Laßt uns nie vergessen, daß immer der Fleischgeborene den
Geistgeborenen lästert und verfolgt, und nie umgekehrt (Gal. 4,29).


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Wichtige Zugeständnisse eines Vertreters der Lehre von der endlosen Qual

Autor: Ströter, Ernst F., Prof.  |  Kategorie(n): Allversöhnung, Apologetik, Lehre  |  441 x gelesen

Vor einiger Zeit sandte uns ihr Verfasser eine kleine Schrift zu, die in knapper, deutlicher Form bieten will, was ein Christ von den sogenannten “letzen Dingen” wissen kann und soll. Der Verfasser ist uns ein lieber persönlicher Freund, ein hochgeschätzter, erfahrener Forscher auch im Wort der Weissagung, vor allem ein lauterer, unbestechlicher Zeuge für die unantastbare Göttlichkeit und Oberhoheit der ganzen Schriftoffenbarung.

Das Schriftchen bildet einen Teil eines größeren Buches über die “Hauptstücke der christlichen Wahrheit”, das kürzlich von berufenen evangelischen Männern als ein kräftiges Zeugnis angesichts der gegenwärtigen religiösen Krise herausgegeben wurde. Es darf somit jener Schrift wohl eine mehr als gewöhnliche Bedeutung zugemessen werden.

Dieselbe beschäftigt sich auch mit der heute brennend gewordenen Frage nach der “ewigen Qual”. Allerdings widmet sie derselben nur etwas über eine Druckseite. Das steht aber zu der Zahl der behandelten Gegenstände in einem ziemlich guten Verhältnis. Auf diesem nicht sehr weiten Raum werden etliche Zugeständnisse gemacht, die uns hier beschäftigen sollen. Dieselben werden ja nicht als ausschlaggebend oder entscheidend gegen die Lehre von der ewigen Qual angesehen, sondern es wird ihnen mit einer um so bemerkenswerteren Beweislegung begegnet, wobei als Endergebnis der bezeichnende Satz erfolgt:

    Dann wird sich enden solche Pein,
    Wenn — Gott nicht mehr wird ewig sein.

Die erste Frage des Verfassers, der wir uns zuwenden, lautet:

Ist denn ewige Verdammnis überhaupt denkbar?

Wir freuen uns dieser Frage und wünschen nur, alle Vertreter der Lehre von endloser Qual möchten dieselbe eingehend ergründen und sich beantworten. Wir können nicht umhin, anzunehmen, dass solches gründliche Zuendedenken bei den meisten ernsten Christen wenig oder gar nicht geschieht. Einladend und erquicklich ist es gewiss nicht. Viel leichter ist es ja, sich des zu trösten, es werde damit doch wohl seine Richtigkeit haben, zumal die große Mehrheit der ernstesten Evangelisten, Prediger und Lehrer unserer Tage entschieden dafür einstehen, es müsse an der Lehre von der Endlosigkeit der Höllenstrafen unbedingt festgehalten werden. Schon aus praktischen Gründen, damit die Evangelisation der gleichgültigen Massen nichts an “Stoßkraft” einbüße. Und alle diese ernsten Männer könnten doch nicht im Irrtum sein. Auch rede ja die Schrift ebenso deutlich von ewiger Pein, wie vom ewigen Leben. Nichts könne einfacher sein, als dass für beides dasselbe Maß gelten müsse. Daneben ist man nicht frei von dem unbehaglichen Empfinden, dass sich über endlose Marter überhaupt nicht wohl zu Ende denken lasse. Man kommt da gar bald vor Abgründe, an denen jedes gesunde Denken von unsagbarem Schauder ergriffen wird.

Man wird wohl sagen dürfen, daß noch nie ein normaler Geist sich hat mit freudiger Genugtuung versenken können in diesen düstersten Untiefen grausigster Vorstellung. Warum wohl nicht? Wenn es doch göttliche Gedanken und Wahrheiten sein sollen? In der Schrift begegnen wir einer Anzahl erleuchteter, vom heiligen Geist getriebener Männer, die ihr tiefe Befriedigung aussprechen über die furchtbarsten und strengsten Gerichte des heiligen Gottes an den Feinden seines Volkes und seines Gesalbten. So rühmt und frohlockt der fromme Sänger: “Deine Hand wird alle deine Feinde finden, deine rechte wird finden deine Hasser, du wirst sie machen wie einen eisernen Ofen zur Zeit deines Erscheinens, Jehova wird sie in seinem Zorn verschlingen, das Feuer wird sie fressen … Erhebe dich, Herr, in deiner Kraft, so wollen wir deine Stärke besingen und preisen” (Ps. 21, 9).

Ein andermal singt er von den Gottlosen: “Gott, reiße ihnen die Zähne aus dem Maul, Herr, zerschmettere den jungen Löwen das Gebiss … der Gerechte wird sich freuen, wenn er solche Rache siehet und wird seine Füße baden in des Gottlosen Blut. Und die Leute werden sagen, es gibt doch noch einen Gott, der auf Erden richtet” (Ps. 58, 7.11.13).

Da bedarf es erst keines förmlichen Beweises, dass diese Gottesmänner nicht an endlose Höllenmarter gedacht haben können, die hinter solchen drastischen, blutigen, aber gerechten Gerichten Gottes lauere. Sie waren unverkennbar getragen von der Überzeugung, die ja auch wieder und wieder bei ihnen zum Ausdruck kommt, dass alle solche Gerichteten lernen und erfahren sollten, dass Jehova allein Gott ist. Solche Erkenntnis aber bedeutet ewiges Leben, wie Jesus richtig aus der Schrift gelesen: “Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den Du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen” (Joh. 17, 3).

