neuen Menschen geschaffen. Die beiden bisher Getrennten sind nun in einem Leib durch das versöhnende Kreuz vereint. Fortan kann Friede verkündigt werden: den Fernen und den Nahen (V. 1-18). Die Gläubigen verschiedener Traditionen, Nationalitäten, Geschlechter, Berufe — ja auch Konfessionen und Denominationen — sollen nun fleißig sein, diese Einheit durch das Band des Friedens zu bewahren (Eph. 4, 3). Diese Einheit der wahren Glieder des Christusleibes muß nicht erst durch organisatorische Zusammenschlüsse von Allianzen gestiftet werden. Sie ist in einem geistlichen Organismus bereits vorhanden. Sie muß nur mit aller Konsequenz praktiziert werden; und dies geschieht nicht primär über Dogmen und äußere Formen, sondern auf der Friedensgrundlage, die Christus selbst ist.
Diese Erkenntnis ist gewiß allen Christusgläubigen zu eigen. Aber die praktische Umsetzung muß vor Ort stets neu geübt und — oft mit inneren Schmerzen und Leiden verbunden — ausgelebt werden. Die meisten Spannungen in Ortsgemeinden und -gemeinschaften entstehen in der Regel durch die Art und Weise konkreter Darstellungsformen. Deshalb sei noch einmal bewußt betont: Die innere geistliche Entwicklung hat Priorität vor Äußerlichkeiten, wie Organisationsstrukturen und festgeschriebene Verhaltensmuster. Es hat einmal ein gläubiger Lehrer festgestellt: Die meisten Christen sind geimpft mit Sitten, Gebräuchen, Ritualen und Formalitäten und sind dadurch immun geworden gegenüber den eigentlichen Anforderungen Jesu Christi. Wie wahr ist doch diese Aussage! Paulus hatte dieses Problem schon zu seiner Zeit ebenso klar erkannt, und er weist deshalb nachdrücklich auf das Wesenhafte hin: »Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist« (Röm. 14, 17).
In einer weiteren Textstelle wird der Friede des Christus als der Regent bzw. Kampfrichter der Gemeinde und dem einzelnen Gläubigen in Entscheidungs- und Konfliktsituationen vorgestellt (Kol. 3, 15). Hier erhalten wir Anweisung und Hilfe für konkretes Handeln, ebenso wie durch einen Imperativ in Phil. 3, 6.7: »Seid um nichts besorgt, sondern laßt in allem durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kund werden, und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken bewahren in Christus Jesus.« Durch bewußtes Vertrauen in allen Lebenslagen, indem wir stets mit der treuen Fürsorge unseres Herrn Jesu Christi rechnen und uns nicht selbstquälerisch eigenmächtig um Problemlösungen mühen, bleibt uns der Friede Gottes erhalten. Er ist der Beweis für Gottes Liebe und Treue, zugleich aber auch für uns in Nöten und Anfechtungen ein Zuspruch der Geborgenheit. So ist der göttliche Friede für die auf dem Weg bis zum Ziel befindliche Gemeinde eine köstliche Frucht zur inneren Stärkung und Erquickung in den täglichen Spannungen des irdischen Lebens. Erst nach der Vollendung der Gemeinde, des Leibes Christi, wenn der Glaube, das Angeldhafte, durch das Schauen bestätigt wird, ist der endgültige Friede der Herrlichkeit für sie als Erstlingsauswahl aus der Schöpfung ein unantastbares Ergebnis der Liebe Gottes.
Der Weg Israels
Die folgende Heilskörperschaft »Israel” wird einen anderen Weg als der Christusleib geführt. Das nächste Etappenziel ist für dieses Volk die Aufrichtung des Friedensreiches auf dieser noch nicht vollendeten, aber schon umgestalteten Erde im folgenden Äon. Das kann aber erst nach der sichtbaren Erscheinung des Messias und Königs Israels geschehen. Bis zu diesem Kairos (von Gott bestimmten Zeitpunkt) muß Israel noch durch manche Nöte und Leiden für dieses Ereignis zubereitet werden. Während die Gemeinde Jesu Christi durch Gnade im Kreuzestod ihres Erlösers durch Selbstgericht das Heil erkennt und erfährt — also den »inneren Weg« beschreitet —, wird Israel generell durch äußere Gerichtsmaßnahmen zum Frieden geführt.
