Was haben ökologische und politische Katastrophen mit der Buße des Menschen zu tun?
Autor: Mössinger, Manfred | Kategorie(n): Gerichte Gottes, Israel, Völkerschaften | 853 x gelesen(Nach einer Tonbandaufnahme eines Vortrags über Joel 1 und 2; überarbeitet und vom Verfasser durchgesehen)
Der Prophet Joel weist im ersten Kapitel seines Buches auf eine für uns Heutige höchst aktuelle Tatsache hin. Er macht dort deutlich, daß zwischen Katastrophen in Natur oder Politik und der Sünde des Volkes Israel, ja der Sünde der ganzen Menschheit, ein direkter und indirekter Zusammenhang besteht. Das heißt, diese Katastrophen ereignen sich nicht zufällig. In den Naturkatastrophen handelt Gott selbst. Sie sind Gerichte Gottes. In ihnen handelt Gott; denn es gibt ja kein Unglück, das der Herr nicht tut. Das ist ein Aspekt, den wir bei Joel ganz deutlich erkennen. Ich möchte dazu heute in 7 Punkten etwas sagen:
- Wir leben in einer Zeit nie dagewesener ökologischer Gefahren.
- Joel bringt die ökologische Katastrophe in Zusammenhang mit der Sünde des Volkes Israel.
- Auch politische Katastrophen haben etwas zu tun mit menschlicher Sünde und göttlichem Gerichtshandeln.
- Lösungsversuche ohne Buße müssen scheitern.
- Was sagen wir unseren Kindern?
- Gerichte Gottes können durch Buße und Umkehr aufgehalten oder reduziert werden.
- Gott läßt einmal, in Israel beginnend, nach gründlicher Buße den Segen zurückkehren.
1. Wir leben in einer Zeit nie dagewesener ökologischer Gefahren
In den Versen 1-4 des 1. Kapitels spricht Joel von einer katastrophalen Gleichgewichtsstörung in der Ökologie der Fauna. Wer will, kann in den vier Ausdrücken des 4. Verses — Nager, Heuschrecke, Abfresser, Vertilger — vier Stufen der Metamorphose eines einzelnen Insektes sehen; man kann sie auch als vier verschiedene Insekten auffassen. Auf jeden Fall bricht über die Bauern in Israel eine so große Katastrophe durch Insekten herein, daß das Land an den Rand einer Hungersnot gerät. Wie wir an späterer Stelle lesen, verfault der Same in der Scholle, die Vorratskammern sind leer, und das Opfer im Tempel bleibt aus (V. 17 und V. 9); es ist nichts mehr zu opfern und nichts mehr zu essen da. Es findet eine schwere Gleichgewichtsstörung in der Ökologie der Tiere statt. (Ökologie = Beziehungen der Lebewesen zur Umwelt; Haushalt in der Tier- oder Pflanzenwelt.)
Es ist heute unbestritten, daß wir in den letzten 20 bis 30 Jahren in diese Ökologie, in den Haushalt der Natur, im Zuge der hochentwickelten Landwirtschaft, die wir betreiben, entscheidend eingegriffen haben. Wir bekämpfen z. B. eine Unmenge von Insekten durch Schädlingsbekämpfungsmittel. Dabei ist klar: Wenn ich ein Insekt bekämpfe, dann wird sein Gegner überhandnehmen, der bislang den Ausgleich schuf. Wie gründlich haben wir die Maikäfer vertilgt! Früher war das für uns noch ein Spaß, im Mai in der Frühe des Morgens, wenn es noch kühl war, die Kirschbäume zu schütteln und die Mengen von Maikäfern einzusammeln, die da herunterkamen und für die wir sogar pro Kilogramm etwas Geld bekamen. Inzwischen haben wir sie vertilgt. Wir haben aber noch viel mehr vertilgt, wir haben den gesamten ökologischen Haushalt außer Rand und Band gebracht, und das ist nur sehr schwer wieder gutzumachen.
