Die herausgerufene Gemeinde in der Endzeit
Autor: Wörz, Reiner | Kategorie(n): Endzeit, Gemeinde, Glaubensleben & Wandel, Heilsgeschichte | 1,193 x gelesen(Nach einem Vortrag auf der Arosa-Freizeit 1998; benutzte Übersetzungen: Konkordante Wiedergabe und Elberfelder Bibel)
Geliebte Geschwister in Christo Jesu,
wir behandeln heute ein endzeitliches Thema, ausgehend von 2. Tim. 3, 1-5. Hier wird der Mensch der Endzeit beschrieben, insbesondere der scheinbar fromme Mensch, der Namenchrist. Wir lesen dort:
“Dies aber sei dir bekannt, daß in den letzten Tagen” (also in der Endzeit) “eine gefährliche (oder: schwere, wilde, greuliche, schlimme) Frist gegenwärtig sein wird. Denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldgierig, hoffärtig, stolz, Lästerer, gegen die Eltern widerspenstig, undankbar, huldlos, lieblos, unversöhnlich, Widerwirker (anders übersetzt: diabolisch, teuflisch), haltlos, zügellos, dem Guten feind, Verräter, voreilig, dünkelhaft, mehr Freunde des Genusses als Freunde Gottes, die eine Form der Frömmigkeit haben, die Kraft derselben aber verleugnen. Von diesen kehre dich ab (wörtlich: drehe dich weg).” — Hier werden zweimal zehn (20) Eigenschaften des Endzeitmenschen angeführt, wovon die letzten drei Merkmale besonders auf das entartete Pseudochristentum hinweisen.
Wir leben in einer ernsten Zeit, einer Zeit des Abfalls und der Verführung inmitten der Gemeinde. Es ist mir wichtig, daß wir das beachten! Nicht irgendwo weit draußen, nein, inmitten unserer Kirchen, Freikirchen, Gemeinschaften und Hauskreise läuft Verführung. Wir haben in der herausgerufenen Gemeinde eine Abfall-Linie und eine Überwinder-Linie.
Dies ist aber auch eine Zeit, in der die herausgerufene Gemeinde durch geistgemäße Überwindung des Bösen ausreifen und zum geistlichen Vollmaß kommen darf. Wir brauchen genau diese Endzeitverhältnisse, um zum Ziel zu kommen.
Mein Dienst ist in fünf Hauptpunkte gegliedert:
- Die Stellung und Bedeutung der Gemeinde im Heilsplan Gottes;
- Das Ziel der Gemeinde in diesem bösen Äon;
- Wie erreicht die Gemeinde dieses Ziel?
- Was kennzeichnet die Endzeit?
- Konsequenzen für den Weg der Gemeinde.
1. Die Stellung und Bedeutung der Gemeinde im Heilplan Gottes
Wenn wir uns heute vom Worte Gottes her mit der Gemeinde beschäftigen, dann wollen wir uns erneut ins Bewußtsein rufen, welche herausragende Bedeutung die Gemeinde für Gott hat. Wie sehr liegt doch das göttliche Kleinod “Gemeinde” Ihm am Herzen, wie sehr kümmert Er sich um ihr geistliches Werden und Wohlergehen, um ihre Zurechtbringung, Ausreife und Vollendung! Er selbst hat größtes Interesse an ihr. Sie ist für Ihn keine Nebensache, sondern Hauptsache, so wie der Sohn Hauptsache ist. Er ist unser Haupt und hat nach dem Willen des Vaters die bedeutendste Stellung im ganzen Universum. Da wir durch Gottes Güte und Gnade Glieder am Leib des Sohnes sein dürfen, sind wir als Leib des Christus für Gott von ebenso zentraler Bedeutung. Denn dieser Leib ist nach Eph. 1, 23 “die Vervollständigung dessen, der das All in allem vervollständigt”. Wir sind vom Vater untrennbar zu einer Einheit mit dem Christus verbunden worden. Welche Berufung, welche Gnade, die uns Staubkörner so emporhebt und uns nicht nur Vergebung und Leben schenkt, sondern uns Anteil an der Königsherrschaft Gottes und Christi gibt! Wen das innerlich ergriffen hat, den läßt das nicht mehr los. Dieser Adel verpflichtet allerdings auch zu einem entsprechenden Wandel (Eph. 4, 1). Voraussetzung für einen würdigen Wandel ist das Erkennen der Berufung!
Aufgrund des geschriebenen Wortes dürfen wir den kühnen Satz formulieren: Was Ihn betrifft, betrifft uns, und was uns betrifft, betrifft Ihn.
Dies bedeutet zum einen, daß alles, was an uns herankommt, nicht nur uns, sondern ebenso Ihn betrifft. Jede Not, jede Schwierigkeit, aller Druck, alle Einengung ist auch Seine Sache; das darf uns ein starker Trost sein. Wer uns schmäht, schmäht den Christus; wer uns verfolgt, verfolgt Ihn.
Zum anderen können wir den Schluß ziehen, daß bei jeder Ehrung des Hauptes die Glieder mitverherrlicht werden. Bei der Erwerbung eines Doktortitels an einer Universität wird ja nicht nur der Kopf mit dem Doktorhut geschmückt, sondern auch der restliche Mensch. Alles wird geehrt. Wenn also zur Zeit der 7. Posaune der Christus inthronisiert wird und Er dann auch de facto, zunächst im Himmel, Seine Regentschaft antritt, dann werden auch die Glieder Seines Leibes mit zu Herrschern erhoben (Offb. 11, 15; Kol. 3, 4). An allen zukünftigen Aufgaben und Ämtern Christi haben die Glieder teil; wenn wir also lesen, daß Er der Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks ist, der Weltenrichter, der Retter (sotär) der Welt, der Messias Israels, das Haupt der Engel, der Thronende im Himmel, der sich Erbarmende, der die Nationen (nach Offb. 22, 2) therapiert (heilt) und das All ins Leben zeugt (1. Tim. 16, 13) usw., dann dürfen wir wagen zu sagen: das betrifft auch uns!
Das ist unsere Berufung! Das bedeutet das Einssein mit dem Haupt! Er in uns und wir in Ihm! Das ist paulinische “Höhenluft” — die Botschaft, untrennbar mit dem Haupte verbunden zu sein.
