Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Licht aus dem Dunkel — Ein Wort zur Pfingstbewegung

Autor: Ströter, Ernst F., Prof.  |  Kategorie(n): Gemeinde, Schwarmgeist, Versuchung & Verführung  |  754 x gelesen

Vorbemerkung des Schriftleiters (Heinz Schumacher):

Die Veröffentlichung des folgenden Artikels (72 Jahre nach seinem ersten Erscheinen) ist in keiner Weise polemisch oder aggressiv gemeint. Sie richtet sich weder gegen einen Bruder noch gegen einen Kreis unserer Tage, um diese zu verurteilen. Dennoch halten wir diesen Artikel Professor Ströters für wichtig und wegweisend auch für die heutige Zeit. Ströter war es geschenkt, in einer einmaligen Weise mit wenigen kurzen, markanten Strichen das Gefährliche an der Pfingstbewegung seiner Tage herauszustellen, ohne aus der Liebe zu den Brüdern zu fallen. Er zeigt, an welcher Stelle die Gemeinde Gottes gewisse Grenzmarkierungen auf keinen Fall übersehen, gewisse rote Ampeln auf keinen Fall überfahren darf — sonst landet sie heute wie damals in einem gefühlsbezogenen statt wortbezogenen Glauben, verliert die klare Orientierung, kommt ins Rutschen, hat keine biblisch klaren Maßstäbe mehr. Möge dieser Aufsatz auch heute noch vielen dienen dürfen — gerade solchen, die sich nach dem Wirken des Geistes Gottes in Kraft und Fülle sehnen!
H. Sch.


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Die sogenannte “Pfingstbewegung” gehört zu den ernstesten und bedeutsamsten Zeichen dieser “letzten Tage”. Sie ist ein “Gericht am Hause Gottes” … Es vollziehen sich in ihr unwandelbare Gesetze und Ordnungen des göttlichen Waltens … Jedes Verlassen des Schriftbodens schafft dem Fürsten der Finsternis Raum und Gelegenheit. Die Sieghaftigkeit des zweiten Adam (Jesus Christus) all seinen Anschlägen gegenüber, lag lediglich in vollster Unterwerfung unter das geschriebene Wort. Nicht mit Seinen “mächtigen Erfahrungen”, mit gehörten Stimmen vom Himmel, mit geschautem Erscheinen des Heiligen Geistes — und alles das war bei Ihm echt — schlug Jesus den Versucher aus dem Felde, sondern nur mit dem nackten, scharfen, zweischneidigen Schwert des geschriebenen Wortes Gottes (Matth. 4/Lukas 4). Diese einfache, elementare Lektion muß die gläubige Gemeinde immer wieder durchbuchstabieren. Dazu muß und wird ihr auch diese “Pfingstbewegung” dienen, in welcher Satan so viele liebe Gläubige und Heilige übervorteilt hat, weil sie mit Erfahrungen und Erlebnissen, mit Kräften, mit Zeichen, mit Wundern und Gaben operierten — alles Dinge, die ihren Ort und ihre Zeit haben, die aber nie bestimmt und berechnet sind, in dem uns verordneten Kampf als Waffenrüstung zu dienen. Dieser Irrtum hat beschämende Niederlagen gebracht. Er wird noch ärgere bringen, wenn wir nicht lernen.

(Die Vollendung der wartenden Gemeinde) liegt, soweit wir die Schrift erkennen, nicht auf der Linie vermehrter “Gaben und Kräfte” zu erhöhten und gesteigerten Leistungen und Betätigungen. Sind wir denn nicht gleich wie Er war, in dieser Welt? Je näher der Sohn Gottes Seiner Vollendung kam, um so geringer wurde der Anhang, um so seltener wurden die Erweisungen Seiner Wunderkräfte, um so beschränkter der Kreis Seiner Betätigung. Und war es mit dem Apostel Paulus etwa anders? Er wird zuletzt ein Gebundener in der Kette, es verlassen ihn ganze Kreise seiner geistlichen Kinder und Mitarbeiter. Bedeutet das einen Niedergang seines eigenen Lebens in Kraft? Niemals. Sondern er trägt darin das Sterben des Herrn Jesu an seinem Leibe.

