Laßt uns nie vergessen, daß immer der Fleischgeborene den
Geistgeborenen lästert und verfolgt, und nie umgekehrt (Gal. 4,29).


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Göttliche Weisheit und menschliche Torheit

Autor: Ströter, Ernst F., Prof.  |  Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Glaubensleben & Wandel, Zeitgeist  |  375 x gelesen

Nachschrift eines Vortrags

Es wird heutzutage viel gepredigt; aber es ist wenig Kraft da. 1. Thess. 1, 4.5: “Denn wir wissen, von Gott geliebte Brüder, wie ihr erwählt seid; dass unser Evangelium zu euch kam nicht nur im Wort, sondern auch in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit.” Es gibt zweierlei Predigt des Evangeliums, beide im Wort begründet, tadellos orthodox, aber die Wirkung verschieden. Die eine kraftlos, wirkungslos, die andere in Kraft des Heiligen Geistes, getragen und getrieben von großer Gewissheit, das ist das Geheimnis der Wirksamkeit des Zeugnisses. 1. Kor. 1, 18: “Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren gehen; uns aber, die wir gerettet werden, ist es eine Gotteskraft.” Hier ist das Urteil Gottes über den Unwert, die Bedeutungslosigkeit, die Nichtswürdigkeit menschlicher Weisheit in Sachen Gottes gefällt. Denn es steht geschrieben: “Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigem will ich verwerfen” (1. Kor. 1, 19). Gott geheiligte menschliche Weisheit gibt es nicht. Gott verwirft alle menschliche Weisheit für die Predigt. Die Menschen haben es bei uns eingerichtet, dass nur der die Kanzel betreten darf, der ein Philosophie-Examen abgelegt hat. Das heißt, dem Wort Gottes den Hals herumdrehen! Gott verzichtet auf die Weisheit der Weisen. Er will seine Ehre keinem anderen geben. Wohl liegt im Menschen ein Suchen und Fragen, das mag gut sein für die Dinge dieser Welt etwas zu erreichen, aber alles Suchen und Fragen hat seit den Jahrtausenden nicht genützt, Gott zu finden. Wenn die Menschen doch ehrlich genug geworden wären, das einzusehen. Aber unsere Augen sind gehalten, das allein wahrhaftige Licht zu sehen (Ps. 36, 10).

Hat alle menschliche Weisheit, auf die die Menschen so stolz sind, genützt, einem Menschen aus dem Jammer herauszuhelfen? Gott hat allein den Weg entdeckt, auf dem er der menschlichen Weisheit entraten kann — in seinem Evangelium in Torheit. Von uns muss nur der Glaube dazukommen, Gott recht zu geben, sich einverstanden erklären mit dem, was er veranstaltet hat zu unserem Heil. Er hat keinen Plato, Aristoteles, Moses dazu gebraucht, “denn das Gesetz ist durch Moses gegeben, die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden” (Joh. 1, 17). Dieser sterbende Jesus, über den die höhnende Menge triumphiert: “Er hat andern geholfen und kann sich selbst nicht helfen”, ist uns der ewige Beweis: Gottes Torheit kommt zum Ziel. Seit Jahrtausenden sind die Menschen Philosophen. Haben sie einen mit der Philosophie gesund gemacht oder ein gutes Gewissen verschafft, dass er am inwendigen Menschen genesen ist? Oder einen armen Gebundenen erlöst?

Weise ist der, der mit den gegebenen Mitteln seinen Zweck erreicht. Auf der einen Seite der göttlichen Weisheit, die vor Menschen eine Torheit ist, sind die Geretteten, auf der anderen die Verlorenen, Gebundenen, Sklaven mit Ketten, die Verzweifelnden.

Paulus durfte so nichtachtend von der menschlichen Weisheit reden, denn er kannte sie. Petrus und Johannes haben so etwas nicht gesagt durch den Heiligen Geist; sie waren ungebildete Fischerknechte. Paulus kann man den Vorwurf nicht machen, er verstehe nichts davon. Er hatte die beste theologische Schule zu den Füßen Gamaliels und kannte die griechischen Schriftsteller. Gott kann auch studierte Leute gebrauchen, wenn sie demütig genug sind, nichts wissen zu wollen als Christum, den Gekreuzigten (1. Kor. 8, 1). Für Paulus war sein Wissen keine Gefahr mehr, da er innerlich los von der Gelehrsamkeit war (Phil. 3, 7.8). Seine Gefahr lag in den Offenbarungen, die er hatte, doch hatte Gott auch gesorgt, dass er sich nicht überhöbe (2. Kor. 12, 7). Die Wissenschaft ist gut, wenn man sie nur unter die Füße kriegt, wenn sie nicht im Köpfchen sitzen bleibt und der Kamm schwillt, wenn man sie nicht zum Vorspann nimmt und will damit im Haus Gottes herumkutschieren. Das soll nicht heißen: man soll nichts lernen, als ob der Heilige Geist eine Prämie zahlt für den Unverstand. Nein, wir sollen unsere natürlichen Gaben ausbilden, aber uns nicht einbilden, in göttlichen Dingen durch überredende Worte menschlicher Weisheit zu wirken! Das ist der Fluch, der Mehltau, der vielfach auf der Verkündigung des Wortes durch Jahrhunderte liegt. Paulus wollte nicht glänzen mit seinen hohen Worten. Nicht Menschenfurcht vor Hohn und Kritik kannte er; seine Seele, sein Geist waren beherrscht von dem Zittern heiliger Ehrfurcht vor der Majestät und Heiligkeit der göttlichen Wahrheit, von der keuschen Furcht: nur nicht Gott in den Weg treten mit eigener Leistung. Das ist die Zucht des Geistes, die heilsame Furcht davor, zu glauben, mit unseren eigenen tüchtigen Argumenten die Sache Gottes verteidigen zu müssen, das Zittern vor der Majestät des ungebrochenen, unbezwingbaren, machtvollen, schöpferischen Wortes Gottes. Dazu gebrauchen wir zwar keine fleischliche Sicherheit, aber göttliches Selbstbewusstsein, Sicherheit, Klarheit, Ruhe, innerliches Siegesbewusstsein. Das stammt allein aus Gott.

Das Wort muss durchdrungen und getragen sein von der Gesinnung der Allmacht selbst: nicht sehend auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Und dann verzichten auf alle Mittel, mit seelischen Stimmungen die Gemüter zu bearbeiten: durch kultische Einrichtungen, die auf die Stimmung wirken, mit Musik, weihevoller Predigt, mit Pathos, das alles führt so leicht zur Selbsttäuschung und Täuschung anderer Seelen durch fleischliche Mittel.

“Und ich war bei euch mit Schwachheit und mit Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt war nicht in vernünftigen Reden menschlicher Weisheit, sondern in Beweisung des Geistes und der Kraft” (1. Kor. 2, 3.4). Hieße es statt nicht: nicht nur — sondern auch, dann wäre das Kompaniegeschäft fertig zwischen menschlicher Weisheit und göttlicher Kraft. Paulus scheidet schonungslos aus. Gott verzichtet auf alle solche Mittelchen und Beihilfen, die Menschen glauben, ihm leisten zu müssen. “Dann bekommen wir die Gebildeten nicht; — dann bleiben die Kirchenstühle leer!” Dafür lass Gott sorgen. Was für Themata, was für Dinge bringt man als Zugmittel auf die Kanzel, um die Sache des großen Gottes damit zu unterstützen, das Evangelium mundgerecht zu machen, wie der Wurm an der Angel den Fisch lockt, anzubeißen. Man vertraut nicht dem Heiligen Geist, man wird ohne ihn fertig; denn man kennt ihn nicht mehr. Wenn unsere Zuversicht in den tiefsten Fragen, die in die Ewigkeit ragen, auch nur zum hundertsten Teil abhängig ist von Menschenweisheit, so ist sie nie vollkommen. Immer wird etwas fehlen. Wenn ein Mensch ohne Ordination, ohne Patent, ohne griechische oder lateinische Kenntnisse, einfach, ungebildet, ein Postbeamter, ein Schustergesell, ein altes Mütterchen, die weiter nichts wussten als ihren lebendigen Heiland, uns zum Glauben half, soll es dann vielleicht nicht stimmen oder etwas fehlen, weil die Erkenntnis doch zu erbärmlich, zu einfältig war, die wir von ihnen bezogen?

“Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht” (Hebr. 11, 1). Überführt sein von Tatsachen, die man nicht sieht; das heißt: der Glaube beruht nie auf Menschenweisheit, sonst müsste man immer besorgt sein, es fehlte etwas. Menschliche Weisheit ist auf gewissen Gebieten nützlich. Einsicht in die Kräfte der Schöpfung ist gut; es könnte sich aber auch die menschliche Weisheit ändern. Die göttliche Weisheit wirft aber oft nach einiger Zeit die bisherige Erkenntnis wieder um (Joh. 1, 12).

