Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Schritte auf dem Weg zur endzeitlichen Erneuerung Israels

Autor: Jugel, Wolfgang  |  Kategorie(n): Endzeit, Heilsgeschichte, Israel, Lehre  |  797 x gelesen

— “Blätter” und “Frühfeigen” am Feigenbaum Juda in unseren Tagen —

Zwei bedeutsame Ereignisse kennzeichneten im Jahre 1977 das Geschehen in Israel; wir dürfen in ihnen endzeitliche Weichenstellungen sehen. Zum einen wurde am 17. Mai 1977 der konservativ-orthodoxe “Likud-Block” zur Regierungsbildung verpflichtet und Menachem Begin zum Ministerpräsidenten Israels gewählt, wodurch zum ersten Male seit der Gründung Israels die sozialistisch geprägte “Mapai”-Gesellschaft abgelöst wurde; sodann ist das Treffen des neugewählten Ministerpräsidenten mit dem ägyptischen Präsidenten Sadat in Jerusalem zu erwähnen, das hier nicht einer näheren biblischen Würdigung unterzogen werden soll (es kann positive, aber auch negative Entwicklungen einleiten); doch scheint sich hiermit das Ausscheren Ägyptens aus der militärischen Phalanx der kommenden “Gog-Armee” (Hes. 38/39) anzubahnen.

Es war schon bewegend, wie bei der feierlichen Parlamentssitzung am 20.11.1977, auf der beide Präsidenten sprachen, der Vorsitzende der “Knesseth” die Sitzung mit einem Prophetenwort eröffnete, und Ministerpräsident Begin seine Rede mit einem Gebet beschloß. Wo anders in der Welt wäre solches möglich? Man stelle sich dies einmal in Bonn vor! Als am 26.12.1977 Begin von Nachfolgegesprächen mit Sadat über die Friedenspläne aus Ismaelia zurückkehrte, wurde er auf dem Flugplatz vom Oberrabbiner Israels begrüßt und mit Handauflegung gesegnet.

Wenn man dergleichen aus Israel berichtet, muß man — nicht nur in Kreisen, die mit dem prophetischen Wort wenig vertraut sind — immer wieder damit rechnen, wie folgt abgewiesen zu werden: Dies alles habe ja noch nichts zu bedeuten; Israel sei ebensowenig wie andere Völker schon “wiedergeboren”; auch in Tel Aviv gebe es Nachtclubs und andere negative Erscheinungen; den christlichen Missionen in Israel werde viel Widerstand geboten; das orthodoxe Judentum sei immer noch eine Minderheit im Volke und huldige wie zu Zeiten Jesu dem “toten Buchstaben” — und was der Gegengründe mehr sein mögen!

Ganz gewiß ist der “Geist der Gnade und des Flehens” noch nicht über Israel ausgegossen, und man sollte auch nicht in einer falschen christlich-zionistischen Israelbegeisterung die Augen vor den Realitäten verschließen; aber es geht doch wohl zu weit, wenn kürzlich in einer christlichen Zeitschrift zu lesen stand: “Hängt wirklich die ganze Heilsgeschichte in unseren Tagen an der Existenz des Judenstaates, der trotz unserer frommen Wünsche immer noch ein ganz profaner Staat ist und nichts von der Glorie besitzt, die man ihm so gerne zulegen würde?”

Eine solche Aussage ist dicht neben der theologischen Haltung angesiedelt, die dem Geschehen in Israel keine heilsgeschichtlich-prophetische Bedeutung zumessen will, oder die von den Juden fordert, sie müßten sich erst bekehren, müßten erst “wiedergeboren” sein, ehe wir ihnen eine solche heilsgeschichtliche Rolle zubilligen könnten.

Dies erinnert mich etwas an jene Brüderkreise, die — in Verkennung von Röm. 11, 25-26 — eine Erweckung Israels und Heimkehr ins Land der Väter erst für die Zeit nach der Entrückung der Gemeinde erwarteten, oder gar nur durch die Eingliederung einzelner bekehrter Juden in die Gemeinde verwirklicht sahen. Als dann 1948 die Gründung des Staates Israel erfolgte, erhob sich auf einem großen Brüdertreffen dieser Gruppe die Frage: Haben wir uns geirrt, oder hat der Herr sich geirrt? Zu Ehren der Brüder: Sie bekannten sich zu ihrem Irrtum!

Das Warten Christi auf die Frucht des Feigenbaums

Aller christlichen Unbescheidenheit gegenüber, die das heutige Heilshandeln Gottes an Seinem Volke herabwürdigen will, weil sie Gottes Heilsziele im Judenstaat noch nicht verwirklicht sieht, gilt das Wort aus Spr. 27, 18:

“Wer des Feigenbaums wartet, wird seine Frucht essen!”

Hier wird das Warten Christi auf die Frucht des Feigenbaumes Juda umschrieben; mehr als alle Israelfreunde zusammengenommen freut sich unser Herr in Seiner vollgewissen Hoffnung bereits über die ersten Ansätze des neuen Lebens in diesem Feigenbaum! Darin besteht die vorbildliche “Geduld” des Messias Jesus, der bei Seinem Warten schon die ersehnten Ziele schaut und diese in heilsgeschichtlichen Einzelschritten und Reifestufen in der Weltgeschichte verwirklicht. “Siehe, der Ackersmann wartet auf die köstliche Frucht des Landes und hat ihretwegen Geduld, bis sie (endlich) den Früh- und Spätregen empfängt. Habt nun auch ihr Geduld, befestigt eure Herzen, denn die Wiederkunft (Herrlichkeitsgegenwart) des Herrn ist nahe gekommen” (Jak. 5, 7-8).

Der Ackerbauer ist Christus, das Land ist Israel, die “köstliche Frucht” ist die Frucht des Geistes, und der Früh- und Spätregen weist hin auf die pfingstliche Frühgabe des Heiligen Geistes und auf seine geistliche Fülle bei seiner Spätsendung in der Endzeit.

Juda, der Feigenbaum

Eine kurze Erinnerung an die Bedeutung des Feigenbaumes in der Schrift sei hier gestattet:

  1. Dieser Feigenbaum im Weinberge Israels ist Juda (Jes. 5, 6; Luk. 13, 6).
  2. Schon immer trug er gute und schlechte Feigen (Jer. 24, 5.8).
  3. Schon immer gab es auch “Frühfeigen” am Feigenbaum (Hos. 9, 10; 10, 1), wie sie uns etwa in Hebr. 11 “gepflückt” werden. Im April sitzen ja schon unter den ersten sprießenden Blättern die sogenannten VORFEIGEN (paggim), die anzeigen, daß der Winter vorüber ist (Hoh. 2, 13). Sie sind zwar nicht saftig, wo sie aber fehlen, ist der Baum unfruchtbar. Im Vorsommer entwickelt sich dann die eigentliche FRÜHFEIGE (bikkurah), die bis Anfang Juni reift und gern gegessen wird; doch ist sie nicht haltbar. Die eigentlichen und besten Früchte aber sind die SPÄTFEIGEN (teenah), die im August geerntet werden ünd gelagert werden können. Sie sind in der Sommerhitze (einem Bild des Gerichtes) herangereift. Eine solche Frühfeige aus Israel war Zachäus, der auf dem ihm gebührenden Platze saß, als ihm Jesus begegnete: auf einem MaulbeerFeigenbaum (Luk. 19, 1-5).
  4. Als der Sohn auf Erden weilte, suchte Gott Frucht an dem im Weinberg gepflanzten Feigenbaum “und fand keine”. “Drei Jahre” suchte Er vergeblich Frucht an ihm; dann beauftragte Er den “Weingärtner”, ihn abzuhauen, damit er das Land nicht unnütz beschwere. Doch dieser wollte es “dieses Jahr” noch einmal mit ihm versuchen, wollte die Erde umgraben und den Baum düngen; wenn er dann keine Frucht brächte, solle er “zukünftig” abgehauen werden. Diese geduldige Bemühung um den Feigenbaum beschreibt aufs feinste die 3½-jährige Zeit des Wirkens Jesu in Israel, die ja, wie wir wissen, zum “Abhauen im Gericht” führte, was schon Johannes der Täufer angekündigt hatte (Luk. 13, 6-8; Matth. 3, 10; doch beachte auch: Hiob 14, 7-10!).
  5. Am Ende dieser geduldigen Bemühungen des Messias um Seinen Feigenbaum aber stand das Kreuz. Zu Beginn Seines Leidensweges “hungert den Herrn”. Er sieht von ferne einen Feigenbaum und findet an ihm “nur Blätter” (Markus fügt in Kapitel 11, 13 hinzu: “Es war nämlich nicht die Zeit der Feigen”). Nun verflucht Er den Baum — für die (kommende) Weltzeit. Am anderen Morgen aber erstaunt es die Jünger, daß er “sofort bis zu den Wurzeln verdorrt und erstorben war”. Jesus kündet auch des Baumes künftiges Geschick: Er wird entwurzelt und ins Meer (der Völker) geworfen. — Die Wut und Rache eines hungernden Wanderpredigers? Nein, vielmehr eine symbolisch-prophetische Darstellung des Zustandes und künftigen Weges Israels (Matth. 21, 18-19; Mark. 11, 12-14; Matth. 21, 20-22; Mark. 11, 20-25; Luk. 17, 5-6)! Hinfort findet man an ihm weder Blüte noch Frucht (Hab. 3, 17)!
  6. Es ist uns sicher bekannt, daß unser Herr in Seinen Endzeitreden, die Er bald nach der Verfluchung des Feigenbaumes hielt, auch die künftige Wiederherstellung des Feigenbaumes prophezeite: Am Saftigwerden des verdorrten Feigenbaumes und am Sprossen seiner Blätter könne man gleichsam automatisch merken, daß die Sommerhitze der endzeitlichen Gerichte und damit die Königsherrschaft Gottes genaht sei. Die Generation, die solches miterlebe, werde keineswegs vergehen, bis daß “dieses alles”, was Christus bis zu Seiner Wiederkunft geweissagt hat, Geschichte geworden sei (Matth. 24, 32-34; Mark. 13, 28-30; Luk. 21, 29-32).