Als ich in diesem Sommer einmal auf der Alb war, kam ich dort mit zwei Männern ins Gespräch, die dabei waren, ein Naturschutzgebiet abzustecken. Sie erzählten mir, wie viele Schmetterlinge, Vögel und andere Tierarten jedes Jahr in Deutschland aussterben. Andere wieder nehmen überhand und werden zur Plage. Singvögel sind verschwunden oder in der Zahl reduziert worden.
Wir stehen heute — ähnlich wie zur Zeit des Joel — im Ungleichgewicht der Ökologie der Fauna. Damals mag es sich um eine Einzelkatastrophe gehandelt haben, die sich wieder regulierte; heute stehen wir weltweit vor ganz neuen ökologischen Problemen.
Joel hat damals bezeugt: Solches war noch nie da (Kap. 1, 2.3), und auch heute leben wir in einer unvergleichlichen Zeit, mit Gefahren, die es nie zuvor gegeben hat — auch wenn immer wieder Kommentatoren behaupten: Das alles hatten wir vor hundert Jahren auch schon. Ich glaube nicht, daß Joel falsch informiert war, wenn er sagte: So etwas ist in der vergangenen Geschichte noch nie dagewesen.
2. Joel bringt die ökologische Katastrophe in Zusammenhang mit der Sünde des Volkes Israel
Das Entscheidende ist nun: Die Propheten des Alten Testaments — und so auch Joel — bringen derartige Katastrophen in Zusammenhang mit der Sünde des Volkes, mit dem Bereich von Gehorsam und Ungehorsam. Ich weiß, daß ich mich mit dieser Feststellung auf ein seelsorgerlich gefährliches Pflaster begebe. Es könnte nämlich jemand, den der Herr schwere Wege führt — sei es körperliche Krankheit, eine notvolle Familiensituation oder ein beruflicher Mißerfolg — auf den Gedanken kommen: Was muß ich wohl für ein besonders schlimmer Sünder sein, weil gerade mir solches widerfährt! Ich möchte deshalb sehr bitten, diesbezüglich mit Pauschalurteilen vorsichtig zu sein! Was aber die Weltsituation insgesamt betrifft, so bin ich auch von anderen Bibelstellen — etwa Offenbarung 16 — her der Überzeugung, daß die Naturkatastrophen — auch die Erdbeben — weiter zunehmen werden, und zwar in immer schnellerer Folge. Sie werden häufiger in der Frequenz und stärker in ihren Ausmaßen. Und ich bin auch überzeugt, daß diese Dinge etwas mit dem Zorn Gottes zu tun haben (siehe Offenb. 6, 12-17).
Sage ich zuviel, wenn ich behaupte, daß wir heute in der Natur unheimliche klimatische Veränderungen erfahren? Ich nenne nur ein Stichwort: Sahelzone. Dort haben wir eine Zunahme der Bevölkerung und die schlimmsten Hungersnöte. Dort breitet sich immer gewaltiger eine Dürrezone aus, so daß — wie in Joel 1 — die Saat verdorrt und die Vorratshäuser leer sind. — Wer einmal in Israel war, der weiß, daß schon wenige cm weniger Regen, der im Winter fallen soll, für das nächste Jahr für manche Gewächse eine Mißernte bedeuten kann. Wie leicht die klimatischen Verhältnisse dort in Gefahr geraten, weiß jeder, der einmal in Israel mit Experten darüber gesprochen hat. Diese Ereignisse haben nach Joel etwas mit der Sünde des Volkes, mit Gehorsam oder Ungehorsam zu tun.
Gilt das nicht auf manchen Gebieten auch für unser eigenes Leben? Wie stolz und selbstgefällig können doch auch wir Frommen manchesmal noch sein! Wenn ich mich aber in meinem Innern selber lobe und mir sehr wichtig vorkomme und mich über andere erhebe, dann läßt Gott Demütigungen kommen. Ich empfinde das dann nicht als Katastrophe, sondern als eine liebende Pädagogik meines Herrn; denn wenn Er uns demütigt, macht Er uns groß, und alle Seine Gerichte sind ja letzten Endes
ein Mitrichten mit Christus,
ein Aufrichten mit Christus,
ein Herrichten in Christus,
ein Zurichten hin zu Christus,
aber nie ein Hinrichten. Er will uns ja alle — das ist eines Seiner Heilsziele —einmal ohne Flecken und Runzeln darstellen (Eph. 5, 27).
