Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Menschheit wohin? — Orientierung am Heilsplan Gottes

Autor: Schard, Joachim  |  Kategorie(n): Heilsgeschichte, Lehre  |  6,669 x gelesen

Inhaltsverzeichnis

1.
1.1.
1.2.
1.3.
1.4.
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2.
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2.2.
2.3.
2.4.
2.4.1.
2.4.2.
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2.6.
2.7.
2.8.
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3.2.
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3.8.
3.9.
4.
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4.2.
4.3.
4.4.
4.5.
4.6.
4.7.
Einblicke und Durchblicke in Gottes Heilsplan
Der Ursprung aller Dinge
Der Plan der Weltzeiten
Das Lamm zuvor ausersehen
Urschöpfung und Urkatastrophe
Die wiederhergestellte Erde
Der Fall des Menschen
Der Ausgangspunkt der jetzigen Völkergeschichte
Der Turmbau zu Babel und die Völkergeschichte
Die Erwählung Abrahams und Israels
Der Dienst Moses und der Propheten
Das Kreuz Jesu Christi — die Mitte der Heilsgeschichte
Das Kreuz ist Offenbarung des Gerichtes Gottes
Das Kreuz ist Offenbarung der Liebe Gottes
Das jetzige Zeitalter — die Zeit zwischen der Himmelfahrt und Wiederkunft Christi
Das Geheimnis der Verhärtung oder Verblendung Israels (Röm. 11, 25)
Das Geheimnis der Gemeinde
Vom Geheimnis der Gesetzlosigkeit
Die große Weltverführung am Ende unseres Zeitalters
Die Ökumenische Bewegung
Die Ökumene der Religionen
Die ökumenisch-charismatische Spiritualität
Wohin führen diese Entwicklungen?
Das antichristliche Weltreich
Die Pfeiler der Heilsgeschichte
Der erste Pfeiler der Heilsgeschichte
Der zweite Pfeiler der Heilsgeschichte
Der Richterstuhl Christi
Wo stehen wir heute?
Der dritte Pfeiler der Heilsgeschichte
Das Reich Jesu Christi auf der Erde
Die letzte Verführung
Der jüngste Tag, das Weltgericht
Der große weiße Thron (Offbg. 20, 11-15)
Der vierte Pfeiler der Heilsgeschichte
Einen neuen Himmel und eine neue Erde
Der Mittelpunkt der neuen Erde — das himmlische Jerusalem
Die Weltvollendung
Was kommt nun?
Ein Wort zum Schluß

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Einblicke und Durchblicke in Gottes Heilsplan

Dies Büchlein will einladen zu einem Gang durch die Heilsgeschichte. Der beigelegte Plan markiert die wichtigsten Stationen auf diesem Weg. Es geht um die Frage nach dem Ursprung, dem Zweck und dem Ziel unseres Lebens. Diese Fragen betreffen uns alle. — Wo finden wir Antwort?

Der Dichter Heinrich Heine spricht von einem jungen Mann, der am nächtlichen Meer steht, die Brust voll Wehmut und das Haupt voll Zweifel, der die Wogen fragt:

“Oh, löst mir das Rätsel des Lebens; sagt mir, was bedeutet der Mensch? Woher ist er gekommen? Wo geht er hin? Wer wohnt dort oben? Es blinken die Sterne gleichgültig und kalt, und ein Narr wartet auf Antwort.”

Die Wogen des Meeres bleiben freilich stumm. Sie können keine Antwort geben. Aber gibt es deshalb keine Antwort? Von der Seite des Menschen gibt es nur Weltanschauungen, Religionen, Philosophien, Ideologien und die lassen uns immer wieder mit unerfüllten Sehnsüchten, mit zerbrochenen Hoffnungen oft inmitten von Trümmern zurück. Es gibt ein Buch, in dem steht: “So spricht der Herr” oder “Der Mund des Herrn hat’s geredet”. Die Bibel ist das Offenbarungsbuch, das heißt, in ihr spricht der lebendige Gott durch seine Boten zu uns. Der Prophet Jesaja spricht davon, daß Gott als der Eine, Unvergleichliche daran erkannt sein will, daß er die Karten offen auf den Tisch legt. “… der ich von Anfang an das Ende verkünde und von alters her was noch nicht geschehen ist; der ich spreche: Mein Ratschluß soll zustande kommen und all mein Wohlgefallen werde ich tun. … Ich habe geredet und werde es auch kommen lassen; ich habe entworfen und werde es auch ausführen!” (Jes. 46, 10.11). Das Zeugnis der Heiligen Schrift vom Plan Gottes im Weltgeschehen ist das prophetische, weissagende Wort. Der Apostel Petrus sagt, daß dieses Wort das Licht im Dunkel dieser Welt ist, an dem wir uns orientieren können. Otto Riethmüller hat es im Lied so gesagt: “In die Wirrnis dieser Zeit fahre, Strahl der Ewigkeit, zeig den Kämpfern Platz und Pfad und das Ziel der Gottesstadt!”

Wir wollen in diesem Heft kurz die Hauptstationen des Planes Gottes aufspüren und darum bitten, daß Gott uns Herz, Sinn und Leben dafür öffnet!

Der Ursprung aller Dinge

“Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende!” A und O, der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets stehen auch am Anfang und Ende des beiliegenden Planes. Im Anfang war nicht der Zufall und der Urknall, sondern Gott. Gott ist Liebe, ist Geist, ist Leben, ist der Glückselige, der allein weise Gott. In seiner Liebe wollte er nicht allein sein. So erzeugte er aus sich den Sohn. Er ist der einzig gezeugte oder geborene Sohn. Der Sohn sagt: “Vater, du hast mich geliebt, ehe der Grund der Welt gelegt war.” (Joh. 17, 24). Der Sohn ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes (Kol. 1, 15). “In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.” (Kol. 2, 9). Das alles geschah vor Grundlegung der Welt. Das ganze Universum war noch nicht erschaffen.

“Der tiefste Hintergrund der Heiligen Schrift ist das Herz Gottes, der Ratschluß seiner ewigen Liebe” (Phil. Fr. Keerl).

Der Ursprung aller Dinge ist Gottes Herz. Da ist die Quelle des Lebens und der Liebe. Deshalb kann nichts Vergängliches, Geschöpfliches ein Menschenherz zutiefst erfüllen, befriedigen und zur Ruhe bringen.

Der Plan der Weltzeiten

Es gibt einen Vorsatz Gottes — das ist der Plan, den er in seinem Herzen hat, — was er schaffen und ausführen will. Der Apostel Paulus spricht vom Vorsatz der Ewigkeiten (Weltzeiten oder Zeitalter), den er gefaßt hat in Christo Jesu (Eph. 3, 11; Elberfelder). Gott hat alles zuvor ersehen. Wie ein Künstler sein Werk sieht — er hat es in Kopf und Herz, dann geht er mit seinen Händen ans Werk und gestaltet es. So hat Gott alles zuvor geplant und ersehen. Deshalb sprechen wir vom Heilsplan. Der, durch den Gott alles ausführt, ist der Sohn Gottes. Gott führt den Plan, den Vorsatz seines Herzens, in einer Reihe von Weltzeiten aus. Diesen Plan hat er in Christus Jesus gefaßt. Der Heilsplan wird durch Jesus im Lauf der Weltzeiten verwirklicht. Das ist die Heilsgeschichte.

Das Lamm zuvor ausersehen

Gott hat den Sohn als Lamm Gottes zuvor ersehen vor Grundlegung der Welt (1. Petr. 1, 18-20). Gott hat den Abfall, die Sünde, den Tod, die Finsternis zuvor gesehen. Was Jesus uns rät, die Kosten zuerst zu überschlagen (Luk. 14, 28-30), ob wir einen Plan auch ausführen können, das hat Gott vor der Schöpfung auch getan. Kann Gott seine Welt und Schöpfung auch durch Sünde und Tod hindurch vollenden? Hier kommt das Kreuz ins Blickfeld. “So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab …” Paul Gerhardt hat das so zum Ausdruck gebracht, als Gespräch zwischen Vater und Sohn: “Geh hin mein Kind und nimm dich an der Kinder, die ich ausgetan zu Straf und Zornesruten.” “Ja Vater, ja von Herzensgrund leg auf, ich will dir’s tragen”, antwortet der Sohn. Paul Gerhardt betet darüber an: “O Wunderlieb, o Liebesmacht, du kannst was nie ein Mensch gedacht, Gott seinem Sohn abzwingen! O Liebe, Liebe, du bist stark, du strecktest den in Grab und Sarg, vor dem die Felsen springen!”

Gottes innerstes Wesen ist sich selbst opfernde Liebe. “Der Vater hat den Sohn für uns alle dahingegeben” (Röm. 8, 32). Das ist der Preis. Diese gekreuzigte Liebe vermag auch den tiefsten Schaden zu heilen. Daraufhin hat Gott durch den Sohn die Welt erschaffen. “Die Erlösung ist älter als die Schöpfung!” Weil das so ist, finden wir auch Spuren zum Kreuz im Alten Testament. Deshalb ist Jesus Christus nicht nur der Erste und der Anfang, sondern auch der Letzte und das Ende oder Ziel. Was Gott im Anfang in sich war und dann in seinem Sohn, das will er am Ende in Allen sein. Jesus Christus, der als Lamm Gottes das Opfer wurde, ist Bürge dafür, daß Gott das Ziel mit seiner Schöpfung erreicht.

Urschöpfung und Urkatastrophe

“Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde!” So beginnt die Bibel, um dann fortzufahren: “… und die Erde war (wurde) wüst und leer und es war finster auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser”. Hier erhebt sich die Frage, ob denn die Erde “wüst und leer” (hebräisch “tohu wa bohu”) geschaffen wurde, und es auf ihr finster und sie von Wasser bedeckt war. Jesaja sagt, daß Gott die Erde nicht als Öde (wüst = dasselbe Wort wie 1. Mose 1) gemacht hat; er hat sie geschaffen, um bewohnt zu werden (Jes. 45, 18). Zwischen 1. Mose 1, 1 und Vers 2 liegt wohl ein langer Zeitraum und eine große Katastrophe verborgen. Hier scheint das Geheimnis und der Ursprung des Bösen zu liegen. Satan war wohl die Spitze der Schöpfung Gottes. Hesekiel spricht vom König von Tyrus. Aber hinter dem König steht auch ein anderer. “Du warst das Abbild der Vollkommenheit, voller Weisheit und über die Maßen schön. In Eden warst du, im Garten Gottes … Du warst ein glänzender, schirmender Cherub, und auf den heiligen Berg hatte ich dich gesetzt. Ein Gott warst du …” (Hesekiel 28, 12-14). Er wurde hochmütig und griff nach dem höchsten Platz. Jesaja sagt: “Du sprichst in deinem Herzen … ich will auffahren und gleich sein dem Allerhöchsten” (Jes. 14, 14). Er hat einen Teil der Engel auf seine Seite gebracht. Die Erde, zu der er eine besondere Beziehung hat, wurde mit in die Katastrophe gerissen. Satan ist eine gefallene Majestät. Der Judasbrief spricht davon, daß es Menschen gibt, die Majestäten lästern. Das hatte nicht einmal der Erzengel Michael dem Teufel gegenüber gewagt, sondern sprach: “Der Herr schelte dich!” (Judas 8 und 9). Petrus sagt in seinem 2. Brief:

  1. Es waren von alters her Himmel und Erde … die damalige Welt ging vom Wasser überschwemmt unter. Hier denken viele an die Sintflut. Aber bei Petrus steht: der damalige Kosmos. Der Kosmos reicht weit über diese Erde hinaus. Der ganze Kosmos liegt im Bösen (1. Joh. 5, 18). Er reicht wohl soweit wie die Auswirkungen von Satans Fall.
  2. Die jetzigen Himmel und die Erde sind durch sein Wort aufbewahrt für das Feuer auf den Tag des Gerichts.
  3. Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt (2. Petr. 3, 5-7 + 13, Elberfelder).