Saft und Blätter

Zu dieser Endzeitgeneration aber gehören wir, denn das unerhörte Geschehen der Wiederherstellung des Feigenbaumes begann mit der Gründung des Judenstaates im Jahre 1948. Wir sind die Augen- und Ohrenzeugen eines in Menschenaugen kleinen Beginns (”Nur Saft!” —”Nur Blätter!”); dieser hat aber in den Augen des wartenden Herrn eine gewaltige prophetische Bedeutung! Nach fast 2000 Jahren des verfluchten, toten und verdorrten Feigenbaumes geschieht das Gotteswunder des “Lebens aus Toten”! Was ein Gärtner für unmöglich halten würde, ereignet sich: Der tote Baum gewinnt wieder Saft, seine Zweige werden weich und empfindsam und treiben Blätter (mitsamt den zeichenhaften Vorfeigen). Bald werden die “Blumen erscheinen im Lande” (Israel), die Zeit des frohlockenden Gesanges hebt an, die “Stimme der Turteltaube” (des Heiligen Geistes) läßt sich im Lande hören; der Feigenbaum rötet allmählich seine Feigen, und die Weinstöcke blühen (Hohel. 2, 12-13). Schließlich aber trägt “der Baum seine Frucht, der Feigenbaum und der Weinstock geben ihren Ertrag” — zur Zeit des Frühregens und Spätregens (Joel 2, 22-23).

Viele Christen aber rümpfen verächtlich die Nase und rufen: “Nur Blätter! Nur Saft! Was bedeutet dies schon?” — Schon einmal mußte Gott bei kümmerlichen Anfängen in Israel fragen: “Wer verachtet den Tag geringer Dinge?” (Sach. 4, 10). Gewiß: Das Reifen des Feigenbaumes unterliegt auch nach heilsgeschichtlichen Gesichtspunkten einem allmählichen Werden: Saft — Triebe — Blätter — Blüten — Frucht. Der Christus aber wartet voller Vorfreude des Feigenbaumes in Geduld, um schließlich die heißbegehrte Frucht zu essen, die Er bei Seinem ersten Kommen in diese Welt vergeblich suchte. Für Ihn sind Saft und Blätter Zeichen des neuen Lebens und Propheten der kommenden Frucht!

Drei Verfalls- und Reifestufen

Laßt uns nun die drei wichtigsten Verfalls- und Reifestufen des Feigenbaumes festhalten; dies sind zur Erdenzeit Jesu, auf dem Wege vom Leben zum Tode:

  1. Der Feigenbaum bringt keine Frucht mehr —
  2. Er trägt nur noch Blätter —
  3. Er führt keinen Saft und kein Leben mehr und verdorrt bis zu den Wurzeln.

In unseren Tagen und in der nahen Endzeit durften und dürfen wir erleben:

  1. Der Feigenbaum und seine Zweige gewinnen wieder Saft und Leben —
  2. Er treibt Blätter und — bald auch — die ersten Frühfeigen —
  3. Er wird Frucht bringen! Die Frucht des Heiligen Geistes, die Jesus begehrt.

Dies ist wie bei einem rückwärtslaufenden Film. Schulkinder haben es gern, wenn man einen Film rückwärtslaufen läßt. Dann können sie zu ihrem Vergnügen erleben, wie z. B. ein zusammenstürzendes Haus plötzlich wieder aus seinen Trümmerteilen zusammenrückt, zu einem unversehrten Ganzen zusammenfährt! So handelt der lebendige Gott bei der Wiederherstellung Israels in unseren Tagen. Er knüpft den Faden dort wieder an, wo er abriß. Er führt die Geschehnisse zurück zu dem Punkt, wo sie einst ausgelaufen waren. Das gilt für das Volk Israel in der Endzeit, aber auch im Hinblick auf das endzeitliche Werden der Christusgemeinde. Die Endzeit dieses Äons entspricht seiner Urzeit, die Endzeitgemeinde der apostolischen Urgemeinde.

Diese drei Schritte auf dem Wege zur Erneuerung Israels können wir noch in einem anderen prophetischen Bilde erkennen; es ist dies die Weissagung Hesekiels von den Totengebeinen in der Wüste, denen er auf ausdrückliches göttliches Geheiß die Wiederbelebung verkünden muß. “Menschensohn, weissage …!” Offensichtlich war Hesekiel nicht allzusehr von der Verwirklichung seiner Weissagung überzeugt, denn als der Herr ihn fragte: “Menschensohn, werden diese Knochen wohl wieder lebendig werden?”, weiß er nur zu antworten: “Herr, Jahwe, Du weißt es!” (37, 3). — Und dann geschieht es:

“Da entsteht ein Geräusch, als ich weissagte, und aufgepaßt: ein Getöse! Und die Knochen rückten zusammen: Gebein an Gebein. Und ich sah, und gib acht: es kamen Sehnen über sie, und Fleisch wuchs, und Haut zog sich oben darüber; aber es war noch kein Lebensodem in ihnen” (Hes. 37, 7-8).

Wir haben hier wieder drei Stufen der Wiederbelebung festzuhalten:

  1. Die toten Knochen fahren mit gewaltigem Geräusch in die zugehörigen Gelenkpfannen;
  2. Muskeln, Sehnen und Haut wachsen darüber — höchstorganisierte Materie — aber eben noch wie bei einem gerade verstorbenen Leichnam: trotz des schönen Ansehens — tot.
  3. Der Geist des Lebens aus Gott belebt schließlich den Körper (V. 9-10), und die gewaltige Heerschar der Wiederbelebten marschiert aus der Wüste, in der sie verdorrte, ins Land der Verheißung.

Die Umkehrung des Verfallsprozesses

Auch dies ist die Umkehrung des einstigen Todesprozesses: Ein lebender und geistbegabter Mensch stirbt; noch kann man kaum eine Veränderung wahrnehmen; Muskeln, Sehnen und Haut gleichen denen eines Schlafenden; schließlich aber schreitet der Verwesungsprozeß fort, und zurück bleiben nur die aus den Gelenken gelösten Knochen.

Doch wie bedeutsam sind bei der Wiederherstellung Israels schon die “mit gewaltigem Geräusch” zusammenfahrenden Knochen, oder gar die in aller Stille darüberwachsenden Muskeln und Sehnen! Welches “Geräusch”, welches Getöse gab es doch seit den Tagen der Zionisten und seit der Gründung des Staates Israel um das “Judenproblem” in den Parlamenten, in der UNO, im christlichen und gottlosen Blätterwald und in allen Massenmedien! Doch ereignet sich die anschließende Erneuerungsphase, das Darüberwachsen des Fleisches also, offensichtlich weithin unbemerkt und in aller Stille!

“Nur” Fleisch und Muskeln? — Mir sei ein etwas unbilliger Hinweis gestattet. Als der Auferstandene im Kreise Seiner Jünger weilte und diese meinten, sie sähen ein Gespenst, forderte Er sie auf: “Betastet mich und spüret, daß ich Fleisch und Gebein (Muskeln und Knochen) habe, denn ein Geist hat keine Muskeln und Knochen …” Wie bedeutsam für die Hoffnung Gottes und für die gespannte Erwartung Christi sind doch diese ersten Schritte und Reifestufen auf dem Wege zum vollen Ziel!

Doch zurück zum Bilde des Feigenbaumes und zu seinen drei Hauptentwicklungsphasen: Saft — Blätter (Frühfeigen) — Frucht.

