Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die Rolle des Bösen in Gottes Plan

Autor: Schumacher, Heinz  |  Kategorie(n): Das Böse, Heilsgeschichte, Lehre  |  693 x gelesen

Gliederung:

1. Der Ursprung des Bösen
2. Zwei Sündenfälle
3. Gottes Antwort: Das Kreuz Jesu Christi
4. Die heutige Situation als Kampfessituation
5. Das Ziel: Die totale Entmachtung des Feindes


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1. Der Ursprung des Bösen

Wenn über die »Rolle des Bösen in Gottes Plan« etwas bezeugt werden soll, über die Rolle des Bösen in der Unheils- und Heilsgeschichte dieser Welt, dann stellt sich zuallererst die Frage nach dem Ursprung des Bösen.

Woher kommt das Böse? Wer hat es erdacht, erfunden, in die Welt gesetzt? Das ist eine heikle Frage, und es haben schon Gläubige gemeint, den Ursprung des Bösen in Gott selbst sehen zu müssen, und sie meinten dabei noch, theologisch konsequent gedacht zu haben, ja, Gott verherrlicht zu haben. Ohne es zu wissen und zu wollen (so nehme ich einmal an), haben sie aber damit Gottes Wesen völlig falsch dargestellt. Ihn mißverstanden und beleidigt. (Das harte Wort »Ihn gelästert« möchte ich an dieser Stelle lieber nicht verwenden, weil es ganz bestimmt nicht das Motiv solcher Denker war, IHN lästern zu wollen, sondern ihnen einfach ein theologischer Denkfehler unterlaufen ist, ein Streich, den die eigene Logik spielte.)

Um biblisch zu belegen, daß das Böse aus Gott stamme, stützte man sich je und je auf Jes. 45, 7, wo JEHOVAH (oder JAHWEH), der Ewigseiende, Unwandelbare, Unendliche von sich sagt: »der ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe, den Frieden (»Schalom«) mache und das Unglück schaffe, ICH, JEHOVAH, bin es, der dieses alles wirkt«. (Franz Delitzsch übersetzte in seinem Jesaja-Kommentar von 1879: »Bildner des Lichts und Schöpfer der Finsternis, Stifter des Friedens und Schöpfer des Übels«.)

Die Verben »bilden« und »machen« sind dabei nicht so schwergewichtig wie das Zeitwort »schaffen« (hebräisch bara), das immer nur von GOTT gebraucht wird und auch in 1. Mose 1 die Erschaffung der Welt beschreibt. Steht es hier nicht klar und deutlich geschrieben, daß Gott die Finsternis geschaffen hat, sie also aus Ihm kam und in Ihm wohnt? Hier ist nun wirklich Vorsicht geboten, damit uns nicht, wie gesagt, unsere Logik einen Streich spielt (2. Kor. 10, 3-5). »Gottes Wort ist nicht logisch und nicht unlogisch, sondern über-logisch«, pflegte Adolf Heller zu sagen.