Es liegt ein Zauber und Reiz in den “Pfingstkundgebungen”, die von Feuertaufen und Wundergaben und Kraftwirkungen überfließen — alles darauf berechnet, den Blick der gläubigen Gemeinde auf einen anderen Ausgang hinzulenken, als den sie zu nehmen haben wird, wenn sie wirklich eins mit ihrem Haupt, und Seinem Tode ähnlich geworden ist. Seine Vollendung lag nicht auf der Linie erweiterter Betätigung, Krafterweisung und Beeinflussung der Welt. Sein Sieg geschah durch Niedergang und Sterben …

Nun an die Wurzel des ganzen Unheils, vor dem wir stehen: Die Gemeinde der Gläubigen ist als solche der Tempel des in uns wohnenden Heiligen Geistes. Sie besitzt den Heiligen Geist, das ist ihr Wesensbestand, so wie geschrieben steht: Wenn jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht Sein (Röm. 8, 9; 1. Kor. 3, 16; 6, 19; Eph. 2, 21.22). Das ganze apostolische Lehrgebäude, alle Ermahnung und Unterweisung für die Gemeinde in Christo fußt und gründet auf dieser fundamentalen Tatsache: ihr habt den Geist empfangen, nicht durch Gesetzeswerke, sondern durch die Predigt vom Glauben (Gal. 3, 2); ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen …, sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen (Röm. 8, 15). Lauter festliegende, vollendete Tatsachen; lauter Ganzheiten, nicht Bruchstücke oder Teilzahlungen, die den Glaubenden zugesprochen werden, nicht auf irgendein frommes Werk oder Verhalten hin, nicht als Begleiterscheinung oder Folge einer “mächtigen Erfahrung”, die sie “erlebt”, auf ein “Pfingsten mit Zeichen” — sondern lediglich auf die Predigt des Glaubens. Es darf kühn behauptet werden, dass kein einziger unter jenen Gläubigen zu Rom, zu Korinth, zu Ephesus jemals nach Jerusalem oder Cäsarea gereist war, um sich dort sein “Pfingsten mit Zeichen” unter Handauflegen oder Bestreichen zu “holen”. Sie hatten das Wort göttlicher Predigt geglaubt, und also den Heiligen Geist empfangen, wurden mit ihm versiegelt, waren von ihm bewohnt. Wozu das? Um Wartende zu werden. Denn auf Hoffnung sind wir gerettet (Röm. 8, 24). Welches ist der ausschließliche Inhalt dieses Wartens, dieser seligen Hoffnung? Der Sohn Gottes zur Rechten des Vaters, der Gemeinde, die Sein Leib ist, als Haupt über alles gesetzt (Eph. 1, 22). Sein Leben ist ihr Leben geworden. Ihr Blick geht ganz von sich und von der Welt hinweg nur auf Ihn.

Und ihres Wartens Ziel? Wieder nur der Sohn Gottes bei Seiner im Wort verheißenen Rückkehr aus dem Himmel (1. Thess. 1, 10; Phil. 3, 20) … Nirgends im Wort stellt der Heilige Geist der von Ihm bewohnten gläubigen Gemeinde sich selbst als Inhalt oder Ziel ihres Sehnens und Wartens dar.

Was tut aber die “Pfingstbewegung”?

Diese ist nachweislich eine Verschiebung dieser klaren biblischen Linien … Es rächen sich darin die theologischen Sünden vergangener Jahrhunderte. Man hat eben ungestört eine Schriftdeutung getrieben, die sich aus der Verschiebung biblischer Linien nie ein Gewissen machte. Da hat man die Gemeinde Jesu Christi ruhig in die Linien israelitischer Prophetie hineingestellt. Man hat umgekehrt das Gesetz Moses ohne Bedenken der gläubigen Gemeinde aufs Gewissen gebunden. Hat man auf diese Weise wirklich “recht geteilt” das Wort der Wahrheit?

