Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Im Geiste wandelt!

Autor: Ludwig, Rudolf  |  Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heiliger Geist, Heiligung, Lehre  |  755 x gelesen

Jedes Kind Gottes hat ständig die Erfahrung eines inneren Streites oder Kampfes. Das wird ihm immer wieder eine Quelle von Unruhe, Zweifel und Entmutigung — solange ihm die biblische Lehre hierüber nicht bekannt, im Glauben von ihm angenommen, verwirklicht und festgehalten wird. Wie der Verfasser aus Gesprächen und Briefen schließen muss, werden manche Gläubige mit solchen Zweifeln beschwert und innerlich angefochten. Aus dieser Wahrnehmung und selbstgemachter Erfahrung heraus ist der vorliegende Artikel entstanden, der den in solchen Anfechtungen stehenden Gläubigen helfen und sie zurechtbringen will, damit ihr Friede im Herzen immer völliger werde. —

In Gal. 5, 17 belehrt uns der Apostel der Gemeinde zunächst über die Tatsache dieses inneren Widerstreites: “Das Fleisch streitet gegen den Geist, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese widerstehen einander.”

Befassen wir uns zuerst mit den sich gegenüberstehenden beiden Polen: Fleisch — Geist.

Das Fleisch

“Fleisch” ist im biblischen Sinne, also von Gott aus gesehen, der Ausdruck für den natürlichen Zustand, in den der Mensch hineingeboren worden ist. Es ist die überkommene sündige Bestimmheit, die in ihrer Betätigung und Auswirkung in Erscheinung tritt, in Wahrheit aber gottfeindlich und ein Zustand der Sünde ist.

Als solche Auswirkungen oder Früchte des Fleisches sind zunächst die verschiedenen Sünden zu nennen, feine und grobe, wie wir sie in den sog. Lasterkatalogen der Schrift aufgezeichnet finden, so z. B. Gal. 5, 19f.; 1. Kor. 6, 9f.; Eph. 5, 5; Kol. 3, 5; 1. Tim. 1, 9.10. Weitere Worte über diese einzelnen Sünden dürften sich hier erübrigen.

Aber die volle Würdigung des bei Paulus vielfach vorkommenden und für das Verständnis seiner Lehre so wichtigen Wortes “Fleisch” (oder “fleischlich”) und des in ihm liegenden Gegensatzes zu “Geist” (oder “geistlich”) zeigt, dass sich Paulus des Wortes Fleisch besonders gern bedient zur Bezeichnung eines bestimmten Ausflusses der adamitischen Natur, nämlich die Betätigung in gesetzlichen, religiösen oder frommen Werken. Der Charakter des Fleisches nach dieser Richtung ist dann, dass es nicht Gott allein die Ehre geben möchte, sondern menschliche Werke das Mittel oder wenigstens Ergänzungsmittel sein sollen zur Erlangung der Gerechtigkeit oder Heiligung vor Gott: Selbstverherrlichung, Selbstruhm! Das Fleisch möchte sich durch fromm erscheinende Werke das Heil selbst oder wenigstens mitverdient haben, mit solchen Werken äusserlich glänzen und sich hervorheben. Das war zunächst die Natur des israelitischen Religionsdienstes, wie er in dem fleischlichen Werke des Talmud bis ins Kleinste festgelegt worden war. Der Kampf, den der Herr ausfechten musste, richtete sich weniger gegen die groben und gemeinen Sünder, sondern vielmehr gegen die äusserlich sehr frommen Pharisäer und Schriftgelehrten, also gegen das fromm gemachte Fleisch.

Fleischlich fromme Werke gab es schon und gibt es noch in den verschiedenen heidnischen Religionen. Sie haben aber auch im Christentum Eingang gefunden. Das beweist die scharfe, rücksichtslose und unüberbrückbare Stellung, die auch Paulus besonders gegen das fromme Fleisch einnimmt. Das gilt aber nicht nur für damals, sondern auch für die Zeit seither bis jetzt, denn die Schrift ist auch uns Heutigen zur Belehrung gegeben in weiser Fürsorge Gottes. Man kann “Fleisch” — mehr oder weniger — überall in christlichen Vereinigungen finden, mögen sie heißen wie sie wollen.

