Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Der Tod verschlungen in den Sieg

Autor: Ströter, Ernst F., Prof.  |  Kategorie(n): Allversöhnung, Das prophetische Wort, Heilsgeschichte, Lehre, Paulusbriefe, Tod & Auferstehung  |  705 x gelesen

(1. Korinther 15)

Inhalt:

01. Das Evangelium des Paulus an die Nationen
02. Christus gestorben, begraben, auferstanden
03. Die Erscheinungen des auferstandenen Herrn
04. Gottes Gnadenwirken an Paulus
05. Ohne Totenauferstehung kein Heil, keine Hoffnung!
06. Christus der Erstling der Entschlafenen
07. Ordnung und Ziel der Lebendigmachung aller
     a) Die Lebendigmachung aller
     b) Die Ordnung dieser Lebendigmachung
     c) Hernach das Ende
     d) Alle Feinde Christi überwunden
     e) Der letzte Feind, der Tod, abgetan
     f) Alles Ihm unterworfen
     g) Gott alles in allen
08. Taufe für die Toten und stündliche Gefährdung ohne Totenauferweckung sinnlos
09. Mit was für einem Leibe kommen die Toten?
10. Verwesliche und unverwesliche Leiblichkeit
11. Der erste Mensch und der zweite Mensch
12. Die Verwandlung der Heiligen
13. Schlußermahnung

Dem aufmerksamen Bibelleser wird es kaum entgehen, daß in dem ersten Brief an die Korinthergemeinde höchst bedenkliche Zustände aufgedeckt und gerügt werden. Das Bild geistlichen Tiefstandes, das der Apostel entwirft, wird wohl in keinem anderen Brief erreicht oder gar übertroffen, wenn man absieht von dem letzten der sieben Sendschreiben im Buch der Offenbarung, gerichtet an die Gemeinde zu Laodicäa.

Wie verhält sich der Apostel gegenüber solch traurigen Verhältnissen einer Gemeinde, die durch Spaltungen zerrissen, durch gefährliche Irrlehren und Leugnung göttlicher Offenbarungswahrheiten schwer geschädigt und von unerhörter Unsittlichkeit angefressen war? Gewiß, er schont die Korinther nicht. Der herbste Tadel, die schärfste Rüge, die ernsteste Zucht kommt zur Anwendung, wie sich’s gebührt. Was aber sehr in die Augen fällt, ist der Umstand, daß der Heilige Geist durch die Feder des Apostels gerade dieser so fleischlichen Gemeinde ein wahres Füllhorn der allerköstlichsten Erkenntnisse und Geheimnisse in den Schoß schütten läßt. Das entspricht gar nicht menschlichem Denken oder Handeln. Wir wären weit eher geneigt, einer solchen Gemeinde den Brotkorb mit geistlicher Speise etwas höher zu hängen, ihr nur die elementarste Nahrung, das Allernotwendigste darzureichen und ihr auf diese Weise zu verstehen zu geben, sie könne erst nach eingetretener Besserung in die Tiefen Gottes in Christo weiter eingeführt werden.

Dagegen finden wir in diesem Brief reiche Mitteilungen über die verborgene Weisheit Gottes; es wird hingewiesen auf die unbeschreiblich hohe Berufung der Gläubigen, Gericht zu halten über die Welt und die Engel; auf die wahre Würde der menschlichen Leiblichkeit als Tempel des Heiligen Geistes; auf die verschiedenen geistlichen Gaben und die wunderbare Einheit und organische Geschlossenheit des ganzen Leibes Christi; der Brief enthält das unübertroffene Hohelied der Liebe und die reiche Belehrung über geistliche Gaben in Kapitel 14.

Daran reiht sich das Kapitel, das uns zur Betrachtung vorliegt, würdig an. Es handelt von der Auferstehung der Toten und gestattet uns einen Ausblick in die allerweitesten und umfassendsten Ziele Gottes mit Seiner ganzen dem Tode verfallenen Schöpfung.

Fürwahr, ein solches Verfahren unseres Gottes und Heilandes nötigt uns die tiefste Bewunderung und Danksagung ab! Es unterliegt auch keinem Zweifel, daß sich dieses Verfahren als durchaus praktisch und wirksam bewährt hat, wie aus dem zweiten Brief deutlich hervorgeht. Wenden wir uns nun dem Inhalt unseres Kapitels zu!

1. Das Evangelium des Paulus an die Nationen

“Ich mache euch aber, ihr Brüder, auf das Evangelium aufmerksam, das ich euch gepredigt habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch stehet, durch welches ihr auch gerettet werdet, wenn ihr an dem Worte festhaltet, das ich euch verkündigt habe, es wäre denn, daß ihr vergeblich geglaubt hättet.” (Verse 1.2)

In diesen und den folgenden Versen bekommen wir durch den Apostel selbst zuverlässigen Bescheid über Wesen und Inhalt des Evangeliums, das ihm für die Heiden anvertraut war. Wir erhalten Aufschluß sowohl über das, was sein Evangelium von dem der übrigen Apostel Jesu Christi an die Beschneidung unterscheidet, als auch über die tiefe Kluft, die es auf immerdar von allen früheren und modernen Fälschungen des wahren Evangeliums trennt.

Was zunächst den Unterschied betrifft zwischen dem Evangelium des Paulus an die Nationen (die früher in keinem Bundesverhältnis zu Gott standen) und dem der Zwölfe an das Volk Israel (dem die messianischen Verheißungen gegeben waren), so ist es einleuchtend, daß die letzteren in ihrer Verkündigung immer wieder auf die getreue Erfüllung der gottgegebenen Zusagen bei der Sendung des Sohnes ins Fleisch hinweisen. Das tritt uns auch in den ersten Heilsangeboten an das jüdische Volk in Apostelgeschichte 2 und 3 deutlich entgegen. Für den Apostel Christi Jesu an die Heiden (Nationen) war dies nicht notwendig, bestand doch bei den Heiden eine solche bestimmte Messias-Erwartung nicht.

Ferner fällt uns auf — im Unterschied zu allen falschen Evangelien, die sich besonders in unseren Tagen mit großer Dreistigkeit auf Kanzel und Katheder breitmachen —, daß Paulus mit seinem Evangelium von Christus nicht bei Bethlehem einsetzt und sich in Schilderungen des geschichtlichen Christus “nach dem Fleisch” ergeht, sondern daß er mit Golgatha beginnt, d. h. genau da, wo die modernen “Evangelien”, die sich mit glänzenden Anpreisungen des Lebens Jesu auf Erden nicht genug tun können, den Boden unter den Füßen verlieren. Denn mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen wissen sie einfach nichts anzufangen. Dagegen erklärt Paulus in seinem zweiten Brief an die Korinther rundheraus (5, 16): “Wenn wir auch Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir Ihn doch nicht mehr also.”

Für uns Gläubige aus den Heiden ist es von der größten Bedeutung, daß wir uns klar Rechenschaft geben, auf welchem Wege uns allein der Zugang zum Vater in gleicher Weise wie den Israeliten, den Erben der ursprünglichen Christusverheißungen, gesichert worden ist. Nicht durch irgendeine Tat Jesu aus den Tagen Seines Fleisches oder durch irgendeine von Ihm erfüllte Weissagung für Israel. Vielmehr nach Epheser 2, 13 einzig und allein durch das auf Golgatha vergossene Blut Christi.

Die Gemeinde der mit Christus Gekreuzigten und Auferstandenen kann und darf ihren Halt und ihr Daseinsrecht nie auf einem anderen Boden finden als auf dem von Golgatha; denn es gibt für sie einfach keinen andern. Ist sie nicht mit ihrem Haupt eins im Tode und eins in Seiner siegreichen Auferstehung, dann hat sie überhaupt kein Anrecht an Christus, noch an Seinem Vater im Himmel. Sie hat ja keinen Anspruch auf die Erfüllung göttlicher Verheißungen, aus dem sehr einleuchtenden Grunde, weil Gott den Heiden nie direkte verbindliche Zusagen gegeben hatte. Wir waren außerhalb der Bündnisse, ohne Gott und ohne Hoffnung in der Welt (Eph. 2, 12). Durch Christi Blut aber sind wir dem Herzen und dem Heil Gottes genauso nahe gebracht worden, wie der echteste Sohn Israels Ihm nahe ist.

2. Christus gestorben, begraben, auferstanden

“Denn ich habe euch als Vornehmstes (Oberstes, Erstes) das überliefert, was ich auch empfangen habe, nämlich daß Christus gestorben ist für unsere Sünden, nach der Schrift, daß Er begraben und daß Er auferstanden ist am dritten Tage, nach der Schrift.” (Verse 3.4)

Das also ist für unseren Apostel das Erste an seiner Heilsbotschaft. Es sind die grundlegenden Tatsachen, auf denen sich seine ganze Predigt aufbaut. Ohne den wahrhaftig gestorbenen und entseelt in das Grab gelegten Menschen Jesus, den Gesalbten, der ebenso wirklich und leibhaftig wieder aus dem leeren Grab durch Auferweckung hervorgekommen ist, gibt es für unseren Apostel überhaupt kein Evangelium. Nimmt man ihm das, so nimmt man ihm alles.

Auch sein besonderer Hinweis auf das Begrabensein des Herrn Jesu ist nicht belanglos, denn an diesen Akt knüpfen sich viele alttestamentliche Weissagungen betreffs der Vorgänge, die sich an der gestorbenen Leibeshülle des Gekreuzigten vollzogen bzw. nicht vollzogen haben. In den Propheten und Psalmen wird mit großer Genauigkeit erwähnt, wie man Seine Hände und Füße durchgraben, Seinem Leib aber kein Bein zerbrechen werde; wie man Ihm Sein Grab wohl mit den Gottlosen bestimmen, aber Seinen Leichnam doch in der Gruft eines Reichen betten werde, so daß diesen in der ganz neuen Gruft, in der nie zuvor ein Toter gelegen und verwest ist, auch keine Spur von Zersetzungskräften antasten konnte, weil geschrieben steht: “Du wirst nicht zugeben, daß Dein Heiliger die Verwesung sehe” (Ps. 16, 10; Apg. 2, 27). Alle diese Einzelheiten wären völlig belanglos, wenn nicht der Heilige Geist gerade auf die Art, wie der Leichnam Jesu behandelt wurde, das größte Gewicht legen wollte, — und dies doch wohl nur, um auf das bestimmteste zu betonen, daß es sich bei der Auferstehung gerade um diesen Leichnam oder Körper gehandelt hat, der im Grabe die wunderbarste, großartigste und folgenreichste Erweisung göttlicher Kraft und Herrlichkeit erfahren sollte und erfuhr. Bei Jesu von einer rein geistigen Auferweckung reden, an welcher Seine echt menschliche Leiblichkeit gar keinen Anteil gehabt hätte, heißt die ganze biblische Auferstehungswahrheit entleeren und entkräften. Das ist die größte Gottestat, daß dieser unser sterblicher Leib — der in seiner ursprünglichen Veranlagung nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen wurde und nun zu einem Tempel des ihm innewohnenden Geistes Gottes ersehen ist — durch die göttliche Allmacht zu einem vollkommenen Organ des Geistes der Herrlichkeit bereitet wird durch Wiederbelebung. Nicht so, daß er in das frühere verwesliche, seelische, im Blute liegende Naturleben zurückkehrt, sondern so, daß aus dem Auferstandenen ein lebendig machender Geist wird. Aber nicht ein körperloser Geist, ein Schatten oder Phantom, sondern die volle Ausgestaltung des Ebenbildes des unsichtbaren Gottes und dessen höchste Offenbarungsform. Darüber soll im folgenden noch mehr gesagt werden.

Der Hinweis, daß sich das “am dritten Tage” vollzogen habe “nach der Schrift”, ist auch nicht ohne Bedeutung. Mehrfach wird in der Weissagung die symbolische Bedeutung des dritten Tages hervorgehoben. Nicht wenige Typen und Schattenbilder enthalten deutliche Winke darüber. So die Opferung Isaaks durch seinen gehorsamen Vater Abraham, dem Gott seinen (in Abrahams Herzen so gut wie geschlachteten) Sohn am dritten Tag lebendig aus den Toten wiedergab. In gleicher Weise war auch der Prophet Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches, was der Meister selbst als Abschattung Seiner bevorstehenden Auferweckung am dritten Tage bezeichnet (Matth. 12, 40). Besonders beachtlich ist auch der Hinweis des Propheten Hosea (Kap. 6, 1.2): “Kommt, wir wollen uns wieder zum Herrn kehren! Er hat uns zerrissen, Er wird uns auch heilen; Er hat uns verwundet, Er wird uns auch verbinden. Nach zwei Tagen wird Er uns lebendig machen, am dritten Tage wird Er uns aufrichten, daß wir vor Ihm leben.”

3. Die Erscheinungen des auferstandenen Herrn

“Daß Er erschienen ist dem Kephas, hernach den Zwölfen. Danach ist Er erschienen mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von welchen die meisten noch leben, etliche aber auch entschlafen sind. Danach erschien Er dem Jakobus, hierauf sämtlichen Aposteln. Zuletzt aber von allen erschien Er auch mir, der ich gleich bin einer unzeitigen Geburt.” (Verse 5-8)

Diese Aufzählung der verschiedenen Erscheinungen des auferstandenen Herrn kann und will wohl auch nicht Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Das Hauptgewicht liegt jedenfalls auf der bedeutenden Menge von zum Teil noch lebenden Zeugen Seiner wahrhaftigen Auferstehung aus den Toten, deren Beweiskraft allen Anforderungen vollständig genügt. Kein Ereignis im Leben Jesu ist besser bezeugt als Sein Tod und Seine darauf folgende leibhaftige Auferstehung. Darum betont auch der Apostel Johannes kurz, aber mit großem Nachdruck: “Das Leben ist erschienen.” Der Tatbeweis ist auf das völligste erbracht, daß unser Gott es ist, der allein aus den Toten lebendig machen kann und der in Jesus Leben und Unvergänglichkeit an das Licht gebracht hat. Das ist die überschwengliche Größe Seiner Kraft, die Er in Christo wirksam und flüssig gemacht hat, da Er Ihn aus den Toten auferweckte. Kein Feind, kein Verderber kann hinfort gegen die unbesiegbare Macht des Auferstandenen je aufkommen.

4. Gottes Gnadenwirken an Paulus

“Denn ich bin der geringste von den Aposteln, nicht wert, ein Apostel zu heißen, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und Seine Gnade gegen mich ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist. Ob es nun aber ich sei oder jene, so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.” (Verse 9-11)

In diesen Worten haben wir den Tatbeweis dafür, daß sich Paulus wirklich der hohen Offenbarungen, die ihm durch den Auferstandenen zuteil geworden waren, nicht überhoben hat. Das Erinnern an die ihm widerfahrene Gnade hat ihn tief gedemütigt und in den Staub gebeugt vor Gott, an dessen Gesalbten er sich so furchtbar versündigt hatte, indem er dessen Leib, die Gemeinde, verfolgt hatte. Deshalb nennt er sich den geringsten der Apostel, ja, nicht wert, ein Apostel zu heißen. Das ist echte gottgewirkte Demut, die ihn aber keineswegs veranlaßt, seine Berufung zum Dienst und Werk geringzuschätzen oder gar in Frage zu stellen.

So ist es auch nicht Unbescheidenheit oder Vermessenheit, die den Apostel sagen läßt, er habe mehr gearbeitet als die andern Apostel des Herrn. Es liegt ihm durchaus fern, sich auf ihre Kosten zu erheben oder größeren Ruhm als jene in Anspruch zu nehmen. Daß die Dinge tatsächlich so lagen, hatte ja weder Paulus noch die Zwölfe veranlaßt oder so geordnet, sondern allein der souveräne Herr über alles. Indem Er Sein Volk Israel in die Nacht des Verstockungsgerichts dahingab — bis auf die Zeit seiner Wiederherstellung —, nahm Er damit den Aposteln der Beschneidung jede Möglichkeit, auch nur die Städte Israels durch ihr Evangelium zu nationaler Bekehrung und Wiedergeburt zu führen. Dementsprechend tritt die jerusalemitische Muttergemeinde in der Mitte der Apostelgeschichte — in voller, frischer Kraft und auf der Höhe wahrer, geistlicher Erkenntnis der neuen göttlichen Haushaltung unter den Nationen — vom Schauplatz ab, und an ihre Stelle tritt die Wirksamkeit des so einzigartig durch den erhöhten Herrn vom Himmel her berufenen Paulus und seiner Gehilfen unter den Heiden. Daß die Zwölfe dereinst, in den Tagen des wiedergekommenen Menschensohnes, ihre ursprüngliche Aufgabe unter Israel wieder aufnehmen und bis zum siegreichen Ende nationaler Bekehrung ganz Israels durchfuhren werden, unterliegt nicht dem geringsten Zweifel.