Die Geologen sagen: “Diese Erde birgt viele Spuren untergegangenen Lebens in sich. Versteinerungen, Riesenechsen, Dinosaurier usw.” War das vielleicht eine entartete Schöpfung, die unterging? Auch die Milliarden Tonnen von Erdöl, Kohle und Erdgas weisen auf organisches Leben in sehr langen Zeiträumen. Hier liegt auch die Möglichkeit, daß die Erde sehr alt ist und wir mit den Zeitangaben der Geologen und Biologen nicht in Konflikt kommen müssen. Jakob Kroeker, der Mitbegründer des Missionswerkes “Licht im Osten”, hat dem 1. Band seines Bibelwerkes den Titel gegeben: “Die erste Schöpfung, ihr Fall und ihre Wiederherstellung.”

Auf dem Plan sind am Anfang 3 Erdkugeln:

  1. die ursprüngliche Erde
  2. die wüst und leer gewordene Erde
  3. die jetzige wiederhergestellte Erde.

Die wiederhergestellte Erde

Das Sechstagewerk in 1. Mose 1 berichtet über die Wiederherstellung der Erde. Das ist die jetzige Erde. Sie ist Gottes gute Schöpfung, aber sie trägt einen Riß, eine Todeswunde. In diese Welt hinein hat Gott den Menschen erschaffen. Der Mensch hat eine hohe Bestimmung: “Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen …” (1. Mose 1, 26). Der Mensch soll das Bild und Wesen des unsichtbaren Gottes in der Schöpfung darstellen. Die Engel sind viel älter als der Mensch. Gott fragt den Hiob einmal: “Wo warst du, als ich die Erde gründete …, als die Morgensterne miteinander jubelten und alle Söhne Gottes jauchzten?” (Hiob 38, 5-7). Wußten die Engel etwas davon, was Gott mit der Erde im Sinn hat? Sie ist ja klein im Verhältnis zum Universum. Aber sie hat eine zentrale Bedeutung für das ganze Weltall. Sie ist Schauplatz eines gewaltigen Kampfes zwischen Christus und den Weltbeherrschern der Finsternis, wie Paulus die Chaosmächte nennt. Auf diese Erde kam der Sohn Gottes. Her stand das Kreuz. Hier geschah die Auferstehung. Hier kommt er auch wieder.

Der Fall des Menschen

Das 3. Kapitel im 1. Buch Mose ist ein wichtiges Kapitel in der Bibel, ohne welches wir unser Leben und die Menschheitsgeschichte nicht verstehen können. Satan in Gestalt der Schlange will den Menschen, den zukünftigen Herrscher über Gottes Schöpfung, aus der Gemeinschaft mit Gott herausreißen, ihn zu Fall bringen. Wie tut er das? Er stellt Gottes Wort in Frage: “Sollte Gott gesagt haben …” — damit zerbricht er das Vertrauensverhältnis zu Gott. Er leugnet die Folgen. “Ihr werdet keinesfalls des Todes sterben!” Er lockt den Menschen mit der schnellen Erreichung des höchsten Zieles — “Ihr werdet sein wie Gott …” — in die falsche Freiheit. Nun erwacht die böse Lust — der Baum ist eine Lust für die Augen, begehrenswert und er macht klug. Nun “nimmt sie von seiner Frucht, ißt und gibt ihrem Mann mit ihr, und er aß.” Hier hat der autonome, emanzipierte Mensch seinen Ursprung. Hier ist der Mensch zum Deserteur geworden, der zum Feind übergelaufen ist. Damit ist der Mensch in die Sklaverei von drei Großmächten gefallen — Sünde, Tod und Teufel, von denen er sich nicht selber befreien kann. “In Adam sterben alle” (1. Kor. 15, 22). Vom Sündenfall ab können wir auch die Zeit berechnen. Nach der Erwähnung des erreichten Lebensalters heißt es immer wieder: “und er starb, und er starb” (s. 1. Mose 5). “Denn du bist Erde (oder Staub) und sollst zu Erde werden!” (1. Mose 3, 19).

Das Paradies muß er verlassen und ist nun “draußen”, wo er die Geborgenheit in der Gemeinschaft mit Gott entbehrt.

Aber Gott läßt den Menschen nicht ohne Licht im Dunkel. Er ruft ihn an: “Adam, (das heißt: Mensch) wo bist du?” Das ist ein Ruf an uns alle. Er gibt dem Menschen eine Zusage mit auf den Weg, damit er nicht ohne Hoffnung leben muß. Über die Frau kommt einer in die Welt, der der Schlange den Kopf zertreten soll. In dieser Verheißung liegt der ganze Sieg über die Schlange (1. Mose 3, 15). Ob Adam im Glauben an diese Verheißung, seine Frau, Eva (= die Mutter aller Lebendigen) nennt, weil der Eine durch sie in die Welt kommen sollte, der Sünde, Tod und Teufel überwindet?

Nun lebt der gefallene Mensch in einer Welt, die Gottes Schöpfung ist, aber durch die ein tiefer Riß geht. Das Buch Prediger sagt es so: “Unter der Sonne ist alles ganz eitel und Haschen nach Wind.” Es ist leer, nichtig, vergänglich, es fehlt der letzte Sinn. Alles hat seine Zeit und zwei Seiten. “Geborenwerden hat seine Zeit, Sterben hat seine Zeit; Töten hat seine Zeit, Heilen hat seine Zeit; Weinen hat seine Zeit, Lachen hat seine Zeit; Suchen hat seine Zeit, Verlieren hat seine Zeit; Lieben hat seine Zeit, Hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.” (aus Prediger 3).

Macht nicht der Tod das Leben, das Leid die Freude und der Streit den Frieden immer wieder kaputt? Wir leben in einer kaputten Welt. Der Dichter Friedrich Schlegel hat das so gesagt:

    Es geht ein allgemeines Weinen,
    soweit die stillen Sterne scheinen,
    durch alle Adern der Natur.
    Es seufzt und sehnt sich nach Verklärung
    entgegenschmachtend der Gewährung
    in Liebesangst die Kreatur …
    Es weint das müde Roß am Wagen
    ein liebend Herz vernimmt sein Klagen …
    Es weinen die Felder, die dürre stehn,
    es weinen die Menschen, die irre gehn …
    Es weint das Kindlein im Lebensmorgen,
    es weint das Alter von Alterssorgen …
    Es weint der Sünder am Kreuzesstamm.
    Es hat geweint das Gotteslamm.
    Ihr Lieben glaubt es, es werden geweint
    noch unzählige Tränen, bis der König erscheint!

Im eben erwähnten Predigerbuch steht neben dem, daß alles eitel und Haschen nach Wind ist, noch etwas: Gott habe dem Menschen auch die Ewigkeit ins Herz gelegt (Prd. 3, 11). Dieses Wort war dem schwäbischen Pfarrer Oetinger wichtig. Allen Menschen ist ein letzter Sinn, ein Sensor für die Ewigkeit eigen. Oetinger nennt ihn den “sensus communis”. Augustin hat das so ausgedrückt: “Unser Herz ist unruhig in uns, bis es ruht o Gott in dir.” Auf dem beiliegenden Heilsplan erstreckt sich die Ewigkeit wie eine große Brücke über dem zeitlich vergänglichen Weltgeschehen. Die Brückenpfeiler weisen auf das Hineinragen des Ewigen in die Zeit.

“Ewigkeit in die Zeit leuchte hell hinein”, sagt die Pfarrfrau Marie Schmalenbach, die mit einem schweren Nervenleiden leben mußte, in dem Lied: “Brich herein süßer Schein sel´ger Ewigkeit! Leucht´ in unser armes Leben, unseren Füßen Kraft zu geben, unserer Seele Freud.” Gott hat dem Menschen auch das Gewissen eingepflanzt, das ausschlägt wie ein Kompaß, wenn die Richtung nicht stimmt, und wir in der Lüge leben und die Erfüllung und den Sinn des Lebens im Zeitlichen, Vergänglichen und Sündlichen suchen.

Nachdem die Gemeinschaft des Menschen mit Gott, der Quelle des Lebens zerbrochen war, sinkt der Mensch schnell immer tiefer. Bei Kain, dem ersten Menschensohn, zerbricht auch die Gemeinschaft zwischen Mensch und Mensch. “Wo ist dein Bruder Abel?” “Soll ich meines Bruders Hüter sein?” Kain wurde zum Brudermörder. Wenn man zu einem faulen Apfel viele gesunde Äpfel legt, machen die Gesunden den Faulen nicht gesund. Der Faule steckt die anderen an. Bei Noah, in der 10. Generation nach Adam, sah Gott, daß der Menschen Bosheit groß war — alles Fleisch hatte seinen Weg verderbt auf Erden. Göttersöhne (gefallene Engel) hatten sich mit Töchtern der Menschen vermischt. Aus diesen Verbindungen war ein titanenhaftes Geschlecht hervorgegangen (1. Mose 6). Kürzlich sah ich ein Plakat, auf welchem zu einem Film “Engel” eingeladen wurde. Darunter stand: “Sie glaubte nicht an Engel, bis sie sich in einen verliebte!” Das liegt auf dieser Linie und ist ein gefährliches Spiel, weil es den Menschen mit der Welt der Finsternis in Berührung bringt. Diese Menschheit hat Gott im Gericht der großen Flut weggenommen. So hat Gott das Verderben aufgehalten. Mit Noah, “der mit Gott wandelte, zu seinen Zeiten” und mit seinen Söhnen und deren Frauen führte Gott die Menschheitsgeschichte weiter.

Der Ausgangspunkt der jetzigen Völkergeschichte

Die drei Söhne Noahs sind die Stammväter der Völkergeschichte. In 1. Mose 10 haben wir die Völkertafel; da werden 70 Nachkommen der Söhne Noahs genannt als Stammväter der Völker “… von diesen aus ist die ganze Erde bevölkert worden” (1. Mose 9, 19).

Sem ist der Vater der Semiten. Von ihm kommen die Juden — und über Ismael und Esau auch die Araber. Sem heißt ‘Name’. Die Juden haben es mit dem Namen Gottes zu tun. Ihnen hat Gott sein Wort anvertraut. Die Schreiber der Bibel, die Propheten und Apostel, waren Juden.

Ham = Heißblut, der Hitzige, wurde der Vater der farbigen Völker.
Japhet ist der Vater der weißen Völker, (Europa, Amerika).

