Der Turmbau zu Babel
Autor: Wörz, Reiner | Kategorie(n): Das Böse, Endzeit, Unsichtbare Welt, Versuchung & Verführung, Völkerschaften, Zeitgeist | 1,036 x gelesen(Nach einem Vortrag an Pfingsten 2000 auf der Langensteinbacherhöhe; Audiovortrag)
Im Zuge des europäischen Einheitsprozesses wurde am 1. Januar 2002 die Einheitswährung Euro eingeführt. Auf dem Madrider EU-Gipfel im Dezember 1993, der die Einführung vorbereiten sollte, sagte der damalige portugiesische Ministerpräsident Antonio Guterres: “Dein Name sei Euro, und auf dich will ich die europäische Einigung bauen”. Er spielte damit auf das Wort des Herrn aus Matth. 18, 18 an: “Aber auch ich sage dir, dass du bist Petrus; und auf diesen Felsen will ich meine Versammlung bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.” Man kann sich kaum des Eindruckes erwehren, als hätte das Streben nach Einheit und Vereinheitlichung von Staaten nicht nur visionären, sondern beinahe heilbringenden, religiösen Charakter. Warum ist dies so? Warum wird die Welteinheit gerade in unserer Zeit so vorangetrieben?
Um zu verstehen, warum die Menschheit gerade in den letzten Jahren und Jahrzehnten so zur Einheit drängt, lohnt es sich, einen Blick in das Buch der Anfänge zu werfen. Das 1. Buch Mose heißt im Hebräischen einfach “Im Anfang”. In ihm werden uns die Anfänge der Menschheitsentwicklung gezeigt. So wird über urzeitliche Einheitsbestrebungen kurze Zeit nach der Sintflut berichtet. Schon damals zeigte die zur Einheit strebende Menschheit alle Eigenschaften und Wesenszüge, die auch im heutigen Einheitsprozess eine Rolle spielen:
“Und die ganze Erde hatte eine Sprache und einerlei Worte. Und es geschah, als sie nach Osten zogen, da fanden sie eine Ebene im Lande Sinear und wohnten daselbst. Und sie sprachen einer zum anderen: Wohlan, lasst uns Ziegel streichen und hart brennen! Und der Ziegel diente ihnen als Stein, und das Erdharz diente ihnen als Mörtel. Und sie sprachen: Wohlan, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm, dessen Spitze an den Himmel reiche, und machen wir uns einen Namen, dass wir nicht zerstreut werden über die ganze Erde! Und Jehova fuhr hernieder, die Stadt und den Turm zu sehen, welche die Menschenkinder bauten. Und Jehova sprach: Siehe, sie sind ein Volk und haben alle eine Sprache, und dies haben sie angefangen zu tun; und nun wird ihnen nichts verwehrt werden, was sie zu tun ersinnen. Wohlan, lasst uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, dass sie einer des anderen Sprache nicht verstehen! Und Jehova zerstreute sie von dannen über die ganze Erde; und sie hörten auf, die Stadt zu bauen. Darum gab man ihr den Namen Babel; denn daselbst verwirrte Jehova die Sprache der ganzen Erde, und von dannen zerstreute sie Jehova über die ganze Erde” (1. Mo. 11, 1-9).
1. Verhältnisse zur Zeit des Turmbaues
a) Die Zeit des Turmbaues
Der Turmbau zu Babel könnte um das Jahr 2.000 bis 2.100 Jahre v. Chr. stattgefunden haben; also vor nunmehr über 4.000 Jahren. Das gewaltige Gericht der weltweiten Sintflut lag erst ca. 200 bis 250 Jahre zurück.
b) Die Herrschaftsverhältnisse
Es war die Herrschaftszeit des Diktators Nimrod, eines Prototypen (Vorläufers) des Antichristen aus der Fluchlinie Hams. Er war ein gewaltiger Herrscher, der uns nach der Sintflut als erster Städtegründer genannt wird. Zu seinem Reich gehörte auch das Babel der Urzeit. “Nimrod, der fing an, ein Gewaltiger zu sein auf der Erde. Er war ein gewaltiger Jäger vor Jehova; darum sagt man: Wie Nimrod, ein gewaltiger Jäger vor Jehova! Und der Anfang seines Reiches war Babel …” (1. Mo. 10, 8-10). Nimrod und das I. Babel sind prophetische Modelle für den letzten Weltherrscher, den Antichristen in den Johannesbriefen, und die endzeitliche große Hure von Offb. 17. Das griechische “Thärion” (mst. übersetzt mit “Tier”) als Bezeichnung des Antichristen in der Offb. umfasst das “Jäger sein”. Der letzte Weltherrscher ist, wie sein Vorgänger in der Urzeit, ein gewaltiger Jäger, ein Menschenjäger. Alle, die nicht bereit sind ihm göttliche Anbetung zu bringen, werden grausam verfolgt (Offb. 13, 15).
c) Die geographische Lage der Stadt Babel
Nach 1. Mo. 11, 2 fand der Bau der gewaltigen Stadt in der Ebene Sinear statt. Diese befindet sich im heutigen Irak. Die Ebene dürfte durch ihre Lage im Zweistromland von Euphrat und Tigris sehr fruchtbar gewesen sein und bot von daher ausgezeichnete Bewirtschaftungsmöglichkeiten des Bodens als Lebensgrundlage. Des weiteren wird der Fischfang zur Ernährung der großen Stadt beigetragen haben.
Die Ebene Sinear wird achtmal in der Schrift erwähnt. Sie scheint einen besonderen Bezug zur Geisterwelt zu haben, weil sie immer wieder als Zentrum widergöttlicher Mächte in Erscheinung tritt. “Babil”, so die Bezeichnungen in den Keilschriften, heißt ja “Eingangspforte der Götter”!
Im übrigen bestand die Welt nach biblischem Zeugnis damals noch aus einem Kontinent, in dessen Mitte später der Nabel der Welt gelegen hat, die Stadt Jerusalem, die freilich damals noch nicht existierte. Hier am Berg Morija könnte auch der Garten Eden vor der Sintflut gelegen haben. Die Aufspaltung in einzelne Kontinente erfolgte erst einige Jahre später in den Tagen Pelegs (1. Mo. 10, 25). Die Kontinentaldrift (das langsame, aber messbare Auseinanderdriften der Kontinente) zeugt noch heute vom gewaltsamen Auseinanderreißen der Kontinente. Es war der deutsche Geophysiker und Meteorologe Prof. Alfred Wegener, der 1912 erstmals die Theorie aufstellte, dass ein ursprünglicher Urkontinent (Pangäa) in die heutigen Kontinente auseinandergebrochen sei. Inzwischen ist die zunächst abgelehnte Theorie weitgehend akzeptiert und in eine umfassendere Theorie der “Plattentektonik” integriert.
d) Sonstige Lebensverhältnisse
a) Die rasche Abnahme des durchschnittlichen Lebensalters und die Zunahme von Krankheiten: die Altersangaben vor der Sintflut sind um ein vielfaches höher als danach. Während vor der Flut die Menschen nicht selten 800 Lebensjahre und mehr erreichten, nahm nach der Flut das durchschnittliche Lebensalter stark ab. Bald stellte sich die für die jetzige Zeit gültige biblische Norm ein: “Die Tage unserer Jahre, ihrer sind siebzig Jahre, und, wenn in Kraft, achtzig Jahre, und ihr Stolz ist Mühsal und Nichtigkeit, denn schnell eilt es vorüber, und wir fliegen dahin” (Ps. 90, 10).
