Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Fleischliches Versagen und geistliche Erneuerung

Autor: Schadt, Robert  |  Kategorie(n): Glaubensleben & Wandel, Israel, Verwandlung & Erstattung  |  832 x gelesen

(Nach einer Tonbandaufnahme — überarbeitet von Wolfgang Jugel)

“Und es geschah, als David und seine Männer am 3. Tage nach ZIKLAG kamen, da waren die AMALEKITER in den Süden und in ZIKLAG eingefallen; und sie hatten Ziklag geschlagen und es mit Feuer verbrannt” (1. Sam. 30, 1).

Wenn wir solches lesen, erhebt sich doch sofort die Frage: Warum hat Gott dies zugelassen? Hierzu müssen wir in unserer Bibel ein wenig zurückblättern.

Da wird David mit seinen 600 Männern Tag für Tag und Nacht um Nacht von dem verworfenen König Saul gejagt. Einmal birgt er sich in der Höhle Adullam, ein anderes Mal entflieht er in die Wüste Juda; dann wieder weilt er auf einer Bergfeste — und immer weiß er: Die Häscher Sauls verfolgen mich auf Schritt und Tritt! Andererseits hat er die großen Verheißungen Gottes empfangen: Du bist der Gesalbte! Du wirst einmal, König werden! Und schon oft hat er die Erfahrung gemacht, daß Gott auch in der allergrößten Not einen Weg findet, ihn und die Seinigen durchzubringen. 1. Sam. 26, 25 aber berichtet uns von einer Atempause; endlich kehrt einmal Ruhe ein.

Nun können wir aber gar nicht verstehen, was uns Kap. 27, 1 berichtet (dies führte nämlich letztlich zur Vernichtung Ziklags):

“Und DAVID sprach in seinem Herzen: Eines Tages werde ich ja doch durch die Hand Sauls umkommen; nichts kann mir besser sein, als daß ich eilends in das Land der PHILISTER entrinne; dann wird Saul von mir ablassen …”

Damit uns das lebendig wird, müssen wir einmal die Kapitel 1. Sam. 27-29 ganz durchlesen. Ich will nur einige Punkte herausstellen:

David hat einen großen Fehler gemacht, den auch wir begehen, wenn wir gleich ihm in Spannungen und Schwierigkeiten hineinkommen: Daß wir dann mit uns selbst zu Rate gehen und unser eigenes Herz befragen! Stattdessen sollten wir stille werden und uns einmal daran erinnern, wie der lebendige Gott in der Vergangenheit unseres Lebens gehandelt hat und welche kostbaren Verheißungen Er uns für die Zukunft gegeben hat. Dies hätte auch David tun sollen.

Als junger Mann von 17 Jahren wurde er, als der achte der Brüder, von der Herde weggeholt und zum zukünftigen König gesalbt. Gott ließ ihm sagen: Du bist der Geliebte! Dann erschlug er den Goliath in einem Wagemut und Feuereifer ohnegleichen, der das Heerlager des lebendigen Gottes geschmäht hatte, und ganz Israel liebte ihn. Hier setzt aber der Haß Sauls ein, und wir wissen um die schweren Jahre, die er durchzumachen hatte. Aber sein treuer Freund Jonathan, der immerhin 20 Jahre älter war als er, sprach ihm immer wieder Trost zu und ermutigte sein Herz. Doch jetzt kam dieser dunkle Tag fleischlichen Versagens in seinem Leben, wo er sein eigenes Herz befragt und alles vergißt, was der lebendige Gott an ihm getan hat. Welche Quelle der Not in seinem Leben! Darauf kann uns auch der Name ZIKLAG hinweisen, zu deutsch: Ursprung, der Quelle Ergießung.

Wir dürfen vermuten, daß David in jener Zeit das Gebetsleben vernachlässigt hat. Doch gerade aus solchen Nöten und Verzweiflungen entstanden auch die Psalmen Davids; wir müssen einmal auf deren Überschriften achten und dann das jeweilige Hintergrundgeschehen in den Büchern Samuel und Könige nachlesen. Die Psalmen 57 sowie 63 und 142 mögen dafür ein Beispiel geben.

David flüchtet also ins Philisterland, in das Hauptquartier des Todfeindes Israels, zu Achis, dem Sohne Maoks, dem König zu Gath. Er stellt sich ihm als persönliche Leibwache zur Verfügung und bleibt volle 16 Monate im Lande der Philister, der Gottesfeinde. Und im Herzen weiß er: Drüben ist mein leidendes Volk! In dieser selbstgewählten Spannung stand David. — Kennen wir nicht Ähnliches? Da haben wir die gesegnete Gemeinschaft mit Gotteskindern erlebt und Höhepunkte des geistlichen, inneren Lebens erfahren, und wenn wir dann wieder in den Alltag zurückkommen, muß es sich erweisen, ob wir das Gottgeschenkte ausleben oder ob wir jämmerlich versagen. Wenn ich euch die Briefe vorlesen könnte, die mich von den Geschwistern oft nach unseren gesegneten Konferenzen erreichen! Dann kommen Stunden, in denen man wieder in das alte Leben zurücksinkt, wo man wieder das alte Sündenelend erfährt, wo man wieder schmerzhaft die Einsamkeit erlebt, und alles, was man an Segen erfuhr, ist vergessen. Dann schaut man wieder in sein eigenes Herz hinein und rechnet mit diesem trotzigen und verzagten Ding.