Um die Merkmale oder das Gepräge des frommen Fleisches aufzuzeigen, führen wir einige Schriftstellen von Paulus an:

1. Kor. 3, 3.4.21: “… ihr seid noch fleischlich. Denn wo Eifersucht und Streit bei euch herrschen, seid ihr dann nicht fleischlich und wandelt nach recht menschlicher Art? Denn wenn der eine sagt: ‘Ich halte es mit Paulus’, der andere: ‘Ich mit Apollo’, seid ihr da nicht allzumenschlich? … so rühme sich niemand eines Menschen.”

2. Kor. 11, 13-15.18: “… falsche Apostel, unredliche Arbeiter, die sich die Gestalt von Aposteln des Christus geben. Und das gibt keinen Grund zum Erstaunen. Denn der Satan selbst gibt sich die Gestalt eines Engels des Lichts. Darum ist es nichts Großes, wenn auch seine Diener sich die Gestalt geben, als seien sie Diener der Gerechtigkeit. … Da sich viele nach dem Brauch des Fleisches rühmen.”

Röm. 16, 18: “Solche dienen nicht unserm Herrn Christus, sondern ihrem Bauch, und durch gütige und segnende Worte betrügen sie die Herzen der Arglosen.”

Gal. 4, 9.10.17: “Wie könnt ihr euch da wieder den kraftlosen und armseligen Anfangslehren zuwenden, um ihnen von neuem dienstbar zu sein? Ihr beobachtet ja Tage, Monate, Festzeiten und Jahre. … Jene werben um euch nicht in edler Absicht. Sie wollen euch abwendig machen, damit ihr dann sie umwerbet.”

Gal. 5, 13: “Missbraucht die Freiheit nicht zum Dienst des Fleisches.”

Kol. 2, 8: “Lasst euch von niemand einfangen durch hochklingende Weisheit und leeren Trug, der sich auf menschliche Überlieferung, auf die Grundsätze der Welt stützt, aber nicht auf Christus.”

Kol. 2, 18: “Niemand soll euch den Siegespreis absprechen, niemand, der sich in Verdemütigung und Engeldienst gefällt, sich mit Visionen wichtig macht und doch ohne Grund in seinem fleischlichen Sinn aufgeblasen ist, und der sich nicht an den hält, der das Haupt ist.”

Kol. 2, 20f.: “Warum lasst ihr euch, als lebet ihr noch in der Welt, Satzungen aufbürden: ‘Fass das nicht an!’, ‘Iss nicht davon!’, ‘Berühre das nicht!’. Das fällt doch alles durch den Verbrauch der Vernichtung anheim. Es sind nur Vorschriften und Lehren von Menschen. Sie sehen zwar mit ihrer Frömmelei, Verdemütigung und Leibeskasteiung nach Weisheit aus, sind jedoch wertlos und dienen nur der Befriedigung des Fleisches.”

Phil. 3, 18.19: “… viele wandeln als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott ist ihr Bauch. Ihr Ruhm liegt in ihrer Schande, ihr Sinnen geht auf das Irdische.”

1. Tim. 6, 3f.: “… sinnverwirrte Menschen, die von der Wahrheit abgekommen sind und wähnen, die Frömmigkeit sei eine Erwerbsquelle.” —

Zu beachten ist hier noch, dass Paulus für die letzten Zeiten des Gemeindehaushaltes eine Zunahme auch der Herrschaft des frommen Fleisches voraussagt:

1. Tim. 4, 1f.: “In späteren Zeiten werden manche vom Glauben abfallen und Irrgeistern und Teufelslehren anhangen. Sie gehen von gleisnerischen (= betrügerischen, heuchlerischen; Anm. Bearb.) Lügnern aus, von Menschen, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind. Sie verbieten zu heiraten und gewisse Speisen zu genießen …”

2. Tim. 3, 1f.: “Sie geben sich wohl den Schein der Frömmigkeit, lassen aber deren Kraft vermissen.”

2. Tim. 4, 3f.: “… sich nach eigenem Sinn Lehrer über Lehrer sucht, um sich einen Ohrenschmaus zu verschaffen. Der Wahrheit verschließt man das Ohr und ergötzt sich an erdichteten Erzählungen.” —

Was sagt nun die Schrift über das Fleisch?

“Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch” (Joh. 3, 6), und kann nie Geist werden. “… in ihm (dem Fleisch) wohnt nichts Gutes” (Röm. 7, 18).

Paulus gebraucht übrigens noch andere Worte für Fleisch, so z. B.:

  • “… der natürliche (seelische) Mensch; er vernimmt nicht, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen” (1. Kor. 2, 14);
  • “… der alte Mensch; er ist verdorben nach den betrügerischen Lüsten” (Eph. 4, 22);
  • “… der äussere Mensch; er verfällt Tag für Tag (2. Kor. 4, 16);
  • “… die Gesinnung des Fleisches ist der Tod” (Röm. 8, 6).

Fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft wider Gott, da das Fleisch dem Gesetze Gottes nicht untertan ist; es vermag das auch gar nicht. Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen (Röm. 8, 7.8).

Der gottfeindliche Charakter des Fleisches kann also nicht geändert werden. Fleisch ist und bleibt Fleisch und stets Feindschaft gegen Gott, selbst wenn es bis zum höchsten Grade äusserlich fromm und religiös gemacht wird.

Das Ende des Fleisches mit seiner Gottlosigkeit oder Religion, seinen Lastern oder Tugenden ist der Tod (Röm. 7, 24).

Der Geist

Das Gegenstück zu dem Fleisch ist der Geist, oft auch als Heiliger Geist bezeichnet. Dieser ist eine Heilsgabe Gottes, die dem Menschen nicht etwa, wie das Fleisch, durch die Geburt eigentümlich ist, sondern dem dazu Berufenen erst in Gnaden geschenkt wird. Es ist die Kraft, in der Gott wirkt (Gal. 3, 5). Während “Fleisch” also rein menschlich ist, ist “Geist” rein göttlich. Erst der Besitz dieser Gnadengabe Gottes macht den irdischen Menschen zu einem Kinde Gottes und Vollbürger der Christusgemeinde nach dem Evangelium des Paulus. Die Austeilung dieser Gnadengabe hat sich Gott vorbehalten. “Niemand kann zu mir kommen, ohne dass der Vater, der mich gesandt hat, ihn ziehe” (Joh. 6, 44). “Niemand kann zu mir kommen, ohne dass es ihm gegeben ist vom Vater” (Joh. 6, 65). “Somit liegt es nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen” (Röm. 9, 16). Gott ist es, der das gute Werk in uns anfängt (Phil. 1, 6). —

Wir erlangen den Heiligen Geist also nicht durch irgendwelche Leistungen des Fleisches, sondern durch Gottes Erbarmen, und zwar durch den Glauben (vergl. hierzu Röm. 3, 28-20; Gal. 2, 16; 3, 2.14; 2. Kor. 1, 22; 5, 5; Eph. 1, 13.14). Auch Glaubenkönnen ist nicht etwa ein Werk des Fleisches, sondern das Werk Gottes, welcher selbst einem Jeden das Maß des Glaubens zuteilt (Röm. 12, 3). Es handelt sich um eine Neuschöpfung oder Zeugung Gottes. Zum besseren Verständnis bildlich gesprochen: Es ist ein neuer Sinn zu oder neben unserem bisherigen Sinne, oder eine neue, ganz andere Natur neben unserer alten; wir haben sozusagen eine Doppelnatur. Gott schafft also im Gläubigen etwas ganz Neues, er verbessert nicht etwa das Fleisch, wie das der Mensch gern tun möchte.