Die erste endgeschichtliche Reifestufe

Was mögen nun diese drei Stufen in der endgeschichtlichen Verwirklichung bedeuten? Über die erste Reifestufe dürfte wohl Klarheit herrschen: Das “Saftigwerden” des bis zu den Wurzeln erstorbenen Feigenbaumes (bzw. die mit gewaltigem Geräusch zusammenrückenden Knochen) samt dem Weichwerden der Zweige haben wir alle miterlebt; es geschah in der Rückkehr Israels ins Land der Väter, bei der Gründung des Staates im Jahre 1948 und seiner anschließenden erfolgreichen Verteidigung gegen immer neue arabische Überfälle, in seinem äußeren Aufbau unter sozialistisch-zionistischer Führung, durch die Wiedereroberung Ganz-Jerusalems im Jahre 1967. Also Land — Nation — Messiasstadt.

Dieses waren (wie der Aufbau von Mauern und Stadt Jerusalem unter Nehemia) alles äußere Baumaßnahmen, fundamentales Gerüst und “Skelett”. Noch könnte man meinen, es sei nichts Wesentliches geschehen; der Feigenbaum wirkt noch wie erstorben, nur bei genauerer Untersuchung kann man feststellen, daß er wieder Saft führt. Auch die Totenknochen in der Vision Hesekiels sind nur zum “Skelett” zusammengerückt; doch ist jedes Knöchlein wieder genau dort, wo es hingehört!

Die dritte endgeschichtliche Reifestufe

Auch über die dritte Stufe dürfte bei beiden prophetischen Bildern Klarheit bestehen. Die Feigenernte ist das eigentliche Fruchtziel. In der sommerlichen Gerichtshitze wird der Geist von oben ausgegossen und bewirkt “Früchte der Gerechtigkeit”; dem entspricht bei Hesekiel der Lebensodem Jahwes, der das volle Leben der geistlich Toten wiederherstellen wird; es wird “Leben aus den Toten” sein, bewirkt durch den Gott, “der die Toten lebendig macht und das Nichtexistierende ruft, als ob es da wäre” (Röm. 4, 17). “Denn wenn Israels Verwerfung (oder: sein Wegwerfen des Heils) die Versöhnung der Welt nach sich zog, was wird ihre Annahme (oder: ihr Annehmen des Messias) anderes bedeuten als geradezu Leben aus Toten?” (Röm. 11, 15).

Auf eines sei allerdings hingewiesen: Dieser “Spätregen” des Geistes, das Ausgegossenwerden des Geistes der Gnade und des Flehens, wird sich offensichtlich nicht erst bei der sichtbaren Wiederkunft Christi ereignen, sondern in einem großen Teil des Volkes Israel schon zuvor! Noch “ehe der große und furchtbare Tag Jahwes kommt” — wenn kosmische Wunder und Zeichen an Sonne und Mond geschehen, Blut und Feuer und Rauchsäulen in den endzeitlichen Gerichten — wird Gottes Geist ausgegossen werden. Dies aber bewirkt als erstes ein Wiederaufleben der Prophetie in Israel (Joel 2, 28-32). Das “Hinblicken auf den Durchbohrten”, die wehklagende Buße der Stämme Israels und die Sendung des Geistes der Gnade und des Flehens scheint auch nach Sach. 12 noch vor dem Sichtbarwerden des Messias zu geschehen; könnte es sich nicht auch in einer inneren geistlichen Schau ereignen? Noch steht der große Krieg aller Völker gegen Jerusalem aus, die Spaltung des Ölberges bei einem endzeitlichen Erdbeben, die Flucht des orthodoxen Teiles Israels in das neugeschaffene Ölbergtal, — ehe sich dann endlich ereignet, was Sach. 14, 5b bezeugt: “Und kommen wird Jahwe, mein Gott, und alle Heiligen mit Dir!” (siehe den ganzen Zusammenhang der Kapitel 12-14 bei Sacharja, gleichlaufend zu Joel 2-3).

Noch vor dem sichtbaren Erscheinen Christi haben wir also mit einer Ausgießung des Geistes zur Erneuerung Israels zu rechnen, die seine Wiedergeburt einleitet. Auch nach Hosea 6, 1-3 liegt eine (wenn auch geringe) Zeitspanne zwischen der “Wiederbelebung Israels nach 2 Tagen” (am Ende dieser 2000 Jahre) und seiner “Wiederaufrichtung am 3. Tage” (also bereits zu Beginn des 3. messianischen Jahrtausends). Man beachte auch V. 1: Die Ermunterung in der Volksbuße Israels; V. 2: Die Hoffnung auf Wiederbelebung und Wiederaufrichtung; V. 3: Die sich mehrende Messiaserkenntnis; und endlich in V. 3b: das Hervortreten des Messias aus Seiner bisherigen Verborgenheit. —

Die völkische Wiedergeburt Israels

Hierbei müssen wir zunächst unsere pietistische Schau von einer persönlichen, individuellen Wiedergeburt ein wenig außer acht lassen, wenngleich auch sie sich zu Recht auf Jesu denkwürdige Ausführungen beruft, die Er Nikodemus “bei der Nacht” gab (Joh. 3).

Die erste Stelle, die im Neuen Testament von der Wiedergeburt spricht, tut dies in einem kollektiven, “völkischen” Sinne. Es ist Matth. 19, 28, wo unser Herr die Volkswiedergeburt Israels durch Gericht voraussagt. Das Gericht ermöglicht erst die Volkserneuerung, leitet sie ein, bildet ihr unabdingbares Fundament. In diesem Lichte gewinnen alle Gottesgerichte einen solchen hilfreichen, heimsuchenden, zurechtbringenden Sinn, — ihr Ziel ist immer die Erneuerung der Gerichteten!

Auf die Frage des Petrus: “Was wird uns nun dafür, daß wir alles verlassen haben und Dir nachgefolgt sind?” antwortet der Herr:

“Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auch ihr werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf dem Throne Seiner Herrlichkeit sitzen wird, auf 12 Thronen sitzen und die 12 Stämme Israels richten!”

In diesem Christuswort wird eine ganze Zeit der Erneuerung durch Gericht “die Wiedergeburt” genannt. Damit decken sich wahrscheinlich jene “Zeiten der Neuordnung (Wiederherstellung) aller Dinge, von denen Gott durch den Mund Seiner heiligen Propheten von Urbeginn an geredet hat” (Apg. 3, 21).

Als der Lehrer Israels mit dem schönen Namen Nikodemus (= Volksgerechtigkeit) “bei Nacht” zu Jesus kam, um mit Ihm über das gewaltige Thema der Wiedergeburt zu sprechen, hatte er sicherlich Prophetenworte wie Jes. 66, 7-9 in Erinnerung, die auf der gleichen völkischen Linie laufen:

“Ehe Zion Wehen hatte, hat sie geboren; ehe Schmerzen sie ankamen, wurde sie von einem Knaben entbunden. Wer hat solches gehört, wer hat dergleichen jemals gesehen? Kann ein Land an einem Tage zur Welt gebracht, oder eine Nation mit einem Male geboren werden? Denn Zion hat Wehen bekommen und zugleich Kinder geboren. Sollte Ich zum Durchbruch bringen und nicht gebären lassen? spricht Jahwe; oder sollte Ich, der gebären läßt, (den Mutterleib) verschließen? spricht dein Gott” (man halte dieses Prophetenwort in Erinnerung im Blick auf Offb. 12, das später noch ausgeführt werden soll).

Freilich spitzt Jesus die Frage der Wiedergeburt dann auf den einzelnen zu: bei jedem persönlich beginnt die Erneuerung des Volkes Israel. Daß übrigens Nikodemus “bei der Nacht” zu Jesus kam, war sicherlich nicht der Feigheit zuzuschreiben, sondern hatte den schlichten Grund, daß der Herr bei Tage so umlagert und beschäftigt war, daß es sich einfach nicht lohnte, dieses gewaltige prophetische Thema da mit Ihm besprechen zu wollen. Große heilsgeschichtlich-prophetische Zusammenhänge kann man nun einmal nicht “zwischen Tür und Angel” lösen; dazu bedarf es des Fleißes, der Zeit und geduldiger Gespräche, bedarf es der Kenntnis der Propheten und der liebevollen Beschäftigung mit dem ganzen Worte Gottes. Die große Frage, die Nikodemus dem Herrn stellte, könnte zum Motto der vorliegenden Arbeit werden: “Wie soll solches (nämlich die Wiedergeburt Israels) zugehen?” Wie kann dies geschehen? (V. 9).

Israel in der Nacht

Dieser Nachtbesuch hat auch einen prophetisch-symbolischen Modellcharakter: Noch in der “Nacht” der gegenwärtigen Weltzeit, vielleicht gar “um Mitternacht”, wird das “volksgerechte” orthodoxe Israel “zu Jesus kommen” — mit der Frage nach der Wiedergeburt, die schließlich zum Erlebnis dieser Erneuerung führen wird; solches aber wird eingeleitet mit der Erkenntnis der Erhöhung des Messias am Kreuz (Joh. 3, 14-17; vgl. Sach. 12). Nach der Geburt aus dem Geist aber kann Jesus zur wahren “Gerechtigkeit des Volkes” werden, ja, zur Weisheit, Heiligung und Erlösung Israels (1. Kor. 1, 30).

