Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die ideale Frau

Autor: Jugel, Wolfgang  |  Kategorie(n): Das prophetische Wort, Israel, Lehre  |  661 x gelesen

In Sprüche 31, 10-31 finden wir das Loblied eines Mannes auf seine “ideale Frau”, deren Vorzüge er in prächtigen Bildern schildert. Das herabsetzende, wegwerfende Urteil mancher frommen Männer über ihre Frauen entspricht ganz und gar nicht dem biblischen Leitbild. Sollten sie doch, bewegt von Christi Verhalten zu Seinem Leibe, “sich selbst ihre Frauen verherrlicht darstellen” (Eph. 5, 27), da ja die Frau ohnehin “des Mannes Herrlichkeit” ist (1. Kor. 11, 7). Weil “weder die Frau ohne den Mann etwas ist in dem Herrn, noch der Mann etwas ohne die Frau” (1. Kor. 11, 11), kann das Hohelied Salomos sowohl Schönheit, Vorzüge und Herrlichkeit der Braut als auch des geliebten Mannes preisen.

So dürfen wir von der Geisteshaltung des Königs LEMUEL (Spr. 31, 1) nur lernen: Der “Gottgeweihte”, “auf Gott Ausgerichtete” liebt seine Frau wie sich selbst und sieht in der Einswerdung von Mann und Frau in der Ehe ein prophetisches Geheimnis aufleuchten — das innige Gemeinschaftsverhältnis zwischen dem CHRISTUS und Seiner EKKLESIA. Paulus hat dies so gedeutet, ohne eine andere grundlegende prophetische Deutung ausschließen zu wollen, die den “Ehebund” zwischen JHWH und Seinem Weibe ISRAEL in immer neuen Texten und Bildern bezeugt.

Hinter allen Aussagen des prophetischen Wortes über das “ideale Weib” steht JHWH’s Lobpreis über Seine Braut und Sein Weib Israel. Dabei verfällt Gott nicht einer romantisierenden Idealisierung, sondern sieht als “der Gott der Hoffnung” Israel bereits in der Schönheit der Vollendung und Erlösung. Ob wir Spr. 31 lesen, ob Ps. 45 oder das Hohelied, überall leuchtet die Freude Gottes über das vollendete Israel auf. Ihm will Er sich “verloben in Ewigkeit, verloben in GERECHTIGKEIT und in GERICHT”, aber hernach auch “in GÜTE und BARMHERZIGKEIT”. Er spricht: “Ich will dich mir verloben in TREUE; und du wirst JHWH erkennen” (Hosea 2).

Der Gott und Heilige Israels will sich in Seiner Liebe selbst verschenken; der Reichtum Seiner Schöpfungsfülle genügt nicht, um Seiner Liebe Ausdruck zu geben. Er selbst ist der “Mann”, den man mit Recht nur verachten würde, wenn Er allen Reichtum Seines “Hauses” als Ersatz für die Liebe geben würde (Hohesld. 8, 7).

Alles Heilsgeschehen mit Israel zielt hin auf die “Hochzeit des Lammes” (das innere Programm des Messiasreiches), wo Ihm in vielen Auferweckungs- und Neugeburtswellen Ganz-Israel in heiliger Gerechtigkeit anvermählt wird, wobei die Gerichte den Gnadenerweis vorbereiten (Matth. 19, 28; Offb. 19, 6-9). Wenn schon ihr “Wegwerfen” die Versöhnung der Welt bewirkte, was wird ihr “Annehmen” (des Messias nämlich) anderes sein als geradezu Leben aus Toten (Röm. 11, 15)?

Ganz gewiß muß das WEIB JHWH’s, das im Götzendienst zur Hure und im Gericht zur scheinbar verlassenen Witwe wurde, noch schmerzliche Wege durch die endzeitliche Drangsal Jakobs gehen — bis hin zur Zerschmetterung der Kraft des heiligen Volkes (Dan. 12, 12); doch wird JHWH, der Ehemann Israels, Sein Vollziel erreichen und “sich Sein Weib herrlich darstellen — ohne Flecken und Runzeln und dergleichen etwas” (Eph. 5). Was Er mit der Vollendung der Gemeinde beginnt, wird Er mit Ganz-Israel vollenden; die Herrschaft Davids über JUDA in Hebron (= Gemeinschaft) vollendet sich in Seiner Herrschaft über alle Stämme ISRAELS in Jerusalem (der Gründung des Friedens; s. 2. Sam. 5, 1-4). —

In 12 Punkten seien nun die 14 Ruhmestitel des Weibes aus Spr. 31 zusammengestellt und auf das “ideale Israel” gedeutet; zuvor aber sollten wir in Übereinstimmung mit dem Schriftganzen die im Text verwendeten Symbole nennen und entziffern:

  • das WEIB = das in der Hochzeit des Lammes vollendete Israel;
  • der MANN = JHWH — Christus — als der Gott und Heilige Israels;
  • das BROT = das Lebensbrot vom Himmel, das Wort Gottes, Christus als das Brot der Welt;
  • die NACHT = die gegenwärtige Weltzeit in ihrer Finsternis;
  • der WEINBERG = Israel als Pflanzung Gottes (Jes. 5/Matth. 21);
  • der ACKER = die Welt, die dem ADAM Gottes Dornen und Disteln trägt, aber auch einen “Schatz” birgt;
  • das LICHT = die Lampe des prophetischen Wortes;
  • das HAUS = das Haus Israel, das Haus des Weibes;
  • PURPUR = das Kleid der Herrschaft und Königswürde;
  • LEINWAND = die glänzende Reinheit und Gerechtigkeit des vollendeten Auferstehungsleibes (Offb. 19, 7-8);
  • die TORE = die Stätten des Handels und des Gerichtes;
  • das GEWAND = ein Bild der Leiblichkeit;
  • der TAG = das kommende Messiasreich, der Weltensabbat Gottes;
  • das SCHIFF = des Glaubens Fülle, bereit zur Offenbarung.

Des Weibes Lob wird in 22 Versen gesungen, die jeweils mit einem der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabetes anfangen. Dies mag auch auf die innige Verbindung mit dem Sohne Gottes hinweisen; denken wir nur an 1. Mos. 22, an Ps. 22; 2. Sam. 22, an die 8 x 22 Verse des 139. Psalms und die 7 x 22 Verse der Klagelieder Jeremias.

Nun sei den einzelnen Aussagen ein wenig nachgespürt! Wer wie Jesus “soweit geht”, das Volk Israel zu lieben, dem werden kostbare Gottesgedanken aufleuchten!