Die gegenwärtigen Bemühungen um einen Friedensprozeß im Nahen Osten zwischen Israel und seinen ehemaligen Feinden gestalten sich zunehmend schwieriger. Prophetisch orientierte Bibelleser konnten seit Beginn der Friedensverhandlungen (Camp David) auch keine letztlich Erfolg versprechenden Ergebnisse erwarten. Denn noch haben sich wesentliche, vor allem geistliche Kriterien bisher nicht erfüllt, so daß die Bedingungen für dauerhaften Frieden gegeben wären. Solange nämlich die Mehrheit des Volkes Israel und vor allem seine Regierungsvertreter ihr Vertrauen nicht auf den Gott ihrer Glaubensväter setzen, sondern primär politisch eigenmächtig planen und handeln, können die ausgehandelten Verträge (z. B. Oslo) keine Stabilität der kritischen Lage bewirken.
Der nach der Ermordung Rabins neu gewählte, zur Zeit amtierende Premierminister Netanjahu hat eine kaum lösbare Aufgabe vor sich: Er weiß sich einerseits dem Programm seiner Partei und deren Anhänger für einen härteren Kurs verpflichtet, zum anderen steht er dem Druck der UNO (und vor allem der USA) sowie der PLO und des unmittelbaren Nachbarn Syrien gegenüber. Als besonders schwierig wird sich das anstehende Problem Jerusalem erweisen. Dieser »Laststein« (Sach. 12, 3) wird zunehmend zu einem Prüfstein für alle Völker rings um Israel, ja sogar für die gesamte Völkerwelt. Arafat wird nicht müde, den Ostteil Jerusalems für die Palästinenser als Regierungssitz zu beanspruchen. Dabei hat er gewiß das unverzichtbare Ziel vor Augen, danach ganz Jerusalem und schließlich den Staat Israel für seine Machtansprüche zu gewinnen, obwohl er der Weltmeinung offiziell eine gemäßigte politische Gangart präsentiert.
Interessant und aufschlußreich erscheint mir in diesem Zusammenhang ein Artikel in der Ausgabe unserer hiesigen Tagespresse (Schorndorfer Nachrichten, 20.09.1996), in dem berichtet wird, daß Arafat während eines Besuches in Hessen folgendes zum Thema »Friedensprozeß in Nahost« äußerte: »Feindseligkeit und Kriege erscheinen wieder am Horizont. Es droht eine Erosion des Friedensprozesses.« Er kritisierte, Israel wolle den Palästinensern seine eigene Version der Friedensvereinbarungen aufzwingen. Es sei aber auch die Frage an Arafat erlaubt, ob nicht ebenso die Palästinenser ihre eigenen Vertragsauslegungen favorisieren. Arafat appellierte dann eindrücklich an die internationale Staatengemeinschaft, schnell zu reagieren, um den Friedensprozeß aus der Krise zu führen. Noch während des Artikelschreibens überschlugen sich die Ereignisse in Israel. Die Presse berichtete von schwersten Unruhen in den Autonomiegebieten. Dort herrschten wieder Zustände wie zur Zeit der Intifada. Und auf dem Tempelberg in Jerusalem wurden in dem schlimmsten blutigen Konflikt seit 1967 zwischen Israelis und Arabern mehrere Palästinenser erschossen und zahlreiche verletzt. Arafat dazu: »Das ist die große Krise zwischen Israelis und Palästinensern, den Arabern, den Moslems und den Christen.« Die Friedensgespräche treten momentan auf der Stelle, sollen aber nach Informationen aus beiden Lagern der Kontrahenten fortgesetzt werden. Ob aber je positive Gespräche gelingen und zu einem dauerhaften Frieden in Nahost führen, ist zu bezweifeln. Denn das prophetische Wort spricht nur in negativer Version von einer kurzen Friedenszeit vor dem Erscheinen des Messias in Israel. Auseinandersetzungen wird es zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten nach unserer Erkenntnis auf politischer und militärischer Ebene zunächst so lange geben, bis ein Vertrag des letzten Weltherrschers und Diktators für ca. dreieinhalb Jahre einen weltweiten Scheinfrieden erreichen wird. Von diesem Bund des »Antichristen« mit den »Vielen« (Israel) prophezeit bereits Daniel (Kap. 9, 27). Und vor der angeblichen Sicherheit während einer von der Menschheit erhofften Friedenszeit warnt Paulus in 1. Thess. 5, 3: »Wenn sie sagen: ›Friede und Sicherheit!‹, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, wie die Geburtswehen über die Schwangere, und sie werden nicht entfliehen.«
Das beschriebene Verderben findet wohl am Ende der letzten, 70. Jahrwoche (nach Daniel und der Offenbarung) statt, wenn nach dem Vertragsbruch des Weltdiktators die gesamte Völkerwelt gegen Israel zieht. In jener Schlacht von Harmagedon wird dann Gottes Gericht alle Feinde Israels furchtbar treffen (Offb. 16, 16).