Im Anfang unserer Bibel ist davon die Rede, daß Gott die Himmel und die Erde geschaffen hat und das Licht werden ließ. Von einer Erschaffung der Finsternis ist keine Rede; die Finsternis ist in 1. Mose 1, 2 einfach da! Wurde es »vergessen«, die Erschaffung der Finsternis dort zu erwähnen, und hat nun Jesaja »die im biblischen Schöpfungsbericht festzustellende Lücke« Jahrhunderte nach Mose endlich geschlossen? (Karl Elliger wirft in seinem Jesaja-Kommentar von 1978 diese Frage auf, um sie alsdann zu verneinen.) Oberster Grundsatz gesunder Schriftauslegung muß immer sein, »Schrift durch Schrift« zu erklären und dabei den Zusammenhang eines Kapitels bzw. Abschnitts stets zu beachten. Andernfalls kann man alles mögliche aus Gottes Wort herauslesen! Es ist Irrtum, Torheit, wenn nicht gar Sünde, Bibelworte aus dem Zusammenhang zu reißen und dann irgend etwas zu behaupten. — Das bedeutet in Jes. 45: Hier ist doch ganz eindeutig von völkischem Heil und Unheil die Rede. Gott sagt: Beides kommt von mir, beides habe ich gemacht, ja geschaffen! (Dies liegt ganz auf der Linie des »straff theozentrischen Denkens« des Alten Testaments. Ob Klagelieder oder Buch Hiob: Das Böse, Üble, kommt genauso von Gott wie das Gute!) Gott hat einen Nebukadnezar geschaffen und all das Unheil genehmigt, ja gewirkt (welch starker Ausdruck! — viel stärker als unser schwaches »Zulassen«: Eph. 1, 11), das er über Israel brachte. Er hat aber auch den Kyros (Cyrus, Kores) geschaffen und ihn als Werkzeug zum Heil Israels gebraucht. — Nebenbei bemerkt: Wenn Gott »Unheil wirkt«, dann niemals selbst und direkt, sondern durch Unheilswerkzeuge; Seinem Liebeswesen entsprechende Dinge aber tut Er selbst, siehe 1. Thess. 4, 16; 5, 23!

Der Irrlehrer MARCION, der etwa von 85 bis 160 n. Chr. lebte und der Gründer einer gnostischen Gemeinschaft war, schloß aus Jes. 45, 7, »daß der Gott des Alten Testaments ein anderer sei als der des Neuen« (Franz Delitzsch); nach Marcion und anderen ist Gott (nach dem AT) ein zwiespältiges, dualistisch gespaltenes Wesen; in IHM ringen Licht und Finsternis miteinander. (Da kann man ja nur hoffen, daß das Licht am Ende den Sieg davonträgt — oder bleibt der Dualismus für immer?) Wer solches lehrt, muß sich darüber klar sein, daß er einer »Persönlichkeitsspaltung« Gottes das Wort redet und außerdem einer Spaltung des Wortes Gottes! Was soll aber aus den Geschöpfen Gottes werden, wenn Gott selbst ein Gespaltener ist? Könnte dann auch nur ein Wesen jemals in Gott Frieden und Harmonie und tiefste Glückseligkeit erlangen? Und was würde es dann bedeuten, »zur ganzen Gottesfülle erfüllt zu werden« (Eph. 3, 19)? Die Konsequenzen wären unabsehbar, wenn Licht und Finsternis, beide zusammen, in Gott wohnten!

Schon das Alte Testament zeigt jedoch immer wieder, wenn es auf das Wesen Gottes zu sprechen kommt, daß Er zwar zürnt, aber Sein eigentliches Wesen von Güte und Erbarmen erfüllt ist; hier sei nur an 2. Mose 34, 6-7; Jes. 54, 7-8; 57, 15-16 und Klagel. 3, 31-33 erinnert! Ganz deutlich aber darf es der Apostel Johannes in seinem 1. Brief bezeugen, wer und was Gott eigentlich ist: »Gott ist Licht, und gar keine Finsternis ist in Ihm« (1. Joh. 1, 5) und »Gott ist Liebe« (1. Joh. 4, 8.16). Diese Worte gehören zu den wichtigsten in der ganzen Heiligen Schrift! Die beiden Zeugnisse stimmen völlig miteinander überein; setzt doch Johannes den Haß der Finsternis gleich und die Liebe dem Licht (Joh. 2, 9)! Gott ist Licht ohne Finsternis, Liebe ohne Haß. Darum liebt Er sogar Seine Feinde und rechnet ihnen das Böse nicht zu (Joh. 3, 16; Röm. 5, 8; 2. Kor. 5, 18-21); darum übernimmt Er selbst die letzte Verantwortung für die Weltsünde und trägt, sühnt und vergibt sie in Christo. Er haßt nur die Sünde als solche, liebt aber den Sünder.