Israel in der Nacht ist überhaupt ein feines prophetisches Thema, zu dem wir uns einige Hinweise nicht versagen können:

  • Das Weib Israel “steht auf, wenn es noch Nacht ist” (Spr. 31, 15).
  • “In der Nacht geht ihr Licht nicht völlig aus” (Spr. 31, 18), — die Lampe der Propheten und das Licht der Worte Gottes.
  • Darum “lacht” sie auch “in Erwartung des künftigen Tages” der messianischen Erlösung (Spr. 31, 25).
  • Als “Witwe” weint Israel zwar “bitterlich des Nachts” (Klagel. 1, 2), gedenkt “in den Tagen ihres Elends und ihres Umherirrens” unter den Völkern “all ihrer Kostbarkeiten der Vergangenheit” und “sucht nach dem Brot” des Lebens (Klagel. 1, 1.7.10.11); dennoch lebt Israel “im Schatten des Messias”, dem Gesetz, “unter den Nationen” (Klagel. 4, 20) und erwartet noch in der Nacht der gegenwärtigen Weltzeit “Sein wie die Morgendämmerung sicheres Hervortreten aus der Verborgenheit” und den Spätregen des Heiligen Geistes (Hos. 6, 1-3).

Die zweite endgeschichtliche Reifestufe

Wir suchten eine Antwort auf die Frage: Was ist der “Saft” des Feigenbaumes (Reifestufe I), was ist seine “Frucht” (Reifestufe III); oder: Was bedeuten die zusammengerückten “Totengebeine” (Phase I), und was der “Lebensodem Jahwes” (Phase III).

Nun bleibt aber noch die Frage nach der zweiten Reifestufe der Erneuerung Israels offen, also die Frage: Was bedeuten die “Blätter” des Feigenbaumes, die zugleich die ersten “Frühfeigen” zeitigen; oder im Bilde Hesekiels: Was bedeutet es, wenn über das knöcherne Skelett Muskeln, Sehnen und Haut zu wachsen beginnen?

Dies ist die eigentliche Fragestellung der vorliegenden Arbeit. Die Antwort, die ich darauf zu geben versuche, ist mir über Jahre hinweg zugewachsen; ich bitte darum, sie ernsthaft zu bedenken, auch wenn sie vielleicht alten, liebgewordenen Vorstellungen nicht in allem entspricht.

Ich möchte zunächst den Gedanken des “rückwärtslaufenden Films” wiederaufgreifen, der ja sowohl der geweissagten Ausreifung des Feigenbaums als auch der Wiederbelebung der Totengebeine bei Hesekiel zugrunde liegt. “Was da ist, war längst zuvor, und was sich in Zukunft ereignen wird, ist längst gewesen; und Gott sucht das Verdrängte (Vergangene) wieder hervor” (Pred. 3, 15). Nichts, was jemals durch eine heilsgeschichtliche “Katastrophe” scheiterte und scheinbar verlorenging, läßt der lebendige Gott unerledigt liegen. Er greift vielmehr die weltgeschichtlichen und heilsgeschichtlichen Ansätze wieder auf, um sie nunmehr der Vollendung entgegenzuführen.

Der Sohn Gottes redet von einer endzeitlichen Generation, die das Saftigwerden und Blättertreiben des Feigenbaumes Juda miterleben wird; so dürfen wir uns einmal in einem geschichtlichen Rückblick jene “ehebrecherische Generation” anschauen, die das allmähliche Verdorren des Feigenbaumes zu Jesu Lebzeiten begleitete. Dabei entdecken wir drei große Gerichtsereignisse nach der Verwerfung des Messias Jesus durch Israel:

  1. Das Erlöschen der judenchristlichen Gemeinde in Israel;
  2. Das Erlöschen der jüdischen Orthodoxie im Lande Israel;
  3. Das Erlöschen des jüdischen Volkes im Lande Jehovahs.

Dem entspräche in der Rückführung unserer Zeit:

  1. Die Wiederherstellung der jüdischen Nation im Lande der Väter (Saft);
  2. Das Wiederaufleben der jüdischen Orthodoxie (Blätter);
  3. Das Wiedererstehen einer messiasgläubigen jüdischen Gemeinde (Frühfeigen).

Als vorläufiges Ergebnis halten wir also fest, was hernach noch näher biblisch begründet werden soll: Bei der zweiten Phase handelt es sich um eine durchgreifende religiöse Erneuerung des Judentums, um eine Wiederherstellung des beherrschenden Einflusses der Orthodoxie in Israel. So folgte ja auch in den Tagen Esras und Nehemias der Rückkehr aus dem Exil und dem Wiederaufbau der Mauern, des Tempels und der Stadt Jerusalem die innere Bundeserneuerung unter der maßgeblichen Führung des Schriftgelehrten Esra; dem äußeren Aufbau und Ausbau des Staates folgt auch in unseren Tagen die innere, religiöse Erneuerung.

Erneuerung der Orthodoxie

Diese Erneuerung der Orthodoxie in Israel ist jedoch noch kein neues Leben aus dem Geiste; sie bildet vielmehr “nur” die Grundlage für die Ausgeburt einer messiasgläubigen Gemeinde in Israel, die weit über das hinausgehen wird, was wir heute an ersten Ansätzen sehen; wir erwarten, daß diese wieder den Einfluß der Jerusalemer Urgemeinde zurückgewinnen wird.

Auch in der Fruchtfolge des Feigenbaumes erkannten wir ja drei aufeinanderfolgende Reifestufen: Den VORFEIGEN unter den Blattrieben (paggim) folgten die FRÜHFEIGEN (bikkurah), die saftig, aber nicht haltbar sind, und schließlich die in der Sommerhitze gereiften eigentlichen Erntefeigen, die SPÄTFEIGEN (teenah).

Die Abfolge der geschichtlichen und heilsgeschichtlichen Ereignisse der Jesusgeneration in Israel sei nun noch einmal in einer feineren Gliederung dargestellt; wiederum kann man mit Erstaunen die Wiederanknüpfung und Rückführung in den heutigen Ereignissen göttlicher Weltpolitik feststellen.

Etappen des verdorrenden Feigenbaums

  1. Schon vor der Zeitenwende und bis zu seinem Erlöschen im Lande steht Israel unter dem Druck der RÖMISCHEN WELTMACHT.
  2. Unter dem Eindruck der Endzeitreden Jesu (Matth. 24) verläßt die JUDENCHRISTLICHE GEMEINDE noch vor der angedrohten Zerstörung von Tempel und Stadt Jerusalem im Jahre 70 das Land und zieht sich nach Pella im Ostjordanland zurück; seither ist sie verschollen; damit hört die messiasgläubige jüdische Urgemeinde auf, Mittelpunkt des Urchristentums zu sein.
  3. Im Jahre 70 erfolgt die Zerstörung des TEMPELS und die Eroberung der STADT JERUSALEM durch die Römer. Seither wird die heilige Stadt “von den Weltvölkern zertreten” (Luk. 21, 24). Mehr als 1 Million Juden war getötet worden, etwa 900.000 Juden müssen den schmachvollen Weg in die Gefangenschaft antreten, und am Morgen nach der römischen Eroberung geht die Sonne über Bergen von Trümmern und Leichen auf. Hernach schleift die 10. römische Legion die ganze Stadt und die Reste des Tempels.
  4. Noch aber wohnen Juden im Lande. Die Führer des ORTHODOXEN JUDENTUMS sichern (zunächst in Jabne, später in Zippora, Galiläa) die Überlieferung der Väter und die gesamte Lehrtradition. In weiser Voraussicht der drohenden Entvölkerung Israels und in einer gewaltigen Fleißarbeit passen sie die Bestimmungen des Gesetzes den künftigen Verhältnissen in der Diaspora an; nunmehr kann das versprengte Israel “im Schatten des Messias” (nach Kol. 2, 17 gleichbedeutend mit dem Gesetz) “unter den Nationen wohnen” (Klageld. 4, 20). Diese Gelehrtenarbeit währt bis zum Jahre 135 n. Chr.
  5. Der Aufstand Bar Kochbas (des “Sternensohnes”) gegen die Römerherrschaft (132-135) besiegelt Israels Geschick. 600.000 Juden werden allein in Judäa abgeschlachtet. Erez Israel (das Land Israel) bietet einen gespenstischen Anblick. Es ist völlig verwüstet und nahezu menschenleer: die ENTVÖLKERUNG ISRAELS beginnt. Kaiser Hadrian verwandelt Jerusalem in die Heidenstadt “Aelia Capitolina”. Ein Jupitertempel tritt an die Stelle des Tempels Jahwes. Bei Todesstrafe ist es Juden verboten, diese Stadt zu betreten.
  6. Von nun an beginnt das Zerbröckeln und Auseinanderfallen der RÖMISCHEN WELTMACHT, des Ökumenischen Imperiums, das sich in den Stürmen der Völkerwanderung vollenden sollte. Der inneren, sittlichen Aushöhlung folgt der äußere Zerfall. —

Was entspricht nun diesen einzelnen Etappen des “verfluchten, verdorrenden Feigenbaumes” bei seiner Wiederherstellung in der Endzeitgeneration? Dies läßt uns zugleich erkennen, daß Gottes Heilsereignisse nicht einfach “perfekt vom Himmel fallen”, sondern heilsgeschichtlich und weltpolitisch angebahnt werden. Darum gilt es ihr Werden zu beachten und dessen Ansätze aufzuspüren. Um das Gleichlaufen der Ereignisse herauszustellen, beginnen wir mit Punkt 6, rückführend bis 1.