An der göttlichen Überzeugung, gezeugt durch das Wort der Weisheit und der Kraft des lebendigmachenden Geistes zerschellt und zerscheitert alle menschliche Weisheit.

“Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Obersten dieser Welt, welche vergehen” (1. Kor. 2, 6). Der Apostel lehnt mit Entschiedenheit alle menschliche Weisheit ab und spricht ihr jede Berechtigung auf dem Gebiet des Göttlichen ab. Auf dem Gebiet des natürlichen Lebens, der Schöpfung, hat man menschliches Wissen, Können, Erkennen nötig, doch wenn es sich um die Lebensgemeinschaft mit Gott handelt, um die Erkenntnis Gottes, da versagt menschliche Weisheit. Halten Sie fest an dieser Linie! Alle Begabung, alles Studium, alle Erkenntnis des natürlichen Verstandes kann nichts dazu beitragen, uns die Gedanken Gottes zu erschließen; das vermag allein das Wort vom Kreuz (Jak. 1, 5; Luk. 21, 15; 1. Kor. 1, 30). So entschieden Paulus menschliche Weisheit abweist, so erklärt er doch Vers 6: Wir lehren allerdings Weisheit. Wenn wir noch so große Fortschritte im natürlichen Können gemacht haben, so sind uns doch die Dinge Gottes verriegelt, wenn Gott die Augen nicht mit Augensalbe salbt (Off. 3, 18), wenn wir nicht das neue Organ in der Wiedergeburt bekommen haben (1. Joh. 5, 20). Wenn Gott nicht sein Licht fort und fort leuchten ließe, wie weit kämen wir selbst mit der Gabe der Erleuchtung (Ps. 36, 10). Mag das natürliche Auge noch so scharf und klar sein, was hilft es, wenn Finsternis uns umgibt? Wir sind beständig angewiesen auf diese Zufuhr von göttlicher Einsicht und göttlichem Licht.

Weisheit unter den Gereiften. Was setzt das voraus? Hebr. 5, 14. Jetzt ist unser Wissen Stückwerk, aber es ist wachstümlich, gehört mit zur himmlischen Berufung, eingeweiht zu werden von Gott in alle Schätze und den Reichtum des gewissen Verstandes (Kol. 2, 3; 1. Kor. 3, 12; Eph. 1, 18). Nicht Kinder bleiben, sondern Männer werden (Eph. 4, 14)! Nicht, als wenn der Einzelne nun alle Weisheit in Beschlag nehmen und ausnützen könnte! Dem einen offenbart Gott diese Seite der göttlichen Einsicht, dem anderen jene; dienet einer dem andern; die Gemeinde soll als ganzes zur Einheit der vollkommenen Erkenntnis kommen, nur soll jeder offen und empfänglich sein für sein Maß der Gabe Christi (Eph. 4, 7), darin heranreifen, nicht stehen bleiben. Nicht nur sein eigenes Heilsleben bewirken wollen! Gewiss, dabei muss es anfangen, einsetzen, in seinem Licht bekommen wir erst einmal Klarheit über uns. Wenn wir aber unseren verlorenen Zustand erkannt und dann die selige Klarheit über Ihn empfangen haben, dann muss es weitergehen. Das ist erst die Blüte; aber nun soll die Frucht wachsen und reifen. Wann gibt es Frucht? Nicht gleich im Frühjahr, wenn der Todesschlaf des Winters überwunden ist, wenn das neue Leben anfängt zu keimen, dann kommen erst die Blüten, die wieder einen Todesprozess durchmachen müssen, dann kleine Knotenansätze, das sollen einmal saftige, erquickende Äpfel werden. Noch ist davon nicht viel zu sehen, doch es kommt, vorausgesetzt, dass der kleine Ansatz nicht abfällt, sondern am Baum bleibt, von dem er Saft und Wachstum empfängt und dem Sonnenschein ausgesetzt bleibt. So saugen wir die Kräfte unseres Wachstums in der Erkenntnis Gottes aus den verborgenen Tiefen seiner Weisheit. Das geht nicht auf einmal; es geht durch Erfahrung, Gefährdung, Hitze hindurch. Da kann man nicht bei den Anfängen stehen bleiben und sagen: “Wie jammerschade, alle diese schöne Pracht, diese bezaubernden Blüten sollten nie abfallen.” — Dann gibt’s nie Frucht. Es geht nicht anders. 1. Kor. 2, 6: “Weisheit bei den Gereiften.” Durch Gewohnheit geübte Sinne. Von Erkenntnis zu Erkenntnis. Die Erkenntnis darf nicht Blütenschmuck bleiben; sie muss durch den Tod geprüft, bewährt werden. Sie wächst aber bei denen, die sich nicht zufrieden geben, dass sie etwas erkennen, die nichts ablehnen, sich nicht weigern. Das ist die Grundbedingung zum Wachsen in der Erkenntnis: “Vater, was du in Christo hast, gib mir; wozu du mich bestimmt, das gib mir; wirke in mir das Vermögen, es zu fassen und auszuleben; erschließe mir alles, ich will nichts zurückweisen!” Matth. 13, 12: “Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Überfluss habe.” Das ist aber keine Weisheit, die durch menschliches Studium zu erlangen ist, man muss sie sich vom Anfang bis zur Vollendung von Christo schenken lassen. In Ihm, nicht in uns, sind verborgen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis Gottes. Da gilt`s aber zu schöpfen. “Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von sich selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen” (Joh. 16, 13). Weisheit und Wahrheit ist dasselbe. Ohne Erkenntnis der göttlichen Wahrheit keine Weisheit. Beide sind unzertrennlich (Joh. 14, 6). Nicht alle Menschenweisheit beruht auf Wahrheit; sie fordert es auch nicht mit der Unerbittlichkeit, sich durchrichten zu lassen. Wer aus der Wahrheit ist, dünkt sich nicht, etwas zu sein; er lässt sich sagen; denn alles Erkennen muss Christus ihm darreichen (Jak. 3, 17).

“Sondern wir reden von der heimlichen, verborgenen Weisheit Gottes, welche Gott verordnet hat vor der Welt zu unserer Herrlichkeit, welche keiner von den Obersten dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt” (1. Kor. 2, 7.8). Die Obersten, d. h. die Gelehrten, die Edlen in hohen Stellungen, in hohem Ansehen, die einen hohen Grad wirklichen Wissens haben. Das hohe Wissen hat sein Recht. Allen Respekt vor dem Manne, der fleißig und treu geforscht hat und nun sein Wissen den Menschen dienstbar macht. Alle Ehre und Hochachtung! Aber das göttliche Lebensgebiet ist ein anderes als das natürliche. Da ist die Frage: Wie kann ich den Menschen bessern in seinen Lebensumständen, ihn heben? Vor der Majestät des Todes müssen die höchsten Geister die Waffen strecken. Sie wissen nicht das Geheimnis des Todes oder des Lebens zu erklären. Das soll nicht heißen: Man soll alle Schulen und Universitäten schließen; nur soll man immer ehrlich eingestehen: Es gibt für unser Wissen Grenzen, über die kommt nur Gott und die aus Gott Geborenen. Was haben die Menschen in Jahrtausenden erreicht auf dem Gebiet des Übersinnlichen, Unsichtbaren? Da ist man schnell bereit, es zu leugnen; es ist abgetan! Christus ist Gottes Weisheit, und den haben sie nicht erkannt und erkennen ihn heute noch nicht (1. Kor. 1, 24; Kol. 2, 3), “sondern wir reden von der heimlichen, verborgenen Weisheit Gottes, welche Gott verordnet hat vor der Welt zu unserer Herrlichkeit” (1. Kor. 2, 7). Wir reden. Was heißt reden? Seine Gedanken und Erkenntnisse in Gedanken und Worte kleiden. Diese Gabe, zum Ausdruck zu bringen, was in uns verborgen lebt, ist eine köstliche Erinnerung an die zum größten Teil verloren gegangene Gottebenbildlichkeit. Wenn wir taubstumme Geschöpfe wären, nicht fähig, uns den anderen mitzuteilen, es wäre grausam. Wenn Gott nicht reden könnte, es wäre schaurig! Menschen wollen es nicht glauben und hören, dass Gott redet; sie sprechen vom stummen Schicksal und machen sich stumme Götzen. Sie achten dies wunderbare Geschenk, Gedanken wahrnehmbar zu formen, nicht und missbrauchen es. Wenn wir diese köstliche Gabe nicht hätten, durch die ein Mensch dem andern die tiefsten Gedanken zum Bewegen, zur Beeinflussung, Befruchtung mitteilen kann! Wir wollen sie doch nie missbrauchen zum Schaden anderer. Aber je mehr wir ausgeben von dem, was Gott in uns hineingestrahlt hat, je mehr Licht empfangen wir; nicht wie die Sonne, die sich ausgibt und in Millionen Jahren ausbrennt.