Wie das Fleisch, so hat auch der Geist seine Frucht: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit (Gal. 5, 22; Eph. 5, 9). Während das Fleisch nie sündlos gemacht werden kann, kann andererseits der Geist nie sündigen (1. Joh. 3, 9; 5, 18.19).

Auch für den Geist hat Paulus noch andere Bezeichnungen, so z. B.:

  • der geistliche Mensch (1. Kor. 2, 15);
  • der neue Mensch (Eph. 4, 24; Kol. 3, 10; 2. Kor. 5, 17; Gal. 6, 12);
  • der innere Mensch (Röm. 7, 22; 2. Kor. 4, 16; Eph. 1, 23; 3, 16.19);
  • die Gesinnung des Geistes (Röm. 8, 6; 1. Kor. 2, 16).

Während das Fleisch, die irdische Behausung des Geistes, vergeht und stirbt, ist der Geist in uns unvergänglich und unsterblich und erhält eine neue, ihm angemessene und verheißenen Behausung, den neuen Leib, und zwar bei der Entrückung oder Auferstehung, dem Tage Jesu Christi (vergl. hierzu 1. Kor. 15, 35-57).

“Diese widerstehen einander”

Die Erfahrung dieses Widerstreites oder Kampfes muss jedes Kind Gottes durchmachen, es bleibt keines davon verschont. Das Vorhandensein dieses inneren Streites ist mit die Bürgschaft dafür, dass der Geist verliehen wurde; das Zeichen dafür, dass Gott sein Werk in uns angefangen hatund auch vollenden wird (Phil. 1, 6). Wer den Geist aber nicht hat, und sei er auch noch so fromm, der ist nicht sein (Röm. 8, 9.14) und kann also die Erfahrung dieses Kampfes zwischen Fleisch und Geist gar nicht haben. Aus dem Wort ist auch ohne weiteres zu schließen, dass eine Übereinstimmung oder gar Vereinigung zwischen Fleisch und Geist unmöglich ist.

Jedes Kind Gottes hat also die Erfahrung des Kampfes, aber nicht jedes kennt die Schriftlehre darüber. Das wird nun die Ursache so mancher Angst, Unruhe und Verwirrung sein. Mancher fragt sich: Bin ich eigentlich ein Kind Gottes oder ist das nur Trug und Einbildung von mir? Erst die Kenntnis und stete gläubige Annahme der biblischen Lehren gibt hier Trost und Frieden, d. h. Frieden mit Gott, nicht etwa mit dem Fleisch.

Die ersten Erfahrungen dieses inneren Zwiespalts finden wir beschrieben Röm. 7, 18-23: “Ich bin mir bewusst, dass in mir, das heißt in meinem Fleische, nicht das Gute wohnt. Der Wille zum Guten ist zwar da, aber es fehlt am Vollbringen. Ich tue eben nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so vollbringe nicht mehr ich (= der Geist) es, sondern die Sünde (= das Fleisch), die in mir wohnt. Und so finde ich das Gesetz vor: Wenn ich das Gute tun will, liegt mir das Böse näher. Dem inneren Menschen nach habe ich zwar Freude am Gesetze Gottes. Aber ich nehme in meinen Gliedern ein anderes Gesetz wahr, das im Streite liegt mit dem Gesetze meines Geistes. Es macht mich zum Gefangenen unter dem Gesetz, das in meinen Gliedern herrscht.”