Ich sehe Zusammenhänge, Brüder und Schwestern, zwischen ganz bestimmten pädagogischen Gerichtswegen der Liebe Gottes und unserem Verhalten. Haben wir nicht schon einmal im Blick auf andere Leute gedacht: “Nein, das ist ja unmöglich, wie die ihre Kinder erziehen; dabei kann ja nichts Gutes herauskommen!” Dann haben wir uns innerlich weit über die andern erhoben — bis irgend etwas passiert, bis vielleicht eines unserer Kinder eine schlechte Note heimbringt, und wir werden ganz klein! — Doch wir wollen uns wieder dem Propheten Joel zuwenden:
3. Auch politische Katastrophen haben etwas zu tun mit menschlicher Sünde und göttlichem Gerichtshandeln
“Eine Nation ist über mein Land heraufgezogen, mächtig und ohne Zahl”, lesen wir in Joel 1, 6. Bei mehreren alttestamentlichen Propheten können wir nachlesen, daß die große Gefahr für Israel aus dem Norden kommt. So heißt es auch in Joel 2, 20 (Elbf. Übs.): “Ich werde den von Norden Kommenden von euch entfernen …” Dieses Heer wird erstaunlicherweise in Kap. 2, 11 das Heer Gottes genannt. Hier wird ein falscher Dualismus abgelehnt; und auch wir dürfen nicht teilen und trennen zwischen Dingen, die von Gott kommen, und solchen, die nicht von Ihm kommen. Mag es sich auch um Heere eines irdischen Feindes handeln, es sind im Grunde genommen die Heere des lebendigen Gottes, die einen Auftrag Gottes — Luther würde sagen: einen Auftrag linker Hand — ausführen. Mit der “rechten Hand”, so lehrte Luther, treibe Gott das Werk des Evangeliums, mit der “linken Hand” das fremde Werk der Gerichte. Aber auch durch die Gerichte — das hat Luther noch nicht ganz gesehen — will Gott zu den Zielen Seiner Liebe, zur Herstellung einer neuen Schöpfung und Welt gelangen. Deshalb Joel 2, 11: “Der Herr läßt vor Seinem Heere her Seine Stimme erschallen, denn Sein Heerlager ist sehr groß, denn der Vollstrecker Seines Wortes ist mächtig.”
Hierzu muß ich allerdings noch etwas bemerken. Wenn Israel von einer politischen Katastrophe getroffen wird, dann ist das etwas anderes, als wenn sie Deutschland oder England oder Frankreich trifft. Und wenn Israel um Frieden betet, so ist das nicht dasselbe, wie wenn wir in Deutschland um Frieden beten. Warum nicht? Israel ist als Ganzes, als Volk, als Ethnie von Gott erwählt worden. Es gibt sonst keine Nation, die als ganze von Gott erwählt wurde. Vielmehr holt Gott in dieser Zeit aus den Nationen, und so auch aus der deutschen Nation, die Auswahl der Gemeinde Jesu heraus. Das sind immer nur wenige. Darum gibt es streng genommen nicht “die deutschen Christen” oder “die amerikanischen Christen” — es gibt nur Christen in Deutschland, Christen in Amerika. Und dennoch glaube ich, daß die politischen Ereignisse unserer Tage einen weltweiten Zusammenhang haben mit dem Säkularisierungsprozeß, dem Prozeß einer antichristlichen Ausreife, in dem wir mitten drinstehen. Deshalb gibt es in dieser Welt — nach dem 2. Psalm — immer mehr eine Auflehnung gegen Gott und Seinen Gesalbten, und der Höhepunkt wird einmal dadurch erreicht werden, daß sich die Völker oder ihre Abgesandten im Tale Hinnom versammeln, um vereint in der Anbetung des Antichristen, gegen Gott anzutreten.
Auch die politischen Katastrophen stehen im Zusammenhang mit der Sünde und sind ein Gerichtshandeln des lebendigen Gottes.