Was heißt (Vers 7) “Geheimnis”? Das heißt: nur Eingeweihte wissen es. Der menschliche Geist kann nie darauf kommen, Gott muss es uns verkündigen. Wer Gott reden lässt, den weiht er ein. Wer sich nie erschließt, kommt nie hinein, er mag noch so gelehrt sein. Wer mit dem eigenen Verstand zufrieden ist, dem bleibt es verschlossen und versiegelt (Matth. 11, 25; Jes. 45, 3). Werde erst ein Narr in dieser Welt, ein unmündiges Kind, das sich gern von Gott belehren lässt in dieser verborgenen Wissenschaft, die jedem verschlossen bleibt, der anderswo hineinsteigen will, als durch die Tür (Joh. 10, 7; Spr. 2, 7).

Vorrecht der Einfältigen! Unser Köpfchen ist zu klein, Gott zu begreifen! Haben wir aber Leben aus Gott, stehen im Geiste, nicht im Fleisch, dann haben wir auch das Vermögen, ihn zu begreifen (1. Kor. 2, 10). Wir betrüben den Heiligen Geist, wenn wir ihm das nicht zutrauen, dass er uns in den Stand setzen kann, das alles zu fassen und zu begreifen (Röm. 8, 10.16). Das sieht so bescheiden aus, aber lasst euch warnen! Nicht nur wenige Brüder haben den Heiligen Geist. Alle! Glauben heißt gehorchen. Hütet euch, diese Stellung einzunehmen. Es ist nicht eine Frage eigenen Könnens. Da hätten Sie recht; es ist in uns kein Vermögen; es ist aber eine Frage des Gehorsams. Wir wollen nicht zu faul, zu bequem oder zu gleichgültig sein, uns leiten zu lassen in diese Tiefen. Ich soll mich nicht damit zufrieden geben, dass ich nicht in die Höhe komme. Lassen wir uns den Blick auftun für alles, was Gott aus seinem Wort uns zu sagen hat. Nicht nach unserer Willkür den Heiligen Geist beschränken, sondern ihm gehorchen, Raum machen, uns in die ganze Wahrheit zu leiten (Joh. 16, 13). Es geht nicht um Ihr Leben, aber auf Kosten der Herrlichkeit. Soviel Sie dem Heiligen Geist gestatten, in Sie hineinzustrahlen, soviel Herrlichkeit strahlen Sie aus.

Jesus ist größer als nur mein und dein Heil, größer als das Haupt Seines Leibes, als der König von Israel, er ist das Haupt über alles! So verkürzt ihn nicht, sich auszugestalten. Nicht verkümmert, verkrüppelt, eingeengt, beschränkt will Gottes Weisheit sich uns offenbaren (Röm. 8, 30). Gott zwingt uns nicht. Die erkannte Wahrheit muss Gehorsam finden. Durch mangelnden Gebrauch geht jede Fähigkeit (z. B. Sehkraft) verloren; wenn wir das Auge zubinden, die Lichtzufuhr abschneiden, unterbinden wir die Sehkraft. Wer hat, dem wird gegeben!

Vor den Äonen zuvorbestimmt; gründlich durchdachte Weisheit! Gott gibt uns in seinem Wort die schönsten Dinge zu essen. Nicht erst untersuchen, ob bekömmlich! Zermahlen Sie es, verarbeiten Sie es. Es sind keine Steine drin; es ist gesunde Kost! Gott stellt`s uns auf den Tisch. Er hat es uns zubereitet, nun sagt er: “Nimm´s, lass Dir´s schmecken!” Gott hat sich alles sorgfältig überlegt, aber er hat Äonen gebraucht, bis er die Dinge hervorbrachte. Gottes Gedanken werden noch großartig ausgeführt. Da kann ich jauchzen: “Er hat an mich gedacht, da noch keine Kreatur, kein Teufel, keine Empörung war. Da störte ihn nichts. Da hat Gott sich das überlegt.”

Das ist die Wissenschaft, die kein Mensch lehren kann, die man im Glauben von Gott nehmen und darin ruhen kann. Gott hat die Kosten überschlagen, auch mit dem Teufel. War er vorbereitet auf den Abfall? Gott hat sich das alles überlegt. Das “Wie” ist seine Sache. Er war sich selber klar geworden: “So wird’s gemacht!” Das musst du glauben, sonst kommst du nicht durch. Es gehört zur Seligkeit. Die Sicherheit ruht auf dem Glauben an einen Gott, der in keiner Weise aus seinen Zielen und Absichten herausgebracht wird; alles ist in seinem Rate beschlossen. Sonst wackelt der Glaube, und du kommst nie zur Ruhe. Du musst einen großen Gott haben, der alles in seinen Plänen hat. Ihm muss alles dienen, auch die Hölle! Bis zur Stunde der Anfechtung kannst du dich über diesen Glauben wegtäuschen; Satan rüttelt, und du liegst da, weil du Gott nicht ganz geglaubt hast. Wenn ein Stück fehlt, kommst du ins Wanken. Anbetungswürdig! Solche Gedanken der Verherrlichung hat Gott mit uns; er erwartet keine Leistung, keine Mithilfe von uns, nur dass du ganz dabei bist. Die Verherrlichung umschließt den ganzen Sohn; Er ist die Herrlichkeit des Vaters. Er hat seinen Namen auf ihn gelegt. Nicht weniger als Gott sich gedacht hat, sonst kommst du zu kurz.

Drei Mächte sind beteiligt an der bewussten Verwerfung des Sohnes Gottes: die Kirche, die Wissenschaft, der Staat.

1. Kor. 2, 8: “Welche keiner von den Obersten dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.” Die bedeutendste religiöse Macht damals war keine heidnische, sondern göttliche Religion. Sie hatten dieselbe Bibel (AT) wie Jesus, die den Zweck hatte, die Welt empfänglich zu machen, vorzubereiten auf das Kommen Jesu. Die Priester und Schriftgelehrten, die Einzigen, die im Besitz der Bibel waren und damit alle Möglichkeiten hatten, ihn zu erkennen, brachten es fertig, ihn nicht zu erkennen. Der Sohn Gottes bezeugt selbst: “Ihre Lehre ist richtig” und “sie sitzen auf Moses Stuhl” (Matth. 23, 2.3). Sie waren dem Buchstaben nach rechtgläubig, orthodox, keine Irrlehrer wie die Sadduzäer; sie hatten die reine, richtige Lehre, trugen sie richtig und korrekt vor — aber sie erkennen den Heiland nicht. Das ist nichts Neues, alles schon dagewesen.

Die zweite Macht: Die Obersten, die Vertreter der höchsten klassischen Bildung. Heute geht es entweder um die humanistische Bildung mit griechischen und römischen Klassikern — oder um Realbildung, in der die Jugend nicht mehr nach den Idealen der Alten, sondern für das nüchterne, praktische, tägliche Leben ausgebildet werden soll. Aber auch diese Bildung kann sich dem griechischen Einfluss nicht entziehen, der all unser Denken, unsere Kunst und Wissenschaft durchtränkt hat. Seit Jahrhunderten und Jahrtausenden hat die Bildung diesen Kurs, das kann man nicht so schnell auswischen. Auch die deutsche Literatur ist innigst verbunden und verwachsen, genährt an der Brust heidnischen, klassischen Denkens. In zweitausend Jahren ist da kein Fortschritt; unsere Philosophen und Theologen sitzen heute noch zu den Füßen der Alten, um von ihnen zu lernen. Auch unser theologisches Denken ist nicht jüdisch, sondern griechisch beeinflusst. Es gibt nichts Neues, nur Aufgewärmtes mit neuen Soßen und neuem Gewürz daran.