1. “Eine tüchtige Frau — wer wird sie finden? Weit über KORALLEN steht ihr Kurswert!” (V. 10)

Ist Jesus nicht der Bräutigam Israels, der die “tüchtige Frau” liebend und oftmals vergeblich gesucht hat? Denken wir nur an Sein Klagewort über Jerusalem: “Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken” — vor der drohenden Gefahr — “unter ihre Flügel birgt; ihr aber habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus wird euch verwüstet zurückgelassen werden; denn ich sage euch: Ihr werdet mich von nun an keineswegs mehr sehen, bis ihr sprechen werdet: Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN!” (Matth. 23, 37-39).

Christus wird bei dem “Ihr habt nicht gewollt” nicht stehenbleiben, sondern Israel suchen, heim-suchen und schließlich “finden”! Die “Hochzeit des Lammes” — die Vereinigung des Hauptes und Seines Leibes (also des Bräutigams) mit Seinem WEIBE Israel — wird die Erfüllung unseres Wortes aus den Sprüchen bringen und die Neugeburt der Welt einleiten. Ist der Messias Israels nicht der “Kaufmann”, der zur Verwirklichung der Königsherrschaft Gottes “schöne PERLEN suchte”? “Als Er aber eine kostbare PERLE gefunden hatte, ging Er hin, verkaufte alles, was Er besaß, und kaufte sie” (vgl. Matth. 13, 45-46 mit Phil. 2, 6-7). Ja, “weit über KORALLEN steht der Kurswert” Israels, weil es “um einen teuren Preis erkauft” wurde. Phil. 2, 5-8 vermag uns zu sagen, was Jesus alles “verkaufte”, als Er kam, um uns und Sein Volk Israel aus der Gewalt der finsteren Mächte “loszukaufen”. Nun sind wir dem Vater kostbar, durch Jesu Blut Ihm angenehm gemacht in dem Geliebten (Eph. 1, 6).

So beruht der “Kurswert” der Erlösten (also auch des wiederhergestellten Weibes Israel) nicht auf ihrem eigenen inneren Vermögen, sondern in der Größe des Preises, mit dem sie erkauft wurden.

2. “Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie …” (V. 11)

Kann man dies wirklich von Christus und Israel, von Christus und Seinem Verhältnis zur Gemeinde sagen, was scheinbar nur die Beschreibung einer guten Ehe ist?

Es gehört zum Gnadengeheimnis des Sohnes Gottes, daß Er sich nicht schämt, uns Brüder zu nennen; denn beide, der Heiligende und die Geheiligten, stammen von einem Gott und Vater (Hebr. 2, 11). Darum lobsingt Er in der gegenwärtigen Heilszeit Gott inmitten der Versammlung und macht Seinen Brüdern die Herrlichkeit des Namens Gottes offenbar (Hebr. 2, 12); darum setzt Er Sein Vertrauen auf uns, die wir dieses Vertrauens völlig unwürdig sind, und begnadet uns mit Seinem Dienst (Hebr. 2, 13). “Bewahre das schöne anvertraute Gut durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt!”, so werden wir einander immer wieder ermuntern müssen (2. Tim. 1, 14).

Welcher Gedanke: Der HERR vertraut uns! Sein HERZ ist auf uns gerichtet. Seine BarmHERZigkeit gilt uns. Und wenn Ephraim als der götzendienerischste aller Stämme Israels dem Gericht verfällt, ruft Gott: “Mein HERZ hat sich in mir umgewendet, erregt sind alle meine Erbarmungen. Nicht will ich ausführen die Glut meines Zornes …” (Hosea 11, 8-9).

Und wenn Er uns einmal mitsamt Seinem erneuerten Volke Seinem Gott und Vater “ohne Flecken und Runzeln und dergleichen etwas darstellt”, so wird Er ausrufen: “Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat!” (Hebr. 2, 13).

Im Herzen Jesu wohnt Vertrauen. Liebe und Mißtrauen schließen sich bei Ihm aus, auch wenn Er um alles weiß, was im Herzen Seiner Geschöpfe ist.

3. Sie erweist ihrem MANNE Gutes und nichts Böses alle Tage ihres LEBENS (V. 12)

Ist dies romantische Schwärmerei einer idealisierenden Zielvorstellung von der Ehe, die an der Wirklichkeit zerbrechen muß? Nicht im Worte Gottes. Auch gibt es immer wieder Männer, die solches von ihrer Frau, oft rückblickend auf ein langes gemeinsames Leben, bekennen dürfen.

Doch klafft das Bild des idealen Weibes mit dem tatsächlichen Handeln Israels an dem Messias Jesus weit auseinander. Denken wir nur an das Wort aus Joh. 1: “Er kam in Sein Eigentumsvolk, jedoch die Seinigen nahmen Ihn nicht auf! So viele Ihn aber aufnahmen, denen gab Er die Vollmacht, Kinder Gottes zu heißen …” Noch mehr aber verstärkt sich der Mißklang, wenn wir an das Kreuz Jesu Christi denken und an die Schuld Israels dem Fürsten des Lebens gegenüber!

Der Tag wird aber kommen, an dem sich auch dieses Wort erfüllt. Dann wird der Christus (wie Sein großes Vorbild Joseph) Seinen gebeugten Brüdern, Seinem bußfertigen Volke Israel sagen: “Fürchtet euch nicht, denn ich stehe unter Gott! Ihr zwar, ihr ersannet Böses gegen mich; Gott aber ersann es (für mich) zum Guten, damit Er bewirke, wie es an diesem Tage ist, um ein großes Volk am Leben zu erhalten” (1. Mos. 50, 19-20).

Die schärfste Äußerung des Bösen (in der Kreuzigung Jesu) ersann Gott vor aller Zeit und Welt für Seine Geschöpfe “zum Guten” der Welterlösung. Von diesem Geheimnis des Kreuzes wußten selbst die Fürstentümer und Gewalten der unsichtbaren Welt nichts, geschweige denn Israel. Es wird der Tag kommen, wo sich der innerste Sinn des Neubundes mit Israel erfüllt: “Denn JHWH hat ein Neues geschaffen auf Erden: Das WEIB wird den MANN (liebend) umgeben!” (Jer. 31, 22).