Ein selbst von Gott gezüchtigter und in ernste Zucht des Geistes genommener Mensch kann sich in tiefster Seele auch der schwersten Gerichtswege Gottes freuen, solange er die Gewähr hat, dass solche Maßnahmen ihr bestimmtes, auf Heil gerichtetes Ziel haben. Da kann man priesterlich mit leiden und eintreten — auch dann, wenn man göttliche Rache herabrufen darf auf die losen Verächter, die Lästerer, die Verfolger und Schmäher, die Heuchler und Lügendiener, stets eingedenk, aus was für Abgründen des Verderbens die eigene Seele ist herausgerettet worden — aber nur unter der Voraussetzung, dass die schärfsten Höllengerichte den ewigen Heilsgedanken Gottes mit unfehlbarer Sicherheit dienen.

Aber eins kann ein geistlich gerichteter Mensch niemals: sich endloser Höllenqual von Herzensgrund freuen, die sich niemals auflösen kann in Beugung, Zerbrechung und Anbetung des unendlichen liebenden Rettergottes und Heilandes.

Die für viele so anstößigen Rachepsalmen sind dem verständlich, der seines Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit ernst nimmt. Sie enthalten nichts, das mit Gottes wahrem Liebeswesen in unlöslichem Widerstreit wäre. Nur Weichlichkeit, Sentimentalität und markloses Gefühlschristentum kann sich an ihnen ärgern. Die kennen ihren Gott nicht, welche jene Feuerworte abschwächen oder gar ganz abtun wollen als unvereinbar mit dem Gott der Liebe. Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. Auch das Neue Testament kennt den grimmigen Zorn des Lammes.

Aber den Willen und das Vermögen, die weitaus größte Mehrzahl aller für den Sohn und durch den Sohn geschaffenen Menschenwesen endlos, zwecklos und hoffnungslos zu quälen, das kann kein biblisch gesund denkender Geist jemals in Einklang bringen mit reifster, geläuteter Gotteserkenntnis. Nein, ewige, d. h. endlose Verdammnis ist nicht denkbar.

Man mache nur einmal ernsthaft und mit Beharrlichkeit die Probe darauf, wie weit man auf der Bahn einer solchen Vorstellung von Gott vorwärts denken kann, ohne dass Reihen von Fragen auftauchen, die einfach nicht niederwollen.

Was wäre z. B. das allgemein menschliche Urteil über eine weltliche Obrigkeit, die als Strafe für schwere Verbrechen festsetzte, der Verurteilte solle zeitlebens jede Stunde, bei Tag und Nacht mit ausgesuchten Marterwerkzeugen gepeinigt werden, ohne Pause, ohne Milderung, aber so. dass sein Lebensbestand, namentlich sein klares Bewusstsein unter keinen Umständen gedämpft oder aufgehoben würde. Nicht war, man wäre sprachlos vor Entsetzen über solche ausgesuchte Teufelei, über solche Schändung des Namens Mensch! Aber die herkömmliche Lehre verlangt von mir und von dir, dass wir uns gar nicht aufregen sollen darüber, dass unser großer, herrlicher Rettergott genau ein solches Verfahren nicht nur für eine kurze Lebenszeit, sondern für eine endlose Ewigkeit, nicht nur an vereinzelten, ganz entsetzlich verkommenen Kreaturen, sondern an ungezählten Millionen von ihm geliebter Wesen befolge, und zwar solches Verfahren auf das denkbar höchste Maß gesteigert dadurch, dass er zuvor eben diesen zu Marternden durch Auferstehung eine unvergängliche Leiblichkeit gibt, die ihnen nie auch nur eine Stunde Schlaf gestattet, die niemals aufgerieben, erschöpft, abgestumpft, empfindungslos werden kann — also eine Gipfelung ausgesuchtester Quälerei, wie sie jenseits jeder kreatürlichen Herstellungsmöglichkeit liegt!

Gleich daneben tritt die ebenso berechtigte, nicht zu umgehende Frage:

Was wäre von einer Obrigkeit zu denken, die ihre Untertanen nötigte, bei Tag und Nacht ohne Unterbrechung Zeugen zu sein von der strikten Durchführung solcher Marterstrafen an jenen Verbrechern?

Wir sagen sofort, ein gänzlich unvollziehbarer Gedanke. Aber wieder verlangt die herkömmliche Lehre von uns, dass wir uns still und ohne Widerrede fügen sollen, wenn sie dekretiert, dass die Scharen der Erlösten in alle Ewigkeiten hinaus beständige Zeugen solch endloser Höllenmarter an der überwältigenden Mehrheit ihrer eigenen Anverwandten und Freunde, ihrer Eltern, Gatten, Brüder, Schwestern und Kinder seien. Denn dieselben erkennen ja dann nicht mehr stückweise, sondern vollkommen. Sie können sich dem Anblick niemals entziehen, denn es gibt für sie keine Himmelshöhen und keine Höllentiefen, in denen sich etwas ihrem Blick entziehen oder verbergen könnte. Sie können auch die empfangenen Eindrücke nie mehr loswerden, denn ihr Gedächtnis ist vollendet. Noch gibt es je eine Pause durch Schlaf oder Abwesenheit, denn sie werden nie die Augen schließen, noch sich je aus dem Bereich solcher Dinge entfernen können.

Noch einmal, ist ewige, endlose Qual denkbar? Nein, tausendmal Nein!

Darüber hinweg, daneben vorbei denken, ja, das bringen wir fertig mit einiger Übung. Aber sich dahinein versenken, das zu Ende denken, niemals! Wahnsinn wäre vorzuziehen, Stumpfsinn eine Erlösung!

Und eine dritte Frage, die niemand wehren kann, am wenigsten der lebendige Gott:

Welchen Zweck dient solche endlose Marter, wie man sie ersonnen hat und lehrt?