Dritte Gruppe: Diplomaten, Staatsmänner. Was den massiven, kolossalen, starren, gewaltigen römischen Rechtsstaat anbetrifft, so ist bisher nichts Neues geliefert worden, das dem römischen Staat an die Seite gestellt werden kann oder ihm nur das Wasser reicht. Das Imponierendste, Beste, ist nur bescheidene Kopie davon. Mit unseren kolossalen Fortschritten kommt doch nur immer mehr Ton, Dreck, hinein (Dan. 2, 41-43). Römischer Militarismus, römische Gesetze, unsere Bildung, unsere Erfindungen, Telefon, Eisenbahnen, haben die Welt nicht weiter gebracht. Das sind im Vergleich zum Staatswesen Spielereien, nicht herrschende Dinge. In den großen Faktoren haben wir der Welt zur Zeit Christi nichts voraus in der Geisteswelt. Das hat die Weisheit Gottes so zu unserm Trost gefügt, dass wir nicht sagen können: “Ja, damals!” Auch auf religiösem Gebiet hatten sie damals wie heute denselben realen Offenbarungsboden. Das Alte Testament ist gleichwertig dem Neuen Testament. Das Neue Testament ist darauf gebaut, das Alte Testament trägt das Neue Testament; wenn am Alten Testament gerüttelt wird, wackelt das Neue Testament. Die höchsten Leistungen der Offenbarungsreligion, Geisteswissenschaft, Staatskunst gab es damals als höchste Höhen auf allen Gebieten, als der vom Vater Gesandte auf die Erde kam. Heute noch sind wir diesen Mächten nicht überlegen, bis heute darin nicht gewachsen. Gewachsen sind wir nur in der Ausbeutung der Naturkräfte, dass man heute versteht, sich das Leben bequemer, komfortabler zu machen. Z. B. war die Baukunst der Babylonier und Ägypter weit überlegen. Fortgeschritten ist die Menschheit nur in der frechen Auflehnung gegen Gott, in der Gottlosigkeit. O, diese Weisheit, die 2000 Jahre brauchte, um den Menschen zu zeigen, dass sie trotz allem Experimentieren nicht weiter können als die Schranken gesetzt sind. Die heutige Naturwissenschaft überragt die der Alten himmelhoch; aber sind die Menschen dadurch weitergekommen? Sie werden immer kleinlicher und zersplitterter. Was macht der Mensch mit den erstaunlichen Dingen, die er weiß? Er wächst dadurch nicht näher zum Himmel, sondern hinunter zur Hölle und braucht sie zum immer raffinierteren Selbstkultus; er kommt nicht Gott näher, sondern will nur immer frecher Gott aus der Schöpfung ausfegen. “Wir können Gott nicht entdecken, im menschlichen, anatomischen Leibe keine Seele sehen!” Sie können bei aller Wissenschaft Gott nicht mehr erkennen; sie sind zusammengeschrumpft zu Erdflöhen, sie blasen sich auf wie der Frosch im Märchen, der sich zum Ochsen aufblasen wollte und — platzte! Trotz Wachstums kein Fortschritt der Menschheit, es geht zurück; sie werden frecher, heuchlerischer, lügnerischer; sie verlieren an innerem Wert, denn es ist ihnen bewusst, dass ein Gott ist, und doch leugnen sie ihn. Nur die im Glauben eingehen in die Gedanken Gottes, vertiefen ihre Erkenntnis. Die Obersten dieser Welt haben ihn bis heute noch nicht erkannt.

Wunderbares Geheimnis zum Anbeten! In Ägypten seufzt das Volk Gottes aus der Tiefe seiner Verkommenheit. Als das vor die Ohren Jehovas kommt, sendet er ihnen einen Retter mit einer wundersamen Botschaft: “Ihr sollt ein Lamm drei Tage bewahren und dann die Hand legen an das unschuldige Tier und sein Blut vergießen. Aus diesem Blut des Lammes, von euch geschlachtet, soll euch und der ganzen Welt Heil und Erlösung kommen nach Gottes vorbedachtem Rat und Willen.” Die Erklärung für diesen abgrundtiefen Gedanken der Erlösung ist in dem gekreuzigten Jesus zu finden. Darum musste Christus verkannt und verworfen werden (Luk. 24, 26). Hebt das ihre Sünde auf? Nein! Aber diese Bosheit der Menschen, diese teuflischen Machenschaften benutzt Gott als Stufe, worauf er seine wunderbaren Heilsgedanken aufbaut (1. Kor. 2, 8). Die Sache hat zwei Seiten. Die eine Seite ist die abgrundtiefe Verblendung der Menschen. Gott hat es an nichts fehlen lassen. Er sandte Propheten, sein Wort, dass sie ihn erkennen. Kultur und Staatsgewalt haben es nicht fertiggebracht, die arme, gesunkene, gebundene, geknechtete Menschheit zu heben zu den Höhen der Erlösung. Da muss alle Philosophie, Kunst und Wissenschaft die Segel streichen. Alles Eitelkeit der Eitelkeiten! Schaum! Kein noch so großer Menschengeist kann ergründen, was Gott durch seinen Geist offenbart (1. Kor. 2, 9.10). Wer ist ausgeschlossen vom Geist der Kindschaft, von Christi Kraft und Herrlichkeit? Es können ihn alle haben! Hüten Sie sich, zurückzuschrecken, als wären Sie zu gering. Dem dümmsten Stalljungen, der ungelehrtesten Dienstmagd, die hineingetauft sind in den Leib Christi durch den einen Geist, gilt das Wort 1. Kor. 2, 12: “Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, so dass wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist”; einfache ehrliche Erklärung: wir haben

Jeder Gläubige hat bei seiner Bekehrung den Heiligen Geist Gottes empfangen (1. Kor. 12, 3; Röm. 8, 16). Es handelt sich nicht um eine außerordentliche Erfahrung. Sogar den fleischlichen Korinthern sagt Paulus, dass sie ein Tempel Gottes seien (1. Kor. 3, 16). Eine andere Frage ist es, wieviel Hausrecht der Heilige Geist im Menschen besitzt, ob er bloß in der guten Sonntagsstube hausen darf, aber im Geschäftsleben oder in der Küche darf er nicht mitreden, oder ob er alle Kammern und Winkel des Herzens erfüllen darf. Er wartet mit großer Geduld auf die Erlaubnis. Man muss sich ihm aber erschließen! Joh. 6, 63: “Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt gar nichts. Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und Leben”. Wachstümlich, fortschrittlich nimmt er uns ein, nicht auf einen Schlag. Ist jemand voll Wein, so hat er ihn aufgenommen, wenn auch schluckweise. Anders wird man nicht betrunken. Eph. 5, 18: “Und berauschet euch nicht mit Wein, was eine Liederlichkeit ist, sondern werdet voll Geistes, d. h. voll Wort Gottes.”

“Uns aber hat es Gott geoffenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes” (1. Kor. 2, 10).

Keine Entschuldigung, Veranlassung, uns vom Geist zurückzuziehen. Aber wie geschrieben steht: “Was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und keinem Menschen in den Sinn gekommen ist, das hat Gott bereitet denen, die ihn lieben” (1. Kor. 2, 9). Die überweltliche Welt braucht zum Erkennen überweltliche Organe; so wunderbar die Fähigkeiten des natürlichen Menschen auch sind, er kann diese Dinge nicht erkennen und finden. Beweis: Volk Israel! Christus stand auf jedem Blatt des Alten Testaments geoffenbart; nun, vor ihrem leiblichen Auge, ins Fleisch gekommen, steht er ihnen gegenüber — es ist ihnen unmöglich, ihn zu erkennen. Auch die heutige Christenheit ist ein Beweis. Nur die wenigen “Narren” erkennen Christum, die verrückten Menschen, die sich nicht imponieren lassen von der menschlichen Wissenschaft. Aufs Kinderbänkchen mussten sie erst hinunter. Im Alten Testament ist er noch nicht erschienen (Jes. 26, 8). aber jetzt ist er erschienen, geoffenbart durch seine Liebe (2. Kor. 3, 17). Damals war die Hoffnung auf den Messias noch eine Knospe; jetzt haben wir die entfaltete Blume. Die Wartenden wurden Liebende, die Liebenden sind heute noch Wartende. Wachstümliche Umgestaltung der Schrift, ohne dass das einen Widerspruch bedeutet. Die Schrift ist kein Fabrikat menschlichen Geistes. Gott ist darin geoffenbart in Geist und Leben. Das Wort Gottes wächst. Die Bibel ist eine Schöpfung Gottes. Eine Schönheit um die andere erschließt sich. Manche stolpern darüber und fallen auf die Nase wegen der scheinbaren Widersprüche. So ist sie absichtlich gemacht. Es geht nicht über unser Vermögen. Man darf nur nicht einige Verse aus dem Zusammenhang reißen, den Anschluss nicht versäumen. Hier haben wir eine Mitteilung des Heiligen Geistes, das Anrecht auf die Befähigung, diese Dinge wahrzunehmen ohne Schranke und Rückhalt. Wir brauchen sie nur von Gott zu nehmen (Joh. 14, 26). Der Heilige Geist verklärt uns Jesus (Joh. 16, 14). Er selbst tritt in keuscher Zurückhaltung zurück. Er könnte von sich selbst etwas sagen; er tut es nicht. Wir wollen von ihm darin lernen. Seine Aufgabe ist es, den Sohn zu verklären. Der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß war, hat die Tiefen der Gottheit erbrochen, und in ihm ist die ganze Fülle des Wesens der Gottheit erschlossen. Gott wollte erkannt werden. Er hatte das tiefe Bedürfnis, sich selbst in seiner ganzen Fülle herauszugeben, mitzuteilen, zu offenbaren. Jedes echte Kind Gottes, das eine Geburt aus Gott erfuhr, ist eine kleine Kopie, ein Ebenbild des Sohnes Gottes (Kol. 2, 9). In jedem Kinde Gottes sucht Gott den eingeborenen Sohn. An einem nicht ganz; aber die ganze große Familie Gottes besteht aus lauter Darstellungen des Sohnes; das besorgt der Heilige Geist. Aus den Tiefen heraus, an den staubgeborenen Würmlein tut er mit Freuden sein Werk, an allen, die sich sagen lassen. Diese Freude des Heiligen Geistes! Wir können sie uns nicht vorstellen, und auch nicht, wie wir ihn betrüben, wenn ihm nicht Raum gegeben wird, wenn er Unwilligkeit, Zurückziehen findet. Zu fromm, zu heilig können wir nicht werden. Die Tiefen der Herrlichkeit sind einem Christen unergründlich. Nur da keine Bescheidenheit! Sie stammt aus der Hölle, nicht aus dem Himmel! Gott kennt kein größeres Ziel, der Heilige Geist keine größere Freude, als aus diesem erbärmlichen Material etwas zu machen zu seiner Ehre. Denken Sie nicht: ” Erst muss ich mich etwas proper machen”; putzen Sie nicht an sich herum, bedecken, beschönigen Sie nicht; glauben Sie nur an den Heiligen Geist; wenn er Sie nur in die Hand bekommt, noch so elend, dreckig, gemein, überlassen Sie sich ihm. Dafür ist Christus gestorben; gegen die Tiefe Ihrer Gemeinheit ist die Tiefe der Liebe Gottes da. Da wird er wohl auch noch fertig mit Ihnen werden; auch Ihrem tiefsten Schaden kann er beikommen. Luk. 5, 31: Nicht für die Gesunden und Gerechten ist er gekommen, sondern für die Elendesten, Schmutzigsten, Gemeinsten, für Zöllner und Huren. Die wissen, dass man sich bekehren muss, aber die respektablen Leute meinen, sie hätten es nicht nötig.

“Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, so dass wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist” (1. Kor. 2, 12). Wir haben ein Gleichnis, eine Parallele in uns vom göttlichen Geist. “Ins Innere der Natur dringt kein erschaffener Geist.” Ehrliche Naturforscher geben es zu, ins Innere der Erde und hinter die äußeren Erscheinungen nicht dringen zu können, selbst bei den kleinsten Dingen (Grashalm, Insekt) bleibt das größte Rätsel — das Geheimnis des Lebens, das sie bewegt. Dahinter kommt die Wissenschaft nicht. Warum wächst es? Was bedeutet es? Die Wissenschaft hat keine Antwort. Sie kann wohl Äußerungen, Kundgebungen, Wirkungen sehen, aber nicht ihre Zusammenhänge. Auf dem Boden der dem Tode preisgegebenen Schöpfung ist da eine unübersteigbare Schranke. Ins Innere Gottes dringt kein geschaffener Geist! Warum können die Herren Kritiker uns denn nicht erklären, was Gott ist? Sie können es nicht, ihre Weisheit ist Maulheldentum. Sie haben ein großes Maul wie ein Rhinozeros. Die Menschen sind heruntergekommene Majestäten; aber Überreste der einstigen Größe sind noch vorhanden. Ein solcher Überrest ist die Fähigkeit und Möglichkeit, sich selber anderen Menschen gegenüber zu verschließen oder sein tiefes Inneres zu offenbaren. Man kann in keinen anderen hineingucken, wenn er es nicht zulässt und den Schlüssel zu diesem Kästlein gibt. Im Grunde lernt mich kein Mensch kennen, wie ich bin, wenn ich mich ihm nicht erschließe. Wir offenbaren uns nur denen, die uns lieb haben; nur solche können sich gut verstehen. Meine Frau kennt mich, wie keiner sonst, und so soll es sein. Nur die Liebe darf den Zugang finden in das tiefste Geheimnis meiner Seele; Gelehrsamkeit und Klugheit nicht. Wir verraten uns wohl manchmal, weil wir uns nicht unter Kontrolle haben, unser Temperament durchgeht; es leuchtet aus den Augen, was wir verbergen wollen. Aber keiner braucht in sich gucken zu lassen, er kann die Tür verschließen, obgleich wir gefallene, ruinierte, heruntergekommene Geschöpfe sind. Nur wir selbst haben den Blick für alle Tiefen in unserem Inneren, kein anderer hat´s; aber es ist eine große Erleichterung, sich anderen zu offenbaren; man muss nicht alles in sich verschließen. Geteilte Freude, doppelte Freude; geteilter Schmerz, halber Schmerz. Auch Gott ist es eine Freude, jemand zu finden, dem er alles mitteilen kann. Bitte, sagen Sie nicht nein; Sie kommen nicht zu kurz dabei. Es ist Gewinn, Liebes und Leides zu teilen, schon mit Menschen, umso mehr mit Gott!

“Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich!” (Matth. 5, 10). Mit Jesu leiden, ist Seligkeit. Wie schön, wenn man einen Menschen weiß, er trägt mit mir. Wie viel hat unser großer Hoherpriester zu leiden und zu tragen; wir können seine Last auch auf uns nehmen (Matth. 11, 29). Immer hört man, die Christen wünschen sich Zeiten der Erquickung; Segen! Der größte Teil der Gemeinde leidet an Genusssucht. Wenn man immer nur Süßes isst, verdirbt man sich den Magen. Nein, wir sollen gern die Schmach und Schande der Glieder seines Leibes mittragen, der so zerrissen ist. Müssen wir denn immer nur tragen, was wir verschuldet haben? War Jesus denn schuldig? Warum trägt er die Last unserer Sünde? Weil er gar nicht anders kann. So trage du auch die Leiden, die du nicht verschuldet hast. Röm. 8, 17b; trag der andern Schande und ihr Weh vor Gott und hänge es nicht an die große Glocke (Gal. 6, 2). Wenn Jesus nicht die Last trüge, wo wären wir alle! “Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist; wovon wir auch reden; nicht in gelehrten Worten menschlicher Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, indem wir Geistliches geistlich beurteilen. Der seelische Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht verstehen, weil es geistlich verstanden werden muss. Der Geistliche aber versteht alles, er selbst jedoch wird von niemand verstanden; denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, dass er ihn belehre? Wir aber haben Christi Sinn” (1. Kor. 2, 12-16). Gott zeigt hier den gewaltigen Abstand zwischen denen, die unter der Obrigkeit des Fürsten dieser Welt stehen und denen, die in der Welt, aber nicht von der Welt sind. Darum hasst sie die Welt (Joh. 17, 14). Der Abstand zwischen uns, den Gläubigen, die durch den Heiligen Geist der Kindschaft versichert sind und den Kindern der Welt ist ein gewaltiger, größer als der zwischen Himmel und Erde. Halten Sie das fest und hüten Sie sich, das zu verschleiern! Der Unterschied mit der Welt besteht nicht in einzelnen Dingen, dass sie ins Theater gehen und auf den Tanzboden, saufen, fluchen, Gottlosigkeit und Gemeinheit treiben; als wenn das Wesen dieser Welt nur in diesen Ausbrüchen bestünde! Durch diese Geschwüre kommt nur etwas von dem Gift zutage, das immer da ist, wo Welt ist, auch bei sittsamen Leuten. Die Welt ist nicht nur, wo schmutziges, gemeines, verbrecherisches, schamloses Wesen ist. Wir haben nicht den Geist der Welt, auch wo er edel und proper aussieht; da ist so gut Welt wie bei den Schmutzfinken. Vor dem Cholera- und Blatterngift hütet man sich; darum klare Stellung zur Welt! Der durchgreifendste Unterschied muss an den Wurzeln angepackt werden, nicht an den hundert Schösslingen! Da gibt’s sonst hundert Fragen! Darf ich noch dies und das? Wenn Sie noch fragen, haben Sie den Unterschied noch nicht erfasst. Wenn der Arzt die Krankheit nicht in ihren tiefen organischen Zusammenhängen erkennt, kann er lange ohne Erfolg doktern. Davon müssen wir erfasst und durchdrungen sein. Alles Benehmen, Auftreten, Handeln und Wandeln muß gezeugt, geschaffen, geboren sein aus dem lebendigmachenden Geist. Sonst sind alle Versuche vergeblich. Nach der Bekehrung darf man nicht mehr mit der Welt mitmachen. “Und passet euch nicht diesem Weltlauf an, sondern verändert eure Gestalt durch die Erneuerung eures Sinnes, um zu prüfen, was der Wille Gottes sei, der gute, wohlgefällige und vollkommene” (Röm.12, 2). Aber das darf nicht von außen anfangen mit Ringen, Kleidern und Vergnügungen; von innen heraus geht es wachstümlich; denn man soll nicht glauben, dass der Unterschied im äußeren Mitmachen besteht. Da zerarbeiten sich die armen Menschen, wie sie ihre Frömmigkeit äußern sollen. Da meint einer, zur Frömmigkeit gehöre, keinen Schnurrbart zu tragen, als ob die Heiligkeit darin bestünde. Oder, dass man einen bestimmten Kleiderschnitt hat oder keine Knöpfe. In England gilt in gewissen frommen Kreisen nur die “heilige Haube” und ein grauer Rock als passend für Gläubige; das sind gut gemeinte Kindereien, aber ganz verkehrt! Wir wollen doch den tiefgreifenden Unterschied da fassen, wo er liegt; im Innern des Geistes! Der Heilige Geist ist so geduldig bei dem Werk der Erziehung der Gotteskinder! Wir wollen doch kein Gesetz: “Das darfst du nicht! Messing-Hosenknöpfe und ein Diamantring sind verboten!” Heraus aus diesen Erbärmlichkeiten! Hüten Sie sich, aus Äußerlichkeiten zu verurteilen. Gott kann soviel Torheit tragen; wollen wir es nicht auch versuchen? Es muss gewiss für jeden der Tag kommen, wo das alles abfällt, ausfällt, wie die Milchzähne beim Kind. Es wird doch keiner Mutter einfallen, ihrem Kind die Milchzähne auszureißen, damit es schneller wächst. Sie fallen schon von selber aus, wenn die Stunde da ist.