Ich möchte das nun im Blick auf unser Leben konkretisieren:
Welche Bedeutung hat die Gemeinde, dieses Herzensanliegen Gottes, in Ihrem und meinem Leben? Ist dieses Sein Anliegen auch uns eine Herzenssache? Ist uns wichtig, was Ihm wichtig ist? Oder setzen wir unsere Prioritäten anders? Gott lieben heißt, Ihn an die erste Stelle setzen. Was steht in unserem Leben an erster Stelle? Für was nehmen wir uns Zeit? Auch bei uns sollte es dahin kommen, daß das, was Gott zentral wichtig ist, uns zutiefst bewegt und wir uns dafür einsetzen. In diesem geistlichen Sinne wollen wir “die Zeit (eigentlich: Frist) auskaufen” (Eph. 5, 16). Wer nicht bereit ist, Opfer zu bringen (Zeit, Kraft, vielleicht auch Karriereverzicht), der ist nicht oder nur sehr eingeschränkt dienstfähig.
2. Das Ziel der Gemeinde in diesem bösen, zu Ende gehenden Äon
Es ist wichtig, daß wir das Ziel kennen. Ohne ein klares Glaubensziel droht Zielverfehlung, die nach Gottes Wort Sünde ist. Wenn das Ziel nicht klar ist, läßt man sich leicht vom Kurs abbringen und schlingert ziel und kurslos auf dem Meer umher. — Stellen wir uns vor, ein Schiff verläßt einen englischen Hafen, um nach New York zu fahren. Mitten auf dem Atlantik stellt man fest, daß weder Kapitän noch Offiziere wissen, wo New York liegt, und daß es auch keine entsprechenden Karten an Bord gibt. Meinen Sie, daß das Schiff jemals in New York ankommt? Ich denke nicht! — So können wir das Ziel, das Gott für unser persönliches Glaubensleben und für die gesamte Gemeinde gesetzt hat, nicht klar ansteuern und erreichen, ohne daß wir die Vorgabe Gottes kennen. Je besser wir das Ziel kennen und erfassen, desto klarer kann der Kurs unseres “Lebensschiffleins” ausgerichtet werden. Deshalb ist es so wichtig, daß die Ziele Gottes ohne Abstriche verkündigt werden.
Was für Ziele hat aber die Gemeinde? Vier will ich nennen:
- Sie soll heranreifen zum vollen Manneswuchs in Christo (Eph. 4, 13).
- Sie soll im Vollumfang dienstfähig werden, damit sie dann, wenn der Herr sie zu sich nimmt, mit Ihm das All regieren, richten, heilen und ins Leben zeugen kann.
- Wir sollen erfüllt werden mit der ganzen Gottesfülle (Eph. 3, 19), Christusfülle (Eph. 4, 13) und Geistesfülle (Eph. 5, 18).
- Wir sollen Ihm gleich werden (1. Joh. 3, 2)! Welch eine gewaltige Verheißung und Zusage Gottes, die zugleich auch eine Verpflichtung ist!
An diesen gewaltigen Zielen müssen wir uns orientieren, um einen zielklaren Glaubenslauf zu führen. Hier dürfen wir nichts in falscher Demut und Bescheidenheit hinwegnehmen, indem wir etwa sagen: “Na ja, mir genügt schon ein kleiner Platz auf der Himmelsbank, gleich rechts hinter der Himmelstür.” Das wäre ein Zurückbleiben hinter dem, was Gott will. Das Wort Gottes nennt uns ein anderes Ziel: Wir sollen dienstfähig, erwachsen, reif, mündig und Christus gleich werden. So darf die Gemeinde am Ende dieses bösen Äons in zweifacher Weise ausreifen; zum einen der Quantität (der Zahl) nach, indem vor allem durch den Evangelistendienst die letzten Glieder herausgerufen werden; zum anderen der Qualität nach, indem wir innerlich wachsen und reif werden, um unseren heilsgeschichtlichen Beruf einmal ausüben zu können. Dafür hat Gott vor allem die anderen Dienste nach Eph. 4, 11 gegeben: den der Apostel und Propheten, der Hirten und Lehrer.
Damit wir unser Lebens- und Ausbildungsziel tatsächlich erreichen, hat Gott uns den besten Lehrer zur Seite gestellt, den man sich denken kann: den Geist Gottes, der in uns wohnt. Er will uns belehren und in die ganze Wahrheit führen, in die ganze heilsgeschichtlich entfaltete Füllebotschaft. Er bereitet uns aber auch im Alltag, in der Praxis des Lebens zu. Bereits bei unserer geistlichen Neuzeugung war Er beteiligt. Er ist unsere “Säuglingsschwester” und “Amme”, unser “Erzieher” im Kindergarten, unser “Grund-, Hauptschul- und Gymnasiallehrer”, unser “Professor” an der Hochschule und des weiteren unser “Meister und Berufsschullehrer” in der praktischen Ausbildung. In jeder Situation hat der Heilige Geist das pädagogisch richtige Wort für uns.
Der Geist Gottes schließt uns das Wort auf und teilt jedem einzelnen entsprechend seiner Berufung und seinem Wachstumsstand das Notwendige zu. So können wir neu und tiefer fassen, was die Berufung zur Sohnschaft umfaßt und beinhaltet. Unsere Berufung zu erkennen und ausleben zu wollen, ist ein Werk des Geistes in uns.
Dabei geht es aber nicht nur um ein reines Kopfwissen, nein ein würdiger Wandel gehört ebenso zur Berufung. Hier ist unsere ganze Hingabe und unser ganzer Gehorsam gefordert, das geht nicht nebenbei. Das wäre ein falsches Verständnis von der Gnade. Manchmal habe ich so ein wenig den Verdacht, daß es hier und da dieses falsche Verständnis gibt, so als würde alles von selber, geradezu automatisch ablaufen — ohne unsere Anstrengung, Mühe, Hingabe, Gehorsam und Kampf. Das stimmt aber nicht. Die Gnade wirkt nicht automatisch, ohne unsere Beteiligung. Sie will unsere Hingabe und unseren Gehorsam, ja auch geistlichen Eifer für die Sache des Herrn in uns auswirken. Gnade, Gnade allein muß es sein — kein eigenes Werk —, aber die Gnade will uns dazu bewegen, daß wir uns öffnen und uns von oben verändern und gebrauchen lassen.