Zugestandenermaßen gar keinem. Gott bringt kein einziges der von Ihm selbst mit vollem Bewusstsein der endlosen Qual überantworteten Geschöpfe dadurch auf seine Seite. Man besteht darauf, dass er das auch gar nicht will. Mag die Schrift noch so deutlich erklären, das Jesus Christus der selbe sei gestern, heute und in Ewigkeit, die Dogmatik erklärt, dass nach dem Endgericht sein Charakter und seine Haltung allen Verlorenen gegenüber sich grundsätzlich und dauernd ändere. Kein Erbarmen mehr, sondern unbeugsamer Wille, nur noch zwecklos und unendlich zu quälen. Es gehört zum festen Bestande der kirchlichen Höllenlehre, dass Gott ausgerechnet niemals mehr den leisesten Versuch machen darf, irgend einer dieser endlos gemarterten Seelen auch nur den mattesten Schimmer von Hoffnung zukommen zu lassen, noch irgend welche Erleichterung, Milderung und Linderung der Qual. So gehört auch dazu, dass kein Mutter- oder Vaterherz, kein Brudersinn, keine Schwestern- und Gattenliebe jemals irgend eine Aussicht habe, sich an den endlos Gemarterten irgend wie tröstend oder helfend zu betätigen, auch wenn in der Schrift noch so deutlich geschrieben steht: “Du bist Priester für die Ewigkeiten nach der Ordnung Melchisedeks …” (Ps. 110, 7; Hebr. 5, 6), und wir berufen sind zu gleichem Priesterdienst für die Ewigkeiten. Das alles nimmt nach der orthodoxen Lehre mit dem jüngsten Tage ein Ende, obschon man sich bis zum äußersten aufregt über jeden Versuch, an der Hand der Schrift nachzuweisen, dass dort das Wort für “ewig” und “Ewigkeit” nicht immer den Begriff der Endlosigkeit hat. Wo es ihr passt, degradiert sie einfach, das “ewige” Hohepriestertum des Herrn habe kein Ende, wie auch das der Seinigen. Denn es ist ja ganz selbstverständlich, dass von Priesterdienst nur da die Rede sein kann, wo noch Sünde und Schwachheit ist.

Ganz davon zu schweigen, dass den wenigsten Kindern Gottes in diesem Leben ausreichende, befriedigende Gelegenheit gegeben ist, Rettersinn an andern zu betätigen. Von solcher Betätigung in der zukünftigen Welt will man einfach nichts wissen. Was in diesem einmaligen Erdenleben nicht gerettet wurde, ist in alle Ewigkeiten verloren, endlos verloren, hoffnungslos verdammt.

Noch einmal: Ist endlose Verdammnis, hoffnungslose Qual denkbar? Niemals! Sie bedeutet die Erstarrung, die hoffnungslose Ertötung alles gesunden, am Licht des Lebens gesunden Denkens und Empfindens. Sie ist das entsetzliche Zerrbild geoffenbarter Wahrheit, das menschliche Klügelei zustande gebracht hat.

Man sage auch nicht, dass solche Gedankenreihen, wie sie sich aus jedem Versuch, endlose Qual zu Ende zu denken, unwiderstehlich hervordrängen werden aus innerer Auflehnung gegen Gottes heiligen, geoffenbarten Willen entsprängen. Dem ist nicht also. Sie sind das Ergebnis des unversöhnlichen Gegensatzes zwischen dem von jedem erleuchteten Kinde Gottes, unsres himmlischen Vaters und den Ihm in solchen Lehrgebilden angehefteten Eigenschaften und Betätigungen. Mit der bloßen Behauptung, solche Konflikte seien auf Rechnung einer fleischlichen und gottwidrigen Gesinnung zu setzen, ist nichts bewiesen. Das sind unbegründete Verdächtigungen. Es waren nie die leichtfertigen und oberflächlichen Männer Gottes, die den Finger gelegt haben auf solche unerträglichen Gegensätze im Wesen und Walten des heiligen und barmherzigen Gottes.

Der Verfasser der hier besprochenen kleinen Schrift bekennt selbst: Und gewiss ist der Gedanke an die ewige Qual der Verstockten so furchtbar, dass wir ihn kaum ertragen können. Wenn anstatt des “kaum” ein einfaches “nicht” kommt, gehen wir ganz mit ihm. Denn wir können ihn zu Ende gedacht nun und nimmermehr ertragen. Und wir fragen: Kann das ein göttlicher Gedanke sein, vor dem jedes von der Liebe Gottes bezwungene Menschenherz instinktmäßig einen tiefen, abgründigen Abscheu und Schauder empfindet? Sobald wir aber den Begriff der Endlosigkeit, gepaart mit vollständiger Zwecklosigkeit darangeben und den göttlichen Strafgerichten Maß, Ziel und Endzweck gestatten, hört jedes innere Gefühl von Zwiespältigkeit auf. Alles wird harmonisch, die ganze Schrift, jede Schrift kommt zu ihrem unverkürzten Recht. Gott bleibt rein, wenn er gerichtet wird (Ps. 51, 4).

Weiter heißt es in jener Schrift: “Groß ist die Zahl derer, welche eine schließliche Errettung aller Menschen, ja aller Geister, eine dereinstige Wiederbringung und Rettung aller Ungläubiggebliebenen bestimmt erhoffen. Noch größer aber die Zahl derjenigen, welche von der dereinstigen Vernichtung aller Verstockten überzeugt sind.”