4. Lösungsversuche ohne Buße müssen scheitern
Die Lösungsversuche, die heute angestellt werden, um etwa die klimatischen, die politischen und die wirtschaftlichen Probleme in Israel und in der Welt zu lösen, müssen notgedrungen alle scheitern, solange sich der Mensch von sich aus — ohne nach Gott zu fragen und ohne das dahinterstehende Gerichtshandeln Gottes zu erkennen — um eine Lösung bemüht. Eine Lösung der Probleme ist nicht möglich durch bloße Umstrukturierung, durch Sitzungen und Planungen, sondern nur auf einem ganz anderen Weg. Das läßt uns Gott durch die Propheten immer wieder ganz deutlich sagen. Die Weltprobleme löst auch die Kirche nicht — und auch die Ökumene nicht. Es ist Schwärmerei, zu meinen, wenn man bestimmte Befreiungsbewegungen, etwa in Afrika, unterstütze und politische Strukturen ändere, breche das Heil für diese Menschen an. Das ist ein verkehrter Weg und zugleich ein sehr hochmütiges Unterfangen. Ohne Buße und Umkehr zu Gott gibt es keine echte Hilfe.
Das gilt, Brüder und Schwestern, auch für unsere persönlichen Probleme und unsere Familienprobleme. Auch die lösen wir nicht mit nur äußerlichen Mitteln. Wir können Schwierigkeiten, die durch die Sünde entstanden sind und in denen Gott gerichtsmäßig zu uns reden will, nicht einfach mit finanziellen Mitteln aus der Welt schaffen, auch nicht durch Verschweigen und Zudecken, sondern nur, indem wir auf die Knie gehen und uns beugen. Joel sagt: Wehklaget und heulet, schreiet zu Jehovah, kleidet euch in Sacktuch, rufet ein Fasten aus! (Dieses Fasten neutestamentlich zu interpretieren, wäre eine Sache für sich.) Das ist der einzige Weg! Wie viele stolze menschliche Klimmzüge unternehmen wir statt dessen oft, um bestimmte Dinge in unserem Leben aus dem Wege zu räumen. Und wie vieles probiert die Welt, wieviel hat sie bis zum heutigen Tag ausprobiert, um ihrer Probleme Herr zu werden; da gibt es Sitzung auf Sitzung, Tagung auf Tagung, UNO-Versammlungen und Streit und Krieg. Auch der Krieg zwischen Iran und Irak ist ja im Grunde nichts anderes als der Versuch, ein Problem, ein religiöses Problem, mit Waffengewalt zu lösen. Es löst sich nicht.
Die Propheten zeigen uns einen völlig anderen Weg, den Weg der Buße. Und darum ertönt der Ruf zur Umkehr überall bei den Propheten. Allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt; denn auch Joel sagt (Kap. 2, 12): Jetzt noch — jetzt noch! Das habe ich mir ganz dick unterstrichen. Wir wissen nämlich von anderen Propheten, denen Gott eines Tages verboten hat, für eine bestimmte Stadt oder für einen bestimmten Mann noch zu beten. Dem Samuel sagt Gott: Wie lange willst du um Saul trauern? Ich habe ihn verworfen! Oder ich denke an Jeremia, dem Gott einmal gesagt hat: Von jetzt ab will ich nicht mehr von dir gebeten sein für dieses Volk; der Zenit ist überschritten; jetzt müssen die Gerichte sprechen!
Warum bedarf es denn eigentlich der Gerichte? Ein lieber Bruder aus dem Schwabenland hat einmal gesagt: “Wenn wir nicht mehr auf das Wort-Salz achten — nicht mehr hören und nicht mehr folgen —, dann gebraucht Gott in Seiner großen Gnade eben das Kreuzes-Salz.” Außerdem dienen Gerichte Gottes immer dazu, die Erde von Sünde zu reinigen und dem neuen Wirken des Geistes Gottes Platz zu machen.
