Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Was ist eine “gute” Predigt?

Autor: Schumacher, Heinz  |  Kategorie(n): Gemeinde, Lehre  |  447 x gelesen

Diese Überlegungen sind nicht dazu niedergeschrieben worden, um Kritikern Munition zu liefern, sondern um den Verkündigern selbst und der sie unterstützenden betenden Gemeinde einige Hinweise zu geben.

Wer hin und her manche Predigten hört — “gute” und “schlechte” —, wer selber im Dienst der Verkündigung steht und wer (wie ich es in letzter Zeit tue) häufig Tonbänder verschiedener (schon heimgegangener und noch lebender) Brüder abhört, vor dem steht früher oder später die grundsätzliche Frage:

Was ist eigentlich eine “gute” Predigt?

Da kommen Gottesdienstbesucher aus einem Gotteshaus — es sei eine Kirche, Freikirche, Bibelkonferenzstätte, ein einfacher Saal oder ein Wohnhaus —, und es entsteht draußen vor der Tür ein dankbares Gemurmel: “Das war aber heute eine gute Predigt!” — “Ich bin sehr dankbar für das Gehörte!” — “Mir ist dieser Zusammenhang ganz neu aufgegangen!” — “Mir wurde das Herz warm!”

Doch auch das Gegenteil kommt vor — viel öfter? Das “Volksgemurmel” klingt enttäuscht: “Nun ja — immer dasselbe, wie es nicht anders zu erwarten war!” — “Klug ist er, aber er erbaut mich nicht!” — “Glaubt der eigentlich, was er sagt?” — “Das war wieder einmal bloße Moral!” — “Kirchenpolitik, Entwicklungshilfe, Muttertag, Mitmenschlichkeit, alles schön und gut, aber wo bleibt eigentlich die Verkündigung Christi?!” — “Lauter Drumherum und wenig Predigt!” — “Dünn wie eine Wassersuppe!”

Natürlich ist es eine Frage unseres eigenen geistlichen Standpunktes, ob wir einen Gottesdienst als “gelungen”, “gesegnet” oder “missglückt” empfinden, ob wir eine Predigt “gut” oder “mittelmäßig” oder “schlecht” nennen. Für den einen ist eine Predigt “gut”, wenn sie aktuell und praxisnah ist; ein anderer urteilt vom Gefühl her und fragt nur danach, ob es warm ums Herz wurde; ein anderer achtet auf Stil und Rhetorik; ein anderer urteilt vom Blickfeld einer Strömung der theologischen Wissenschaft her, der er sich verpflichtet weiß; der strenge Fundamentalist und Biblizist fragt: Kann alles, was er heute sagte, bis zum letzten Nebensatz biblisch belegt werden? Dem einen fehlt die Hauptsache, wenn nicht das “prophetische Wort” auf den Leuchter gestellt wurde; einem anderen liegt daran sehr wenig, er sucht “Modernität” und “Auflockerung”. —

Es kann einem, der Gottes Wort liebt und der Brüder mit wirklicher Vollmacht kennenlernen durfte, schon zu einer schweren Belastung der Seele und Not des Geistes werden, wenn er so hört, was von den vielen, vielen Pfarrern und Pastoren, Predigern und “Laien” so allsonntäglich gesagt wird. Sind sich die meisten Verkündiger eigentlich dessen so recht bewusst, was es heißt: “Gottes Wort verkündigen”? Welch ein Vorzug, welch eine Bevollmächtigung, aber auch, was für eine Verantwortung das ist? Wird nicht sehr oft

  • ohne das brennende Herz ein trockener Vortrag gehalten?
  • nicht Gottes Wort verkündigt (so dass der Herr selber durch den Heiligen Geist reden kann), sondern menschliche Meinung in den Raum gestellt?
  • Gefühlsaufputschung oder Rhetorik an die Stelle echter Vollmacht gesetzt?

Ich klage nicht die Verkündiger an — ich prüfe mich selber!

O möchte doch kein Verkündiger auch nur den Mund aufmachen, um Gottes Wort zu verkündigen, wenn er nicht zuvor auf den Knien ernst und ausdauernd darum gerungen hat, dass er in Zucht und Kraft und Liebe (nicht leichtfertig, salopp oder trocken) in der betreffenden Stunde der Gemeinde Gottes dienen kann, so dass Gott selbst im Heiligen Geist durch ihn zu Wort kommen möge!