Die letztere Tatsache berührt uns schmerzlich, wiewohl wir verstehen, wie man selbst einen so unsäglich jammervollen Ausweg, wobei Gott ebenso gründlich der Bankrott zugeschoben wird, der ungeheuerlichen Lehre von endloser Qual vorziehen kann. Interessant ist beiläufig der Umstand, dass man in gläubigen Kreisen sich mit der Vernichtungstheorie viel leichter abzufinden scheint, als mit der Verkündigung endlicher Errettung aller. Man scheint die Verstockten noch lieber vernichtet, als endlich doch gerettet zu wissen. Sonderbar! Im übrigen ist es erfreulich, dass es unter den Kindern Gottes verschiedener Bekenntnisse anfängt zu tagen. Man beginnt sich zu besinnen, ob es denn verantwortlich sei, dass man im Ernst noch an Lehrsätzen festhalte, die in Wirklichkeit fast so vollständig von der christlichen Kanzel verschwunden sind, wie jener schaurige eines der großen Reformatoren, dass es in der Hölle Kindlein gäbe eine Spanne lang, der auch noch in der Dogmatik steht, aber jeden Kurs im Glaubensleben längst verloren hat, wenn man das überhaupt je geglaubt hat.

Hier darf wohl auch gefragt werden, ob man sich auf kirchlicher und evangelischer Seite je und dann darüber Rechenschaft gibt, wie viele edel und sittlich hochdenkende Menschen, deren Erziehung und Lebensverhältnisse sie nicht dazu geführt haben, sich eingehend mit tiefreligiösen Fragen zu befassen, denen aber ein Fragen und Suchen nach Gott nicht abzusprechen ist, von vornherein sich mit Schaudern und Entsetzen von einem Gottesbegriff abwenden, wie ihn herkömmliche und mit solchem Eifer verfochtene Lehre von der endlosen Qual setzt. Es wird uns scharf zugesetzt, dass wir uns sehr versündigten, indem wir sicheren Sündern ein “bequemes Kopfkissen unter den Kopf legten”, sofern sie ja doch endlich aus der furchtbarsten Höllenpein noch herauskommen würden, — wiewohl sich über die Bequemlichkeit eines solchen Kopfkissens äonenlanger Gottesferne und Seelenpein wohl streiten ließe. Wir möchten den tiefen Ernst und die Aufrichtigkeit der teuren Brüder nicht bezweifeln, die solche Vorwürfe erheben. Wohl aber müssen wir ihnen zu beherzigen geben, dass biblische Evangelisationsreden, welche uns der Heilige Geist, namentlich in der Apostelgeschichte, hat aufzeichnen lassen, keine Spur zeigen von einem solchen Gebrauch von dem Drohen mit ewiger Verdammnis, wie wir das bei vielen unsrer heutigen Evangelisten gewohnt sind. Und man darf doch wohl jene apostolischen Reden für mustergültig und maßgebend ansehen.

Ferner dürfte man auch darüber denken, ob bei der Gewinnung von Seelen für unsern herrlichen Herrn das Moment des Höllenschreckens die Berechtigung habe, die man ihm in der heutigen Praxis zuzulegen scheint. Ist man wirklich ganz sicher, dass man mit dem Schrecken der Verdammnis überhaupt den geistlichen Tod, die tiefe Umnachtung eines natürlich und satanisch verfinsterten Menschenherzens wirksam beseitigen, heilskräftig überwinden kann? Das Gesetz ging mit Drohungen um. Was hat es ausgerichtet? Nur Tod. Nie Heilung und Genesung und Leben. Und nun soll auf einmal in Sachen des Evangeliums eine ins Ungemessene, ins Endlose gesteigerte Verwendung der Schrecknisse das wirksame Mittel sein, dem Wort der Gnade seine “Stoßkraft” zu verleihen? Es müsste doch mit seltsamen Dingen zugehen, wenn unser Gott, dem doch alle seine Werke bewusst sind, und der die Schreckensmethode bei dem Volk seiner Wahl in ausgedehnter Weise angewendet und vollständig wirkungslos erwiesen hat, bei dem herrlichen Evangelium vom Sohne seiner Liebe auf gesteigerte Droh- und Abschreckungsmethoden zurückgreifen müsste. Seine Apostel und Evangelisten Neuen Testamentes befolgen nachweislich eine solche Methode nicht. Oder gehört diese auch zu den Fortschritten unserer Theologie über die “rückständigen” Apostel hinaus? Was sie von den Schrecken des Gerichtes und Feuereifers unsres Gottes, vom Verstocktwerden und vom Entfliehen des künftigen Zorns zu sagen haben, geht an die Adresse von Gläubigen. Und darin folgen sie durchaus dem Beispiel ihres großen Meisters, der die schwersten Worte über das unauslöschliche Feuer und den Wurm, der nicht stirbt, nicht an seine Feinde, sondern an seine Jünger gerichtet hat. Da dürfte man vielleicht auch etwas umlernen (Mark. 9, 44).

Eine wahre Freude haben uns die ferneren Zugeständnisse des Verfassers jener Schrift gemacht: “Ebenso gewiss ist die Vorstellung, dass zuletzt alle Geschöpfe noch gerettet und selig werden, über die Maßen herrlich und erhaben. Sie scheint des Gottes Liebe würdig zu sein. Eine ziemliche Anzahl von Schriftstellen scheint auch dafür zu sprechen. Es gibt schließlich kein Christenherz, auf welches dieser Gedanke nicht anziehend wirkte.”

Wir danken dem teuren Bruder aus vollem Herzen für diese offenen, mannhaften Worte. Wir sind, gleich ihm, der Überzeugung, dass sie bei allen wahren Kindern Gottes einen warmen Wiederhall finden werden.