Am Ende dieses Äons liegt der Schwerpunkt auf Ausreife und Zubereitung der herausgerufenen Gemeinde. Wir sind jetzt gleichsam in der “Lehrzeit”, in der Ausbildung. Entscheidender Faktor für das Heranreifen und Wachsen ist das klare, lautere Wort Gottes, das von der “Milchspeise” für Kindlein bis zur festen Speise für die Gereiften reicht. Deswegen brauchen wir das ganze Wort Gottes, das voll entfaltete Füllewort ohne Abstriche. Insbesondere wird in der Endzeit nach meinem Verständnis die gesunde Lehre eine große Bedeutung haben. Aber gerade ihre Verkündigung geht nach meinem Eindruck immer mehr zurück. Des weiteren ist die Umsetzung im Alltag vonnöten. Nur beides, Lehre und Wandel, bringt uns zum Ziel.
3. Wie erreicht die Gemeinde dieses Ziel?
Wir haben im zweiten Punkt das Ziel der Gemeinde beschrieben. Wie wird dieses Ziel nun erreicht? Es wird nach Eph. 4, 13-16 durch Wachstum erreicht.
Wachstum können wir selbstverständlich nicht machen, weder im natürlichen noch im geistlichen Bereich. Das kann allein der HERR schenken. Wenn ich unseren kleinen Jonas mit seinen zwei Jahren jeden Tag am Ohr ziehen würde, meinen Sie, er würde dann schneller wachsen? Das geht nicht! Allerdings kann man für optimale Bedingungen sorgen (gute Erziehung, Nahrung, Kleidung, Schule usw.), und dann schenkt es Gott, daß so ein Kind eben äußerlich und innerlich wächst. So ist es auch im geistlichen Bereich. Wir brauchen ein geistliches Milieu, ein geistliches Umfeld, um innerlich zu wachsen und reif zu werden. Wir brauchen das Wort Gottes als Brot vom Himmel, die Gemeinschaft der Heiligen, das Brotbrechen und das Gebet, das Atmen der Geist-Seele (Apg. 2, 42). Man könnte hier auch noch das Übungsfeld des Dienstes, das Ausleben der Geistesgaben usw. nennen. In einem geistlichen Spannungs- und Übungsfeld sollen wir leben und uns darin bewähren; dann wächst und reift der innere Mensch, dann werden wir gekräftigt und gestärkt und nicht mehr von jedem Winde der Lehre hin und her bewegt. Daß wir das Wachstum selbst nicht machen können, ersehen wir aus dem Wort des Paulus: “Ich pflanze, Apollos tränkt, doch Gott läßt es wachsen. Daher ist weder der Pflanzende noch der Tränkende etwas, sondern der, der es wachsen läßt, nämlich Gott” (1. Kor. 3, 6.7).
Der Feind will unser Wachstum natürlich verhindern. Wenn er schon nicht verhindern konnte, daß wir zum lebendigen Glauben gekommen sind, dann sollen wir doch wenigstens in den “Kinderschuhen” oder gar in den “Windeln” steckenbleiben und sterben. So gibt es, leider, Sechzig bis Siebzigjährige, die geistliche Kindlein geblieben sind.
Der Feind will, daß unser Wachstum gehemmt wird oder völlig zum Stillstand kommt, weil ihm die Vollausreife der Gemeinde ein Dorn im Auge ist. Denn er weiß oder ahnt, daß seine eigene Herabstufung, sein Herabwurf aus dem Himmel (Offb. 12) mit der Entrückung der Gemeinde hinauf zum Herrn zusammenhängt.
Zwischen beiden Ereignissen können durchaus mehrere Jahre liegen — evtl. die ersten 3½ Jahre der 70. Daniel’schen Jahrwoche; sie stehen aber doch in einem engen inneren Zusammenhang. Der erste Gerichtsakt des inthronisierten Christus (Haupt und Glieder) als Weltenrichter ist vielleicht die Entfernung des Verklägers der Brüder, Satans, aus dem Himmel. “Vollzugsbeamter” ist, wenn man so sagen will, der Erzengel Michael (Offb. 12 und 10, 7; 1. Kor 6, 2-3).
Indem jedes einzelne Glied des Leibes wächst — also Sie und ich — wächst und reift der Gesamtleib des Christus aus. Generelles Wachstum durch individuelles Wachstum. Von da her gesehen ist unser Nichtwachsen keine Privatsache! Alle Glieder sind betroffen! Wenn mein Oberschenkel krankheitsbedingt schlecht durchblutet wird, ist mein Fuß mitbetroffen, auch wenn er selbst gesund ist. So kann ein Glied des Leibes Christi von der “Krankheit” eines anderen Gliedes mit betroffen sein. So eng hat uns Gott miteinander verbunden! Deswegen will ich noch einmal wiederholen: Nichtwachsen ist keine Privatsache, und auch unsere Sünden sind nicht unsere Privatsache, der ganze Leib ist betroffen.
Heute geht es um die qualitätsmäßige Ausreife einer — bezogen auf die Gesamtmenschheit — kleinen Gruppe. Jetzt geht es nach Gottes Heilsplan und Weisheit nicht um Massen, etwa um ganze Völker und Nationen, sondern um dieses kleine Herdlein, die herausgerufene Gemeinde. Erst wenn sie fertig ist, kommt das Heil zu dem ganzen Volk Israel, dem Volk der Wahl, und dann zu allen Völkern und Nationen. Das können und wollen wir nicht umkehren, wie es manche bereits jetzt versuchen. (So hieß es in einem Programm: “Wir legen dem Herrn Jesus zum 2000. Geburtstag Europa zu Füßen.”) Ganze Völker zum Heil zu führen, ist für diesen Äon nicht verheißen, wohl aber für den kommenden Äon, das Millennium (Tausendjahrreich).