4. “Sie ist Kaufmannsschiffen gleich, aus der Ferne bringt sie ihr BROT herbei” (V. 14)

Das SCHIFF ist ein biblisches Symbol für den GLAUBEN IN SEINER FÜLLE, in seiner kostbaren Fracht, in seiner Sendung für andere. Im Hinblick auf Christi Menschwerdung sagt dies das Lied:

“Es kommt ein Schiff, geladen
bis an den höchsten Bord,
trägt Gottes Sohn in Gnaden,
des Vaters ewges Wort!”

Barg der Glaube des Weibes Israel wirklich jene kostbare Fracht, den Messias, das Brot der Welt? Wir können dies nur bejahen, da ja unser Herr aus dem Samen Davids entsprossen ist, so daß Er selbst bezeugen konnte: “Die Rettung (= der Messias) kommt von den Judäern!” (Joh. 4, 22).

Als das lebendige und wesenhafte Gottesbrot aus dem Himmel, das dem Kosmos das Leben Gottes verleiht, kam Er von fernher, ging aber “durch die Hände Israels”, wie es Matthias Claudius sagt: “Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott!” (s. auch Joh. 6, 32-33.35.51).

Der Brotverwalter Gottes trug den edlen SAMEN Seines Leibes, das WEIZENKORN Gottes, weinend zur AUSSAAT, um viel FRUCHT bringen zu können; diese trug Er dem Vater jauchzend heimwärts zu (Ps. 126; Joh. 12; Hebr. 5, 7-8). “Gott bricht den Hungrigen Sein Brot” (Ps. 146, 7)! Noch heute feiern wir beim “Brechen des Brotes” die wunderbare Brotvermehrung, die dereinst zur Sättigung aller Welten und Wesen führen wird. Jesus selbst als der Vollmensch lebte nicht vom BROT allein, sondern von einem jeden WORT, das aus dem Munde Gottes hervorgeht, da ja Seine Speise darin bestand, den Willen Gottes zu vollbringen (Matth. 4, 4; Joh. 4, 34).

Israel, das in der Menschwerdung Jesu aus dem Samen Davids “von fernher BROT herbeibrachte” (verheißen in Urvätern und Propheten, bezeugt von allen heiligen Schriften Israels, getragen vom Glauben aller wahren Söhne Israels) wird im Reiche des Messias Kaufmannsschiffen gleich dieses Brot zu den Völkern hinausbringen. Diese werden den ihnen gesandten Glaubensreichtum ebenfalls als eine Fracht “von fernher” empfinden. Dann wird das erneuerte Israel handeln nach Spr. 25, 21-22: “Wenn deinen Hasser hungert, so speise ihn mit BROT; wenn ihn dürstet, tränke ihn mit Wasser; denn glühende Kohlen wirst du auf sein Haupt häufen, und JHWH wird dir vergelten”, und nach Pred. 11, 1: “Wirf dein BROT hin auf die Fläche der Wasser (= der Völker im Völkermeer), denn nach vielen Tagen wirst du es finden!”

Schon heute birgt Israels Glaubensschiff die “Aussprüche Gottes”, die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bündnisse, die Gesetzgebung, den Dienst, die Verheißungen und die Väter (Röm. 3, 2; 9, 4.5) — ein achtfacher Reichtum schon in der Vorerfüllung.

Daß sich der endzeitliche Missionsauftrag Israels in der Paulusmission anbahnte, ist köstliche Gottesgarantie.

Das Wort vom “Kaufmannsschiff” des Weibes ist insofern eigentümlich, als Israel nie ein Seefahrervolk, sondern eigentlich immer das Volk des Landes war. So gibt es in der Heiligen Schrift nur wenige Berichte von seefahrenden Israeliten. Da ist

  • die Flotte des Königs Salomo, die von fernher (aus Ophir) Gold herbeibrachte;
  • das Mietschiff des flüchtenden Propheten Jona, der nach Tarsis in Spanien vor dem Auftrag JHWH’s fliehen wollte;
  • das Jüngerschiff in Sturm und Wellen des Sees Genezareth, das der in ihm sitzende Herr durch die Stillung von Sturm und Wogen rettete;
  • und das mit Weizen beladene Schiff des gefangenen Paulus, mit dem Gottes Wort nach Rom und schließlich nach Spanien gelangte; dadurch hat sich der Fluchtkurs Jonas nunmehr in Paulus nach göttlichem Willen positiv wiederholt. Apg. 27 bezeugt, daß der WEIZEN ins MEER geworfen wurde (V. 38) — das Wort Gottes ins Völkermeer.

5. “Sie öffnet den Mund zu weiser Rede, liebreiche Lehrunterweisung (Zielgebung in Huld) liegt auf ihrer Zunge” (V. 26)

Wie oft öffnen Frauen (und Männer) den Mund, und es kommt törichtes, zänkisches oder gar fluchbringendes Geschwätz heraus! Lemuel hat eine Frau vor Augen, die eine wunderbare Lehrbefähigung durch Gottes Huld und Weisheit besitzt.

Soll eine Frau lehren? Oftmals verstand man ja das “Schweigen der Frauen in der Gemeinde” (1. Kor. 14, 34) so, daß man sie generell möglichst in der Unwissenheit hielt, was die Willkür der Männer ins Maßlose steigern konnte. Es genügte, wenn der Mann Gottes Wort kannte und die geistlichen Fragen regelte. Starb er dann vor seiner Frau, so stand diese oft wie eine geistlich Tote da, unmündig und unsicher. Nach dem Wort in Titus 1, 3 sollen aber die älteren Frauen “Lehrerinnen des Guten sein und die jungen Frauen unterweisen”, dazu gehört Lehrbefähigung.

Doch denken wir wieder an das Weib JHWH’s, an das Volk Israel! Welcher Reichtum des Wortes Gottes, an Weisheitsrede der Väter und liebreicher Lehrunterweisung wurde ihm doch anvertraut! Keine der 66 (3 x 22) biblischen Schriften wurde jemals von einem Heiden geschrieben, wohl auch nicht das Lukasevangelium! Kein Volk der Erde durfte solchen Reichtum vermitteln, keinem wurde eine solche Fülle des Wortes anvertraut! Darum wird auch im Reich des Messias “von Zion das Gesetz ausgehen, und das Wort JHWH’s von Jerusalem” — ausgehen in die Weite der Völkerwelt (Jes. 2, 2-3).