Sollte diese nicht zu bezweifelnde Tatsache aber nicht zu ernstem Nachdenken veranlassen? Ist es denn auch denkbar, dass eine solche spontane Gesinnung bei allen aus der Liebe Christi schöpfenden Seelen sollte aus dem Fleische, aus der Lüge, aus der Finsternis geboren sein? Quillt denn auch Gottes Brünnlein aus einem Munde süß und bitter zugleich? Sind sie alle nur beklagenswerte Opfer einer ganz furchtbaren Täuschung, die sich der zuversichtlichen Hoffnung hingegeben, unser großer Rettergott werde dennoch restlos mit aller gegen ihn vorhandenen Feindschaft fertig werden und aus seinen Hassern Überwundene, selige Anbeter und Bekenner seines unvergleichlichen Ruhmes machen?

Es wird doch niemand mit Ernst behaupten wollen, dass der Geist der Lüge und Finsternis, der beharrliche Lästerer und Verleumder Gottes, der ihn nur verdächtigen kann, imstande sei, sich zu einer so erhabenen Vorstellung aufzuschwingen, solche wunderbaren Höhen und Herrlichkeiten von unserm Gott auszudenken und sie Kindern Gottes einzugeben. Dann wären ja “Tiefen Satans” gleichbedeutend und gar nicht mehr zu unterscheiden von den erhabensten Stufen göttlicher Erkenntnis, göttlicher Herrlichkeit. Dann würde Lüge und Finsternis gleichbedeutend mit wunderbarstem Licht.

Ebenso undenkbar aber ist die andere mögliche Annahme, dass ein erschaffener Menschengeist sich ohne Offenbarung aus der Gottheit zu solchen Höhen herrlichen Denkens und Strebens emporzuschwingen vermöchte. Kann auch ein Mensch, sei er auch noch so durchgeistigt, noch so tief gesättigt mit Erkenntnis und Liebe Gottes, — seinem Gott vorauskommen im Denken wahrhaft gotteswürdiger Gedanken? Denn dass das nur gotteswürdige Gedanken sind, wird unweigerlich zugestanden werden müssen. Und auf anderem, als tiefernst christlichem Geistesboden wächst diese wunderbare Pflanze überhaupt nicht. Keine Philosophie hat sie erzeugt. Woher sollte denn auch einem nur stückweise erkennenden Menschengeist ein solcher Ausblick in die letzten und höchsten Ziele Gottes mit einer verirrten und verlorenen Welt gekommen sein, der alles weit hinter sich lässt, was eine sich bibelgläubig nennende Dogmatik bisher Gott als erreichbar vorgeschrieben hat?

Es will uns erscheinen, als ob man mit einem Zugeständnisse, wie das obige, nicht nur die ganze Sachlage taghell beleuchte, sondern auch jeder Einsprache gegen eine solche, unsers großen, herrlichen Gottes allein würdige und entsprechende Lösung der Weltrettungsfrage allen Grund und Boden entzöge.

Ist das Urteil unsers Bruders unanfechtbar, dass “die Vorstellung, dass alle Geschöpfe zuletzt noch gerettet und selig werden”, dem geheiligten Denken eines jeden Christenherzens entspricht, dass sie allein des Gottes der Liebe würdig zu sein scheint, dann ist damit allerdings noch nicht erwiesen, dass sie der allein ausschlaggebenden Schriftoffenbarung entnommen sei, wohl aber ist damit ihre Schriftgemäßheit, d.h. ihre innere Übereinstimmung mit dem, was die Schrift von Gott sagt, anerkannt. Und es scheint wohl ausgeschlossen, dass es ein mit dem ganzen Geist und Wesen Gottes und seines Wortes harmonisierendes, christliches Denken geben sollte, das nicht seine Entstehung, seinen Nährboden im festen prophetischen Worte unsers Gottes selbst hätte.

Damit stehen wir vor der weiteren Frage nach dem Schriftgrunde für solche gottgemäße Vorstellung, dessen Vorhandensein in jener Schrift (allerdings mit großer Zurückhaltung) doch zugestanden ist. Nun kann es hier nicht unsre Aufgabe sein, das weite Gebiet der schriftgemäßen Begründung unsrer großen Hoffnung eingehend zu behandeln. (Das haben wir an anderer Stelle getan und verweisen den prüfenden Leser auf das zu Pfingsten 1916 erschienene Buch: “Das Evangelium Gottes von der Allversöhnung in Christus”, Chemnitz bei Koetzle, zu beziehen durch jede Buchhandlung.)

Wir können hier nur die beiderseits zugegebene Schwierigkeit feststellen. Dieselbe liegt darin, dass offen zugegeben wird, dass es eine ziemliche Anzahl Schriftworte gibt, welche für die endliche Beseligung zu sprechen scheinen, und auf der andern Seite eine ebenfalls nicht geringe Anzahl ins Feld geführt werden, welche eine solche Vorstellung auszuschließen scheinen.

Nun kann es aber für alle, denen die Schriftoffenbarung, wie wir sie haben, als einzige, untrügliche Quelle aller Wahrheit gilt, niemals wirklich unlösbare Widersprüche im Worte Gottes geben. Wo solche sich uns zu bieten scheinen da gilt von vornherein, dass dieselben lediglich unserm unvollkommenen, mangelhaften Erkennen entsprungen sind. Dieselben sind also auf dem Wege sorgfältiger und allseitiger Forschung zu untersuchen und zu beseitigen. Bei solcher Untersuchung muss als Grundsatz feststehen, dass jedes Wort der Schrift seinen vollen, nur aus der Schrift selbst zu schöpfenden Sinn unverkürzt und ungeschwächt behalten soll. Es darf nie ein Wort Gottes auf Kosten eines andern zurückgesetzt oder gar unbeachtet bleiben.