5. Ohne Totenauferstehung kein Heil, keine Hoffnung!

“Wenn aber Christus gepredigt wird, daß Er von den Toten auferstanden sei, wie sagen denn etliche unter euch, es gebe keine Totenauferstehung? Gibt es wirklich keine Totenauferstehung, so ist auch Christus nicht auferstanden! Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, vergeblich auch euer Glaube. Wir würden aber auch als falsche Zeugen Gottes erfunden, weil wir wider Gott gezeugt haben, Er habe Christum auferweckt, den Er doch nicht auferweckt hat, wenn wirklich Tote nicht auferstehen. Denn wenn Tote nicht auferstehen, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden, dann sind auch die in Christo Entschlafenen verloren. Hoffen wir allein für dieses Leben auf Christum, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.” (Verse 12-19)

Mit diesem Abschnitt beginnt nun der Apostel seine großangelegte Beweisführung für die grundlegende und überragende Wahrheit von der wahrhaftigen Auferweckung Christi aus den Toten. Dabei verfährt er auf eine Weise, die von uns im allgemeinen zu wenig beachtet wird. Durchaus bekannt ist auch unter uns seine Beweisführung: Wenn Christus nicht auferweckt wurde, dann ist nicht nur die Predigt vergeblich, sondern das ganze Gebäude unseres Glaubenslebens ohne Grund und Halt. Davon aber spricht Paulus hier erst an zweiter Stelle. Im Vordergrund steht bei ihm etwas anderes. Er begründet und erhärtet die Auferstehung Jesu Christi mit der Feststellung, daß nach göttlicher Verordnung eben die Toten überhaupt auferstehen. Gottes Wirken zum Heil einer verlorenen Welt und Menschheit geschieht nach dem Universalgesetz, alle von Gott entfremdeten und verlorenen Geschöpfe dem Tode zu überantworten, um sie durch Totenauferweckung zu Sich selbst zurückzubringen in Unvergänglichkeit und Unverweslichkeit. Für Paulus ist — diesem Gesetz gemäß — Jesus nur darum geboren worden, um sterben und dann auferweckt werden zu können. So sagt es ja auch der Hebräerbrief (Kap. 2, 14): “Da nun die (von Gott dazu erwählten) Kinder Fleisch und Blut gemeinsam haben, ist Er in gleicher Weise desselben teilhaftig geworden, auf daß Er durch den (dadurch erst möglichen) Tod dem das Handwerk legte, der des Todes Gewalt hat, das ist dem Teufel.”

Somit ruht die Tatsache der Auferstehung Jesu aus den Toten durchaus auf dem festen Grund eines ewigen Ratschlusses Gottes, allem in Seine Schöpfung irgendwie und irgendwann eingedrungenen Todeswesen durch Totenauferweckung ein Ziel zu setzen. Und die geschehene Auferweckung Seines im Fleisch erschienenen Sohnes ist lediglich die erste, großartige, alles Weitere garantierende Probe solcher Herrlichkeitsoffenbarung Gottes. So sagt auch Kolosser 1, 18 von Ihm, dem Haupt des Leibes, der Gemeinde, daß Er der Anfang sei, der Erstgeborene aus den Toten, damit Er in allem der Erste sei (den Vorrang habe). Der Ratschluß Gottes zur allgemeinen Totenauferweckung überhaupt findet in der Auferweckung des Gesalbten, des Sohnes der Jungfrau, lediglich seinen konkreten und alles Folgende verbergenden Anfang und Ausgang.

Erst nachdem der Apostel der Auferweckung Christi diesen breiten, sicheren Unterbau gegeben hat, geht er mit seiner Folgerung auf unser Glaubens- und Hoffnungsleben über.

Die Sache ist ihm so wichtig, daß er sagt: “Wir würden auch als falsche Zeugen erfunden …” Man muß sich einmal anhand seiner Briefe vergegenwärtigen, wie hoch und heilig gerade dieser Apostel von seiner Berufung zum Zeugen der Wahrheit Gottes in Christo denkt, um das ganze Gewicht einer solchen Darlegung zu spüren. So etwa, wenn er den Galatern schreibt (1, 8.9): “Wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch Evangelium predigen würden außer dem, was wir euch verkündigt haben: er sei verflucht!” Für einen Mann mit einer solchen Auffassung von der Heiligkeit und Verantwortlichkeit seines Zeugendienstes für Gott ist der Gedanke eines falschen Zeugnisses gegen den wahrhaftigen und heiligen Gott einfach nicht zu vollziehen. Daß er überhaupt diese Worte gebraucht, läßt erkennen, wie tief seine eigene Seele durchdrungen war von der unbedingten Wahrhaftigkeit und Zuverlässigkeit dieser gewaltigsten Gottestat, an Jesu Leib vollzogen.

Nun erst nachdem er die Auferstehung der Toten als Grundgesetz göttlichen Heilswaltens erklärt und jeden möglichen Einwand dagegen abgefertigt hat, zeigt Paulus die grundstürzende Bedeutung einer Verneinung der Auferweckung Jesu Christi. Sie mache den Glauben eitel, nichtig, inhaltslos und kraftlos. Denn ein Glaube zum Heil hat es zu tun und muß es zu tun haben mit einem lebendigen Gott, muß mit Ihm rechnen, sich unbedingt auf Ihn verlassen können. Sonst hat er weder Wert noch Bedeutung. Nur der Gott aber ist im Vollsinn des Wortes ein lebendiger Gott, der für immer und restlos Herr geworden ist über den Tod, indem Er ihn völlig durch die Fülle Seines unvergänglichen Wesens überwunden und verschlungen hat.

“So seid ihr noch in euren Sünden.” Die Macht der Sünde ist unbestritten, so weit Kinder Adams wohnen. Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer. Und sogar das heilige und vollkommene Gesetz Gottes ist der Sünde gegenüber machtlos, es macht sie nur sündhafter, tödlicher in ihren Wirkungen, es ist geradezu die “Kraft der Sünde”. Gibt es da einen Weg zur Freiheit, zur herrlichen Freiheit von Söhnen Gottes? Gottlob einen, aber nur diesen einen, daß Christus für unsere Sünden starb und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt wurde. Nun gilt: Ist einer für alle gestorben, so sind sie alle gestorben. Die köstliche Frucht Seines heiligen Todes kommt der ganzen unter die Sünde verkauften Menschheit zugute. Wer sich nun im Gehorsam des Glaubens für mitgekreuzigt hält mit Christus, wer Gott darin recht gibt, daß unser alter Mensch samt Ihm gekreuzigt ist, abgetan, entrechtet, entkräftet, ertötet, — der darf auch erfahren, daß wer mit Christus gekreuzigt ist, auch mit Ihm auferweckt worden ist zu einem neuen Leben des Geistes. Der darf ohne Scheinheiligkeit sagen: “Ich lebe, aber nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.” Zehntausendfach hat sich die Lebenskraft des Gekreuzigten und Auferstandenen an den verlorensten und versunkensten Sündern erwiesen, sie aller schmachvollen Sündenketten für immer entledigt und ihnen das Vermögen zu einem Wandel in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit geschenkt. Und das alles soll fromme Täuschung sein? Gesegnete Täuschung, wenn es dergleichen gäbe!

“Dann sind auch die in Christo Entschlafenen verloren.” Denn worauf sind sie im Frieden entschlafen? Auf die getroste Zuversicht, daß ihr Leben mit Christo in Gott verborgen war und daß, wenn nun Christus, ihr Leben, sich offenbaren wird, sie auch mit Ihm offenbar werden in Seiner Herrlichkeit. Ist aber Christus nicht auferstanden von den Toten, ist Sein Leichnam im Grabe eine Beute der Verwesung geworden, dann ist jeder Gedanke an ein Offenbarwerden in Herrlichkeit ausgeschlossen, dann wird niemand je tragen das Bild des Himmlischen, dann sind unsere im Herrn entschlafenen Brüder und Schwestern die Opfer einer ganz kolossalen Täuschung geworden, all ihr Hoffen ist verloren, sie sind und bleiben immer eine Beute des Todes und der Verwesung.

Verlorensein bedeutet nach diesen Worten des Apostels: im Tode verharren müssen und nie wieder aus dessen Bereich herauskommen können. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn versteht der Meister selbst unter dem Begriff “verloren” genau dasselbe, wenn Er von dem Zurückgekehrten die Doppelrede führt:

    Dieser mein Sohn war tot und ist lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden.

Daran merken wir, was der Herr unter dem Verlorensein und dem Finden verstanden hat. Wenn Er nun von Sich bezeugt, daß Er gekommen sei, zu suchen, was verloren ist, und daß Er es so lange suche, bis Er es gefunden habe (Luk. 19, 10; 15, 4), dann kann dies, recht verstanden, nur bedeuten: Er wird nicht ruhen noch rasten, bis daß Er alles, was in der Gewalt des Todes war und ist, durch Totenauferweckung “gefunden” hat.

“Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, so sind wir die bejammernswertesten unter allen Menschen.” Denn was bedeutet das gegenwärtige irdische Leben für den, der sich mit Christo der Welt gekreuzigt weiß, der nicht sieht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare, der durch die heilbringende Gnade das eigene ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste zu verleugnen gelernt hat? Nichts als Verzicht und Entsagung, Ablehnung alles dessen, worin die Kinder dieser Welt ihr Vergnügen, ihre Befriedigung und ihr Glück suchen. Sind wir gerettet aus dieser gegenwärtigen argen Welt, dann sind wir es doch nur in der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die erst nach diesem Leben an uns geoffenbart werden soll. Sind wir in dieser Hoffnung betrogen — meint Paulus —, dann ist unser Los allerdings ein klägliches und erbärmliches. Es ist gut, diese Konsequenz mit dem Apostel voll und ganz zu durchdenken. Es bewahrt vor aller gefährlichen Halbheit und Unentschiedenheit in unserer Haltung gegenüber der Welt und ihrer Lust. Es auch nur in etwa mit ihr halten, bedeutet Feindschaft gegen Gott, innere Haltlosigkeit und Unentschiedenheit, beständiges Schwanken und eine beschämende Niederlage um die andere. Darum wollen wir unser Haupt erheben und um so fröhlicher decken mit dem Helm des Heils und der Hoffnung der Errettung, auf die wir warten in Geduld und Glauben.

6. Christus der Erstling der Entschlafenen

“Nun aber ist Christus von den Toten auferstanden als Erstling der Entschlafenen. Denn da durch einen Menschen der Tod, so kommt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen.” (Verse 20.21)

Hinweg mit allen Zweifeln und Bedenken, mit allem Fragen und Zagen, mit allem Druck und bangem Weh, mit aller Furcht und Verzagtheit! Die große Gottestat steht da, unerschüttert, unbeweglich, unbesiegbar. Das Leben hat den Tod für immer aus dem Feld geschlagen. Der endgültige, restlose Triumph des Lebens ist gesichert auf der ganzen Linie. Nichts kann ihn je in Frage stellen, nichts ihn hindern oder mindern. Die vollständige Durchführung ist nur eine Frage der Zeit.

Wie blaß und kränklich steht demgegenüber alles menschlich stolze, philosophische Gerede da von “natürlicher Unsterblichkeit”, von einem bloßen “Fortleben nach dem Tode”! Was weiß eine solche Philosophie von dieser Gottestat! Ihr fehlt jedes Verständnis dafür. Hat sie es doch fertiggebracht, den Tod als eigentlichen Erlöser an die Stelle des Auferstandenen zu setzen! Durch den Tod erst werde der an sich unsterbliche Menschengeist aller unwürdigen Bande der sterblichen Leiblichkeit los und ledig. Heil dem großen Befreier Tod! So steht es auf ihrem fahlen, grauen Banner. Ein schöner Befreier ist das, von dem man nach dem untrüglichen Zeugnis der Schrift erst wieder erlöst werden muß, weil er der “letzte Feind” ist, der aufgehoben und gänzlich beseitigt werden soll und wird.

Mit einem einzigen kräftigen Griff zerreißt unser Apostel all dieses trügerische Gewebe menschlicher Fündlein, die dem Evangelium den eigentlichen Lebensnerv abschneiden, die dem Auferstandenen Seine Ehre, Seinen ewigen Ruhm kürzen und rauben.

Ist denn bewußtes Fortleben nach dem Tode “Unsterblichkeit”? Dann wäre auch bewußtes Leben in der Feindschaft gegen Gott Unsterblichkeit. Denn der bloße Akt meines Sterbens und Abscheidens aus dieser Welt der Sichtbarkeit macht mich nie und nimmer aus einem Feind Gottes zu einem Kind des Friedens, zu einem Erben des unvergänglichen Lebens und der göttlichen Herrlichkeit. Seit wann stirbt denn mit einem Geizhals sein Geiz, mit einem Lüstling seine Wollust, mit einem Hochmütigen sein namenloser Stolz und Dünkel? Verwesen oder verbrennen diese Laster, wenn der Leichnam eine Beute des Moders oder der Flammen des Krematoriums wird? Beseitigt der Tod jede Spur gemeiner, niedriger, fleischlicher Gesinnung in dem Gestorbenen? Löst der bloße Tod des Leibes jede schmachvolle Gebundenheit des menschlichen Geistes an die niederen Triebe, jeden Rest von Eigenliebe, Haß, Unversöhnlichkeit und anderer Versklavungen? Was soll denn all das trügerische Gerede von Befreiung durch den bloßen Tod des Leibes? Wir werden später — bei Vers 53 und 54 — noch weiter auf das Thema von der Unsterblichkeit zu sprechen kommen. Es genügt hier, allem klugen Philosophieren der Menschheit die einfache, gewaltige Tatsache göttlicher Machterweisung entgegenzuhalten: Christus ist auferstanden von den Toten als Erstling der Entschlafenen! Das ist die göttliche Auseinandersetzung mit Tod und Sterblichkeit, die göttliche Lösung dieser tiefsten Geheimnisse des menschlichen Daseins, die göttliche Proklamation der endgültigen Befreiung aus aller Furcht und Todesknechtschaft. Sie überläßt dem Tode auch nicht einen Zoll breit Schöpfungsgebiet. Sie kennt keinen Kompromiß, keine halbherzige Anerkennung irgendwelchen erlösender Bedeutung des Todes. Sie bedeutet Tod dem Tode, im ganzen All, in alle Ewigkeiten.

“Nun aber ist Christus auferstanden als Erstling der Entschlafenen.” Dieses Wort blickt hinaus nicht nur auf die begrenzte Schar der im Glauben Entschlafenen, sondern auf die ganze dem Tod verfallene Menschenwelt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Christus ist unwiderleglich der Erstling aller Entschlafenen. Mit dem Erstling ist aber die ganze nachfolgende Ernte gegeben und gewährleistet. In der Natur, auf dem Boden der alten Schöpfung, mag zwischen dem Einbringen der Erstlinge und dem der ganzen, vollen Ernte mancher störende und mindernde schädliche Einfluß sich geltend machen. Das ist hier selbstverständlich ausgeschlossen. Der Erstling verbürgt kraft der Macht Seines unvergänglichen Lebens den vollen, rastlosen Ertrag der ganzen Todesaussaat auf Hoffnung. Da bekommt unser schönes deutsches Wort von den Grabstätten der Entschlafenen, das Wort “Gottesacker”, einen unbeschreiblich reichen Inhalt.