Wie aber soll eine christliche Gemeinde handeln, wenn ein Verkündiger immer wieder Menschenmeinung statt Gotteswort, Moral und Politik statt Prophetie, angelernte Redensarten im angelernten Tonfall statt zu Herzen gehender erwecklicher Verkündigung bringt? — Alles schweigend schlucken? Liebend kritisieren? Offen protestieren?

Das sind ernste Fragen, die gewiss nicht durch fleischliche Kurzschlusshandlungen recht zu beantworten sind, die aber beantwortet werden müssen. Denn die Gemeinde hat nicht nur die Aufgabe, für die Verkündiger zu beten (Eph. 6, 19), sondern auch die Aufgabe, die Verkündigung zu prüfen (1. Thess. 5, 20-21; 1. Kor. 14, 29). Leider hat ja die unbiblische Aufsplitterung der Gemeinden in “Dienende” und “Bediente”, in sogenannte “Geistliche” und sogenannte “Laien” weithin dazu geführt, dass die örtlichen Gemeinden weder ihre Gebetsaufgabe noch ihre Prüfungsaufgabe hinsichtlich der Verkündigung mehr sehen und ernst nehmen und praktizieren.

Was ist eine “gute” Predigt?

Ich will versuchen, aus meiner Sicht einige Hinweise zu geben.

1. Eine gute Predigt verkündigt die großen Taten Gottes!

Wichtiger als die Form einer Predigt ist ihr Inhalt. Es kann nicht jeder Verkündiger hinreißend reden; von einem jungen Verkündiger kann nicht die Kraft eines weitgereisten Evangelisten oder die Erfahrung eines jahrzehntelang dienenden Bruders erwartet werden; hier muss die Gemeinde Gottes barmherzig sein und den jungen Brüdern beistehen, sie ermuntern, gelegentlich auch ermahnen. Überhaupt möchte ich mit meinen Zeilen junge Brüder nicht abschrecken und abhalten vom Wortdienst; wo wirklich der Herr junge Brüder zum Wort und Wortzeugnis drängt, sollten Ältere sie ermuntern, ihnen Gelegenheit geben, sich anzuschließen, sie vielleicht sogar mit Handauflegung zum Dienst segnen. (Warum geschieht das so wenig in der Gemeinde Gottes?!)

Barmherzig sollen wir sein, wenn die Form schwach, wenn der Verkündiger noch jung und unerfahren, aber willens ist, aufs Wort zu hören, sich unters Wort zu beugen, dem Wort zu dienen.

Viel schwerwiegender aber ist es, und es kann auf die Dauer nicht barmherzig zugedeckt werden, wenn ein Verkündiger jahrelang einen falschen Inhalt bringt! Welches ist denn der richtige Inhalt? Die Apostel verkündigten immer wieder eines: die großen Taten Gottes! (Apg. 2, 11). Und das ist ein ganz entscheidendes Kriterium für die Beurteilung einer Predigt: Steht das Handeln Gottes im Mittelpunkt der Verkündigung, oder sind die menschlichen Freuden und Leiden, Erwartungen und Bedürfnisse A und O? In viel zu vielen “modernen” Predigten ist es der Mensch, um den sich alles dreht. In der Heiligen Schrift aber ist Gott das A und das O, und so ist eine gute Predigt eine Predigt, in der Gott (der Schöpfer, der Führer Seines Volkes Israel, der Erlöser, der Vollender) und Jesus (im Alten Testament, auf Erden lebend, der Gekreuzigte, Auferstandene, Erhöhte und Kommende) die Mitte bilden.

Frage Nr. 1 an jeden Verkündiger: Predigst du die großen Taten Gottes? —

2. Eine gute Predigt bringt Evangelium, frohe Botschaft

Eine gute Predigt löst darum Freude aus! Das Evangelium ist ja eine “frohe Botschaft”, die Botschaft von der Gnade Gottes. Mag es auch besonders ausgerüstete “große” Evangelisten geben -: ein jeder Verkündiger hat Evangelium zu bringen, Gnade zu verkündigen, die unverdiente und unverdienbare Gnade und Liebe Gottes groß zu machen. Jeder Verkündiger hat das zu bezeugen; und insofern ist es falsch, zu sagen: Dieser oder jener Bruder “ist kein Evangelist, kann nicht evangelisieren”. Gewiss hat nicht jeder im Sinne von Epheser 4, 11 einen ausgesprochenen Evangelistendienst zu tun (etwa wie heutzutage Billy Graham), aber ein jeder Verkündiger hat die frohe Botschaft, das Evangelium von der Gnade Gottes in Christo Jesu in die Mitte zu rücken und zu preisen.