4. Was kennzeichnet die Endzeit?
Wenn ein großes Schiff, z. B. der Luxusdampfer Queen Elizabeth, nach Hamburg will, so kann es nicht ohne weiteres in die Elbmündung einfahren, denn die Kapitäne der großen Weltmeere kennen die Elbmündung mit ihren Sandbänken nicht gut genug, um ein so großes Schiff sicher hindurchführen zu können. Wer kommt an Bord? Ein Lotse, der das Kommando übernimmt. Der Lotse ist Experte für die Elbmündung, er kennt sie im Normalfall so gut wie seine eigene Westentasche. Er lotst das Schiff an allen gefährlichen Passagen vorbei in den Hafen. Dabei ist es entscheidend, daß Kapitän und Offiziere auf den Lotsen hören. Was würde der Lotse an Bord nützen, wenn der Lotse “Backbord” ruft und der Kapitän “Steuerbord” und “Ich bin der Kapitän an Bord”? Das ginge nicht gut. Die Schiffsmannschaft muß auf den Lotsen hören und ihm vertrauen, daß er auch in der Lage ist, sie sicher in den Hamburger Hafen zu bringen. — Der Lotse an Bord des “Schiffes” der Gemeinde, das sich in der Endzeit auf sturmgeplagter See befindet, ist der Heilige Geist, auf den wir hören sollen. Er will uns durch das Wort der Wahrheit (die Bibel) lenken, leiten und ggf. korrigieren. Seine Kurskorrekturen wollen wir vertrauensvoll und im Gehorsam annehmen. Wer keine Korrektur mehr annimmt, steht in der Gefahr, falschen Kurs einzuschlagen (oder beizubehalten) und Schiffbruch zu erleiden. Ohne Korrektur kommen wir nicht ans Ziel. Wir müssen dem “Lotsen” vertrauen und treu sein. Vertrauen und Treue sind genau die beiden Grundelemente des biblischen Glaubens!
Viele Ausleger sind sich heute darin einig, daß wir in der Endzeit leben. Man könnte jetzt unterscheiden:
- Endzeit im weiteren Sinn (seit der Fleischwerdung Jesu);
- Endzeit im engeren Sinn (seit der Feigenbaum Juda in Israel wieder erstanden ist, also 1948);
- Letztzeit (umfaßt vor allem die 70. Daniel’sche Jahrwoche).
Nach meinem derzeitigen prophetischen Verständnis leben wir in der Endzeit im engeren Sinn, also in den letzten Jahrzehnten dieses Äons, bevor der Herr in sichtbarer Macht und Herrlichkeit wiederkommt. Eines der Hauptkennzeichen der Endzeit ist, daß alles zur vollen Größe ausreifen und heranwachsen darf. Endzeit ist Zeit der Ausreife. Das gilt allerdings nicht nur für die verschiedenen Heilskörperschaften, es gilt auch für das Böse! Beides, das Gute und das Böse, darf heute zu seiner endzeitlichen Fülle bzw. Größe heranwachsen. Das Böse, um dann in furchtbaren Gerichten gedemütigt und erniedrigt zu werden, das Gute aber, um “heimzukehren”. Das können wir aus dem Gleichnis vom “Unkraut im Acker” in Matth. 13 lernen.
Gutes und Böses kann auch im christlichen Raum nebeneinander ausreifen, ohne daß der HERR unbedingt eingreift. Dies wird erst bei der “Ernte” geschehen. Dann ist der Same nicht nur aufgegangen, sondern reif; denn geerntet wird das reife, volle Korn. Erst zu diesem Zeitpunkt findet eine Trennung statt. (Das heißt aber nicht, daß das Böse im Raum der Gemeinde ausreifen soll! Wo es erkannt wird, soll es gemäß 1. Kor. 5, 6.7.12.13 entfernt werden; diese geistliche Hygiene muß sein.)
Für die Welt aber gilt Matth. 13, 30: “Laßt beides zusammen bis zur Ernte wachsen, und zum Zeitpunkt der Ernte (das ist das Ende dieses Äons) werde ich den Schnittern (den Gerichtsengeln) gebieten: Jätet zuerst den Taumellolch (das Unkraut, das der Böse gesät hat) und bindet ihn in Bündel, um ihn zu verbrennen (im Gericht); das Getreide aber sammelt in meine Scheune (zum Heil).”
Früher durfte die Sünde nicht so global und generell ausreifen, wie es heute geschieht; sie wurde immer wieder gerichtet und das “Unkraut” dadurch zurückgeschnitten. Denken wir nur an 1. Mose 6 (eine globale Flut) oder 1. Mose 11 (Turmbau zu Babel). Aber auch Kriege, Hungersnöte, Seuchen usw. sind Gerichte, die dazu geführt haben, daß die Sünde nicht bereits vor Jahrtausenden ausgereift ist. In der Endzeit allerdings darf das Böse ausreifen; jetzt läßt Gott es “laufen”.
Durch die Ausreife wird vieles offenbar, das sonst schwer oder gar nicht zu erkennen gewesen wäre. Ich möchte das an einem Bild deutlich machen. Manche haben z. B. Mühe, Weizen von Gerste zu unterscheiden, wenn das Getreide noch am Anfang des Wachstums steht, oder Apfel- von Birnbäumen zu unterscheiden. Wenn aber der Apfel und die Birne bereits zu sehen sind, erkennt man leicht den Unterschied. Das soll uns ein Bild dafür sein, daß durch die Ausreife der Frucht die Eigen- und Wesensart deutlich zutage tritt. Die unterschiedliche Art und samenmäßige Herkunft wird offenbar.
Die Menschheit durfte und darf in ihrem sündigen Eigenwillen alles ausprobieren und durchexerzieren: alle Regierungsformen (wie Monarchie, Diktatur, Republik, Demokratie usw.), alle Gesellschaftsformen (z. B. den Kommunismus), alle Wirtschaftsformen (freie Marktwirtschaft, soziale Marktwirtschaft, zentrale Planwirtschaft usw.); und in allem beweist Gott durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch, daß der Mensch ohne Gott zuschanden wird. Die Menschen können das Paradies auf Erden nicht schaffen. Dies wird auch der Hure Babylon (Offb. 17) und dem Tier der Endzeit (Offb. 13) nicht gelingen, obwohl sie die Menschheit zunächst noch einmal zu wirtschaftlichem Reichtum und kultureller Blüte führen werden.
Ein Kennzeichen der Endzeit ist, daß Gott eben lange Zeit hindurch nicht eingreift. Das “Unkraut” und der “Wildwuchs” der Sünde können in die Höhe schießen. Dreimal steht in Röm. 1 (V. 24.26.28): Er hat sie dahingegeben — dahingegeben — dahingegeben, bis die Sünde voll ausgereift ist und dann gerichtet wird.