Das nächste Argument des Apostels beleuchtet diese köstliche Wahrheit noch heller. Er folgert: “Denn da durch einen Menschen der Tod, so kommt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen.” Hier liegt der geradezu zwingende Grund für die Menschwerdung des ewigen Wortes, das bei Gott war und Gott war im Anfang. Sollte Totenauferweckung der ganzen gefallenen Menschheit überhaupt zugute kommen, dann mußte der Sohn Gottes als echter, wahrhafter Mensch ins Fleisch geboren werden, um so sterben zu können. Die tiefste Bedeutung des menschlichen Lebens Jesu liegt darin, daß Er sterben konnte für eine ganze dem Tode hoffnungslos verfallene Welt. Darum kommt alle Deutung des Lebens Jesu hoffnungslos zu kurz, sie versagt ganz und gar, die das Leben Jesu von einem anderen Gesichtspunkt her erklären will. Denn durch Jesu tadelloses Leben an sich, durch das erhabene Beispiel, das Er uns gegeben, durch die vortreffliche Lehre, die über Seine Lippen floß, ward der eigentliche Zweck Seines Erdendaseins nie und nimmer erfüllt. Einer in Sünden und Übertretungen toten Menschheit ist damit nie aus ihrem Todesjammer geholfen. Die ganze Schrift bezeugt einstimmig: Christus mußte sterben! Und was Er starb, ist Er der Sünde gestorben ein für allemal. Und der Stachel des Todes ist die Sünde. Das sind die unlöslichen Zusammenhänge, wie sie im göttlichen Liebesrat mit vollendeter Weisheit geplant und von Seinem Vater durch die Hände der Ungerechten und Sünder zur Ausführung gebracht wurden, da man Ihn an das Holz des Fluches heftete. Da wähnten Seine Feinde, Ihn endgültig los zu sein; da glaubte der Fürst dieser Welt, einen seiner glänzendsten Triumphe erreicht zu haben, und siehe da, er hatte nur sich selbst und seine ganze Gefolgschaft in den Lüften und auf Erden an den Pranger gebracht, seine vollständige Niederlage unwiederbringlich besiegelt. Das tat Gott. Das ist die reife Frucht des Todes Christi. Das die Voraussetzung für den Triumph des unvergänglichen Lebens über den Tod in jeder Form oder Gestalt. Nur so versteht man Bethlehem: im Lichte von Golgatha.

7. Ordnung und Ziel der Lebendigmachung aller

“Denn gleichwie in Adam alle sterben, also werden auch in Christo alle lebendig gemacht werden. Ein jeglicher aber in seiner Ordnung: Der Erstling Christus; danach die Christo angehören bei Seiner Wiederkunft; hernach das Ende, wenn Er das Reich dem Gott und Vater übergibt, wann Er abgetan haben wird jede Herrschaft, Gewalt und Macht. Denn Er muß (als König) herrschen, bis daß Er alle Feinde unter Seine Füße gelegt hat. Als letzter Feind wird der Tod abgetan. Denn Ihm (Seinem Christus) hat Er (der Vater) alles unter Seine Füße getan. Wenn Er aber sagt, daß Ihm alles unterworfen sei, so ist offenbar der ausgenommen, der Ihm alles unterworfen hat. Wenn Ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen, der Ihm alles unterwerfen hat, auf daß Gott sei alles in allen (allem).” (Verse 22-28)

Das ist das Herzstück dieses herrlichen Kapitels. Hier stehen wir vor Breiten und Längen, Tiefen und Höhen göttlicher Heils- und Herrlichkeitsgedanken, die alles menschliche Denken übersteigen, die aber auch, wenn man ihnen ihr volles Gewicht lägt und an ihrem einfachen hellen Wortsinn nicht deutelt und mäkelt, aller menschlichen Versuche spotten, sie einzuschränken und in die Bande irgendeines dogmatischen Systems oder Schemas zu zwängen. Angesichts solcher gewisser Zusagen jauchzt und jubelt das Herz des erlösten Gotteskindes einem solchen Gott und Vater zu und badet seinen inwendigen Menschen in diesem Ozean unerschöpflicher, unbezwinglicher, triumphierender Liebes- und Machtfülle, die der Vater dem Sohne gegeben hat und von welcher der Sohn nach dem Wohlgefallen Seines Vaters den ausgiebigsten Gebrauch machen wird in den zukünftigen Zeitaltern der Zeitalter.

a) Die Lebendigmachung aller

“Denn gleichwie in Adam alle sterben, also werden auch in Christo alle lebendig gemacht werden.” Das ist eine der kühnsten Folgerungen, die der Apostel aus biblischen Tatsachen zieht. Sie ist so kühn, so überwältigend in ihrer Einfachheit, daß es gar nicht zu verwundern ist, wenn unser träger und hartnäckig ungläubiger Sinn sich davor sträubt und alle erdenklichen Haken und Häklein aufsucht, an denen er seine zahlreichen Wenn und Aber aufhängen kann, nur um das nicht so nackt und unbeschränkt gelten lassen zu müssen. Da hilft aber alles nichts. Das Wort steht fest und ist nicht zu erschüttern.

Weil dem nun so ist und man nicht daran vorbei kann, es zuzugeben: So wie die gesamte Menschheit dem Tode ausnahmslos verfallen ist, also werden auch in Christo alle lebendig gemacht werden, — werden andere Mittel versucht, sich dem Vollgewicht dieser gewaltigen Worte zu entziehen. ja, sagt man, wohl werden alle Menschen dereinst aufgeweckt werden, aber den Gottlosen wird eben durch diese Auferweckung eine Leiblichkeit gegeben, die zum Erleiden endloser Höllenqual besonders geeignet ist. Damit glaubt man das Zeugnis des Apostels dahin entkräftet zu haben, daß es dennoch nicht lehre, alle Menschen würden schließlich einmal des ewigen Lebens teilhaftig.

Es wird sich lohnen, diesem eigentümlichen Verfahren ein wenig genauer auf die Finger zu sehen. Was tut man nämlich? Man zerteilt dieses Zeugnis und läßt seine gesegnete, köstliche Bedeutung nur für einen Teil, und zwar den geringsten, der adamitischen Menschheit gelten. Man schaltet stillschweigend den größten Teil, die im Unglauben dahinsterbende Menschheit, davon aus und beschränkt es willkürlich auf die an Christus gläubig gewordenen Menschen. Mit welchem Recht? Ohne das Recht nüchterner biblischer Auslegung.

Den ersten Teil des Satzes, wonach in Adam alle sterben, kann man natürlich nicht verleugnen oder einschränken, es sei denn, man brächte sich in hoffnungslosen Gegensatz zu überwältigendem Schriftzeugnis. So unterschiebt man in dem kleinen Nachsatz “Also werden in Christo alle lebendig gemacht werden” diesem Worte “lebendig machen” einen doppelten Sinn. Für die Gläubigen sollen diese Worte bedeuten, daß sie in Christo zu ewiger Seligkeit und Herrlichkeit lebendig gemacht werden. Für die ganze übrige Menschheit aber sollen dieselben Worte das schnurgerade Gegenteil besagen: sie würde durch Auferweckung nur zu endloser Marter befähigt. Solche Kunststücke leistet man sich mit einem ganz einfachen, durchsichtig klaren Wort Gottes, um nur nicht das dogmatische Schreckgespenst von endloser, zweck- und zielloser Verdammnis in der Hölle aufgeben zu müssen. Ein ganz einfacher, theologisch unverdorbener Mensch wird nie auf den Gedanken kommen, wenn er solche Worte zum erstenmal liest, ein und demselben Wort in diesem einen kurzen Satz einen durchaus gegensätzlichen Sinn zu geben.

Dazu kommt noch, daß sich der Apostel hier im Griechischen eines Ausdrucks bedient, der in der Schrift wiederholt von der Herrlichkeitsauferstehung des Christus selber gebraucht wird. Es ist nicht das gewöhnliche “egeirein” (aufwecken), das auch ein bloßes Wiederbeleben zum natürlichen, psychischen Dasein bedeutet; sondern es ist “zoopoiein” (lebendig machen, Leben hervorbringen), so recht eigentlich das bezeichnende Wort für die Hervorbringung des neuen, göttlichen, unvergänglichen Lebens (zoä) aus dem Tode. Die Parallele mit Adam fordert ja auch geradezu, daß die Übereinstimmung nach beiden Seiten eine vollständige sei: So gewiß alle Menschen des adamitischen Todeswesens teilhaftig geworden sind, ebenso gewiß sollen alle Menschen des unvergänglichen Lebens in dem zweiten und letzten Adam, Christus, teilhaftig werden. Das erste “alle” hat keinen größeren Umfang als das zweite. Und was immer an Tod, sei es erster, sei es zweiter, durch den ersten Adam eingeführt worden ist, — das Leben, das der zweite Adam bringt, hebt jenen vollständig auf. Oder ist denkbar, daß hier wieder ein Hintergedanke liegt, wonach Christus wohl dem ersten Tode, aber doch nicht dem zweiten gewachsen sei? Durch wen ist denn der zweite Tod eingeführt worden? Hat der einen anderen Ursprung als der erste? Ist der etwa nicht der Sünde Sold?

b) Die Ordnung dieser Lebendigmachung

“Ein jeglicher aber in seiner Ordnung.” Zunächst heißt es wieder mit Bestimmtheit: ein jeglicher. Nicht ein einziges verstorbenes Menschenkindlein wird vergessen oder übersehen werden. Auch wird sich niemand dem entziehen können. Denn Christus ist dazu gestorben und wieder lebendig geworden, daß Er über Tote und Lebendige der Herr sei, also das unbeschränkte Verfügungsrecht habe (Röm. 14, 9).

Das hier mit Ordnung übersetzte Wort (tagma) ist ein militärischer Ausdruck. Wir würden dafür setzen können Abteilung, Kompanie, Bataillon, Truppenteil. Wir sehen also deutlich, wie damit die Vorstellung einer wohlgegliederten und genau beobachteten Ordnung und Reihenfolge unzertrennlich verbunden ist. Auch im Weltkrieg gab es Erstlinge, d. h. Truppenteile, die in einem solchen Grade von Bereitschaft standen, daß sie in weniger als 24 Stunden schon dem Feinde gegenübertreten konnten. Die andern, nicht weniger treu und kampfesmutig, rückten nach und werden fort und fort nachrücken, solange man ihrer bedarf. Ein jeglicher in seiner Ordnung. So ist der Sinn auch hier. Das Wort will in wirksamer Weise aufräumen mit der Vorstellung, alle Gestorbenen der ganzen Menschheit würden zugleich auferweckt und dann in einem einzigen großartigen, dramatischen Gerichtsakt vor dem Richterthron Christi zu erscheinen haben und dort auf ewig in zwei Gruppen geteilt, wie sie eine Theologie, die sich um die großen Zukunftsdinge wenig gekümmert hat, durch Jahrhunderte unter das christliche Volk gebracht und wie sie auch die christliche Kunst den Gemütern eingeprägt hat.

Hier muß nun das Wort von der göttlichen Ordnung der Auferweckung bei uns zu seinem vollen Recht kommen. Andernfalls bleiben wir beständig das Opfer hoffnungsloser Unklarheit und Verwirrung. Und welches ist nun die von Gott selbst bestimmte Ordnung?

“Der Erstling Christus.” So geziemt es sich. Denn nach Kolosser 1, 18 ist Er “der Anfang, der Erstgeborene aus den Toten, damit Er in allem den Vorrang (Vortritt) habe (oder: der Erste sei)”. Dabei ist es bezeichnend und unserer sorgfältigen Beachtung wert, daß Er nicht außerhalb oder über dieser ganzen göttlichen Ordnung steht, sondern Er ist der eigentliche Beginn dieser wohlgegliederten Ordnung, die in Ihm ihren Bestand und ihre garantierte Durchführung hat. Der nun in das Unverwesliche versetzte Mensch Christus Jesus ist das A und das O, der Anfang und das Ende dieser wunderbaren göttlichen Gliederung und Gruppierung einer ganzen aus dem Tode zum Leben zu bringenden Menschheit.

“Danach, die Christo angehören, bei Seiner Wiederkunft.” Um Ihn, den Ausgangs- und zugleich Mittelpunkt des ganzen wunderbaren Gottheitskörpers, des neuen Menschheitsleibes, der dem Tode für immer entrissen werden soll, reiht sich nun in konzentrischen und immer weiter reichenden Kreisen Bereich um Bereich an, die alle in geordneter Folge von den Kräften des unvergänglichen Lebens durch Auferweckung wirksam ergriffen und durchdrungen werden sollen. Die erste bedeutende Gruppe umfaßt alle, die dem Christus als Glieder angehören bei Seiner Wiederkunft aus dem Himmel, wohin Er sich für die Dauer des ganzen gegenwärtigen Zeitlaufs zurückgezogen hat. Der jetzige Zeitlauf dient ja eben der Sammlung und Zubereitung derer, die durch den Heiligen Geist und das Evangelium vom Sohne Gottes in lebendige Gemeinschaft und Einheit mit dem Sohne Gottes versetzt und so zu echten, gleichberechtigten Söhnen Gottes gestaltet und in das Ebenbild ihres erstgeborenen Bruders umgewandelt werden.

Hier taucht nun noch eine andere Frage auf, die von verschiedenen teuren Knechten Gottes verschieden beantwortet wird, die Frage nach einer seit der Auferweckung Jesu fortgesetzten Auferweckung von auserwählten Heiligen aller seitherigen Jahrhunderte (”Ausauferstehung”, griech. exanastasis; siehe Phil. 3, 11 – Anm. des Bearbeiters). Wir möchten dieser Frage kein zu großes Gewicht beilegen. Das Wort, das uns zur Betrachtung vorliegt, gibt dazu keine Veranlassung. Vielmehr will es scheinen, als ob in jedem Fall — auch wenn man die Möglichkeit oder das wirkliche Vorkommen solcher Auferweckungen zugibt — diese nur als so seltene Ausnahmen zu fassen sind, daß sie die allgemeine Regel: “danach, die Christo angehören, bei Seiner Wiederkunft” in keiner Weise beeinträchtigen. Für das Gros (die Hauptmasse) der Gemeinde gilt wohl unbestritten diese Regel: Auferweckung erst bei Seiner Wiederkunft, nicht vorher.

c) Hernach das Ende

“Hernach das Ende.” Ein kurzes, knappes, aber sehr bedeutsames Wort. Wir fragen: Welches Ende? Denn in der Schrift, auch Neuen Testaments, ist wiederholt von “Enden” die Rede, die keineswegs immer dasselbe bedeuten. In diesem Falle gibt uns der nähere Zusammenhang sicheren Aufschluß. Da wird uns erklärt: “Wenn Er das Königreich dem Gott und Vater übergibt (zurückgibt), wann Er abgetan haben wird jede Herrschaft, Gewalt und Macht”. Daß dies noch nicht das Ende aller Dinge ist, zeigt der weitere Zusammenhang, wonach auf dieses “Ende” noch weitere großartige Akte des Sohnes Gottes folgen sollen, die alle dem eigentlichen letzten Ziel und “Ende” — da Gott alles in allen sein wird — vorauszugehen haben.

Das hier zunächst ins Auge gefaßte “Ende” bedeutet nach den erklärenden Worten des 24. Verses den Abschluß, nicht den Beginn, des eigentlichen Königreiches Jesu Christi in allen seinen himmlischen und irdischen Ausdehnungen und Abteilungen. Dieses Königreich des Gesalbten ist das eigentliche Thema aller bisher gegebenen Gottesoffenbarung. Es umschließt die Erfüllung alles dessen, wovon Gott geredet hat durch den Mund aller Seiner heiligen Propheten von Anfang an, sei es für Israel, sei es für die Nationen der Erde, sei es für die ganze harrende Kreatur, sei es für die unsichtbaren Fürstentümer, Throne und Herrschaften in den himmlischen Regionen. Denn Gott hat Seinem geliebten Sohn den Namen über alle Namen gegeben, damit in dem Namen Jesu sich aller derer Kniee beugen, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters (Phil. 2, 9-11; Apg. 3, 21).