Wir halten fest: In Gott ist überhaupt keine Finsternis; also kann sie auch nicht aus Ihm kommen. »Das All ist aus Gott« hervorgegangen (Röm. 11, 36); aber eben ohne jede Finsternis.

Aber nun muß noch etwas anderes gesagt werden: Indem Gott eine Schöpfung schuf, aus sich heraus stellte, ermöglichte Er Finsternis. Er gab den Weg zum Bösen frei. Schon vor Grundlegung der Welt hatte Er im »Vorsatz der Äonen« (Eph. 3, 11) mit Seinem Sohn besprochen, daß eine Schöpfung mit der Möglichkeit zum Bösen, zum Nein gegen Gott und damit zur Finsternis, geschaffen werden sollte. Dieses »Risiko« ging Gott ein. (Für Ihn war es allerdings aufgrund Seiner allweisen Vorausplanung und allwissenden Voraussicht kein Risiko!) Vater und Sohn erkannten vor Grundlegung der Welt, als sie miteinander planten (Eph. 3, 11; 1, 4; 1. Petr. 1, 20): Ein Teil der Geisterwelt und die Menschenwelt würden in Sünde fallen. Um den Fall mit allen Folgen gutzumachen (mehr als gutzumachen), würde der Sohn sich selbst erniedrigen bis zum Tode am Kreuz (Phil. 2, 5-11; Röm. 5, 12-21). Dadurch würde die Herrlichkeit am Ende größer sein als am Anfang. Ohne diesen Endausgang vor sich zu sehen, hätten Vater und Sohn die Welt niemals geschaffen! Gott ist kein Glücksspieler, der eine Welt probeweise ins Dasein ruft (geht es gut, dann geht es gut, sonst eben nicht), und Er ist schon gar nicht der endlos Quälende! Er ist der allein Weise und zutiefst nichts als Licht und Liebe!

Halten wir es klar auseinander: In Gott ist keinerlei Finsternis und Sünde; wohl aber hat Er Finsternis und Sünde als vorübergehende Erscheinung für eine begrenzte Zeit (wenn auch äonenlang!) als Möglichkeit Seinen Geschöpfen eingeräumt. Und zwar deshalb, weil Er von Seinen Geschöpfen geliebt werden will. Liebe aber ist nur in Freiheit möglich. Gott will die Liebe von Menschen, die nein sagen können und doch ja zu Ihm sagen; die ungehorsam sein können und doch Ihm gehorchen wollen. Das nur macht Ihn glückselig. Alles andere wäre Zwang, Vergewaltigung oder Roboterwesen, Automation. Mehr kann man wohl zu diesem Thema nicht sagen; ich bitte auch, von brieflichen Rückfragen zu diesem Thema abzusehen. Hier stoßen wir an die Grenzen unserer Logik. Da gilt es sich zu bescheiden und lieber zu beten als zu diskutieren. Immerhin dürfen wir für das Licht Gott herzlich dankbar sein, das die oben genannten Schriftworte in dieser Frage geben.

2. Zwei Sündenfälle

Warum zwei Sündenfälle? — Weil es einen Sündenfall in der Geisterwelt und hernach in der Menschenwelt gab. Da Gott Licht ohne Finsternis ist und aus Ihm keinerlei Finsternis wesensmäßig kommt, hat Er auch den Satan nicht als Satan erschaffen, ebensowenig irgendeinen Finsternisengel als solchen. Zwei Abschnitte im Alten Testament reden da eine deutliche Sprache, allerdings nur für den, der auch die biblische Symbolik (oder Typologie, schattenhafte Vorausdarstellung) ernst nimmt. Ohne Zweifel enthält das Alte Testament mehrere kostbare Schattenbilder auf Jesus. Sie weisen (nicht in allem, was sie tun, aber doch in gewissen Zügen) auf Jesus hin. Wem fiele hier nicht Joseph ein (in seiner Erniedrigung und Erhöhung) oder auch in gewisser Hinsicht lsaak, David, Salomo?