Es ist hier nicht etwa vom Zustand eines geistlosen Ungläubigen die Rede, der diesen Widerstreit ja gar nicht kennt und ihn nicht haben kann. Es wird hier vielmehr der Zustand eines Menschen beschrieben, in dem Gott sein Werk bereits angefangen hat, dem er also ein gewisses Maß des Glaubens bereits zugeteilt und den Geist verliehen hat. Der Gläubige fühlt nun den Zwiespalt, der in ihm klafft, und das ist ihm unverständlich. Aber er kennt die biblische Lehre über Fleisch und Geist noch nicht oder hat sie im Glauben noch nicht angenommen oder verharrt nicht im Glauben. Die verschiedenen Erfahrungen des Widerstreits führen nun immer wieder dahin, in den Hilferuf auszubrechen: “Ich unglücklicher Mensch! Wer erlöst mich aus diesem todgeweihten Leibe?” Darauf folgt dann die göttliche Antwort: “Die Gnade Gottes durch Jesum Christum, unsern Herrn!” (”Die Gnade Gottes …” lauten nach von Soden die Worte im alten griechischen Text von Palästina sowie in den altlateinisschen Übersetzungen und auch in der Vulgata. Diese Worte passen auch besser in den Gedankengang hinein als “Ich danke Gott …”.) Anschließend stellt dann Paulus fest: “Nun diene ich selbst mit dem Sinne (= Geiste) einem Gottesgesetze, mit dem Fleische aber einem Sündengesetze.” In Röm. 8, 1f. wird uns dann gesagt, worin die Gnade Gottes besteht, wie Gott diese Sache ansieht: “So gibt es denn jetzt keinen Verurteilungsspruch mehr für die, welche in Christo Jesu sind! … Er hat seinen eigenen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen gesandt und die Sünde im Fleisch verurteilt.”

Es nun allerdings für den geistlichen Menschen ein schreiender Widerspruch und etwas Unbegreifliches, dass der Geist Gottes in diesem sündigen Fleischesleibe wohnen will, der ihm als Behausung dienen muss. Wie erniedrigt sich doch hier Gott! Wieviel Gnade und Geduld hat er für den Menschen! Aber Gott, der sprach: “aus der Finsternis erstrahle das Licht”, hat das Licht auch in unseren Herzen aufleuchten lassen, um das Licht der Erkenntnis der Gottherrlichkeit strahlen zu lassen in der Person Jesu Christi (2. Kor. 4, 6). Solchen Schatz tragen wir nun in unseren irdenen Gefäßen; es soll die überreiche Fülle der Kraft nicht uns, sondern Gott zugeschrieben werden (V. 7).

Der Widerstreit zwischen Geist und Fleisch in uns ist also von Gott verordnet. Wir sollen und können ihn nicht beseitigen. Das Fleisch freilich möchte seine bequeme Ruhe haben. Wenn es möglich wäre, würde es sogar mit dem Geist ein Bündnis schließen oder sich mit ihm vereinigen. Gott selbst hat aber den Trennungsstrich gezogen. Der Widerstreit des Geistes ist gerichtet gegen die Sünde, den alten Menschen, dann gegen die verschiedenen Sünden des Fleisches, grobe und feine, besonders auch (wie uns Paulus so eindringlich zeigt) gegen die Werke des fromm gemachten Fleisches. Endlich aber richtet sich der Widerstand des Geistes gegen die Scheu des Fleisches, Leiden um des Herrn willen zu ertragen.

Das Ziel dieses Widerstandes aber ist: “Damit ihr (die ihr im Geiste seid) nicht tut, was ihr (dem Fleische nach) wollt!”

Doch mit diesen Feststellungen und der Bekanntgabe des Zieles des inneren Kampfes lässt uns Paulus nicht etwa sitzen, er gibt uns vielmehr auch noch das Mittel in die Hand zur Erreichung des Zieles, sozusagen das Rezept, das uns in diesem Kampfe zum Siege führen soll. Dieses lautet:

“Im Geiste wandelt!”

Der Apostel knüpft daran noch die bestimmte Zusage: “… und Fleischeswillen werdet ihr gewiss nicht zur Vollendung bringen.” —

“Wandeln” ist ein ständiges Hin- und Hergehen oder Sichbewegen, also hier “im Geiste”. Wandeln wir im Geiste, so werden wir gewiss nicht (verstärkte Verneinung!) der Lust des Fleisches bis zur Vollendung oder bis zum Ende nachgeben.

