Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Vertrauliche Mahnung und Bitte

Autor: Ströter, Ernst F., Prof.  |  Kategorie(n): Allversöhnung, Glaubensleben & Wandel  |  699 x gelesen

Unser Verhalten bei Gegnern der Allversöhnung

In einem engeren Kreise lieber Brüder verschiedener Richtung kam kürzlich aus Anlass der Frage nach der Verkündigung der Allversöhnung mancherlei zum Ausdruck, das mich veranlasst, an dieser Stelle ein brüderliches Wort der Ermahnung an alle solche zu richten, die durch eigenes Prüfen und Forschen zu der lebendigen und befreienden Erkenntnis des ganzen, vollen herrlichen Evangeliums gelangt sind, wie es sich diese Blätter zur Aufgabe gemacht haben, zu vertreten und immer fester und klarer zu begründen als rechte Speise für den Haushalt des Glaubens in unsern Tagen.

Um mit dem ernstesten zu beginnen: Es gereichte mir zu großem Schmerz zu erfahren, dass sich hin und her bereits besondere “Kreise” und kleine Gemeinschaften von sogenannten “Wiederbringern” gebildet haben sollen. Das ist aus dem Fleisch und nicht aus dem Geist. Ich kann es wohl verstehen, aber niemals gut heißen, wenn das geschieht, sondern möchte hier meine Stimme warnend dagegen erheben. Dass man meinen Namen mit solchen Bildungen in Verbindung gebracht hat, kann ich ja nicht verhindern, aber ich darf vor dem Herrn erklären, dass das mit Unrecht geschieht. Von verschiedenen Seiten bin ich angegangen worden, doch Listen der Abonnenten meines Blattes in der oder jener Stadt einzusenden, damit man unter sich zusammenkommen und sich auf den Linien dieser kostbaren Wahrheiten weiter erbauen könne, da die Gemeinschaften und Kirchen sich offen dagegen wehrten und man darob verketzert werde. So sehr betrübend das auch ist, ich kann unter keinen Umständen meine Einwilligung dazu geben, und habe sie nie dazu gegeben, dass man das große, universale Evangelium Gottes zu einem Schibboleth mache, und mein Verlag in Bremen hat den strengen Auftrag, unter keinen Umständen an irgend jemand Namen von der Abonnentenliste einzusenden.

Nur keine Sektenbildung mehr! Die Gemeinde Gottes leidet an diesem Jammer wahrlich schon lange und schwer genug. Und wie sollten wir, als die Vertreter des ganzen Evangeliums, aus demselben eine Winkelsache machen wollen? Wir würden ja den Gegnern dieser Lehre die beste Handhabe reichen, die immer wieder betonen, das sei so eine Sonderansicht, die man ebenso wohl haben oder auch nicht haben könne, ohne damit den eigentlichen persönlichen Heilsgrund zu verlassen oder zu verlieren. Dem gegenüber betonen wir mit vollem Recht, dass es sich bei der Lehre von der Allversöhnung keineswegs um eine spezielle Liebhaberei oder gar um ein Steckenpferd handele, sondern vielmehr darum, dass der Gemeinde Jesu Christi, die seine eigene Fülle ist, ihr herrliches Haupt auch in seiner ganzen Gottesfülle, als das vom Vater verordnete Haupt über das gesamte erlöste All wiedergegeben werde, nach der Schrift. Denn sie ist berufen zur Gemeinschaft seines Sohnes, in welchem alle Fülle Gottes leibhaftig wohnt. Sie ist Miterbin dessen, den der Vater eingesetzt hat zum Erben über das All. Seine Interessen sind durchaus die ihrigen, wenn sie sich ihrer himmlischen Berufung in ihm würdig erzeigen will. Wenn das teure Brüder nicht sehen können, so empfinden wir das natürlich mit tiefem Schmerz, aber ohne jede Bitterkeit und namentlich ohne jede Selbstüberhebung, die uns zur Absonderung von den Brüdern triebe, mit denen wir doch in einem Geiste stehen. Und wenn wir erkannt haben, dass diese überschwengliche Erkenntnis Christi Jesu unsers Herrn im tiefsten Grunde nichts anderes bedeutet und umschließt, als die alle Kenntnis übersteigende Liebe Gottes, die allem göttlichen Walten, wie im Gericht, so in der Gnade an der Wurzel liegt, dass es eben die Liebe Gottes ist, welche das schärfste, schonungsloseste Gericht gegen alle Sünde und Gottlosigkeit erheischt, dann dürfen wir die allerletzten sein, die es an tragender, geduldiger Liebe gegen selbst harte und schroffe Brüder mangeln lassen. Also, nicht wahr, liebe Brüder, nur nicht noch mehr Spaltung und Zersplitterung in der Gemeinde Gottes unsrer, der letzten Tage, vor der nahenden Vollendung. Ist und bleibt die Liebe die größte unter den von dem Apostel genannten drei Stücken, dann sind wir gebunden, das darin zu betätigen, dass wir uns durch keinerlei Härte oder Ungerechtigkeit oder Engherzigkeit im Urteil aus der Liebe bringen lassen, die alles glaubt, alles hofft und alles duldet.