Ebenso gibt es nun aber auch finstere Gestalten als Abbilder und Darsteller Satans (bzw. auch als Modelle des kommenden Antichristen). Wer die Bibel nicht für ein Erzeugnis phantasiebegabter Menschen hält, sondern für Gottes heiliges Wort, der muß zugeben, daß die Texte Jes. 14, 12-14 und Hes. 28, 11-17 über das hinausgehen, was von einem Menschen gesagt werden kann. Hier liegt eindeutig Typologie vor: vordergründig ist von einem irdischen Herrscher die Rede, hintergründig vom Satan und seinem vorweltlichen Sturz. In der erstgenannten Stelle lesen wir (unrev. Elbf. Bibel): »Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte! zur Erde gefällt, Überwältiger der Nationen! Und du, du sprachst in deinem Herzen: Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über die Sterne Gottes meinen Thron erheben, und mich niedersetzen auf den Versammlungsberg im äußersten Norden. Ich will hinauffahren auf Wolkenhöhen, mich gleich machen dem Höchsten!« Besonders in Jes. 14, 14 wird die Ursünde deutlich beschrieben:

  1. Ich — Das eigene Ich steht voran, ist tonangebend;
  2. will — der Eigenwille, Ichwille des Geschöpfes fragt nicht länger nach dem Willen Gottes, sondern will selbst bestimmen;
  3. hinauffahren — der Weg des Eigenwillens geht nicht hinab, sondern hinauf, die genau entgegengesetzte Gesinnung zur Gesinnung Jesu (Phil. 2, 5-8).

Der verblendete Größenwahn dieses »Glanzsterns« (lat. Luzifer) schreckte nicht davor zurück, die Gottgleichheit eigenmächtig anzustreben. Hochmütige Ichverherrlichung — größenwahnsinniges Gottgleichseinwollen — das war die Ursünde. Ob Hitlerwesen, Nietzsche-Philosophie, Antichristentum — alles liegt auf dieser Linie des Ur-Hochmutes Satans.

Steht in Jes. 14 der König von Babel im Vordergrund, so in Hes. 28 der Fürst von Tyrus. In beiden Fällen aber zielt die Schilderung auf den Fall Satans. In Hes. 28, 12-17 lesen wir: »Menschensohn, erhebe ein Klagelied über den König von Tyrus und sprich zu ihm: So spricht der Herr, Jehovah: Der du das Bild der Vollendung warst, voll von Weisheit und vollkommen an Schönheit, du warst in Eden, dem Garten Gottes … Du warst ein schirmender, gesalbter Cherub, und ich hatte dich dazu gemacht; du warst auf Gottes heiligem Berge, du wandeltest inmitten feuriger Steine. Vollkommen warst du in deinen Wegen von dem Tage an, da du geschaffen worden, bis Unrecht an dir gefunden wurde. Durch die Größe deines Handels wurde dein Inneres mit Gewalttat erfüllt, und du sündigtest; und ich habe dich entweiht vom Berge Gottes hinweg und habe dich, du schirmender Cherub, vertilgt aus der Mitte der feurigen Steine. Dein Herz hat sich erhoben ob deiner Schönheit, du hast deine Weisheit zunichte gemacht wegen deines Glanzes; ich habe dich zu Boden geworfen …«

Gott empfindet nicht Schadenfreude, wenn Feinde stürzen, sondern läßt ein Klagelied anstimmen! Im Vordergrund steht hier die Person des Handel treibenden Königs von Tyrus. Auch er erlebte einen Sturz ob seines Hochmuts. Doch dahinter wird ein anderes Wesen sichtbar: ein gesalbter Cherub, vollkommen an Schönheit, voll von Weisheit, fehlerlos in seinen Wegen. Offenbar befand er sich vor seinem Sturz im himmlischen Eden (Paradies, Wonnegarten). Seine Schönheit und sein Glanz wurden ihm zum Verhängnis, er erhob sich, sein Inneres erfüllte sich mit Gewalttat (jede äußere gewalttätige Handlung beginnt im Inneren!), und er sündigte. Die Parallele zu Jes. 14, 12-14 ist unverkennbar.