Dann sollten wir zurückschauen in unsere Vergangenheit und daran gedenken, wie der Herr uns durch Kriegsnöte, Bombenangriffe, durch Nachkriegselend und ausweglose Verzweiflung hindurchgetragen hat. Wie oft hat die Hand des lebendigen Gottes in unser Leben hineingegriffen und uns wie dem David in 1. Sam. 26 ein “Tor des Entschlüpfens” eröffnet! Doch stattdessen überlassen wir unserem trotzigen und verzagten Herzen die Herrschaft und stranden wie David in der Resignation.

Nun steht er im Philisterlager. Er weiß sein Volk auf der anderen Seite, er gedenkt der Väter und Brüder im Volke Gottes, die er verließ, und weiß um die Bundeslade im Lager Israels. Was soll er tun? Er kann sich selbst aus der Lage nicht wieder herausholen, in die ihn sein Fleisch hineingebracht hat. Doch da greift der lebendige Gott ein, wie es uns in 1. Sam. 29, 2-11 berichtet wird.

Die Philister eröffnen die große Auseinandersetzung mit dem Volke Israel, in der schließlich auch Saul getötet wird. Da verlangt nun der Philisterkönig von David als dem Führer seines Hauptquartiers, daß er ihn beschirme, während auf dem Gebirge Gilboa einige Tage später seine eigenen Brüder gegen die Philister kämpfen müssen. Wir können uns kaum vorstellen, was dies für David bedeutete.

Doch jetzt greift der lebendige Gott ein und holt ihn aus dieser Spannung heraus. Die Philisterfürsten zweifeln seine Vertrauenswürdigkeit an, und unter ihrem Druck schickt der König David weg. Auch in diesem Punkt sollten wir wieder an unser eigenes Leben denken. Wie oft stehen wir doch in einer scheinbar ausweglosen Sackgasse, und keiner kann uns wirklich raten. Doch Gott eröffnet eine Tür, schafft einen Ausweg, so daß wir unerwartet weiterwandern können.

Als nun David aus dem Philisterland nach Ziklag kommt, findet er nach 1. Sam. 30, 1-2 diese Stadt völlig zerstört und verbrannt vor. Die Amalekiter hatten sie überfallen. Dies war ein harter Schlag für David und seine Männer! Ich kann mir vorstellen, daß David hier innerlich erwacht ist und daß ihm klar wurde: Das ist meine Schuld! Die Spannung entlädt sich, in der er 16 Monate lang stand, in denen er sich immer wieder Vorwürfe machte: Ich bin einen Weg gegangen, den ich niemals hätte gehen sollen; ich habe mein eigenes Herz befragt.

Daß nun David aufwacht und seine persönliche Schuld erkennt, ist ein Erweis der wunderbaren Güte und Treue Gottes, der ihn nicht laufen läßt. Lesen wir 1. Sam. 30, 3-4:

“Und David und seine Männer kamen zu der Stadt; und siehe, sie war mit Feuer verbrannt, und ihre Frauen, Söhne und Töchter waren gefangen weggeführt. Da erhoben David und das Volk, das bei ihm war, ihre Stimme, und sie weinten, bis keine Kraft mehr in ihnen war zu weinen.”

Das muß man gesehen haben, was das heißt, wenn Männer weinen — ein furchtbares Bild! Ich habe dies einmal während des Krieges bei der Beerdigung von fünf Kameraden an der Front erlebt. Als die Männer unterm Stahlhelm am Grabe angetreten waren und der Leutnant ihnen in einem Nachruf ihre Kameraden noch einmal vor die Augen stellte, da rollten diesen Männern die Tränen übers Gesicht. Sie weinten und weinten so lange, bis keine Kraft mehr in ihnen war. Ich werde dieses Bild nie vergessen. Wer selbst einmal in solch auswegloser Not stand, der versteht diesen David mit seinen Männern.

In V. 6 wird uns sogar berichtet, daß das Volk David — als den Verantwortlichen — steinigen wollte; vielleicht waren unter seinen eigenen 600 Männern welche gewesen, die David vor dem Weg seines Herzens ehemals gewarnt hatten. Und nun sind sie innerlich ergrimmt über die Frucht seines Tuns und wollen ihn steinigen. Was tut nun der König David an diesem Wendepunkt seines Lebens?

Ich habe schon einmal darauf hingewiesen, daß die Helden der Heiligen Schrift nicht solche Prachtgestalten sind, wie sie uns oft in christlichen Biographien vor Augen geführt werden. Darum lese ich solche Biographien nicht gerne; denn diese “wunderbaren Glaubenshelden” entmutigen uns völlig, wenn wir unsere Lebenswirklichkeit mit ihnen vergleichen. Dabei haben auch sie alle ihre Schattenseiten und Dunkelheiten, die freilich oftmals verschwiegen werden. Die Heilige Schrift jedoch zeigt uns auch die Sünden und Finsternisse der Gottesmenschen, damit wir uns mit unserer Schwachheit daran aufrichten können, daß Gott ihnen hindurchgeholfen hat. Was tut nun David? “Aber David stärkte sich in JEHOVAH, seinem Gott” (V. 6b). Nachdem wir in Kapitel 27, 1 gelesen haben, daß er “in seinem Herzen sprach”, weil er sich nicht mit Gott beriet, lesen wir hier von seinem Rückweg und seiner Heimkehr zum Herzen Gottes.