Wir glauben durchaus nüchtern und im Rahmen der Schrift zu bleiben, wenn wir annehmen, daß bis zu dem hier ins Auge gefaßten “Ende” eine lange Reihe von Äonen ablaufen werden, in welchen eins ums andere von all den großen Dingen Gottes, davon die Schrift in Wort und Schattenbild geredet hat, zur vollendeten Darstellung kommen wird, ganz zu schweigen von der Möglichkeit, daß unser Gott auch in Zukunft noch Überraschungen für uns haben mag, von denen Er bis heute nichts gesagt hat, sowenig Er in vergangenen Zeitaltern von dem wunderbaren Geheimnis einer Gemeinde aus allen Nationen — als Leib des Sohnes Seiner Liebe — etwas hat verlauten lassen. Es kommt unserem Gott auf ein paar Ewigkeiten (Zeitalter, Weltzeiten, Äonen) mehr oder weniger gar nicht an. Seine Mittel erlauben Ihm, damit reichlich umzugehen. Er ist der Gott der Ewigkeiten. Alle dienen der Verherrlichung Seines herrlichen Sohnes. Da ist Gott nicht kärglich im Gebrauch Seiner Mittel. Ausdrücke, wie wir sie in Epheser 3, 21 und 2, 7 finden, wo von “allen Geschlechtern der Ewigkeit der Ewigkeiten (des Zeitalters der Zeitalter)” bzw. von den “noch heraufkommenden Zeitaltern” gesprochen wird, beleuchten und begründen das eben Gesagte. Der Heilige Geist bedient sich solcher gewaltigen Sprachmittel nicht, ohne begründete Ursache zu haben. Das sind keine sprachlichen Künste um des Effekts willen, sondern da wird deutlich mit einer noch unabsehbaren Reihe von künftigen Zeitaltern gerechnet.

Auch müssen wir erkennen, daß zwischen der Auferstehung des herrlichen Hauptes, Christus, und derjenigen Seines gesamten Leibes sich ein Äon ausdehnt, dessen Dauer nun bereits an zwei Jahrtausende heranreicht. Gott ist keineswegs sparsam umgegangen mit den Jahrhunderten, in denen es sich darum handelte, den Leib Seines Christus auszugestalten und seiner abschließenden Vollendung entgegenzuführen. Es leuchtet aber ein, daß diese Ausgestaltung des vollen Wuchses des Christus Gottes, bestehend aus Haupt und Gliedern, immerhin nur erst eine Vorarbeit ist. Erst nachdem er seine volle Größe erlangt hat, ist dieser ja imstande, in wirksamer Weise an die Lösung der Himmel und Erde, Menschen- und Engelwelt umfassenden Aufgaben heranzutreten, die auf ihn warten.

Nun ist es eine beliebte Vorstellung in gläubigen Kreisen, daß auf die sechs Jahrtausende Unruhe und Mühsal auf Erden der große Weltensabbat, das siebente jahrtausend folgen werde, in welchem die Ziele Gottes mit Seiner Schöpfung ebenso erreicht werden sollen, wie es damals in den sieben Tagen der Schöpfung geschah. Das sieht ja ganz biblisch aus, ist es aber keineswegs. Das einzige, was sich auf dieser Linie sagen ließe, wäre etwa, daß gleichwie jene sechs Tage ausreichten, das Haupt der alten Schöpfung in sein Herrschaftsgebiet einzuführen, also möchten die nun bald vergangenen sechs Jahrtausende genügen, um das Haupt der neuen Schöpfung zur wirkungsvollen Ausübung seiner königlichen Würde und Herrschaft zuzubereiten. Aber die eigentliche Durchführung alles dessen, was dem Christus Gottes als dem zweiten Adam obliegt zu tun, könnte dann erst in Angriff genommen werden. Auch wird der aufmerksame Forscher im Wort der Weissagung bald erkennen können, daß dem begnadigten Israel so viele und so große Segnungen und Vorrechte zugesagt sind, auch in seinen Beziehungen zur umgebenden Völkerwelt, daß man ihre geschichtliche Verwirklichung im engen Rahmen von nur tausend buchstäblichen Jahren einfach nicht unterzubringen vermag. Soll also von der Bedeutung des siebten Sabbatjahrtausends geredet werden, dann nur mit der ausdrücklichen Einschränkung, daß damit keineswegs Ziel und Grenzen gesteckt sein können für die Erfüllung alles dessen, was Gott geredet hat durch den Mund Seiner heiligen Propheten von alters her. Wie Gott ehemals die Zeit von 70 Jahren, die über Jerusalem zum Gericht bestimmt waren, ganz genau und pünktlich eingehalten hat durch die Rückführung aus Babylon, damit aber noch keineswegs die äußerste Grenze und das letzte Ende des furchtbaren Strafgerichts erreicht war, das Israel betroffen hat, — ebenso mag Gott auch die Zahl von 1000 Jahren einmal pünktlich innehalten, ohne daß sich jedoch die Erfüllung der Verheißungen für Israel und die Welt in diesen 1000 Jahren je erschöpfte. Während die von Gott bestimmten Zeiten unzweifelhaft zuverlässig sind und bleiben, hat sich der große Gott dabei doch eine ganz wunderbare Bewegungsfreiheit vorbehalten. Auch ist durchaus anzunehmen, daß unser Gott die Zeiten der Erweisungen Seiner heilbringenden, wiederherstellenden Gnade ebenso — oder noch viel mehr — ausdehnen wird als die Zeiten der Gerichte. Macht doch Gott selbst in Sacharja 8, 13 und Jesaja 54, 8 das Maß Seiner Gerichtsheimsuchungen zur Norm dessen, was Er in großer Gnade an demselben Volke tun werde. Jahrtausende Seines überwallenden Zornes nennt Jehova in der letzteren Stelle “einen Augenblick”; und da sollen nur 1000 Jahre ausreichen, um das volle Maß der “ewigen Gnade” zu bezeichnen, die Er üben will? Das stünde in einem gar zu schreienden Mißverhältnis bei dem Gott, der gesagt hat: “Wo die Sünde mächtig geworden, da ist die Gnade überströmender geworden.”

d) Alle Feinde Christi überwunden

“Wenn Er abgetan haben wird alle Herrschaft, Gewalt und Macht. Denn Er muß (als König) herrschen, bis daß Er alle Seine Feinde zum Schemel Seiner Füge gelegt hat.” — Man könnte ja versucht sein zu sagen, daß es gar nicht so gewaltiger Zeiträume bedürfe, um mit den bestehenden Herrschaften und Gewalten und Mächten aufzuräumen. Beim Rückblick auf die Vergangenheit aber, die uns doch einen gewissen Maßstab gibt für Gottes Walten in der Zukunft, werden wir sagen müssen, daß die göttliche Geduld und Langmut auch in den zukünftigen Zeiten Seinen rebellischen Geschöpfen gegenüber nicht geringer sein wird, als sie es in der Vergangenheit war. Denn Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in alle Ewigkeiten. Zumal es sich bei der Aufhebung aller und jeder Gewalt, Macht und Herrschaft um nichts Geringeres handeln kann und wird als um ihre vollständige sittliche Überwindung, nicht nur um eine gewalttätige Zertrümmerung. Zwar wird diese nach Daniel 2 und Sacharja 2, 1-4 auch ein Bestandteil bei der Aufrichtung der messianischen Herrschaft auf Erden sein. Aber geistigen Mächten und Gewalten ist mit rein äußerer Zertrümmerung allein nicht beizukommen. Dazu bedarf es vielmehr einer Fülle von sittlichen Lebensmächten, wie sie Gott bisher noch nie verfügbar hatte und verwendet hat. Diese “Fülle” hat der Vater Seinem Sohne in der Gemeinde der Gläubigen, die erst das Maß Seines vollen Wuchses ausmachen, zur Verfügung gestellt. Nach dem ewigen Vorsatz Gottes ist die vollendete Gemeinde das Organ, dessen sich der verherrlichte Sohn an Seinem großen Tage bedienen soll und wird, um allen Liebeswillen des Vaters mit Seiner ganzen Schöpfung auszuführen.

Alle Herrschaft, Gewalt und Obrigkeit ist ja verursacht und veranlaßt durch Sünde und Abfall von Gott, dem Alleinherrscher Himmels und der Erde. In einem Gemeinwesen, da jedes einzelne Glied völlig vom Geiste Gottes beseelt und regiert wäre, bestünde keine Veranlassung für obrigkeitliche Gewalt oder Herrschaft. Denn wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Nicht die Freiheit des Fleisches und des Eigenwillens, der Willkür und der Auflehnung, sondern die herrliche Freiheit echter Söhne Gottes, die unweigerlich, ohne jeden Zwang, aus vollem Liebestriebe ihre höchste Glückseligkeit darin finden, den heiligen und vollkommenen Willen ihres Gottes und Vaters in allen Stücken zu tun. Darum ist auch die wahre Gemeinde Christi, die Seinem Geiste entstammt und Seine Gesinnung teilt, nicht unter Gesetz, Vorschrift oder Satzung irgendwelchen Art gestellt, sondern unter Gnade allein. Sie hat in Christo ihr Haupt und wird in all ihren Lebensfunktionen allein von Ihm, dem lebendig machenden Geiste, bestimmt. Sie bedarf keiner Herrscher oder anderer äußerer Gewalten, keiner geistlichen Fürsten oder Obrigkeiten oder Herren. Der Apostel selbst lehnt es ab, als Herr angesehen oder behandelt zu werden (2. Kor. 1, 24).

Nun ist es nach Epheser 1, 10 das erklärte Ziel Gottes, alles in Christo unter ein Haupt zu bringen, was im Himmel und auf Erden ist. Wie das gemeint ist, geht aus Kolosser 1, 20 hervor, wonach alles durch Ihn und zu Ihm versöhnt und zum Frieden gebracht werden soll durch Ihn selbst, durch Sein Blut. Dafür ist die Gemeinde aus allen Völkern der Erde das Probestück und Modell, insofern sie aus aller Obrigkeit herausgehoben und frei gemacht ist und allein unter Ihm und in Ihm, ihrem himmlischen Haupte, stellt. An ihr wird zunächst verwirklicht, was mit dieser universalen Hauptschaft des Christus Gottes gemeint ist. Es wird in den zukünftigen Zeitaltern nur ausgedehnt, Äon um Äon, auf alle Gebiete der ganzen, weiten Schöpfung Gottes, bis daß alle Seine Feinde zum Schemel Seiner Füße gemacht sind, bis im Himmel und auf Erden jeder Widerstand, jede innere Feindschaft vollständig überwunden, jede weitere Notwendigkeit von Gewalt und Herrschaft beseitigt ist. Erst dann ist Christus das wahre Haupt des ganzen geschaffenen Alls, wenn alle Kreatur Ihm nicht nur äußerlich unterworfen, sondern innerlich einverleibt, wesentliches Organ Seiner eigenen Lebens- und Gottesfülle geworden ist. Das werden wir bei Vers 28 dieses Abschnittes mit noch größerer Klarheit und Bestimmtheit erkennen.

e) Der letzte Feind, der Tod, abgetan

Hier halten wir zunächst fest, daß der leitende Gedanke des Apostels der der endlichen restlosen Überwindung des Todes in jeder Gestalt ist. Darum folgt hier das Wort: “Als letzter Feind wird der Tod abgetan.” Es ist geradezu unfaßlich, wie man sich in den Gedanken festgeklemmt hat, daß diese Erklärung gar nicht meine, was sie sage, daß vielmehr der letzte Feind, der übrigbleibt, dem der ganze gewaltige Überrest der gottlosen Menschen samt Satan und seinen Engeln ausgeliefert wird, der andere (zweite) Tod sei. Man will es einfach nicht gelten lassen, daß Jesus auch des zweiten Todes unumschränkter Herr und Gebieter sei. Obwohl geschrieben steht, daß der Vater Ihm alle Gewalt gegeben habe im Himmel und auf Erden und daß Ihm ausnahmslos alles unter Seine Füße getan worden sei (mit alleiniger Ausnahme dessen, der Ihm alles untergeordnet hat), besteht man darauf, aus der Gewalt des zweiten Todes gebe es überhaupt keine Errettung. Wenn dem so wäre, dürfte man hier zum mindesten eine bestimmte Einschränkung vom Apostel erwarten, so wie er Vers 27 deutlich den Vater als alleinige Ausnahme von der allgemeinen Unterwerfung unter den Sohn bezeichnet.

Es wird doch dabei sein Bewenden haben, daß auch der zweite Tod nichts anderes ist als eine — wenn auch schwerste und schrecklichste — Form des Todes. Man beachte doch, daß die Schrift ihn nicht anders zu benennen weis, denn als “Tod”. Und davon gilt ohne Widerrede, daß er der letzte Feind sei, der abgetan wird. Daß er abgetan wird, ist Gottes bestimmte Zusage. Es versteht sich in diesem Kapitel über die Totenauferweckung von selbst und braucht gar nicht erst besonders hervorgehoben zu werden, daß dieses Abgetanwerden auf keinem anderen Wege geschehen kann als durch Erweisung der unerschöpflichen Lebens- und Auferstehungskräfte des ganzen, vollen Christus. Die Aufhebung des Todes als letzten Feindes ist nichts anderes als der letzte, vollständige, restlose Triumph des Lebensfürsten. Jeder Versuch, den zweiten Tod als unbezwinglich und unbeseitigt übrigbleiben zu lassen, schlägt eine Bresche in das ganze Argument des Apostels, die durch nichts ausgefüllt werden könnte, wenn sie stehenbleiben müßte.

Wir haben schon bei anderer Gelegenheit darauf hingewiesen, daß nach unserer Auffassung der Gesichtskreis des Apostels der Gemeinde in diesem 15. Kapitel des 1. Korintherbriefes ein ungemein viel weiterer ist als der des Johannes auf Patmos im letzten Kapitel der ihm geschenkten “Offenbarung Jesu Christi”. Da liegt eine Schwierigkeit für manche Schriftforscher und -leser, die man gelehrt hat, das letzte Kapitel der Apokalypse (Offenbarung) enthalte den allerweitesten Ausblick im Worte Gottes überhaupt. Daß es sich damit anders verhält, wird uns bei Vers 28 unseres Textes noch deutlicher werden. Vorab bitten wir nur eines zu bedenken: daß es sich eigentlich von selbst versteht, daß der Gemeinde, die in Christo ist, entsprechend ihrer himmlischen Berufung in Ihm, dem Haupt über das All, von ihrem Apostel über die allerletzten und -weitesten Ziele Gottes in bezug auf das ganze All, das in Ihm unter ein Haupt zusammengefaßt werden soll, der vollste Aufschluß zuteil wird.

“Denn Ihm hat Er alles unter Seine Füße getan.” Der bildliche Ausdruck “unter die Füße tun” bezeichnet eine vollständige, schlechthinnige Unterwerfung, unbeschränktes Herrscher- und Verfügungsrecht über die gesamte sichtbare und unsichtbare Schöpfung. Damit ist die endgültige Lösung und Befreiung aus aller und jeder anderen Haft und Herrschaft — der Lüge, des Irrwahns, der Selbstsucht, des Todes und des Verderbens — gewährleistet.

f) Alles Ihm unterworfen

“Wenn Er aber sagt, daß Ihm alles unterworfen sei, so ist offenbar der ausgenommen, der Ihm alles unterworfen hat.” — Man könnte versucht sein zu sagen, das sei eigentlich selbstverständlich. Um so bedeutsamer will es uns erscheinen, daß gleichwohl deutlich festgestellt wird, es gebe von der unumschränkten Souveränität des Sohnes nur diese alleinige Ausnahme. Es wird sich also keinerlei feindselige, störende, verderbliche Macht oder Persönlichkeit dieser unbeschränkten Oberhoheit, dem ausschließlichen Verfügungs- und Bestimmungsrecht des Sohnes je entziehen können. So sagt auch Hebräer 2, 8: “Indem Er Ihm aber alles unterwarf, hat Er nichts ausgelassen als nicht unterworfen.” Es sei bereitwillig zugestanden, daß diese unbedingte, auf alle Kreatur ausgedehnte Unterwerfung unter den Sohn an und für sich noch nicht freiwillig geleisteten Liebesgehorsam bedeutet. Es ist aber schon ein großer Fortschritt, wenn uns erst einmal vollständig klargeworden ist, daß die endlose Fortdauer einer die Schöpfung durchdringenden, nie unschädlich gemachten, in ungebeugtem Trotz und tödlicher Feindschaft verharrenden Obrigkeit der Finsternis aufgrund dieser Schriftworte unvorstellbar ist. — Daß jenes andere Wort des Apostels: “Wo aber die Sünde überströmend geworden ist, da ist die Gnade noch viel überströmender geworden”, auch vor den tiefsten Höllengründen nicht kehrtmacht, das bezeugen uns andere Worte unseres Gottes darüber hinaus zur Genüge.