Wohl der Frau (und auch ihrem Manne!), die nicht nur schön von Angesicht und angenehmen Wesens ist, sondern auch weiser Rede und liebreicher Lehrunterweisung mächtig; ihr Mann braucht sich nicht davor zu fürchten, daß sie den Mund auftut! Darum steht er auch auf und rühmt sie (V. 28). Er spricht: “Gebet ihr von der Frucht ihrer Hände, und in den Toren (des Gerichts) mögen ihre Werke sie preisen” (V. 31). So wird Jesus der Messias dereinst auch zu den Heiligen Israels sprechen.

6. “Sie steht auf, wenn es noch NACHT ist (also beim Morgengrauen), und bestimmt die Speise für ihr Haus …” (V. 15), und: “Auch des Nachts geht ihr Licht nicht aus” (V. 18)

Wenn dies lediglich der Hinweis auf eine arbeitswütige Ehefrau wäre, so könnten wir dieses Wort in der Bibel wohl gut entbehren; doch weist auch dieses Zeugnis weit über eine vordergründige Ethik hinaus.

Die NACHT ist, prophetisch gesehen, die Zeit der Abwesenheit Christi, der ja das “Licht der Welt” und die “Sonne der Gerechtigkeit” ist; sie kennzeichnet die gegenwärtige Weltzeit in ihrem Wesen und Verlauf, bis mit der Wiederkunft Christi der Tag Seines Reiches strahlend aufleuchtet.

Auch wenn Israel insgesamt noch in der “Verblendung” verharrt und nur wenige Erstlinge aus Israel zu den “Söhnen des Lichtes und des TAGES” gehören (1. Thess. 5, 4-5), so gilt dennoch dem Volke Gottes die Verheißung aus V. 18. Israels Licht ist das Zeugnis der Väter und sonderlich die LAMPE des prophetischen Wortes; diese leuchtet an dunklem Orte, bis der TAG mit dem Aufstrahlen des Morgensternes anbricht (2. Petr. 1, 19; Offb. 22, 16).

Diese Leuchte geht auch in der NACHT nicht aus! Sie steht dem Weibe Israel ständig zur Verfügung, wenn auch die Decke noch über ihrem Herzen liegt, die das Verständnis des Wortes verhüllt. Gläubige, orthodoxe Juden bedienen sich dieser Lampe schon, indem sie fleißig die prophetischen Schriften erforschen und die göttlichen Heilstermine zu ergründen suchen (1. Petr. 1, 11). Nicht zu schnell wollen wir solches Bemühen abwerten! Der Messias drückt auch den “glimmenden Docht” der Synagoge nicht aus!

Das Aufstehen des arbeitsbereiten Weibes Israel beginnt, “wenn es noch NACHT ist”, also noch vor dem ersten Morgengrauen und dem Aufglänzen des Morgensternes bei der Heimholung der vollendeten Gemeinde. Schon zu diesem Zeitpunkt beginnt das orthodoxe Israel Speise für sein Haus und das Arbeitsprogramm für die Mägde (V. 15b) zu erstellen. Wir haben damit zu rechnen, daß mit der Entrückung der Gemeinde (oder schon zuvor) die erste messianische Erweckung geschieht. Diese wird zur Auserwählung und Versiegelung (Offb. 7, 1-8), zur innerzeitlichen Berufung (Offb. 11, 1-13), zur Entrückung (Offb. 12, 1-5) und Vollendung (Offb. 14, 1-5) von 144.000 Christusgläubigen aus Israel führen, und dies noch vor Seinem sichtbaren Kommen. Dazu führte der Judenchrist Dr. Centz in einem Vortrag aus: “Wie Elisa dem Propheten Elia vor seiner Entrückung nachlief und ihn um Mitteilung der göttlichen Kraft bat, so wird die Entrückungsgemeinde ihren Prophetenmantel auf die Schultern Israels werfen.”

Damit wird sich prophetisch Eph. 5, 14 erfüllen: “Wache auf, du Schläfer! Stehe auf aus den Toten! Dann wird dich der Christus (der Messias) erleuchten!” (Der 2. Vers dieses urchristlichen Gemeindeliedes lautete: “Er, die Sonne der Auferstehung, gezeugt vor dem Morgenstern, Leben spendend mit eigenen Strahlen.”)

Wie wunderbar deckt sich dies mit der Erweckung der BRAUT, wie sie in Hoheld. 5 geschildert wird. Dort schläft die Braut, aber mit wachendem Herzen; der Geliebte klopft in der Nacht an ihre Tür und gibt sich mit Seiner Hand zu erkennen; die Braut steht auf, um dem Geliebten zu öffnen, und sucht ihn, innerlich erregt und bewegt; doch Er ist (zunächst) weitergegangen, was dazu führt, daß sie von den WÄCHTERN Jerusalems verwundet und ihres SCHLEIERS beraubt wird (vgl. Jona 1, 6; Hes. 37; 4. Mos. 6, 26).

Wahrscheinlich werden beide Ereignisse — die Entrückung der Gemeinde und die Erweckung des Weibes Israel — gleichlaufen; darum ist mit der Entrückung das Erklingen des Schophars (des Widderhornes) Gottes, der gebietende Kommandoruf Jesu, als des Herrn der Engelheere, und die Stimme des Fürstenengels Michael verbunden (1. Thess. 4, 16).

Wie sehr muß sich der Herr nach der Erweckung Seines geliebten Volkes und Weibes Israel sehnen, wenn Er noch in der NACHT, noch vor Seinem Kommen und Seinem großen Tage, ein solches Aufstehen und geistliches Erwachen schenkt! Der Arbeitstag des Vollmenschen und damit auch Seines Weibes beginnt! Die Speise für das Haus Israel wird von den erweckten Erstlingen zuvor bereitet! Das Gottesprogramm für die Arbeit der Mägde wird vor Tagesanbruch erstellt (vgl. Ps. 104, 19-23; Ps. 45, 9)!

Wie fein wird dieser Tatbestand in NIKODEMUS (= Volksgerechtigkeit) vorgebildet, der “in der Nacht” zu Jesus kommt und die alles entscheidende Frage nach der Wiedergeburt Israels und nach seinem Wege ins Reich stellt. Nur so wird dem “Volke” die “Gerechtigkeit” Gottes zuteil, wie der Name NIKODEMUS bezeugt. “Nur in JHWH — wird man von mir sagen — ist Gerechtigkeit und Stärke … in JHWH wird gerechtfertigt werden und sich rühmen aller Same Israels” (Jes. 45, 24-25).