Schließt man uns aus, nun, dann bleiben wir trotz alledem “oben herum” immer noch in lebendiger Gemeinschaft mit den Brüdern, die unser herrlicher Herr im Himmel ja doch auch tragen kann und trägt, wie er uns getragen hat, als wir in der gleichen inneren Verfassung waren, wie jene heute noch, ehe uns das Licht der Erkenntnis aufgegangen war, das wir uns ja auch nicht selbst gegeben haben, noch geben konnten.

Meine dringende Bitte geht also dahin, daß man sich doch überall, wo man besondere Wiederbringerkreise gebildet hat, dessen vollständig entschlagen wolle und jeden Schein einer Separation von den Brüdern meiden wolle, die dennoch uns tragen können, auch wenn sie uns nicht recht verstehen können.

Es braucht das keineswegs auf Kosten der Wahrhaftigkeit und der Treue zu der gewonnenen Erkenntnis zu geschehen, wenn es auch in vielen Fällen nicht leicht ist, allen Konflikt zu vermeiden. Aber die Verheißung gilt, wenn jemand Weisheit mangelt, der bitte von Gott, der allen gerne gibt, ohne zu schelten, der wird sie ihm geben. Und es bedarf oft sehr großer Weisheit, um ohne Verleugnung der kostbaren Wahrheit den Schein der Überhebung, des geistlichen Dünkels zu meiden. Aber dem Aufrichtigen lässt es der Herr gelingen.

Und nun ein Wort nach der andern Seite. Aus den Besprechungen mit jenen Brüdern ergab sich zunächst einmal der erfreuliche Tatbestand, dass die Erkenntnis des ganzen vollen Evangeliums Gottes in Christo wohl nicht die breiten Mengen der Gläubigen, aber immer weitere Schichten der wirklich weiter Strebenden und tiefer Grabenden ergreift. Auch aus meiner umfangreichen Korrespondenz mit lieben Kindern Gottes aller Stände und Klassen in verschiedenen Ländern, diesseits und jenseits des Ozeans, kommen die Beweise dafür, dass es an der Zeit war und ist, der Gemeinde Gottes in Christo diese bisher zumeist vorenthalten gebliebene Speise zu reichen. So heftig mitunter die Vorwürfe, die mir selbst von Brüdern, die unsre Erkenntnis teilen, aber glauben, sie für sich zu behalten zu dürfen oder gar zu müssen, reichlich zuteil werden, so erfreulich, tröstlich und erquicklich sind die zahlreichen Schreiben, aus denen der Jubelton einer inneren Befreiung und Entlastung wie von einem drückenden Joch und Geistesbann hervorklingt, in tiefer Beugung und Dankbarkeit gegen Gott, den man sich nie so groß und herrlich gedacht und vorgestellt, wie man ihn nun anbetend erkennen darf. Es ließen sich Seiten füllen mit solchen köstlichen Zeugnissen. Diese beweisen mir unanfechtbar, wie unbegründet der Einwurf ist, den manche teure Brüder machen, die unsre Erkenntnis teilen, aber sie nicht offen weitergeben zu dürfen glauben, dass nämlich bei der offenen Verkündigung “nichts herauskomme”, dass “kein Segen darauf ruhen könne, weil man aus der Schule plaudere und unbefugte Dinge an die große Glocke hänge, die nicht für jedermann bestimmt seien”. Jener Knecht, der sein Pfund im Schweißtuch sorgfältig für sich behielt, ohne damit zu handeln, hat gewiss die Erfahrung gemacht, dass dabei nichts herauskomme, dass darauf kein Segen ruhe. Um eine solche Erfahrung aber ist er wohl kaum zu beneiden gewesen, wie der Ausgang der Sache zeigt. Wie will man Segen ernten, wo man keinen sät? Es ist schier unfasslich, wie man angesichts der so offenen und unverblümten Sprache eines Paulus über Gott als den Retter aller Menschen, über das Sühnopfer Christi, mit dem er die Welt mit Gott versöhnt habe, ja, durch das er alles, was im Himmel und auf der Erde mit sich selbst versöhnt und zum Frieden gebracht habe, und über das letzte große Ziel aller Wege Gottes, dass Gott sein will alles in allen, — wie man sich bei einer so unmissverständlichen Sprache noch davon reden kann, dass das nicht der ganzen Gemeinde der Gläubigen, die doch den Heiligen Geist hat, der sie in das Ganze der Wahrheit leiten soll und will, verkündigt werden dürfe. Wenn man nicht selbst in solcher Unwissenheit und Befangenheit jahrzehntelang gewesen wäre, könnte man sich das gar nicht vorstellen, nachdem man es einmal erkannt hat. Doch die Hüllen fallen, die Decken werden von den Augen genommen, die Kinder der Wahrheit dringen vor von Erkenntnis zu Erkenntnis und von Kraft zu Kraft des Herrn. Die Stunde ist gekommen, da die Gemeinde Gottes ohne Abstrich in das ihre kommt, wozu sie gesetzt und verordnet ist.