Seine Kinder dagegen züchtigt Gott, und sie sollten Ihm für Sein zurechtbringendes Eingreifen dankbar sein. Er läßt uns nicht einfach “laufen”, sondern erzieht und züchtigt uns sohngemäß, damit wir durch Seine Pädagogik zum Ziel kommen und nicht mißraten. “Glückselig der Mann, den Du züchtigst, Jahweh” (Ps. 94, 12; vgl. Hebr. 12, 5‑8).
Eines der Hauptkennzeichen der Endzeit ist, so hatten wir festgestellt, daß samenmäßig bereits Vorhandenes ausreifen darf. Es ist deshalb nichts wirklich Neues, was uns in der Endzeit begegnet, sondern viele Linien sind bereits seit Jahrtausenden vorhanden, ja, seit Beginn der Menschheitsgeschichte. “Es ist gar nichts Neues unter der Sonne” (Pred. 1, 9). Es ist nur ausgereift.
Vier Linien, die bereits lange Zeit laufen, aber in der Endzeit durch ihre Ausreife eine besondere Rolle spielen, wollen wir jetzt betrachten:
1. Linie: Das Versagen des Mannes (Frauenfrage, Emanzipation, Ungehorsam) — 1. Mose 3.
2. Linie: Der Einbruch der Geistermächte (Verbindung mit Dämonen, Okkultismus) — 1. Mose 6.
3. Linie: Die babylonische Welteinheit (menschliche Einheitsbestrebungen) — 1. Mose 11.
4. Linie: Die Tage Lots — 1. Mose 18 und 19.
1. Linie: Das Versagen des Mannes
In 1. Mose 3 ist der Mensch der Verführung der Schlange mit ihrem verlockenden Angebot: “Ihr werdet sein wie Gott!” erlegen. Die Strategie und Vorgehensweise der Schlange war deshalb so gefährlich, weil sie eine raffinierte Mischung aus Lüge und Wahrheit war. Ein durchaus göttliches Ziel für die Menschen wird mit Lüge vermischt und durchsetzt, so daß der Weg zu diesem Ziel ein Weg des Ungehorsams und des Eigenwillens ist, der letztendlich nicht zum Ziel, sondern ins Verderben und Gericht führt. Mit diesen babylonischen Mischungen arbeitet der Feind bis heute (z. B. indem er göttliche Ziele vorwegnehmen will).
Entscheidend für den Erfolg der Schlange war, daß Adam nicht “seinen Mann” stand und Eva abschirmte und bewahrte oder zumindest nach dem Fehler der Eva nicht sofort den im Paradies sich aufhaltenden Jehovah-Christus zu Rate zog und um Seine Hilfe bat, statt selbst von der Frucht zu essen. Der Kardinalfehler war aus meiner Sicht die Emanzipation Adams von seinem Haupt, dem Christus (1. Kor. 11, 3). Dem Versagen Adams folgte fast zwangsläufig die Emanzipation und Sünde Evas (die sich von ihrem Haupte Adam löste und autonom handelte). Die Frauenfrage, auch in unseren Tagen, ist eigentlich eine Männerfrage. Das Problem ist das Versagen des Mannes als Haupt: die Männer nehmen ihre von Gott gegebene Stellung nicht mehr ein und sind darum (pauschal betrachtet) keine Männer im biblischen Sinne mehr.
Jemand sagte: “Ihr habt viele liebe Brüder, aber an Männern mangelt es euch” (von “Vätern in Christo” ganz zu schweigen). Es ist wichtig, daß wir Brüder die von Gott gegebene Stellung als Haupt unserer Frauen einnehmen, biblisch ausleben und in Abhängigkeit von Ihm ausfüllen. Dabei ist die Hauptaufgabe, im Sinne Jesu zu lieben (Eph. 5), dann aber auch: zu führen, zu leiten und als Priester das Brot des Lebens in der Familie darzureichen. Dies gilt nicht nur in Ehe und Familie, sondern auch und gerade in den einzelnen Versammlungen und Hauskreisen, damit hier nicht durch unbiblische Zurückhaltung Raum für Fehlentwicklungen entsteht.
Wie die Verführung am Anfang war, so wird sie in umfassenderem Sinn wieder am Ende der Tage sein. Sie läuft u. a. über die Frauenfrage, die — wie bereits betont — eine Männerfrage ist. Auch hier kehrt das Ende zum Anfang zurück.
Eva wurde aus der Wahrheit und damit aus ihrer gottgegebenen Stellung “heraus-irregeleitet” (oder “heraus-getäuscht”; 2. Kor. 11, 3 wörtlich) und dann verführt, nachdem sie jetzt schutzlos (ohne Haupt und Schirm) den listigen und mit Methode vorgetragenen Anläufen Satans ausgeliefert war. Ebenso, fürchtet Paulus, droht der Gemeinde in Korinth und damit allen Gemeinden, daß die Gedanken der Gläubigen “verderbt werden, weg von der Herzenseinfalt und Lauterkeit, die auf den Christus gerichtet ist”. Dies geschieht, wie Paulus ein paar Verse später erläutert, durch Satan, der sich als “Engel des Lichts” verstellt (2. Kor. 11, 14). Es besteht durchaus die Gefahr — auch heute —, daß “ein anderer Jesus, ein anderer Geist, ein anderes Evangelium” verkündigt und empfangen wird. Und Paulus muß hinzufügen: “dann ertragt ihr das trefflich (dann ist das für euch ideal)”!
Wie ist das denn in unseren Tagen? Reift auch in der Endzeit, für die ja Abfall und Verführung in umfassendem Sinn vorausgesagt sind, diese Linie aus? Wo wird heute ein ähnlicher Jesus aufgebaut, ein andersartiges Evangelium verkündigt, ein andersartiger Geist empfangen, und doch soll es angeblich der wahre biblische Geist sein? Wenn dies bereits damals eine Gefahr war, wieviel mehr in unseren Tagen. Wir müssen also mit Verführung durch scheinbar fromme Verkündigung rechnen, ja sogar mit Manifestationen von Dämonenwirksamkeit in den Gemeinden.
Hier spielt nach meinem Verständnis die Frauen-Männerfrage eine große Rolle, aber sie wird nur von ganz wenigen erkannt, die dann noch als “rückständig” und von “vorgestern” verspottet werden. Oder meinen wir, es sei Zufall, daß gerade in unserem Jahrhundert die Emanzipation der Frau so stark in Erscheinung getreten ist? Wie viele Gemeinden haben sich hier bereits an den Zeitgeist angeschlossen?