Aber auch Israel wird durch diese Drangsale und unermeßlichen Leiden für das Erscheinen des Messias zubereitet (Sach. 14, 2-4; Offb. 19, 19.20). Danach erst kann der wahre Friedensfürst das Friedensreich auf Erden begründen. Wenn der eigentliche Verursacher aller Kämpfe und Kriege, Satan, für 1000 Jahre gebunden sein wird und Jerusalem als Friedensstadt unter der Herrschaft des Königs Israels für die Menschheit zur zentralen Segensstätte wird, dann werden die meisten Prophezeiungen der Bibel für »Friede auf Erden« zunächst in Erfüllung gehen.
Der Weg der Völkerwelt
Im vorigen Abschnitt wurden bereits einige Aussagen zum Schicksal der Völkerwelt gemacht, soweit sie ihre Beziehungen zum Volk Israel in der Letztzeit betreffen. Wir wollen aber noch einmal unter einem speziellen Aspekt auf die Entwicklung der Völker am Ende dieses Äons eingehen.
Bereits in Ps. 2 wird in groben Zügen diese dramatische Phase im Sinne einer offenen prophetischen Schau beschrieben. Dabei wird deutlich die verschwörerische Absicht der »Völkerschaften und ihrer Herrscher« (Könige und Fürsten) vom Psalmisten gegen den »Herrn und Seinen Gesalbten« hervorgehoben (V. 1 und 2). Aber ihr »Toben« kann den Höchsten nicht erschüttern. Im Gegenteil: Er lacht und spottet über sie (V. 4) und droht den Feinden Zions an, in Seinem Zorn mit schrecklicher Zornesglut die zu treffen, die gegen Ihn und den Sohn toben (V. 3 und 5). Dem prä-äonisch gezeugten Sohn wird verheißen: »Fordere von mir, und ich will Dir die Nationen zum Erbteil geben, zu Deinem Besitz die Enden der Erde. Mit eisernem Stabe magst Du sie zerschmettern, wie Töpfergeschirr sie zerschmeißen« (V. 8 und 9).
Bereits in diesem prophetischen Psalm wird ein wesentliches Prinzip göttlichen Handelns veranschaulicht: Es geht durch Gericht zum Heil. Das ist aber keine fatalistisch festgelegte, unausweichliche Zwangsentwicklung, sondern diese göttliche Voraussage enthält auch einen Mahnruf an die Verantwortlichen in jener Zeit: »Und nun, ihr Könige, handelt verständig; laßt euch zurechtweisen, ihr Richter der Erde! Dient dem Herrn mit Furcht, und jauchzt mit Zittern! Küßt den Sohn, daß Er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Weg, denn leicht entbrennt Sein Zorn. Glücklich alle, die sich bei Ihm bergen!« (V. 10-12).
Wie steht es aber in der Gegenwart mit der geistlichen Moral der Völkerschaften (UNO) und gar ihrer Stellung zu Gott und Seinem Wort? Denn noch haben die Vertreter der westlich-demokratischen Welt aufgrund ihrer geschichtlichen Tradition das Wissen um die Gebote Gottes und ihre Konsequenzen.
Wer Hintergrundinformationen über die eigentlichen Drahtzieher der Welteinheitsbestrebungen auf politischer, wirtschaftlicher und religiöser Ebene besitzt, erkennt die geheimen Machenschaften dieser antigöttlich inspirierten Akteure.