Wir alle kennen solche Stunden, über denen ein Schleier der Seelsorge liegt. Vielleicht lassen uns unsere eigenen Erlebnisse nachfühlen, was hier wohl in David vor sich gegangen sein mag.

Ich mußte heute abend an 1. Kor. 15, 7 denken, wo unter den Zeugen der Auferstehung Christi auch der Bruder des Herrn, Jakobus, genannt wird. Wir müssen einmal in den Evangelien nachlesen, was dies für ein Mann gewesen ist! Da berichtet Joh. 7 im Blick auf das kommende Laubhüttenfest, wo Jesus zunächst ihr Begehren ablehnt, nach Jerusalem hinaufzuziehen: “Seine Brüder glaubten nicht an Ihn” (V. 5). Oder wir lesen in Mark. 3, wo die Führer Israels Jesus bezichtigen, Er vollbringe Seine Wunder in der Kraft Satans: “Und als Seine Angehörigen es hörten, gingen sie hinaus, um sich Seiner zu bemächtigen; denn sie sprachen: Er ist wahnsinnig!” (V. 21). Sie wollen ihren Bruder “in Schutzhaft nehmen”, um Ihn vor dem Zugriff der Jerusalemer “Inquisition” zu bewahren. Und als sie später noch einmal — mit ihrer Mutter Maria — zu dem Hause kommen, in dem Er sich aufhält, um Ihn zu holen, weist der Herr darauf hin, daß nur die Seine Brüder, Schwestern und Mütter sind, die den Willen Gottes tun (V. 31-35).

Jakobus war einer von den Brüdern Jesu. Ihm ist der Auferstandene später erschienen, so wie Er zuvor dem Petrus erschienen ist. Näheres erfahren wir nicht. Es ist ein Geheimnis der Seelsorge Jesu, was sich bei dieser Begegnung mit Jakobus abspielte, so daß er hernach zum Ältesten der Jerusalemer Muttergemeinde wurde.

Etwas Ähnliches wird auch von David berichtet: “Er stärkte sich in JEHOVAH, seinem Gott.” In Seelsorge und Wortverkündigung gebrauchen wir gern das Zeugnis aus 1. Joh. 1, 7: Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, reinigt uns von aller Schuld, von aller Sünde, von allem Dreck und Schmutz. Ja, das ist wahr! Doch davor steht etwas anderes, nämlich, daß Gott Licht ist und daß in Ihm keinerlei Finsternis ist (1. Joh. 1, 5). Und V. 7 fordert uns auf, im Lichte zu wandeln, und V. 9, daß wir unsere Schuld und Sünde zu bekennen haben. Erst dann, wenn ich meine Sünde dem Herrn oder einem Menschen in der Seelsorge bekenne, eröffnet sich die Möglichkeit, daß das Blut des Sohnes Gottes mich von aller Schuld, Sünde und Belastung reinigt.

Das hat wahrscheinlich auch David getan. Dieser König konnte seine Sünde bekennen, und gerade darin war er “ein Mann nach dem Herzen Gottes”! Er wußte noch nichts vom reinigenden Blute Christi, aber er hat seinen Gott angerufen und so sein Herz in Ihm gestärkt und ermutigt.

In Ps. 119, 67 steht das feine Wort: “Bevor ich gedemütigt ward, irrte ich, nun aber bewahre ich Dein Wort!” Oder denken wir an Jes. 38, 17: “Siehe, zum Heile (zur inneren Ausheilung) ward mir bitteres Leid!” Oft muß Gott uns erst zerschlagen, damit wir wie David wieder aufwachen und zum Heimkehrer werden. — Nun laßt uns V. 7-8 lesen:

“Und David sprach zu Abjathar, dem Priester, dem Sohne Ahimelechs: Bringe mir doch das Ephod her! Und Abjathar brachte das Ephod zu David. Und David befragte Jehovah und sprach: Soll ich dieser Schar nachjagen? Werde ich sie erreichen? Und ER sprach zu ihm: Jage nach, denn du wirst sie gewißlich erreichen und wirst gewißlich erretten!”

Abjathar heißt zu deutsch: Vater der Fülle. Er ist der einzige aus dem Hause Levi, der dem David ein treuer Freund und geistlicher Führer wurde. Das Ephod war (wie wir es in 2. Mos. 28, 29 lesen) das Brustschild des Hohenpriesters mit den Edelsteinen der 12 Stämme Israels; es war wie eine Umhängetasche geformt und trug die beiden “Orakelsteine” mit den Namen URIM und THUMMIM (Lichter und Vollkommenheiten), von denen wir annehmen müssen, daß ihr Aufleuchten jeweils das JA oder das NEIN Gottes in einer wichtigen Entscheidung anzeigte. David fragt also nun Gott: Was soll ich tun? Dies ist auch für uns so außerordentlich wichtig, daß wir Brüder und Schwestern haben, die unsere “Waffenträger” und Gehilfen sind, die uns durchbeten, zu denen wir kommen und mit denen wir unsere Nöte besprechen können. Haben wir einen solchen “Vater der Fülle” nicht, dann werden wir einsam und verkommen innerlich!

Wie wunderbar, daß nun Gott dem David wieder antwortet, weil er IHN befragt hat und nicht mehr sein törichtes Herz! Nachdem er sich innerlich gereinigt hatte und wieder mit Gott in Verbindung trat, redet Gott wieder mit ihm und hilft ihm in seiner Not.