2. Linie: Der Einbruch der Geistermächte
“Es wird sein wie in den Tagen Noahs” (Matth. 24, 37f.). Was ist denn damals geschehen? Dämonen drangen in die Menschheit ein und vermischten sich mit den Menschen. Dem auf diese Vermischung folgenden Gericht entgingen nur Noah, seine Söhne und ihre Ehefrauen; sie wurden durch die Flut hindurchgerettet. Mit ihnen wollte Gott die Menschheit als Grund-Heilsträger für die restliche Schöpfung neu aufbauen.
Es gibt nicht nur dämonische Beeinflussung, Umsessenheit und Besessenheit, nein, nach dem Wort Gottes gab und gibt es auch echte sexuelle Kontakte zwischen Menschen und Dämonen (1. Mose 6, 1-4). Diese ungute Verbindung zwischen Engelwelt und Menschen führte zur Zeugung von “Riesen” (Titanen der Urzeit, hebr. nephilim). Vielleicht kommen zum Teil von daher die Göttersagen, z. B. die der Griechen. In der Sintflut hat Gott diese Wesen — das war mit ein wesentlicher Grund für dieses Gericht — zusammen mit der abgefallenen Menschheit gerichtet.
Aber “auch nachher” (1. Mose 6, 4), nach der Sintflut, gab es solche Verbindungen. Der Riese Goliath war wahrscheinlich das Ergebnis einer solchen Verbindung. Wenn wir die Elle mit ca. 60 cm ansetzen, dann war er etwa 3,70 m groß. War das ein normaler Mensch? Wir lesen, daß auch alle seine Brüder Riesen waren, sie hatten zudem jeweils zwölf Finger und zwölf Zehen. Ich gehe davon aus, daß sie alle das Ergebnis solcher Mischverbindungen waren.
Es muß jetzt aber in der Endzeit, wenn uns ein solches Mischwesen begegnet, nicht ein Riese sein. Das wäre ja sehr auffällig, wenn er mit 3,60 m auf uns zukäme! Aber diese grauenvolle Vermischung wird auch in unseren Tagen in zunehmendem, endzeitlichem Ausmaß anzutreffen sein.
Normalerweise hat Gott ja eine Schranke gesetzt, die die Geistermächte nicht ohne weiteres durchbrechen können. Wer einigermaßen geordnet lebt, kann nicht einfach ohne weiteres in so massiver Weise von solchen Mächten mißbraucht und verführt werden. Wenn man sich allerdings durch Drogen, okkulte Praktiken, Zaubereisünden oder ähnliches bewußt oder unbewußt öffnet, dann können diese Mächte eindringen und es kann in Extremfällen zu solchen Kontakten kommen, wie es z. B. von Satansmessen berichtet wird. Dort werden Frauen und Mädchen Dämonen zugeführt.
Die Forderung nach der Freigabe von Drogen (angeblich zur spirituellen Erfahrung und kosmischen Bewußtseinserweiterung) ist biblisch betrachtet ein gefährlicher Weg hin zur Öffnung für kosmische Geister, von denen wir wissen, daß es Dämonen sind. Leider nimmt der Genuß von Drogen und Rauschmitteln jeder Art weltweit zu.
Eine große Rolle spielen hier Nüchternheit und klares Denken, bereits sie bilden einen natürlichen Schutzwall für den Menschen. Deswegen fördert der Feind ja auch alle möglichen Rauschzustände und Unnüchternheiten, auch im Raum der Gemeinde. Je unnüchterner, je berauschter es zugeht, um so besser. Das Denken soll möglichst ausgeschaltet werden! Gott dagegen will nie unser Denken ausschalten und uns dadurch manipulieren, sondern Er fördert geistliches Mit-, Um- und Neudenken, um uns zu überführen und innerlich zu überzeugen, damit Er unser “Herzens-Ja” bekommt.
Wie oft werden wir wohl im Neuen Testament zur Nüchternheit aufgefordert? Neun mal steht geschrieben, daß wir nüchtern sein sollen. Ist Ihr, ist mein, ist unser Glaubensleben geprägt von einer gesunden biblischen Nüchternheit? Wie ist unser Hauskreis, unsere Versammlung geprägt? Geht es hier biblisch nüchtern zu? Das heißt aber nicht, daß alles stocksteif und unnatürlich sein muß, denn der Geist Gottes ist doch ein lebensbejahender, dynamischer Geist.
Die Menschheit öffnet sich in unseren Tagen immer bewußter der transzendenten Welt. Dadurch kommt es zur erneuten Vermischung in großem endzeitlichem Umfang zwischen Engel- und Menschensamen. Der Herr sagt uns, daß es sein wird wie in den “Tagen Noahs”.
3. Linie: Die babylonische Welteinheit
Beim Turmbau zu Babel (1. Mose 11) begegnen wir einer Menschheit, die in ihrem empörerischen, stolzen Wesen Gott trotzte und dennoch zunächst Gelingen hatte. Sie wollten sich nicht zerstreuen, sondern zusammenbleiben und in ihrer menschlichen Einheit stark sein. Stark in sich selber und nicht in Gott. Sie wollten nicht den Namen aller Namen rühmen, sondern sich selbst einen Namen machen, sich selbst ein Denkmal setzen. Im Gedenken an den Herabstieg der Göttersöhne (1. Mose 6, 1-4!) suchten sie erneut die Verbindung mit ihren kosmischen Lehrmeistern, ihren Göttern (von denen wir doch wissen, daß es Satan und seine Dämonen waren) aufzunehmen. Nach dem Grundtext wollten sie nicht die “Spitze” des Turms in den Himmel setzen, sondern ihr “Haupt” (hebr. rosch), wie es in 1. Mose 11, 4 wörtlich heißt. Ihr “Haupt” wollten sie in den Himmeln haben, und “Haupt” hat auch etwas mit Regierungsvollmacht zu tun.