Nun aber zeigt sich da eine andre Gefahr, die der bedenklichen Vermittlung, des Kompromisses. Es fehlt nicht an Stimmen, die der Wahrheit selbst nicht nur nicht abgeneigt, sondern eher zugetan sind und sich ihrer freuen können, die aber guten Grund zu haben meinen, bei der Verkündigung derselben eine gewisse wohlwollende Neutralität zu beobachten. Ihnen scheint die ganze Frage nicht von solcher Tragweite, dass man darob es zu ausgesprochenen Gegensätzen und Konflikten kommen lassen sollte, solche seien vielmehr, um des Friedens in den Gemeinden und Gemeinschaften willen, zu vermeiden, zumal man doch nicht den Standpunkt vertreten könne, dass solche geförderte Erkenntnis notwendig sei zum Heil. Dass an einer solchen Stellungnahme Wahres und Berechtigtes sei, geben wir gern zu. Wie aber bei Neutralitäten sehr oft, so auch hier, es werden dadurch beide Seiten nicht befriedigt, oder es wird eine Art “amerikanischer Neutralität” daraus. Man denkt sich die Sache ungefähr so: Wir begleiten in unsrer Wortverkündigung die Seelen klar und bestimmt bis an die Grenze der Zeit; wir halten ihnen vor das Leben durch den Glauben allein, oder den Tod, das Verderben, ohne dass wir uns herausnehmen, über den Charakter des Gerichtes, seine Schwere oder Dauer, etwas Bestimmtes zu sagen. Darüber lassen wir dem großen, gerechten und heiligen Gott die endgültige Entscheidung, die dann ein jeder über sich ergehen lassen muss. So unparteiisch das auch auf den ersten Blick zu sein scheint, erheben sich doch sofort gar ernste Bedenken. Zunächst einmal glaube ich kaum, dass die erklärten und sehr nachdrücklichen Vertreter der Lehre von endloser Verdammnis sich jemals zufrieden geben würden mit einer solchen Abmachung. Wenn ihnen zugemutet werden sollte, sie dürften gar nichts Bestimmtes mehr sagen oder androhen über die Ewigkeit der Höllenstrafen, dann würden sie unzweifelhaft dagegen sich auf die wohlbekannten Schriftstellen sowie auf die ungeheure Macht der kirchlichen Sitte und Praxis, des allgemeinen Herkommens, berufen. Sie würden es für eine ganz ungebührliche Zumutung halten, über etwas zu schweigen, was nach ihrer festen Überzeugung so biblisch ist, wie die Lehre von der Erschaffung des Menschen oder die Lehre von der Sünde. Die sogenannte Wahrheit von der ewigen, d. h. endlosen Verdammnis, gilt in den Kreisen nun einmal als unentbehrlich zur vollständigen Rüstkammer eines rechten Evangelisten, zum unveräußerlichen Bestande einer echten evangelischen Heilsverkündigung. Das haben die heiligen und fast leidenschaftlichen Angriffe gegen die Wahrheit von der Allversöhnung in Christo während der letzten zehn Jahre nur zu deutlich gezeigt.