“Da zog David hin, er und die 600 Männer, die bei ihm waren; und sie kamen an den Bach BESOR, wo die Zurückbleibenden stehenblieben” (V. 9). Die 600 Männer, die ihn begleiteten, machen jetzt wieder mit, und in Übereinstimmung mit ihnen geht er in den Kampf. Das ist etwas, das wir zu beachten haben!

Wie ist das denn, wenn wir eine Entscheidung zu treffen haben? Es ist dann nicht immer so, daß es uns plötzlich klar würde. Vielleicht neigen wir dazu, einen bestimmten Weg zu gehen, aber es ist äußerst wichtig, auch den Rat der Brüder zu hören, um die Dinge bis zur “Übereinstimmung” restlos zu klären.

Gewiß, es kann auch einmal anders sein. Denken wir nur an Apg. 20, 13, als alle Brüder dem Paulus rieten, ja nicht nach Jerusalem zu gehen. Da wird er innerlich unruhig, obwohl er zuvor um eine klare Geistesführung gewußt hatte. Was macht er nun? Er läßt die Brüder mit dem Schiff reisen und geht selbst eine Strecke zu Fuß. Er will innerlich mit seinem Herrn allein sein. Und als er am anderen Tag wieder zu den Brüdern stieß, wußte er: Den Weg nach Jerusalem muß ich gehen! Ich weiß, daß manche hier sagen, Paulus hätte mit dieser Entscheidung seinen größten Fehler gemacht und sich selbst großartige Möglichkeiten der Weltmission abgeschnitten. Aber dann hätten wir vielleicht auch seine Offenbarung der letzten Gotteswahrheiten in den Gefangenschaftsbriefen nicht.

Wie oft stehen auch wir in solchen Entscheidungsnöten, im Ringen um die letzte Klarheit, wie wir zu gehen haben. Wenn wir dann unser eigenes Herz befragen oder Lose ziehen oder die Bibel willkürlich aufschlagen und das erstbeste Wort, das unser Auge trifft, als Gottesorakel nehmen, dann werden wir manchen Irrweg gehen! Damit man den Willen Gottes erkennen lernt, muß man äußerst stille werden, bis unser pochendes Herz ruhig wird, bis sich unser verwirrter Verstand für Gott öffnet. David tut dies hier.

V. 9b.10: “… und sie kamen an den Bach BESOR, wo die Zurückbleibenden stehenblieben. Und David jagte nach, er und 400 Männer; denn 200 Männer blieben stehen, welche zu ermattet waren, um über den Bach BESOR zu gehen.”

Was geschah hier am Bache Besor (zu deutsch: der Erfrischende)? Um zu verstehen, was David mit seinen Männern hier durchzumachen hatte, muß man sich einmal ihren Weg auf der Landkarte anschauen. Nun teilt sich die Truppe: die Kampfesmächtigen gehen über den Bach und setzen die Verfolgung fort, die Ermatteten und Müden, die wie tot am Bach zu Boden fallen, bleiben zurück. In den Versen 21-25 lesen wir dann von den Auswirkungen: Wie die siegreichen 400 Kämpfer Davids die Zurückgebliebenen verachten und sie zur Seite drücken und um den Lohn des Sieges bringen wollen. David aber wehrt ihrem Begehren und macht sein barmherziges Handeln gegenüber allen seinen Männern “zur Satzung und zum Recht in Israel bis auf diesen Tag” (V. 25). Bis heute gibt es die Gruppe der kriegsbereiten Aktivisten und jene Gruppe der schwachen und ermatteten Männer im Lager am Bache Besor.

Das erinnert mich immer an das feine Wort aus 1. Mos. 33, 12-14 aus dem Bericht über die Auseinandersetzung zwischen Esau und Jakob. Nach der unerwarteten Versöhnung zwischen den beiden Brüdern sagt Esau: Jetzt ziehe ich mit meinen 400 Kämpfern vor dir her, und du kannst hinter mir herziehen. “O nein”, antwortet der erfahrene Hirte Jakob. “Ich habe Lämmer und junge Kälber in meiner Herde, ich habe Frauen und Kinder. Wenn ich die jagen und treiben würde, um mit dir Schritt zu halten, so würden sie alle sterben. Laß mich in Gemächlichkeit dahinziehen!”

Das ist sehr wichtig, auch für den Dienst in unseren Gemeinden und Gemeinschaften! Nicht wahr, es gibt Menschen, die eine ungebrochene Gesundheit und einen starken Lebens- und Leistungswillen haben, die ein unglaubliches Arbeitspensum bewältigen können; doch dann gibt es auch die Stillen, die Müden und Schwachen, die scheinbar passiv sind. Darauf sollten wir barmherzig Rücksicht nehmen.