Aufschluß über Ziele, Funktion, Aufgaben und Struktur einer künftigen Weltregierung gibt ein Entwurf zur Weltbefriedung von hervorragenden Experten, einer Art »Gremium für eine Verfassung und ein Parlament der Welt«. Dieser Entwurf wird laut Topic 9/96 über das internationale Datennetz »Internet« gezielt bekannt gemacht. In einer Präambel begründen die Verfasser die Notwendigkeit einer Neuen Weltordnung und Weltregierung mit einer unausweichlich zu erwartenden Katastrophe auf der Erde durch Umweltzerstörung und soziale Probleme. (Die ersten deutschen Bestrebungen diesbezüglich aufgrund der »Katastrophe« des angeblich menschengemachten Klimawandels werden hier sichtbar; Anm. admin.) Nur durch gemeinsame Anstrengung aller Weltnationen auf spiritueller, politischer und wirtschaftlicher Ebene könne Hoffnung auf ein Überleben aller Geschöpfe bestehen. Viele der in diesem Entwurf benutzten Begriffe stammen allerdings nach Ansicht des Kommentators in dieser Topic-Ausgabe aus der New-Age-Bewegung. So wird ein Neues Zeitalter der Einheit in der Vielfalt trotz der Existenz verschiedener Rassen, Staaten, Kulturen, Religionen und Ideologien angestrebt. Die UNO bietet für die vorgesehene Verwaltungsstruktur bereits gute Voraussetzungen zur Verwirklichung dieser Pläne.
Daß angesichts der vielen drängenden, weltweiten Probleme die Völker der Erde die schwierigen Aufgaben zum Überleben der Menschheit gemeinsam lösen wollen, ist nicht zu kritisieren. Nur muß beachtet werden, daß ähnlich wie beim Turmbau zu Babel der Mensch ohne den Gott der Bibel mit fragwürdigen Methoden das Ziel der Neuen Weltordnung und -regierung erreichen will. Der Einfluß mächtiger Institutionen, die freimaurerisch durchsetzt sind, auf diesen Einheitsprozeß ist bereits deutlich erkennbar. Auch die Namen von pensionierten Spitzenpolitikern, die jetzt schon für die UNO tätig sind, lassen auf einen antibiblischen Kurs schließen (z. B. Gorbatschow, Kissinger, Giscard d’Estaing). Die Weltbühne für das Auftreten des letzten Weltherrschers zur Beherrschung und Verführung aller Nationen wird also schon vorbereitet. Wie lange dieser Entwicklungsprozeß noch dauern kann, ist nicht abzusehen und sollte uns auch nicht zu Spekulationen verleiten. Fest steht aber, daß in Verbindung mit den Nahost-Problemen auch die weltweiten Friedensbemühungen deutlich signalisieren: Die Weltneuordnung und Weltregierung wird kommen müssen. Das prophetische Wort gibt klar die Richtung, aber auch das Ende dieser Entwicklung an (siehe 1. Thess. 5, 3). Gottes Gericht trifft eine unbußfertige Völkerwelt am Ende dieses bösen Äons, ehe der Welt eine neue 1000-jährige Epoche des Friedens unter der Herrschaft des Friedenskönigs, des Messias Israels, beschert wird.
Leider ist mit Darstellung des Friedensreiches auf Erden unter der Herrschaft des Friedefürsten noch keine endgültige Befriedung der Menschheit erreicht. Solange Satan als der Urrebell gegen Gott und Sein Reich gebunden war, konnten segensreiche 1000 Jahre die Völker beglücken. Unter der Führung des Herrschers in Zion und dem neuen Segensträger Israel erfüllen sich die Prophezeiungen der alttestamentlichen Gottesboten von der Wiederherstellung paradiesischer Zustände. Doch wenn Satan am Ende dieser Segenszeit noch einmal zur letzten großen Prüfung der Nationen aus seinem Gefängnis losgelassen wird, erweist sich der bisher vorhandene Friede nur als Ergebnis der äußeren Segnungen. Denn von allen Himmelsrichtungen ziehen nun die Heere, »deren Zahl ist wie der Sand des Meeres«, zur letzten großen Schlacht gegen die »geliebte Stadt« und das »Heerlager der Heiligen«. Die Feinde werden aber durch Feuer vom Himmel vernichtet, und Satan wird in den Feuersee geworfen, wo sich bereits der Antichrist und der falsche Prophet befinden (Offb. 20, 7-10).
Nach dem Gericht am großen weißen Thron kann dann die erste Gesamtphase der Wiederherstellung des Universums erfolgen: ein neuer Himmel und eine neue Erde mit dem total erneuerten Jerusalem (Offb. 21, 1.2). Bei der Beschreibung dieses neuen Jerusalems ist bedeutsam, daß die typische Zahl Israels (12) mehrfach genannt wird: 12 Tore, 12 Engel, die Namen der 12 Stämme, 12 Grundsteine und die 12 Namen der 12 Apostel des Lammes (Offb. 21, 12-14). Und auch die Bäume am Strom des Lebens, deren Blätter zur Genesung der Nationen dienen, tragen jeden Monat 12-fache Frucht. Diese Angaben lassen den Schluß zu, daß die 12 Apostel und das zurechtgebrachte Israel nun erst im Vollmaß (12 offene Tore Jerusalems) den Nationen zum Segen gereichen können. Der Friedens- und Heiligungsprozeß wird selbst noch auf der neuen Erde fortgesetzt.