Mit Noah und seinen Söhnen hat Gott einen Bund für die Schöpfung gemacht. Der Bogen in den Wolken soll daran erinnern, daß Gott die Erde nicht wieder in einer Sintflut verderben will. Er schützt das Leben des Menschen: “Wer Menschenblut vergießt, des Blut soll auch durch Menschen vergossen werden!” (1. Mose 9, 6). Gott begründet das damit, daß Gott den Menschen zu seinem Bild gemacht hat. Obwohl das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend auf, soll doch “Solange die Erde steht, nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht” (1. Mose 8, 21 und 22). Gott gibt dem Menschen Raum und Zeit zum Leben: stellt ihn unter Schutz und schenkt Speise. Er ist trotz des Sündenfalls Schöpfer und Erhalter des Lebens. Seinen Plan mit dem Menschen hat er nicht aufgegeben.

Der Turmbau zu Babel und die Völkergeschichte

Gott wollte die Völkergeschichte, die Ausbreitung der Menschen auf der Erde. Aber die Menschen wollten nicht zerstreut werden. Sie sprachen sich zu: “Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, daß wir uns einen Namen machen” (1. Mose 11, 4). Zeigt uns die Geschichte bis zur Flut mehr den Niedergang des gefallenen Menschen, so steht hier im Mittelpunkt, was der von seinem Ich bestimmte, gefallene Mensch mit vereinten Kräften schaffen kann. Der Turm ist Zentrum der Religion. Der Mensch sucht, von unten den Durchbruch in die übersinnliche Welt zu schaffen. Der Feind zieht ihn auf seine Bahn und in seine Gesinnung. Vom König zu Babel heißt es: “Du sprachst in deinem Herzen: zum Himmel will ich hinaufsteigen … mich gleichmachen dem Allerhöchsten!” (Jes. 14, 13 und 14). Babel mit seinem Turm ist in der Bibel Sinnbild und Zeichen der widergöttlichen Weltmächte und ihrer Geschichte. Paulus hat gesagt: “Gott hat in den vergangenen Zeiten alle Völker ihre eigenen Wege gehen lassen” (Apg. 14, 16). Er gibt den Völkern Zeit und Raum. Die eigenen Wege sind Wege der Religion, der Selbsterlösung, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung. Gottes Urteil über den Babelturm war: “Dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun” (1. Mose 11, 6). Der Turmbau zu Babel war der Anfang einer Entwicklung, die bis zum Ende der jetzigen Weltzeit geht. In der Offenbarung Kapitel 17 und 18 wird uns das letzte Weltreich gezeigt — Babel in seiner Endgestalt. Es ist Babylon, die Große. Der Menschheit ist der Durchbruch ins Übersinnliche gelungen. Babel ist eine “Behausung der Dämonen und ein Gefängnis jedes unreinen Geistes” geworden. Die Bibel hat ein erweitertes Weltbild, wie es Dr. Paul Müller ausgedrückt hat. Die Bibel zeigt uns auch den unsichtbaren Hintergrund der Welt. Es gibt eine unsichtbare Lichtwelt Gottes und auch eine unsichtbare Finsterniswelt. Auf seiner eigenmächtigen Suche, die unsichtbaren Mächte und Kräfte zu erforschen und zu gebrauchen, gerät der Mensch in Konflikt und in den Bann der Weltbeherrscher der Finsternis und der bösen Geister unter dem Himmel (Eph. 6, 12).

Gott hat diese Entwicklung am Anfang durch die Verwirrung der Sprache aufgehalten — und die Menschen zur Völkergeschichte gezwungen. Das ist so gründlich geschehen, daß bis kurz vor der Reformationszeit Amerika unbekannt war und ein großer Teil im Inneren Afrikas bis ins letzte Jahrhundert unerforschtes Gebiet war. Heute erleben wir die Bemühungen um die Einheit der Menschheit und können wohl sagen, daß wir auf dem Weg zu dem letzten Weltreich sind. Aber auf welchem Grund wird dasselbe gebaut? Es wird berichtet: als der Völkerbund, der nach dem 1. Weltkrieg zur Sicherung des Friedens gegründet wurde, seine Tätigkeit begann, wurde ein Kranz am Denkmal Rousseaus niedergelegt. Warum? Der Völkerbund soll auf den Ausspruch Rousseaus gegründet sein: “Der Mensch ist gut!” Gottes Urteil ist: “Der Mensch ist böse von Jugend an.” Die Menschheit wird den letzten Babelturm, das letzte Weltreich errichten. Es wird gigantisch und global, aber nicht gut sein. Deswegen wird es, wie schon in diesem Jahrhundert der Nationalsozialismus und der Kommunismus, in einer Katastrophe enden. Auf dem Plan ist das Ende des Babelweges in dem Turm mit der 666 an der Spitze angedeutet. Der Bibelausleger Heinrich Langenberg sagt: “Alle Erdennöte sind göttliche Maßnahmen, die Menschen zum äußeren und inneren Bankrott zu bringen und so für das Kreuz Christi und die Fülle seines Segens bereit zu machen.”

Die Erwählung Abrahams und Israels

Gott läßt die Völker ihre eigenen Wege gehen. Er läßt ihnen Zeit zu versuchen, was sie können. Der Philosoph Heidegger hat einmal gesagt: “Alle Wege der Menschen sind Holzwege. Sie führen in den Wald hinein, aber nicht wieder heraus. Der Waldhüter weiß das.” Die eigenen Wege sind Holzwege. Sie führen nicht zum Ziel. Irgendwo sind sie zu Ende. Was dann? Die Kapitel 3 bis 11 im 1. Buch Mose zeigen die Urgeschichte der Menschheit vom Sündenfall bis zum Turmbau. Hier ist ein Einschnitt in der Bibel. Kapitel 12 beginnt die Geschichte Abrahams. Gott läßt die Menschen, um die er gerungen hat, ihre Wege gehen und ruft Einen aus der Masse heraus. Vom Sündenfall bis Abraham sind es ca. 2.000 Jahre. Mit Abraham beginnt etwas Neues. Es beginnt die Erwählung. Darüber wurde schon viel nachgedacht. Heißt Erwählung: Gott rettet nur die Erwählten, die anderen sind verloren? Nein! Am Anfang der Abrahamsgeschichte wird es schon ausgesprochen: “… in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden” (1. Mose 12, 3). Der Theologe Otto Rodenberg sagt: “Erwählung ist zwar eine Auswahl, aber nicht auf Kosten anderer, sondern um ihretwillen. Der Erwählte ist der zum Dienst Beschlagnahmte.” Israel ist Gottes erwähltes Volk. Nicht weil sie gut sind. Es ist ein kleines widerspenstiges Volk. Gott bereitet dieses Volk als Werkzeug für die anderen Völker. Die Völker hassen immer wieder dieses Volk und suchen es zu vernichten. Das Büchlein Esther zeigt uns wie Haman, der Judenfeind, dieses Volk im großen Persischen Reich vertilgen und töten will. In unserem Jahrhundert gab es den Plan der Endlösung der Judenfrage. Aber Israel kann nicht untergehen, weil Gott es für eine große Aufgabe noch braucht und zubereitet.

Schon Mose mußte dem Pharao sagen: “Israel ist mein erstgeborener Sohn und ich gebiete dir, daß du meinen Sohn ziehen läßt, daß er mir diene.” (2. Mose 4, 22 und 23). Israel ist Gottes erstgeborener Sohn im Blick auf die Völker. Israel soll Gottes Eigentum vor allen Völkern sein und ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk (2. Mose 19, 5 und 6).

Das von den Völkern immer wieder geschundene Volk Israel soll einmal den Völkern diesen Dienst tun und ihnen den Weg zum Heil weisen, damit auch die Völker Söhne Gottes werden. “Die ganze Erde werde erfüllt mit seiner Herrlichkeit! Amen, ja Amen.” So endet Psalm 72, der vom zukünftigen König redet.

Im Lukasevangelium spricht Jesus vom “Feigenbaum und allen Bäumen” (Lukas 21, 29). Mit dem “Feigenbaum” ist Israel gemeint und “alle Bäume” stellen die Völker dar. Auf dem Plan ist die schwarze Linie die Linie der Geschichte Israels. Sie geht von Abraham bis 70 nach Christus. Seitdem ist Israel ein unter die Völker zerstreutes Volk ohne eigenes Land. Da ist Israel im Gericht Gottes, aber nicht um hingerichtet, sondern um hergerichtet zu werden. Jesaja sagt: “Siehe … ich will dich auserwählt machen im Ofen des Elends.” (Jes. 48, 10). Da wird Israel als Werkzeug Gottes zubereitet. Seit 1948 gibt es wieder einen Staat Israel unter den Völkern, der inzwischen in den Brennpunkt der Geschichte gerückt ist. Das ist ein besonderes Zeichen des dich nahenden Endes unserer Weltzeit. Aber damit haben wir schon vorgegriffen.

Der Dienst Moses und der Propheten

Am Sinai hat Gott einen Bund mit Israel gemacht und ihnen das Gesetz gegeben. “Das Gesetz ist durch Mose gegeben.” Warum hat Gott das Gesetz gegeben? Die Reformatoren haben gesagt, das Gesetz ist ein Riegel und ein Spiegel. Es ist ein Riegel oder Damm gegen das Böse und hat viel Schlimmes verhütet und Gutes gefördert. Es ist auch ein Spiegel, in dem wir uns sehen sollen, wie wir sind. “Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde” (Röm. 3, 20). Gott will ans Licht bringen wer wir wirklich sind. Matth. 23 zeigt Jesus die Gefahr bei den Pharisäern und Schriftgelehrten. Bei strenger äußerer Gesetzeserfüllung sind sie äußerlich wie ein schön geschmücktes Grab, aber innen voller Totengebeine und Unrat. Da hält Jesus uns den Spiegel vor. Wir können unser Herz und Wesen nicht ändern. Das Gesetz kann uns die Kraft zum Tun nicht geben. Es ist unser Zuchtmeister — Erzieher auf Christus hin. Es will nicht selbstgerechte Leute aus uns machen, sondern solche, denen ihre eigene Gerechtigkeit zerbrochen ist, und die so zu Jesus dem Heiland finden. Der Pfarrer und Liederdichter Ph. Fr. Hiller hat gesagt: “Das Gesetz macht die größten Heiligen zu Sündern; das Evangelium die größten Sünder zu Heiligen!”

Der Prophet Jeremia weissagt vom neuen Bund (Jer. 31, 31-34). Da erneuert Gott das innerste Wesen — er schreibt das Gesetz ins Herz. Da ist das Leben in der Erkenntnis Gottes geschenkt und die Sünde vergeben. Hier kommt das Kreuz Jesu ins Blickfeld. Martin Luther hat gesagt: “Wer Gesetz und Evangelium richtig gebraucht, sei ein Doktor der Theologie”.

Das Kreuz Jesu Christi — die Mitte der Heilsgeschichte

Das Kreuz Jesu ist das Herzstück im Heilsplan Gottes. Vom Sündenfall bis zur Geburt Jesu in Bethlehem sind es ca. 4.000 Jahre, in denen Gott das Kommen des Christus vorbereitete. Deshalb konnte Jesus am Ostersonntag den zwei traurigen Jüngern auf dem Weg nach Emmaus sagen: “O ihr Toren und trägen Herzens all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Mußte nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war.” (Luk. 24, 25-27).

Das alte Testament will uns zeigen, daß es keinen anderen Weg zum Leben für uns gibt, als den über Christi Kreuz. Christus mußte dies erleiden.

Der Prophet Sacharja hat geweissagt, daß Israel im Innersten umkehrt zu seinem Messias, wenn sie den Durchbohrten sehen werden. Das geschieht, wenn Jesus wiederkommt. Da erkennen sie, der Wiederkommende ist der Gekreuzigte (Offbg. 1, 7).