Dies dürfte damit zusammenhängen, dass vor der Sintflut in großer Höhe ein schützender Wassergürtel die Erde umgab, der das Eindringen von schädlicher Weltraumstrahlung (kosmische Hintergrundstrahlung usw.) stark dämpfte. Bei der Sintflut öffneten sich ja neben den “Quellen der Tiefe” auch die “Fenster der Himmel” (1. Mo. 7, 11). Man kann deshalb davon ausgehen, dass dieser schützende Gürtel abgeregnet wurde und verschwand. Durch die um ein vielfaches erhöhte Strahlung kommt es zur Schädigung des Menschen, die sein Lebensalter stark verkürzen und vermehrt zu Krankheiten führen. Des weiteren werden wesentlich rauhere klimatische Bedingungen auf der Erde anzutreffen gewesen sein, als dies vor der Flut der Fall war. Die Menschen waren härteren Umwelteinflüssen ausgesetzt.
b) Das vorsintflutliche Wissen, insbesondere im okkulten Bereich (Verbindungsaufnahme mit den “Göttern”), war noch stärker vorhanden. Über Noah und seine Söhne (im okkulten Bereich vor allem Ham) wurde das Wissen, das die Menschen vor der Flut noch hatten, zumindest ein Stück weit, “herübergerettet”. Nach den biblischen Angaben hat Noah Adam fast noch gekannt. Das Eindringen der “Göttersöhne” (1. Mo. 6, 1ff.) hat er selbst noch erlebt. Mit dem Untergang der Bibliothek von Alexandria (erste Teilbereiche 47 v. Chr. zerstört) ist ein großer Teil des Wissens der alten Welt verloren gegangen (die Bibliothek soll zu ihrer Blütezeit 900.000 Papyrusrollen enthalten haben; eine für damalige Verhältnisse ungeheure Zahl). Dies betraf nicht nur negative Gebiete wie den Okkultismus, sondern durchaus auch positive Bereiche wie die Medizin oder die Astronomie.
c) Im Bereich der Kommunikation gab es nur eine Sprache (Hebräisch?): “Und die ganze Erde hatte eine Sprache und einerlei Worte” (1. Mo. 11, 1). “Einerlei Worte” könnte darauf hindeuten, dass der Wortsinn einheitlicher war als in späteren Zeiten. Es kam deshalb zu weniger Missverständnissen. Wie leicht kann man sich heute missverstehen, obwohl man die gleiche Sprache spricht. “Eine Sprache und einerlei Worte” förderten die Einheit der Menschen in besonderer Weise. Man verstand sich gut — warum sollte man sich auf der Fläche des Erdbodens zerstreuen? Gerade diese sprachliche Einheit zerstörte Gott dann in der babylonischen Sprachverwirrung. Es überrascht nicht, dass in der Endzeit wieder eine Sprachvereinheitlichung im Gange ist.
d) Die Menschheit wohnte damals noch konzentriert beieinander. Sie bildeten eine sichtbare Einheit. Ihre Zahl war noch relativ klein (etwa 200.000 bis 250.000) und überschaubar (wenn wir die Mehrungsrate Israels in Ägypten zugrunde legen, erscheint es realistisch, dass aus den acht Überlebenden der Sintflut in 200 bis 250 Jahren so viele Menschen wurden — hatte Gott ihnen doch einen besonderen Mehrungssegen zugesprochen, 1. Mo. 9, 1.7; zudem waren die ersten Menschen noch nicht so stark degeneriert und hatten zumindest ein Stück weit die noch bessere körperliche Konstitution der vorsintflutlichen Welt).
Schlagwortartig könnte man die Situation so beschreiben: “Ein Volk – ein Führer (Nimrod) – ein Land – eine Sprache – eine Gesinnung”. Dies erinnert doch stark an eine andere Parole, die in Deutschland vor 60 Jahren mit Begeisterung ausgerufen wurde: “Ein Volk — ein Reich — ein Führer”! — Mit Babylon erlebte die Menschheit nach der Flut einen ersten kulturellen und wirtschaftlichen Kulminationspunkt. Ihr Reichtum dokumentiert sich an den enormen Mitteln, die für den Turmbau investiert werden mussten. Ihr Reichtum mehrte aber nicht die Dankbarkeit Gott gegenüber, an dessen Segen alles gelegen ist, sondern sie lösten sich von ihm und suchten die Götzen und ihre Götter. Sehen wir nicht auch hier die Parallelen zu unsrer Zeit? Wohin hat der ungeheure Wohlstand insbesondere das christliche Abendland geführt? Wohin führt er uns? Sind wir Gott dankbar und begnügen uns mit dem, was vorhanden ist oder wollen wir immer mehr haben? “Der Wandel sei ohne Geldliebe; begnüget euch mit dem, was vorhanden ist, denn er hat gesagt: ‘Ich will dich nicht versäumen, noch dich verlassen’” (Hebr. 13, 5).
2. Die Motivation der Menschen für den Bau der Stadt und des Turmes
Warum haben die Menschen die Stadt erbaut und sich der großen Mühe des Turmbaues unterzogen, der enorme finanzielle Mittel verschlang und viele Arbeitskräfte band? 5 Gründe seien angeführt (man kann sicher noch eine Reihe mehr nennen):
a) Sie wollten sich einen “Namen machen”
In V. 4 heißt es: “… Wohlan, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm, dessen Spitze an den Himmel reiche, und machen wir uns einen Namen …”
Die Menschen und vor allem ihre Führer wollten sich selbst rühmen und bauten die Stadt und den Turm zu ihres Namens Ehre. Sie waren stolz auf sich und ihr gewaltiges Bauwerk. Hoch angesehen wollten sie sich ihren “Platz in der Geschichte” sichern. Sie wollten nicht den Namen, der über allen Namen ist, rühmen, sondern sich selbst, ihre Größe und Stärke! Wir lesen nicht, dass die Stadt und der Turm zur Ehre Gottes gebaut wurden. Allein an dieser Tatsache können wir erkennen, von welchem Geist sie getrieben wurden. Es war eine widergöttliche Gesinnung, die Menschen und Götter verherrlichte.
Die endzeitliche Verherrlichung des Übermenschentums F. Nitzsche’s wird in der Person des Antichristen ihren Höhepunkt finden, wenn er als Mensch gewordener Gott angebetet wird (2. Thess. 2, 4). Er wird außergewöhnliches leisten und die Menschen werden staunen über seine Tatkraft, seine kreative und schöpferische Intelligenz. Mit seiner überragenden Rhetorik, mit Zeichen und Wundern wird er die Menschheit verführen und unter einen dämonischen Bann bringen.
Interessanterweise will der widergöttliche Geist sich immer wieder in Stein verewigen, so dass insbesondere Monumentalbauten und übergroße Statuen von den großen Diktatoren errichtet wurden. Der Hang zum Gigantismus ist überdeutlich, während Gott sich oft gerade im Kleinen und Unscheinbaren zeigt.
Drei Beispiele aus der Geschichte sollen dies kurz illustrieren:
1) Nebukadnezar, der Vollender des II. Babel: Das II. Babel befand sich ebenfalls in der Ebene Sinear. Es war eine herrliche, gewaltige Stadt, die von mehreren sehr hohen Verteidigungsmauern umgeben war. Architektonische Glanzlichter waren ohne Zweifel der herrliche Königspalast, die Pracht- und Prozessionsstrasse aus blauen Reliefziegeln mit dem weltberühmten Ischtartor (ein kleiner Teil davon kann im Pergamonmuseum in Berlin besichtigt werden) und die hängenden Gärten, die eins der sieben Weltwunder des Altertums darstellten. Die stolze Haltung und Gesinnung des Königs von Babel wird im Buch Daniel deutlich: “Nach Ablauf von 12 Monaten, als er auf dem königlichen Palast in Babel auf und ab ging, begann der König und sagte: Ist das nicht das große Babel, das ich durch die Stärke meiner Macht und zur Ehre meiner Herrlichkeit zum königlichen Wohnsitz erbaut habe?” (Dan. 4, 26-27).
Diese stolze, ich-bezogene Gesinnung dürfte wohl auch bei Nimrod und den anderen Erbauern des I. Babel prägend gewesen sein.
2) Cäsar Nero: Er ließ als antichristlicher Vorläufer im 1. Jahrhundert nach dem Brand Roms einen Palast gigantischen Ausmaßes bauen (das “goldene Haus”). Der Palast war über die Maßen prachtvoll mit Marmor, Gold und Edelsteinen ausgestattet. Vor dem Eingang stand eine ca. 35 m hohe Statue, die ihn selbst darstellen sollte. Im übrigen schob er den Brand Roms den Christen in die Schuhe und ließ Hunderte öffentlich bei grausamen Spielen hinrichten.