7. Sie plant den Ankauf eines ACKERS (wörtlich: sie plant einen Acker) und erwirbt ihn; von der Frucht ihrer Hände pflanzt sie einen WEINBERG (V. 16)

Jesus selbst gab uns in Matth. 13 die Deutung: “Der ACKER ist die Welt”. Von Anfang an war der Segen Abrahams auf die Völkerwelt ausgerichtet. In ihm und in seinem Samen sollten alle Geschlechter der Erde gesegnet werden (1. Mos. 12, 2-3; 22, 17-18; Gal. 3, 16). So faßte das WEIB Israel mit Recht den Ankauf dieses ACKERS ins Auge, “plante” seinen Erwerb in Übereinstimmung mit den “Katasterauszügen” des prophetischen Wortes. Matth. 13, 38. 44 zeigen uns jedoch, daß hinter der Planung des Weibes der planende Vorsatz Gottes stand und daß der Kauf selbst durch den zweiten Adam, Jesus, durchgeführt wurde. Um des im Acker ruhenden Schatzes willen (= die Gemeinde der Erstlinge) verkaufte Er alles, was Er hatte (Phil. 2) und kaufte den Acker dieser Welt. Die nach Gottes eigenem Willen durch das Wort der Wahrheit gezeugten Erstlinge Seiner Schöpfung verbürgen Ihm des ganzen Ackers Wert. “So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen einziggeborenen Sohn preisgab …” (Joh. 3, 16 und Jak. 1, 18). Um welch teuren Preis sind wir doch erkauft!

Spr. 24, 27 schildert die zeitliche Folge des Heilshandelns Christi: Erst “besorgt Er draußen Seine Arbeit” — in der Schöpfung der Welt; dann “bestellt Er sie auf dem Acker” — in der Erlösung der Welt auf Erden (wozu auch der “Schatz im Acker”, die Christusgemeinde, gehört), und schließlich “baut Er Sein Haus”.

Damit stimmt das Lehrurteil des Jakobus in Apg. 15, 14-17 überein, wonach Gott “zuerst die NATIONEN heimgesucht hat, um aus ihnen ein Volk zu nehmen für Seinen Namen” und erst “nach diesem zurückkehren will, um die verfallene HÜTTE DAVIDS wiederaufzubauen, um ihre Trümmer wieder aufzurichten”, damit schließlich der Überrest der Völker auf Erden und im Totenreich den Herrn sucht (17a und b).

Gott sagte zu Eva: “Dein Verlangen wird nach deinem Manne sein.” Wieder erfüllt des Weibes edelster Sohn und Same, Jesus, ihr Verlangen, ihre Sehnsucht, ihr planendes Suchen und Sinnen. Das WEIB hat in den Propheten den Ankauf des Ackers geplant, Christus aber kaufte ihn.

Was aber bedeutet es, daß sie “von der Frucht ihrer Hände einen WEINBERG pflanzte”? Jes. 5 und Matth. 21, 33-43 zeigen uns, daß in diesem Bilde das ganze Volk Israel geschaut wird. JHWH selbst, “der Geliebte”, kultiviert den Weinberg, gräbt ihn um und säubert ihn von Steinen; Er bepflanzt ihn mit Edelreben (= die Heiligen Israels), baut den Zaun des Gesetzes bewahrend um ihn, errichtet den Wachtturm des prophetischen Wortes in ihm und baut eine Kelter in ihm, um schließlich die köstliche Frucht der Freude zu ernten (Jes. 5, 1-7).

Doch wird der Herr des WEINBERGES nach Matth. 21 beim Kommen zur Ernte von den Hütern des Weinberges, den Führern und Ältesten Israels, getötet. Der FEIGENBAUM im Weinberge aber ist der Stamm Juda (Luk. 13, 6).

Bald aber wird die “Zeit des Gesanges” kommen, da der Feigenbaum — nach 2000-jähriger Dürre — seine “Feigen rötet, und die blühenden Weinstöcke ihren Duft verströmen”. Dann wird sich “die Freundin aufmachen” zur Begegnung mit dem Geliebten (Hohesld. 2, 10-16).

8. Sie erfährt (spürt, fühlt, schmeckt), daß ihr Erwerb gut ist (daß ihr Wirken Segen bringt; V. 18)

Manche Frau, die in zermürbender Alltags- und Haushaltsarbeit steht, macht diese Erfahrung leider nicht; wie oft muß sie das Empfinden haben, daß ihre Arbeit als selbstverständlich empfunden wird. Dabei hat ihr Tun so gar keine “Fernwirkung” — es bleibt der Weg der Speise vom Herd zum Tisch und in den Magen.

Wie enttäuschend kann es sein, niemals davon zu erfahren, daß die eigene Arbeit Segen bringt! Darin besteht auch der Fluch der Fließbandarbeit, die dem Arbeiter keine Einsicht in das Ganze des Produktionsablaufes gewährt!

Gott aber “segnet” uns, Er sagt uns ein gutes, frohes und anerkennendes Wort (eu-logeoo). So sollen auch wir die Glaubensgemeinschaft in der Weise wirksam werden lassen, daß wir alles Gute und Geistgewirkte in dem anderen anerkennen (Philem. 6; s. auch 1. Kor. 16, 18; 2. Kor. 1, 13; Gal. 2, 9; 1. Thess. 5, 12). Welche segensvolle Wirkung kann doch ein gutes, anerkennendes Wort haben! Eine übergeistliche, unnatürliche Frömmigkeit will hier oft “frömmer” sein als Gott selbst.

Wie “vergeblich” hat sich auch das WEIB, das glaubende Israel, in den Jahrtausenden abgemüht! Es teilte darin den Weg seines Messias (Jes. 49, 1-6). Was wird es sein, wenn das WEIB JHWH’s erfahren wird, wie überfließend der Erwerb seiner Heiligen, das Wirken seiner Priester und Propheten und Apostel in und durch Jesus Segen gebracht hat! Sie wird erfahren, spüren, fühlen, schmecken, sehen, hören, daß ihr Erwerb gut ist, wenn der Segen Abrahams “hinauskommt zu den Nationen” (Gal. 3, 14). “Tröstet, tröstet mein Volk!” wird dann die Parole Gottes sein (Jes. 40, 1).

9. Ihr ganzes Haus ist in SCHARLACH (Karmesin) gekleidet (V. 21)

Hebr. 3, 1-6 erläutert uns, was “Gottes HAUS” bedeuten kann. Moses war DIENER im Hause Gottes, im Volke Israel. Als solcher wurde er treu erfunden. Jesus Christus ist jedoch größer als er; als Sohn Gottes ist Er BAUMEISTER des Hauses Gottes und dessen getreuer HERR!

