Laßt uns nie vergessen, daß immer der Fleischgeborene den
Geistgeborenen lästert und verfolgt, und nie umgekehrt (Gal. 4,29).


Adolf Heller (1895 - 1973)
Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken    1

Weltversöhnung und Evangelisation (2. Kor. 5, 18-20)

Autor: Schumacher, Heinz  |  Kategorie(n): Gemeinde, Lehre  |  376 x gelesen

Gott hat die Welt auf Golgatha mit Sich Selbst versöhnt. Dieser zunächst einseitige Akt der Retterliebe Gottes schließt in sich den Willen und auch die Möglichkeiten auf Grund der Macht und Weisheit Gottes, in der Fülle der Zeiten eine zweiseitige, auch von den Versöhnten anerkannte, bejahte und dadurch praktisch wirksam gewordene Versöhnung daraus folgen zu lassen. Die Annahme der am Kreuz geschehenen Versöhnung ist daher das erste und nächstliegende Ziel unseres Gottes mit der Gesamtschöpfung. Vorher kann Er Seine Herrlichkeitsziele mit ihr nie erreichen, von denen Röm. 8, 19-21; Eph. 1, 9.10; Zeph. 3, 8.9; Offb. 5, 13 und viele andere Schriftworte reden.

Um ein Geschöpf zu dieser Annahme der Versöhnung, zur Kapitulation vor der Macht der Gnade zu führen, ist ein besonderer Dienst vonnöten. Nie kommt dieses Wunder der Errettung, des Gläubigwerdens sozusagen “automatisch” zustande, sondern immer nur auf Grund des mündlich oder in selteneren Fällen auch schriftlich geschehenen Wortzeugnisses. Und zwar muß das Geschöpf von seinem natürlichen unversöhnten Zustand und der Tatsache der geschehenen herrlichen Versöhnungstat Gottes durch das Kreuz Seines Sohnes überführt und sodann aufgefordert werden, die entscheidende Annahme zu vollziehen: “Laßt euch versöhnen mit Gott!” Dieses alles zusammengenommen nennt die Schrift “Dienst der Versöhnung”. Es ist somit derjenige Dienst, der aus der “de jure” am Kreuz erwirkten Versöhnung für alle eine auch “de facto” verwirklichte macht, ein Dienst also von höchster Wichtigkeit, größter Tragweite und herrlichster Verheißung.

Diese Überlegungen zeigen schon an, was im Laufe dieser Betrachtung noch immer deutlicher werden wird: wie töricht es ist, “Allversöhnung” und “Evangelisation” oder — mit den Worten unseres Textes aus 2. Kor. 5 zu reden — “Weltversöhnung” und “Dienst der Versöhnung” gegeneinander auszuspielen, für unvereinbar miteinander zu erklären, als Gegensatz darzustellen, wie es Gegner der Botschaft der Allerrettung gern und häufig tun, wenn sie etwa fragen: “Wozu braucht ihr denn noch zu evangelisieren, wenn doch alle selig werden?”, wie es aber leider auch solche, die dieser Botschaft glauben, zum Teil praktizieren, indem sie vom Standpunkt hoher Erkenntnis herab ihren evangelistischen Auftrag vernachlässigen oder gar mißachten.

Gerade die Ausführungen des Nationenapostels im zweiten Teil von 2. Kor. 5 (V. 11-21) beweisen aber, wie beides: die ein für allemal vollzogene Versöhnung der Welt und die evangelistische Verkündigung, nicht nur einander nicht ausschließen, nicht nur durchaus miteinander zu vereinbaren sind, sondern geradezu in einem engen und unlösbaren lebensmäßigen Zusammenhang zueinander stehen: Weil alle versöhnt wurden, darf und muß allen diese Versöhnung verkündigt werden; durch diese Verkündigung wiederum wird die Versöhnung bei allen, die sie annehmen, nach und nach praktisch wirksam, bis einmal das ganze versöhnte Universum in Christo als dem gemeinsamen Haupt harmonisch zusammengefaßt und Gott alles in allen ist (Eph. 1, 10, 1. Kor. 15, 28).