5. Was sagen wir unseren Kindern?
Einer der Brüder fragte mich in diesen Tagen: “Was haben wir denn nach Joel 1 unseren Kindern zu sagen?” — Gestern abend hatten wir wieder einmal Zeit, mit der ganzen Familie außer unserem Jüngsten zusammenzusitzen. Wir unterhielten uns über Endzeit-Prophetie, das hat sich ganz von selbst so ergeben. Eines unserer Kinder sagte: “Papa, du bist jetzt 50; so alt werden wir nicht mehr!” — Ich fragte: “Wieso?” — Dann sagte es: “Guck’ dir’s doch nur mal an: Energieversorgung, Umweltverschmutzung, Rohstoffverknappung, Bevölkerungszunahme …” — das ist gelaufen wie am Schnürle. Am Schluß unseres Gesprächs, bevor wir noch miteinander gebetet haben, zogen wir dann folgendes Fazit:
Wir wollen so leben, daß Jesus heute nacht kommen könnte —
und wir wollen so arbeiten, als dauerte es noch 100 Jahre!
Daß dies alle Fragen abdeckt, will ich nicht behaupten. Doch in dieser Polarität des Wartens und Dienens sollte sich unser Leben abspielen (vgl. 1. Thess. 1, 9-10). Laßt uns im Lichte wandeln, wie Er im Lichte ist, damit wir bereit sind, wenn Jesus heute Nacht kommt. Und auf der anderen Seite: Geh’ so an die Arbeit, als ginge es noch 100 Jahre! Dies ist eine der Polaritäten der Heiligen Schrift, deren es viele gibt. Wer sie auflöst, rutscht einseitig ab. Es gibt z. B. Leute, die von einer Entscheidungsfreiheit des Menschen nichts wissen wollen; da ist alles bis ins Detail vorprogrammiert. Es kommt alles, wie es kommen soll; da kann man gar nichts machen. So sagte mir mal eine Mutter, deren Sohn ein liederliches Leben führte: “Der ist halt noch nicht dran; da kann man nichts machen.” Sie ist eiskalt darüber hinweggegangen. Mich triebe der Schmerz darüber im Gebet zum Herrn. — Das andere Extrem besteht darin, daß man sagt: Es liegt alles in meiner Hand — von meiner Entscheidung hängt alles ab — ich, ich allein entscheide über Himmel und Hölle!
Es gibt Polaritäten, die wir nicht aufheben dürfen. Alles wirkt der Herr, und doch sollen wir unser Heil auswirken mit Furcht und Zittern. Diese Spannung muß ich stehenlassen. Sonst komme ich in irgendeine Gnosis hinein — in ein verkehrtes Denken, ähnlich dem der frühen Gnostiker — oder in einen falschen ängstlichen Eifer, in eine ständige Angst vor der Hölle.
6. Gerichte Gottes können durch Buße und Umkehr aufgehalten oder reduziert werden
Bis zu einem gewissen Punkt haben die Propheten immer wieder zur Umkehr gerufen: “Aber auch jetzt noch, spricht Jehovah, kehret um zu mir mit eurem ganzen Herzen!” (Joel 2, 12). Irgendwann kommt dann der Punkt, wo ein Gericht nicht mehr aufgehalten werden kann und soll. Für unsere Zeit kann ich diesen Punkt nicht festlegen. Noch dürfen wir die Menschen zur Umkehr rufen. Und was geschieht, wenn man umkehrt? Ich möchte es einmal so formulieren dürfen:
Durch Buße und Umkehr können bestimmte Gerichte Gottes, wenn nicht aufgehoben, so doch aufgehalten werden (vgl. Offb. 7, 1-3), wenn nicht für das Ganze, dann wenigstens für einen bestimmten Bereich, in den mich Gott hineingestellt hat und für den Er Buße und Gebet annimmt.
Wenn es anders wäre, wenn die Umkehr gar nichts bewirken würde, dann wäre es ja reine Irreführung, wenn Joel in Kap. 2, 14 in Aussicht stellt: “Wer weiß? Er möchte umkehren und es sich gereuen lassen, und Er möchte Segen hinter sich zurücklassen …”
Gott hat es noch nie gereut, daß Er einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen will. Es hat Ihn noch nie gereut, daß Er Israel erwählt hat. Gott haben noch nie Seine letzten großen Heilsabsichten gereut. Wenn in der Bibel etwas vom Gereuen Gottes gesagt ist, dann steht es immer in Beziehung zum Gericht. Ninive z. B. tat Buße, und es reute den Herrn, die Stadt zu verderben, und der Untergang Ninives wurde hinausgeschoben. Durch die Umkehr des Menschen können demnach Gerichtsschläge Gottes reduziert, eingeschränkt oder gar eine Zeitlang aufgehalten werden.