Als man einmal Spurgeon gefragt hat, warum er bei seinen evangelistischen Diensten eine so große Vollmacht habe und solche Wirkungen erziele, gab er zur Antwort: “Kommt mit, ich will es euch zeigen!” Und er ging mit den fragenden Brüdern in den Keller seiner großen Versammlungshalle. Und da waren über 600 Brüder und Schwestern zum Gebet versammelt, oftmals schon ein oder zwei Stunden vor dem Beginn der Versammlungen. Spurgeon aber sagte: “Das sind diejenigen, von denen man zwar nichts sieht, die mir aber die Vollmacht herbeibeten, wenn ich dann um 10 Uhr das Wort Gottes verkündige.” Das sollten wir einmal bedenken, wenn wir oft einsame und schwache Mütterlein und scheinbar kraftlose Männer gering einschätzen. Der Hirtenfürst Jesus weiß und versteht, wieviel Kraft wir haben, und setzt uns nach Tragvermögen in Seinem Werke ein. Er trägt uns durch. Er hat Mitleid mit uns. Auch wir sollten eine heilige Rücksicht walten lassen in den Kreisen, aus denen wir kommen. Da gibt es Leute, die wie mit Dynamit geladen sind und rennen können wie junge Araberpferde; es gibt aber auch andere, die einem müden Ackergaul gleichen. Doch auch sie braucht die Gemeinde Gottes!

“Und sie fanden einen ägyptischen Mann auf dem Felde und brachten ihn zu David; und sie gaben ihm Brot, und er aß, und sie tränkten ihn mit Wasser; und sie gaben ihm eine Schnitte Feigenkuchen und zwei Rosinenkuchen, und er aß; und sein Geist kam ihm wieder, denn er hatte drei Tage und drei Nächte kein Brot gegessen und kein Wasser getrunken” (1. Sam. 30, 11.12).

Und nun stellt es sich heraus, daß jener Ägypter zu der amalekitischen Invasionsarmee gehört hatte, die Ziklag überfiel und zerstörte, und daß sein Herr ihn als kranken und “wertlosen” Sklaven in der Wüste zurückgelassen hatte. Dieser Sklave erklärt sich nun bereit, David mit seinen Männern zum Lager der Feinde zu führen, wenn er ihm schwöre, ihn nicht zu töten noch auszuliefern.

Dieses Geschehen erscheint mir sehr wichtig. Da liegt nun dieser kranke Ägypter, ein Todfeind Israels; wer aber hat seine Krankheit bewirkt? Wer hat es seinem Herrn eingegeben, ihn dort wie einen sterbenden Hund liegenzulassen? Wer lenkte die Schritte Davids und seiner Männer genau zu der Stelle, wo er lag? Dies alles hat Gott bewirkt, damit David den rechten Weg zu den Todfeinden Israels, den Amalekitern, fände! Und ich frage mich, warum so selten in unseren Gemeinschaften über Gottesworte wie Eph. 1, 9-11 gesprochen wird, wo unter anderem bezeugt wird, daß Gott einen Vorsatz hat, den Er ausführt, und daß Er alles wirkt nach dem Ratschluß Seines Willens. Wie gern überspringt man in der Verkündigung solche Aussagen! Oder man schwächt sie ab durch die Bemerkung: Wenn der Mensch nicht will, dann kann Gott auch nichts tun!

Ich denke auch an Jes. 46, 10: “Der ich von Anfang an das Ende verkündige, und von der Vorzeit her, was noch nicht geschehen ist; der ich spreche: Mein Ratschluß soll zustande kommen, und all mein Wohlgefallen werde ich durchführen!” Oder denken wir an das andere Wort aus Jes. 45, 6-7: “Ich bin Jehovah und sonst ist keiner! Der ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe, den Frieden mache und das Unglück schaffe; ich, Jehovah, bin es, der dieses alles wirkt.”

Doch sollten wir diese Aussagen auch nicht falsch verstehen. Ich habe mich gefreut, daß in diesen Tagen einmal sehr deutlich darüber gesprochen wurde, daß unser Gott in keiner Beziehung zur Finsternis und zum Bösen steht; daß ER in einem unzugänglichen Licht wohnt, wohin keiner kommen kann; daß ER Licht ist, und daß in Seinem Wesen keinerlei Finsternis ist. Und zwar freute ich mich darum, weil in diesen Tagen eine Schrift herausgekommen ist mit dem Titel: “Satan, wer hat ihn erschaffen?” Darin versucht man nachzuweisen, daß Gott den Satan als Satan, als böse erschaffen habe.

Wenn man das bis zur letzten Konsequenz ausdenken würde, müßte man sagen: Der Gott, der so etwas tut, ist ein grausamer Gott! Die Frage ist jedoch eine ganz andere, nämlich: Kann Gott überhaupt etwas tun, was Seinem göttlichen Wesen zuwiderläuft? Kann Er, in dem keinerlei Finsternis ist, den Satan als Satan erschaffen? Oder werden nicht vielmehr Seiner Allmacht Grenzen gezogen durch Sein eigenes göttliches Wesen und durch Seine freiwillige Bindung an sich selbst? Denken wir nur an die Aussage der Schrift: “Gott kann nicht lügen!”

Ich persönlich neige dazu, daß wir die letzte Klärung über die Entstehung und das Wesen des Satanisch-Bösen überhaupt nicht erfahren sollen, und daß die Heilige Schrift einen Schleier darüber gelegt hat. Jesus akzeptiert die Macht der Finsternis. Er macht den Satan nicht lächerlich, rechnet aber mit ihm und mit seiner Wirksamkeit. In Weisheit 2, 24 (einer apokryphen Schrift) habe ich das Wort gefunden: “Durch des Teufels Neid ist der Tod in die Welt gekommen!” Damit stimmt Paulus überein, wenn er in 1. Tim. 3, 6 davon spricht, daß kein Neuling in der Gemeinde eine Verantwortung übernehmen solle, damit er sich nicht aufblähe und dann ins Gericht des Teufels falle (d. h. sich überhebe wie der Teufel und so unter das Strafurteil Gottes falle, wie es dem Teufel widerfuhr).