Das von Ihm erbaute HAUS ist im weitesten Sinne das ganze Schöpfungsall, sodann Gottes Auswahlvolk Israel, das “Haus des WEIBES”. Davon sollten das “Zelt der Begegnung” und der Tempel JHWH’s Zeugnis geben. Schließlich ist Seine Erstlingsgemeinde die “Behausung Gottes im Geiste” (Eph. 2, 22). Durch den Tempeldienst der vollendeten Gemeinde und des gereinigten “Hauses Israel” aber wird die Weltvollendung herbeigeführt werden. Das “neue Jerusalem” vom Himmel wird als “Zelt Gottes unter den Menschen” die Tempelidee erfüllen.

Um das ganze Haus Israel und damit um die Errettung aller Stämme Israels geht es im vorliegenden Wort. Wenn auch dieses Haus jetzt noch die Erscheinungsform einer “verfallenen Hütte” und ihrer Trümmer bietet (Apg. 15, 16), so hat doch der Herr schon begonnen, sie wiederaufzurichten. “Kommen wird gewiß aus Zion der Erretter. Er wird die Gesetzlosigkeiten von Jakob abwenden …” Auf diese Weise wird Ganz-Israel, das HAUS des WEIBES, errettet werden (Röm. 11, 25).

Wie wunderbar wird dies in der Prophetie der Sprüche dadurch abgebildet, daß das ganze Haus des Weibes in Scharlach eingehüllt ist. SCHARLACH oder Karmesin ist ein leuchtendroter Farbstoff, der im Altertum aus Körpern und Eiern der Kermesschildlaus gewonnen wurde, und der darum auch besonders kostbar war. Stoffe wurden in ihm “doppelt” eingefärbt, worauf auch das hebr. Wort “schanim” hinweist.

Nach Jes. 1, 18 bedeutet dieses “Rot” die allesverhüllende Sünde. Dem entspricht Offb. 17, 4 und 18, 16, wonach die “HURE BABYLON” (die endzeitliche Verführungsmacht und Metropole) “mit Purpur und Scharlach bekleidet” ist — der PURPUR der königlichen Macht verbindet sich mit dem SCHARLACH der Sünde.

Doch der Herr spricht: “Wenn eure Sünden wie SCHARLACH sind, wie SCHNEE sollen sie weiß werden; wenn sie rot sind wie Karmesin, wie BAUMWOLLE sollen sie werden!” (Jes. 1, 18).

Doch ist Scharlach auch die Farbe des Blutes! Wenn Israel auch rief: “Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!”, und so das Gericht heraufbeschwor, so wird dieser Ruf sich doch einstens segensreich auswirken, wenn das Versöhnungsblut Jesu wie Scharlach das ganze Haus Israel einhüllen wird.

Dann wird es auch von Israel heißen — im Blick darauf, daß weder Ungerechte, noch Hurer, noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Weichlinge, noch Homosexuelle, noch Diebe, noch Geldgierige, noch Trunksüchtige, noch Lästerer und Räuber die Königsherrschaft Gottes ererben werden: “Und solches sind eurer etliche gewesen; aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesus und im Geiste unseres Gottes!” (1. Kor. 6, 11).

10. FEINLEINEN (Byssus) und ROTPURPUR sind ihr Gewand (V. 22) — Macht und Würde (Stärke und Hoheit) sind ihr Gewand (V. 25)

Gewänder oder Kleider sind in der Heiligen Schrift ein Bild für unseren Leib und für die ihm anhaftende Niedrigkeit oder Herrlichkeit. Dies gilt sowohl für eine Leiblichkeit in dieser als auch in jener Welt. 2. Kor. 5, 1-9 zeigt uns dies ganz deutlich; dort spricht Paulus vom Sterben als von einem “Entkleidetwerden”, von der Entrückung und Verwandlung in die christusgleiche Leibesherrlichkeit aber als von einem “Überkleidetwerden”.

So kündet vorliegende “Modenschau” aus den Sprüchen die künftige Herrlichkeit der BRAUT DES LAMMES im Messiasreiche an, die in den Erziehungsleiden der endzeitlichen Drangsale vorbereitet wird. Das WEIB selbst ist an der Zubereitung ihrer Kleidung beteiligt, weshalb V. 22a von ihr berichtet: “Stickereien bereitet sie sich”, es ist das “buntgewirkte” Stickwerk des Heiligtums, mit dem sie ihre Leinen- und Purpurgewänder verziert.

Die “Auferstehung der Gerechten” zur “Hochzeit des Lammes” wird der Neuheit des Lebens auch den gebührenden Ausdruck in einer herrlichen Leiblichkeit geben, damit die Braut in Hoheit zur Rechten des Königs, des Messias, stehen kann. “Ganz herrlich ist des Königs Tochter inwendig, von Goldgeflecht ist ihre Kleidung. In buntgewirkten (gestickten) Kleidern wird sie zum KÖNIG geführt werden …” (Ps. 45, 13-14).

V. 22 und 25 deuten sich gegenseitig: Dem FEINLEINEN oder Byssus entspricht die WÜRDE der priesterlichen Gerechtigkeit und Reinheit; der ROTPURPUR deutet hin auf die Hoheit königlicher MACHT. Demnach wird das Königspriestertum Christi nicht nur bei Seinem vollendeten LEIBE, sondern auch bei Seinem erneuerten WEIBE zu finden sein. Offb. 19, 8 bestätigt uns das erstere:

“Und es ward ihr (der Braut des Lammes) gegeben, daß sie sich kleide in feine LEINWAND, glänzend und rein; denn die feine Leinwand sind die Gerechtigkeiten der Heiligen!” (s. auch Offb. 7, 13-15).

Was wird es sein, wenn nach dem Tag der Rache Gottes alle Trauernden getröstet werden — die TRAUERNDEN ZIONS aber von dem Christus als Gnadengeschenk ein Kopfdiadem statt der schmutzigen Asche erhalten, Freudenöl (Wonnebalsam) statt der Trauerkleidung, ein HERRLICHKEITSGEWAND (oder: des Ruhmes Mantel) statt eines verglimmenden Geistes (Jes. 61, 1-3)!