3) Adolf Hitler mit seinem Hang zum Gigantismus. Er ließ immer wieder riesige Aufmärsche zelebrieren. Zusammen mit seinem Architekten und späteren Rüstungsminister Albert Speer plante er nach einem gewonnenen Krieg in Berlin und anderen Städten Großbauten, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellen sollten. So ist in den Erinnerungen Speers von 1969 ein Zukunftsmodell abgebildet. Als Höhepunkte einer 5 km langen Prachtstrasse war ein 120 m hoher Triumphbogen mit den Namen aller zwei Millionen deutschen Gefallenen des ersten Weltkrieges geplant. Des weiteren sollte ein gigantischer Kuppeldom mit 250 m Durchmesser und einer Höhe von 290 m entstehen. Auf der Spitze des Steinriesen sollte ein gewaltiger Reichsadler thronen, der in seinen Fängen die Weltkugel hält (der Innenraum der Peterskirche hätte siebzehnmal in den Koloss gepasst: 150.000 bis 180.000 Stehplätze waren vorgesehen). Neben einem riesigen Führerpalast und einem Staatsbahnhof mit vier Verkehrsebenen sollte noch ein Stadion für 400.000 Menschen als Dauersitz für die olympischen Spiele entstehen.
Eine weitere Möglichkeit “machen wir uns einen Namen” zu deuten, besteht darin, dass hier der Missbrauch des heiligen Tetragramms (der Gottesname Jehova besteht im Hebr. nur aus 4 Buchstaben, deshalb die Bezeichnung) zum Ausdruck kommt. Sich einen “Schem machen” (Schem = Name) bedeutet im jüdischen Denken, den Namen Gottes missbräuchlich zu okkulten Zwecken anzurufen. Diese teuflische Praxis begann in der Urzeit in den Tagen Enoschs (1. Mo. 4, 26) — so deutet es u. a. der berühmte jüdische Ausleger Raschi (1040 - 1105) in seinem Pentateuch-Kommentar diesen Vers; auch E. Bullinger deutet das Anrufen Gottes hier negativ — und wird bis heute in Satansmessen praktiziert. Von diesem Missbrauch her verstehen wir das göttliche Gebot in 2. Mo. 20, 7 besser: “Trage nicht Seinen deines Gottes Namen auf das Wahnhafte, denn nicht straffrei lässt Er ihn, der seinen Namen auf das Wahnhafte trägt” (so nach der Verdeutschung von Martin Buber). Das missbräuchliche Anrufen des heiligen Tetragramms führt in den Bereich der Geistmächte, die den Menschen umnachten und ins Wahnhafte führen wollen.
b) Die Stadt und der Turm sollten ihre Zerstreuung verhindern
Indirekt kann man V. 4: “dass wir nicht zerstreut werden über die ganze Erde!” entnehmen, dass die Menschen sich nach göttlichem Auftrag zerstreuen sollten. Eine Zerstreuung über die Fläche des Erdbodens war ja damals noch leichter möglich, da — wie bereits dargelegt — die Erde nur aus einem Urozean und einem Kontinent bestand. — Die Menschen jedoch wollten zusammen bleiben und bauten zum Zeichen ihrer Einheit und Stärke den Turm und die Stadt. Sie handelten im bewussten Ungehorsam Gott gegenüber.
Ohne Zweifel fördern große Menschenmassen i. d. R. die Sünde und die Gesetzlosigkeit. Wenn wir uns die großen Metropolen dieser Welt einmal betrachten, so sind es immer Orte, in denen in besonderer Weise die Gottlosigkeit anzutreffen ist. Hohe Kriminalität, sexuelle Freizügigkeit (bis hin zur Perversion), ungute Liberalität usw. kennzeichnen nicht nur New York, Berlin, Frankfurt oder Paris, sondern mehr oder weniger alle großen Städte. Der erste Städtebauer, der uns in der Schrift genannt wird, war der Mörder Kain (1. Mo. 4, 18). Nach der Flut war es der Ur-Antichrist Nimrod (1. Mo. 10, 10-11). Der Feind will Menschenmassen auf engem Raum als Nährboden für das Fleisch.
So verwundert es uns nicht, dass die Menschen des 1. Babel sich nicht zerstreuen, sondern zusammen in der Stadt wohnen wollten. Auch kann es nicht überraschen, dass wir seit 100 bis 150 Jahren eine Verstädterung der Weltbevölkerung beobachten. In manchen Ländern spricht man geradezu von einer Landflucht. Dazu kommt noch die Tatsache, dass mit den modernen Kommunikationsmitteln (Telefon, Internet …) und den Massenmedien (TV, Radio, Zeitung) heute niemand mehr auf dem Land “hinter dem Mond” wohnt, sondern dass alle Informationen, Modeerscheinungen, Zeitströmungen usw. zumindest die Menschen der Wohlstandsnationen gleichzeitig erreichen. Die Menschheit ist auf dem Weg zu einem “globalen Dorf”, bei dem alle miteinbezogen werden. Die Idee des kosmopolitischen Denkens vom Weltbürger ist auf dem besten Weg, Realität zu werden. Uniformierung, Vereinheitlichung und Gleichschaltung sind heute noch ganz anders möglich, als zur Zeit des “Volksempfängers” im III. Reich.
Was für gewaltige Verführungsmöglichkeiten für einen “Führer” der Endzeit! Ist dies alles Zufall oder wird dieses Zusammenwachsen aus der unsichtbaren Welt gesteuert, um die Menschheit einheitlich antichristlich zu prägen und auf die Ankunft des falschen Messias vorzubereiten? Die Welteinheit der Hure Babylon geht dem Antichristen voraus! Nebenbei gesagt wird der Stadtgedanke im letzten Weltreich in der Megapolis “Babylon, die Große” ihre Endzeitausreife finden, bevor das göttliche Gericht in einer Stunde über sie hereinbricht (Offb. 18, 1). Einen kleinen Anschauungsunterricht hatten wir ja am 11. September 2001 als die beiden Türme (!) des World Trade Centers (übersetzt Welthandelszentrum) in einer guten Stunde nach den Anschlägen eingestürzt sind. New York hat viele Gemeinsamkeiten mit dem Babylon der Endzeit (Völkergemisch — es waren Angehörige von Dutzenden von Nationen unter den Opfern —, Weltwirtschaftszentrum mit der Wallstreet, dem Zentrum der Börsen- und Finanzwelt, hoher jüdischen Bevölkerungsanteil usw.).
Von der endzeitlichen Hure Babylon mit ihrem geistlichen und fleischlichen Hurenwesen geht die dämonische Religions- und Völkervermischung in die ganze Welt aus. Sie berauscht alle mit ihrer Pracht und macht sie unnüchtern und offen für das Treiben der Feinde Gottes:
“Komm her, ich will dir das Urteil über die große Hure zeigen, die auf den vielen Wassern sitzt, mit welcher die Könige der Erde Hurerei getrieben haben; und die auf der Erde wohnen, sind trunken geworden von dem Weine ihrer Hurerei. Und er führte mich im Geiste hinweg in eine Wüste; und ich sah ein Weib auf einem scharlachroten Tiere sitzen, voll Namen der Lästerung, das sieben Köpfe und zehn Hörner hatte. Und das Weib war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelgestein und Perlen, und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voll Greuel und Unreinigkeit ihrer Hurerei; und an ihrer Stirn einen Namen geschrieben: Geheimnis, Babylon, die große, die Mutter der Huren und der Greuel der Erde” (Offb. 17, 1-5).