So dürfen wir diese Dinge bis zum Tage der Offenbarung zugedeckt lassen und aller Spekulation entsagen. Alle Neugierde, die über die Schriftoffenbarung hinausgeht, macht Gott nicht größer, sondern kleiner! Wenn wir das Wesen des Bösen erkennen und erforschen könnten, würden wir dem Satan gleich. Gott jedoch kann sich zur Verwirklichung Seiner Pläne sowohl der Finsternis als auch des Lichtes bedienen. Das können wir nicht. Wir müssen uns in Seiner Gnade bergen. Ja, es gilt, was Paulus in Röm. 5 bezeugt: “Wo die Sünde mächtig geworden ist, ist die Gnade noch viel mächtiger geworden!” Er lehnt es aber leidenschaftlich ab, wenn Christen daraus folgern wollten: So laßt uns denn sündigen, auf daß die Gnade mächtiger werde! So arbeitet unsere unerleuchtete Vernunft. Dies gilt auch im Hinblick auf die Frage nach der Entstehung des Bösen und des Satans.

Gott bedient sich des Ägypters, des Todfeindes Israels. Darin offenbart Er sich als der absolut willensfreie, heilige Gott, den wir nur anbeten können. In Seiner wunderbaren Güte neigt Er sich zu David herab.

Worum geht es hier? Es geht in 1. Sam. 30, 11-20 um den Kampf gegen die Amalekiter. Das erinnert uns an den aufgehobenen Finger des alten Mose (5. Mos. 25, 17-19): “Gedenke dessen, was der AMALEK dir getan hat auf dem Wege, als ihr aus Ägypten zoget, wie er dir auf dem Wege entgegentrat und deinen Nachtrab schlug, alle Schwachen hinter dir her, als du matt und müde warst; und er fürchtete Gott nicht. Und wenn Jehovah, dein Gott, dir Ruhe geschafft hat vor allen deinen Feinden ringsum … so soll es geschehen, daß du das Gedächtnis Amaleks unter dem Himmel austilgest. Vergiß es nicht!”

Mit diesem Todfeind hat nun David zu kämpfen. Dabei darf ich noch einmal an den ersten Kampf mit Amalek erinnern, der nach 2. Mos. 17 unmittelbar an die Wassersegnung Gottes anschloß, die dem Felsen entströmte. Was haben da die Künstler oft für Bächlein gemalt! Dabei wurden durch das Wasser aus dem Felsen zweieinhalb Millionen Menschen und etwa 500.000 Stück Vieh getränkt! Darum sagt Ps. 105, 41: Es flossen Wasser heraus wie Ströme! Durch diese Wasserströme ergrünte die Steppe und blühte in wenigen Tagen auf, so daß das Vieh auch zu fressen hatte.

Nun aber kommen die Amalekiter, um dem Volke Israel das Wasser streitig zu machen; es beginnt ein furchtbarer Kampf, den Josua mit der Gebetsunterstützung des Mose zu führen hat. Darum weist Mose am Ende seines Lebens noch einmal darauf hin: Vergiß nicht, Amalek zu vernichten!

Der König Saul hatte diesen göttlichen Auftrag auch erhalten, ihn jedoch nicht ausgeführt. David aber weiß: Solange dieser Todfeind noch in meiner Nähe lebt und ich ihn nicht vernichte, so wird er immer wieder hervorbrechen und Israel überfallen.

Dies gilt ebenso von unseren Gebundenheiten. Wenn wir nicht eines Tages durch die Gnade und Kraft des Sohnes Gottes das, was uns bindet, lähmt und belastet, unter unsere Füße bekommen, dann bleiben wir lebenslang Menschen ohne Freiheit. Dann wird Aufstehen und Fallen beständig aufeinander folgen. Solange der Amalek noch in der Mitte unseres Lebens weilt, kann es nicht vorangehen. Darum dürfen und sollen wir erleben, was Jesus einmal sagte: Wen aber der Sohn freimacht, der ist recht frei!

V. 16-19: “Und er führte ihn hinab; und siehe, sie waren über die Fläche des ganzen Landes zerstreut, essend und trinkend und tanzend wegen all der großen Beute, die sie aus dem Lande der Philister und aus dem Lande Juda geraubt hatten. Und David schlug sie von der Dämmerung an bis zum Abend des folgenden Tages; und keiner von ihnen entrann, außer 400 jungen Männern, die auf Kamele stiegen und entflohen. Und David rettete alles, was die Amalekiter genommen hatten, und David rettete auch seine beiden Frauen. Und es fehlte ihnen nichts, vom Kleinsten bis zum Größten, und bis zu den Söhnen und den Töchtern, und von der Beute bis zu allem, was sie ihnen genommen hatten; alles brachte David zurück.”

Was für ein wunderbares Wort von der Wiederbringung und Wiedererstattung durch David, der ein Vorbild des Christus Gottes ist! Doch wie wird man verspottet, verachtet öder abgelehnt, wenn man dies in den Gemeinschaften hin und her bezeugen oder mit Glaubensmenschen darüber reden möchte! Dabei ist unser Anliegen nur, zu zeigen, was der Sohn Gottes in der Vollendung Seines Sieges auf Golgatha alles fertigbringt. Ich erinnere hier gern an das Gebetswort des leidenden Messias aus Ps. 69, 4: “Mehr als die Haare meines Hauptes sind derer, die mich ohne Ursache hassen; mächtig sind meine Vertilger, die ohne Grund mir feind sind; was ich nicht geraubt habe, muß ich alsdann erstatten!”