Ehe wir nun näher eingehen auf die in jener Schrift versuchte Beweislegung zur Entkräftung der als vorhanden zugestandenen Schriftworte, wollen wir zuerst unsre volle Zustimmung aussprechen zu dem von ihm seiner Beweislegung vorangestellten Grundsatz: “Allein es handelt sich auch hier nicht um das, was unserm Denken richtig und erwünscht erscheint. Es handelt sich nur um Gottes Gedanken, wie sie in seinem Offenbarungsworte klar ausgesprochen sind.”

Wir glauben oben gezeigt zu haben, wie allerdings unser eigenes Denken an sich niemals ausschlaggebend sein kann, dass aber doch das geheiligte, in der Zucht des Geistes geübte und geläuterte christliche Denken und Empfinden als eine tatsächliche Erscheinung nicht ganz unbeachtet bleiben darf. Denn es hat unzweifelhaft seinen Ursprung. Es schwebt nicht in der Luft. Es entstammt auch nicht dem Abgrund. Es entsprang nicht eigenem Sinnen. Es wird irgendwie der Niederschlag gottgemäßer Gedankenbewegungen sein, wenn ihm auch nicht selbstständige Autorität beigelegt werden darf.

Dem aber pflichten wir ohne Rückhalt bei, dass es sich nur um Gottes Gedanken handelt, wie sie in seinem Offenbarungsworte klar ausgesprochen sind. Nur versteht sich, dass was dem einen recht, dem andern billig sei. So erwarten wir z. B. dass rückhaltlos zugestanden werde, dass Worte wie 1. Tim. 4, 10, dass Gott der Retter aller Menschen sei, mit größter Klarheit auszusprechen, was wir glauben, d.h. dass es sich bei solchen und vielen anderen Aussagen keineswegs um dunkle, tief verschleierte, rätselhafte Andeutungen handle, in die man erst hineinlegen müsse, was man gerne darin lese. Wir haben auch aus dem Munde mehr als eines Vertreters der Lehre von endloser Pein das offene Zugeständnis gehört: Ja, wenn man diesen Worten ihren einfachen Wortsinn lassen dürfe, dann lehrten sie unzweifelhaft, dass schließlich alle Menschen gerettet würden.

Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass der Verfasser der besprochenen Schrift solchen Worten der göttlichen Offenbarung gegenüber eine andere Stellung einnehmen wird.

Aber was hindert nun ihn und ungezählte Tausende lieber Kinder und Knechte Gottes, sich einfach und kindlich dem köstlichen Inhalt solcher Schriftworte hinzugeben? Warum lassen sie Worte von solcher Klarheit und Schlichtheit nicht restlos gelten? Wo liegt die Schwierigkeit? Wie ist sie beschaffen? Und lässt sie sich durch sorgfältiges, allseitiges Forschen und Prüfen nicht restlos beseitigen?

Hören wir den Verfasser selbst, wie er die Sache beurteilt als ein ehrlicher Vertreter der herkömmlichen Kirchenlehre von endloser Qual.

Er sagt: “Da aber (nämlich im göttlichen Offenbarungsworte) ist von ewiger Verdammnis und ewiger Qual immer wieder in den allerstärksten Ausdrücken die Rede. Will man nun etwa sagen, die Worte für ewig und Ewigkeit hätten nur dort überall nicht den Sinn der Endlosigkeit, so behält wiederum der schon vom großen Augustinus erhobene Einwurf sein Recht, dass, wenn die für ewig angewandten Worte in allen Stellen, in denen von Verdammnis und Qual die Rede ist, nirgends endlose Dauer bedeuten, sie diese Bedeutung auch nicht mehr mit denjenigen Schriftstellen behalten können, wo sie sich auf Leben uns Seligkeit beziehen, so dass auch nicht mehr im strengen Sinne von ewigem Leben und ewiger Seligkeit geredet werden dürfte.”

Wir stellen gerne fest, dass von unserm Bruder gar kein Versuch gemacht wird, an der Deutlichkeit und Bestimmtheit solcher Gottesworte, wie wir oben eines nur angeführt haben, irgend welche Ausstellungen zu machen. Es wird gar nicht bestritten, dass dieselben unzweifelhaft lehren, dass Gott der Retter aller Menschen wirklich sei, nicht nur zu sein wünsche. Damit ist für unsre Untersuchung viel gewonnen. Wir sind nicht darauf angewiesen, für jene zahlreichen und kostbaren Aussagen der Schrift uns nach irgend einer andern Bedeutung umzusehen. Dieselbe wird als zu Recht bestehend zugestanden, nur ständen andre Schriftworte ihrer Annahme im Wege.

Wie verhält es sich nun mit diesem ernstlichen Hindernis? Es ist bezeichnend, dass in jener Schrift nur der einzige Grund gegen die freie Annahme des Vollsinnes der von uns angeführten herrlichen Worte vorgebracht wird, der sich stützt auf den biblischen Gebrauch von Worten, die mit “ewig” und “Ewigkeit” übersetzt worden sind. Es ist das ja auch wohl das gegnerische Argument, das dem einfachen, ungelehrten Leser am meisten einleuchtet. Das vereinfacht unsre Aufgabe bedeutend. Wenn wir nämlich dem ganz einfachen Mann aus dem Volk, dem Nichtgelehrten, nachweisen können aus der Schrift, dass der große Augustinus und alle die ihm nach dasselbe Argument gebrauchen, bei aller Schriftgelehrsamkeit Opfer eines Trugschlusses geworden sind, und dass die von ihm so plausibel dargestellte Folgerung unhaltbar ist, dann ist dieses große, und wohl beliebteste Hindernis gegen die Annahme der apostolischen Erklärung, dass Gott wirklich der Retter aller Menschen sei, für jeden gerade denkenden Forscher endgültig beseitigt.