Gottesmänner wie Jakob Kroeker, Erich Sauer, Karl Geyer, Adolf Heller sprachen bzw. schrieben immer wieder über diesen Fall Satans, oftmals mit Bezug auf die ebengenannten Stellen. Meistens ordneten sie dies Ereignis chronologisch so ein, daß zwischen dem 1. und 2. Vers in 1. Mose 1 dieser Fall zu sehen sei. (Siehe dazu in meinem Buch »Urknall und Schöpfergott« die beiden Abschnitte »Was geschah am Schöpfungsbeginn?« und »Gab es Katastrophen der Urzeit?«, S. 94-117!) Später folgte dann der Sündenfall des Menschen. Nach der Vertreibung Luzifers aus dem himmlischen Eden kam es zur Vertreibung der Menschen aus dem irdischen Eden; und der, der wegen seines Gottgleichsein-Wollens zu Fall kam, verführte die beiden ersten Menschen ebenfalls zum Ungehorsam, indem er ihnen vorgaukelte, ihr Ungehorsam führe nicht zum Tode, sondern vielmehr zur Gottgleichheit (1. Mose 3, 1-6)!

Gewaltsames, eigenmächtiges Ansichreißenwollen der Gottgleichheit brachte Geistwesen und Menschen zu Fall; das Motiv dazu aber war Mißtrauen gegen Gott: Gott lügt und gönnt Seinen Geschöpfen nichts Gutes; gerade das Kostbarste, zu sein wie Er, enthält Er uns vor; wir müssen die Dinge in die eigene Hand nehmen — so lautet die Teufelstheologie. Sie stellt alles auf den Kopf; denn in Wirklichkeit will ja Gott Seine Menschen dahin führen, IHM gleich zu sein. Das war Sein Programm von Anfang an (1. Mose 1, 27), und davon geht Er trotz Sündenfall nicht ab; doch nun kann Er dieses Programm vorerst nur an den Erstlingen verwirklichen. Das Lebensziel für jeden Gläubigen lautet: »Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, daß wenn es offenbar werden wird, wir Ihm gleich sein werden, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist« (1. Joh. 3, 2). Zu diesem Ziel hin werden wir in der Gegenwart von Gott erzogen und geführt; wir sollen erneuert werden im Geist unserer Gesinnung und angezogen haben und angezogen halten »den neuen Menschen, der gottgemäß geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit (Eph. 4, 23-24).

3. Gottes Antwort: Das Kreuz Jesu Christi

Wenn dieser Abschnitt kürzer gehalten ist, so nicht, weil er unwichtiger wäre! Im Gegenteil! Doch wird vom Kreuz relativ oft gepredigt, während man über den »Ursprung des Bösen« und die »zwei Sündenfälle« viel weniger hört, weshalb sie ausführlicher dargestellt wurden.

»Gottes anti-diabolische Aktion«, so nannte ein Theologe das Kreuz auf Golgatha. Gott durchkreuzt an diesem Kreuz den Willen Seiner Feinde. Er wandelt ihren Scheinsieg in Seinen Sieg! So deutet Paulus in Kol. 2, 14-15 den Kreuzestod Jesu Christi als einen gewaltigen göttlichen Sieg. Geistlich und göttlich gesehen, von innen und von oben geschaut, handelte Jesus aktiv und siegreich am Kreuz und tat genau das, was Er, äußerlich gesehen, passiv erlitt: Er nagelte an, zog aus, triumphierte … (Siehe dazu das Paulus-Verteilheft 8 von Adolf Heller: »Der Sieg von Golgatha«; früherer Titel: »Die Innenschau des Kreuzes«.)