Das äußere Verhalten ist die Frucht des inneren Standpunktes (1. Kor. 2, 12). An der Frucht erkennt man den Baum (Matth. 7, 16). Die unausbleibliche Wirkung ist das Verhalten eines Gotteskindes in Kleidung, Essen, Trinken, Mitmachen, Auftreten. Wenn ein Kirschbaum gesund ist, brauche ich keine Kirschen dranzubinden. Er bringt sie schon von selbst. Wir Christen sind doch keine Christbäume, an die man allerhand goldene Nüsse und Zierrat anbindet, das ist alles fromme Mache, Heuchelei! Wird es aber von innen heraus, dann ist es naturgemäß. Gott lässt sich nicht nachhelfen. Die Kirschen wachsen von allein, wir können ihnen nicht dabei helfen. Ist der Baum gut, muss naturgemäß die Frucht gut sein. Der Abstand zwischen Welt und Reich Gottes besteht nicht in äußeren Dingen, aber im Geist. Gottes Geist ist nicht in der Welt. Das wird nicht genug beachtet. Der Geist der Welt besteht nicht nur in lauter äußerlichen Dingen. Es wird zu wenig bedacht, dass das Weltgetriebe getragen und durchdrungen, alle Vorgänge, Arbeiten, Weltgeschichte, Tagesgeschichte, Politik, Gesellschaft, kurz, alle Vorgänge des menschlichen Lebens, bestimmt werden vom Geist der Welt, der ebenso real ist wie Gottes Geist, wenn auch nicht so allmächtig, ewig, allgegenwärtig — aber eben nicht göttlich. Die Schrift sagt 2. Kor. 4, 4 und Joh. 12, 31: “Der Gott dieser Welt, der Fürst dieser Welt!” Fürstliche Gewalten stehen als treibende Kräfte hinter den Erscheinungen in gewaltiger Wirklichkeit (Eph. 2, 1-2). “Der Zeitgeist” heißt ein Blatt, das ich mit Grauen ansehe! Ja, die Menschen wissen und ahnen es nicht, dass das, was sie Zeitgeist nennen, der Geist des abgefallenen Engelfürsten ist, dass der Teufel, Satan, Drache, die Schlange, eine persönliche Wirklichkeit, eine wirkliche Persönlichkeit ist innerhalb des Maßes, des Ziels, der Grenze, die von Gott gesetzt ist; aber kein Konkurrent Gottes. Das ist Teufelslehre, dass Satan so mächtig, wenn nicht noch mächtiger sei als Gott, dass man in ihm eine noch höhere Majestät anerkennt als Gott. Sollte Gott nicht können, was er will? Sollte der Teufel Gottes Willen hindern können? Trotz des furchtbaren Rasens, Tobens, Wütens aller satanischen Mächte: Gott hat alles in seiner Hand! Er braucht nie zu sagen: “Da kann ich nicht hinüber!” Das ist ausgeschlossen! Also, keine Überschätzung Satans! Aber auch keine leichtfertige Unterschätzung! Wir haben es nicht mit schwachen Geistern zu tun, nein, mit Intelligenzen, Geisteskräften, die die Erfahrung von Jahrtausenden haben. Wir mit unserer Erfahrung von höchstens 80 Jahren sind dagegen Eintagsfliegen. Wie viel Millionen Jahre die Erde gestanden haben mag, ehe es Menschen gab, als das Unheil in der Engelwelt angerichtet wurde, wissen wir gar nicht. Bleiben Sie in biblischen Linien!

Ein beliebter Betrug des Teufels bei Kindern Gottes ist, seine Macht und Fähigkeit aufzubauschen, als wäre der Teufel das dickste Ende der Welt! Das ist zum Weinen! Doch auf der andern Seite ist es ein beliebtes Spiel, zu erklären: “Es gibt gar keinen Teufel!” Die meisten Gebildeten heutzutage lachen darüber. “Sie haben 500 Jahre zu spät gelebt. Sie gehören ins Mittelalter”, heißt es da, “das ist doch ein längst überwundener Standpunkt!” Ebenso, wie es auch das Werk der Erlösung, der Erneuerung und Wiederherstellung durch den Sohn Gottes für die meisten ist. Wir wollen uns nicht anfressen lassen vom Geist der Welt, indem wir die Macht des Teufels zu gering anschlagen oder zu hoch schätzen, “auf dass wir nicht übervorteilt werden vom Satan, denn seine Anschläge sind uns nicht unbekannt” (2. Kor. 2, 11). Jedes Kind Gottes braucht die Waffenrüstung des Glaubens, “denn wir haben nicht einen Kampf wider Fleisch und Blut, sondern wider die Herrschaften, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen (Regionen). Deshalb ergreifet die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr zu widerstehen vermögt am bösen Tage, und, nachdem ihr alles wohl ausgerichtet, das Feld behalten möget” (Eph. 6, 12.13). Sie hat sich tausendfach bewährt beim keuschen Gehorsam gegenüber der erkannten Wahrheit ohne jeden Anflug von falscher Sicherheit. Eph. 6, 10-18 ist von tiefgreifendster Bedeutung, unsere Stellung richtig und klar zu erfassen in der Grund- und Wurzelunterscheidung, nicht in äußeren Unterschieden. Wir sind aus Gott geboren, nicht vom Geist der Welt. Errettet! (Kol. 1, 13); alles neu und wesenhaft (2. Kor. 5, 17)! Da ist nicht, wie man oft denkt, nur von außen der Dreck abgewischt. Die Neuschöpfung ist von innen heraus, sonst nützen alle Bemühungen nichts. Nicht von dieser Welt (Joh. 17)! Im Heiligen Geist habe ich den Sieg über die Welt klar und bewusst (1. Joh. 5, 4). Es ist die Frage der Ausgestaltung des Geistes in Ihnen abhängig von der Freiheit, die ihm eingeräumt wird, sich zu gestalten. Er will nur Raum haben zum Wirken. Nur solche, die wissen, was ihnen Gott gegeben hat, haben Sieg über die Welt, damit hängt aber eng zusammen die Wirksamkeit, Betätigung auf dem Gebiet dieser kostbaren Wissenschaft. Hier liegt sie vor uns ausgebreitet: “Christus”, damit ist alles gesagt! Wie einfach die Schule, die Lektion für jeden, göttlich einfach! Es gibt viel Zweige menschlicher Wissenschaft, viel verschiedene Fakultäten an den Universitäten; wie viel Dinge hat man sich heutzutage einzuprägen! Und hier! Keiner kann ermessen, wie alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis eingeschlossen sind in diesem Menschen Jesus, dem fleischgewordenen Wort (Kol. 2, 3; Joh. 1, 14). Wer ihn hat, hat alles; wer ihn kennt, kennt alles. Das ist in der Theorie richtig. Es heißt aber nicht umsonst: “in ihm liegen verborgen alle Schätze.” Es liegt nicht alles auf der Oberfläche. Wer ihn im Glauben hat, hat noch nicht alles schon in der Praxis. Es bedarf da noch treuen Gebets, alles kennen zu lernen, was wir in ihm haben. Was ich an diesem Schatz bekam, daran habe ich heute noch zu lernen, und ausgelernt habe ich noch lange nicht, nicht, solange ich lebe. Immer inniger wird das Verständnis, ungehinderter der Verkehr mit ihm; es gilt den täglichen, liebevollen Umgang mit unserem Schatz, Jesus Christus, ihn besser kennen zu lernen und in ihm alle Schätze zu heben.