J. Meldau, ein Jude, hat in seinem Buch “Der Messias in beiden Testamenten” geschrieben: “Wenn ihm jemand nachweisen kann, daß es in der Geschichte der Menschheit noch eine Gestalt gegeben hat, die mit soviel Details prophezeit ist, wie Jesus, und die Prophezeiungen mindestens 400 Jahre vorher gegeben waren, zahlt er 10.000,- Mark.” Was ist nun an diesem Kreuz geschehen?

Das Kreuz ist Offenbarung des Gerichtes Gottes

Golgatha, die Schädelstätte, war ein Hinrichtungsplatz. Von Adam, dem ersten Menschen sind Sünde und Tod zu allen Menschen durchgedrungen. Die ganze Welt ist dem Gericht Gottes verfallen (Röm. 3, 19; Elberf. Bibel). Nun ist Jesus mit uns Menschen solidarisch geworden. Er ist der letzte Adam und der zweite Mensch im Sinn eines Hauptes der ganzen Menschheit (1. Kor. 15, 45-49; Röm. 5, 12-21). Der Hebräerbrief sagt das so: “Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er’s gleichermaßen angenommen, damit er durch den Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hat, nämlich dem Teufel, und erlöste die, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mußten” (Hebr. 2, 14.15). Jesus ist für uns und an unserer Stelle als Schuldiger hingerichtet und gestorben. Deshalb kann die Bibel auch sagen: “Wir sind mitgekreuzigt, mitgestorben und mitbegraben. Gott hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben …” (Röm. 8, 32). Deshalb will Gott nicht Religion, nicht Verbesserung des alten Adam. Am Kreuz hat er Gerichtstag über uns gehalten und das Gericht am Sohn vollzogen. Aber er hat den Sohn auferweckt. Im Auferstandenen hat er uns das Leben geschenkt.

“Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen” (Joh. 5, 24). Ein Pastor hatte im Krieg ein ergreifendes Erlebnis. Ein Kamerad war fahnenflüchtig geworden und sollte erschossen werden. Da stand der junge Mensch mit verbundenen Augen und seine Kameraden mußten Zeugen der Hinrichtung sein. Vor der Exekution wird ein Begnadigungsschreiben überbracht.

Dem, der schon mit dem Leben abgeschlossen hat, werden die Augen aufgebunden. Als er den Inhalt des Schreibens begriffen hat, tritt er ein paar Schritte vor und ruft laut: “Kameraden, ich darf leben, ich darf leben!” Das war ein so starkes Erlebnis, daß manchem die Augen feucht wurden. Ein zum Tode Verurteilter darf als Begnadigter leben. In einem noch tieferen Sinn, weil es ja Tod und Ewigkeit umfaßt, ist ein Christ einer, der sich unter Gottes Gericht und Urteil beugt und nun aus Gnaden um Christi Willen leben darf. “Jesus meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, der du dich für mich gegeben …” So hat ein Liederdichter das Herzstück des Evangeliums gesagt.

Das Kreuz ist Offenbarung der Liebe Gottes

Ein Mensch kann vielleicht das Leben einsetzen für einen Freund, eine Mutter für ihr Kind. “Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren” (Röm. 5, 8). Christus ist für uns Gottlose, Sünder und Feinde gestorben. Gott lädt die Gottlosen ein, zu kommen. Die Tür ist offen. Wer kommt, wird angenommen. “Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben” (Joh. 3, 16). Keiner muß sagen, mich will Gott nicht. Auch der Letzte ist gemeint und geliebt. Der Apostel Paulus betet für die zu Jesus Gekommenen, daß sie die Breite und die Länge und die Tiefe und die Höhe der Liebe Gottes und Christi erfassen und begreifen (Eph. 3, 17-19). Der Liederdichter Ph. Fr. Hiller hat das so zum Ausdruck gebracht: “Liebe, welche das Verständnis aller Menschen übersteigt; du bist weit: ob allen Kindern, du währst lang: auf alle Zeit; du reichst tief: zu armen Sündern; du fährst hoch: zur Herrlichkeit”.

Der Text Phil. 2, 5-11 umfaßt in wenigen Sätzen die ganze Heilsgeschichte vom Anfang bis zum Ziel. Das Kreuz ist der Mittelpunkt, aber auch der Wendepunkt und Ausgangspunkt des Heils. Der Prophet Jesaja hat ca. 700 Jahre vor dem Kommen Christi gesagt: “Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben und des Herrn Plan wird durch seine Hand gelingen” (Jes. 53, 10). Jesus Christus der Gekreuzigte und Auferstandene führt Gottes Heilsplan aus. Er wird ihn verwirklichen und vollenden.


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Das Kommen Jesu — seine Geburt in Bethlehem — sein Kreuz und seine Auferstehung ist das Wichtigste was bis jetzt auf der Erde geschehen ist. Wir zählen ja die Jahre vor und nach Christus. Auch unsere Feste — Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten — haben Jesus Christus und sein Heilswerk zum Inhalt. Auf dem Plan stellt die erste Säule der Brücke mit Krippe, Kreuz und leerem Grab das Erste Kommen Jesu dar.

Nun ist Jesus für uns unsichtbar im Himmel. Das neue Testament sagt: “Er hat sich gesetzt zur Rechten des Thrones Gottes” Hebr. 12, 2. Dieser Platz ist der Höchste neben Gott. Wer diesen Platz einnimmt, ist der Herr der Welt. Ihm gehört die Zukunft. Auf dem Plan ist Jesus als Priester dargestellt. Neben ihm ist das Brustschild mit 12 Edelsteinen, in welche die Namen der Stämme Israels eingraviert sind (2. Mose 28, 15 ff.). Jesus als Hoherpriester trägt die Seinen auf seinem Herzen und seiner Schulter. Er ist der Fürsprecher beim Vater. Bei seiner Himmelfahrt hob Jesus die Hände auf und segnete seine Jünger wie der alttestamentliche Priester “und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf zum Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten wieder nach Jerusalem mit großer Freud”‘ (Lukas 24, 51 und 52). So ist der Hohepriester Israels ein Vorbild auf Jesus. Seit seiner Auferstehung und Himmelfahrt beten seine Jünger ihn an. Die Krone weist auf sein königliches Amt, welches jetzt noch verborgen ist. Aber der Glaubende darf im Blick auf Jesus bei allem Durcheinander in der Welt wissen, daß Gott seinen König eingesetzt hat (Psalm 2). Der Thron Gottes ist die Zentralstelle und der Mittelpunkt des Universums.

Das jetzige Zeitalter — die Zeit zwischen der Himmelfahrt und Wiederkunft Christi

Dieses Zeitalter ist von einer Reihe Geheimnissen gekennzeichnet. Zum Verständnis der Geheimnisse brauchen wir die Offenbarung Gottes in seinem Wort.

a) Das Geheimnis der Verhärtung oder Verblendung Israels (Röm. 11, 25)

Die schwarze Linie auf dem Plan ist die Linie der Geschichte Israels vom alten Testament her. Israel hat den Messias nicht angenommen. Es ist am Kreuz vorbeigegangen. Prälat Karl Hartenstein hat gesagt: “Die größte Tragik der Geschichte ist, daß Israel den verwirft, auf den es Jahrhunderte wartete. Das Geheimnis geht tief …” Die Partei der Zeloten nahm in Israel überhand. Sie wollten die Römer vertreiben und das Reich Israel wieder herstellen. 66 nach Christus kam es zum jüdisch­-römischen Krieg, der im Jahr 70 mit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels endete. Es begann die Zerstreuung der Juden unter die Völker. Unter den Völkern haben sie immer wieder gelitten, bis zum Tod. So lebt Israel in diesem Zeitalter zwischen der Verwerfung des Messias und der Annahme des falschen Messias’ am Ende des Zeitalters (Joh. 5, 43). Wie tief die Ablehnung auch heute noch geht, hat kürzlich der Landesrabbiner Joel Berger gezeigt: Für ihn ist ein messianischer Jude kein Jude mehr. Wer sich an Missionsbemühungen unter Juden beteiligt, treibt “Holocaust mit anderen Mitteln, weil er Juden von ihrem Volk trennt!” “Im Blick auf das Evangelium sind sie Feinde um euretwillen, aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen” (Römer 11, 28). Israel ist in diesem Zeitalter in Gottes Gerichts- und Erziehungsschule. Er bereitet sich in diesem Volk ein Werkzeug für die Zukunft. Der einzelne Jude kann auch heute zu Jesus kommen.

b) Das Geheimnis der Gemeinde

Es ist kein Zufall, daß Jesus dem Juden Saulus, der den Glauben an Jesus im jüdischen Volk auslöschen wollte, gerufen hat, und hat ihn zum Missionar und Apostel für die Völker gemacht. Paulus zieht aus seiner Bekehrung den Schluß, daß Gott sein Volk nicht verworfen hat (Römer 11, 1). Er durfte im voraus schon den Dienst tun, den Israel einmal an den Völkern tun wird. Die Apostelgeschichte erzählt uns vom Weg, den das Evangelium genommen hat von Jerusalem nach Rom. Die grüne Linie auf dem Plan ist die Linie der Gemeinde. Sie beginnt am Kreuz. Hier finden Menschen Sühnung und Vergebung ihrer Schuld. Hier sind die gerecht und geliebt, getötet und lebendig gemacht. Das dürfen sie aus Gnaden durch den Glauben annehmen. Im Hören des Evangeliums, welches den Glauben weckt, kommt Gottes Geist ins Leben (Eph. 1, 13 und 14). Der heilige Geist erweckt zum Glauben. Er ist das wichtigste Kennzeichen des Christen. “Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein” (Römer 8, 9). Die Öllampe stellt den heiligen Geist dar. Er erleuchtet die Heilige Schrift. Hier werden wir zu Jesus gewiesen, hier spricht der lebendige Gott mit uns, hier können wir uns orientieren. Der heilige Geist befähigt den Christen auch für seinen Dienst, seine Aufgaben. Er schafft Frucht. “Du bist ein Geist, der lehret wie man recht beten soll …”, sagt Paul Gerhardt. Ihr Gebet umfaßt alle Menschen und Regierungen (1. Tim. 2, 1f). Die Füße weisen auf die Boten des Evangeliums — angefangen von den Eltern und den Großeltern in der Familie, für den Kollegen am Arbeitsplatz, bis zu den großen Evangelisten, wie Spurgeon oder Elias Schrenk, dem Bahnbrecher der Evangelisation in Deutschland. Welch ein Reichtum liegt doch in der Missionsgeschichte. Kennen Sie z. B. die württembergischen Missionare Krapf und Rebmann? Als erster Europäer entdeckte Rebmann 1848 den schneebedeckten 6.000 Meter hohen Kilimandscharo. Die europäischen Geographen lachten: “Schneeberge am Äquator!” Da hat der dumme Missionar sich einen Bären aufbinden lassen. Als später ein Forscher am Kilimandscharo eingeschneit wurde, lachten sie nicht mehr. Rebmann lebte 29 Jahre an einem Ort mit den Afrikanern in großer Geduld. Seine Frau starb und er erblindete fast. Endlich nach schweren Ereignissen öffneten sich die Herzen einiger Eingeborener dem Evangelium. Es entstand eine kleine Gemeinde. Als Ablösung kam, und er zurückkehrte, konnte er sagen: “Das Christentum hat in Ostafrika Wurzeln geschlagen.”