Dieser Dienst der Versöhnung an der Welt ist neben dem Flehen, Beten, Fürbitten und Danksagen für alle Menschen (1. Tim. 2, 1.2) und abgesehen davon, daß jeder an seinem Platz im Kleinen dem “Frieden mit jedermann” nachjagen soll (Hebr. 12, 14), unser einziger Auftrag an die Welt. Weder haben die Gläubigen dieses Zeitalters vom Worte Gottes her einen Auftrag, im Bunde mit den Weltmächten oder “christlichen” Mächtegruppen sich um den Frieden auf Erden zu bemühen, noch sollen sie auf dem Wege sozialer Bemühungen “bessere Zeiten” heraufführen wollen — dabei würde nur trotz allem guten Wollen letzten Endes dem Einheits- und Wohlfahrtsstaat des Antichristen in die Hände gearbeitet und der eigentliche Auftrag darüber vernachlässigt! Ja, der Evangelisationsdienst an der Welt geschieht in der gegenwärtigen Haushaltung gar nicht einmal um der Welt willen, sondern um der Gemeinde selber willen, um deren Sammlung und Auferbauung es in der jetzigen Zeit geht.

Diese Feststellungen mögen hart klingen; sie liegen aber unverrückbar fest im prophetischen Wort verankert, das in unüberbietbarer Deutlichkeit sagt, daß nicht durch Fortschritt und Besserung, sondern auf den Trümmern der gegenwärtigen im argen liegenden Welt der neue Äon der zunächst 1000jährigen Christusherrschaft heraufgeführt wird. Da aber alle Verheißungen für Welt und Gesamtschöpfung sich in den kommenden Äonen nur erfüllen werden durch den mit Seinem herrlichen Haupte vereinigten Leib (2. Kor. 1, 20; 1. Kor. 12, 21 u. a.), ist eben durch die Sammlung und Auferbauung des Leibes letzten Endes auch der Welt im ganzen am besten gedient, da ihre Hoffnung ja an das Offenbarwerden der Söhne nach Röm. 8, 19-21 geknüpft ist.

Daraus mag erhellen, daß es nicht Lieblosigkeit oder Gleichgültigkeit der Gesamtmenschheit gegenüber ist, zu betonen, es gebe jetzt keinesfalls einen Auftrag der Weltverbesserung für die Gläubigen — es ist lediglich ein Beachten des göttlichen Programms, das der Welt erst durch den vollendeten Leib des Christus bzw. durch ein erneuertes Israel zu helfen vorsieht, wie aus Apg. 15, 14-17 besonders klar zu ersehen ist.

Wenden wir uns nun dem Thema der Sammlung des Leibes Christi auf dem Wege der Evangelisation im besonderen zu, so kann uns das Pauluswort aus 2. Kor. 5, 18-20 dafür richtungweisend sein, indem es uns belehrt über:

  1. die Träger der Evangelisation: alle Versöhnten als Gesandte an Christi Statt;
  2. das Feld der Evangelisation: die Welt;
  3. die Botschaft der Evangelisation: die Freudenkunde der Versöhnung.

1. Berechtigt und berufen, das Evangelium der Rettungs- und Versöhnungsgnade mit dem Munde zu bekennen, ist zunächst einmal jeder Versöhnte überhaupt. Nicht nur dem anderen, auch sich selbst erweist er damit den größten Dienst (vgl. Röm. 10, 10; 1. Joh. 4, 15). In irgendeiner Form kann auch fast jeder Gläubige evangelistischen Dienst tun. Man bedenke nur, daß ein klares mündliches Zeugnis im Zwiegespräch, ja oft schon ein kurzes Traktat oder eine gute evangelistische Schrift einem Menschen dieselbe entscheidende Hilfe bringen kann, wie eine Reihe wohlausgearbeiteter evangelistischer Vorträge. Nicht zu vergessen ist auch das Zeugnis des Wandels, das sogar dort noch etwas auszurichten vermag, wo das Wort-Zeugnis nicht geglaubt wird (1. Petr. 3, 1). V. 18 unseres Textes spricht auch nicht von einem “Amt”, das “predigt”, wie es der Luther-Übersetzung zufolge lautet, sondern ganz einfach von einem “Dienst (wörtlich: diakonia!) der Versöhnung”, wie es die Elbf. Übersetzung auch richtig wiedergibt. Nicht nur “beamtete” Prediger des Wortes sind Träger der evangelistischen Botschaft, sondern jeder irgendwie “Dienstfähige”!