Im liebenden Gehorsam müssen wir unausgesetzt sein Bild vor Augen haben. Stockt der Verkehr mit ihm auch nur kurze Zeit, so sind wir auch gleich gehemmt in der Erkenntnis. Wir können wissen — erkennen! Wir sollen nach Belieben von dieser heiligen Gebundenheit Gebrauch machen. Ich kann in dem Maße, als ich es übe. So wie beim Klavierspiel, beim Französischsprechen, es ist nicht alles fix und fertig da. Keine Zauberei! Es gehört unausgesetzte Übung dazu, in der Erkenntnis zu wachsen. Dem Heiligen Geist sind mangelhafte Anlagen und Begabung kein Hindernis.

Woran liegt’s nun, wenn das tatsächliche Wissen nicht da ist in der Gemeinde? Nicht wie ein Platzregen von göttlichen Erkenntnissen kommt das Wissen, wie manchmal auf Konferenzen, von denen viele schon wieder abgetrocknet nach Hause kommen, es gehört beständige Übung dazu mittels unserer göttlichen Begabung. Keiner kann außerhalb der Schrift göttliche Erkenntnis erlangen. Wir können unter Umständen auch mit unserer Erfahrung dienen, aber lebendig, wirksam, wesenhaft nur dadurch, wenn wir aus der Schrift schöpfen. Auch der Heilige Geist ist gebunden an die Schrift, in der die Fülle der Gottesweisheit angehäuft ist als eine Offenbarung Gottes. Nimm dir den Heiligen Geist zum Lehrmeister und fange an zu graben. Fange vorn an, 1. Mose, nicht hinten bei der Offenbarung. Und nicht mit dem Dampfpflug, sondern mit dem Handspaten, tief und gut; nicht so, “wie der Schuster den Leisten in den Sack wirft” (Seitz), nein, was du aus dem Wort isst, das musst du kauen und wiederkäuen. Die wiederkäuenden Tiere sind nach der Bibel die reinen Tiere. Sie empfangen dadurch Lebenskräfte. Lassen Sie nichts liegen; überschlagen Sie auch nicht die Namenregister, studieren Sie alles, es ist alles nahrhaft

“So dass wir Luftschlösser zerstören und jede Höhe, die sich wider die Erkenntnis Gottes erhebt, und gefangen nehmen alle Vernunft zum Gehorsam gegen Christum” (2. Kor. 10, 5). Der Verstand gefangen im Gehorsam! Kauen Sie jedes Wort, spucken Sie es nicht aus; es sind keine Ziegelsteine drin, nicht mal Sandkörnchen; und dann wiederkäuen! Nicht wie Heuschrecken oder Schmetterlinge sollen wir nur hier und da naschen. Essen Sie sich hinein, hin und durch. Machen Sie die Probe aufs Exempel. Die Knospe erschließt sich von selbst zur Blüte durch das Sonnenlicht; ich brauche nicht mit der Kneifzange darüber her; so ist es mit den göttlichen Gedanken. Sie erschließen sich von selbst; das ist anbetungswürdig!

Propheten sind Lehrer, von Gott verordnet, nicht Herren und Meister, die mit der ihnen verliehenen Gabe dienen, aber nie herrschen dürfen. Nie ist es das Vorrecht der Lehrer, zu gebieten: “So müsst ihr es halten!” Die Gemeinde soll nicht von den Lehrern abhängig, auf sie angewiesen sein. Sie soll nicht Nachbeterin eines noch so gesegneten und erleuchteten Lehrers werden. Nachbeten ist bequem, “der muss es doch wissen”, und auf Treu und Glauben schluckt man es hinunter. Das sind fromme Papageien! Nicht die Macht mit der Peitsche über Untergebene ausüben, d. h. wer nicht in allen Punkten mit meiner Lehre übereinstimmt: “Raus mit ihm, wenn er es nicht sieht wie ich.” Bruder Seitz hat mal gesagt: “Gesunde Demokratie in der Gemeinde ist ein Zeichen von Leben. Es soll eine Freude sein, Gottesmenschen zeigen zu dürfen: dieselbe Wahrheit kann man auch von einer anderen Seite ansehen. “Denn wir wollen nicht Herren sein über euren Glauben, sondern Gehilfen eurer Freude; denn ihr stehet im Glauben” (2. Kor. 1, 24). Das macht nichts, sie sollen nur Anregung geben, aber nicht verlangen, alles heil abzunehmen und hinunterzuschlucken. Selbst suchen aus der Schrift, ob es sich also verhält (Apg. 17, 11). Sie haben noch nichts vom Hören, ehe Sie es in die Tat umsetzen und üben, wie man ein Musikstück vom Hören allein nicht lernt zu spielen, sondern durch Üben. Wenn wir etwas richtig beurteilen, haben wir es noch lange nicht; es ist nur ein Ansporn: “Geh hin, mach es dir zu eigen!” Man kann nicht die Erkenntnis Gottes hereinlöffeln wie Brei, den man uns vorsetzt. Ich warne Sie, blindlings anzunehmen, was Sie noch nicht geprüft haben. Danken Sie für jeden Dienst, den man Ihnen darin leistet; aber hüten sie sich vor dem Nachbeten: Das ist geistliche Faulheit. Es soll uns zum Fleiß anspornen. Vom verschiedenen Standpunkt aus hat man einen verschiedenen Blick. Sieh die Wahrheit von da aus an, wohin du gestellt bist, nicht vom Standpunkt des anderen. Man sieht ein Schloss vom Flugzeug aus anders an als von unten, und doch ist es dasselbe Schloss. Matthäus hat auch anders gesehen als Johannes. Nun sagen die Menschen: “Das ist nicht derselbe Christus!” Doch, er ist aber durch verschiedene Brillen gesehen worden.

“Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wisset alles” (1. Joh. 2, 20). Abhängig nur vom Heiligen Geist, verantwortlich für unsere Erkenntnis ist er, wenn wir uns von ihm leiten lassen (1. Kor 2, 11). Vollendet ist anders als vollkommen; letzteres ist noch nichts Fertiges. Vor uns und unserem treuen Forschen richtet Gott nirgends eine Schranke auf. Er lässt nicht nur gewisse Brüder hineingucken in seine Gedanken, nein, für jedes Kind Gottes ist die Schrift offen und zugänglich. Der Schlüssel zur Erkenntnis ist für jeden da. Aber ebenso wahr ist, dass unser Wissen Stückwerk ist. Das ist kein Widerspruch. Auf der einen Seite haben wir das Recht und die Fähigkeit, sogar die Aufgabe, uns durch den Heiligen Geist in alle Erkenntnis führen zu lassen, soviel wir nur können; aber doch hat es keiner ganz gepachtet oder beherrscht alles. Jesus teilt aus seiner Fülle aus und gibt jedem von seiner Wahrheit, soviel er nur einpacken kann. Packt nur ein (Psalm 81, 11)! Was für Schätze liegen da noch, auch, wo wir schon einmal gegraben haben. Keiner kriegt es leer; es ist nicht auszuschöpfen! Aber nur nicht aufspeichern, sondern weitergeben! Der eine nimmt dies, der andere das. Er wehrt niemand. Jeder nimmt nur ein Stück, keiner kriegt alles. Jedes Glied an meinem Leibe ist vollberechtigt an allem Blut, das durch mich pulsiert, der Fuß so gut wie die kleine Fingerspitze, nur, es wächst sich verschieden aus. Dieselben Säfte und Kräfte, doch alles verschieden. Alles fließt durch den ganzen Leib Christi. Jedes Glied bekommt nicht mehr, als es verarbeiten kann (Eph. 4, 7). Jedes Glied bekommt, was ihm gebührt und gehört; die Leber hat z. B. keine Knochen. Bei der großartigsten Freiheit nehmen wir nur auf, was wir können, aber ein Glied ergänzt das andere, es darf nichts für sich behalten, was für andere bestimmt ist: weitergeben! So erbaut sich die Gemeinde. Das ordnet Gott; es kommt dadurch keine Unruhe über die Versammlung. Den Dienst, den Gott gibt, fügt er nach seinem Rat. — Am Jakobsbrunnen ist nur ein Weib, das Jesus zuhört. Jesus sagt nicht: “Um dieser kleinen Versammlung willen lohnt es sich nicht zu reden”, — dann wären die anderen nicht gesegnet worden. Die einzige Zuhörerin bekam eine Privatstunde. Es kommt gewöhnlich nicht viel dabei heraus, alles aufzubieten, dass die Versammlungen recht gut besucht werden, wenn es auch gut gemeint ist (Jes. 42, 2). Die Lärmtrommel wird gerührt, viel Plakate, Annoncen, aber Jesus sagt Joh. 6, 37: “Alles, was mir der Vater gibt, kommt zu mir”; wer — geht mich nichts an; das ist Gottes Sache. Er muß die Leute schicken, die er haben will. Das heißt nicht, niemand einladen, — aber dich nicht treiben lassen, wozu Gott dich nicht beauftragt.