Einst glaubte der Mensch dem scheinbar weisen und guten Worte der Schlange. Damit wurde das gnaze nachfolgende Geschlecht versiegelt mit dem gottfeindlichen Geiste in Sünde und Tod. Aber: weil die Welt mit ihrer Weisheit Gott in seiner göttlichen Weisheit nicht erkannte, hat es Gott gefallen, durch eine Botschaft, die dem Fleisch als töricht gilt, die zu retten, die daran glauben (1. Kor. 1, 21; dazu auch Verse 25-29). Beachte diese sinnreiche Parallele!

Der Glaube hinwieder kommt aus der Kunde, die Kunde aber durch das Wort vom Christus, welcher der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Röm. 10, 17; Joh. 14, 6). Als wir der göttlichen Botschaft von Jesus Christus glaubten, erhielten wir die Versiegelung mit dem heiligen Geiste oder wurden hineingetaucht in diesen Geist (Eph. 1, 13; Gal. 3, 2). Haben wir nun den Geist aus Gott durch Glaubensgehör des Wortes vom Christus erhalten, so ist nun ebenso auch nur das reine und unverfälschte Wort Gottes das einzige Mittel für unsern Geisteswandel. Diesen Wandel haben wir im Glauben (nie im Gefühl!) zu führen (2. Kor. 5, 7). Das Wandeln im Geiste ist nicht etwa irgendwelche Beschäftigung mit dem Fleisch, seinen Gedanken, Worten und Werken, denn seit wir versiegelt wurden, gilt vor Gott das Fleisch als abgelegt und abgetan (Kol. 2, 11); wir haben im Glauben uns für die Sünde, das Fleissch, tot zu halten, für Gott aber lebendig in Christo Jesu (Röm. 6, 11). Allerdings wird das Fleisch ständig auf der Lauer stehen und jede Gelegenheit benutzen, seine alte Machtstellung in uns wiederherzustellen. Daher spricht Paulus ja auch von einem Kampfe des Glaubens (1. Tim. 6, 12) und ermahnt uns so oft. So z. B.: “Sinnet nicht auf das, was des Fleisches ist” (Röm. 8), oder: “Für das Fleisch sorgt nicht so, dass böse Begierden erwachsen” (Röm. 13, 14), oder: “Missbraucht nicht eure Freiheit, um dem Fleische zu Willen zu sein” (Gal. 5, 13). Die Triebe und Werke des Fleisches sind im Geistesglauben als ertötet oder erstorben (= so gut als tot) anzusehen und zu behandeln (Röm. 8, 13).

Aber nie darf es nun unser Bestreben werden, solche und ähnliche Ratschläge des Paulus in der Kraft des Fleisches durchführen zu wollen, denn da werden wir immer wieder unterliegen! Gibt uns doch Paulus in unserem hier zur Betrachtung stehenden Texte die feierliche und trostreiche Zusage, dass wir im Fleische nicht vollenden werden, wenn wir im Geiste wandeln! Was ist nun für uns, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, “Wandeln im Geiste”? Wie geschieht das?

Wandeln im Geiste ist ein beständiges gläubiges Studium und Insichaufnehmen des Wortes Gottes, besonders aber aller der Worte, die an die Gemeinde, den Leib des Christus, gerichtet sind. Nicht ist damit ein mechanisches Lernen gemeint, sondern das gläubige Aufnehmen und Annehmen der Worte und Gedanken, ihr gläubiges, persönliches Werten und Verwerten in unserem Wandel. “Christi Wort wohne reichlich unter euch!” (Kol. 3, 16); “sinnet auf das, was droben ist!” (Kol. 3, 1-3). Der Geist vermag zu beurteilen, was gut und böse ist (Röm. 12, 2; Hebr. 4, 12); der Geist erforscht auch die Tiefen Gottes (1. Kor. 2, 10-16). Wenn wir auf das sinnen, was des Geistes ist, so haben wir Leben und Frieden mit Gott (Röm. 8, 5.6). Dann werden wir erkennen lernen, was uns alles von Gott in Christo Jesu geschenkt ist (1. Kor. 2, 12). Wir werden immer mehr Ihn erkennen lernen und die Kraft seiner Auferstehung (Phil. 3, 8.10; Eph. 1, 17; 2. Kor. 2, 14); wir werden immer völliger zu erfassen vermögen die Liebe Christi in ihrer Breite, Länge, Tiefe und Höhe und schließlich dahin kommen, erfüllt zu werden mit der ganzen Fülle Gottes (Eph. 3, 17-19). Dann schauen wir mit unverhülltem (nicht durch das Fleisch verhülltem!) Antlitz die Herrlichkeit des Herrn und werden so durch den Geist des Herrn von Herrlichkeit zu Herrlichkeit zu dem gleichen Bilde umgestaltet (2. Kor. 3, 18).