David ist der Typus der Wiederbringung. Christus ist die Erfüllung dieses prophetischen Grundrisses als der große Wiedererstatter. Eines Tages wird es soweit sein, daß auch der letzte Feind zu den Füßen des Sohnes Gottes liegen wird. Der letzte Feind aber, der außer Wirksamkeit gesetzt wird, ist der Tod. Christus ist und bleibt der Sieger.

Ein Bruder meinte einmal, daß der Sohn Gottes bei Seiner Himmelfahrt, als Er durch die Himmel hindurchging, von der ganzen Dämonen- und Finsterniswelt aufgehalten wurde. Das glaube ich nicht. Ich meine vielmehr, daß bei dem großen Siegeszug Christi alle Dämonie und Finsternismacht sich beugen mußte, ähnlich wie am ersten Schöpfungstag. Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht.

Offnet einmal einen Speicher, der jahrelang abgedunkelt war und in dem sich Ratten, Spinnen und allerlei Ungeziefer breitgemacht hat. Sobald das Licht hineinkommt, husch, da ist der ganze Spuk auf einmal weg. Eph. 4, 8 und Ps. 68, 18 schildern diesen Siegeszug des Sohnes Gottes, dessen erste “Beute” die Erstlingsgemeinde ist, der aber einmal alles wiederbringen und allen durch den Bösen angerichteten Schaden wiedergutmachen wird.

“Und David kam zu den 200 Männern, die zu ermattet gewesen waren, um David nachzufolgen, und die sie am Bache BESOR zurückgelassen hatten; und sie zogen aus, David und dem Volke entgegen, das bei ihm war; und David trat zu dem Volke und fragte sie nach ihrem Wohlergehen. Und jeder böse und nichtswürdige Mann von den Männern, die mit David gezogen waren, hob an und sprach: Darum, daß sie nicht mit uns gezogen sind, wollen wir ihnen von der Beute, die wir entrissen haben, nichts geben, als nur einem jeden seine Frau und seine Kinder … Aber David sprach: Tut nicht also, meine Brüder, mit dem, was uns Jehovah gegeben hat … Denn wie das Teil dessen, der in den Streit hinabzieht, so soll auch das Teil dessen sein, der bei dem Geräte bleibt: gemeinsam sollen sie teilen!” (V. 21-24).

Die Haltung der siegreichen Kämpfer gegenüber den Wächtern im Lager ist ebenso furchtbar wie das Verhalten des älteren Bruders in Luk. 15 gegenüber dem verlorenen und heimgekehrten Bruder. In diesem Gleichnis sagt Jesus: “Es geziemte sich aber, fröhlich zu sein und sich zu freuen!” (Luk. 15, 32). Aber seht auch die wunderbare Art des David als des großen Vorbildes Jesu Christi gegenüber den “Hütern der Geräte”, denen, die Ordnung und Nachschub aufrechterhalten.

Dazu möchte ich kurz etwas erzählen. In meiner Wohnung steht ein alter Schreibtischstuhl, keineswegs modern. Den habe ich mir einmal von Dr. Coerper, dem Sohn von Pfr. Coerper, erbeten, dessen Schreibtischstuhl es war. Dieser Gottesmann kniete jeden Morgen von 5 bis 7 Uhr zum Gebet vor diesem Stuhl. Darum war es mir eine besondere Freude, als ich diesen Stuhl zum Gedenken bekam. Dies zeigt uns etwas von der “Aktivität” und der scheinbaren “Passivität” im Werke Gottes.

Die im Lager Zurückbleibenden waren passiv; sie haben “nur” die Geräte bewacht. Die Aktiven standen im Kampf. Wie viele Briefe bekomme ich, in denen stille Beterinnen und Beter mir bekunden, wie sie für die Dienste und das Werk auf der Langensteinbacherhöhe beten, damit wir die Arbeit im Segen tun können. Vielleicht sind sie, die Verborgenen, vor Gott wichtiger als wir, die Aktiven. Wir können uns nichts auf das einbilden, was wir jemals geleistet haben. Da gilt das Wort aus Luk. 17: Ich bin nur ein unnützer Knecht, der lediglich das getan hat, was er zu tun schuldig war!

Hier Passivität, dort Aktivität; Gott aber lohnt nach Seinem Maßstab, denn Er ist der “Gott des Maßes”, des rechten Maßes, das wir so wenig besitzen. Wenn wir nur einmal die stillen, verborgenen Geistesmenschen so sehen könnten, wie sie der Vater sieht!

Als ich vor Jahren Männedorf besuchte, haben mir die Nachkommen des gesegneten Br. Zeller das Zimmer gezeigt, wo die Jungfrau Trudel wohnte; dieses verkrüppelte Menschenkind war vielleicht der größte Segensträger in Männedorf. Durch sie sind viele zum Glauben gekommen, auch der gesegnete Evangelist Fritz Binde. —

Die am Bach Besor Sitzenden, die ermattet waren und nicht mehr rennen und kämpfen konnten, die aber die Geräte bewachten, bekamen denselben Lohn wie die Kämpfer Davids.