Wer sich in den reichen Schatz der Geschichte der Weltmission vertiefen will, ist gut beraten mit dem Buch: “Jenseits der endlosen Meere — Abenteuer Weltmission”. Pfarrer Winrich Scheffbuch gibt darin anhand von Lebensbildern eine lebendige, interessante Einführung in die Missionsgeschichte. Viele kennen die Männer und Frauen nicht mehr, die oft unter Einsatz ihres Lebens die wichtigste Botschaft in die Welt getragen haben.

Reich beschenkt haben uns auch die Liederdichter mit ihren Liedern. Ihre Lieder gehen mit in jede Not und sind oft am Ende des Lebens noch gegenwärtig, geben Mut und Trost. In dem Buch: “Den Kummer sich vom Herzen singen — So entstanden bekannte Lieder”, erzählen Winrich und Beate Scheffbuch von den Liederdichtem und ihren Liedern. Das Leben der glaubenden Gemeinde äußert sich auch im Dienst der Diakonie. Bahnbrecher der Diakonie hat Jörg Erb “Menschen der barmherzigen Liebe” genannt. Hier nur ein Beispiel zu diesem Thema: Als Preußen 1806 durch Napoleon einen Zusammenbruch erlebte, kam eine große Not über das Land. Damals lebte in Berlin der Baron von Kottwitz. Er kaufte am Alexanderplatz eine alte Kaserne, den “Ochsenkopf”. Hier gab er Arbeitslosen, heimatlosen alten Menschen, hilflosen Kindern und mittellosen Studenten eine Heimat. Seine Parole lautete: “Tränen trocknen”. Eine Zeit wohnte auch Johann Heinrich Wichern, der spätere Bahnbrecher der “Inneren Mission” bei ihm. Er schrieb über Kottwitz in sein Tagebuch: “O du unvergleichlicher Mann, so demütig … so voll Gottesfreude. Herr, laß mich so werden.” Der Philosoph Fichte sagte zu Kottwitz: “Das Kind betet, der Mann will!” Der Baron antwortete: “Herr Professor, ich habe jeden Tag 600 Menschen zu versorgen und weiß oft nicht, wo ich das Brot für sie hernehmen soll. Da weiß ich mir manchmal nicht anders zu helfen, als daß ich bete!” “Herr Baron, dahin reicht meine Philosophie nicht!”, erwiderte Fichte. Erst 52 Jahre alt stirbt Fichte. Da bittet er Kottwitz, den Mann der beten konnte, Vormund seines Sohnes zu werden. — Auf dem Plan erinnert der barmherzige Samariter an die Aufgabe der Diakonie.

Trotz dieser reichen Geschichte könnte man das Christentum als Fehlschlag bezeichnen. Wo stehen wir am Ende von 2.000 Jahren christlicher Zeitrechnung? Unser Jahrhundert brachte ein solches Ausmaß an Menschenverachtung und Massenmord, daß es alle vorhergehende Zeit übersteigt. Namen wie: Lenin, Stalin, Hitler, Mao und Pol Pot belegen das. In dem 1998 erschienen “Schwarzbuch des Kommunismus” wird gesagt, daß China z. B. 65 Millionen Tote als Opfer des Kommunismus zu beklagen hat. Es ist kein Fehlschlag, daß es trotz der Verkündigung des Evangeliums und des damit verbundenen Segens nicht besser in der Welt geworden ist.

Vom Geheimnis der Gesetzlosigkeit

spricht der Apostel Paulus in 2. Thess. 2, 7. Die jetzige Weltzeit ist noch vom Bösen bestimmt. Satan ist der Gott dieser Weltzeit (2. Kor. 4, 4). Es gibt einen unsichtbaren Hintergrund der Weltgeschichte. Auch das Böse muß ausreifen und als Solches offenbar werden. Zeitströmungen haben auch einen geistigen Hintergrund. So hat der Studentenführer Cohn Bendit in der Studentenrevolution 1968 die jungen Leute aufgerufen: “Sagt nein zur Familie — lebt anders!” und Marcuse hat mit seinem “Lustprinzip” und dem Brechen der Tabus viel zur sexuellen Verwilderung und am Zerbrechen von Ehen und Familien beigetragen. Sogar im “Spiegel” stand kürzlich: “Die Kategorien von Schuld und Sühne sind aus der Sexualphase fast völlig verschwunden”. Auch die Einflüsse von der Rockmusik bis zur “Love-Parade” haben bei Millionen junger Menschen Ekstase und Rausch gefördert und sie für das Evangelium verschlossener gemacht.

Der bekannte Pfarrer und Publizist Jörg Zink hat ein Büchlein “Neue 10 Gebote” geschrieben. Danach gehören die Gebote dorthin, wo sie hergekommen sind — in die nomadische Anfangszeit Israels — nicht in unsere Zeit. Es sei fast unmöglich, aus ihnen eine ethische Unterweisung für Kinder zu machen, wie das im Katechismus geschieht. Wir müßten dieselben für uns heute neu finden. Jesus hat es so gesagt: “Weil die Gesetzlosigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten” (Matth. 24, 12).

Die große Weltverführung am Ende unseres Zeitalters

Durch das jetzige Zeitalter laufen zwei Linien. Die eine ist die Linie der Überwinder. Sie endet mit der Vollendung der Gemeinde.

Die andere Linie ist die des Abfalls. Sie endet im antichristlichen Weltreich. Die 7 Sendschreiben Offbg. 2 und 3 haben für alle Gemeinden kostbare Zusagen für die Überwinder und Warnungen vor Abfall und Verkehrungen des christlichen Glaubens. Am Ende steht ein Christentum, das meint großartig und reich zu sein und in Wirklichkeit arm, elend, blind und bloß ist. Die Darstellung der Heilsgeschichte auf dem Plan zeigt zwei weiße Reiter. Die Kapitel im letzten Buch der Bibel, die besonders das Geschehen am Ende dieses Zeitalters beleuchten, beginnen mit einem weißen Reiter und enden mit einem weißen Reiter. Es sind die Kapitel 6-19 der Offenbarung. Der erste weiße Reiter (Offbg. 6) zeigt den Durchbruch und Sieg des letzten Weltherrschers. Kap. 19, 1ff erscheint dann Christus.

Das antichristliche Reich trägt christliche Züge. Aber die sind nicht echt. Offbg. 13, 11 redet von einem, der wie ein Lamm erscheint und wie ein Drache redet. Jesus hat von Propheten in Schafskleidern gesprochen, die inwendig reißende Wölfe sind (Matth. 7, 15). Der maskierte Feind ist deshalb so gefährlich, weil er nur schwer zu erkennen ist. So entsteht ein Christentum unter falschen Vorzeichen. Der kommende Pseudochristus — der falsche Christus — will den wiederkommenden Christus verdrängen. An die Stelle des Wortes Gottes tritt das Wort der falschen Propheten. Anstelle des Heiligen Geistes tritt immer mehr eine Spiritualität, die sich auch mit den Religionen verbindet. Anstatt auf den wiederkommenden Herrn und sein Reich zu warten, möchte man jetzt das Friedensreich. Die Geistesmächte als unsichtbarer Hintergrund der Welt nehmen Gottes Gedanken auf, ahmen sie nach und nehmen sie vorweg. Das macht unsere Zeit so gefährlich. Jesus hat auf die Frage der Jünger nach dem Ende der jetzigen Weltzeit und den Zeichen seiner Wiederkunft zuerst vor Verführung gewarnt. “Seht zu, daß euch nicht jemand verführe!” (Matth. 24, 3.4; Luk. 21, 7.8; Markus 13, 4-6). Im letztgenannten Kapitel Markus 13, 37 endet Jesus seine Rede mit dem Satz: “Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!” Vorsicht vor Verführung und Wachsamkeit sind angesagt. Der Apostel Paulus fügt hinzu, die Liebe zur Wahrheit anzunehmen, damit wir nicht der Lüge glauben (2. Thess. 2, 9-12). Wo sehen wir heute Spuren zum letzten Weltreich?

Die Ökumenische Bewegung

Besonders seit dem 2. Weltkrieg ist eine Entwicklung zu einer globalen Einheit in der Welt eingetreten. In der Ökumenischen Bewegung ist als Ziel immer mehr in den Vordergrund getreten, was man mit folgendem Satz zum Ausdruck gebracht hat: “Alle Menschen sind Kinder Gottes, und unsere Aufgabe ist es, die eine Menschheitsfamilie zu schaffen!” Das griechische Wort “Oekumene” bedeutet im weitesten Sinn: die ganze bewohnte Erde.

Zwar befindet sich diese Bewegung seit dem Zusammenbruch des Kommunismus in einer Krise. Auch die Weltversammlung für Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, die in diese Zeit fiel, gilt als gescheitert. Die Zeit war noch nicht reif. Und doch ist hier ein großer Schritt vorwärts geschehen. Die zweigeteilte Welt, Ost und West mit der Gefahr eines Atomkrieges, ist entschärft. Der Kommunismus mit seiner brutalen Gewalt und seinen verarmten Völkern konnte das letzte antichristliche Weltreich nicht hervorbringen. Nun befindet sich die Welt in einem Umbruch.

Die Ökumene der Religionen

Zu einer kommenden Welteinheit gehören auch die Religionen. Von Hans Küng stammt die Parole: “Ohne Religionsfriede kein Weltfriede!” Der bekannte Theologe Heinz Zahrnt schreibt in seinem Büchlein: “Die Wiederkehr des heiligen Geistes”: “Wenn der Geist Gottes in allen Religionen weht und daher alle Religionen als Geistgemeinschaften zu gelten haben, dann weist dies in die Richtung einer interreligiösen Ökumene. Es handelt sich bei der künftigen Ökumene der Religionen um eine Gemeinschaft, in der in Gottes Namen Jude, Christ und Heide, Moslem, Hindu und Buddhist miteinander denken, reden und handeln …” Sicher ist für die Entwicklung in diese Richtung auch Jerusalem als wichtige Stadt für Juden, Moslems, und Christen von zentraler Bedeutung. Nach dem Willen des Vatikans, so wurde 1998 gemeldet, soll Jerusalem Hauptstadt der Welt werden. Der Papst lädt alle Menschen ein, die Bedingungen zu schaffen, daß Jerusalem seine Bestimmung erfüllen kann, eine Stadt des Friedens und der Verehrung Gottes zu werden. Von hier aus könnte es, aus all den jetzigen Krisen heraus, einen Durchbruch zu einer religiösen Verständigung geben. Wo aber bleibt Jesus Christus bei der Ökumene der Religionen? Heinz Zahrnt hat gesagt, die Kirche habe ihn zur Rechten Gottes emporgejubelt. Also bliebe er nur ein Mensch. Der bekannte Jude Ben Chorin hat in seinem Buch: “Bruder Jesus” versucht, Jesus als vielleicht wichtigsten jüdischen Menschen ins jüdische Volk zurückzuholen. Er schreibt: “Mein jüdischer Bruder ist es, ich spüre seine brüderliche Hand, die mich faßt, damit ich ihm nachfolge. Es ist nicht die Hand des Messias, diese mit den Wundmalen gezeichnete Hand. Es ist bestimmt keine göttliche, sondern eine menschliche Hand …” So können Juden und Christen und auch Moslems sich finden unter Preisgabe des einen Namens für alle Menschen unter dem Himmel, in dem sie gerettet werden sollen, denn es ist in keinem anderen Heil (Apg. 4, 12).