Bedenken wir aber stets, dass das alles wachstümlich ist und wir nur stückweise vorwärtsschreiten. Es gibt da Unmündige und Mündige, Kindlein, Kinder, Jünglinge und Väter in Christo. Wir wachsen in der Gnade, der Erkenntnis, im Glauben, in der Liebe und der Hoffnung, im Geisteswandel und in den Früchten des Geistes. (Nicht wachsen können wir in der Rechtfertigung, der Sohnschaft und im Geheiligtsein! Dieses ist Stellung, das andre Darstellung. Nur in der Darstellung können wir wachsen.) Das Wann und Wie, das Tempo und die Reihenfolge bestimmt nur Gott, nicht wir! “Meine Gnade sei dir genug!” (2. Kor. 12, 9); das gilt auch für uns. Jeder hat seine eigene Bürde zu tragen (Gal. 6, 1-5); jeder kann gelegentlich und unversehens noch Fehltritte tun. Jeder kann auch in die Lage kommen, unter Tränen den Herrn zu bitten: “Ich glaube, Herr; komm zu Hilfe meinem Unglauben!” (Mark. 9, 24).

Und endlich noch werden wir immer mehr lernen, die Lasten des Anderen zu tragen, einander in Liebe zu dienen, die zu segnen, die uns verfolgen, die Feinde zu lieben, das Böse nicht anzurechnen, nicht Böses mit Bösem zu vergelten, sondern das Böse mit dem Guten zu besiegen. —

Zum Schluss möchten wir noch aufmerksam machen auf einen andern Weg, den uns Paulus ständig empfiehlt und der unsern Geisteswandel stützen und fördern soll, nämlich den des Gebets! So sagt er z. B.: “Redet einander zu mit Psalmen und Lobgesängen und Liedern, wie der Geist sie gibt. Singt und spielt mit eurem Herzen dem Herrn. Sagt immer Dank für alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus” (Eph. 5, 19.20; Kol. 3, 16). “Macht euch keine Sorgen. Bringt in jedem Gebet und Flehen eure Anliegen mit Dank vor Gott” (Phil. 4, 6). Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen für alle Menschen, für Könige und alle Obrigkeiten (1. Tim. 2, 1.2). “Alles, was ihr mit Wort oder Werk vollbringt, tut es alles im Namen des Herrn Jesus als die, die Gott, dem Vater, durch ihn Dank sagen” (Kol. 3, 17). “Betet in jeder Lage im Geist und wacht dazu mit ganzem Beharren und Bitten für alle Heiligen” (Eph. 6, 18). — “Und wenn wir nicht wissen, was wir beten sollen, dann wird schon der Geist selbst ohne Worte mit Seufzern für uns eintreten” (Röm. 8, 26). —

Nehmen wir nun noch die Ermahnung des Paulus, Gal. 5, 25, mit auf den Weg:

“Wenn wir im Geiste leben, so lasset und auch im Geiste wandeln!”

(Quelle: “Wort und Geist”, 35. Jahrgang, Januar/Februar 1941 — “Wort und Geist” war die nachfolgende Zweimonatsschrift von “Das prophetische Wort” und der Vorgänger der heute erhältlichen “Gnade und Herrlichkeit” aus dem Paulus-Verlag Karl Geyer, Heilbronn)

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