Etappen des wieder saftig werdenden Feigenbaums

  1. In Etappen erlebt Europa ein Wiedererstehen der RÖMISCHEN REICHSIDEE. Karl der Große, Otto I., Barbarossa, Napoleon, ja sogar Hitler — sie alle erstrebten die Einigung Europas auf dem Boden des Römischen Rechtes, der Römischen Kultur, teilweise auch auf der Grundlage der Römischen Religion; doch war die Zeit noch nicht reif dafür. Erst mit dem Erstehen Israels im Lande der Väter lebte auch die Idee der wirtschaftlichen und politischen Einigung Europas wieder auf; sie fand in den RÖMISCHEN VERTRÄGEN eine erste Rechtsgrundlage. Bei allem Hin und Her wechselnder Umstände werden die Europäischen Staaten endlich auch zur Währungseinheit und politischen Gestalt finden. Zug um Zug wird sich der Zehnstaatenbund des Endes herausbilden, an dessen Spitze sich hernach “das Tier” setzen wird (man vgl. die 10 Zehen des Daniel’schen Monarchienstandbildes). Wiederum wird Römisches Recht, Römische Kultur, Römischer Militarismus und Römische Religion zu einer geschlossenen Ökumene führen — mit einem assoziierten Israel.
  2. Der einstmaligen Entvölkerung Israels entspricht in der Rückführung der Zionismus, der im Jahre 1948 (50 Jahre nach seinem denkwürdigen Kongreß in Basel) sein Ziel verwirklichen durfte: die LANDNAHME und WIEDERBEVÖLKERUNG Israels. Dies geschieht “in Drangsal der Zeiten”, — noch unter dem Druck der Weltmächte. LAND und VOLK Israel bilden wieder eine politische Größe.
  3. In den Jahren nach der Staatsgründung bleibt Altjerusalem mit der ehrwürdigen Klagemauer den Juden verschlossen. Statt des einstigen römischen Jupitertempels beherrscht wieder ein heidnisches “Heiligtum” die Stadt — die islamische Omarmoschee. Nicht zuletzt durch das Erleben in den jüdisch-arabischen Kriegen wandelt sich die anfängliche Sozialistengesellschaft. Viele Israelis werden wach für das Judentum als Religion. Die ORTHODOXIE dringt immer stärker auf eine Beachtung der Thora, des Grundgesetzes Israels, auch im öffentlichen Leben. Mit der Wahl des Likud-Blockes und Begins als Ministerpräsidenten wird eine Wende eingeleitet. Die Stärkung und Erneuerung des orthodoxen Judentums wird sich in mächtigen Schritten fortsetzen. Die Nikodemusfrage nach der Wiedergeburt und geistigen Erneuerung Israels wird immer lauter erschallen. Der “Bruder Jesus” und Rabbi von Nazareth gewinnt auch im Judentum zusehends an Gestalt, er wird “heimgeholt ins Judentum”.
  4. Der Zerstörung der Stadt Jerusalem und des Tempels im Jahre 70 (endgültig 135) entspricht die Eroberung GANZ-JERUSALEMS im Jahre 1967. Zu Recht verkündete Goren, der damalige Militärrabbiner Israels, an der Klagemauer den “Beginn des messianischen Zeitalters”. Der Eroberung der Jerusalemer Altstadt folgt ein großzügiger Aufbau und Ausbau der Stadt, — weit über ihre vormaligen Grenzen hinaus. Wie Gott die Omarmoschee und die El-Aksa-Moschee beseitigen wird (ob in einem erneuten Krieg, oder durch endzeitliche Erdbeben), sei dahingestellt. Nach Beseitigung der Trümmer- und Leichenschichten, die unter dem heutigen Tempelgebiet liegen, wird Israel an nunmehr “reiner Stätte” den TEMPEL JAHWES wieder aufbauen und den Opferdienst wiederaufnehmen; wie wir noch sehen werden, geschieht das unter dem ausdrücklichen Protektorat des Antichristen.
  5. Nun kommt DIE MESSIASGEMEINDE wieder ins Land zurück! Durch den Zeugendienst der beiden geistgesalbten endzeitlichen Zeugen in Jerusalem wird eine Erstlingsschar von 144.000 messiasgläubigen Juden aus den 12 Stämmen Israels für Jesus gewonnen werden (Frühfeigenernte!). Was die Missionen der Völkergemeinde nicht vermochten, tut Gott selbst. Diese Schar aber wird gleichsam aus dem “Mutterschoß” des orthodoxen, gottesfürchtigen Judentums herausgeboren.
  6. Endlich aber wird Israel — beim sichtbaren Kommen des Messias und Seines Reiches — von dem Druck aller WELTMÄCHTE befreit und zum messianischen Modellstaat im Tausendjahrreich Christi.

So schließt sich der Kreis. Gott führt das Ende zum Anfang zurück. Er tut alles zwei- oder dreimal und “segnet das Ende mehr als den Anfang” (Hiob 42, 12). —

In den Blättern des Feigenbaumes sahen wir eine Erneuerung der Orthodoxie in Israel; diese kann freilich noch nicht mit einer “Heilswiedergeburt” gleichgesetzt werden. Vielmehr wird die orthodoxe Volkserweckung deutliche Züge des in Offb. 14, 6 genannten “äonischen Evangeliums” tragen: Gottesfurcht, Gottesverehrung, Anbetung des Schöpfers aller Dinge und die Erwartung des kommenden Richters (Kapitel 14, 7).

Wie wir schon bemerkten, finden sich unter den Blattsprossen bereits erste “Vorfeigen”, gleichsam früheste Früchte des Feigenbaumes.

“Vorfeigen” und “Frühfeigen” im heutigen Israel

Sind es nicht solche ersten Feigenfrüchte,

  • wenn in Israel mehr und mehr die Bibel Alten und Neuen Testaments gelesen wird und sich in den Kibbuzim immer häufiger Bibelkreise bilden, wie es das Wiedenester Missionshaus berichtete?
  • wenn als nationales Ereignis ein Bibelquiz gefeiert wird, wo die Sieger in einem umfangreichen Bibelwissen von Führern des Staates ausgezeichnet werden?
  • wenn die Verfassung Israels sich eindeutig auf das göttliche Handeln in der Rückführung bezieht, und wenn Israels Staatswappen nicht nur den goldenen Leuchter, sondern auch die beiden Ölbäume (des Propheten Sacharja) zeigt?
  • wenn in Israel Neue Testamente in Hebräisch gedruckt und vertrieben werden dürfen und zum Lehrstoff in den Schulen die Gestalt Jesu und das Neue Testament gehört?
  • wenn nach dem erschütternden Schock des Jom-Kippur-Krieges, der Israel an den Rand der Vernichtung führte, in fast allen Tageszeitungen Anzeigen des Oberrabbinats abgedruckt waren, die zur allgemeinen Volksbuße aufforderten?
  • wenn das orthodoxe Israel den Messias erwartet, Oberrabbiner Goren das messianische Zeitalter ankündigte, und die kohanim (Priester) schon wieder die Opfergesetze studieren?
  • wenn bekannte Männer wie Schalom ben Chorin, auch in Beiträgen öffentlicher Zeitungen, darauf hinweisen, daß zu den wirklichen Freunden Israels jene fundamentalistischen Kreise unter den Christen zu rechnen seien, die auch den Zeugnissen der Propheten glauben?
  • wenn sich der Mapai-Sozialistenstaat immer mehr zum orthodox bestimmten Staat wandelt, wozu nicht nur der mit Begin erfolgte Führungswechsel in Israel beiträgt, sondern auch die Einwanderung gläubiger orientalischer und russischer Juden?
  • wenn Mordechai Gur, Israels Oberbefehlshaber, eine Erneuerung der geistlichen Kraft Israels fordert, damit es den kommenden Prüfungen standhalten könne?
  • wenn Esther Jungreis (ein jüdischer “Billy Graham”) in den USA Tausende von Juden in Massenversammlungen dazu aufruft, sich dem Glauben der Väter wieder zuzuwenden und “heim zur Thora” zu kommen?
  • wenn ganze Synagogengemeinden in den USA Jesus als den Messias annahmen und eine Bewegung “Juden für Jesus” entstand?
  • wenn 30 führende Wissenschaftler Israels in einem bedeutenden Manifest jeden Bewohner Israels dazu auffordern, täglich wenigstens zweimal das “krijat schma” (das Gebet “Höre Israel …!”) zu sprechen, weil nur durch diese Anerkennung des Höchsten eine Rettung von den Feinden möglich sei; und wenn Radio Israel allmorgendlich sein Programm mit diesem Gebet beginnt?
  • wenn ein Prof. Flusser, ohne in unserem Sinne “gläubig” zu sein, auf der Hebräischen Universität in Jerusalem Neues Testament lehren darf und dabei den Herren Theologen des Abendlandes die Leviten wegen ihres Unglaubens liest, die Glaubwürdigkeit der neutestamentlichen Quellen betont, von der historischen Auferstehung des Rabbi Jesus von Nazareth spricht und dann noch bezeugt: “Ich würde mich nicht wundern, wenn sich eines Tages herausstellt, daß Jesus doch unser Messias ist!”?
  • wenn gerade die Jugend Israels sich immer mehr dem Glauben der Väter zuwendet, den Sabbat und die Speisegesetze beachtet, an der Klagemauer betet und mehr Bibeln und Synagogen fordert, obwohl es von den letzteren bereits mehr als 6000 in Israel gibt?

