Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Der Umfang unserer Verkündigung

Autor: Geyer, Karl  |  Kategorie(n): Allversöhnung, Erkenntnis & Wesen Gottes, Gemeinde, Lehre  |  638 x gelesen

“Denn ich bezeuge euch an dem heutigen Tage, dass ich rein bin von dem Blute aller, denn ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen.” (Apg. 20, 26.27)

Die Welt wird einmal vor dem großen weißen Thron gerichtet werden nach ihren Werken. Die Gläubigen aber werden vor dem Preisrichterstuhl Christi offenbar. Dort werden sie empfangen nach ihrem Glauben, je nachdem sie auf den Grund Christus Gold, Silber, Edelsteine oder Holz, Heu, Stroh gebaut haben (1. Kor. 3, 13-15). Ihre Handlungen sind die Frucht ihres Glaubens (pistis), ihrer Treue. Und man sucht an den Haushaltern nicht mehr, denn dass sie treu erfunden werden.

Diese Treue wird in besonderem Maße von denen erwartet, die anderen mit dem Worte dienen. Ihnen wird viel anvertraut, darum wird auch viel von ihnen gefordert werden (Luk. 12, 48). Sie tragen ja nicht nur für sich und ihre eigene Glaubenshaltung Verantwortung, sondern auch für die, denen sie das Evangelium Gottes predigen. Darum empfangen die Lehrer der Gemeinde ein schwereres Urteil (Jak. 3, 1).

Die Gemeinde ist in ihrem Glauben abhängig von der Verkündigung; die Verkündigung aber kommt aus dem Worte Gottes (Röm. 10, 17). Wie können sie aber glauben, wenn ihnen nicht gepredigt wird (Röm. 10, 14)? Wie kann der Glaube wachsen, wenn die Gedanken und Pläne Gottes nicht enthüllt werden? — Wie soll er Gott alles zutrauen, wenn das Kommende nicht verkündigt wird? — Denn der Glaube ist eine Verwirklichung (Wesentlichmachung) dessen, was man hofft. Wo aber das Hoffnungsgut noch unbekannt ist, kann der Glaube es nicht ergreifen und für sich selbst im Geiste wesentlich machen. Da fehlt dann die heilige Freude auf das Kommende und damit jeder Anreiz zur Erduldung der Leiden in der Jetztzeit und zur freiwilligen Hingabe der vergänglichen Werte des jetzigen Äons und des Scheinglücks zeitlicher Ergötzung durch die Sünde. Denn der Christus erduldete für die vor ihm liegende Freude das Kreuz.

Nur der, der die Hoffnung hat, ihm einmal gleich zu sein, reinigt sich, gleichwie er rein ist (1. Joh. 3, 3; 2. Kor. 7, 1). Durch das glaubende Ergreifen der Verheißungen werden wir Teilhaber der göttlichen Natur (2. Petr. 1, 4), und wir werden wachsend und freudebringend in jedem guten Werke durch die Erkenntnis Gottes (Kol. 1, 9.10). Ja, wir können nur dann die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnen und besonnen, gerecht und gottselig leben, in dem jetzigen Äon (Zeitlauf), indem wir erwarten die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus (Tit. 2, 12.13).

Ohne diese Erwartung ist es nicht möglich, auf das Jetzige, das Sichtbare, zu verzichten und gottselig zu leben; ohne Erkenntnis Gottes gibt es kein Wachsen und Fruchtbringen in jedem guten Werke und keinen würdigen Wandel zu allem Wohlgefallen; ohne die Hoffnung, ihm gleich zu sein, reinigen wir uns nie in dem gleichen Maße, wie er rein ist, und ohne die vor uns liegende Freude haben wir nicht die Kraft, das Kreuz zu erdulden.