Friede für die gesamte Schöpfung
Für den Abschluß des Friedensprozesses mit der gesamten Schöpfung ist indes die Körperschaft des Christusleibes mit verantwortlich. Es fällt auf, daß bei der Beschreibung des neuen Jerusalems kein neuer Tempel mehr vorhanden ist. Das ist für die Kenner des prophetischen Wortes auch nicht verwunderlich. Denn als Vollerfüllung der Tempeldarstellungen gilt nach dem Zeugnis des Nationenapostels Paulus die Gemeinde, die auch der Tempel des Heiligen Geistes genannt wird.
In Offb. 21, 22 sieht der Apostel Johannes im neuen Jerusalem keinen Tempel mehr; die Begründung lautet: der Herr, Gott, der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm. Das Lamm Gottes hat also auch auf der neuen Erde noch aussöhnende Funktion. Und die Glieder des Leibes Christi dürfen dabei Gehilfen des Versöhnungs- und Friedensprozesses sein. Wenn bereits im gegenwärtigen Äon die Botschaft der Gemeindeglieder auf Erden lautet: »Laßt euch versöhnen mit Gott« (2. Kor. 5, 20), dann wird auch in den künftigen Zeitaltern dieser Versöhnungsdienst bis zur Vollendung des Alls fortgesetzt. Paulus darf den Korinthern diese Zielperspektive mutmachend so vermitteln: »Denn so viele Verheißungen es gibt, in Ihm ist das Ja, deshalb auch das Amen in Ihm, Gott zur Verherrlichung durch uns« (2. Kor. 1, 20). Die letzte Zurechtbringungsphase mündet bekanntlich in das herrliche Ziel ein: bis Gott sein wird alles in allen/m (1. Kor. 15, 28). Zu diesem über die Erde — auch die neue — weit hinausreichenden Dienst sind alle Söhne Gottes berufen. Der »Tempeldienst« der Glieder und des Hauptes Christi im neuen Jerusalem wird so lange andauern, bis alle Feinde unter »die Füße« Christi gelegt sind und auch der Tod weggetan sein wird (1. Kor. 15, 25-27).
Paulus mußte im Blick auf diese gewaltige Zukunftsaufgabe die Korinther ermahnen: »Wißt ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden? Wißt ihr nicht, daß wir Engel richten werden?« (1. Kor. 6, 2.3). Diese Richterfunktion hat es stets mit Zurechtbringung der Betroffenen durch Gericht und Gnade zu tun. Paulus bezeugt diese Dienstaufgabe in Röm. 8, 19 und 21 wie folgt: »Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes«; und »… daß auch selbst die Schöpfung frei gemacht wird von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Söhne Gottes«. Die sichtbare und unsichtbare Welt (das Universum bzw. das All) wird also total wieder hergestellt, ja in noch herrlicherer Weise als vor dem Sündenfall.
Gottes Rechnung ist der Christus (logos), und Seine Miterwählten, die Glieder Seines Leibes, dürfen mitregieren (2. Tim. 2, 12), bis jede Opposition im gesamten All ausgeschaltet sein wird. Es werden einmal alle Zungen bekennen: »Jesus Christus ist Herr«, zur Ehre Gottes des Vaters (Phil. 2, 11). Völliger Friede wird dann herrschen ohne jegliche Trübung der göttlichen Harmonie.
Bis zur Verwirklichung dieses Zieles werden freilich noch manche Katastrophen, Kriege und Auseinandersetzungen geschehen. Doch der allmächtige Gott, unser liebender Vater, wird durch Seine Gerichte die ganze Schöpfung zum endgültigen Frieden führen.
Das, was die Gemeinde Christi hier schon angeldhaft in inneren Friedensprozessen an Gnade und Herrlichkeit erlebt, wird in der Vollausreife schließlich auch der gesamten Schöpfung zuteil werden, zur Verherrlichung Gottes und Seines Sohnes Jesus Christus.
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 3/1997; Paulus-Verlag, Heilbronn)


Jeden Sonntag ab 10:00 Uhr von der 