Die ökumenisch — charismatische Spiritualität

Seit 1906 wurde eine Bewegung ins Christentum eingeführt, die von Los Angeles ausgehend, schon bis jetzt in mehreren Wellen um die Welt gegangen ist. Etwa 500 Millionen Menschen sollen bis jetzt von dieser Bewegung erfaßt worden sein. Im Mittelpunkt steht eine neue Geisterfahrung — Geisttaufe, Geisterneuerung — die erst ein vollmächtiges Christsein ermögliche. Es äußert sich in Zungenrede, Durchströmungen, Heilungen, Visionen, Propheten, Massenbekehrungen. In letzter Zeit macht Pensacola in Florida, wo Zehntausende sich bekehren, von sich reden. Der koreanische Prediger David Yonggi Cho habe das schon vor Jahren geweissagt. Bill Bright, der Begründer von Campus für Christus sagt, er habe die Stimme des Heiligen Geistes gehört (der nicht nur durch das geschriebene Wort der Bibel zu uns spreche), daß wir die größte geistliche Ernte der Kirchengeschichte zu erwarten haben.

Die Heilige Schrift sagt aber: “Der Geist aber sagt deutlich, daß in den letzten Zeiten einige vom Glauben abfallen werden und verführerischen Geistern … anhängen” (1. Tim. 4, 1). Da wo Gottes Geist vom Abfallen spricht, spricht der andere Geist von der größten Ernte der Kirchengeschichte. Die Väter-Vertreter der Evangelischen Allianz und der Gemeinschaftsbewegung hatten 1909 in der sog. “Berliner Erklärung” gesagt, daß diese Bewegung nicht von oben, sondern von unten, und der Geist dieser Bewegung nicht der heilige Geist sei. In der Tat ist das die entscheidende Frage, mit welchem Geist wir es auch heute in dieser Bewegung zu tun haben.

Die Bibel legt uns ja ans Herz, die Geister zu prüfen, ob sie von Gott sind (1. Joh. 41, 1). 1996 haben Vertreter der evangelischen Allianz und des Gnadauer Verbandes diese Erklärung für uns heute als nicht mehr gültig erklärt. Man hat die Absage der “Berliner Erklärung” ein “Jahrhundert-Ereignis” genannt. Nun werden die Weichen immer mehr auf Zusammenarbeit gestellt. Man sieht nur noch verschiedene Frömmigkeitsstile. Haben wir es aber auch mit einer verführerischen Geistermacht zu tun und ist es gefährlich, die Türen zu öffnen. Es fehlt heute weithin die Unterscheidung der Geister. Das ist verhängnisvoll. Schon 1980 sagte der damalige Generalsekretär des Ökumenischen Weltrates der Kirchen, Philipp Potter, in einem stark beachteten Vortrag:

“Die charismatische Erneuerung kann dem Weltrat der Kirchen helfen bei seinem Ziel: Einheit des Volkes Gottes und Einheit aller Menschen auf der Welt. Dies ist das Werk des Heiligen Geistes!” Auch die Evangelikalen auf Weltebene haben die Weichen in diese Richtung gestellt. Der Vorsitzende des Komitees der Lausanner Bewegung sagte über die Weltkonferenz der Evangelikalen in Manila: “Vielleicht wird eine der historischen Wegemarkierungen in Manila die sein, daß Pfingstler, Charismatiker, Evangelikale und Nichtpfingstler in Christus zusammenkamen und sich verbündeten, um sein Evangelium voranzutreiben, wie nie zuvor.” Professor Beyerhaus sagte dazu: “Hier habe man die biblische Endzeitlehre verlassen, zugunsten einer Evangelisation 2.000.” Hans Urs Balthasar, einer der bedeutendsten kath. Theologen des 20. Jahrhunderts sagt: “Der Heilige Geist sei der große Unbekannte jenseits des Wortes. Er läßt sich nicht an den Buchstaben fesseln. In den Raum der Freiheit des Geistes kommen wir erst, wenn wir das Wort als Geländer loslassen!” Das ist das Gegenteil des biblisch, reformatorischen Glaubens, bei dem die Grundlage der Orientierung “allein die Schrift” ist.

So dürfen wir uns nicht wundem, wenn die Spiritualität der Religionen, Geistermächte, Esoterik, Geistheilungen usw. fast ungebremst immer mehr eindringen. Jörg Zink sieht die Kirche heute als Feld der “Einübung mystischer Spiritualität” denn, “der Christ der Zukunft wird Mystiker sein, oder es wird ihn nicht mehr geben”.

Auch auf politischer und wirtschaftlicher Ebene haben wir eine Entwicklung ins Globale. Europa und der Euro unterstreichen dies. Kürzlich zeigte eine Karikatur in der Zeitung, wie neben dem Thron Gottes im Himmel die Spitze eines Industriegiganten oder einer fusionierten Superbank erscheint. Karen Singh von der Kommission für Erziehung im 21. Jahrhundert bei der UNESCO sagte: “Da die ganze Menschheit eine einzige große Familie sei, müssen alle trennenden Barrieren niedergerissen werden, die auf dem Weg zur vollen globalen Einheit hinderlich sind: Fundamentalismus und Fanatismus, Dogma und Ausschließlichkeit sind aufzugeben zugunsten des interreligiösen Dialogs.” Wenn sich das durchsetzt, darf man nicht mehr sagen: “Es ist in keinem anderen Heil!”

Wohin führen diese Entwicklungen?

Die Bibel redet, wenn sie vom Ende unserer Weltzeit spricht, nicht von Weltbekehrung und vom Sieg des Reiches Gottes. Sie warnt vor Abfall, Verführung und dem Durchbruch des antichristlichen Weltreiches (2. Thess. 2, 3-12). Dies macht unsere Zeit so gefährlich.

Das antichristliche Weltreich

Der weiße Reiter in Offbg. 6, 1f zeigt den Durchbruch dieses Reiches an. Dieses Reich umfaßt die Welt. Offbg. 17, 13.14 sagt: “Am Ende sind 10 Machthaber in der Welt, die alle eines Sinnes und einer Meinung geworden sind. Sie stellen einen an die Spitze und übergeben ihm ihre Macht und Herrschaft. Aber sie kämpfen gegen das Lamm. Den gekreuzigten und auferstandenen Christus wollen sie nicht.

Der Apostel Paulus sieht in dem antichristlichen Weltherrscher eine Vorwegnahme des wiederkommenden Christus. Er sagt: “… ihn, dessen Ankunft (Parusie) nach der Wirksamkeit Satans ist, in aller Macht und allen Zeichen und Wundem der Lüge und in allem Betrug zur Ungerechtigkeit denen, die verloren gehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen, damit sie errettet würden” (2. Thess. 2, 9.10). Das sind starke Worte. Wie umfassend seine Herrschaft ist, sagt auch Offbg. 13, 7.8: “… ihm wurde Macht gegeben über alle Stämme, Völker, Sprachen und Nationen. Und alle, die auf Erden wohnen, beten es an, deren Namen nicht geschrieben stehen im Lebensbuch des Lammes, das geschlachtet ist.”

Als Merkmal nennt die Bibel auch: “Wenn sie sagen: jetzt herrscht Friede und Sicherheit, (gerade) dann überfällt sie das Verderben plötzlich” (Thess. 5, 3; nach Menge). Es handelt sich um einen Scheinchristus, ein Scheinreich und einen Scheinfrieden.

Die Zahl 666 deutet wohl die höchste Steigerung des Menschenmöglichen an. 6 mal 6 ist 36 und alle Zahlen von 1 bis 36 addiert, ergeben wieder 666. Das Falsche und Böse muß zuerst reif werden, dann wird es offenbar, was es wirklich ist.

Dem weißen Reiter folgen die sog. apokalyptischen Reiter. Er führt durch den Schein in die Katastrophe. In den Kapiteln 6 bis 16 der Offenbarung wird mit den jeweils 7 Siegel-, Posaunen- und Zornschalengerichten dieses Reich entlarvt, zerbrochen und beseitigt, und dem Reich Jesu Christi die Bahn bereitet.

Die Pfeiler der Heilsgeschichte

Auf dem Plan spannt sich über dem Ablauf der Zeit, über dem Weltgeschehen, eine große Brücke mit 4 Pfeilern. Sie zeigen die großen Taten Gottes in der Geschichte der Welt. Das Evangelium ist keine Religion, keine Philosophie oder Ideologie. Es ist das Handeln Gottes in und durch seinen Sohn. Der Sohn Gottes verwirklicht die Ratschlüsse Gottes in der Geschichte. Nach der Heiligen Schrift gibt es ein vierfaches Kommen Jesu, dem entsprechen die 4 Advente. Advent heißt: Ankunft. Diese vierfache Kommen sind die Pfeiler der Heilsgeschichte, an denen wir uns orientieren können. Gott schafft, erlöst und vollendet die Welt durch Jesus Christus.

Der erste Pfeiler der Heilsgeschichte

markiert das Kommen Jesu von der Krippe bis zum Thron. Wir haben schon vom Kreuz als der Mitte der Heilsgeschichte geschrieben. Was in diesen 33 Jahren, als Jesus unter ihnen lebte, und besonders an deren Ende geschah, war das Wichtigste, was bis jetzt auf unserer Erde geschehen ist. Wir zählen unsere Jahre, davor und danach. Hier hat der Eine für uns alle den wichtigsten Sieg errungen, den Sieg über die drei Großmächte: Sünde, Tod und Teufel. Nun ist Er der Weltherr, der Priester, der Hirte zur Rechten Gottes. Er ruft uns durchs Evangelium zum Glauben. Wir dürfen ihn anrufen in allen Nöten, mit ihm reden und ihm danken.

    “Doch über den Zeiten und ihren Streiten,
    thront heut noch verborgen, der Sieger von Morgen.
    Aus längst vollbrachten Entscheidungsschlachten,
    vom Kreuz zum Thron, ging heim der Sohn!”
    (Otto Riethmüller)

Der zweite Pfeiler der Heilsgeschichte

Wir leben zwischen der Himmelfahrt und der Wiederkunft Christi. In dieser Zeit ist das größte Ziel im Plan Gottes noch nicht sein Reich, sondern das Werden und die Zubereitung der Gemeinde Gottes. “… die Gemeinde Gottes zu hüten, die er sich erworben hat durch das Blut seines eigenen Sohnes” (Apg. 20, 28; Rev. Elberfelder). Diese Gemeinde ist die erste Frucht aus dem Sterben und der Auferstehung Christi. Niemand weiß, wann es soweit ist, bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist (Röm. 11, 25). Für Fülle steht hier das griech. Wort “pleroma”. Es bedeutet: volle Zahl, Fülle, Vollmachen, Ausfüllung — und meint nicht die Völker insgesamt, sondern alle Menschen, die aus den Völkern und Kirchen Jesus Christus angehören. Sie alle miteinander sind die Fülle Christi. Sie sind Glieder an seinem Leib. Die “Vollzahl” aller Glieder ist der Leib Jesu Christi. Dieser Leib ist das Organ und Werkzeug durch welches Jesus Christus wirkt. Jetzt schon — aber im Vollsinn erst, wenn sein Leib vollendet ist und Jesus Christus, das Haupt, mit seinem Leib vereint ist. Dann soll ganz Israel gerettet werden (Röm. 11, 26). So bereitet Gott heute seine Werkzeuge für die Zukunft.