Die Königin in Prachtgewändern
zur Rechten des Messias steht;
sie kündet allen Heidenländern,
daß nun die alte Welt vergeht.
In BYSSUS, PURPUR, KARMESIN
ziert sie des Reiches Anbeginn!
Wie herrlich ist sie doch inwendig,
die da dem König zugesellt!
Des Lammes Braut ist nun lebendig,
durch Gnade wiederhergestellt;
von Goldgeflecht ist all ihr Kleid,
gewirkt aus Christi Herrlichkeit.

11. Macht und Würde sind ihr Gewand — darum lacht sie des kommenden Tages (V. 25)

Müßte es von der WITWE Israel, die “einsam geworden ist unter den Nationen”, nicht ganz anders heißen, so wie es Klagelieder 1, 2 umschreibt: “Bitterlich weint sie des Nachts, und ihre Tränen sind auf ihren Wangen”? So hat die mittelalterliche Kunst der Kirche ja auch immer die SYNAGOGE der EKKLESIA gegenübergestellt, wenn sie diese in plastischen Frauengestalten an ihren Domen und Kathedralen zur Schau stellte. Am bekanntesten ist wohl die Darstellung am Straßburger Münster: Die “Herrin” Ekklesia triumphierend, arrogant mit Kreuzesfahne und Abendmahlskelch auf die “Konkurrentin” Synagoge herabschauend; die “SYNAGOGE” aber mit zerbrochenem Wanderstab und der Augenbinde demütig zu Boden schauend, jedoch mit festem Griff die Heiligen Schriften in der Linken haltend — es ist offensichtlich, wem die heimliche Sympathie des Künstlers galt.

Selbst die Glaubenden Israels “säten” zu allen Zeiten immer nur “mit Tränen”, auch wenn bei den frommen Chassidim noch in den elendesten Verhältnissen die Gottesfreude durchbrach und sie zum “heiligen Tanz” antrieb.

Und doch kann das WEIB, von Gott bekleidet mit LEINEN und PURPUR, “lachend” dem kommenden TAGE des Messiasreiches “entgegensehen” und, noch in der 4. Nachtwache, dem Aufstrahlen der “Sonne der Gerechtigkeit” entgegenharren. Das Lachen der Heiligen und die Freude im Geiste erwächst oft dem bittersten Leide. Beachten wir auch das begründende “darum”; die natürliche Freude einer Frau an Kleid und Mode wird hier zum Vorbild für die Freude des wiederhergestellten Gottesvolkes an Würde und Auferstehungsherrlichkeit in der neuen Weltzeit. Nach 6 Jahrtausenden der Arbeitswoche Israels bricht dann in den 1000 Jahren der Christusherrschaft der Sabbat der Ruhe Gottes an. So gewinnt die Seligpreisung Jesu aus Luk. 5, 21 eine prophetische Dimension im Hinblick auf Israels endzeitliche Errettung: “Glückselig, die ihr jetzt weinet, denn ihr werdet lachen!”

So rühmt es auch der Pfingstpsalm Israels, der 126. Psalm, der 1967 bei der Eroberung Alt-Jerusalems an der heiligen Westmauer gebetet wurde:

“Ein Aufstiegsgesang.
Wenn JHWH die Heimkehrer Zions zurückführt,
werden wie Träumende wir.
Dann wird gefüllt mit LACHEN unser Mund,
und unsere Zunge voll helltönenden Jubels.
Dann wird man sprechen in der Nationenwelt:
“JHWH hat Großes an diesen getan!”
Ja, JHWH hat Großes an uns getan, wir werden Erfreute!
Bringe zurück, JHWH, unsere Gefangenschaft,
gleich Bächen im Südgau!
Die mit TRÄNEN säen, werden mit hellem JUBEL ernten.
ER geht hin und weint im Gehen,
Er, der den Samen zur Aussaat trägt;
ER kommt einst heim mit Jauchzen,
tragend die Garbenbündel!”

Dieser “ER” ist der Christus, der die Welten zur Aussaat trug unter Weinen, der aber am Ende aller Gotteszeiten mit Jubel die vollendete Welt dem Vater zurückbringen wird. Dies ist eine Darstellung des Heilsplanes Gottes im kleinen.

Daß mit dem “wir” die Heimkehrer Zions gemeint sind, ist ebenso klar. Ehe diese jedoch lachen und jauchzen, rühmt “man” in der Nationenwelt den Namen des lebendigen Gottes über der Heimkehr und Rückführung Israels. Diese Gruppe der Lobenden unter den Weltvölkern wird gebildet von den Glaubenden der endzeitlichen Christusgemeinde. Ihr prophetisches Zeugnis wird von den Glaubenden Israels aufgegriffen und nachgesprochen; sie werden vom Traum zum Wachsein, vom Weinen zum Lachen geführt. — Lachend schaut das Weib dem kommenden Tag entgegen!

Bis zu jenem Tage aber “überwacht” die ideale Frau, die wir zunächst in den heiligen Erstlingen Israels schauen dürfen, “alle Vorgänge in ihrem HAUSE” (V. 27). Sie steht noch in der Nacht auf und “bestimmt die Speise für ihr HAUS” und “plant die Arbeit für ihre Mägde” (V. 15).

Sind auch wir solche, die “lachend” dem kommenden Christustag entgegenschauen können, weil wir als “Söhne des Tages wie am Tage wandeln”? Oder bleibt uns nur “ein gewisses furchtvolles Erwarten des Gerichts”, weil wir mit Willen gesündigt haben, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben (Hebr. 10, 26)?

Das WEIB überwacht alle Vorgänge in ihrem Hause, so lasen wir. Das tun auch die WÄCHTER auf den Mauern Jerusalems, die JHWH den ganzen Tag und die ganze Nacht an Seine Verheißungen erinnern und Ihm keine Ruhe gönnen, bis Er selbst Jerusalem zum Ruhme auf Erden macht, — sowohl die Heiligen Israels als auch der Gemeinde Christi, wohl aber auch die Schutzmächte Israels in der unsichtbaren Welt; dabei denken wir vor allem an die Fürstenengel GABRIEL und MICHAEL.

Seit der “Feigenbaum saftig wurde”, beobachten auch wir gespannt alle Vorgänge im Hause des WEIBES und freuen uns der Heimkehr der “Gefangenen Zions”, die der Herr wie Träumende ins Land der Väter zurückführt.

Wir können immer wieder nur bekennen: “JHWH hat Großes an ihnen getan!” So stimmen wir in das Lachen des Weibes ein, die den kommenden Messiastag jauchzend begrüßt.