Daß es darüber hinaus einen besonderen Evangelistendienst gibt, bleibt hiervon unberührt. In Eph. 4, 11; Apg. 21, 8 und 2. Tim. 4, 5 ist davon die Rede — wie uns auch ein Blick in die christlichen Kreise und Gemeinschaften immer wieder manche befähigte, mit der Gabe erwecklicher, anschaulicher, kräftiger, Entscheidung fordernder Rede ausgerüstete Evangelisten erkennen läßt. Sicherlich ist solcher Dienst ein wertvoller und unentbehrlicher Beitrag zur Sammlung des Leibes Christi, wo immer er mit klarer Zielrichtung auf die neue Geburt aus Gott hin die Botschaft der Versöhnung ausrichtet. Möge doch niemand, dem der Herr tiefe prophetische Aufschlüsse schenken konnte und der daher selbst längst die “Milch” des einfachen Evangeliums nach Hebr. 5, 12-14 hinter sich lassen durfte, diesen Dienst verachten! — Möge aber auch kein Evangelist, wie es auch vielfach geschieht, die “starke Speise” lehrhafter und prophetischer Wortdarbietung, weil sie vielleicht nicht zu seinem Aufgaben- und Dienstbereich gehört oder seinen bisherigen Erkenntnishorizont übersteigt, unbesehen ablehnen und als “Schwärmerei” oder “Schwerpunktverlagerung” oder ein “Über-die-Schrift-Hinausgehen” abtun!

Gesandte an Christi Statt — dieser Ausdruck bezeichnet die Würde und Vollmacht der Träger der Evangelisation. Christus hat nicht einen Stellvertreter — in Rom —, sondern jeder Seiner Gesandten und Beauftragten ist ein solcher. Wie ein Apostel Paulus ausdrücklich betont, daß er seinen Auftrag “nicht von Menschen, noch durch einen Menschen” (Gal. 1, 1) empfangen habe, so ist auch jeder Versöhnte direkter Gesandter Christi (daß es für besondere Dienste auch besondere Aussendungen und Segnungen geben kann, bleibt hiervon wiederum unberührt; vgl. Apg. 13, 2.3). Als Gesandter an seines Herren Statt steht er in Feindesland, richtet er seine Botschaft aus und wird er vor “Kriegsbeginn” in seine “Heimat” abberufen (Offb. 16, 14; 1. Thess. 1, 10; Phil. 3, 20.21).

Gesandte an Christi Statt, “Christen” im buchstäblichen Sinne, d. h. (mit dem Heiligen Geiste) “Gesalbte” im Sinne von 2. Kor. 1, 21.22; 1. Joh. 2, 20 und 27, sollten sich der damit verbundenen Würde und Vollmacht stets bewußt sein. Ihre Botschaft dürfen sie verkündigen als “Aussprüche Gottes” (1. Petr. 4, 11), nicht als menschliche Gedanken und Mutmaßungen über Gottes Wort, ja all ihr Wort und Werk soll — wie es Stellvertretern Christi ansteht — als im Namen des Herrn geschehen (Kol. 3, 17). Auch alle Methoden ihres Dienstes, nicht zuletzt ihre Evangelisationsmethoden, müssen würdig bleiben. Von hier aus läßt sich auch die Frage, inwieweit man “moderne” Mittel der Technik in den Dienst der Evangeliumsverkündigung stellen soll, beantworten. Um Menschen zu Christus zu führen, sollte jedes Mittel recht sein, das sich in sauberer, würdiger Weise benutzen läßt. Daß marktschreierische Reklame hingegen nicht würdig ist, versteht sich von selbst.

2. Das Feld der Evangelisation ist weltweit. Es umfaßt den Kosmos. So gewiß der Charakter des Leibes Christi Auswahl-Charakter ist und es nie die großen Massen sein werden, die ihm im jetzigen bösen Äon einverleibt werden, so gewiß ist andererseits der Auftrag, die Versöhnungsbotschaft nicht nur einzelnen, sondern allen zu sagen. Da dürfen, ja sollen durchaus auch Massen angeredet und zur Entscheidung gerufen werden. Dies schon deshalb, weil ja kein Verkündiger im voraus weiß, wer zur von Gott längst ersehenen “Auswahl” gehört. Das muß sich erst durch die Stellung zum Wortzeugnis zeigen.