Auf der andern Seite könnte ich mich niemals zufrieden geben mit einer solchen Abmachung, wenn sie mir wirklich im Ernst angeboten würde, was ich für ganz ausgeschlossen halten muss nach den gemachten Erfahrungen und Beobachtungen auf diesem Gebiet. Denn es handelt sich nach meinem Erkennen keineswegs in erster Linie um das bloße Verstummen der entsetzlichen Predigt von endloser Höllenpein, so erwünscht dasselbe wäre und so erfreulich es auch ist, dass tatsächlich längst nicht mehr in dem Umfang und mit der Heftigkeit und Selbstverständlichkeit von der Höllenpeitsche Gebrauch gemacht wird, wie vordem; vielmehr handelt es sich zu oberst um die Einführung der wahrhaftig gläubigen Gemeinde aller Richtungen und Färbungen in die Breite, Länge, Tiefe und Höhe der göttlichen Fülle in Christo Jesu unserm Herrn, um die unverkürzte Anerkennung der Herrschaft und Hauptschaft des Gekreuzigten und Auferstandenen und Erhöhten über das ganze von ihm, durch ihn und zu ihm geschaffene All, das er zu sich selber versöhnet hat und das er an seinem Tage seinem Vater von jedem inneren und äußeren Widerstande völlig befreit zu Füßen legen wird. Und wenn man mir garantieren könnte, dass nie und nirgend mehr unter dem ganzen Himmel sich je ein Mund mehr auftun sollte zur Verkündigung der entsetzlichen Unwahrheit von endloser Höllenmarter unter der Bedingung, ich sollte auch nie mehr ein Wort sagen oder schreiben von der Allversöhnung in Christus, ich könnte und würde mich nie dazu verstehen. Jenes wäre nur ein allzusehr berechtigtes Verstummen von einer durch und durch haltlosen, unbiblischen Verkehrung des Charakters Gottes und seines Sohnes Jesus Christus, das Verschwinden einer entsetzlichen Negation, einer schmachvollen Bankrotterklärung, die man Gott zuschiebt. Dieses wäre das unverantwortliche Verleugnen seiner höchsten Herrlichkeit, seines erhabensten Triumphes über alle feindlichen Mächte im Himmel und auf der Erde und unter der Erde. Nein, tausendmal Nein, auf einen solchen Handel könnte ich bei gesunden Sinnen niemals eingehen, und wenn ich dadurch alle und jede Anfeindung, Verdächtigung, Verkehrung oder Beunruhigung vermeiden könnte. Auch für die Gemeinde Gottes wäre ein Friede um solchen Preis zu teuer bezahlt. Das Eindringen der Wahrheit Gottes in die Menschheit hat sich seit Jahrtausenden noch nie ohne Kämpfe und Trennungen der schmerzlichsten Art vollzogen. So wird es auch wohl bleiben bis an das Ende unsrer Tage. Wie es schon Paulus erlebte, der seinem geistlichen Sohn Timotheus schrieb: Dafür arbeiten wir auch und werden geschmäht, dass wir unsre Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt haben, welcher aller Menschen Retter ist, allermeist der Gläubigen (1. Tim. 4, 10).

Zusammenfassend noch einmal, geliebte Brüder: Keinerlei Spaltung oder Sektenbildung unter dem Stichwort “Wiederbringung”. Und keinerlei Kompromiss oder lahme Vermittlung um des lieben Friedens willen.

Und er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde, er, der da ist der Anfang, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem der erste sei. Denn es war das Wohlgefallen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte und alles durch ihn versöhnt würde zu ihm selbst, damit er zum Frieden brächte durch das Blut seines Kreuzes, durch sich selbst, sowohl was im Himmel, als auch was auf der Erden ist (Kol. 1, 16-20).

(Quelle: “Das prophetische Wort”)

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