Sind alle Glieder dieses Leibes gerufen, geschieht der erste Akt der Wiederkunft Jesu. Gott selbst gibt dazu das Zeichen:

“wenn die Posaune Gottes erschallt”. Weil wir diesen Zeitpunkt nicht kennen, kann auch niemand die Wiederkunft Jesu

errechnen. Am deutlichsten zeigt die Bibel das in den Texten 1. Thess. 4, 13-18 und 1. Kor. 15, 51-55. “Der Herr selbst wird herabkommen vom Himmel und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen!” Es handelt sich um alle Glieder aus den vergangenen, bis jetzt etwa 2.000 Jahren, und die, die noch leben und übrig bleiben, bis zur Ankunft des Herrn. Sie alle werden ihrem Herrn entgegengerückt. Deshalb nennt man dieses Ereignis auch: die Entrückung der Gemeinde. Auf dem Plan sehen wir das offene Grab. Jesus ist auferstanden — nun dürfen die, die ihm angehören bei seiner Ankunft, (1. Kor. 15, 23), auch auferstehen und einen neuen Leib erhalten.

Der Richterstuhl Christi

Auch die Gemeinde geht noch durch ein Gericht. “Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse” (2. Kor. 5, 10). Der Richterthron über dem zweiten Pfeiler zeigt das auf dem Plan. Bei jedem Glied der Gemeinde wird das ausgeschieden, was nicht taugt vor Gott, alles was die Feuerprobe nicht besteht. Was echt ist, was Gott gewirkt hat im Leben, das bleibt. Das ist dann die Gemeinde, wie Paulus sagt, die er vor sich stellt als eine Gemeinde, “die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe …” (Eph. 5, 27).

Diese Gemeinde als Leib Jesu Christi wird “allezeit mit dem Herrn sein” und in den kommenden Weltzeiten teilhaben an den Aufgaben des wiederkommenden Herrn, bis die Schöpfung Gottes vollendet ist (Eph. 1, 22.23; 2, 7).

Wo stehen wir heute?

Der rote Strich auf dem Plan zeigt unseren jetzigen Stand. Wir leben nach 1948 und vor der Vollendung der Gemeinde. Vom Jahr 70 bis 1948 nach Christus gab es keinen Staat Israel. Aus den Katastrophen der zwei Weltkriege heraus entstand 1948 im Land der Väter dieser Staat neu und ist immer mehr ins Zentrum der jetzigen Weltgeschichte gerückt. Das ist ein wichtiges Zeichen dafür, daß wir auf das Ende unseres Zeitalters zugehen. 1998 konnte der Staat Israel sein 50jähriges Bestehen feiern. Vollendet wird die Gemeinde wohl vor dem Gericht über das antichristliche Weltreich. “Denn Gott hat sie nicht für das Zorngericht bestimmt …” (1. Thess. 5, 9).

Der dritte Pfeiler der Heilsgeschichte

Das ist die Wiederkunft Jesu in Macht und Herrlichkeit. Bis dahin hält Gott mit seiner Macht zurück. Es mußten erst seine Werkzeuge, die Gemeinde, und nun auch Israel, bereitet, gerettet und vollendet werden. Auch das Böse mußte bis zum antichristlichen Reich ausreifen. Dies ist der Tag der Machtergreifung Jesu Christi. Er kommt mitten hinein in die antichristliche Welt “als König aller Könige und der Herr aller Herren.” In Offenbarung 19, 11-16 wird er beschrieben: “Ich sah den Himmel aufgetan und siehe ein weißes Pferd, und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit!”

Er kommt nicht allein. “Die himmlischen Heerscharen folgten ihm auf weißen Rossen!” Bei der Geburt Jesu in Bethlehem hat die Menge der himmlischen Heerscharen Anteil genommen. Nun dürfen sie auch an seiner Wiederkunft teilhaben. Natürlich wird die Gemeinde, die ja sein Leib ist, mit ihm erscheinen. “Wenn Christus unser Leben offenbaren wird, dann werdet auch ihr zusammen mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit” (Kolosser 3, 4). Wo er wiederkommt hat Sacharja schon geweissagt. “Seine Füße werden stehen zu der Zeit auf dem Ölberg, der vor Jerusalem liegt …” (Sach. 14, 3). Siehe auch Judas 14, 15. Dort trifft er auf die Kriegsheere des letzten Weltherrschers. “Und ich sah das Tier und die Könige auf Erden und ihre Heere versammelt, Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferd saß und mit seinem Heer” (Offbg. 19, 19).

Das ist eine multinationale Streitmacht. Unreine Geistermächte aus dem Munde des Drachen, des Tieres und des falschen Propheten haben sie zusammengebracht in dem Wahn, Israel zu vernichten und gegen den kommenden Christus zu bestehen. Das ist der letzte Weltkrieg am Abschluß unseres Zeitalters. Das ist der Kampf bei Harmagedon: “Die Könige der ganzen Welt sind versammelt zum Kampf am großen Tag Gottes, des Allmächtigen” (Offbg. 16, 13-16). Hier ist der Höhepunkt der Verführung durch eine satanische Dreieinheit: Drache = Pseudogott, Antichrist = Pseudochristus, und falscher Prophet = Pseudogeist. Israel ist in höchster Not. Jesus hat von der großen Drangsal gesprochen, “wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt” (Matth. 24, 21). Da hinein kommt Christus in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Es ist das große Finale zu Kreuz und Auferstehung. Entscheidend ist, wer das Endspiel gewinnt (Matth. 24, 21-30).

Da wird Israel erkennen, der am Kreuz hing, ist Jahweh, unser Messias und der Herr der Welt. Die Bibel spricht von der Wehklage, die über alle Stämme des Landes kommt (so die Elberfelder Bibel), wenn Jesus kommt (Matth. 24, 30). Auch der Prophet Sacharja hat das geweissagt: “Sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben, und werden um ihn klagen, wie man klagt um ein einziges Kind, und sie werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübt um den Erstgeborenen. Zu der Zeit wird große Klage sein in Jerusalem …” (Sacharja 12, 10 und 11; Offbg. 1, 7). Hier geschieht die Bekehrung und Wiederherstellung Israels. In der Annahme des falschen Messias ist Israel zur Hure geworden, wie schon die Propheten Hosea, Hesekiel und Jeremia gesagt haben. Nun wird Israel zur Braut und zum Weib des Lammes. Offenbarung 19 spricht von der Hochzeit des Lammes. Der wiederkommende Herr kommt auch zum Gericht über das antichristliche Heer. “Es wird erschlagen mit dem Schwert, das aus dem Munde dessen ging, der auf dem Pferd saß” (Offbg. 19, 21). Der falsche Christus und der falsche Prophet werden in den Feuersee geworfen (Offbg. 19, 20).

Wenn der wiederkommende Herr das Geschick Judas und Jerusalems wendet, dann wird er die Völker richten (Joel 4).Er wird die Völker zusammenbringen ins Tal Josaphat (Josaphat heißt: der Herr richtet, Gottesgericht). Er wird sie richten über dem, was sie mit seinem Volk während der Zerstreuung unter den Völkern und mit seinem Land getan haben. Da werden die sog. christlichen Kirchen und Völker, die das Evangelium bis zum Antichristentum vermischt und verkehrt haben und an Israel schuldig wurden, ernste Gerichte zu erwarten haben. Sicher dürfen die Afrikaner, Inder, Chinesen vor den Europäern und manchen islamischen Völkern ins Reich Gottes eingehen. Auf diese Wende, daß Gott Israel wieder einpfropft und eine Christenheit, die vom Glauben abgefallen ist, abhauen kann, hat der Apostel Paulus schon hingewiesen (Römer 11, 17-24).

Noch eines müssen wir erwähnen. Bei der Wiederkunft Jesu wird auch die unsichtbare Finsterniswelt ausgeschaltet. “… damit er die Völker nicht mehr verführen soll” 3 (Offbg. 20, 3). Der Drache, die alte Schlange, das ist der Teufel und Satan wird gefesselt, an die Kette gelegt und in den Abgrund geworfen. Der Abgrund ist ein Ort, an dem sich finstere Mächte befinden (Luk. 8, 30.31). Die Kette auf dem Plan zeigt dieses Geschehen, welches von größter Tragweite ist. Der rote Strich am unteren Ende des Planes deutet den Feuersee an. Mit dem Gericht über die antichristliche Welt und der Ausschaltung der Finsternismächte ist nun der Weg frei für:

Das Reich Jesu Christi auf der Erde

Der Gedanke des Reiches Gottes zieht sich durch die Weltgeschichte. Am Anfang warteten die Christen auf den wiederkommenden Herrn und sein Reich. Sie grüßten sich “Maranatha” = unser Herr kommt! Eines der ältesten Gebete lautet: “Es vergehe dieser Weltlauf, es komme dein Reich!” Von der Zeit des Kaisers Konstantin an wurde das Christentum anerkannt. Augustin schrieb Anfang des 5. Jahrhunderts das Buch: “Der Gottesstaat”. Er sah in der Kirche schon das Tausendjährige Reich, in dem Satan gebunden ist. Hieraus entstand die mächtige mittelalterliche Papstkirche.

Auch Karl Marx als Jude hat den Reichgottesgedanken genommen und säkularisiert: die Proletarier aller Länder sollten es errichten. Der Nationalsozialismus wollte auch ein Tausendjähriges Reich herbeiführen. Der letzte und größte Versuch ist das sich anbahnende antichristliche Weltreich. Das Reich Gottes ist das Ziel der Geschichte. Der Mensch kann es nicht errichten. Das vollbringt der wiederkommende Herr. Hier geschieht eine Geschichtswende. Die Bibel spricht von der jetzigen und der kommenden Weltzeit.

Der dritte Pfeiler der Heilsgeschichte ist der Beginn der Wiederherstellung der Schöpfung. Die erste Stufe des kommenden Reiches ist das in Offbg. 20, 1-6 genannte Tausendjährige Reich. Es ist noch auf dieser Erde. Deshalb müssen wir die 1.000 Jahre buchstäblich verstehen, denn der neue Himmel und die neue Erde kommen danach. Davids letzte Worte am Ende seines Lebens waren ein Blick in die Zukunft des kommenden Reiches. Er sieht einen gerechten Herrscher über die Menschen. Seine Herrschaft ist wie ein strahlender Sonnenaufgang am wolkenlosen Morgenhimmel. Die Sonne bescheint das vom Regen glänzende Grün und bringt es zum Wachsen. Diese Hoffnung ist keine Utopie, denn Gott hat ja einen Bund mit David geschlossen (2. Sam. 23, 3-5).

Jetzt ist noch Nachtzeit (Röm. 13, 11-14). Wenn Christus kommt, bricht der Tag an, die Sonne geht auf über der Erde. Johannes sieht den Wiederkommenden auch so: “Sein Angesicht leuchtet wie die Sonne leuchtet in ihrer Macht” (Offbg. 1, 16). Israel und die Gemeinde haben Teil an diesem Dienst: “Die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich” (Matth. 13, 43). “Die ihn aber lieb haben, sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht” (Richter 5, 31). Die aufgehende Sonne über dem Ölberg mit den kleinen Sonnen deutet dieses Geschehen auf dem Plan an.