“Wann Ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen, der Ihm alles unterworfen hat, auf daß Gott sei alles in allen (allem).” — Ein tiefes, nicht leicht zu erfassendes Wort, dessen Ausklang aber an überschwenglicher Herrlichkeit nicht übertroffen werden kann. Wer das seinem Gott und Vater ohne zweifelndes Wenn und Aber restlos glauben kann, dem fallen alle Schuppen von den Augen und alle bangen, quälenden Fesseln von Herz und Gemüt. Das ist erlösende, befreiende Erkenntnis des Heiles Gottes.

Wir fragen, ob es wohl anzunehmen sei, daß das Wort “unterworfen” im ersten Glied des Satzes (’wann Ihm aber alles unterworfen sein wird’) einen Stand der Dinge im Weltenall bezeichnen kann, der den größten Teil der intelligenten Schöpfung im Zustand nie endender ohnmächtiger Feindseligkeit, unseliger Empörung und Auflehnung gegen Gott und Seinen Gesalbten bleiben läßt, — während dasselbe Wort im nächsten Satzteil (’dann wird auch der Sohn selbst sich unterwerfen’) auch nicht den allerleisesten Schatten von innerer Abneigung oder Entfremdung dulden kann? Darauf kann es doch wohl nur eine Antwort geben. Die selige Unterwerfung, die ein jedes aus dem Geiste gezeugte, in das Geheimnis des Kreuzestodes Christi eingeführte Kind Gottes aus eigener Erfahrung kennengelernt, diese und keine andere kann hier nur gemeint sein. Sie allein bildet die vollendete Parallele, die befriedigende Ergänzung zu der eigenen Unterwerfung des Sohnes unter den Vater. Etwas anderes als vollkommenste, tiefste Übereinstimmung des Willens und des Wesens kann damit nicht ausgesagt sein.

g) Gott alles in allen

Und wenn noch etwas fehlte, um diesen Ausgang der großartigen Unterwerfungstätigkeit des herrlichen Sohnes über jeden Zweifel zu erheben, dann ist es das kurze, aber unendlich vielsagende Schlußwort dieses Abschnittes: auf daß Gott sei alles in allen (oder allem). Auch hier stellen wir noch einmal die Frage: Gott soll alles in allen sein, wenn Millionen Verdammter durch alle Ewigkeiten hin sich in hoffnungsloser Feindschaft gegen Ihn verzehren möchten? Das ist ein ganz unnachvollziehbarer Gedanke, den wir ruhig ablehnen.

Gott alles in allen! Wenn in der ganzen Heiligen Schrift kein weiteres Wort geschrieben stände über den abschließenden, endgültigen Ausgang alles göttlichen Wirkens und Waltens in Schöpfung, Geschichte, Gericht und Regiment, — es wäre an diesem einen vollauf genug, um alles zu rechtfertigen und zu verbergen, was der kühnste Flug schriftgläubiger Gedanken mit unaussprechlich freudigem Herzensjubel aus den reichen Schatzkammern göttlicher Offenbarung zusammentragen mag als den eigentlichen Vollgehalt des Evangeliums Gottes. Das war es je und je, das ist es, das wird es bleiben bis in die Ewigkeiten der Ewigkeiten: Gott alles in allen!

Darüber hinaus kann es selbst für den Allerhöchsten, der Himmel und Erde besitzt, keine höheren Ziele geben. Hier liegt die Lösung aller Fragen, die Versöhnung von Himmel und Erde, die sättigende Befriedigung alles bis dahin ungestillten göttlichen und kreatürlichen Sehnens: Gott alles in allen Seinen Geschöpfen!

Es gehört fürwahr viel Wagemut dazu, an einem solch königlichen, majestätischen, unseres großen, herrlichen Rettergottes allein würdigen Wort zu deuteln, zu kürzen, zu beschneiden. Wie eine unwiderstehliche Flut ergießt sich diese Fülle Gottes über alle die erbärmlichen, kleinlichen Wenn und Aber, die wir in unserer jammervollen Selbstverherrlichung zu Dämmen, Wällen und Mauern aufgetürmt hatten, daß sie für die Allgewalt göttlicher, heiliger, verzehrender, befreiender Liebe unübersteigliche Schranken, unbezwingliche Hindernisse bedeuten sollten, — die Flut verschlingt sie alle.

Und niemand wird heller jubeln und fröhlicher aufjauchzen als eben wir töricht und unmutig Aufbegehrenden, die wir meinten, wir könnten die Überfülle göttlicher Liebes- und Herrlichkeitsgedanken fein säuberlich eindämmen und ihre Wässerlein nur still und schimmernd über unsre frommen Äckerlein rieseln lassen.

Wie wird es brausen, tosen, tönen, dröhnen, — wenn einst alle Abgrundtiefen ausgefüllt sind und überströmen werden von den lebendigen Wassern, die von dem Throne Gottes ausgehen, — wenn unter all den zahllosen Milliarden denkender, fühlender, erkennender Geschöpfe nicht ein einziges mehr in der Gottesferne ist, — wenn aller Gedanken zu allen Zeiten nur einen Inhalt, ein Ziel, eine Fülle haben — Ihn, den Vater aller Geister!

8. Taufe für die Toten und stündliche Gefährdung ohne Totenauferweckung sinnlos

“Was würden sonst die tun, die sich für die Toten taufen lassen? Wenn die Toten gar nicht auferstehen, was lassen sie sich für die Toten taufen? Und was stehen auch wir stündlich in Gefahr? Bei eurem Ruhm, den ich habe in Christo Jesu, ich sterbe täglich! Habe ich nach Menschenweise zu Ephesus mit wilden Tieren gekämpft, was nützt es mir? Wenn die Toten nicht auferstehen, so lasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot! Lasset euch nicht verführen: Schlechte Gesellschaften verderben gute Sitten. Werdet ganz nüchtern und sündiget nicht! Denn etliche unter euch wissen nichts von Gott, das sage ich euch zur Beschämung.” (Verse 29-34)

Das erste Argument des Apostels in diesem Abschnitt berührt uns eigenartig. Es bezieht sich auf einen Brauch jener ersten Zeit, der uns fast unverständlich geworden ist, da sich bei uns die Lehre und Praxis der Taufe bedeutend verschoben hat. So hat sich dieses Wort auch sehr viele Deutungen gefallen lassen müssen. Ein sorgfältiger Ausleger will nicht weniger als 23 verschiedene gefunden haben. Wir geben hier einmal wieder, was uns als eine der einleuchtendsten Auslegungen erscheint. Wir haben sie dem Dächsel’schen Bibelwerk entnommen: “Während sonst gewöhnlich die Taufe eine Aufnahme in die Gemeinde der lebenden Christen war, ist hier von solchen die Rede, bei denen sie zu einer Aufnahme in die Gemeinde der Christo angehörenden Toten wurde, indem sie noch auf ihrem Sterbebett sich taufen ließen. Bettlägerige Patienten, die nichts anderes als den Tod zu erwarten hatten, nahmen gleichwohl noch die Taufe an … Solche Täuflinge nun wurden nicht für die Lebenden, um deren Gemeinde einverleibt zu werden, getauft, sondern für die Toten in Christo (1. Thess. 4, 16). Denen wollten sie, wenn sie aus dieser Welt gingen, zugesellt sein, um an deren Hoffnung, durch Christus zum ewigen Leben auferweckt zu werden, gewissen Anteil zu haben. Es wäre aber dies ihr auf die Zukunft gerichtetes Tun eine reine Illusion, wenn die Auferstehung der Toten nichts wäre. Das ist es, was der Apostel den Korinthern zum Bewußtsein bringen will.”

Diesem Hinweis fügt dann der Apostel noch einen weiteren auf seine eigene beständig gefährdete Lage hinzu. Der täglich dem Tode ausgesetzte Apostel begründet seine Sterbensfreudigkeit mit der Gewißheit der Totenauferstehung. Er sagt: Was nützt es mir, wenn die Toten nicht auferstehen? Dann wäre es ja ausgemachte Torheit, wenn wir Apostel Christi unser Leben Tag für Tag aufs Spiel setzen, statt uns bei jeder ernsten Gefahr in Sicherheit zu bringen. Dann hätten jene Philosophen bei euch in Korinth ganz recht mit ihrer Lebensweisheit: Laßt uns essen und trinken, denn morgen ist mit unserm Tode alles aus. In jener Gemeinde müssen solche Anschauungen materialistischer Art ziemlich stark um sich gegriffen haben. Die Korinther haben wohl, wie es auch heutzutage geschieht, mit solchen leichten Lebensauffassungen stark geliebäugelt und sich von ihnen anstecken lassen. Die guten Sitten geistlicher Zucht erlitten hierdurch bedenklichen Schaden. Da tat eine gründliche Ernüchterung not.

9. Mit was für einem Leibe kommen die Toten?

“Aber, wird jemand sagen: Wie sollen die Toten auferstehen? Mit was für einem Leibe sollen sie kommen? Du Tor, was du säest, wird nicht lebendig, es sterbe denn! Und was du säest, das ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, vielleicht Weizen oder von einer andern Frucht. Gott aber gibt ihm einen Leib, wie Er’s bestimmt hat, und einem jeglichen Samen seinen eigenen Leib.” (Verse 35-38)

Mit diesen Worten wendet sich nun der Apostel dem großen zweiten Hauptthema des Kapitels zu, der Frage nach der Beschaffenheit unseres Auferstehungsleibes. Es darf ja zugegeben werden, daß hier allerdings Fragen liegen, die für jeden denkenden Menschen von großem Interesse sind. Man kann sie nicht auf die Rechnung bloßer Neugier setzen. Sonst würde der Heilige Geist dem Apostel wohl auch nicht so reichen Aufschluß darüber gegeben haben zur Mitteilung an uns.

Man ist versucht gewesen, das starke Wort “Du Tor” (oder: du Narr), mit dem der Apostel seine Ausführungen einleitet, als scharfen Tadel gegen das Stellen solcher Fragen überhaupt aufzufassen. Aber doch wohl mit Unrecht. Uns will es vielmehr scheinen, daß die selbstverständliche Einfachheit, mit der der Apostel argumentiert, diese scharfe Anrede genügend erklärt. Die Vorgänge in der sichtbaren Schöpfung — will Paulus sagen — geben jedem denkenden Beobachter schon hinreichend deutliche Antwort auf die gestellten Fragen, wie, d. h. mit was für einem Leibe die Toten aus den Gräbern hervorkommen würden. Ohne vorheriges Sterben ist an eine leibhaftige Auferstehung überhaupt nicht zu denken. Diese Elementarweisheit hat der Schöpfer in der ganzen Natur, die einen regelmäßigen Kreislauf von Sterben und Wiederaufleben darstellt, deutlich zum Ausdruck gebracht. Alles pflanzliche Leben ist nur möglich durch das Ersterben des in die Erde gesenkten Samens. Wie unser Meister erklärte: “Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde fällt und erstirbt, sonst bleibt es allein. Wenn es aber erstirbt, bringt es viele Frucht.” So wird nach den Worten des Apostels auch der menschliche Leib erst durch das Sterben zu neuem Leben befähigt. Diese Auffassung von der Bedeutung des Sterbens kann viel dazu beitragen, uns mit der Sterblichkeit und Hinfälligkeit unseres Leibes auszusöhnen. Das ist nicht stumpfe Resignation, dumpfes Sichbeugen unter ein blindes, finsteres, unabwendbares Geschick, sondern ein dankbares Anerkennen der überlegenen göttlichen Weisheit und Allmacht, die es versteht, dem Tode jeden Stachel und jede Bitterkeit zu rauben, da doch Totenauferweckung das Zentrum alles göttlichen Heilswirkens und Heilswaltens ist.

Auch die nächste hausbackene Wahrheit und Erkenntnis ergibt sich für den einfachsten und ungelehrtesten Beobachter der Natur wie von selbst, daß nämlich das gesäte Samenkorn nicht der Leib ist, der werden soll. Niemand erwartet, dasselbe Saatkorn zu Brot verarbeitet zu genießen, das der Landmann in die feuchte Erde senkt. Jedermann weiß, daß das erst sterben und vergehen muß, ehe aus ihm eine Ernte erwachsen kann und wird. Das sind so einleuchtende Dinge, daß man sich die scharfe Anrede durchaus erklären kann, die der Apostel eingangs gebrauchte. Es ist Torheit, sich über diese uns allen geläufigen Vorgänge in der Schöpfung gedankenlos hinwegzusetzen. Die Schrift steht einer denkenden Betrachtung der natürlichen Vorgänge in der sichtbaren Welt um uns her nicht nur nicht ablehnend oder feindlich gegenüber, sondern setzt sie bei uns geradezu voraus. Denn die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündet Seiner Hände Werk. Naturstudium und Christenglaube sind keine sich ausschließenden Gegensätze, sie fordern einander sogar.

Und wenn der Apostel weiter sagt: “Gott aber gibt ihm einen Leib, wie Er’s bestimmt hat, und einem jeglichen Samen seinen eigenen Leib”, dann ist das wieder eine Anwendung aus der Natur: von dem aller Säearbeit unterliegenden Gesetz, daß gleiche Saat nur gleiche Ernten bringt. Niemand erwartet, Kohl zu ernten, wo er Kartoffeln gesteckt hat, oder Weizen, wo er Hafer ausgestreut hat. Das soll heißen, der zukünftige neue Auferstehungsleib steht in der allerengsten verwandtschaftlichen Beziehung zu dem im Tode gesäten oder gepflanzten sterblichen und verweslichen Leib. Es ist nicht etwas Willkürliches, nach Form und Gattung grundsätzlich Verschiedenes, was als neuer Leib aus den Banden der Verwesung erstehen wird; vielmehr folgt Gott darin bestimmten festen und klaren Gesetzen und Ordnungen, die zum mindesten ebenso zuverlässig sind wie die des natürlichen Wachstums, nach welchen wir mit Bestimmtheit das gleiche Getreide oder Gemüse ernten, das wir in der Form von Samen oder Stecklingen oder Ablegern in die Erde gesenkt haben.

10. Verwesliche und unverwesliche Leiblichkeit

“Nicht alles Fleisch ist von gleicher Art, sondern ein anderes haben die Menschen, ein anderes das Vieh, ein anderes die Fische, ein anderes die Vögel. Und es gibt himmlische Körper und irdische Körper, aber eine andere Herrlichkeit haben die Himmelskörper, eine andere die irdischen. Einen anderen Glanz hat die Sonne, und einen anderen Glanz hat der Mond, und einen anderen Ganz haben die Sterne; denn ein Stern unterscheidet sich von dem andern durch den Glanz. Also auch die Auferstehung der Toten: Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher (seelischer) Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Es gibt einen natürlichen (seelischen) Leib und gibt einen geistlichen Leib.” (Verse 39-44)

Wies uns der Apostel eben auf die festgesetzte Gleichartigkeit des nach der Aussaat aus der Erde hervorwachsenden Getreides oder Gewächses mit dem gesäten Korn oder anderen Samen hin, so hebt er jetzt das andere Gesetz in Gottes großer Schöpfung hervor: das der Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit. Und es ist bezeichnend, daß er dabei den Boden der Pflanzenwelt verläßt und seine Illustrationen von der lebendigen Kreatur nimmt, die fleischliche Leiblichkeit besitzt: Menschen, Tiere, Fische, Vögel. Der Apostel tritt damit dem Gedanken an die wirkliche leibhaftige Fleischlichkeit unserer Leiber näher, während er bis dahin nur im Bilde vorn Samenkorn geredet hatte. Seine Absicht bei diesen Worten von dem verschieden gearteten Fleisch ist wohl die, den Weg vorzubereiten und anzubahnen zu weiteren, reicheren Mitteilungen über die Wirklichkeit echter Leiblichkeit als Ziel der Wege Gottes durch Auferweckung aus dem Tode. So verschieden auch das Fleisch der genannten Geschöpfe ist, sie alle sind darin eins, daß zu ihrem wesentlichen Bestande ein fleischlicher Leib gehört. In diesem Stück besteht zwischen Mensch und Tier eine wesentliche Übereinstimmung. Die Zusammengehörigkeit und Gemeinsamkeit der ganzen irdischen Schöpfung ist damit gekennzeichnet. Das ist für uns äußerst wertvoll zum richtigen Verständnis von solchen Ausführungen, wie sie derselbe Apostel in Römer 8, 19-23 macht über das sehnliche Harren der übrigen Kreatur auf die Offenbarung der Herrlichkeit der Söhne Gottes, die selber zuvor auf ihres Leibes Erlösung aus aller Sterblichkeit und Verweslichkeit zu warten haben. Auch da ist die ganze Kreatur in eins zusammengebunden, was die Hoffnung auf Erlösung der Leiblichkeit aus aller Vergänglichkeit und Nichtigkeit betrifft.