Sind dies nicht erste Vorfeigen, ja, Frühfeigen? —

Die endzeitliche orthodoxe Volkserweckung in Israel wird uns nun auch deutlich im Worte Gottes bezeugt. Offb. 11 berichtet u. a. von einem großen Erdbeben, das in der Mitte der letzten Jahrwoche Jerusalem erschüttern und wahrscheinlich auch den Ölberg spalten wird (vgl. Sach. 14). In V. 13 aber wird uns die Wirkung dieses Erdbebens auf die Bewohner Jerusalems (sicher auch Israels) genannt:

“Und in jener Stunde (der Entrückung der beiden Zeugen) geschah ein großes Erdbeben, und der 10. Teil der Stadt Jerusalem stürzte ein, und 7000 Menschennamen (= Familien) kamen in dem Erdbeben um. Der ÜBERREST aber (die Überlebenden) wurde voll Furcht und gab dem Gott des Himmels die Ehre.”

Ähnliche Auswirkungen wird wohl auch der russische Überfall auf Israel samt den ihn begleitenden Erdbeben, Seebeben und Meteoritenfall haben; nach Hes. 38/39 wird der lebendige Gott durch die Vernichtung der Invasionsarmee Gogs “Seinen Namen” vor allen Völkern “heiligen”. Hes. 39, 25-29 bezeugt die folgenden äußeren und inneren Auswirkungen auf Israel:

  1. Sie werden ihre Schmach tragen und sich ihrer Treulosigkeit schämen;
  2. Sie werden aus den Ländern ihrer Feinde gesammelt, keiner wird mehr dort zurückbleiben (also auch die große orthodoxe Judenschaft der Sowjetunion, was wesentlich zur inneren Wandlung des Staates Israel beitragen wird);
  3. Gott wird Sein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen;
  4. Er wird Seinen Geist über das Haus Israel ausgießen. —

Das Sonnenweib in Offenbarung 12

Alle diese Vorüberlegungen erleichtern uns nun das Verständnis jener rätselhaften prophetischen Aussage in Offb. 12, 1-5 (man beachte von vornherein den inneren Anschluß an Offb. 11, 13b!):

“Und ein großes Zeichen erschien in dem Himmel: Ein Weib, bekleidet mit der SONNE, und der MOND war unter ihren Füßen, und auf ihrem Haupte trug sie eine Krone von 12 STERNEN.”

(Zur Symbolik: die Sonne = Jesus Christus als die “Sonne der Gerechtigkeit”; der Mond als der “Beherrscher der Nacht” = Satan; die 12 Sterne des Tierkreises = die Paniere der 12 Stämme Israels.)

“Und sie ist schwanger und schreit in Geburtswehen und in Schmerzen zu gebären. Und es erschien ein anderes Zeichen in dem Himmel: und siehe, ein großer, feuerroter DRACHE, der 7 Köpfe und 10 Hörner hatte und auf seinen Köpfen 7 Diademe; und sein Schwanz zieht den dritten Teil der STERNE des Himmels mit sich fort und warf sie auf die Erde. Und der Drache stand vor dem Weibe, das gerade gebären wollte, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind verschlänge. Und sie gebar einen männlichen Sohn, der alle Nationen weiden soll mit eiserner Rute; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu Seinem Thron. Und das Weib floh in die Wüste; dort hatte sie eine von Gott zubereitete Zufluchtsstätte, damit man sie dort 1260 Tage ernähre” (vgl. Sach. 14).

Was haben an diesem Text die Ausleger aller Zeiten herumgerätselt, und wie hat man immer wieder versucht, auch diese Vision der Offenbarung krampfhaft auf die Erstlingsgemeinde Christi aus den Völkern zu deuten! Da hat schon eher jene theologische Auslegung ein gewisses Recht, die in dem Weibe die MARIA, in ihrem Kinde JESUS zu Bethlehem, im Drachen HERODES und seinen bethlehemitischen Kindermord und im Bergungsort des Weibes die Flucht der Jesusfamilie nach Ägypten sah (Herodes heißt übrigens zu deutsch: feuerroter Drache). Dies ist gewiß eine Vorerfüllung, die jedoch die eigentliche prophetische Erfüllung in der Endzeit nicht ausschließt.

Mit dieser Deutung kann man sich auch scheinbar auf Micha 5, 1-4 berufen: Aus Bethlehem wird der Herrscher über Israel kommen, dessen Ursprung von der Ewigkeit her ist … “Darum wird Gott die Israeliten (im Gericht) dahingeben, bis zu der Zeit, da eine Gebärende geboren hat, dann wird der ÜBERREST Seiner Brüder zurückkehren zu den Kindern Israels”. Dann wird der Messias Seine Herde weiden in der Kraft Jahwes und in der Hoheit des Namens Jahwes, Seines Gottes.

Freilich wird hier das Weihnachtsgeschehen angesprochen; doch wird, wie in vielen anderen Prophetenworten, das 1. und 2. Kommen des Messias in einem Bilde zusammengeschaut! Offensichtlich erwartet doch Micha unmittelbar nach der Geburt der “Gebärenden” die Sammlung Ganz-Israels ins Land der Väter und den machtvollen Beginn des Messiasreiches. Maria durfte also wirklich, als die wahre Eva, einen Teil dieser Prophezeiung verwirklichen; doch müssen wir im Licht von Offb. 12 noch auf eine andere “Gebärende” warten, — unmittelbar vor dem Anbruch des Messiasreiches.

Da kann man schon mit Hoheld. 6, 10 fragen: “Wer ist sie, die hervorglänzt wie die Morgenröte, schön wie der Mond, rein wie die Sonne, furchtbar wie Bannerscharen?”

Nach Jes. 66, 7-9 ist dieses endzeitliche Weib zweifellos “Zion” — also Israel — allerdings geschaut in einem bestimmten Wachstums- und Reifegrad.

So kann ich hierin Heinrich Langenberg nicht zustimmen, der im SONNENWEIB die aus dem HIMMLISCHEN JERUSALEM geborene, vollausgereifte Gemeinde sah (etwa im Sinne von Eph. 4, 13). Freilich gibt er uns damit einen wertvollen Hinweis. Gal. 4, 26 bezeugt nämlich: “Das JERUSALEM DROBEN ist frei, welche unser aller Mutter ist.”

Das Himmlische Jerusalem ist das metaphysische “gebärende” Zentrum sowohl der Erstlingsgemeinde aus Israel und den Nationen, als auch für alle künftigen Heilsgeburten in Israel selbst. Es ist natürlich in erster Linie Zentrum und “Mutter” des irdischen Israel.

Hebr. 12, 22 kann darum mit Recht den Gliedern der Christusgemeinde zusichern, sie seien im Geiste “zum BERGE ZION und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem HIMMLISCHEN JERUSALEM, gekommen”.

Nun müssen wir aber bei dem vorliegenden Text aus Offb. 12 eines beachten: Das Sonnenweib erscheint einmal als ZEICHEN IM HIMMEL und zum anderen im LANDE ISRAEL, in der Wüste.

Was Johannes im Himmel schaut, ist wirklich das HIMMLISCHE JERUSALEM. Dieses ist das ideale Israel im Sinne der göttlichen Hoffnung und Zielperspektive. Es ist die “Mutter” aller Wiedergeburten und Heilsträger auf Erden, also auch der Gemeinde Christi. In vollkommener Weise und Ausgestaltung stellt es dar: die 12 Stämme des ganzen Israel (12 Sterne); die herrliche Stellung (eine Krone auf dem Haupte); die von Christus verliehene Würde und Lichtesklarheit (bekleidet mit der Sonne) und den Triumph über den Satan und seine Mächte (der Mond liegt unter ihren Füßen).