Frage Nr. 2 an jeden Verkündiger: Predigst du Evangelium? —

Wo dies geschieht, wird eine Gemeinde “ganz von selbst” fähig zum Lobe Gottes und zu freudiger Gebetsgemeinschaft. Ohne Verkündigung des Evangeliums und der großen Taten Gottes bleibt die Gebetsfreudigkeit aus, und der Lobgesang der Gemeinde gerät in bedenkliche Nähe zur Seelenmassage und Selbstberauschung.

3. Eine gute Predigt bringt gesunde Lehre

Mit bloßer Moral und Erbaulichkeit ist es nicht getan. Auch Evangelisation allein genügt nicht. Die vom Herrn Erweckten und Bekehrten sollen ja weiter eingeführt werden in Gottes Liebesgedanken. Israel-Lehre, Gemeinde-Lehre, der Heilsplan Gottes, eine gesunde (aber nicht überspitzte) Schriftteilung, Einführung ins prophetische Wort, Lehre von Gott und von Christus und vom Heiligen Geist — wer das als Verkündiger in einer örtlichen Gemeinde auf die Dauer vernachlässigt (und vielleicht durch Moral und Mitmenschlichkeit, Politik und Soziales, Diskussion und Beatmusik ersetzt), versündigt sich an der Gemeinde Gottes.

Von den ersten Christen heißt es: “Sie verharrten in der Lehre der Apostel.” Wie kann das eine Gemeinde aber tun, wenn ihr keine Lehre dargeboten wird?

Ich möchte an dieser Stelle nochmals (wie schon in einem früheren Artikel in GNADE UND HERRLICHKEIT) vor neuen Bibel-Übersetzungen warnen, die nicht wortgetreu sind. Ich habe gewiss nichts gegen zeitnahe und verständliche Übersetzungen einzuwenden; wenn aber so wichtige Begriffe wie “Sünde, Gnade, Rechtfertigung, Glaube” durch ganz verschiedene andere Worte verdeutscht und z. T. in Nebensätzen versteckt werden, mal so und mal so, dann ist ein klares Bild biblischer Lehre aufgrund solcher umschreibender Übersetzungen nicht mehr zu gewinnen. Sie tun ein gutes Werk, wenn Sie recht viele, auch gerade junge Menschen auf die wörtliche “Elberfelder Bibel” hinweisen.

Frage Nr. 3 an jeden Verkündiger: Bringst du gesunde Lehre? —

Nebenbei bemerkt: Zur Verkündigung gesunder Lehre gehört auch Fleiß. Der Verkündiger muss viele Stunden über dem Worte Gottes, dem Urtext, und vielleicht über guten Büchern verbringen. Oft sind Gemeindeprediger durch andere Aufgaben überfordert. Es ist Sache der Gemeinde bzw. der Gemeindeältesten, einen Prediger so weit von anderen Aufgaben zu entlasten, dass er diese Zeit bekommt. Andernfalls ist die Gemeinde für eine “magere” Verkündigung mitverantwortlich zu machen! Ehe man sich über Prediger entrüstet, sollte auch dies bedacht werden — und ebenso die Frage, ob man aus dauernd für den Prediger betet.

4. Eine gute Predigt besitzt Zucht und Ernst

Eine Verkündigung, die leichtfertig und salopp daherkommt, ehrt den Herrn nicht, auferbaut die Gemeinde nicht und ist dem Inhalt unserer Verkündigung nicht angemessen. Geht es doch um Fragen von Tod und Leben, Sünde und Gnade, Rettung und Gericht! In dem Bestreben, volkstümlich zu sein, verständlich zu sein, “anzukommen”, die Zuhörer zu fesseln, auch junge Menschen anzusprechen, tut mancher des Guten zuviel und betrübt dann den Heiligen Geist. Sicher muss die Verkündigung nicht humorlos sein, auch rede ich nicht einem feierlichen Predigertonfall das Wort (so wie ihn mancher Prediger, ständig im Beerdigungs-Tonfall redend, von seiner Bibelschule mitbringt), — und doch muss man sich als Verkündiger sehr hüten, von Witz zu Witz und Gag zu Gag zu hüpfen, oder aber einen kürzlich erlebten Ärger durch ein “Losdonnern” fleischlicherweise abzureagieren.