Wir verzichten hier selbstverständlich auf jede rein wissenschaftliche Untersuchung oder Beweislegung. Wir wollen einfach zu einfachen Menschen reden, die nur die Schrift kennen und gelten lassen wollen.

Wie wollen wir denn beweisen, dass die Folgerungen des großen Kirchenvaters Augustin ein Trugschluss sei? Dieselbe lautet: Wenn die für ewig und Ewigkeit angewandten Worte in allen Stellen, in welchen von Verdammnis und Qual die Rede ist, nirgends endlose Dauer bedeuten, so können sie diese Bedeutung auch nicht mehr in denjenigen Schriftstellen behalten, wo sie sich auf Leben und Seligkeit beziehen.

Wenn es nun möglich ist, aus der Schrift nachzuweisen, dass dieselbe ganz unzweifelhaft in ein und demselben Satz die für “ewig” und “Ewigkeit” gebrauchten Worte einmal von etwas anwendet, das seinem Wesen nach nur endlos gedacht werden kann und das anderemal von etwas, das seinem Wesen nach niemals als endlos gelten kann, dann ist jene Folgerung des großen Theologen gerichtet als biblisch unhaltbar.

Wir nennen nur zwei Schriftworte. Das eine steht Röm. 16, 25.26:

Gemäß der Offenbarung des Geheimnisses, das von “ewigen” Zeiten verschwiegen war, jetzt aber geoffenbart auf Befehl des “ewigen” Gottes. Es bedarf keiner Gelehrsamkeit zu erkennen, dass Zeiten ihrem Wesen nach niemals endlos sein können, aber sie werden hier ganz unzweifelhaft mit dem selben Worte benannt, das gleich darauf von dem “ewigen” Gott gebraucht wird. Und das braucht man wieder niemand zu beweisen, dass derselbe seinem Wesen nach nur als endlos gedacht werden kann. Wenn Augustin richtig gefolgert hätte, dann müsste man auch sagen können: wenn die hier “ewig” genannten Zeiten nicht als von endloser Dauer gedacht werden sollen, dann kann auch der im gleichen Satz “ewig” genannte Gott nicht als endlosen Daseins gedacht werden, ein offenbarer Trugschluss.

Ein anderes gleichwertiges Beispiel haben wir in Tit. 1, 1.2:

… auf Hoffnung “ewigen” Lebens, welches verheißen hat der untrügliche Gott vor “ewigen” Zeiten. Wenn es einen sprachlichen Begriff gibt, der sich grundsätzlich von Endlosigkeit unterscheidet, dann ist es der der Zeit oder Zeiten. Gleichwohl werden dieselben auch hier mit diesem Beiwort “ewig” benannt, ein schlagender Beweis, dass diesem Beiwort an sich die Vorstellung der Endlosigkeit nicht eignet,. Das zu fassen, bedarf es wieder keiner Gelehrsamkeit.

In diesen beiden Schriftworten liegt auch der einfache und sichere Schlüssel für die Lösung dieses ganzen scheinbaren Widerspruches. Denn in diesen zwei apostolischen Worte kommen die beiden Worte vor, die als die einzigen bezeichnet werden dürfen, aus deren Wesen sich ergibt, dass das Eigenschaftswort “ewig” bei ihnen niemals eine andere Bedeutung als das der Endlosigkeit haben kann. Das mit “ewig” übersetzte Wort muß, von Gott und seinem Leben gebraucht, stets diese Bedeutung haben, nicht weil dieselbe ihm eigen sei, sondern lediglich, weil die Hauptbegriffe Gott und sein Leben gar nicht anders gedacht werden können. Es liegt in der Natur aller menschlichen Sprache, dass sie durch ein einziges Wort, auch nicht durch eine Häufung von Wörtern, dem Wesen und Leben Gottes irgend etwas zusprechen kann, was nicht schon in demselben läge. Alle Eigenschaftswörter, die mit Gott und seinem Leben zusammengestellt werden, empfangen ihre wahre Bedeutung von dort her, aber nicht umgekehrt. Wo immer nun das mit “ewig” übersetzte Wort bei irgend einem andern Worte steht, das von der Kreatur, vom Menschen, oder von rein menschlichen Zuständen oder Verhältnissen handelt, da hat es niemals den Sinn von Endlosigkeit. Denn nichts Kreatürliches kann als endlos gedacht werden, es sei denn teilhaftig geworden göttlicher Natur, des göttlichen Lebens und Wesens.

Eine sorgfältige Schriftforschung wird, des sind wir überzeugt, nie ein anderes Ergebnis haben.*


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* Nachdem der Verfasser obiger Schrift diesen Aufsatz im Manuskript gelesen, schreibt er mir dazu: “… und nun lese ich heute Ihr Manuskript. Es hat mich sehr bewegt. Ich bin mit seiner Veröffentlichung voll einverstanden. Nur möchte ich zu meiner Verwendung des Augustin-Wortes bemerken, dass ich es brauchen musste gegenüber der immer wieder in gläubigen Kreisen mir entgegengehaltenen Behauptung: ‘Herr Professor Ströter hat bewiesen, dass das Wort ewig nirgends endlose Dauer bezeichnet.’ Selbstverständlich ist das ein großes Missverständnis Ihrer Ausführungen. Aber ich bitte Sie, sich selbst zu überzeugen, wie unheimlich weit dieses Missverständnis (trotz seiner Sinnlosigkeit) verbreitet ist. Dieser Gedankenlosigkeit wollte ich mit dem Augustinischen Keulenschlage ein für allemal begegnen. Wenn es Ihnen zweckmäßig erschiene, auf diese Tendenz noch einzugehen, würde ich mir diese eine Zurechtstellung ersparen.”