Städte haben allerdings in der Schrift nicht nur negativen Charakter. Denken wir nur an die Stadt Jerusalem, die Gott selbst sich zum Eigentum erwählt hatte. Offenbar hat der Feind — wie so oft — den göttlichen Gedanken nachgeäfft und pervertiert.
c) Flucht vor Gott
“Und es geschah, als sie nach Osten zogen, da fanden sie eine Ebene im Lande Sinear und wohnten daselbst” (Vers 2). Da die Menschen sich vor Gott nicht beugen wollten und statt sich auf der Fläche des Erdbodens zu zerstreuen, beieinander blieben, flohen sie auch geographisch weg vom Angesicht des Herrn nach Osten. Sie wollten sich ein eigenes Reich und eine neue Heimat errichten. Es war wohl auf der menschlichen Ebene ein Zufallsprodukt, dass sie genau in der Ebene Sinear landeten. Es gab sicherlich zahlreiche fruchtbare Flussebenen. Aber — wie wir noch sehen werden — nicht von Seiten der die Menschen inspirierenden Geistmächte. Die Wahl erinnerte an die Wahl Lots, der Jahrhunderte später gegenüber Abraham ebenfalls die fruchtbare Ebene mit ihren Städten Sodom und Gomorra erkor (1. Mo. 13, 11ff.). Was ihm und seiner Familie nicht zum geistlichen Segen gereichte.
d) Die Menschen wollten eigen- und selbstständig sein
Die Schilderung in 1. Mo. 11 zeigt zwischen den Zeilen, dass die Erbauer nicht in Abhängigkeit zu Gott handelten. Sie selbst waren die Aktiven. Sie wollten sich nicht das “Heft aus der Hand nehmen lassen” und demonstrierten im Bau ihre Freiheit und Unabhängigkeit. Wir lesen nicht, dass Gottes Segen für den Bau erfleht wurde. Statt dessen heißt es immer in aktiver Ausdrucksweise über die Erbauer: “sie zogen … sie fanden … sie sprachen … lasst uns … bauen wir uns … machen wir uns” usw. Das zeigt deutlich, wer hier voranschritt, Pläne schmiedete und sie ausführte. Daneben signalisiert das wiederholt vorkommende “wir” ihre Ich- und Selbstbezogenheit. Gott wurde nicht gefragt, dafür ermutigten und bestärkten sie sich gegenseitig (”Und sie sprachen einer zum anderen …”). So entstand eine Einheitsmeinung und ein Einheitsdruck, dem sich der Einzelne immer schwerer entziehen konnte. Wir dürfen im Unterschied dazu lernen, bei allen unseren Plänen Gott im Gebet bewusst miteinzubeziehen und in Abhängigkeit von ihm unseren Weg zu gehen.
Es ist heute wie damals schwer, gegen den Strom zu schwimmen. Wir spüren in unseren Tagen diesen Meinungsdruck immer stärker. Er wird vor allem durch die Massenmedien erzeugt (denken wir nur an die Frage der Homosexualität, bei der in den letzten 2 bis 3 Jahrzehnten durch die Massenmedien, das gesamte Denken und Empfinden auf den Kopf gestellt wurde). Hinter dem Zeitgeist steht der Gott und Fürst dieser Welt. Bibelorientierte Gläubige werden zunehmend als Fundamentalisten wahrgenommen, die einer humanistischen und toleranten Weiterentwicklung der Menschheit im Wege stehen. Im römischen Reich war der Hauptanklagepunkt gegen die Christen: “Hasser des Menschengeschlechtes”! Die Geschichte wird sich wohl auch hier wiederholen.
Es gibt heute zunehmend einen “Einheitsbrei”, bei dem jeder macht, was er will, der aber doch so von den Geistmächten gelenkt wird, dass die Hauptstoßrichtung der Abfall vom lebendigen Gott ist und die Menschheit unbewusst immer tiefer in Sünde und in den Sog des Treibens der finsteren Mächte gerät! Frei nach dem Motto: “Tu was du willst, das ist das wahre Leben! Iss und trink, denn morgen sterben wir!” Und J. W. Goethe lässt den Hexenchor und Mephistopheles in der Walpurgisnacht im Faust sprechen: “Der Weg ist breit, der Weg ist lang, was ist das für ein voller Drang. … Der ganze Strudel strebt nach oben; Du glaubst zu schieben, und wirst doch geschoben.” So glaubt die Menschheit in der Endzeit, dass sie die globale Entwicklung lenkt und leitet und doch wird sie in ihrer Selbstsucht von den Kosmokratoren geschoben (J. W. Goethe: “Das Volk merkt es gar nicht, wenn es der Teufel am Kragen hat!”).
Wie bereits festgestellt, spielen bei der Beeinflussung und Uniformierung der Menschen die Massenmedien eine wichtige Rolle. Sie sind es, die die Menschen informieren (d. h. von innen formen und prägen). Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass eine mediengeprägte junge Generation, die zum Teil so unverständig auf die Älteren herabblickt, heute wesentlich schneller einem Verführer verfallen würde, als die Menschen vor 70 Jahren in Deutschland.
Wir aber dürfen uns vom Wort Gottes informieren, prägen und formen lassen, dann können wir recht mit den Informationen dieser Welt umgehen. Wir können sie vom Wort Gottes her einordnen und überbewerten sie nicht! Wir dürfen durch das prophetische Wort hinter die aufgebauten Kulissen und Fassaden schauen und die wesenhafteren, verborgenen Zusammenhänge erkennen! Wir brauchen uns nicht vom Lichtglanz des Feindes blenden lassen! Wer allerdings anstatt “das Wort Christi reichlich in sich wohnen zu lassen” (Kol. 3, 16), sich zu viel mit Zeitungen, Internet, Fernsehen, Illustrierten beschäftigt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er vom Welt- und Zeitgeist geprägt wird und sein geistliches Leben immer schwächer wird. Meines Erachtens ist aber ein gewisses Maß an Information wichtig, damit wir auch die Zeichen der Zeit wahrnehmen. Ist es nicht erschreckend, wieweit der Zeitgeist und die Meinungen der Welt schon in die Gemeinden eingedrungen sind und man merkt es nicht? Wie die Endzeitgemeinde Laodicea meint man reich zu sein, wähnt sich sogar am “Gipfel des Erkenntnisberges” zu stehen und blickt verächtlich auf frühere Generationen von Gläubigen, die noch nicht so weit waren, und ist geistlich doch blind geworden. Nackt, erbärmlich, elend und bei allem äußeren Reichtum doch innerlich arm, so lautet die Diagnose des Weltenrichters Christus Jesus (Offb. 3, 14ff.).
Der fünfte und letzte Grund für den Bau der Stadt und des Turmes leitet zugleich über zur Rolle der Geisterwelt in diesem Geschehen.
e) Beeinflussung, Inspiration durch die kosmischen Finsternismächte
Unter der Führung Satans, des Gottes und Fürsten dieses bösen, gegenwärtigen Zeitlaufes (2. Kor. 4, 4), versuchten die widergöttlichen Mächte, die Menschen dazu zu bewegen, dass sie wieder Verbindung mit ihnen aufnehmen. Davon inspiriert und geleitet hatten die Menschen Sehnsucht nach der Wiederherstellung der alten “Luftbrücke”, wie sie vor der Sintflut anzutreffen war (1. Mo. 6, 1ff.). Diese Sehnsucht nach den kosmischen Lehrmeistern war der tiefere Grund für den Turmbau. Wolfgang Jugel schreibt hierzu: “Der Zusammenhang des Textes deutet den Turmbau als einen Versuch — im Gedenken an das Kommen außerirdischer Mächte in der Vergangenheit — einen magischen Vorstoß ins Transzendente zu wagen, um auf diese Weise einen erneuten Kontakt mit ihnen herzustellen, bzw. sie zu einer Wiederkunft zu provozieren” (”Urzeit und Endzeit”, S.75).