Nun sind in dieser jüngsten Bewegung schon die Namen, “Pfingsten mit Zeichen”, “Pfingsttaufe”, “Pfingstleute”, “Pfingstgrüße” u. dgl. sehr bezeichnend für die Verwirrung der Begriffe. Das klingt alles so recht biblisch, so verlockend und bestechend. Fragen wir aber nur einmal: Was war denn eigentlich Pfingsten nach der Schrift? Und was geschah da? Pfingsten, das Fest der Wochen genannt, war eine bestehende landwirtschaftliche und religiöse Feier im israelitischen Volksleben, mit weittragendem typisch-prophetischem Inhalt. Es erfolgte genau 7 Wochen, d. h. am 50. Tage, nach dem Passah. Daher der Name Pfingsten, der eine Verdeutschung des griechischen Zahlwortes pentäkostä = der fünfzigste (Tag) vorstellt. Was geschah nun, nach der Schrift (Apg. 2) am Tage der Pfingsten? Da beobachtete der Heilige Geist zunächst ganz genau und pünktlich die für sein Auftreten in Israel durch das Gesetz prophetisch festgelegten Linien: er kam nicht früher, er kam nicht später, er kam genau, als der Tag der (jüdischen) Pfingsten erfüllt war.

Und was tat der verheißene Heilige Geist in Jerusalem? Er bewegte sich ganz und gar auf jüdisch-nationalen Linien und nahm aus der Teigmasse dieses Volkes nach Röm. 11, 16 “einen Anbruch”, eine Erstlingsgabe von 3000 Seelen und brachte sie als Pfingstopfer dem verklärten Messias im Himmel dar. Das alles geschah unter mitfolgenden Zeichen und Kräften in genauer (wenn auch keineswegs erschöpfender) Erfüllung längst zuvor gegebener, deutlicher Verheißungen. Das will sagen: Das biblische Pfingsten hat zu seiner Voraussetzung ganz bestimmt festgelegte, in Wort und Bild (Symbol) gefaßte, dem Volk Israel gegebene Verheißungen.

Diese Grundvoraussetzung fehlt vollständig bei der einige Jahre später in Caesarea, nicht auf israelitischem, sondern auf Völkerboden geschehenen Parallel-Erscheinung und Offenbarung desselben Heiligen Geistes. Da wurde (ganz ohne Angabe von Tag oder Datum!) im Hause des Kornelius die Gemeinde aus den Heiden geboren (Apg. 10), und zwar durch einen souveränen, unberechenbaren, freien Akt desselben Heiligen Geistes, mit den gleichen Begleiterscheinungen, Zeichen und Kräften, in keiner Weise zurückstehend hinter dem israelitischen Pfingsten, aber ebenfalls in keiner Weise abhängig oder vermittelt durch die Pfingstjünger von Jerusalem. Die höhere, organische Einheit und Zusammengehörigkeit (zum Reiche Gottes) beider Erscheinungen desselben Geistes wird festgelegt durch die Sendung des Petrus nach Caesarea. Aber Petrus hat hier keine Hände aufzulegen, wie in Samaria. Dies ist ganz neuer Boden. Hier handelt es sich nicht um Ableitungen von Pfingsten in Jerusalem. Petrus hat nur den Heiden durch die Verkündigung von Jesus die Tür des Himmelreichs aufzutun. Im übrigen ist er bloß ein überraschter, überwältigter Zeuge eines Vorgangs, der in keiner Weissagung vorgesehen oder angekündigt ist, sondern die Eröffnung eines Geheimnisses bedeutet … Das war also nicht “Pfingsten”. Die Schrift nennt es nie so. Der Heilige Geist in den Aposteln konnte es nie so nennen; denn er wußte, daß die beiden Ereignisse, bei aller Familienähnlichkeit, sich ebensosehr unterscheiden, wie Bruder und Schwester in derselben Familie sich unterscheiden.