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Mich dünkt, ich dürfte es wohl bei der einfachen Wiedergabe dieser Worte des lieben Bruders bewenden lassen, zumal ich in einer besonderen Schrift das Ergebnis meiner Forschungen über den biblischen Begriff der Ewigkeit niedergelegt habe, die jedermann zugänglich ist. (Siehe die Schrift: “
Was versteht die Schrift unter Ewigkeit?
“)

Auch ist es mehr als fraglich, ob eine noch so eingehende, wiederholte Erörterung dieser Grundfrage ein wirksames Vorbeugungs- oder Verhinderungsmittel sein würde gegen Missverständnisse der angegebenen Art. Gegen festgewurzelte Vorurteile haben die klarsten Beweise wenig zu bedeuten. Und mit solchen haben wir es unzweifelhaft zu tun.

Unser lieber Bruder und Freund im andern Lager kommt nun an der Hand jener augustinischen Worte zu dem Schluss: So ist noch niemandem der Beweis gelungen, daß das Wort der Offenbarung die Endlosigkeit der Verdammnis und Qual für die Verstockten nicht lehre. Wir möchten für unsere Bloßstellung des augustinischen Trugschlusses nicht mehr beantworten als sich gebührt. Wir stellen das getrost dem gesunden Sinn und Urteil aller unbefangenen Leser dieser Blätter anheim. Daneben halten wir uns aber für durchaus berechtigt, in den Worten jener Schrift zu entgegnen: Es ist noch niemandem der sichere Beweis gelungen, dass das Wort der Offenbarung die Endlosigkeit der Verdammnis und Qual für die Verstockten unzweifelhaft lehre. Auch wird dieser Beweis niemals zu erbringen sein, solange die Schrift allein zu bestimmen hat, und nicht menschliche Philosophie, welchen Sinn das mit “ewig” übersetzte Wort habe.

Solange aber dieser Beweis nicht mit absoluter Lückenlosigkeit erbracht werden kann, ist es mindestens sehr gewagt, den einfachen Kindern Gottes zu wehren, ihrem wahrhaftigen Gott und Vater auf sein bloßes Wort hin — dessen klare Bedeutung nicht beanstandet werden kann — ruhig zu glauben, dass Er in Christo war und die Welt tatsächlich mit ihm selber versöhnte, und dass Er das gesamte versöhnte All unter das eine große Haupt, seinen Christus, bringen werde, also dass schließlich Gott sei alles in allen.

Es ist uns wohl bewusst, dass aus dem andern Lager noch manche andre Versuche gemacht werden mit Berufung auf vermeintlich nicht zu beseitigende biblische Hindernisse, jenen klaren Gottesworten ihre volle unverkürzte Geltung vorzuenthalten. Es war von Anfang an nicht die Absicht, auf mehr einzugehen, als was der Verfasser der besprochenen Schrift an Argumenten zur Entkräftung seiner eigenen köstlichen Zugeständnisse vorgebracht hat. Uns erschien sein Versuch, die Lehre von der endlosen Qual gerade jetzt in dieser Weise zu stützen, da die Aufmerksamkeit und das Interesse weiter Kreise der Kinder Gottes sich dem großen Gegenstande zuwendet, als wichtig und bezeichnend genug, um denselben auf diesen Blättern zu begegnen. Wenn es uns gelang darzutun, dass es mit der biblischen Beweisführung für die endlose Qual doch nicht ganz so sicher bestellt sei, als noch immer behauptet wird, dann sind wir zufrieden. Große Freude wird es uns bereiten, wenn auf beiden Seiten nach dem wahren Sinn der biblisch gebrauchten Worte für “ewig” und “Ewigkeit” ruhig und schlich geforscht wird. Die Gemeine Gottes hat ein gutes Recht, das von all ihren Lehrern zu erwarten, ja, zu fordern. Denn wohin es führt, wenn man bloß bedeutenden theologischen Autoritäten ohne weiteres Gefolgschaft leistet, stellt uns die Schlussbemerkung unsres Bruders klar vor Augen.

Er schließt mit der Aufforderung: “Beugen wir uns lieber mit Furcht und Zittern vor der Warnung eines alten, geistgesalbten Zeugen, welcher sagt: Dann wird sich enden solche Pein, wenn Gott — nicht mehr wird ewig sein.”

Unbeschadet unsrer Hochachtung und Liebe zu dem teuren Bruder können wir da nicht mit. Uns gilt doch das apostolische Wort höher: Werdet nicht der Menschen Knechte! Denn wenn der Umstand, dass dasselbe Wort “ewig” in demselben Satz und Zusammenhang bei zwei verschiedenen Wörtern vorkommt, ohne weiters bedeuten soll, dass damit für beide die Endlosigkeit gesetzt sei — wie das für Matth. 25, 46 beansprucht wird — dann dürfte man füglich aus dem gewiss ernst gemeinten Worte jenes angerufenen Zeugen durch einfache Vertauschung der Begriffe “Zeit” und “Gott”, die beide an angegebener Stelle als “ewig” bezeichnet werden, folgende unerträglich sinnlose Strophe machen: Dann wird sich enden solche Pein, wenn — Zeit nicht mehr wird ewig sein.

Menschen mögen, die Schrift kann und wird nie ein solches Doppelspiel mit Worten treiben. Daher lehnen wir alle solche Folgerungen, auch der ehrwürdigsten Zeugen aus den Menschen, ruhig ab und verlangen im Namen der Gemeinde des lebendigen Gottes eine andre rein biblische, unanfechtbare Art der Beweislegung in dieser gewaltigen Frage, welche Himmel und Erde, Menschen — und Engelwelt, den Christus Gottes und die Ehre des Vaters aufs Allertiefste berührt und begreift.

(Quelle: “Das prophetische Wort”, 1927)

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