Der Turm wird wohl wie bei den Zikkurats der Assyrier und Babylonier an der Spitze einen Raum gehabt haben, in dem auserwählte Jungfrauen den Göttern dargeboten wurden. Sie materialisierten immer wieder in die Sichtbarkeit und hatten mit den Menschentöchtern sexuellen Umgang. So entstanden bereits vor der Sintflut die “Riesen” auf Erden (1. Mo. 6, 1ff.). Es waren Mischwesen aus Menschen- und Engelsamen. Der Riese Goliath und seine Brüder sind ein Beispiel, dass auch nach der Sintflut noch solche Wesen gezeugt wurden. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot besuchte 460 v. Chr. die Stadt Babylon und beschrieb in seinem Reisebericht den Turm zu Babel wie folgt: “Inmitten des Heiligtums (des Zeus-Belos) war ein massiver Turm erbaut. … Auf diesem Turm erhob sich ein anderer, auf diesem wieder ein anderer, und so acht Türme, immer einer auf dem anderen. Die Rampe, die zu ihnen hinaufführt, ist außen rings um alle Türme gebaut. In halber Höhe befindet sich ein Rastort mit Ruhebänken, wo diejenigen, die hinaufsteigen, sich niedersetzen und ausruhen. Im letzten Turm befindet sich ein großer Tempel, in diesem Tempel ein großes, reich geschmücktes Bett und daneben ein goldener Tisch. Kein Götterbild ist dort aufgestellt. Niemand verbringt dort die Nacht außer einer Frau des Landes, die der Gott selber erwählt hat. So erzählen die Chaldäer, welche die Priester der Gottheit sind” (nach Hans Heinrich Schmid: “Die Steine und das Wort”, Zürich 1975, S. 97).
Das Weihen von Frauen für die Dämonenwelt findet bis heute statt. Es ist nicht auszuschließen, dass der Antichrist mit seinen übernatürlichen Fähigkeiten und Kräften ebenfalls einer solchen schaurigen Verbindung entspringt.
3. Die Rolle der Geisterwelt beim Turmbau zu Babel
a) Die Ebene Sinear als “Offenbarungsstätte” des Feindes
Aus der Sicht der Menschen scheint vieles zufällig geschehen zu sein, in Wirklichkeit stand aber die Finsterniswelt hinter den “Zufällen”. Die Wahl der Ebene Sinear wird von daher zu verstehen sein. Gott hatte im Alten Bund eine besondere Offenbarungsstätte, wo er seinen Namen wohnen lassen wollte (5. Mo. 12, 11). Es war zunächst die Stiftshütte und dann im heiligen Land und in der Stadt Jerusalem der Tempel. So hat auch Satan, der ein Nachäffer Gottes ist, besondere “Offenbarungsstätten”. Die Ebene Sinear dürfte eine solche sein. Das I. und II. Babel standen dort.
Meiner Meinung nach wird dort auch die Stadt Babylon der Endzeit wieder ihren Sitz haben, obwohl es eine Reihe von Merkmalen der Hure Babylon gibt, die auf New York oder Rom in geradezu frappierender Weise zutreffen. Aus einer Reihe von Gründen, die auf einen zukünftigen Bau der Stadt Babylon im heutigen Irak hindeuten, sei nur das Nachtgesicht des Propheten Sacharja im 5. Kap. genannt. Hier wird das gottlose Wirtschaftsjudentum (Weib im Getreidemaß Epha) von einer Geistmacht (= 2 Frauen mit Storchenflügeln) in die Ebene Sinear (= Zweistromland) gebracht, um ihr dort ein Haus (= Stadt) zu bauen. Zu beachten ist, dass die Hure Babylon der Offb. ein endzeitliches System (wirtschaftlich, religiös, politisch usw.) ist, das sein Zentrum in einer Megapolis Babylon haben wird. An jeder Stelle muss aus dem Kontext geschlossen werden, ob hier das System oder die Stadt oder beides gemeint ist. Sollte Babylon tatsächlich im heutigen Irak wieder gebaut werden, müsste das westliche Abendland unter Führung der USA in den nächsten Jahren dort Zugriff haben, da gerade im “christlichen” Abendland die Welthure und das Antichristentum im entstehen sind. Erleben wir vielleicht in den nächsten Jahren den Zugriff der USA? Von daher könnte der “endzeitliche Turmbau” nicht irgendwo sein Zentrum haben, sondern wie in der Urzeit in der Ebene Sinear im Zweistromland.
b) Das babylonische Prinzip des Vermengen und Vermischen
So wie die Menschen nach oben in die himmlischen Bereiche streben (aus eigener Kraft), so drängen die Dämonen aus dem Lufthimmel nach unten, um sich mit den Menschen vermischen. Babel ist der Ort des Vermischens und der Vermengung, während Gott, ein Gott des Friedens und der Ordnung ist. Gott scheidet, trennt und schafft dadurch klare Ordnungen (s. z. B. in 1. Mo. 1 — auch im Leben eines Gläubigen will der Geist Gottes durch den Richter des Wortes scheiden und trennen und so geistliche Ordnung schaffen, Hebr. 4, 12; “Kraut und Rüben” im Garten der Seele behindern das geistliche Leben und Wachstum). Der Feind dagegen mischt alles ineinander, um auf diese Weise im Verborgenen wirken zu können. Dieses babylonische Prinzip wirkt bis heute auf allen Ebenen. Denken wir an die Völker- und Kulturvermischung in unseren Tagen. Denken wir weiter an den Religionssynkretismus. Das Gesicht von Widder und Ziegenbock in Dan. 8 hat sich ja ohne Zweifel mit den Eroberungszügen Alexander des Großen gegen das persische Reich zumindest vorerfüllt. Seine Herrschaft war darauf aus, die Völker zu vermischen (z. B. bei Massenhochzeit zu Susa zwischen Makedonen und den eroberten Völkern) und einen einheitlichen Wirtschafts- und Sprachraum zu schaffen. Der Hellenismus trat damals seinen Siegeszug an. Aus einem der Nachfolgereiche kam ja dann der antichristliche Vorläufer Antiochus Epiphanes, der die Juden grausam verfolgte. Er verbot die Beschneidung und richtete den “Greuel der Verwüstung” im Tempel auf, in dem er auf einer neuen Brandopferplatte im Tempel Schweine opfern ließ. In den Nebengemächern wurde ein Bordell eingerichtet. Könnte die Endzeiterfüllung von Dan. 8 so aussehen, dass der Westen unter Führung der USA zu einem Siegeszug militärischer, wirtschaftlicher und kultureller Art auszieht und es auf diese Weise zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum usw. kommt? Könnte dann nicht relativ schnell der letzte Weltherrscher aus einem der “Diadochenreiche” (so nannte man die Reiche, denen die Generäle Alexander des Großen nach seinem Tode vorstanden) emporsteigen? Westliche Menschenrechte werden immer mehr zum weltweiten Maßstab. Nationen, die sich den internationalen Vorgaben widersetzen, müssen heute damit rechnen, zunächst unter die rigiden Kontrollmechanismen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds zu geraten. Finanzielle Hilfen werden vom Wohlverhalten abhängig gemacht. In extremen Fällen wird, unter dem Banner der UNO, die für Menschenrechte und Humanismus streitet, militärisch eingegriffen.
Ein besondere Mischung ist das Ineinandermengen von Engel- und Menschensamen, so wie es ja schon einmal in besonderer Weise geschehen ist (1. Mo. 6, 1ff., Judas 6-7, 1. Petr. 3, 20, 2. Petr. 2, 4-7). Gott musste dann das schwere Gericht der Sintflut durchführen, um überhaupt noch acht Menschen hindurchretten zu können. Der Turmbau zu Babel hatte das Ziel des erneuten Herabstieges der Göttersöhne (= gefallene Engel) und der Vermischung mit den Menschen, um die Menschheit für Gott unbrauchbar zu machen.