Das einzige, was dieses vollkommene Herrlichkeitsbild zu stören scheint, ist das “Schreien in Geburtswehen und Geburtsschmerzen”. Doch darin besteht ja gerade die große Aufgabe ihres Brückenschlages zum irdischen Israel: dieses durch die Zeiten hindurch zur Wiedergeburt aus Gottes Geist zu führen und es aus seiner Unvollkommenheit zum selben idealen und vollkommenen Zustand zu leiten, wie ihn das Sonnenweib im Himmel, das Jerusalem droben als die Braut des Lammes hat (Offb. 21, 2). Und solange dieses Ziel noch nicht völlig erreicht ist, währt der scheinbar notvolle und gerichtsmäßige Zustand des Schreiens in Geburtswehen.

Das “Weib im Lande”, in der Wüste, ist nun gleichsam der irdische Ableger des himmlischen Jerusalem. Es gibt ja einen himmlischen Zion (Hebr. 12) und einen irdischen Zion (Jes. 2); ein himmlisches Jerusalem und ein irdisches Jerusalem; die Versammlung der Erstgeborenen in den Himmeln (Hebr. 12) und eine irdische Volksversammlung Israels samt der sichtbaren Gestalt der Gemeinde.

Das WEIB IM LANDE ist nun nicht etwa das “aus dem Himmel herabgeworfene Sonnenweib” — etwa so, wie Offb. 12 den Sturz des Drachen vom Himmel auf die Erde schildert! Das Herabkommen des himmlischen Jerusalem wird ja erst für die neue Erde erwartet (Offb. 21). Das Weib im Lande ist vielmehr das erweckte orthodoxe Judentum auf dem Wege zum Ziel, auf dem Wege, seinem himmlischen Idealbild gleich zu werden. In solchem endzeitlichen Werden schreit es in Geburtswehen, leidet es unter den Wehen der endzeitlichen Gerichte (Matth. 24, 8), den Geburtswehen der Wiedergeburt und einer neuen Weltzeit.

Daß wir das Weib im Lande vom “Sonnenweib im Himmel”, das irdische Weib vom himmlischen unterscheiden müssen, läßt sich schon daran erkennen, daß es noch vom Drachen verfolgt wird, also den “Mond” (den Satan) noch nicht “unter ihren Füßen” hat. Für dieses Weib gilt noch, wie auch für die Christusgemeinde der Gegenwart, als eine zukünftige Hoffnung, was in Röm. 16, 20 geschrieben steht: “In Kürze wird der Gott des Friedens den Satan unter eure Füße zerschmettern!”

Noch bedarf es eines Zufluchtsortes, noch braucht es göttliche Bewahrung im Zugriff feindlicher Mächte! Doch noch vor seiner Vollendung im Lichte Jesu wird dieses Weib von Geburtswehen ergriffen, wie sie so erschütternd in Jes. 26, 16-19 beschrieben werden:

“Jahwe, in der Bedrängnis haben sie Dich vermißt; als Deine Züchtigung sie traf, ergossen sie flüsterndes Gebet. Wie eine Schwangere, die dem Gebären nahe ist, sich windet und in ihren Wehen schreit: also sind wir gewesen, Jahwe, fern von Deinem Angesicht. Wir gingen schwanger; wir wanden uns; es war, als ob wir Wind geboren hätten; Rettung verschafften wir dem Lande (= Israel) nicht, und die Bewohner des Erdkreises (= der Nationen) wurden nicht geboren.”

Doch dann tröstet der Gott der Wiedererstattung das gequälte Israel: “Deine Toten werden aufleben, meine Leichen wiedererstehen!” Man erinnere sich an Hes. 37! Auch im Todes- und Verwesungszustand sind die Söhne Israels “Geliebte um der Väter willen” und “Gottes Leichen”!

Endzeitliche Geburtswehen

Worin bestehen nun die schmerzhaften Geburtswehen, unter denen der “männliche Sohn” vom Weibe, vom rechtgläubigen (orthodoxen) Israel, geboren wird?

Zum einen sind es die “Wehen der endzeitlichen Gerichte”, von denen Jesus in Seinen Endzeitreden spricht, um mit diesem Bilde zugleich auf den Sinn jener letzten schrecklichen Gerichte hinzuweisen: Wehen führen zu einer Geburt, — zur Neugeburt Israels und der Welt!

Doch haben die schmerzhaften Geburtswehen, in denen das Sonnenweib sich windet und schreit, noch einen anderen Sinn: Es ist die für das orthodoxe Judentum überaus schmerzliche Erkenntnis: Jesus von Nazareth ist doch der Messias Israels! Aus dieser schmerzlichen Erkenntnis wird schließlich der “männliche Sohn” herausgeboren, — jene Erstlingsschar messiasgläubiger Erstlinge in Israel.

Ich werde hierbei immer an Saulus von Tarsus erinnert, der sich selbst als eine “Frühgeburt” aus Israel bezeichnete (1. Kor. 15, 8). Wie vernichtend hatte doch die Herrlichkeitserscheinung des erhöhten Christus vor Damaskus auf ihn gewirkt! Wie schmerzlich waren jene drei Tage, als er hinter verschlossener Tür erblindet am Boden lag, nichts aß und nichts trank und zu dem lebendigen Gott schrie! Nichts anderes hat er erwartet als die “Gnade” der Vernichtung durch Gottes Zorn. Doch als Ananias (= Antwort Jahwes, Wolke Jahwes) ihn mit dem Brudernamen grüßte und ihm die Hände auflegte, “fiel es sofort wie Schuppen von seinen Augen, und er wurde sehend, stand auf und wurde getauft” (Apg. 9, 18). Der äußeren Herrlichkeitsoffenbarung des Christus folgte nun die Innenoffenbarung Seiner Messiaswürde, als “Gott Seinen Sohn in ihm enthüllte” (Gal. 1, 16). Welch feines Bild für das Judentum der Endzeit und für den Schmerz seiner geistlichen Wehen, die es erleiden wird, wenn die Decke der Blindheit von seinen Augen genommen wird!

Solche schmerzhafte Erkenntnis wird durch das neubelebte Zeugnis von MOSES und den PROPHETEN hervorgerufen, ist also noch nicht der Innewohnung des Heiligen Geistes zuzuschreiben. Nicht von ungefähr werden in Mal. 4, 4-6 sowohl MOSES als Repräsentant des Gesetzes, als auch ELIAS als Repräsentant des Prophetentums erwähnt.

Diesen Tatbestand erhellt auch Offb. 12, 17. Dort wird berichtet, wie der Satan Krieg führt mit dem Überrest des Samens des Sonnenweibes (also mit jener Schar von Juden, die zwar der erneuerten Orthodoxie angehören, aber noch nicht zum Messiasglauben des “männlichen Sohnes” hindurchgefunden haben); diese werden gekennzeichnet als solche, “die die Gebote Gottes (also die Thora) halten” und “das Zeugnis Jesu haben”.

Wiederum geraten wir auf ein falsches Geleise, wenn wir den zweiten Ausdruck mit pietistischen Gehalten füllen, wie “Zeugnis von Jesus geben”, oder wenn wir ihn gar gleichsetzen mit dem paulinischen “Zeugnis des Geistes, daß wir Kinder Gottes sind”. Wir sollten hier die Offenbarung selbst oder das Alte Testament befragen, das ihr eigentliches Fundament bildet.

Offb. 19, 10b gibt uns den Schlüssel der Deutung: “Das Zeugnis Jesu ist der Geist der Prophetie”. Zum wiedererweckten Wort des Gesetzes fügt sich das vom Geist erneuerte und erhellte Prophetenzeugnis und damit ein sich mehrendes Verständnis der Propheten Israels; dem Einfluß beider aber ist es zu danken, daß sich in dem orthodoxen Judentum der Endzeit die schmerzhafte Erkenntnis Bahn bricht: Jesus ist doch der Messias!

Daß dies nicht sofort zum Christusglauben führt, wie wir ihn kennen, kann uns schon das Bild der Wehen verdeutlichen: diese geschehen ja auch in mehreren Schüben, bis endlich unter Schmerzen die eigentliche Geburt erfolgt.

Das letzte Buch der Bibel heißt ja eigentlich “Enthüllung Jesu Christi” — eine Enthüllung vornehmlich für das jetzt noch blinde Israel. Es ist eine einzige großartige Antwort auf die nächtliche Nikodemusfrage: “Wie mag solches (nämlich die Wiedergeburt Israels) zugehen?” Auf diese Frage bezogen, hat das 12. Kapitel geradezu eine Schlüsselstellung inne. —

Der Sohn des Sonnenweibes: 144.000 Erstlinge Israels

Wer ist nun jener “männliche Sohn”, der unter schmerzhaften Erkenntnissen aus dem orthodoxen Judentum geboren wird? Ich kann in ihm nur die gleiche Schar sehen, welche die Offenbarung mit den 144.000 messiasgläubigen Erstlingen der Stämme Israels bezeichnet. Dies soll aber nicht um einer voreiligen Vereinfachung willen geschehen! Wir meinen vielmehr damit einer typischen Eigenart der Propheten zu entsprechen, die ein Thema “liebevoll umkreisen”, um in immer neuen Wendungen, Symbolen und Bildern darauf zurückzukommen. Dies ist ein Denken, das sich konzentrisch um einen Mittelpunkt bewegt, oder, besser noch, wie eine Spirale um eine Achse. Auf immer neuen Ebenen wird das Generalthema beschaut und durchdrungen.