Dieser tiefgehende Unterschied wird leider bis auf diesen Tag noch viel zu wenig beachtet. Gedankenlos feiert man in der ganzen Völkerchristenheit, griechisch, römisch und evangelisch, alljährlich “Pfingsten”, als wäre das der Geburtstag der Gemeinde aus den Heiden. Das hat soviel Sinn, als wenn ich den Geburtstag meiner Schwester für den meinigen ansetzte! —

Die teuren Brüder (denn das bleiben sie uns trotz aller Irrungen) in der “Pfingstbewegung” leiden ja ebenso schwer unter der allgemeinen Belastung mit herkömmlicher Begriffsmengerei in biblischen Dingen, wie wir. Da dürfen wir uns keineswegs über sie erheben, denn wir alle haben da gesündigt und müssen unser Angesicht verbergen. —

Die Frage ist heute: Soll in der deutschen Gemeinschaftsbewegung die absolute Autorität des geschriebenen Wortes ersetzt oder auch nur ergänzt und vervollständigt werden durch noch so köstliche und “mächtige Erfahrungen”, die teure und geliebte Brüder erlebt zu haben bekennen, durch Weissagungen und Orakel? Die “Pfingstbewegung” bedeutet das Regiment (die Herrschaft) des Subjektivismus. Sie bedeutet die Untergrabung der alleinigen Autorität des untrüglichen geschriebenen Wortes Gottes.

Aber müssen wir denn unbedingt annehmen, daß von all den kostbaren Erfahrungen und Erweisungen bei so vielen aufrichtigen und geheiligten Kindern und Knechten Gottes gar nichts vom Heiligen Geist gewirkt, sondern alles auf rein satanischen oder dämonischen Ursprung zurückzuführen sei? Keineswegs … Es macht uns gar keine Schwierigkeit, sowohl an der Aufrichtigkeit, Lauterkeit und geistlichen Fruchtbarkeit der teuren Brüder, die in diese Bewegung verstrickt sind, festzuhalten, als auch zu glauben, daß hier und da wirklich echte Geistesgaben vorhanden sein mögen. Das wird sich klar herausstellen, nachdem der Staub sich gelegt und der tolle Windwirbel vorübergesaust ist, der heute allen den Blick und die Besinnung nimmt, die sich von ihm erfassen lassen.

Und der Ausgang? Über den sind wir keineswegs beunruhigt oder im Zweifel. Die Rechte Gottes wird siegen. Die Gemeinde des Herrn hat eine sehr ernste und schmerzliche Lektion mehr zu lernen. Der Herr wird Seine aufrichtigen, wenn auch betörten und bitter betrogenen Kinder wieder zurechtbringen. Das Wort Gottes wird nur um so klarer vor den Augen aller stehen, die aus der Wahrheit sind. Es wird durch tiefe Demütigungen und Beugungen gehen. Aber das Ende wird sein: Licht auch aus diesem Dunkel.


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Kurze Schlußzusammenfassung des Schriftleiters:

Wir haben uns zu hüten

  1. vor der Gefahr, uns auf persönliche Erfahrungen mehr zu stützen als auf das geschriebene Wort;
  2. auf den Heiligen Geist zu warten, den wir doch als Kinder Gottes durch den Glauben empfangen haben;
  3. auf den Heiligen Geist statt auf, den wiederkommenden Sohn Gottes zu warten;
  4. das Pfingstgeschehen von Apostelgeschichte 2, das auf dem Boden Israels stattfand, unbesehen auf Gemeindeboden zu schieben;
  5. zu übersehen, daß wir — bei allem Sieg über Sünde und Satan, der uns tatsächlich verheißen ist — auf die “Erlösung des Leibes” noch zu warten haben (Röm. 8, 23) und in Niedrigkeit und auf Sterbenswegen auf dieser Erde dem Sohne Gottes gleichgemacht werden sollen (was Erfahrungen der lebendig machenden Kraft des Heiligen Geistes bis in die sterblichen Leiber hinein nach Röm. 8, 11 keineswegs ausschließt);

ferner sollten wir

  1. echte Gaben des Heiligen Geistes grundsätzlich nicht verachten, sondern ein jeder an seinem Platz die ihm zugeteilte Gabe (Eph. 4, 7.8) dankbar betätigen;
  2. irregeleiteten Geschwistern in Wahrheit und Liebe und Demut zu dienen suchen, wissend, daß auch wir selber der Ergänzung und der Korrektur bedürftig bleiben.

(Quelle: “Das Prophetische Wort”, Januar 1910 sowie “Gnade und Herrlichkeit”, 1982; Paulus-Verlag; Heilbronn)

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