Nicht alle sind Hirten, Lehrer, Evangelisten. Gefährliche Verquickung! Jeder tue den Dienst, der ihm von Gott aufgetragen ist. Die wenigsten wissen, was ihre Aufgabe ist. Da lassen sie sich in ein Komitee wählen, und nun werden die Ärmel aufgestreift und mit Volldampf voran! Nicht, weil man vom Herrn berufen ist; der Ehrgeiz verkleidet sich oft in heiligen Eifer für die Sache des Herrn. Und wenn man nicht genommen, übergangen wird, da faucht es und raucht es, man kann es nicht ertragen in der Sucht, etwas zu sein und vorzustellen. Da sind namenlose Gräuel auf diesem Gebiete.

Jedes Glied hat seine von Gott ihm gestellte Aufgabe (Hebr. 5, 4). Wenn ich ihm nur zu Dienst stehe! Das wäre doch ein ganz unfähiger Herr, der mir nicht meine Arbeit anweisen könnte! In einem wohlgeordneten Leibe gibt’s keine Konflikte. Meine Augen lassen es sich nicht einfallen, Musik hören zu wollen; sie sind mit ihrer Tätigkeit zufrieden und bescheiden sich damit. Wie viel Krankheit und Siechtum in der Gemeinde kommt einfach daher, dass die Glieder nicht wissen, wozu sie bestimmt sind. Wir können unsere Gaben erkennen und uns vor dem Herrn klar werden, wie sie für ihn anzuwenden sind. Ist unser Wille nur auf Gott gerichtet, dann wird er uns seinen Willen unzweideutig klarmachen. Ich wollte Gott auch aus der Schule laufen, weil ich trotz Segens nicht den gewünschten Erfolg sah; ich wollte mehr sehen, das war kindisch. Wir wollen auch menschlichen Rücksichten nie unsere innere Überzeugung opfern! Haben wir nur ein einfältiges, keusches Gemerk, so weiß Gott uns über allen Zweifel erhaben klarzumachen, wo der Dienst für uns ist. Unergründliche Tücken sitzen in unseren Herzen, bis der ganze Leib licht ist (Matth. 6, 22).

Jesus war sich schon als Zwölfjähriger seiner Aufgabe, seines Berufes, deutlich bewusst, und doch hat er 18 Jahre gewartet. Paulus hatte den klaren Auftrag, und doch geht er in die Stille nach Arabien. Moses war 40 Jahre in der Wüste, ehe er an seinen Dienst ging. Nur keine Treibereien! Ungezählte und viele Unreife gehen ohne Ruf in die Arbeit; was wunder, dass sie dann bald bankerott sind. Ungeduld ist Unwilligkeit, den Herrn zu verstehen! Mag der beste Wille da sein, aber es ist Unverstand!

1. Kor. 2, 13 ist der Beleg, dass das Wort nicht vom Menschengeist stammt, sondern von Gottes Geist (Matth. 11, 30; Joh. 4, 14; 7, 38). Der Apostel blickt nicht auf sich noch auf die gläubige Gemeinde, denn seine Aufgabe bestand nicht darin, Gott mit seinen gelehrten Worten zu helfen, das Wort durch seine Gelehrsamkeit wirksam zu machen. Jedes Kind Gottes ist imstande, vom Geist gewirkte Worte zu reden, doch diese kommen an Autorität dem Wort Gottes nicht gleich. Im Gehorsam der Wahrheit sollen wir dem inspirierten Wort Gottes unsere Lehre unterordnen, in Abhängigkeit von Gott daraus schöpfen. Wir sind nicht Propheten, sondern Diener Gottes. Bedienen wir uns keiner anderen Sprache! Wir können nicht Schrift machen, aber wir können die Schrift, die wir haben, ins Lebendige übersetzen, dass sie durch die Kraft des Heiligen Geistes, nicht durch den Buchstaben, wirksam sei. Es ist das köstliche Vorrecht der Knechte Gottes, seine Sprache und seinen Inhalt, das Geheimnis der göttlichen Wahrheit sich so zu eigen zu machen, dass sie sie wiedergeben können. Die meisten Predigten nehmen das Wort Gottes, den Text, als Kleiderhaken, an dem sie die eigene Weisheit aufhängen. Predige das Wort, und nur das Wort. Die beste Predigt ist die, in der sich wie in der Backsteinmauer Stein an Stein — die Worte Gottes — reiht und des Mörtels — der eigenen Weisheit — nur soviel ist, als zum Zusammenhalt und Zusammenhang dringend benötigt wird.

Ein Kind Gottes kann nie wirksamer reden oder beten als in der Sprache der Schrift. Nicht nachplappern, wie es so oft beim Vaterunser geschieht. Das ist oft wie bei den Katholiken oder den Kalmücken, die die Gebetsmühle drehen. Wir müssen biblisch beten lernen. Im Epheserbrief sind zwei Mustergebete (Kap. 1 und 3). Wie wenig hört man solche Gebete aus dem Mund der Gläubigen! Da zeigt der Heilige Geist uns Linien für Gebetsgegenstände: 1. Erkenntnis, 2. Kraft für die ganze Gemeinde, nicht nur für die eigene, persönliche Rettung und kleine Angelegenheiten. Keine Zugabe machen zur Schriftoffenbarung; aber wir wollen uns leiten lassen in die ganze Schriftoffenbarung im Bewusstsein, dass Gott es uns erlaubt, die ganze Wahrheit zu erkennen (Eph. 4, 13); dass Haupt und Glieder hingelangen zum vollkommenen Manne.

“Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens” (Hebr. 4, 12). Es unterscheidet seelisch und geistlich. In seelischen Gefühlen und Stimmungen ist keine Kraft, sie können sehr selig und fromm sein, und doch kann man an den Dingen des Geistes vorübergehen und nicht begreifen, was andere daran Besonderes haben. Wenn wir noch von etwas, das Gott in sein Wort legte, sagen: “Was gehen uns diese Dinge an”, so offenbaren wir damit, wie weit wir gebunden sind. Geistlich sein heißt nicht, den Blick richten auf das eigene Genießen, sondern dem eigenen Leben sterben, auch dem Seelenleben, und Jesu reines, heiliges und vollkommenes Leben anziehen.

Als Jesus starb, hat er sein Seelenleben mit seinem Blut ausgeschüttet (3. Mose 17; Elberfelder). Jetzt lebt er ein Geistesleben, sein neues Leben zur Rechten der Majestät leibhaftig (1. Kor. 15, 50; Kol. 2, 9).

Wir müssen aus dem Stimmungs- und Empfindungswesen heraus! Alle eigene seelische Frömmigkeit muss in den Tod (Luk. 17, 33; Gal. 2, 20). Das gibt schwere tiefe Kämpfe, bis man zur Freiheit vom Seelischen durchgedrungen ist. Das gibt größere Kämpfe und tiefere Zerbrechungen als aus Schmutz und Gemeinheit.

“Ich rede mit Verständigen; beurteilt ihr, was ich sage” (1. Kor. 10, 15). Paulus glaubte an die Korinthergemeinde. Trotz ihrem Tiefstand war geistliches Unterscheidungsvermögen genug da. Wenn wir Christi Eigentum geworden sind durch den Geist, der uns von Gott gegeben ist, dann muss Unglaube, Fleischeslust, Parteilichkeit weichen. Der zweite Korintherbrief beweist, dass Pauli Zurechtweisung gewirkt hat.

Christi Sinn, das Zeugnis des Geistes, der Geist des Gebets, die rechte Liebesstellung untereinander und zu Gott, das schenkt uns der Herr.

Wer sein Leben verliert, der wird es finden.

(Quelle: Mir unbekannt; Schriften Johannes Ullmann)

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