Warum aber solche Sorgfalt, warum die scheinbaren Wiederholungen und die Mühe, die einer Thematik gewidmet wird? Können wir es uns überhaupt noch vorstellen, was es für den Propheten und Apostel Johannes bedeutete, daß alle Apostel vor ihm dahinstarben, ohne die Entrückung der Gemeinde zu erleben? — daß Israel sich völlig dem Evangelium des Christus verschloß; — daß er die Zerstörung des Tempels, der Stadt Jerusalem und des Landes Israel miterleben mußte; — daß sich die nahe erwartete Christuswiederkunft immer mehr verzog; — daß statt des messianischen Herrlichkeitsreiches sich das “antichristlich” geprägte Römische Imperium immer machtvoller durchsetzte …? Da brannte in seiner Seele die eine Frage: Haben sich etwa die Propheten und Jesus, der Herr, geirrt? Das sei ferne! Ganz Israel wird gerettet werden! Die Weissagungen werden sich erfüllen! Aber: Wann und wie wird dies und kann dies überhaupt noch geschehen? Darum steht der Aufschub der 70. Daniel’schen Jahrwoche sowie das endzeitliche Werden der Errettung Israels so sehr im Brennpunkt seines prophetischen Interesses.

Er schaut nun die 144.000 messiasgläubigen Israeliten der Endzeit, die wir in dem “männlichen Sohn” verkörpert sehen, in verschiedenen Stufen der Ausreife und des geistlichen Werdens. Eine solche Betrachtungsweise kennen wir ja auch aus dem apostolischen Zeugnis über die Glieder der Christusgemeinde und ihr Werden; so heißt es in Röm. 8, 29-30:

“Denn welche Gott im voraus erkannt hat (1), die hat Er auch im voraus bestimmt, dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig zu werden (2), damit Er der Erstgeborene unter vielen Brüdern sei. Die Er aber im voraus bestimmt hat, diese hat Er auch gerufen (3); und die Er gerufen hat, diese hat Er auch gerechtfertigt (4); welche Er aber gerechtfertigt hat, diese hat Er auch bereits verherrlicht (5).”

Wunderbare Stufen der Heilsentfaltung!

So schauen wir in der Offenbarung, der Christusenthüllung für Israel:

in Kapitel 7, 1-8: die Versiegelung der 144.000 (d. h. ihre Vorherbestimmung und Auserwählung);
in Kapitel 11: ihre Berufung in Zeit und Raum durch den endzeitlichen Zeugenruf der “beiden Ölbäume” in Jerusalem;
in Kapitel 12, 1-6: ihre Ausgeburt (”Wiedergeburt”) aus dem Sonnenweib, das Hindurchdringen in das neue Leben der Rechtfertigung, und ihre Entrückung zu Gottes Thron;
und in Kapitel 14, 1-5 finden wir sie folgerichtig als solche, die mit dem Lamme auf dem himmlischen Zion stehen und vor dem Throne als “Erstlinge des Landes” und als “aus dem Lande Erkaufte” ein neues Lied singen (V. 3b und 5).

Offensichtlich fällt ihre Entrückung und Vollendung vor dem Throne Gottes — in der Mitte der letzten 7 Jahre dieses Äons — mit dem Herabsturz Satans und seiner Mächte auf die Erde zusammen, vielleicht sogar mit der Entrückung der Gemeinde des Leibes Christi. Sollte diese früher stattgefunden haben, dann mündet die Entrückung und Verherrlichung der 144.000 zweifellos in sie ein. Denn sie werden ja, wie die Heiligen des Alten Bundes, “nicht ohne uns”, d. h. aber “mit uns vollkommen gemacht” (Hebr. 11, 40). —

Wenn wir alles noch einmal überdenken, was bisher über die Wiederherstellung des orthodoxen Judentums in Israel ausgeführt wurde, dann wird uns auch klar, warum die Endzeitprophezeiungen des Propheten Daniel ein gläubiges, thoragebundenes Judentum geradezu voraussetzen!

Der Bund des Antichristen mit dem Judentum

Der Antichrist schließt danach mit den “Vielen”, also mit der Masse des Volkes, einen Bund für 7 Jahre. Dieser Siebenjahrespakt ist jedoch weniger ein Kulturabkommen und ein wirtschaftlich-militärischer Beistandspakt, sondern in erster Linie ein Vertrag, der die religiöse Freiheit des Judentums, die Wiedererrichtung des Tempels samt der Ausübung des Tempelkultus und der Opferhandlungen garantiert.

Was tut der Antichrist nämlich, wenn er in der Mitte dieser Jahrwoche den Bund bricht? Er läßt die Schlacht- und Speisopfer aufhören, schafft das beständige Opfer ab, wirft die Stätte des Heiligtums nieder, plant eine Änderung der heiligen Festzeiten und des Gesetzes Israels und ergrimmt gegen den heiligen Gottesbund; er entweiht das Heiligtum, indem er dort den “Greuel der Verwüstung” aufstellt und sich selbst zum Gott proklamiert, und verleitet das gesetzestreue Israel zum Abfall (Dan. 7, 25; 8, 10-13; 9, 27; 11, 29-32).

Ich habe mich lange gefragt, wieso der falsche Messias nach einem 3½-jährigen israelfreundlichen Religionsbündnis plötzlich die Maske fallen läßt, den Bund bricht und die gesetzestreuen Juden zu vernichten sucht.

Nun: Auch das orthodoxe Judentum geht noch einmal einer großen Tragödie entgegen! So sehr wir uns auch darüber freuen, daß gläubige Juden das messianische Zeitalter “einläuten” und auf das Kommen des Messias und Seines Reiches warten, so wissen wir doch: Es wird der Antichristus, der Lügenmessias sein, dem sie anheimfallen werden! Jesus hat es ihnen klar gesagt: “Ich bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmt mich nicht auf; wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, ihn werdet ihr aufnehmen!” (Joh. 5, 43).

Der Antichrist wird durchschaut und Jesus als Messias erkannt

In der Mitte der Jahrwoche aber gedenkt der lebendige Gott Seines Erbarmens und belebt “Sein Werk” durch ein großes geistliches Erschrecken (Hab. 3, 2). Solange der Sohn des Verderbens nur bezeugt: “Ich bin der Messias!”, öffnet sich ihm Israel; sobald er sich jedoch “in den Tempel Gottes setzt und sich selbst als Gott darstellt” (2. Thess. 2, 4), kommt es zum großen Bruch; das orthodoxe Judentum versagt ihm hierin seine Gefolgschaft und erkennt ihn als den Meister der Lüge. Wie in den Tagen Jesu wird sich dem gesetzestreuen Judentum alles an der Gottesfrage entscheiden, also daran, daß ein Mensch sich selbst als Gott darstellt. Was damals zum Fluche für Israel wurde, wirkt sich in den letzten Jahren dieser Weltzeit zum Segen aus!

Und genau zu diesem Zeitpunkt beginnen die “Geburtswehen des Sonnenweibes”, — doppelt schmerzhaft, weil die gesetzestreuen Juden erkennen werden, daß sie dem Betrüger gefolgt sind, zugleich aber, daß Jesus von Nazareth der Messias Israels war, ist und bleibt. Es ist nur folgerichtig, wenn der Antichrist nach dieser jüdischen “Aufkündigung” nun den Bund seinerseits bricht, und wenn der Satan durch seinen Statthalter jeden gläubigen Juden zu vernichten sucht. —

Schritte auf dem Wege zur Erneuerung Israels. — Dieser Weg wird nicht ohne Schmerzen und Opfer vor sich gehen. Als David zum zweiten Male die heilige Bundeslade nach Jerusalem herauftragen ließ, “so geschah es, wenn die Träger der Lade Jahwes jeweils sechs Schritte gegangen waren, so opferte er ein Rind und ein Stück Mastvieh” (2. Sam. 6, 13).

Letzten Endes sind es die Schritte des Messias, die Fußspuren des Christus, die Israel in seiner Endgeschichte nachvollziehen wird. Er schreitet machtvoll voran und ebnet die weltgeschichtliche Bahn. Schritt für Schritt geht der Weg dem Ziele der Vollendung zu.

Trotz des Hohnes der Feinde Christi und Israels werden sich die “ikwoth ha maschiach”, die Fußspuren des Messias, immer deutlicher darstellen (Ps. 89, 51). Der Talmud deutet sie als die “Signale des endzeitlichen Messias”. — Wir aber dürfen als Erstlinge Seines Geistes schon jetzt in Seinen Fußspuren wandeln (1. Petr. 2, 21).

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 3/1978; Paulus-Verlag, Heilbronn)

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