In Vers 40 steigt die wichtige Frage auf, ob man nicht lesen dürfe: “Es gibt himmlische Leiber und irdische Leiber.” Sprachlich ist gegen eine solche Übersetzung des griechischen Wortes hier ebensowenig einzuwenden wie z. B. in Römer 8, 11 oder Philipper 3, 21, wo dasselbe Wort gebraucht ist. Obschon unsere Kenntnis von der etwaigen Leiblichkeit der Engel keineswegs sehr ausgedehnt ist, können wir eine solche Deutung nicht ohne weiteres ablehnen. Denn an verschiedenen Stellen redet die Schrift in unzweideutiger Weise von Leiblichkeit bei den Engeln, wenn diese auch von der unsrigen gewiß sehr verschieden sein mag. (Man vergleiche 1. Mose 18, wo die Engel bei Abraham das ihnen zubereitete Mahl zu sich genommen haben, oder Psalm 78, 25, wo das von den Kindern Israel alltäglich gesammelte Man geradezu “Engelsbrot” genannt wird.) Auch wenn man annimmt, daß die Engel nicht beständig an eine solche Leiblichkeit gebunden sind, die wie die unsere irdische Speise zu sich nehmen kann, so geht aus solchen Worten doch hervor, daß sie das Vermögen besitzen müssen, sich je nach Bedarf zu verkörpern in einer Weise, die grundsätzlich von unserer Leiblichkeit nicht zu unterscheiden ist. Die biblischen Beispiele dafür vom Sichtbar- und Greifbarwerden der Engel sind zahlreich genug. Zudem gibt es schon auf unserer Erde feine und feinste Stoffe, die von unseren Sinnen — wie Sehen, Hören und Greifen nicht mehr wahrgenommen werden können, aber nichtsdestoweniger materiellen Charakter tragen. Der mächtige Wasserdampf, verschiedene Gase und Luftarten sind unseren Augen und Händen unfaßbar. Nun sagt der 104. Psalm: “Er macht Seine Engel zu Winden und Seine Diener zu Feuerflammen.” Das Wort kann sprachlich ohne Zwang auch umgekehrt gelesen werden: Er macht Winde zu Seinen Boten und Feuerflammen zu Seinen Dienern. Das heißt doch jedenfalls, daß zwischen den sogenannten Naturerscheinungen der Winde und des flammenden Feuers einerseits und den himmlischen Gesandten andererseits gottgesetzte Beziehungen bestehen, die uns nicht berechtigen, zwischen aller irdischen Stofflichkeit und den himmlischen Wesen, die wir Engel (d. h. Boten, Gesandte) nennen, eine unübersteigliche Schranke zu sehen.

Und nun folgen einige der anschaulichsten und einleuchtendsten Gegensätze zwischen der Leiblichkeit, die gesät wird, und derjenigen, die auferstehen soll.

Zuvor aber stellen wir fest, daß der einfache Wortlaut keinen Zweifel darüber aufkommen läßt, daß das, was gesät wird, auch auferstehen soll und wird. Hier ist kein Raum für die beliebte Annahme, daß es für den ins Grab oder in die Gluten des Krematoriums hinabgelassenen toten Körper nie mehr eine Verwendung geben könne und werde.

Das erste Gegensatzpaar heißt: verweslich und unverweslich. Nichts ist leichter zu verstehen, so unbegreiflich uns auch das göttliche Verfahren erscheinen mag, unsere leibliche Stofflichkeit so radikal umzuwandeln. Seit Jahrtausenden ist die Menschheit rat- und hilflos an den Rand des Grabes getreten und hat ungezählte geliebte Menschenleiber der unaufhaltsamen Verwesung überlassen müssen. Gewiß, man hat schon vor Jahrtausenden in Ägypten das Gerüst und Gehäuse des wunderbaren Menschenleibes durch Einbalsamierung vor der so entsetzlichen Verwesung zu schützen gewußt. Aber ist eine Mumie ein entsprechender Ersatz, so daß man sie bei sich im Hause oder im Zimmer haben möchte? Gottes Verfahren lautet anders: “… und wird auferstehen unverweslich.” Wieder haben es die Alten verstanden, ihre Gedanken und Erlasse, ihr Wissen und Können auf tönernen Täfelchen unversehrt bis auf unsere Tage zu überliefern. Der Zahn der Zeit hat sie weder vergilben noch zermürben können. Aber unverweslich ist doch noch etwas anderes als starr und tot und gefühllos, wenn auch wunderbar haltbar. Ein lebendiger Organismus, dem der Tod in keinerlei Gestalt jemals mehr nahen kann, der keinem Verfall, keinem Welken und Hinsiechen je wieder ausgesetzt sein wird. Das kann nur unser Gott wirken.

Gesät in Unehre, auferstehen in Herrlichkeit. Es ist ja doch eine namenlose Schmach, daß das wunderbarste Gebilde, das wohl je aus des großen Schöpfers Hand hervorgegangen, der Mensch, aus dem Staube der Erde gebaut und geformt, zu einem Gegenstand unbeschreiblichen Grauens und Entsetzens wird, den man nach wenigen Tagen, trotz allem tiefen Weh darob, schleunigst aus dem Gesichtskreis entfernen muß, den Würmern zur Speise. Und eben dieses Gebilde soll auferstehen in Herrlichkeit. Es ist kaum zu fassen. Doch die Schrift sagt klar: “welcher den Leib unserer Niedrigkeit verwandeln wird in Übereinstimmung mit dem Leibe Seiner Herrlichkeit” (Phil. 3, 21).

Gesät in Schwachheit, auferstehen in Kraft. Gestern noch ein Hüne an Gestalt und Wuchs, ein Riese an Körperkräften und Ausdauer, der allen Feinden Trotz bieten konnte, und morgen hilfloser als ein Neugeborener, als ein Würmlein im Staube. Und auferstehen in Kraft? In wessen Kraft? Des Allmächtigen, des allein Gewaltigen, der Himmel und Erde gemacht hat, der alle Dinge trägt mit dem Wort

Seiner Macht, der große Wunder tut, und es ist niemand, der tun könnte wie Er. Der dem Sohne alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden und Ihm alles unterworfen. In Seiner unerschaffenen, unerschöpflichen Kraft sollen sie auferstehen, um nie mehr zu ermüden, nie zu erlahmen, nie zu wanken noch zu weichen angesichts aller erdenklichen Gegenkräfte oder -mächte. Das ist Gottes Ziel mit denen, die Er aus dem Staube ruft. O ein wunderbarer Gott!

Gesät ein seelischer Leib, auferstehen ein geistlicher Leib. Der letzte Ausdruck kann leicht dahin mißdeutet werden, daß es sich um eine geisthafte, unstoffliche Körperlichkeit handeln könnte. Um dieser Mißdeutung entgegenzutreten, brauchen wir nur zu fragen, was ein seelischer Leib sei, wie wir ihn nach den Worten des Apostels in der Gegenwart an uns tragen. Das ist nicht etwa ein Leib, der aus lauter Seele besteht, sondern eine Leiblichkeit, deren Lebensbestand in der sogenannten Seele liegt, deren Träger der wunderbare rote Saft ist, Blut genannt. Unsere Seele liegt im Blute, lehrt die Schrift mit Nachdruck von Anfang an (3. Mose 17, 11; 5. Mose 12, 23). Am Kreuz hat unser Herr und Heiland Sein Leben, das ist Seine Seele für uns ausgeschüttet (Ps. 22, 15). So ist nun ein geistlicher Leib ein solcher, dessen Lebensbestand nicht länger im Blute ist, sondern allein in dem lebendig machenden Geiste, der unmittelbar alle körperlichen Funktionen unterhält, nährt, beherrscht und sich völlig untertan macht, also daß, meine Leiblichkeit nun nicht mehr das geringste Hindernis, nicht mehr die leichteste Fessel bedeutet für alle Bewegungen und Unternehmungen meines erlösten Geistes, vielmehr das willigste und gefügigste und entsprechende Organ ist zur vollendeten Ausführung alles dessen, was mein Geist bestimmt und bezweckt.

11. Der erste Mensch und der zweite Mensch

“So steht auch geschrieben: Der erste Mensch, Adam, ward zu einer lebendigen Seele; der letzte Adam zu einem lebendig machenden Geiste. Aber der geistliche ist nicht der erste, sondern der seelische, danach der geistliche. Der erste Mensch ist von Erde, irdisch; der zweite Mensch ist (der Herr) vom Himmel. Welcherlei der irdische, solcherlei sind auch die irdischen, und welcherlei der himmlische, solcherlei sind auch die himmlischen. Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, so werden wir auch tragen das Bild des himmlischen. Das aber sage ich, Brüder, daß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können. Auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit.” (Verse 45-50)

Das sind großartige, das Herz erhebende Enthüllungen, wie sie kein Menschengeist je aus sich ersonnen hat noch hätte ersinnen können. An der gähnenden Gruft, im Angesicht der schaurigen Verwesung und Zersetzung auch des stolzesten und zauberschönsten Menschenleibes macht der unerschrockene Geist des Menschen kehrt und bekennt sich unfähig, auf irgendeine der tausend ergreifenden und, seit es Tod gibt, nie verstummenden Klagen und Fragen bestimmten Bescheid zu geben. Im allgemeinen hat die Philosophie sich nicht besser zu helfen gewußt, als irgendwelche Wiederverwendung unserer hinfälligen Leiblichkeit für ein etwaiges zukünftiges Fortleben nach dem Tode vollständig zu leugnen. Sie ist so ganz erstarrt vom Anblick dessen, was uns naturgemäß mit unsagbarem Schauder erfüllt, daß ihr jede Schwungkraft erlahmt ist und sie keinen andern Trost zu geben vermag als den einer rein geistigen, durchaus leiblosen Fortexistenz, die man dann auf das wunderbarste aufgeputzt hat als eine viel erhabenere Form des menschlichen Daseins als die gegenwärtige oder auch irgendeine andere, die noch etwas mit materieller Leiblichkeit zu tun haben soll. So hat die Welt in ihrer Weisheit unseren Gott in Seiner Weisheit nicht verstanden und damit ihren vollständigen Bankrott erklärt gerade auf einem Gebiet, auf dem der menschliche Geist nie müde wird, die allerdringlichsten Fragen zu stellen. Aber das Höchste, was uns von stolzen Geistern geboten wird, sind lauter unbeantwortete Fragezeichen. Hier aber, im Wort der Schrift, ist kein unsicheres Fragen und Tasten, hier ist ruhige, lichte, folgerichtige Darlegung von geoffenbarten Tatsachen, die dem einfältigen Gläubigen gar keine Schwierigkeiten bieten, wenn ihm auch nicht alle Fragen nach dem von Gott dabei eingeschlagenen Verfahren im einzelnen beantwortet werden. Mit einem Wort der Schrift beginnt der Apostel seine Ausführungen: “Es steht geschrieben: Der erste Mensch, Adam, ward zu einer lebendigen Seele; der letzte Adam zu einem lebendig machenden Geiste.”

Wenn hier deutlich erklärt wird, der erste Mensch, Adam, sei zu einer lebendigen Seele geworden, dann ist damit ganz frei und unumwunden zugegeben, daß damit noch keineswegs das ganze, volle Maß dessen erreicht oder auch nur erstrebt worden sei, was in dem vorher ausgesprochenen Programm Gottes enthalten war: “Lasset uns Menschen machen, ein Bild in unserem Gleichnis.” Erst der zweite und letzte Adam, Christus, ist das Ebenbild des göttlichen Wesens, die vollendete Ausstrahlung Seiner Herrlichkeit (Hebr. 1, 3). Erst in dem Auferstandenen und Erhöhten zur Rechten Gottes wohnt die ganze Gottesfülle leibhaftig (Kol. 2, 9). Dabei ist es sehr bedeutsam, daß Christus hier nicht nur der zweite, sondern mit Bestimmtheit der letzte Adam genannt wird. Eines dritten bedarf es also unter keinen Umständen. Der zweite Adam wird nicht verfehlen, in jeder Hinsicht alles zur erschöpfenden Erfüllung und Darstellung zu bringen, was Gott schon bei der Erschaffung des ersten Adam als Absicht und Ziel ausgesprochen hatte, was aber durch den Fall und das gänzliche Versagen eben jenes ersten Adam nicht zur Ausführung kommen konnte. Und da nach der Schrift unserem Gott alle Seine Werke von Anbeginn bewußt sind, so darf man mit Bestimmtheit annehmen, daß auch das Versagen des ersten Adam mit in Seine Rechnung einbezogen war, so daß von einer ernsten Enttäuschung auf seiten unseres Gottes nicht geredet werden darf.

Wenn nun weiter gesagt ist, daß der letzte Adam zu einem lebendig machenden Geiste wurde, so müssen wir uns auch da klarwerden, was damit gemeint ist und was nicht. Zunächst ist deutlich ausgesprochen, daß Christus das nicht beständig war, sondern es erst wurde. Und zwar — darüber kann kein Zweifel bestehen — durch Auferstehung aus den Toten. Denn zuvor war Er allen Kindern des ersten Adam gleich in Seiner Gebundenheit und Beschränktheit in bezug auf Zeit und Raum, war abhängig und unterworfen allen natürlichen Gesetzen und Ordnungen des irdischen Menschenlebens, konnte und mußte hungern und dürsten, weinen und klagen, zittern und zagen, leiden und sogar sterben. Aber durch den Geist der Herrlichkeit ist Er als Erstling aus all dieser Gebundenheit und Niedrigkeit für immer befreit worden und der Anfänger und Ursacher einer ganz neuen Menschheit geworden.

Nach der anderen Seite müssen wir uns vor der Vorstellung hüten, als bedeute der Ausdruck “ein lebendig machender Geist”, Seine wahre Leiblichkeit sei aufgelöst oder völlig beseitigt worden. Nein, denn es steht geschrieben, daß in Ihm, dem Erhöhten zur Rechten der Kraft, alle Fülle der Gottheit — also alle Fülle des Geistes, der Weisheit und der Erkenntnis, der Kraft und der Herrlichkeit — leibhaftig wohnt. Das ist das Überschwengliche, das Unfaßliche und doch so unbeschreiblich Große und Beseligende an diesem kündlich großen Geheimnis der Gottseligkeit, daß der lebendig machende Geist nicht ganz und gar mit aller Leiblichkeit aufgeräumt und sie für alle Ewigkeiten abgetan und beseitigt hat, sondern daß diese unbegrenzte Geistesfülle auf ewig zu einer vollendeten Einheit, einem organischen Zusammenschluß in einer gottmenschlichen Persönlichkeit gelangt ist. Damit ist aller und jeder bisher vorhandene Zwiespalt und Gegensatz zwischen Geist und Materie für immer behoben und jede Kluft innerhalb der ganzen weiten Schöpfung unseres Gottes, der Geist ist, restlos ausgefüllt. Dabei verliert weder die Körperlichkeit etwas von ihrer Eigenart noch der Geist von der seinigen. Aber die bis auf den heutigen Tag uns allen so schmerzlich bewußte Feindschaft zwischen Fleisch und Geist, zwischen dem Leibe dieses Todes und dem neuen Wesen des Geistes, der sich unsern noch sterblichen Leib aber schon zu Seinem Tempel erkoren, ist und bleibt für alle Zeiten beseitigt und wird nie wieder ein Menschenkind quälen oder stören, wenn dieses Wort seine volle Erfüllung gefunden haben wird, d. h. wenn wir tragen werden das Bild des himmlischen Menschen.