Das Feld der Evangelisation ist denkbar weit. Es ist genau so weit wie die Versöhnungstat am Kreuz, die sie zu verkündigen hat: weltumfassend. Sogar die unsichtbare Welt hat Teil daran, wenn auch von einer “Evangelisation” ihr gegenüber jetzt nur insoweit die Rede sein kann, als sie auf dem Wege des Schauens einen Einblick in das Erlösungswerk Christi bekommt, der ihr zur Weisheit gereicht (Kol. 1, 6; 1. Petr. 1, 12; Eph. 3, 10); auf dem Wege der Predigt, der hörbaren Verkündigung, wird es nur unter dem Himmel bezeugt (Kol. 1, 23).

Das Feld ist so weit, wie die Liebe Gottes weit ist: Also hat Gott die Welt geliebt … (Joh. 3, 16). Es ist so weit wie der Raum, innerhalb dessen der Leib Christi zu sammeln ist: alle Nationen umfassend (Röm. 1, 5; 16, 26).

In diesem Sinne, nämlich als Evangelisation zum Zwecke der Herausrufung der Auswahl kann und muß man auch äußere Mission gutheißen, sowenig man sie dann bejahen kann, wenn sie sich im jetzigen Äon eine “christliche Welteroberung” zum Ziel setzt oder sich nur als Träger “christlicher” Kultur einspannen läßt.

Das Feld ist denkbar weit, aber auch denkbar nah: dein Nächster, der dir im Alltag begegnet, gehört dazu. Du bist ihm das Zeugnis der Versöhnung schuldig (Röm. 1, 14)!

3. Die uns aufgetragene Botschaft der Versöhnung hat eine doppelte Seite:

  1. Das Zeugnis der Gottesliebe: “Gott war in Christo, die Welt mit Sich Selbst versöhnend” (2. Kor. 5, 19);
  2. Der Anruf zur Entscheidung: “Laßt euch versöhnen mit Gott!” (V.20).

Beides scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch in sich selbst zu sein: Wenn doch die Welt bereits mit Gott versöhnt worden ist, weshalb muß sie noch aufgerufen werden, sich versöhnen zu lassen?

Jede Versöhnung hat es mit zwei Parteien bzw. Seiten zu tun. Erst wenn beide Seiten die Versöhnung bejahen, kann sie praktisch zustande kommen. Nun ist aber die Verschuldung des Geschöpfes gegenüber Gott eine durchaus einseitige. Nicht hat jeder Teil ein gewisses Entgegenkommen zu zeigen, damit eine Verständigung erreicht wird, nein, nur Gott obliegt es zu versöhnen. Das Geschöpf hat nicht zu versöhnen, sondern sich versöhnen zu lassen, d. h. die wunderbare Tatsache, daß Gott Selbst das Sühnopfer für alle auf Sich nahm, anzuerkennen und dankbar anzunehmen.

Zwar ist die Welt mit Gott ein für allemal versöhnt worden (vgl. auch 1. Joh. 2, 2; Joh. 1, 29), und dies lt. Kol. 1, 20 in allumfassendem, nicht eines aller geschaffenen Wesen mehr ausschließendem Sinn; die Anerkennung und Annahme dieser Tat Gottes aber steht bei der Mehrzahl der Geschöpfe bis heute noch aus. Und von dieser Anerkennung hängt Entscheidendes ab:

Nicht hängt davon die Rechtsgültigkeit der Versöhnungstat Gottes ab. Das Sühnopfer Christi behält seine volle Gültigkeit für jedes Geschöpf bis in alle Äonen. Keine Zorneskundgebung Gottes, keines Seiner Gerichte ändert etwas daran. Was der Sohn Gottes auf Golgatha vollbrachte, kann nie wieder ungültig oder rückgängig gemacht werden. Der Kaufpreis für die ganze Welt und ihre Sünden ist und bleibt bezahlt. Friede ist und bleibt geschlossen (Kol. 1, 20).