Was damals durch das göttliche Eingreifen nicht vollendet werden konnte, das werden die negativen Hauptdarsteller der Endzeit, die Hure Babylon und der Antichrist, fertigbringen. Spätestens unter dem “Tier” der Endzeit wird es zu einer umfassenden Welteinheit kommen, deren Oberhaupt er selber ist. Sein himmlisches Haupt wiederum, Satan, wird jedenfalls noch so lange Zutritt im Himmel und Regierungsvollmacht im Lufthimmel haben, bis er vom Erzengel Michael herabgeworfen wird (Eph. 2, 2; 2. Kor. 4, 4; Offb. 12, 7-13). Das Endzeittier wird sogar in den Himmel steigen und Sterne (= Engel) herabwerfen (Dan. 8, 10-12). In dieser Zeit geschieht die endzeitliche Vollerfüllung der Prophezeiung von 1. Mose 11, 6: “Und JAHWEH sprach: Siehe, sie sind ein Volk und haben alle eine Sprache, und dies haben sie angefangen zu tun, und nun wird ihnen nichts verwehrt werden, was sie zu tun ersinnen.”
Beim ersten Turmbau griff Gott ein und machte ihre hochfahrenden Pläne zunichte, indem Er sie gerichtsmäßig auf der Erde zerstreute. Genau, was sie nicht wollten, das traf sie jetzt. Sie wollten beieinander bleiben, und nun zerstreute sie Gott in einzelne Nationen und Völker, die darüber hinaus durch die unterschiedlichen Sprachen (Sprachverwirrung) eine weitere Barriere gegen die Einheitsbestrebungen und die Völkervermischung (multikulturelle Gesellschaft!) hatten. Diese beiden Gerichtsmaßnahmen hemmten die Menschheit jahrtausendelang in ihrem Einheitsstreben. Der endzeitliche “Turmbau” darf hingegen lange Zeit “Gelingen haben”.
Will man heute nicht genau dies rückgängig machen, was Gott den Menschen auferlegt hat (nämlich getrennt, in einzelnen Nationen zu leben)? Die Menschheit tut dies mehr unbewußt und aus menschlich guten, einleuchtenden Gründen (wirtschaftlicher, politischer Natur, z. B. aus Gründen des Umweltschutzes); die hinter den Menschen stehenden Geistermächte aber (Kosmokratoren, Weltbeherrscher der Finsternis) betreiben die Einheit wohl bewußt. Alles soll vereinheitlicht und zusammengeführt werden: Sprachen (im Luftraum haben wir ja schon eine einheitliche Sprache, Englisch), Währungen, Maße, Umweltschutzstandards, ganze Staaten usw., alles soll unter ein Haupt kommen. Und wir wissen, wer dieses endzeitliche Haupt sein wird.
Gerade im europäischen Raum haben wir im Moment eine Musterentwicklung, die Schaffung eines einheitlichen Wirtschafts- und Währungsraumes, der Europäischen Union. Manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß es sich bei diesem Vorhaben um “eine heilige Kuh” handelt, auf deren Altar alle Bedenken und berechtigten Sorgen gerne geopfert werden. Sie muß kommen, koste es, was es will.
Unbewußt möchte man die göttlichen Gerichtsfolgen der Zerstreuung beseitigen. Man ist nicht bereit, das Auferlegte zu tragen, sondern reißt alle Barrieren nieder. Dürfen wir auch hier an Ps. 2 denken? “Es treten auf die Könige der Erde, und die Fürsten ratschlagen miteinander wider Jehovah und wider Seinen Gesalbten: Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!” (Ps. 2, 2-3). Das Schicksal soll selbst in die Hand genommen werden. Die Menschheit meint zu schieben, um es mit Goethe zu sagen, und wird in ihrer Selbstsucht doch geschoben! Denn wer steht hinter den Kulissen und hält die Fäden in der Hand; wer hat Interesse an einer Einheit? Der Fürst und Gott dieser Weltzeit, der die Welt unter dem Haupt des falschen Messias vereinen und als Instrument in seiner Hand mißbrauchen will.
Der religiöse Bereich wird ebenfalls zu einer Einheit zusammengeführt werden. Schon Hitler wollte vor dem Zweiten Weltkrieg alle Kirchen, Freikirchen und Gemeinschaften in Deutschland zu den “Deutschen Christen” zusammenfassen. Diese “Gleichstellung” ist ihm nicht gelungen. Nach einem gewonnenen Krieg wollte er diese Aufgabe erneut angehen, doch dazu kam es dann ja glücklicherweise nicht mehr. —
Ist aber eine große Einheit unter den Christen, auch äußerer Art, nicht geradezu schriftgemäß, wenn wir z. B. an das hohepriesterliche Gebet in Joh. 17 (und hier besonders an Vers 21) denken? Haben Parolen wie “Lehre trennt, Liebe eint!” nicht ihre Berechtigung? Eins jedenfalls dürfte vom prophetischen Wort her klar sein, daß es am Ende der Tage zu einer babylonischen Welteinheitskirche kommt, die allerdings ein Werkzeug des Feindes ist und deshalb von uns nicht anzustreben, sondern zu meiden ist.
Dagegen wollen wir festhalten, daß Gott bereits eine Einheit des Geistes geschaffen hat, die es zu bewahren gilt (Eph. 4, 3). Diese Einheit ist keine äußere, sondern eine innere, verborgene, die in der Liebe zu allen Heiligen ihren praktischen Ausfluß hat. Dabei ist es unerheblich, in welchem “Stall” (Kirche, Freikirche, Gemeinschaft usw.) der einzelne Heilige sich befindet. Eine Einheit ist vorhanden und muß nicht erst geschaffen werden. Nun gilt es “die Wahrheit in Liebe festzuhalten” (Eph. 4, 15) und keinem der beiden Elemente auf Kosten des anderen Vorrang zu geben.
4. Linie: Die Tage Lots
Die Hauptkennzeichen der Tage Lots (1. Mose 18-19) finden wir heute alle in einem nie gekannten Umfang wieder. Sodomie steht ja noch heute für pervertierten geschlechtlichen Umgang. Sogar vor den Engeln machten die Männer Sodoms nicht halt. “Und sie riefen Lot und sprachen zu ihm: Wo sind die Männer, die diese Nacht zu dir gekommen sind? Führe sie zu uns heraus, daß wir sie erkennen (das heißt geschlechtlichen Umgang mit ihnen haben)!” Homosexualität war also in Sodom und Gomorra gang und gäbe, sind wir nicht auch auf dem Weg dorthin?