Noch ein Letztes. In den Versen 26-31 werden einige Städte im Süden Israels, in Judäa, genannt, denen David Teile seiner Beute übersandte. Es waren dies BETHEL (Haus Gottes) — RAMOTH (Höhen) — JATTIR (überragend, vorzüglich) — AROER (eingeschlossen, Ruinen) — SIPHMOTH (die Bärtige) — ESTEMOA (Pflanzung) — RAKAL (Handelsmarkt) — Städte der JERACHMEELITER (deren sich Gott erbarmt) — Städte der KENITER (Schmiede) — HORMA (verbannt, verflucht, verwüstet) — BOR-ASCHAN (Rauchgrube, rauchender Ofen). Laßt mich nur einige Orte herausgreifen, denen David von der Beute eine reiche Gabe sandte:

BETHEL: In das Haus Gottes, das ja die Fülle hat, soll noch mehr Segen kommen. Dies ist das “Überströmende”, von dem Paulus so oft spricht.

AROER: Dort, in den eingeschlossenen Ruinen, wohnen die Einsamen und Ausgeplünderten. Ich bekam gestern und heute einen Brief von zwei Menschen, die hier zu Konferenzen gewesen sind. Die erste Frau habe ich einmal angesprochen und sie gefragt: “Warum machen Sie ein so böses Gesicht?” Dies war der Anlaß, daß sie mit mir sprach und mir jetzt einen langen Brief schrieb. Sie hatte in ihrem Leben nie einen Menschen gefunden, mit dem sie sich hätte aussprechen können. Nun kam sie auf die Langensteinbacherhöhe und wollte mit niemandem etwas zu tun haben. Sie kapselte sich ab. Nun aber kam das Wort Gottes in ihr Leben und sprengte ihre felsengleiche Einsamkeit auf. Das ist wunderbar: Auch die Einsamen, die in den Ruinen eines verwüsteten Lebens sitzen, sollen Gottes kostbare Gabe erhalten! — Die zweite Person schrieb: Ich kam zur Bibelkonferenz völlig am Ende und ausgepumpt. Nun aber bin ich wie eine ehemals verdorrte Blume wieder aufgeblüht. Ich habe durch das Wort Gottes und durch den Geist, der in der Konferenzstätte wirkte, wieder Vertrauen zu dem lebendigen Gott gewonnen. Was für ein wunderbarer Gott, der auch die geistlichen “Mauerblümchen” versorgt!

HORMA (verbannt, verflucht, verwüstet): Dort waren die Kinder Israel von den Amalekitern geschlagen worden. Das ist das Wunderbare am Evangelium, daß dieser Gott uns nicht zusammenschlägt und daß nicht die Höllenqualen das letzte sind, sondern daß Er uns in Seiner Güte und Freundlichkeit Erbarmen schenkt. Er will den Fluch, der auf unserem Leben liegt, in Segen wandeln. Die Bedrängnis soll weichen, das Verwüstete wiederhergestellt werden. — Schließlich nenne ich noch:

BOR-ASCHAN (Rauchgrube, rauchender Ofen): Stellt euch eine von Feinden vernichtete Stadt vor, aus deren Ruinen nur noch Rauch aufsteigt und die Zerstörung verkündet. In 2. Kor. 7, 5 steht das Wort vom Erleben des Apostels Paulus: “Von außen Befürchtungen, von innen Kämpfe!” Solche Engpässe und Notlagen kennen wir alle. Wenn wir mitten in Kampf und Anfechtung stehen, überfällt uns oftmals auch von innen her Angst. Glaubt denen nicht, die immerfort nur behaupten, ihr geistliches Leben sei ein einziges “seliges Wandeln auf sonnigen Höhen”. Auch den Leuten, die in den qualmenden Ruinen der Bedrängnis sitzen, gibt Gott von der reichen Beute Christi. Eph. 4 bezeugt von Ihm, daß Er “die Gefangenschaft gefangengeführt” habe, “hinaufgestiegen sei zur Höhe” und “den Menschen Gaben ausgeteilt” habe (V. 7-11).

So schließt nun das 30. Kapitel des 1. Buches Samuel. Es ist ein wunderbarer Ausblick, der sich im 2. Buche Samuel vollendet. Da wird es uns so recht lebendig, daß David alles wiedergebracht hat, und wir schauen auf zu diesem großen Herrn, dem Christus, der einmal alles wiederbringt, der sich aber jetzt schon als der Hohepriester herunterneigt zu all unseren Spannungen und Schwachheiten. “Daher vermag Er auch völlig zu erretten, die durch Ihn Gott nahen, indem Er immerdar lebt, um sich für sie zu verwenden” (Hebr. 7, 25). Dieser Herr kennt uns bis ins Tiefste und Letzte hinein. Ob wir im reichen und gottgesegneten BETHEL sitzen oder im verfluchten HORMA, ob in der Ruineneinsamkeit AROERS oder im rauchenden Ofen der Ruinen BOR-ASCHANs, ob auf den überragenden Höhen von JATTIR und RAMOTH — der Sohn Gottes trägt uns hindurch und führt uns zum letzten großen Ziel. David hat alles wiedergebracht. Christus sorgt dafür, daß einmal alles zu den Füßen des Vaters liegt und daß die ganze Schöpfung augesöhnt ist.

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 5/1984; Paulus-Verlag, Heilbronn)

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