In Vers 46 wird noch einmal besonders hervorgehoben, daß es nicht zufällig so geworden ist, wie es wurde, sondern daß unser Gott — hier wie überall — Seine eigene feste, unwandelbare und wohlgeplante Ordnung hat und befolgt. Es mußte und sollte das seelische Blutleben des ersten Menschen zuerst seine volle Gelegenheit haben, sich mit dem göttlichen Walten auseinanderzusetzen. Das ist geschehen, mit dem Ergebnis, daß sich der seelische Mensch als durchaus unfähig erwies, seinen Gott und Schöpfer auch nur zu verstehen, geschweige denn Ihm in allen Stücken gehorsam und ergeben zu sein. Die fromme, gebildete und machtvolle Welt hat den ersten und einzigen Menschen, dem Sein Vater bezeugen durfte: “Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe”, den einzigen, der Seine Feinde herausfordern durfte: “Wer unter euch kann mich einer Sünde zeihen?”, den einzigen, der sich nie irgendeines Gedankens, eines Wortes oder einer Tat zu schämen brauchte, verworfen und hinausgestoßen und gemordet. Damit ist und bleibt der seelische Mensch mit seiner ganzen noch so ehrenwerten und hochgebildeten Nachkommenschaft aller Zeiten gerichtet. Der Versuch ist alle Opfer wert, die er gekostet hat, denn nun braucht er niemals mehr wiederholt zu werden. Die Sache ist endgültig erledigt vor den Augen der ganzen Engelwelt, die dabei aufs tiefste nicht nur interessiert, sondern aktiv beteiligt ist, denn aus ihr stammen Sünde und Finsternis, die nun für immer überwunden und schadlos gemacht worden sind.

Daß gesagt wird, der erste Mensch sei von der Erde und darum irdisch gewesen, will bedeuten, daß ein anderes Ergebnis der Entwicklung und Geschichte des seelischen Menschen wohl nicht zu erwarten war. Unser Gott hat sich in dieser Hinsicht nie übertriebenen Vorstellungen oder Hoffnungen hingegeben. Er war sich dessen voll bewußt, was es bedeuten werde, wenn Er den Menschen bildete und baute aus dem Erdenstaub einer schon damals von Todeskräften durchzogenen Behausung des ehemaligen hervorragenden, hohen Engelgeistes, der zum Satan wurde und dann ohne große Schwierigkeit den seelischen Menschen in seinen Bannkreis zog und in seinen Sturz verwickelte. Das waren lauter Faktoren und Umstände, über die sich unser Gott wohl klare Rechenschaft gegeben, ehe Er handelte. Er hat mit vollkommener Weisheit die Kosten überschlagen, d. h. mit sorgfältiger Abwägung alles dessen, was zur letztlichen Durchführung Seines wunderbaren Liebesrates und zur ebenfalls gründlichen Vereitelung aller Machenschaften des Widersachers dienen werde. Und so ist es auch gegangen.

Mit den Worten des 48. Verses wird dann die erfreuliche und gar köstliche Folgerung gezogen. Über den endgültigen Ausgang des ganzen Verfahrens Gottes mit dem ersten und dem letzten Adam — den Häuptern der ganzen Menschenwelt zweierlei Art — können wir nun vollständig beruhigt sein. Den ersten Satz: “Welcherlei der irdische, solcherlei sind auch die irdischen” hat unser Apostel in sehr eingehender Weise in den beiden ersten Kapiteln seines Briefes an die Römer ausgeführt. Dort liefert er den Nachweis, daß die ganze adamitische Menschheit rettungs- und hilflos der Sünde, der Gottentfremdung und dem Verderben preisgegeben sei ohne irgendwelchen Unterschied. “Allzumal Sünder!”, so lautet das Urteil der Wahrheit, gegen das es keine Berufung gibt. Was vom Fleisch geboren ist, ist und bleibt Fleisch, vereiteltes, verfeinertes, äußerst reizvolles und anmutiges, — aber immer nur sterbliches, welkendes, hinfälliges, gottentfremdetes Fleisch.

So beschämend und beugend dies ist, so erhebend und beglückend ist das zweite: “Welcherlei der himmlische, solcherlei die himmlischen.” Das gleiche unerbittliche Gesetz der Solidarität, der organischen Wesensgleichheit. Dort allzumal Sünder, ermangelnd des Ruhmes vor Gott; hier allzumal Kinder, desselben Geistes teilhaftig, derselben göttlichen Natur, der gleichen Unvergänglichkeit, Unsterblichkeit und Herrlichkeit, erfüllt aus Seiner Fülle, um Seine Fülle zu sein, Seine Ehre, Sein ewiger Ruhm. So triumphiert Gott über alles seelische, fleischliche Unwesen und selbsterwählte Frommtun.

Vers 49 bringt den krönenden Abschluß mit der Erklärung: “Wie wir getragen haben das Bild des irdischen, also werden wir auch tragen das Bild des himmlischen.” Das eine ist ebenso gewiß und unausbleiblich, wie das andere unleugbare Tatsache ist. Das sind unerschütterliche, sieghafte Gewißheiten, die uns über allen Erdenjammer hoch hinausheben, über alles bange und bekümmerte Fragen, wie doch alles mit der Menschheit enden werde, die gerade heute in einer Weise gegen sich selbst rast und tobt, daß man von Sinnen kommen und an allem Menschlichen irre werden möchte. Das ist ein Aus- und Durchblick, wie ihn nur unser großer, herrlicher Rettergott geben kann, der alle Dinge lenkt nach dem Rat Seines heiligen und vollkommenen Liebeswillens und dem alles dienen muß, also daß es dennoch täglich geht nach Seinem Wort, ob auch scheinbar alles drunter und drüber geht in der Welt. Er verliert die Kontrolle nicht. Mit majestätischer Ruhe und Sicherheit verfolgt und erreicht Er Seine herrlichen Ziele, denn Jesus lebt. Und Ihm ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Was es bedeutet, das Bild des irdischen zu tragen, wissen wir aus der schmerzvollen Erfahrung der müden Jahrtausende, die hinter uns liegen. Gewiß hat die adamitische Menschheit Großes geleistet auf dem Gebiet der Verschönerung, Veredelung und Verfeinerung unseres Erdendaseins. Der moderne Kulturmensch genießt unbestreitbar Vorzüge, Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten, die man früher nicht kannte. Ob deren Genuß allerdings der Menschheit im ganzen zur inneren Förderung gedient hat, muß dahingestellt bleiben. Wir bestreiten es entschieden. Soweit man beobachten kann, hat die ständige Steigerung der äußeren Vorzüge und Genüsse des Lebens die Begehrlichkeit der Leute nur gesteigert und die innere Zufriedenheit keineswegs gefördert. Man versteht heute in den allermeisten, auch vom Evangelium ergriffenen Kreisen der Bevölkerung der verschiedenen Kulturländer das apostolische Wort kaum noch: “Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, so lasset uns genügen!”

Und wenn man das Ohr an die Herzen und Stimmungen der Völker der Erde legt, was vernimmt man dann? O ja, ein tiefes, heißes Sehnen nach endlichem Aufhören dieses entsetzlichen, wahnwitzigen Mordens der blühenden Jungmannschaft der Nationen, ein Sehnen nach dauerndem Völkerfrieden, dem kein Krieg mehr folgen soll. Aber wozu will denn die kriegsmüde Menschheit diesen Frieden? Will sie ernsthaft umkehren von ihrem bisherigen Wesen und Treiben? Will man dem Jagen nach Reichtum und Wohlleben, nach mehr Genuß und Vergnügen endgültig den Abschied geben? Hat man sich in der Tat darauf besonnen, daß das Leben mehr ist als die Speise, der Leib mehr als die Kleidung, und daß der Mensch in Wahrheit nicht lebt vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort aus dem Munde Gottes? Ja, wenn es so wäre, wie bald ließe sich unser Gott erbitten und des furchtbaren Jammers gereuen, den Seine Menschheit über sich gebracht durch ihren fleischlichen, nur auf das Irdische gerichteten Sinn. Aber man will in Wirklichkeit den Frieden nur, um es wieder treiben zu können mit Verdienen und Genießen, wie zuvor. Erschütternd, das wahrzunehmen nach Jahren solcher entsetzlichen Heimsuchung und Verderbensernte aus solcher Fleischesaussaat!

Doch auch das gehört mit zum großen göttlichen Programm; denn eher wird unser Gott nicht mit der seelischen Menschheit restlos fertig werden, als bis sie die Hefen Seines heiligen und gerechten Zornes geleert und dann endlich zur Besinnung gekommen sein wird, daß allein in dem Gekreuzigten und Auferstandenen und Zukünftigen das wahre Heil, der wahre Friede für die arme Welt und Menschheit liegt. Bis zu solcher Besinnung und Erkenntnis scheint es allerdings noch ein ziemliches Stück Weges zu sein.

Was aber wird es bedeuten, das Bild des himmlischen Menschen zu tragen, des letzten Adam, des Herrn der Herrlichkeit? Dafür fehlt uns noch jeder Maßstab, jede Erfahrung, jede unser ganzes Denken befriedigende Vorstellung. Was wird es bedeuten, Ihm gleichgestaltet zu sein, ein Abglanz Seiner Herrlichkeit, ein Ebenbild Seines Wesens? Was wird es heißen, nie mehr sterben zu können, allem Ermüden, Erschlaffen, Erlahmen, Vergehen und Verwelken für immer entrückt zu sein? Eine Leiblichkeit unser zu nennen, die an keinen Ort und keine Zeit mehr gebunden ist, für die Entfernungen gar keine Schranken mehr sind? Eine Leiblichkeit, die nie mehr eine unerschöpfliche Quelle von Beschwerden und Hemmnissen, von Versuchungen, Trägheiten, Fehlgriffen und Irrtümern ist? Wenn alle Organe des neuen Leibes in vollendeter Harmonie stehen, erfüllt mit aller Fülle göttlichen Lebens, Wollens und Wesens? Wenn kein Mißton mehr durch unser Denken, Empfinden und Wollen geht? Wenn wir erkennen werden, gleichwie wir erkannt sind? Wenn es kein Gebiet göttlicher Weisheit und Offenbarung im Himmel, auf Erden und unter der Erde mehr gibt, in das wir nicht ungehinderten Zutritt hätten, um je länger, je völliger ohne Maß und Schranke, ohne Schleier und Hülle den Spuren unseres herrlichen Hauptes auf Schritt und Tritt zu folgen? Wenn jede Bewegung unseres erlösten Wesens nur auf den einen Ton gestimmt ist, Ihm zu gefallen, Ihn zu verherrlichen, nie mehr sich selbst zu suchen, sich selbst zu leben? Es ist nicht auszudenken, was das alles in sich schließen wird. Es wird über die Maßen mehr sein, als wir erbitten oder verstehen können.

Wenn uns nun im 50. Vers noch gesagt wird, daß Fleisch und Blut das zukünftige Reich geoffenbarter Königsherrschaft und Majestät nicht ererben können, dann will das nur wieder bestätigen, was wir als goldenen Faden durch dieses ganze Kapitel hindurch verfolgen durften, daß nämlich Gottes große Reichsgedanken und -ziele nur durch Auferweckung zur Verwirklichung gelangen können und werden. Mit Fleisch und Blut wird hier und auch an anderen Stellen unser natürliches, seelisches, blutmäßiges Leben bezeichnet. Unser Fleisch aber ist verweslich und alle seine Pracht und Schönheit wie des Grases Blume. Und das Blut, der Lebenssaft unserer Leiblichkeit, ist recht eigentlich die Quelle und der Herd der Verweslichkeit. Mit seiner Zersetzung beginnt die eigentliche Verwesung. Das zukünftige Königreich unseres Gottes und Seines Christus aber ist gedacht als ein unbewegliches, unvergängliches Reich, dessen Träger und Regenten allesamt unsterblich sein müssen.

Es liegt aber noch mehr in diesen Worten. Der Ausdruck “ererben” weist uns deutlich hin auf die Sohnesstellung im zukünftigen Reich der Herrlichkeit; denn nur die echten Söhne werden erben, wie geschrieben steht: “Sind wir Kinder, so auch Erben, Gottes Erben und Miterben Christi” (Röm. 8, 17). Teilhaben an den Segnungen, Vorrechten, Aufgaben und Freuden des künftigen Reiches des Gesalbten werden zwar auch ungezählte Tausende treuer Knechte, Untertanen, Völker und Scharen, allesamt Gerettete und Erlöste, die aber im eigentlichen Sinne nicht als Erben der königlichen Würde und Stellung anzusehen sind. Wie es sich ja ganz von selbst versteht, daß das große, allumfassende Königreich des Gesalbten nicht aus lauter Mitherrschern bestehen wird. Auch ist aus den Schriften der Propheten deutlich zu ersehen, daß in den Tagen der messianischen Königsherrschaft auf Erden z. B. das Volk Israel der reichsten Segnungen und Vorrechte in sterblicher Leiblichkeit teilhaftig sein wird unter der Herrschaft des Gesalbten, wobei ihm eine ganz ungewöhnlich große Nachkommenschaft verheißen ist, unter der das furchtbare Kindersterben ganz aufhören wird, ohne daß der Tod selbst schon vollständig und endgültig aufgehoben wäre (Jes. 60, 22; 65, 20.23; Sach. 8, 4-6).

Was also im 50. Vers unseres Kapitels gesagt ist, gilt eben nur den Erben des Reiches, d. h. denen, die mit Christus herrschen und das Reich verwalten werden. Und davon gilt ausdrücklich, daß es in einem Zustand der Sterblichkeit niemals geschehen kann, sondern nur das Unverwesliche wird dann die Herrschaft haben und behalten. Das heißt, die neue Regierung dieses Königreichs wird niemals von Tod oder Verderben in irgendwelcher Form angetastet oder beeinträchtigt werden können.

12. Die Verwandlung der Heiligen

“Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, plötzlich, in einem Augenblick-, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden aufstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muß anziehen Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muß anziehen Unsterblichkeit. Wann aber dies Verwesliche wird anziehen Unverweslichkeit und dies Sterbliche wird anziehen Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht: Der Tod ist verschlungen vom Sieg! Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? Aber der Stachel des Todes ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!” (Verse 51-57)

Ein wundervolles Geheimnis! Ein großartiger Triumph! Wie tief beschämend, daß man in der Christenheit, selbst unter den wahrhaft Gläubigen, beides so wenig geschätzt, so wenig und dürftig sich zunutze gemacht hat! Was liegen darin doch für reiche Quellen reinster Freude und erhebender Gewißheit, unbezwinglicher Kraft und nie versagenden Trostes!

“Wir werden nicht alle entschlafen.” Schon jahrhundertelang steht es so schwarz auf weiß zu lesen auf den Blättern der Wahrheit und gilt heute noch so voll und unverkürzt wie vor 1900 Jahren; aber eine gedankenlose Christenheit singt mit erbaulicher Rührung: “Alle Menschen müssen sterben.” Nichts gilt in der Christenheit für gewisser als der Tod. Kaum eine geoffenbarte Wahrheit hat ihren Einfluß auf das Denken und Handeln der meisten Christen so völlig verloren wie diese, daß wir nicht alle entschlafen werden, daß somit für jede Generation von Gläubigen die Möglichkeit besteht, ihren Ausgang aus diesem Leben nicht über den Friedhof und durch das Grauen des Todes hindurch zu nehmen, und daß wir darum ganz nüchtern nicht mit dem Tode — der fraglich ist —, wohl aber mit der Erscheinung unseres herrlichen Herrn vom Himmel zu rechnen haben. Man hat sich statt dessen fest davon überzeugen lassen, daß unter allen Umständen zuerst die Offenbarung und das Schauderregiment des Menschen der Sünde hereinbrechen müsse, ehe an die Hinwegnahme der Gemeinde zu denken sei. Man hat vor das Wiederkommen unseres Herrn und Hauptes die Erscheinung des Antichristen geschoben und damit dem Kommen des Herrn das Merkmal der Unmittelbarkeit und völligen Unberechenbarkeit genommen, das für die praktische Stellung der Gläubigen in dieser Frage von sehr großer Bedeutung ist.