Normalerweise hat Gott ja den bösen Mächten Schranken gesetzt, damit sie nicht ohne weiteres in einen Menschen eindringen können. Eine große Rolle spielt hier auf der natürlichen Ebene die sachliche Nüchternheit und das klare, logische Denken. Deswegen fördert der Feind auch jede Form der Unnüchternheit und Berauschung (gerade im religiösen Bereich), um besseren Zugang zu den Menschen zu haben. Sein Ziel ist es, durch die Vernebelung der Sinne zu berauschen, um verführen zu können (Missbrauch von Alkohol, Drogen, Musik, gruppendynamische Effekte, aufpeitschende Massenveranstaltungen mit ihrem Kollektivdruck usw.). Betrachten wir nur einmal animistische Urreligionen, bei denen fast immer die Verbindungsaufnahme mit den finsteren Mächten durch Drogen oder stundenlanges tanzen in Trance erfolgt. Spricht dann der Geist durch das Medium, ist es nicht bei Sinnen und dient lediglich als mechanisches Werkzeug für den Dämon. Oft kommt es bei solchen Beschwörungen zu den schamlosesten Handlungen, jedenfalls dann, wenn ganze Gruppen beteiligt sind. Das Denken als Wächter wird ausgeschaltet, um durch Unnüchternheit den gottgegebenen Schutzwall herabzusetzen. Gott hingegen wird uns nie manipulieren, sondern er fordert uns im Wort regelmäßig zum Mit-, Um- und Neudenken auf. Es ist geradezu ein Kennzeichen der Wirkung des Heiligen Geistes, das wir ernüchtert ins geistliche Denken anhand des Wortes geführt werden. Dies schließt Gefühle und andere seelische Regungen nicht aus. Wichtig ist nur, dass sie nicht zum bestimmenden Element werden, sondern lediglich Begleiterscheinungen sind, die da sein können oder auch nicht.
Damals, zur Zeit des Turmbaues, griff Gott durch Gericht ein. In der Endzeit jedoch lässt er das Böse ausreifen, bevor es dann erst ganz am Ende gerichtet wird (der endzeitliche Turmbau wird gelingen). Das Antichristentum mit seinen Protagonisten Hure Babylon und dem letzten Weltherrscher wird zur vollen “Blüte” heranreifen und in seinen widergöttlichen Unternehmungen Erfolg haben, bevor Gott eingreift: “Und es (= das kleine Horn = der Antichrist) warf die Wahrheit zu Boden und handelte und hatte Gelingen” (Dan. 8, 12). So öffnet sich heute die Menschheit, durch die Geisterwelt inspiriert, immer mehr und bewusster für die transzendente Welt! Wir haben es mit der prophezeiten endzeitlichen Vermischung von Engel- und Menschenwelt zu tun. Die 10 Zehen des Standbildes aus Dan. 2 stellen die Endzeitform der Weltreiche dar (Dan. 2, 28.41.42). Sie sind gekennzeichnet durch ein Gemisch von Lehm und Eisen, welches die Mischung der Engel- mit der Menschenwelt symbolisiert. Wie in der Urzeit vor der Flut die Vermischung da war, so wird es am Ende der Tage wieder sein. Da die Geschichte der Weltreiche ihrem Höhepunkt im antichristlichen Weltreich entgegen geht, braucht es uns nicht zu verwundern, dass gerade in den letzten Jahrzehnten eine okkulte Welle über das christliche Abendland geht. Bei diversen okkulten Praktiken kommt es zur Verbindungsaufnahme mit der Dämonenwelt. Der Feind will die Menschheit unter seinem irdischen Stellvertreter, dem Antichristen, vereinen. Unter seiner Hauptschaft sollen sie mit dem Geist von unten beseelt werden, um sie als Werkzeug gegen Gott zu missbrauchen. Im Grunde nimmt er das Ziel einer neuen Menschheit unter dem Haupt Christi (Eph. 1, 10) satanisch entstellt vorweg.
c) Die Rolle der Technik beim endzeitlichen “Turmbau”
Es soll noch auf die eine oder andere Möglichkeit hingewiesen werden, wie es evtl. ebenfalls zur Vermischung der unsicht- und sichtbaren Welt kommen kann:
Wir dürfen in unseren Tagen nicht nur an die Möglichkeit der Vermischung durch sexuellen Umgang bei Satansmessen denken, sondern müssen auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass der Feind bei modernen Verfahren der Gentechnik und der Biotechnologie seine “Finger im Spiel” hat. Wer weiß, was in den Labors weltweit geschieht? Ist die Möglichkeit Menschen zu klonen oder mit bestimmten Genstrukturen zu schaffen, nicht unheimlich? Kann der Engelsame nicht auch auf solche Weise in die Menschheit eindringen? Überhaupt scheint man dem Traum des vollkommenen Übermenschen mit diesen Techniken näher kommen zu wollen. Ein Biogenetiker äußerte sich in blasphemischer Weise so: “Zu was brauchen wir Gott? Wir sind Gott!” Die Endzeithybris übersteigt die Menschenverherrlichung der Urzeit bei weitem. Eine andere Möglichkeit wären die zahlreichen Berichte von UFO-Erscheinungen bei denen Menschen entführt und vergewaltigt (!) wurden (bei der Vielzahl von glaubwürdigen Berichten über UFO-Erscheinungen von Piloten, US-Präsidenten, z. B. Carter, usw. kann man die Tatsache von UFOs nicht einfach als Hirngespinst abtun).
Überhaupt stellt sich die Frage der Technisierung der Engelwelt. Woher kommt die moderne Technik? Ist Gottes Welt etwa im Millennium oder noch später technisiert? Augenfällig ist ja, dass gerade zum Ende der Tage sich durch die Technik das menschliche Dasein grundlegend verändert hat. Seit rund 150 Jahren findet eine wahre Revolution statt. Während früher viele Menschen mit in Handarbeit sich mühen mussten, kam es durch den technologischen Fortschritt zu einer radikalen Neugestaltung der Arbeitswelt. Aber nicht allein der Arbeitsprozess wurde revolutioniert. Heute ist das gesamte Lebensumfeld des Menschen durch moderne Technik geprägt (Auto, Computer, Radio, Telefon, Kühlschrank, Mähmaschine usw.). Ohne Übertreibung kann man von einer Abhängigkeit sprechen. Stellen wir uns nur einmal ein Krankenhaus ohne Technik vor. Woher kommen die Geistesblitze der Ingenieure und Erfinder? Könnte es sein, dass die Technisierung der Menschheit auf die unsichtbare Welt zurückgeht? Natürlich gibt es zahlreiche segensreiche technische Errungenschaften wie etwa der moderne, technisierte Buchdruck, der es uns allen ermöglicht, Bibeln und geistliche Bücher zu erschwingbaren Preisen zu kaufen, Tonbandaufnahmen von Predigten, die vielen zum reichen Segen gereichten. Aber alles in allem dürfte dem gefallenen Menschen die Technik mehr zum Schaden gereichen als zum Segen. Geht es bei technischen Errungenschaften nicht auch darum, von Gott gesetzte Grenzen zu überschreiten und ohne Gott leben zu wollen?
Wenn am Ende dieser bösen Weltzeit Satan aus dem Thronhimmel geworfen wird, kann es gut sein, dass er sein ungeheures Wissen auf technischem Gebiet “mitbringt” und es gerade im antichristlichen Reich zu Quantensprüngen im Bereich der Gentechnik, der Medizin, der Weltraumfahrt, der Elektronik, der Computer usw. kommt! A. Hitler war in Deutschland der erste Politiker der das damals modernste Verkehrsmittel, das Flugzeug, für seine propagandistische Reisen einsetzte. “Hitler über Deutschland” führte für die damaligen Verhältnisse zu einer Art Omnipräsenz des Parteivorsitzenden der NSDAP. Ebenso bediente er sich des neuesten Massenmediums, des Volksempfängers. So wird der Antichrist die modernsten Mittel für seine Zwecke nutzen. Im übrigen ist A. Hitler als frommer, christlicher Politiker angetreten. So hat er in seiner Regierungserklärung als Reichskanzler im Jahr 1933 sinngemäß ausgeführt: Das Christentum ist Basis unserer gesamten Moral – die Familie Keimzelle unseres Volkes- und Staatskörpers (was ihn allerdings nicht hinderte viele Jahre mit Eva Braun in wilder Ehe zusammenzuleben!). Die endzeitliche Verführung wird im “frommen Gewand” kommen. Das Antichristliche wird sich zunächst hinter einer christlichen Fassade verstecken.