Am Kreuz wurde der Feind grundlegend und für immer besiegt. Gott siegte aber nicht durch äußere Macht, sondern durch Leiden. Er besiegt Seine Feinde nicht, indem Er Böses mit Bösem vergilt, sondern Böses mit Gutem. Zugleich eröffnet das Kreuz von Golgatha den Weg für alle vom Feind Verführten und Gefesselten, für alle Menschen und alle Wesen überhaupt, von der Sünde Schuld und Macht umsonst frei zu werden, dem Machtbereich des Satans zu entrinnen. (Man lese hierzu in meinem Buch »Und führet alles wohl?« den Abschnitt: »Einer für alle — Das Prinzip der Stellvertretung aus Liebe«, S. 83-94!)

4. Die heutige Situation als Kampfessituation

Satan wurde besiegt. Er hat sein »Stalingrad« längst hinter sich. Doch, um im Bilde zu bleiben: Nach der Wende von »Stalingrad« gingen die Kämpfe im Zweiten Weltkrieg durchaus noch weiter, ja, die verlustreichsten Kämpfe folgten erst noch! So ist auch der Feind, der »Fürst dieser Welt«, längst von Gott verworfen worden, und Sein Sohn, Jesus Christus, wurde schon längst als König erkoren (siehe Ps. 2). Doch wie der verworfene König Saul noch lange Jahre trotz seiner Verwerfung weiterregierte, so auch Satan. Und wie David, der wahre von Gott erkorene König, den Weg der Niedrigkeit und des Wartens zu gehen hatte, so »wartet« auch Jesus (Hebr. 10, 13).

Noch gibt es heute »zwei Reiche«: das »Königreich Satans« existiert neben dem »Königreich Gottes« (Luk. 11, 18.20). Es gibt »zwei Waffenrüstungen« (die göttliche und die teuflische): Eph. 6, 11 und Luk. 11, 22. Und es gibt »zwei Fürsten«, den finsteren »Fürsten dieser Welt« (Joh. 14, 30; 16, 11) und den »Fürsten der Könige der Erde« (Offb. 1, 5). Diese aber sind nicht etwa gleichberechtigt, einander nebengeordnet, sondern einer ist dem anderen untergeordnet — der Finsternisfürst dem Lichtfürsten, der Satan dem HERRN. Dennoch gilt vorerst noch im Blick auf den Feind: »Groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist« (Luther).

Wir leben heute in einer Welt, in der das Böse zuzunehmen scheint, ja tatsächlich zunimmt. Dafür sorgen nicht nur die rapide Zunahme der Weltbevölkerung (immer mehr unerlöste Menschen bevölkern diesen Planeten) und der berühmte »technische und wissenschaftliche Fortschritt (der gewiß als solcher neutral ist, aber eben doch vom sündigen Menschen im weitaus größten Maße zum Bösen mißbraucht wird, siehe Hiroshima und Tschernobyl); dahinter steckt vielmehr das Wissen des Satans, daß er nur noch wenig Zeit hat (Offb. 12, 12). So zieht er immer mehr alle Register, bevor er gestürzt wird (Offb. 12, 9.10; 20, 13). Auch nach den Worten Jesu in Matth. 13, 30 darf Böses und Gutes in diesem gegenwärtigen Zeitalter (Äon) zusammen auf dem Acker dieser Welt ausreifen. Medien — Mode — Wissenschaft — Erfindungen — Wirtschaft — Finanzen — Technik — Politik — alles wird mehr und mehr in den Dienst des Ausreifens des Bösen gestellt! Ich greife nur einen Punkt heraus: die negativen Einflüsse des Fernsehens (die die positiven immer stärker übersteigen). Es ist ein Teufelskreis, in dem ehrgeizige Medienmacher und unkritische fernsehsüchtige Konsumenten gleichermaßen gefangen sind: Weil die Welt in den letzten Jahren immer krimineller und kriegerischer und haßerfüllter wurde (ausgerechnet nach der Ost-West-Entspannung!), meinen die meisten Fernsehproduzenten, man dürfe (ehrlich, wie man ist!) den Zuschauern keineswegs eine »heile Welt vorgaukeln«; man müsse die Welt zeigen, wie sie ist, und den Zuschauern bieten, was sie (angeblich) wünschen: also immer mehr Sendungen über zerrüttete Familien, schreiende und tobende Menschen, wilde Musik, Verführung und Ehebruch, wild schießende Pistolenhelden. Dies wird aber von den meisten (vor allem jugendlichen) Zuschauern keineswegs als Warnung aufgefaßt (es fehlt ja auch meist jegliche ethisch-moralische Wertung in den Sendungen!), sondern reizt zur Nachahmung. Und so wird der Umgangston immer häßlicher, Krieg und Streit wachsen nicht nur in den Bürgerkriegsgebieten, sondern auch in vielen Familien; Süchte und Lüste steigern sich. Auch wer nicht zum Schwarzsehen neigt, stellt heute ganz nüchtern fest: Das Böse nimmt rapide zu. Es wird kälter auf Erden. Nicht nur die Liebe Gottes (agape) fehlt den Menschen, auch die »natürliche Liebe« nimmt unter den Menschen ab (Röm. 1, 31; 2. Tim. 3, 3). Und man freut sich sehr, wenn man ausnahmsweise in der Welt noch einem demütigen, freundlichen, hilfsbereiten und entgegenkommenden Menschen begegnet.