12. Bekannt (anerkannt) ist ihr MANN in den TOREN, indem er sitzt bei den Ältesten des Landes (der Erde) (V. 23)

Die Würde, Macht und Anerkennung des Mannes erhebt auch seine Frau. So ist die Aussage der Sprüche über den EHEHERRN Israels auch gültig für das WEIB Seines Bundes. So wie der Mann des Weibes Haupt ist, so ist die Frau des Mannes Ehre und Herrlichkeit, wie Paulus betont. So spiegelt sich V. 23 mit seinem Ruhm der Manneswürde wider in V. 28, wo der Ruhm des Weibes erschallt: “Ihre Söhne stehen auf und preisen sie glückselig, ihr MANN steht auf und rühmt sie …”

Die TORE einer Stadt samt dem zugehörigen Platz am Tore waren im Altertum Tagungsstätten des Gerichtes; dort wurden Gerichtsurteile gefällt und Rechtsverträge abgeschlossen. Die erwählten Ältesten des Landes saßen herrschend und richtend dort in ihrer Würde, während die Angegeklagten und Diener standen. — Erinnert uns dies nicht an den Christus, der da sitzt zur Rechten der Majestät in der Höhe, um darauf zu warten, daß der Vater Ihm alle Feinde zum Schemel Seiner Füße lege? Joh. 5, 22 u. 27 sprechen von Seiner Richtervollmacht: “Der Vater selbst richtet niemanden, sondern das gesamte Gericht hat Er dem Sohn übergeben, damit alle den SOHN verherrlichen …” und: “Der Vater hat Ihm Rechtsvollmacht gegeben, Gericht zu halten, weil Er der Sohn des Menschen (= der Weltvollender) ist.”

Dieser Tatbestand ist bei den Lichtesmächten, sonderlich bei den Ältesten des Himmels, bekannt und anerkannt. Sie huldigen dem Lamme, indem sie ihre Kronen vor Ihm niederwerfen und Seine alleinige Würde besingen (Offb. 4, 10-11; 5, 8-10.11-14). So “sitzt” der Christus “inmitten der Himmlischen”; doch auch wir haben im Geiste schon jetzt diesen Platz inne (Eph. 2, 6), weil wir Seine Glieder sind!

Die Fürstentümer und Gewaltigen der Finsternis jedoch stehen Ihm in einer anderen Beziehung gegenüber: Bekanntgeworden ist ihnen Sein Sieg und Seine Herrschaft seit der Auferstehung ebenfalls, und durch die Gemeinde wird ihnen die buntfarbige Weisheit Gottes kundgetan (Eph. 3, 10); doch haben sie dies keineswegs anerkannt. Es bleibt der zweiten feierlichen Einführung des Sohnes durch den Vater in den Erdkreis vorbehalten, daß es sich erfüllt: “Alle Engel Gottes werden Ihn anbeten!” (Hebr. 1, 6). Bis zum Kreuzestod Jesu Christi war diesen Mächten die WEISHEIT Gottes und ihre Wohnstätte und vor allem das Geheimnis Seines Kreuzes (1. Kor. 2, 6-8.14) noch mehr verhüllt als heute. “Denn sie (die Weisheit, der Sohn) ist verborgen vor den Augen aller Lebendigen, und vor den Vögeln des Himmels (= den Dämonen) ist sie verhüllt. Der Abgrund und der Tod sagen: Mit unseren Ohren haben wir ein Gerücht von ihr gehört. Gott aber versteht ihren Weg, und Er kennt ihre Wohnstätte” (Hiob 28, 20-23).

Das Zukunftshandeln des Sohnes, ausgehend vom Kreuz auf Golgatha, wird sich zweifach gestalten: einmal so, daß Er als der Richter, der im TORE sitzt, die Fürsten fesselt und sie ihrer Wirksamkeit beraubt (s. Kol. 2, 15); zum andern so, daß Er Seine Ältesten Weisheit lehrt, die in das Gnadengeheimnis des Evangeliums hineinzuschauen begehren (Eph. 3, 10; 1. Petr. 1, 12).

Erstmals bei Seiner Thronerhöhung und Himmelfahrt, erneut aber bei Seiner glorreichen Wiederkunft, geschah es und wird es geschehen, daß “die TORE ihre Häupter erhoben” und die “Pforten der Urzeit” ehrfurchtsvoll von ihren Sitzen aufstanden; seitdem haben sie allesamt ihre Gerichtsvollmacht an den abgegeben, der in ihrer Mitte sitzt und anerkannt ist in den TOREN. Jene “Pforten der Urzeit”, die ihre “Häupter” erheben sollen beim Einzug des Königs der Herrlichkeit, sind ja gewaltige urzeitliche Mächte der unsichtbaren Welt.

Was hat nun die Aussage über den MANN und seine richterliche Würde mit dem “idealen WEIBE” Israel zu tun?

Gewiß das eine: Die Sache des Weibes ist in der repräsentativen Gerichtsvollmacht des Mannes aufs beste vertreten. Bei Seinem Kommen wird Er auf dem Thron Seiner Herrlichkeit sitzen (und die 12 Apostel auf 12 Thronen). Dann wird Er mit ihnen die 12 Stämme Israels richten — “in der Wiedergeburt”, d. h. zur Herbeiführung der kollektiven Wiedergeburt und Erneuerung Israels, wozu das reinigende Gericht nur der vorbereitende Weg ist (Matth. 19, 28).

Wenn dann endlich Israel gerichtet, gereinigt und wiederhergestellt ist, dann wird ihr MANN Sein WEIB rühmen. Er hat es sich dann erneut anverlobt

  • in Gerechtigkeit und Gericht und
  • in Güte und Barmherzigkeit und Treue (Hosea 2, 19-21).

Weg und Ziel wird in diesem Prophetenwort deutlich. —

Ein Schlußwort mag notwendig sein. Erhebt sich doch die Frage, ob wir einer allzu eifrigen Idealisierung des “Weibes Israel” erlegen sind, weil der Liebende ja gemeinhin die Fehlerhaftigkeit der Geliebten übersieht. Dies mag bei Menschen so sein. Es gilt aber nicht für Gott. Und doch: Der “Gott der Hoffnung” schaut auch das abtrünnige Weib bereits am Ziel der Vollendung, so wie Er auch uns “in Christo Jesu” als Ihm angenehm und wohlgefällig schaut. So durften auch wir in die Idealschau der Christushoffnung einstimmen, der sich als “adon”, als Eheherr, Seines Weibes rühmt.

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”, 3/1984; Paulus-Verlag, Heilbronn)

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