Darum hat es der Feind darauf angelegt, den Quell unserer Kraft zu verstopfen, damit wir nicht lebendige Zuflüsse empfangen aus Gott selbst, um durch sie das Wachstum Gottes zu wachsen bis zum vollen Maße des Manneswuchses des Christus. So will er unser Vollkommenwerden in Christo verhindern, unser Hingeführtwerden zur geistlichen Reife (Kol. 1, 28), unser Erfülltwerden mit Geist und Kraft (Eph. 1, 17-19), ja mit aller Gottesfülle (Eph. 3, 14-21). Satan will das Erfülltwerden der Gläubigen mit der Erkenntnis des Willens Gottes unterbinden, denn die Einsicht in die geheimen Pläne Gottes ist ein besonderer Erweis der überströmenden Gnade Gottes und bildet uns um, damit wir etwas seien zum Preise der Herrlichkeit dieser Gnade (Eph. 1, 3-14). Dafür führt Paulus den großen Kampf seines Lebens, damit wir zu allem Reichtum der vollen Gewissheit des Verständnisses kommen, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes (Kol. 2, 1-3). Niemand soll uns davon wegführen durch überredende Worte (Kol. 2, 4), wenn er auch in Demut einhergeht und uns in die gleiche Scheindemut führen will, indem er uns vom Haupte (und der damit verbundenen Herrlichkeitsstellung) löst und uns zum Kasteien unseres Körpers anleitet (Kol. 2, 18-23).

Nach dem Zeugnis der Schrift ist es überströmende Gnade, wenn Gott uns hineinschauen lässt in seinen geheimen Willen, in die Tiefe seines Ratschlusses und seiner Liebespläne mit dem gesamten All. Durch das Anschauen dieser Herrlichkeit werden wir umgestaltet in die gleiche Herrlichkeit von einer Klarheit zur anderen.

Wer darum den Gläubigen den Einblick in die Tiefen der Herrlichkeit verwehrt oder sie durch das Nichtverkünden des ganzen Ratschlusses Gottes daran hindert, umgestaltet zu werden in sein Bild, beraubt sie an der Teilhaberschaft des göttlichen Wesens und der ihnen verheißenen Herrlichkeit. Damit aber macht er sich schuldig an dem Blute aller. Das aber ist eine Schuld, die weit hinausgeht über jeden Raub an irdischen Gütern. Denn dieser Raub geschieht an den wesenhaften Gütern der künftigen Welt, am Göttlichen, am Bleibenden, am höchsten Geistesbesitz der Menschheit, den Gott den Glaubenden zum Vorausgenuss bereits jetzt geschenkt hat.

Was nützt es dann, wenn wir den weltlich Armen Gutes tun, zugleich aber die Kinder Gottes an ihrem geistlichen Besitz verkürzen?

Paulus war rein von dem Blute aller. Er hatte in seiner Verkündigung nichts zurückgehalten von dem ganzen Rarschluss Gottes. Das Evangelium der Herrlichkeit des seligen Gottes, das ihm anvertraut war (1. Tim. 1, 11), hatte er ganz verkündigt (Röm. 15, 19). Er handelte nicht nach der scheinbar so schlauen Meinung vieler Gläubigen, dass man gewisse herrliche Wahrheiten zwar für sich selbst glauben dürfe, sie aber keinesfalls lehren solle, sondern er wusste, wofür er arbeitete und wofür er sich schmähen ließ: “Dafür arbeiten wir auch und werden geschmäht, weil wir auf einen lebendigen Gott hoffen, der ein Erretter (soter) aller Menschen ist, der Gläubigen zuerst. Dieses gebiete und lehre!” (1. Tim. 4, 10.11).

Der Herr möge uns durch seine überströmende Gnade immer völligere Einsicht in das Geheimnis seines Willens schenken und uns wachsend und fruchtbringend werden lassen in jedem guten Werke durch die Erkenntnis seiner selbst! Er schenke uns aber auch Kraft und Freimütigkeit zum Bezeugen der vollen Wahrheit, zum Verkünden des ganzen Ratschlusses Gottes (von dem auch das prophetische Wort ein wesentlicher Teil ist), damit wir rein bleiben von dem Blute aller!

(Quelle: “Wort und Geist”, 35. Jahrgang, Januar/Februar 1941 — “Wort und Geist” war die nachfolgende Zweimonatsschrift von “Das prophetische Wort” und der Vorgänger der heute erhältlichen “Gnade und Herrlichkeit” aus dem Paulus-Verlag Karl Geyer, Heilbronn)

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