Wichtig ist für Gläubige, in einer solchen Welt nicht selbst wieder in den Bannkreis des Bösen gezogen zu werden, dem man doch nicht mehr angehört (Kol. 1, 13!), d. h. nicht selber aufgrund negativer Erlebnisse aufs neue in Ärger und Haß, böse Lüste oder Süchte, Zweifel und Kälte verstrickt zu werden. Wichtig ist auch, nicht an der falschen Front zu kämpfen. Wo die Front verläuft, sagt uns Eph. 6, 11.12. Es ist der Teufel samt seinen »Fürstentümern und Gewalten, Kosmokratoren der Finsternis und Geistlichen der Bosheit«. Sieh also nie in einem Menschen deinen eigentlichen Feind, und auch nicht im eigenen Fleisch und Blut! Kämpfe und ringe auch nicht mit aller Macht gegen die eigenen Sünden! Röm. 6, 11 gibt vielmehr den Rat: »Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christo Jesu«. Leben für Gott — für Ihn da sein, mit Ihm Gemeinschaft pflegen, Ihm dienen, ist ein viel besseres Rezept, um geistlich zu siegen, als das Anschauen der Sünde und der Macht des Teufels.

Gläubigen wird in Eph. 6, 10-20 eine wunderbare geistliche Waffenrüstung angeboten, in der sie (die ja sowieso auf der Seite des Siegers stehen) Sieg haben können gegen die Machenschaften der Finsternis. Freilich ist das Kämpfen in dieser Waffenrüstung ein Lernprozeß; Niederlagen und Verwundungen bleiben nicht aus; aber gerade dann gilt es, unbeirrt das Vertrauen festzuhalten, daß Gott mit uns zum Ziel kommt. Der Glaube, das Vertrauen, wird uns ja als »Langschild des Glaubens, an dem alle feurigen Pfeile des Bösen abprallen bzw. gelöscht werden«, besonders ans Herz gelegt. (Man lese aufmerksam Eph. 6, 10-20 und beachte alle Teile der Waffenrüstung.) Dieser Text ist uns nicht dazu gegeben, um uns Angst einzuflößen und die Ängstlichen, Seufzenden, Depressiven noch ängstlicher zu machen! Er redet ja im Gegenteil von Sieg und Bewahrung! Allerdings bedarf es der steten Wachsamkeit. »Die Waffenrüstung anziehen« bedeutet zutiefst: den Herrn Jesus Christus anziehen (Rom. 13, 14), denn alle genannten Teile der Rüstung (Wahrheit, Gerechtigkeit, Evangelium, Glaube, Heil, Wort, Gebet) weisen ja zutiefst auf IHN selber hin! Wer Ihn hat, hat auch diese Waffenrüstung, und Ihm gilt dann auch Jak. 4, 7!