Frage Nr. 4 an jeden Verkündiger: Predigst du mit Zucht und Ernst? —

5. Eine gute Predigt besitzt Kraft

“Nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft”, dieses Pauluswort aus 1. Korinther 2, 4 hielt mich einmal als jungen Menschen davon ab, an einer Universität Theologie zu studieren. Denn kann ein Universitätsstudium “Geist und Kraft” vermitteln? Wird nicht in den allermeisten Fällen statt dessen menschliche Weisheit gelehrt? (Ich fälle aber diesbezüglich keine Pauschalurteile; ein jeder mag sich vom Herrn persönlich führen lassen, der sich vor diese Frage gestellt sieht.)

Natürlich kann nicht nur ein Theologe, sondern auch ein “Laie” kraftlos reden, ebenso wie (ich sage immer wieder einmal dieses ironische Wort) nicht nur Theologen, sondern auch “Laien” in der Lehre zu irren vermögen!

Kraft des Heiligen Geistes kann nur der lebendige Herr verleihen. Das ist keine Frage der Intelligenz, der Herkunft, der Ausbildung, sondern des Umgangs mit IHM und des Gehorsams gegenüber dem Heiligen Geist und dem von Ihm verfassten Worte Gottes!

Es ist aber keineswegs ein besonderes Vorrecht einiger auserwählter Werkzeuge des Herrn, in göttlicher Kraft das Wort zu verkündigen; es sollte vielmehr aufgrund von Apg. 1, 8; Eph. 1, 19; Kol. 1, 11 und 2. Tim. 1, 7 das Normale sein! Unnormal ist eine kraftlose Wortverkündigung!

Diese Gottes- und Geisteskraft ist aber nicht am Donnern und Schreien, an der Phonstärke des Verkündigers abzulesen; ebensowenig an der Härte der gebrauchten Vokabeln; es ist eine innere, liebende, geistliche Kraft der Überzeugung, eine Festigkeit, die nur Gott schenken kann.

Frage Nr. 5 an jeden Verkündiger: Besitzt deine Predigt Kraft? —

6. Eine gute Predigt kommt aus dem Herzen und erreicht die Herzen

So wie der gesunde biblische Glaube Herzenssache ist (Röm. 10, 10), so muss es auch die Verkündigung sein. Was mit dem Herzen gesagt ist, erreicht auch die Herzen, und sei es rhetorisch noch so schwach! Auch dies ist keine Frage der Intelligenz oder Ausbildung, sondern der Hingabe an den Herrn.

Ein Vortrag mag wissenschaftlich unanfechtbar, rhetorisch großartig und stilistisch bis ins Letzte durchgeformt sein, — wenn er die Herzen kalt lässt, ist der Ertrag gering.

Verkündigung, die von Herzen kommt, vermag zu erbauen, zurechtzubringen, zu ermuntern, zu ermahnen, zu trösten, zu reinigen, wieder aufzurichten, und das ist etwas, das ebenfalls zu einer guten Verkündigung notwendigerweise gehört.

Frage Nr. 6 an jeden Verkündiger: Predigst du von Herzen? —

7. Eine gute Predigt nimmt immer auch Bezug auf die Praxis im Alltag des Lebens

Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Hörer nur “Hörer” bleibt, statt “Täter” zu werden, dass er nur theoretisch sein Wissen bereichert. Wie fein hat z. B. Missionar Robert Schadt (Langensteinbacherhöhe) es verstanden, tiefschürfende Darlegungen über den Heilsplan Gottes mit der Praxis zu verbinden!

Frage Nr. 7 an jeden Verkündiger: Ist deine Predigt so praktisch, lebensnah und verständlich, dass sie für den Alltag eine Hilfe bedeutet? —

Vielleicht dient das Gesagte dazu, dass sich mancher veranlasst sieht, mehr für die am Wort dienenden Brüder zu beten. (Ob sie “Geistliche” oder “Laien” sind, ist vor Gott völlig unwichtig — wichtig ist nur, dass sie “Brüder” sind!) Denn es ist nichts Leichtes und Selbstverständliches, die Mahnung von 1. Petr. 4, 11 zu befolgen:

    “Wenn jemand redet — als Aussprüche Gottes!
    Wenn jemand dient — aus der Kraft, die Gott darreicht!”

(Quelle: Sonderdruck aus der Zeitschrift “Gnade und Herrlichkeit”; Paulus-Verlag; Heilbronn)

— Herzlichen Dank an David Grebasch für die Bereitstellung dieses Artikels! —

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