“Wir werden aber alle verwandelt werden.” So lautet der zweite Punkt dieses wundervollen Geheimnisses. Denn göttliches Geheimnis ist ja beides: sowohl das Bewahrtwerden einer ganzen Generation von Gläubigen aus der sterblichen Menschheit aller Klassen, Rassen, Gruppen und Stände, Sprachen und Farben vor dem sonst unausweichlichen Sterben und Begrabenwerden, wie auch diese fast noch unbegreiflichere Verwandlung, oder — wie sie unser Apostel in 2. Korinther 5, 4 nennt — das Überkleidetwerden, auf daß das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben. Im ganzen Bereich unserer Erfahrung liegt eben kein Vorgang, der uns dafür einen befriedigenden Vergleich böte. In der niederen Schöpfung gibt es allerdings etwas, aus dem uns der eine oder andere Wink zu einem annähernden Verständnis erwachsen könnte. Wir meinen die wunderbare Verwandlung, die sich immer wieder vollzieht an der ekelhaften, gefräßigen Raupe, die sich zunächst ihr eigenes Gewebe spinnt, in welchem sie dann zu einer Puppe wird, die mit einigen Fädchen bewegungslos an der Wand oder Decke hängt, die aber dann unter dem belebenden Einfluß der Sonnenwärme ihre enge braune Behausung sprengt und sich in schillernder Pracht als bunter Schmetterling durch die Lüfte schwingt. Wäre man an diese alltägliche Erscheinung nicht so gewöhnt, man käme, wenn man es noch nie gesehen hätte, kaum aus dem Staunen heraus. Aber auch dieser Vergleich hinkt an mehr als einem Punkt. Nur eines sehen wir daran ganz klar, und das ist die Tatsache, daß es sich bei der Verwandlung keineswegs um ein gänzliches Ablegen oder Verlassen der gegenwärtigen Leiblichkeit handeln kann, sondern eben um eine Umwandlung, nicht aber um vollständige Beseitigung oder Vernichtung, wie man vielfach lehrt und glaubt.

Es werden uns in der Schrift ja einige Beispiele von Vorgängen gegeben, bei denen offenbar eine solche Verwandlung stattgefunden haben muß. Anders können wir uns wohl die Hinwegnahme Henochs von der Erde, ohne den Tod gesehen zu haben, nicht vorstellen. Ebensowenig die Himmelfahrt des Propheten Elia auf feurigen Rossen und Wagen. Eine solch unerhörte Feuerprobe konnte kein sterblicher Leib ohne entsprechende Verwandlung bestehen. Auch bei der dritten Begebenheit dieser Art, von der uns die Schrift berichtet, bei der Verklärung des Herrn Jesu auf dem heiligen Berge vor den Augen Seiner drei auserwählten Jünger, kann es nicht anders gewesen sein. An dieser wunderbaren Durchstrahlung mit himmlischem Lichtglanz nahmen sogar Seine Kleider teil. Nur wird uns dieser Vorgang der Verwandlung an keiner Stelle erklärt oder näher beschrieben. Wir wandeln auch da, wo es sich doch um ganz sinnenfällige Vorgänge gehandelt hat, ganz im Glauben, nicht aber im Wissen oder Schauen. Und das ist gut. Unser Blick und unsere Sinne sollen nicht an diesen wunderbaren Geschehnissen haften bleiben, sondern sich in aller Keuschheit und Einfalt nur mit Ihm, mit Seiner Person, mit Seinen Interessen, Seinen zukünftigen gewaltigen, Himmel und Erde umfassenden Aufgaben beschäftigen. Halten wir also den Blick des Glaubens und der sehnlichen Erwartung allezeit und unentwegt auf Ihn gerichtet, den Anfänger und Vollender des Glaubens, dann werden wir, nicht mechanisch oder zauberhaft, wohl aber organisch und wachstümlich, in Sein Bild verklärt von Klarheit zu Klarheit von dem Herrn, dem lebendig machenden Geiste.

Die Verwandlung der Leiber der Heiligen soll geschehen plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Die Plötzlichkeit und die ganz besonders hervorgehobene Kürze des Zeitraums, in welchem sie sich vollziehen soll, sind verständlich genug. Wir bemerken hier nur, daß diese Ausdrücke es keineswegs nötig machen, uns etwa vorzustellen, daß sämtliche Fälle von Verwandlung auf dem ganzen, weiten Erdenrund in genau demselben Augenblick zu geschehen hätten. Es ist vielmehr sehr wahrscheinlich, daß der großartige Vorgang, der alle lebend übrigbleibenden Glieder des Leibes Christi betrifft, sich nicht nur räumlich über alle Teile der Erde erstrecken, sondern sich auch zeitlich auf einen gewissen Zeitraum ausdehnen wird, wobei die Verwandlung selbst in jedem einzelnen Fall durchaus plötzlich und in einem Nu vor sich gehen kann. Denn es ist durchaus nicht anzunehmen, daß der Grad der Bereitschaft bei allen wartenden Kindern Gottes im gleichen Moment genau der gleiche sein werde, noch ist zu erwarten, daß die wunderbare Umwandlung ohne eine solche Bereitschaft eintreten könne. Es ist durchaus nicht nötig, die Plötzlichkeit und Schnelligkeit als schlechthinnige Gleichzeitigkeit zu verstehen.

Bei der “letzten Posaune” haben wir nicht etwa an die siebente Posaune von Offenbarung 11 zu denken, — nicht nur, weil den Empfängern dieses ersten Korintherbriefes die erst später abgefaßte Offenbarung noch nicht vorliegen konnte, sondern auch aus inneren, sachlichen Gründen. Hat es doch die siebente Posaune von Offenbarung 11 mit göttlichen Reichszielen, nicht aber mit der Gemeinde des Herrn, dem Leib des Christus, zu tun. Dagegen ist es das allernatürlichste und einfachste, auch hier an die Posaune von 1. Thessalonicher 4 zu denken, das letzte der drei Signale, mit welchen die vollendete Sammlung der auf ihren Herrn wartenden Gemeinde eingeleitet und hervorgerufen wird.

Zu etwaigen Berechnungen, wie nahe oder entfernt nun die Verwandlung der Heiligen sein möchte, fehlen hier wieder alle Anhaltspunkte. Denn wenn die hier genannte letzte Posaune nicht eine siebente ist aus einer längeren Reihe, dann fehlt natürlich jede Möglichkeit, sich an bestimmten Ereignissen chronologisch einigermaßen zu orientieren, und mit dem Kalendermachen ist es wieder einmal nichts. Das ist an sich auch eine gewisse Bestätigung, daß unsere Deutung dieser letzten Posaune richtig ist. Denn wir vertreten mit Bewußtsein und Nachdruck die Auffassung, daß die ganze Entstehung und Entwicklung der gegenwärtigen Gemeinde aus den Nationen (von welcher wir den ersten Ansatz einer rein jüdisch orientierten Muttergemeinde in Israel deutlich unterscheiden, aber nicht abschneiden oder lostrennen) weder in ihrem geschichtlichen Anfang — im Hause des römischen Offiziers Kornelius zu Cäsarea — noch auch in ihrem geschichtlichen Abschluß und Ausgang — durch Verwandlung und Entrückung — chronologisch zu berechnen ist.

Doch gehen wir weiter. “Dies Verwesliche muß anziehen Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muß anziehen Unsterblichkeit”, fährt Paulus fort. Es ist beachtlich, daß die Heilige Schrift das Wort Unsterblichkeit viel sparsamer gebraucht, als unsere Philosophen und Theologen es tun. Sie wendet das Wort in seinem schlechthinnigen Sinn nur auf Gott allein an, von dem sie erklärt, daß Ihm allein sie eigne, während die Weltweisheit sich müde ruft, der Mensch als solcher besitze sie ebenfalls. Der Apostel aber redet hier mit großer Deutlichkeit von der Unsterblichkeit nicht des menschlichen Geistes, sondern unserer Leiblichkeit, zu der sie erhoben werden soll, während sie in den Augen einer überklugen Weltweisheit doch nur ein entwürdigender und erniedrigender Kerker des erhabenen Menschengeistes ist.

Jeder Schatten eines Zweifels muß spurlos verschwinden vor der klaren Bestimmtheit, mit welcher hier ausgesprochen wird, daß dies Verwesliche Unverweslichkeit und dies Sterbliche Unsterblichkeit anziehen soll. Von einer gänzlichen Beseitigung oder Auflösung oder Vernichtung der materiellen Leiblichkeit kann da keine Rede mehr sein. Wenn Worte einen Sinn haben, dann bekunden diese Worte, daß in der bevorstehenden Verwandlung von der uns eigenen Leiblichkeit nichts verlorengehen, sondern diese nur aus einem Zustand der Vergänglichkeit und Sterblichkeit in einen Zustand dauernder und unvergänglicher Klarheit, Schönheit, Machtfülle und Lebenskraft versetzt werden wird.

Mit diesem wunderbaren, unfaßbar gewaltigen und weittragenden Vorgang tritt dann die Erfüllung jener kostbaren Verheißung in Kraft: “Der Tod ist verschlungen in den Sieg.” Schon an der Leiblichkeit des Gekreuzigten ward dieser Sieg aktuell; denn schon damals hat uns der Gott der Herrlichkeit samt Ihm auferweckt und in das Himmlische versetzt (Eph. 2, 6); nun aber wird es erst im großen Maßstab offenbar, wie sehr realistisch und wirklich das gemeint war. Nun steht wie mit einem Schlage eine große, gewaltige Körperschaft, die ganze gläubige Gemeinde aller Zeiten, in unsterblicher, unverweslicher Leiblichkeit, dem Leibe Seiner Herrlichkeit gleichgestaltet, zu Seiner ungehinderten Verfügung, um als Seine eigene Fülle, das volle Maß Seiner göttlichen Größe und Majestät, alles das zu erledigen, was durch den Mund heiliger Propheten Gottes von Anbeginn geredet worden ist.

Da verstehen wir in etwa den beispiellosen Triumphspruch: “Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo dein Sieg?” Lange, müde, mit Jammer, Weh und Herzeleid erfüllte Jahrtausende hat die ganze Menschheit unter der Herrschaft des Königs der Schrecken geseufzt, geknechtet durch Furcht des Todes ihr Leben lang. Nun ist nicht nur ein einziger Erstling vorhanden, der sagen darf: “Siehe, ich war tot, und bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit”, nein, jetzt steht da eine große, herrliche Schar einst ganz elender, versklavter Kinder der Sünde und des Todes, die bekleidet sind mit gleicher Leibesherrlichkeit, erfüllt mit gleicher unvergänglicher Lebensfülle wie ihr herrliches Haupt, ihr königlicher Vorgänger und Heerführer. Sie sind die Glieder Seines Leibes, die Organe ohne Fehl und Makel, ohne Irrtum und Beschränkung, ohne Sünde und Todeskeim, sind vollberechtigte Mitsieger über Finsternis, Tod und Verderben in jeglicher Gestalt. Nun kann es endlich Frühling werden nach den entsetzlich langen Wintertagen grausiger Todesherrschaft für die ganze Menschenwelt. Denn es sind ja Seine Erstlinge aus allen Völkern, Sprachen und Zungen, die Er vor dem Angesicht Seines Vaters darstellen kann, ohne sich ihrer schämen zu müssen, ohne Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen.

    Jetzt kann die ganze Welt voll Sünden
    Heil und Erlösung in Ihm finden.

“Aber der Stachel des Todes ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz.” An sich wäre das einfache Erlöschen unseres irdischen Lebenslichtleins keine so schmerzvolle Sache, wenn es keine Sünde, keinen heiligen und gerechten Gott und Rächer und kein unerbittliches Gericht gäbe. Aber der Stachel des Todes ist die Sünde. Nicht nur, weil sie den grimmigen Tod verursacht und über uns gebracht hat, sondern weil sie die Gottentfremdung bedeutet, die Gottesferne, die Gottesfeindschaft.

Und dieses abscheuliche, überaus sündige Unwesen der Sünde hat das heilige und vollkommene göttliche Gesetz nur noch sündlicher gemacht und machen sollen (Röm. 5, 20). Der Weg des Friedens und der Gerechtigkeit aber führt niemals durch das Gesetz, sondern an das Kreuz von Golgatha und vom Kreuz in das Grab des Gekreuzigten, und dann mit unfehlbarer Sicherheit zur herrlichen Auferstehung in Neuheit des Lebens. Denn Christus allein ist unser Leben, wie Er allein unsere Weisheit, nämlich unsere Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung (des Leibes) ist.

Darum das dankerfüllte Bekenntnis von dem Sieg, den uns Gott auf der ganzen Linie gegeben hat durch unseren Herrn Jesus Christus. Ein Sieg, der sich bei dem Gläubigen heute schon verwirklicht und bewahrheitet, dem Christus das Leben geworden ist, weil er sich mit Ihm der Welt und der Sünde gekreuzigt weiß und weil er gelernt hat, Ernst zu machen mit dem Zeugnis des Apostels: “Ich lebe aber, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir” (Gal. 2, 20).

Schlußermahnung

“Darum, meine geliebten Brüder, seid fest, unbeweglich, nehmet immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisset, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn!” (Vers 58)

Der Apostel ist an den Schluß dieses großartigen, inhaltreichen Kapitels gekommen, damit auch bald an den Schluß seines ersten Schreibens an die korinthische Gemeinde, deren tiefe Schäden er schonungslos aufgedeckt und mit großer Schärfe gerügt hat. Seine Schlußermahnung ist getragen von einem Geist getroster Zuversicht und Freudigkeit angesichts des noch so traurigen fleischlichen Zustandes der Gemeinde, die er im Geiste vor sich sah. Er weiß durch den Geist der Offenbarung, was er ihnen hat bieten dürfen, was für eine unerschöpfliche Quelle von Lebenskräften er ihnen hat erschließen dürfen gerade in diesem Kapitel von dem endgültigen Siege des Lebensfürsten über den Tod und dessen Stachel, die Sünde. Und der zweite Brief an dieselbe Gemeinde legt davon Zeugnis ab, daß sich der Apostel nicht getäuscht noch in der Wahl seiner Korrektiv- und Heilmittel vergriffen hat, als er den Korinthern solch ungeahnte Schätze der Weisheit und Erkenntnis unseres Gottes in Christo erschloß. Nicht müßige Spekulationen waren es, die er ihnen bot, nicht hohe Worte menschlicher Philosophie und Beredsamkeit, sondern göttliche Weisheit im Geheimnis, Weisheit für die Gereiften, zur Vollkommenheit und Vollendung auf den Tag der Ankunft unseres Herrn Jesu Christi. Offenbarungen göttlicher Herrlichkeitsgedanken, die uns nie faul und unfruchtbar lassen, wenn wir sie uns im Gehorsam des Glaubens zu eigen machen und unsern ganzen Dienst für den Herrn davon bestimmt und getragen sein lassen.

Der Herr selbst öffne auch unsere Herzen und Sinne für all das Große und Herrliche, das wir mit unseren geistigen Augen haben erschauen dürfen, damit auch unsere Arbeit nicht vergeblich sei in dem Herrn! Amen.

(Quelle: “Das Prophetische Wort”, Jahrg. 1918, mit einer Ergänzung aus “Das Evangelium Gottes von der Allversöhnung in Christus”, 1915 erschienen; sowie “Der Fürst des Lebens muß einst alles erben”; Paulus-Verlag; Heilbronn)

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