Umgekehrt aber darf ich sagen: Durch den Ungehorsam des Menschen läßt sich Gott in Seiner Liebe und in Seinem Heilswillen letztlich nicht beirren. Das ist das Große! Das ist überströmende Gnade. “Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade viel mächtiger geworden” (Römer 5, 20).
Das Gericht jedoch — zum mindesten ein zeitweiliges Gericht — kann eingeschränkt oder aufgeschoben werden durch Umkehr und Buße. Deshalb rufen die Propheten so eindringlich zur Umkehr. Und deshalb sagt Joel (Kap. 2, 14), daß es Gott vielleicht gereue, und daß Er die Gerichtsengel noch einmal zurückhält, sie im Himmel bindet und ihnen den Befehl erteilt: Jetzt noch nicht!
7. Gott läßt einmal, in Israel beginnend, nach gründlicher Buße den Segen zurückkehren
Ab Kap. 2, 18 wird es dann im Propheten Joel anschaulich gemacht, wie Gott — nach voraufgehender Buße — den Segen schenken wird. Er wird sich Seines Volkes eifernd annehmen, und Korn und Most und Öl werden wieder da sein. Sein Land wird gesegnet werden. Dann blüht die Landwirtschaft wieder, und dann stimmen auch die Fauna und die Flora und das Klima wieder, ja, dann stimmt auch die Politik wieder. Und wenn Israel neu wird, dann wird auch die ganze Erde neu. Das ist der Angelpunkt, von dem aus Gott denkt. Noch aber ist Entscheidungszeit. Zunächst geht es um die Frage der Buße. Das betrifft unsere Familien, Gemeinden, die Theologie, das Volk, die Regierung. Wo fängt das Gericht Gottes an? Das Gericht beginnt beim Hause Gottes (1. Petr. 4, 17). Das ist die Zielgruppe, die Joel vor allem anspricht: die Priester, die Ältesten, die Diener des Herrn. Und wenn es in der Theologie nicht stimmt, dann stimmt es auch in der Lehre der Kirche nicht, und dann stimmt es auch im Leben nicht. Das ist wie bei einem Architekten, der auf seiner Skizze nur um 1 mm verkehrt zeichnet — das gibt dann in Wirklichkeit einen ganz großen Fehler. Versetzen Sie einmal eine Mauer um 10 cm nach innen oder außen! Und wie vieles wird heute in der Theologie und dann auch in der Verkündigung nicht nur mm-weise, sondern cm-weise verzeichnet! Die Folge ist, daß viele Gemeinden hungern und darben und sich im neutestamentlichen Sinne nicht entfalten.
Ich möchte es aber auch uns ganz persönlich sagen: Liebe Brüder und Schwestern, unsere Kinder schauen auf uns. Wenn ein Vater sündigt, ist das etwas anderes, als wenn ein dreijähriger Bub sich danebenbenimmt. Und wenn im Bundeskanzleramt in Bonn ein Fest mit Hexen und Wahrsagern gefeiert wird, dann hat das schlimmere Auswirkungen als bei anderen Menschen. Denn Gott hat Häupter und Regierungen als Notverordnung für diese gefallene Welt gesetzt, und wenn die ihren Platz nicht mehr ausfüllen, dann brechen ganze Fluten dämonischer Mächte herein. Deshalb bitte ich Sie: Heben Sie heilige Hände auf für unsere Regierung, für unsere Theologen, für unsere Familien und Gemeinden!
Zuletzt aber dürfen wir wissen, daß durch alle kommenden Gerichte hindurch Gott einmal den Segen zurückkehren läßt. Er wird das letzte Wort behalten, und nicht Fluch und Gericht.
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 6/1984; Paulus-Verlag, Heilbronn)


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