5. Das Ziel: die totale Entmachtung des Feindes

Unser Bruder Adolf Heller pflegte sich in folgender Weise zu äußern: Das Böse ist keine in sich selbst bestehende und gefestigte Macht; es geht einmal wegen seiner inneren Hohlheit und Leere an und in sich selbst zugrunde! Daran mußte ich in letzter Zeit des öfteren denken. Denn der ziemlich lautlose Zerfall des so mächtigen Sowjetimperiums bietet uns dafür in unserer Gegenwart einen gar trefflichen Anschauungsunterricht! Es bedurfte keines US-Atomkrieges, diesen Riesen zu bezwingen; aufgrund der ihm innewohnenden Schwäche und Unfähigkeit, seiner Lügenhaftigkeit und Korruption und Verblendung, die schließlich auch die Wirtschaft, Technik, Industrie usw. erlahmen ließ, brach er still auseinander. Ronald Reagan nannte seinerzeit die UdSSR das »Reich des Bösen«; er vergaß hinzuzufügen, daß auch die USA sowie die gesamte Völkerwelt zum »Reich des Bösen« gehören!

Doch auch die ganze verführerische und bedrohliche Macht des Feindes ist Schein und nicht Wesen. Es gibt zwar eine Macht der Dämonie, aber sie ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, sie kann auf die Dauer nicht Bestand haben, denn alle positiven Werte wie Liebe und Licht, Wahrheit und Gerechtigkeit fehlen ihr. Zwar wird in Offb. 12 ausgeführt, daß in der Endzeit ein Kampf (bzw. Krieg) im Lufthimmel stattfindet. Michael und seine Engel kämpfen mit dem Drachen und seinen Engeln, und so wird Satan gestürzt. Eigenartigerweise wird dann aber (V. 11) gesagt, daß die Brüder den Feind überwunden haben! Michael und seine Engel kämpften gewissermaßen an der äußeren Front; an der geistlichen Front aber kämpften (im Sinne von Eph. 6, 10-20) die Brüder und Schwestern, die Glieder der Gemeinde Jesu, und ihr geistlicher Kampf (nach Eph. 6 ein Verteidigungs- und nicht Angriffskrieg) bringt letztlich den Feind zum Erliegen. So zeigen also gewissermaßen die Texte Offb. 12, 7-9 und 20, 1-3.10 den äußeren Aspekt des künftigen Sieges Jesu Christi über Satan (begründet in Seinem Sieg am Kreuz); den inneren geistlichen Aspekt aber zeigen Texte wie Eph. 6, 10-20; Röm. 13, 12; 1. Thess. 5, 8; Offb. 12, 11. Kindlicher Glaube und unerschütterliches Vertrauen gegenüber unserem Gott und Seinem Christus — Liebe zu Gott und aus Gott — Wandel im Lichte Gottes — das sind die »Waffen«, gegen die der Feind im Grunde machtlos ist. Der totale göttliche Sieg über alle Macht der Finsternis ist nur eine Frage der Zeit — Satan wird äußerlich-kosmisch und vor allem innerlich-geistlich eine völlige Niederlage erleiden und alle Waffen und alle Beute verlieren (Luk. 11, 22). Am Ende hat er nichts. Jesus aber bekommt alles (1. Kor. 15, 24- 28). Dann ist die Rolle des Bösen für immer ausgespielt, und Gott wird sein alles in allen.

— Siehe zur Thematik dieses Artikels auch das Buch von Heinz Schumacher: »Und führet alles wohl?« Gottes Handeln in der Geschichte: Die gefallene Welt / Auserwählung / Der Kampf zwischen Gott und Satan / Das Ausreifen des Bösen / Gottes Zurechtbringung / Christi Machtergreifung. 222 Seiten, Paulus-Verlag Karl Geyer, Heilbronn —

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; Paulus-Verlag; Heilbronn)

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