Doch hängt es von der Anerkennung und Annahme dieser Gottestat durch das Geschöpf ab, wann und auf welchem Wege sich die Versöhnung im Leben des Geschöpfes auswirken kann, wann das gegenseitige Verhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpf nun auch praktisch ein versöhntes werden kann. Über dem Leben jedes Nichtglaubenden, d. h. Gottes Versöhnungstat nicht dankbar und vertrauensvoll Annehmenden steht geschrieben: Er bleibt unter dem Zorn (Joh. 3, 36). Er sieht das Leben Gottes nicht (was natürlich nicht heißt und heißen muß, daß er es nie sehen wird; vgl. dazu etwa den Gebrauch von “nicht” in Joh. 7, 8 oder Matth. 10, 5 mit Joh. 7, 10 und Matth. 28, 19). Das praktische Verhältnis eines solchen zu Gott sieht so aus, als hätte nie eine Versöhnung stattgefunden, obwohl auch er rechtlich längst versöhnt ist. Deshalb führt sein Weg durch Gericht und Verderben, Gotteszorn und Gottesferne. Er gleicht jener alten verarmten Mutter, die im Brief ihres Sohnes aus Amerika Dollarschecks erhielt, diese aber in ihrem Wert nicht erkannte und einlöste, weshalb alles beim alten blieb.

Das Anerkanntwerden und Wirksamwerden der Versöhnung ist Gottes erstes Teilziel mit Seiner Gesamtschöpfung. Solange es nicht erreicht ist, kann Er auch Seine Lebensfülle und Herrlichkeit in diese nicht ergießen. Zwei Wege stehen Ihm zu Seiner Erreichung zur Verfügung: Gericht und Gnade. Oder genauer gesagt, da in jedem Falle eigentlich beide wirksam sind: Annahme der Gnade auf dem Wege freiwilligen Sich-Richtenlassens durch das Wort und den überführenden Geist (Hebr. 4,12; Joh. 16, 8; 1. Kor. 11, 31) — oder Annahme der Gnade als Folge unfreiwilligen gerichtsmäßigen Zerbruchs. Auch die schwersten Gerichte, ja “alles Gericht” dient ja nicht end- und zweckloser Peinigung, sondern nach dem klaren Wort des Herrn dem Zweck und Ziel, daß Vater und Sohn in gleicher Weise von allen Wesen geehrt werden (Joh. 4, 22.23). Diese Endverherrlichung des Vaters und des Sohnes sprechen sowohl Paulus als auch Johannes in klaren Worten aus (Phil. 2, 10.11; Offb. 5, 13).

Kehren wir zurück zur Botschaft der Evangelisation, so ergibt sich: Sie zielt darauf ab, die Menschen zur Annahme der geschehenen Versöhnung zu führen: “Laßt euch versöhnen mit Gott!” Sie möchte so viele wie möglich mit einem Herzen, das von der Liebe Gottes brennend und zugleich von Seinem Gerichtsernst durchdrungen, dabei aber im tiefsten Grunde dennoch nicht unruhig und ängstlich, sondern zielstrebig und zuversichtlich eist, dazu bewegen, sich schon heute richten, überführen und zurechtbringen zu lassen, damit dieser Prozeß nicht durch äonenlanges zermürbendes Feuergericht hindurch erfolgen muß. Dazu muß sie dem Menschen erst ein Dreifaches vor Augen führen, bevor sie ihn zur Entscheidung ruft:

  1. die Erlösungsbedürftigkeit des natürlichen Menschen = die Notwendigkeit der Versöhnung;
  2. die geschehene Erlösung und Versöhnung am Kreuz = die Tatsache der Versöhnung;
  3. das kommende Gericht über die Welt = die Folgen einer Ablehnung der Versöhnung.

Dies deckt sich mit Joh. 16, 8, wo der Herr das Werk des Heiligen Geistes an der Welt mit einem Dreifachen kennzeichnet:

  1. Er wird sie überführen von der Sünde;
  2. Er wird sie überführen von der Gerechtigkeit;
  3. Er wird sie überführen von Gericht.

Dabei darf aber niemals die Gerichtsverkündigung eigentliche Triebfeder zur Bekehrung sein wollen und als Druckmittel auf die Seele eine Umkehr durch Drohung erzwingen wollen. “Weißt du nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet?” (Röm. 2, 4). Jede aus Angst statt aus liebender Hinwendung geborene Bekehrung trägt krankhafte Züge, genau so, wie eine unter Druck und aus Angst vor Drohungen vollzogene Ehe krankhaft sein muß. Bekehrung ist aber im biblischen Sinn der Beginn liebender Einswerdung zwischen Gott und Mensch. Ihre eigentliche Antriebskraft muß das Überwältigtsein von der Gottesliebe bleiben.