Weitere Kennzeichen finden wir in Hes. 16, 49: “Siehe, dies war die Missetat Sodoms, deiner Schwester: Hoffart, Fülle von Brot …”, also Stolz, Dünkel, Hochmut und wirtschaftlicher Reichtum, so daß wir sagen können: Die Hauptkennzeichen Sodoms waren ein pervertierter geschlechtlicher Umgang sowie Stolz und Reichtum, mit dem man Gott nicht ehrte, Ihm dafür dankte und Witwen, Waisen und Armen half, sondern den man für eine gesteigerte Genußsucht mißbrauchte.
Schauen wir unser “christliches Abendland” an! Das sind, ohne daß wir viele Worte machen müssen, die “Tage Lots”, wenn wir nur an diese 3 Kennzeichen denken! Man lese dazu Offb. 3, 15-18!
Das waren jetzt vier Linien, die meines Erachtens in der Endzeit ausreifen. Denken Sie einmal darüber nach, wir finden sie auch im Raum der Kirchen und Gemeinden wieder.
Natürlich konnte ich um des Überblicks willen vieles nur kurz anreißen. Allein zum Themenkomplex “Endzeit” könnte noch vieles gesagt werden, deshalb möchte ich wenigstens drei weitere Stichworte noch kurz nennen:
- der weltweite Abfall von Gott auf allen Ebenen. Stellen wir uns doch der Frage: Wo haben wir den für unsere Zeit prophezeiten Abfall? Sehen wir keinen?
- eine weltweite Verführung, die auch vor den Toren der Gemeinde nicht halt macht.
- eine weltweite Verfolgung für alle, die sich der Hure und dem Tier der Endzeit nicht beugen. Ich gehe davon aus, daß die Hure dem Tier vorausgeht und es eine geraume Zeit beherrschen wird (im Verborgenen, z. B. über die Finanzströme?), denn es heißt ja, daß das Weib auf dem Tier reitet (Offb. 17, 3), es also lenkt und führt.
5. Konsequenzen für den Weg der herausgerufenen Gemeinde
Endzeit ist eine Zeit der Ausreife und Zuspitzungen. Gerhard Salomon schreibt in einem Buch über die Endzeit: “Besondere Verhältnisse erfordern besondere Entscheidungen.” In besonderen Verhältnissen leben wir. Welche Konsequenzen sollten wir daraus ziehen?
Wenn wir noch einmal rekapitulieren und uns die gewaltigen Glaubens und Wachstumsziele der Gemeinde vor Augen halten (”Christusgleichheit”; mit Ihm das All regieren, richten, heilen und ins Leben zeugen) und dann bedenken, was für ein gewaltiger Feind uns gegenübersteht und mit welcher Raffinesse und Verführungsmacht er vorgeht, dann können wir nur einen Schluß ziehen: “Herr, ich vermag es nicht! Ich kann das Ziel aus mir heraus nicht erreichen!”
Das ist genau der richtige Schluß: unsere totale Bankrott- und Ohnmachtserklärung! “Herr, ich vermag es nicht, Du mußt es tun!”
An diesen “Nullpunkt” unseres Lebens müssen wir kommen, zu diesem Zerbruchspunkt uns vom Geiste Gottes führen lassen. Erst an diesem Punkt — oder in dieser Lebensphase — ruhen wir von unseren eigenen Werken und Leistungen und lassen Gott handeln. Und Er bringt uns gewiß zum Ziel, das hat Er verbeißen. Solange wir noch selbst das Ziel (oder auch geistliche Teil- und Zwischenziele) erreichen möchten, uns durchschlagen und durchkämpfen wollen, werden wir scheitern und zuschanden werden. Das geht solange, bis wir in unserem Stolz gebrochen sind und eingestehen: “Herr, ich vermag es nicht, Du mußt es tun!” Es geht um die Demütigung unter die mächtige Hand Gottes, das Schutzsuchen bei dem, der in den Schwachen mächtig ist. Er lädt uns ein: “Suchet mich und lebet!” (Amos 5, 4), und in Psalm 27, 8: “Suchet mein Angesicht …!”, und dann wollen wir mit dem Psalmisten antworten: “Dein Angesicht, Jahweh, suche ich.”
Wer noch in sich selbst stark ist, muß erst einige Niederlagen erfahren, um dann zu erkennen und einzugestehen: Aus mir heraus vermag ich nichts! Gott arbeitet nicht mit unserem Fleisch, auch nicht mit unserem frommen Fleisch! Erst wenn wir unsere Stellung am Fluchholz auf Golgatha als Mitgekreuzigte und Mitgestorbene bewußt einnehmen und damit das Gericht über unser “Fleisch” (altes Wesen) im Glauben bejahen, fließen uns auch als Mitauferweckten Seine Auferstehungskräfte zu. Dann darf es zu einem Wandel im Geist und in der Kraft Gottes kommen. Solange wir noch selbst weiterwissen und mit unseren Möglichkeiten nicht am Ende sind, solange lassen wir leider Ihn nicht wirklich ans Ruder!
Das wird auch der israelische Staat noch schmerzhaft lernen müssen. Noch vertrauen sie auf ihren fleischlichen Arm. “Wir haben der Qualität nach die beste Luftwaffe der Welt!” Ja, auch diesen fleischlichen Arm wird Gott ihnen noch wegnehmen müssen, so daß sie allein auf den Gott ihrer Väter vertrauen. — Ich fasse zusammen:
- Entscheidend ist, daß wir unsere Stellung, Berufung und unser Ziel klar vom Wort her erkennen und in einem zielklaren Glaubenslauf das Ziel anstreben. Unsere gesamte Lebensgestaltung sollte auf dieses Ziel ausgerichtet sein.
- Wir müssen auf das Wort achtgeben, durch das Gottes Geist zu uns redet. Vom Wort wollen wir uns belehren, kritisieren und zurechtbringen lassen. Eine besondere Rolle spielt in der Endzeit das prophetische Wort und die gesunde Lehre.
- Wir wollen nicht versuchen, das Ziel selbst zu erreichen, sondern unsere totale “Bankrott- und Ohnmachtserklärung” unterschreiben. Dann kann Er handeln und durch uns wirken.
Zuletzt wollen wir auf die Verheißung von Phil. 1, 6 blicken, “daß Er, der unter euch (oder: in euch) das gute Werk angefangen hat, es bis zum Tage Jesu Christi auch vollenden wird”. — Amen!
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 1/1999; Paulus-Verlag; Heilbronn)


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