d) Die prophezeite endzeitliche Einheit
Was damals in den Tagen Nimrods begann und durch Gottes Eingreifen nicht vollendet werden konnte, wird in der Endzeit der Menschheit mit Hilfe ihrer kosmischen Lehrmeister gelingen. Friedrich Malessa schreibt hierzu: “Schon seit langer Zeit wird in der gottfernen Welt die totale Vereinigung angestrebt. Wer hinter diesem Bestreben steht, wissen wir: Der Gott dieser Welt. … Der Durcheinanderwerfer muss schon viel Schlauheit besitzen, um sein revolutionäres Wesen mit einem Friedenswesen maskieren zu können, denn nur durch eine faszinierende Maskierung ist solches möglich. Aber er bringt es fertig! … Im zwanzigsten Jahrhundert ist in den Einheitsbemühungen ein sprunghafter Fortschritt festzustellen” (aus: “Der Vereinigungs-Prozess der Welt”). Das zunehmende Zusammenrücken der Nationen ist augenscheinlich. Am Ende dieses Prozesses kommt es zur Welteinheit. Zunächst unter der Hure Babylon und später dann unter dem Antichristen. Es erfüllt sich Ps. 2, 1-3: “Warum toben die Nationen und sinnen Eitles die Völkerschaften? Es treten auf die Könige der Erde, und die Fürsten ratschlagen miteinander wider Jehova und wider seinen Gesalbten: ‘Lasset uns zerreißen ihre Bande, und von uns werfen ihre Seile!’” Die Vollerfüllung von 1. Mo. 11, 6 wird in diesen Tagen ebenfalls geschehen: “Und Jehova sprach: Siehe, sie sind ein Volk und haben alle eine Sprache, und dies haben sie angefangen zu tun; und nun wird ihnen nichts verwehrt werden, was sie zu tun ersinnen” — das Böse wird Gelingen haben und darf bis zur vollen Gerichtsreife wachsen.
Der Nimrod der Endzeit wird zusammen mit dem “falschen Propheten” (der “Goebbels” der Letztzeit) am Ende einer satanisch inspirierten Welteinheit mit vielen Zeichen und Wundern in der Rebellion gegen Gott vorstehen. Er setzt sich nach seiner Rückkehr aus dem Totenreich (Nachäffung der Auferstehung Jesu — Offb. 13, 3.12.14 und 17, 8-11) in den noch zu bauenden III. Tempel in Jerusalem und erklärt, er sei Gott (2. Thess. 2, 4). Das ist der “Greuel der Verwüstung” von dem unser Herr in seiner Endzeitrede spricht (Matth. 24, 15). Offb. 13, 11-18 berichtet uns von diesen Tagen:
“Und ich sah ein anderes Tier aus der Erde aufsteigen (= falscher Prophet): und es hatte zwei Hörner gleich einem Lamme, und es redete wie ein Drache. Und die ganze Gewalt des ersten Tieres (= Antichrist) übt es vor ihm aus, und es macht, dass die Erde und die auf ihr wohnen das erste Tier anbeten, dessen Todeswunde geheilt wurde. Und es tut große Zeichen, dass es selbst Feuer vom Himmel auf die Erde herabkommen lässt vor den Menschen; und es verführt, die auf der Erde wohnen wegen der Zeichen, welche vor dem Tiere zu tun ihm gegeben wurde, indem es die, welche auf der Erde wohnen, auffordert, ein Bild dem Tiere zu machen, das die Wunde des Schwertes hat und lebte. Und es wurde ihm gegeben, dem Bilde des Tieres Odem zu geben, auf dass das Bild des Tieres auch redete und bewirkte, dass alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten. — Äfft der Feind beim Bild, das Odem erhält, die Einhauchung des Odems bei Adam durch Gott nach (1. Mo 2, 7)? — Und es bringt alle dahin, die Kleinen und die Großen, und die Reichen und die Armen, und die Freien und die Knechte, dass sie ein Malzeichen annehmen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn; und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, als nur der, welcher das Malzeichen hat, den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl; und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.”
Im übrigen wird es in diesem Reich durchaus noch demokratische Prozesse geben. “Diese haben einen Sinn (Einheit!) und geben (freiwillig in einem demokratischen Prozess) ihre Macht und Gewalt dem Tiere. (Tierherrschaft und Demokratie schließen sich nicht aus!) Diese werden mit dem Lamme Krieg führen (Stoßrichtung nach oben, gegen Gott!) …” (Offb. 17, 13-14). Auch A. Hitler kam am Ende der Weimarer Republik verfassungsgemäß und demokratisch legitimiert an die Macht (Reichspräsident Hindenburg ernannte ihn im März 1933 zum Reichskanzler, nach dem die NSDAP stärkste Fraktion im Reichstag wurde).
Auf dem Weg in diese Welteinheit sind wir heute! Es geht, wie am Anfang dargelegt, um nichts völlig Neues, sondern die Ausreife und Vollendung von jahrtausendealten Linien in der Geschichte der Menschheit. Prediger 1, 9 und 3, 15 belehrt uns: “Das, was gewesen, ist das, was sein wird; und das, was geschehen, ist das, was geschehen wird. Und es ist gar nichts Neues unter der Sonne. — Was da ist, war längst, und was sein wird, ist längst gewesen; und Gott sucht das Vergangene wieder hervor.” Die globalen Probleme zwingen die Führer der Nationalstaaten geradezu zur weltweiten Zusammenarbeit und letztendlich zur Einheit! Die Welt wird politisch und wirtschaftlich vernetzt. Menschlich gesehen, gibt es viele gute Gründe global zu denken und zu handeln. Beispielhaft seien hier nur der Umweltschutz genannt, bei dem nationale Maßnahmen allein nie zum Ziel führen können und die Schaffung von internationalen Rechtsstandards, um die Kriminalität im Internet zu bekämpfen. Bei der heutigen wirtschaftlichen Verflochtenheit der Weltwirtschaft ist es für den einzelnen Staat geradezu un- möglich, isoliert erfolgreiche Wirtschaftspolitik zu gestalten. Banken und riesige Konzerne operieren weltweit und fordern immer lauter einheitliche Regelungen in der ganzen Welt. Ein Staat, der sich hier verschließt, wird sehr schnell große Nachteile haben, dass er früher oder später gezwungen ist mitzumachen.
Wir leben in einer Zeit in der alles zur Einheit strebt; immer mehr bilaterale und internationale Abkommen vernetzen die Welt. Die Globalisierung der Weltwirtschaft ist der Hauptmotor in diesem unaufhaltsamen Prozess! Infolgedessen müsse Industrienormen, Umweltschutzauflagen, Aktienrecht, Bilanzierungsregeln usw. vereinheitlicht werden. Die Schaffung von einheitlichen Wirtschaftsräumen (z. B. EU, NAFTA, ASEAN) bringt Einheitswährungen wie den Euro mit sich. Vielleicht erleben wir in den nächsten Jahren den “Euro-Dollar”, die Verschmelzung der beiden Hauptwährungen in der Welt. Eine Sprachvereinheitlichung ist ebenfalls im Gange. Im Bereich der Luft- und Schifffahrt ist Englisch global die maßgebende Sprache. Die zunehmende Bedeutung der UNO im Weltgeschehen ist Ausdruck der Globalisierung und Internationalisierung. Es gibt immer mehr militärische Einsätze im internationalen Staatenverbund (Sach. 12 und 14 schildern zwei solche Einsätze mit unterschiedlichem Ausgang gegen Israel und die heilige Stadt)! Auch im religiösen Raum sind ungeheure Einheitsbestrebungen im Gange! Ist das nicht der Weg, hin zur Hure Babylon? Der Tübinger Prof. Hans Küng ist der Auffassung, dass die Einheit der Menschen nur über die Einheit und Toleranz in den Religionen erreicht werden kann (Weltethosgedanke).
Die Vereinheitlichung wird letztendlich von der unsichtbaren Welt bestimmt. Das Ganze geht einher mit einer immer bewussteren Öffnung für die Geisterwelt und einem weltweiten Abfall von Gottes Ordnungen auf allen Ebenen!