Evangelisation ist eben wesentlich Verkündigung der Frohbotschaft, wie Evangelium überhaupt die “gute Botschaft”, die Freudenkunde ist. Daher wird auch die Art und Weise der evangelistischen Verkündigung durch die beiden Worte “parakaleoo” und “deomai” ausgedrückt (V. 20). Ersteres drückt ein ermunterndes, mutmachendes Zurufen aus, kann jedoch auch mit “ermahnen” oder “trösten” übersetzt werden, während letzteres ein flehentliches Bitten oder Wünschen darstellt. Und je tiefer wir selbst die Herrlichkeiten der uns geschenkten Erlösung erkennen durften, um so ermunternder sollte unser Zuruf an den Nächsten, um so dringlicher unser Bitten sein.

Ob es dann gehört wird, entzieht sich unserer Beeinflussung, und es ist gut, dies zu wissen. Hier endet unser Dienst. Wir können nur säen und begießen, Gott aber muß das Wachstum schenken (1. Kor. 3, 6). Er als unser großer Auftraggeber ist bei allem der eigentlich Wirkende, in dem alles “Wollen und Wirken” menschlicherseits seinen Ursprung hat (Phil. 2, 13). Er erbarmt Sich, wessen Er will, und ruft nacheinander alle heraus, wie sie an der Reihe sind nach Seinem Plan (Röm. 9, 18; Apg. 13, 48). Und niemand kann zu Jesus kommen, wenn ihn nicht der Vater zieht (Joh. 6, 44). In diesen Worten, die so ganz von göttlicher Warte aus unsere Frage beleuchten, offenbart sich die hinter allem stehende große göttliche Souveränität. Und auch diesen Blick brauchen wir, um bei der groben Ablehnung, die mit allem evangelistischen Zeugnis je und je verbunden war, nicht mutlos oder verzagt zu werden, vielmehr ruhen zu können in unserem großen und herrlichen Versöhner-Gott, der alle Seine Ziele nach Seinem Weisheits- und Liebesplan zur rechten Zeit erreicht.

(Quelle: Sonderdruck des Artikels “Unser Dienst der Versöhnung an der Welt” aus “Gnade und Herrlichkeit”; Paulus-Verlag; Heilbronn)

— Herzlichen Dank an Martin Mohrlok für die Bereitstellung dieses Artikels! —

Bisher gibt es einen Kommentar zu “Weltversöhnung und Evangelisation (2. Kor. 5, 18-20)”

  1. 1 tape (Dienstag, 18. Mai 2010; 19:10): 

    Entscheidender und eminent wichtiger Beitrag.

    Laut einer Aufstellung in der Schlachter2000-Bibel ist der 2. Korintherbrief der unbekannteste und der am “wenigsten bevorzugte” Text des Neuen Testaments.
    Daraus resultiert, dass der Dienst der Versöhnung, der sich aus 2.Kor.5, 18-21 (und 6, 1-4 gehören im Grunde noch dazu) unser heutiger eigentlicher Auftrag an und in der Welt, so gut wie gar nicht be- und erkannt ist.

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wichtige Hinweise:
1.) Eingereichte Leser-Kommentare geben nicht zwangsweise die geistliche Sicht und Meinung des Betreibers dieser Website wider.
2.) Der Betreiber hält sich vor, dem Wesen und Anliegen dieser Website zuwiderlaufende Kommentare nicht freizugeben resp. zu löschen. Dies geschieht selbstverständlich auf jeden Fall bei Kommentaren mit antichristlichen, beleidigenden, obszönen oder anderweitig gegen die guten Sitten oder den christlichen Geist verstoßenden Inhalten. Eine kritische und/oder kontroverse Haltung zu einem der hier verfügbaren Artikel und Texte ist dagegen keineswegs Grund für eine Nichtfreigabe, solange diese sachlich erfolgt und begründet wird.
3.) Bitte erwarten Sie nicht, dass der Betreiber dieser Website generell auf jeden abgegebenen Leser-Kommentar eingeht.
4.) Gelegentlich landen Kommentare auch ohne Spam-verdächtigem Inhalt im Moderationsordner. Woran das liegt, wissen wir nicht. Erstkommentatoren gehen generell über die Moderation. In diesen Fällen bitten wir um Nachsicht und ein wenig Geduld. Ihr Kommentar wird schnellstmöglich freigeschaltet.
5.) Wenn Sie ggf. einzusetzende Links nicht über das Quicktag/den Button "link" einbinden, bitte die URLs vorher bei short4u.de oder tinyurl.com kürzen!


468 Artikel online •
5 Besucher online