4. Das göttliche Gericht
Gott kommt vom Himmel herab und betrachtet sich die Rebellion und Empörung der Menschen (eine feine göttliche Ironie: der gewaltige Bau und die Großstadt waren in den Augen Gottes so klein, dass man sie vom Himmel gar nicht richtig wahrnehmen konnte). 1. Mo. 11, 7-9: “Wohlan, lasst uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, dass sie einer des anderen Sprache nicht verstehen! Und Jehova zerstreute sie von dannen über die ganze Erde; und sie hörten auf, die Stadt zu bauen. Darum gab man ihr den Namen Babel [Verwirrung]; denn daselbst verwirrte Jehova die Sprache der ganzen Erde, und von dannen zerstreute sie Jehova über die ganze Erde.”
Die Menschheit wird nun genau mit dem bestraft, was sie freiwillig nicht bereit war zu tun. Sie wird über die Fläche des Erdbodens zerstreut. Deswegen findet man bei fast allen Hochkulturen dieser Erde Stufenpyramiden, die an den großen Turmbau zu Babel erinnern (die Pyramiden in Ägypten, bei den Babyloniern und Assyrern im Zweistromland, bei den Mayas und Inkas in Südamerika, das Marae auf Haiti, die zahlreichen Chedis (Tempeltürme) in den asiatischen Ländern, die Pagoden in Indien usw.). Zusätzlich verwirrt Gott noch die Sprachen. Diese Maßnahmen trennten die Menschen innerlich und äußerlich. Eine Entwicklung hin zur Einheit und zur Vollausreife der Sünde wurde dadurch über Jahrtausende gehemmt. Verwundert es uns noch, warum gerade diese Barrieren heute beseitigt werden müssen? Gott erzieht seine Söhne gerade auch durch sein rechtzeitiges Eingreifen: “… und habt der Ermahnung vergessen, die zu euch als zu Söhnen spricht: ‘Mein Sohn! Achte nicht gering des Herrn Züchtigung, noch ermatte, wenn du von ihm gestraft wirst; denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er geißelt aber jeden Sohn, den er aufnimmt.’ Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung: Gott handelt mit euch als mit Söhnen; denn wer ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt?” (Hebr. 12, 5-7).
Wir sollten dies bedenken, wenn Gott unsere zum Teil hochfahrenden Pläne zunichte macht und uns ganz andere Wege führt, als wir es uns erdacht haben. Gott demütigt uns, damit er uns zu seiner Zeit erhöhen kann. Er lässt uns nicht den Weg der Selbsterhöhung, des “Turmbaues” im eigenen Leben gehen, damit er uns nicht im Gericht erniedrigen muss. Sind wir für diese Führungen dankbar? Haben wir im Glauben ein “Ja” dazu?
5. Praktische Konsequenzen
“Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel sagen: Gehet aus ihr hinaus, mein Volk, auf dass ihr nicht ihrer Sünden mitteilhaftig werdet, und auf dass ihr nicht empfanget von ihren Plagen; denn ihre Sünden sind aufgehäuft bis zum Himmel, und Gott hat ihrer Ungerechtigkeiten gedacht” (Offb. 18, 4.5).
Hier geht es natürlich um das endzeitliche Ausgehen Israels aus der gerichtsreifen Metropole Babylon, aber es soll einmal auf die Gemeinde unserer Zeit angewendet werden. Es geht um eine klare Distanzierung, Scheidung und Trennung von unbiblischen Einheitsbestrebungen — zunächst einmal innerlich und soweit nötig auch äußerlich. Eine Trennung vom Wirken der babylonischen und antichristlichen Irrgeister, die bereits heute in einem immer stärker werdenden Maße ihr Werk getarnt als “Engel des Lichtes” (2. Kor 11, 14) in christlichen Kreisen haben. Dem Antichristen gehen die antichristlichen Geister voraus. Hier soll nicht eine pharisäische “Ich-bin-besser-Haltung” eingenommen werden, sondern es geht um geistliche Hygiene, damit “Ansteckung” und eigene “Erkrankung” vermieden werden! Um hier klar zu sehen, braucht es insbesondere das Licht des prophetischen Wortes und die Gabe der Geisterunterscheidung. Besonders kritisch seien hier die Ökumene und die vermehrte Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche angeführt.
Wir müssen uns aufgrund des prophetischen Wortes darauf einstellen, dass bibelorientierte Gläubige immer stärker in die “Fundamentalistenecke” gedrängt werden, weil sie mit ihrem Wahrheitsanspruch (Heil und Rettung kommen allein vom Sohn Gottes, dem Herrn Jesus Christus) einer angeblichen Höher- und Weiterentwicklung der Menschen hin zur Einheit auch im religiösen Bereich im Wege stehen. Am Sohn werden sich die Geister scheiden. Man muss es deutlich sagen: unser Gott ist der Vater Jesu Christi, der nicht identisch ist etwa mit Allah, der nach dem Koran keinen Sohn hat. Allah ist eindeutig dem finsteren Bereich zu zuordnen, da die Lichtesseite nie die Sohnschaft Jesu leugnen würde. “Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der da leugnet, dass Jesus der Christus ist? Dieser ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater” (1. Joh. 2, 21-22). — Unverständnis, Anfechtung und Anfeindung werden uns wie in den Tagen Jesu und der Apostel vor allem von der religiösen Seite begegnen. Rechnen wir mit immer schärferem “Gegenwind” in den nächsten Jahren.
Wichtig ist das Gebet um Weisheit für die Entscheidungsträger in den Staaten. Damit können wir die Entwicklung letztlich nicht aufhalten, sie muss und wird so kommen, aber wir können durch unser Gebet für eine gewisse Zeit zurück- und aufhalten (2. Th. 2, 6-7). Eine weitere Möglichkeit ist, die geistlichen Leiter in unseren Gemeinden und Kreisen auf diese Einheitsbestrebungen vom prophetischen Wort her hinzuweisen. Dies sollte mit viel Gebet und dem nötigen geistlichen Takt geschehen. Soweit wir selbst im Verkündigungsdienst stehen, können wir mahnend auf diese Fehlentwicklung hinweisen.
Trotz aller Warnungen vor einer unbiblischen Einheit muss “die Liebe zu allen Heiligen” und eine biblisch-positive Einheit herausgestellt werden. Unser Herr sagt zur una sancta in Joh. 17, 21-24: “Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben; auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir, auf dass auch sie in uns eins seien, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, auf dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind; ich in ihnen und du in mir, auf dass sie in eins vollendet seien, und auf dass die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, gleichwie du mich geliebt hast.”
6. Zusammenfassung und Schluss
Wir haben gesehen, wie die damalige Menschheit in ihrem stolzen, in den Himmel hochfahrenden Wesen von Gott gedemütigt und gerichtet wurde. Wie sie sich in ihrer Lösung von Gott bewusst und unbewusst zu willigen Werkzeugen der Finsternisgeister hat machen lassen. Des weiteren wurde dargestellt, dass das Programm Satans, die Menschheit zur widergöttlichen Einheit zusammenzufassen, nicht endgültig beseitigt wurde, sondern in unseren Tagen bis zur vollen Ausreife durchgeführt werden darf! Dieselben Dämonen mit ihren trügerischen Versprechen sind heute — oft fromm getarnt — wirksam und werden die Menschheit, so wie einst Adam und Eva, vollständig verblenden und dann verführen! Der mit seiner Gemeinde wiederkommende Herr wird dem Welteinheitsreich des Antichristen ein Ende setzen und sein Reich auf Erden aufrichten.
Wohl uns, wenn wir uns rechtzeitig von dem lösen, was Gott nicht gefällt. Freuen wir uns über das gnädige Eingreifen Gottes in unserem Leben, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist. Sind wir dankbar dafür, dass wir unser stolzes Ich-Wesen nicht entfalten können, sondern uns als mit Christus gestorben, aber auch auferweckt wissen. “… denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden” (Luk. 14, 11). “Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade” (Jak. 4, 6b und Spr. 3, 34).
Quelle: Originalskript des Autors


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