Dieses Reich nennen wir auch das Friedensreich. Hierher gehören die Worte von den Schwertern, die zu Pflugscharen gemacht werden (Jes. 2, 3 und Micha 4, 3). “Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund des Herrn Zebaoth hat’s geredet.” Das ist kein frommer Traum. Gott selbst verbürgt sich mit seiner Zusage für die Erfüllung. Das Kriegs- und Flüchtlingselend hat ein Ende. Der Weinstock und die Krone auf dem Plan deuten das erfüllte Leben unter der Herrschaft Jesu Christi an. Jeder darf wohnen, d.h. Heimat finden.

Die Erneuerung geht von Israel aus und schafft Versöhnung unter den einst verfeindeten Völkern. Jesaja schaut auf die Völker im Norden und Süden Israels und sagt: “Die Ägypter samt den Assyrern werden Gott dienen. Zu der Zeit wird Israel der dritte sein mit den Ägyptern und Assyrern, ein Segen mitten auf Erden, denn der Herr Zebaoth wird sie segnen und sprechen: Gesegnet bist du Ägypten, mein Volk, und du Assur, meiner Hände Werk, und du Israel mein Erbe” (Jesaja 19, 23-25). Da werden die Moslems erkennen, daß ihr Felsendom ja über dem Morijafelsen steht, der seit 4.000 Jahren redet von dem Vater, der seinen einzigen Sohn, den er lieb hat, geopfert hat, um unsere Sünden-, Gerichts- und Todesnot zu stillen (1. Mose 22; 2. Chron. 3, 11). Abraham ist ja auch der Stammvater der arabischen Völker.

Allah hat keinen Sohn und ist deshalb auch kein Vater, und erst recht kein Vater, der seinen einzigen Sohn opfert. Der Islam lehnt das Kreuz, das Herzstück und den Mittelpunkt des christlichen Glaubens ab. Ein Moslem kann unter dem Zeichen des Kreuzes keinen Gottesdienst feiern. Deshalb ist im neuen Bundestag im Reichstagsgebäude in Berlin wohl eine Stufe, die nach Jerusalem und Mekka weist, aber kein Kreuz vorgesehen (”Idea” — März 1999).

Der wiederkommende Herr überwindet auch die Religionen und erfüllt ihre Sehnsucht. Schon der Prophet Sacharja hat das geweissagt als Folge der Offenbarung des Herrn auf dem Ölberg. “Der Herr wird König sein über alle Lande. Zu der Zeit wird der Herr der einzige sein und Sein Name der einzige” (Sach. 14, 9).

An den unlösbar geknüpften sog. gordischen Knoten knüpfte sich das Orakel: Wer desselben lösen kann, dem fällt die Weltherrschaft zu. Als Alexander der Große sah, daß auch er ihn nicht lösen kann, zerschlug er ihn mit seinem Schwert. Die Menschen kommen zuletzt mit ihren Gewaltlösungen ans Ende. Das Leid und das Blut unzählig Vergewaltigter schreit zum Himmel. Jesus Christus, der wiederkommende Herr, wird die unlösbaren Rätsel der Welt und im Menschenleben lösen. Wenn schon bei Daniel ein Geist der Knotenlösung gefunden wurde, wieviel mehr dann bei ihm (Daniel 5, 12; Elberfelder).

Die letzte Verführung

Wir haben gesagt, daß das Tausendjährige Reich die erste Stufe des Reiches Gottes ist. Eine Zeit der Erquickung auf dieser Erde. Die Bibel sagt: “Danach muß Satan eine kleine Zeit losgelassen werden” (Offbg. 20, 3 und 7-10). (Das letzte Glied der Kette auf dem Plan ist offen). Satan ist der Alte geblieben, er macht sich wieder ans Werk, die Völker zu verführen. Werden die Völker jetzt standhalten und Gott treu bleiben? Sicher haben wir es hier mit einer Echtheitsprobe zu tun. Er bringt es fertig, die Völker zu einem letzten Weltkrieg zu versammeln. Ein Heer so zahlreich wie der Sand am Meer. Sie wollen das Heerlager der Heiligen, Israel und die geliebte Stadt Jerusalem, die Hauptstadt und den Mittelpunkt der Welt vernichten. Das ist ja Hochverrat und Empörung, wenn die Welt grundlos zum Feind überläuft!. Warum handeln die Menschen so?

Ist das nicht eine letzte Probe, ob wir Menschen in den besten Verhältnissen unter der Herrschaft Jesu ohne die Verführung Satans gut werden? Oder hat Gott recht mit seinem Urteil auf Golgatha, wo er Gericht über uns gehalten hat? Fleisch bleibt Fleisch, auch unter den besten Verhältnissen, und die Gesinnung des Fleisches ist und bleibt Feindschaft wider Gott (Römer 8, 7). Der Mensch ist in seinem innersten Wesen nicht geändert. Nun ist die Sünde ganz reif geworden. Gott greift ein. Es fällt Feuer vom Himmel und verzehrt das ganze Völkerheer. Karl Geyer schreibt dazu: “Die Reifezeit für die Sünde ist abgeschlossen. Nun aber wird sie durch den, der da kam zur Abschaffung der Sünde durch sein Opfer, restlos vernichtet, damit in den kommenden Zeiten der Wiederherstellung keinerlei Infektionsherde mehr im Kosmos sind. Auf der neuen Erde gibt es nur noch durchs Feuer Gegangenes.”

Der jüngste Tag, das Weltgericht

Jetzt erst ist der Zeitpunkt erreicht, den wir “Weltuntergang” nennen. Schon Jesaja hat geweissagt: “Es wird die Erde mit Krachen zerbrechen, zerbersten und zerfallen. Die Erde wird taumeln wie ein Trunkener …, denn ihre Missetat drückt sie, daß sie fallen muß und nicht wieder aufstehen kann” (Jes. 24, 19.20). Die Erde zerberstet unter der Last der Sünde, die in Jahrtausenden auf ihr geschehen ist. Nun greift Gott ein. Er läßt das Böse nicht endlos wuchern. Petrus hat es so gesagt: “Kommen aber wird der Tag des Herrn wie ein Dieb; an ihm werden die Himmel mit Krachen vergehen, die Elemente aber in der Flammenglut sich auflösen und die Erde wird mit allen Menschenwerken, die auf ihr sind, im Feuer aufgehen” (2. Petr. 3, 10; Menge).

Das Vorbild dafür ist das Gericht über Sodom und Gomorra. “Gott hat die Städte Sodom und Gomorra zu Schutt und Asche gemacht und zum Untergang verurteilt und damit ein Beispiel gesetzt für alle Gottlosen, die hernach kommen würden” (2. Petr. 2, 6).

Das Tote Meer ist ein warnendes Beispiel für alle Gottlosen. Hier war bis zur Zeit Abrahams eine Gegend wie Eden, wie das Paradies. Nach dem Feuergericht blieb das “Tote Meer”, in dem kein Leben ist und das auch keinen Ausgang, keinen Abfluß hat. Satan, als Saboteur der Pläne Gottes, hat immer wieder zum Gegenschlag gegen Gottes Taten ausgeholt, bis zur letzten Weltempörung am Ende des Tausendjahrreiches. Nun wird er endgültig ausgeschaltet. Sein Platz ist der Feuersee, in dem schon seine Werkzeuge, der Antichristus und der falsche Prophet sind. Jesus hat gesagt: “Das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln” (Matth. 25, 41). Mit dem Teufel werden auch seine Engel, die Dämonen, die “teuflischen Gewalten, die Beherrscher dieser Welt der Finsternis” (Eph. 6, 12; Menge) gerichtet.

Der große weiße Thron (Offbg. 20, 11-15)

Am Ende unseres Zeitalters ist das Gericht über die auf der Erde lebenden Völker. Am jüngsten Tag, am Ende der kommenden Weltzeit, ist das Weltgericht. Da werden alle Menschen gerichtet — die Toten, alle, die je über die Erde gingen. Das ist die Auferstehung zum Gericht. Die Großen und die Kleinen werden gerichtet. Alles wird vor Gott ins Licht gestellt. Gott hat auch schon im Lauf der Geschichte gerichtet. So ist z. B. an dem Turmstumpf der Gedächtniskirche in Berlin, der als Mahnmal stehen blieb, eine Tafel angebracht, auf der an das Gericht Gottes über Deutschland 1945 erinnert wird. Aber wieviel ist im Dunkel geblieben. — Vergebene Schuld wird nicht gerichtet. So kommt auch die vollendete Gemeinde und Israel nicht in dieses Gericht. Salomo sagt in Prediger 3, 16: “Ich sah unter der Sonne: An der Stätte des Rechts war Gottlosigkeit und an der Stätte der Gerechtigkeit war Frevel … Wiederum sah ich alles Unrecht an, das unter der Sonne geschieht, und siehe, da waren Tränen derer, die Unrecht litten, und keinen Tröster hatten. Und die ihnen Gewalt antaten, waren zu mächtig …” (Pred. 4, 1). Wieviel Unrecht, wieviel Verbrechen sind geschehen — gequälte und mißbrauchte Kinder, Inquisition, Hexenprozesse, politische Schauprozesse, gemordete, gequälte, beraubte Menschen, unschuldig Verschleppte, ihrer Gesundheit oder ihres Lebens Beraubte. Was ist in den 2 Jahrtausenden geschehen? Dazu alle Härte, Unbarmherzigkeiten einzelner Menschen untereinander am Arbeitsplatz oder in Ehen und Familien. Ehebruch wird oft nicht mehr als Sünde angesehen. Aber die Bibel sagt: “Die Unzüchtigen und Ehebrecher wird Gott richten” (Hebr. 13, 4). Am großen weißen Thron wird alles gerichtet. Die Gequälten, Ungerechtbehandelten bekommen ihr Recht. Die Bibel spricht auch davon, daß Gott erstattet. Ein Maßstab, der im Gericht angewendet wird, steht Jakobus 2, 13: “Denn es wird ein unbarmherziges Gericht über den ergehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat!” Gott bringt die bösen Taten auf den eigenen Kopf zurück. Die Sünde — ein Bumerang. Sie kehrt sich zuletzt immer gegen den Täter. Auch die versäumten Gottesstunden im Leben werden zur Anklage. Jesus sagt beim Jüngsten Gericht wird die Königin vom Süden die Zeitgenossen Jesu verdammen, denn sie kam vom Ende der Erde, Salomos Weisheit zu hören. “Und siehe, hier ist mehr als Salomo” (Matth. 12, 42).

“Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht” (Hebr. 9, 27). Der Weltrichter ist Jesus Christus. Der für die Welt starb, ist auch ihr Richter. Am dem Plan sehen wir das Lamm am Gerichtsthron. “Denn Gott hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat” (Apg. 17, 31).

Der vierte Pfeiler der Heilsgeschichte

Der Feuerbrand der alten Erde ist kein Weltuntergang im absoluten Sinn. Es ist eine Verwandlung der Welt. Wie aus schmutzigem Kohlenstoff unter großem Druck und Hitze Diamant wird, so geht aus dem Gericht ein neuer Kosmos — ein neuer Himmel und eine neue Erde hervor.

Unsere Bibel beginnt ja mit der Schöpfung von Himmel und Erde in den ersten beiden Kapiteln. Die letzten Kapitel der Bibel zeigen die Neuschöpfung von Himmel und Erde. Das 3. Kapitel zeigt wie die Sünde in die Welt gekommen ist. Das drittletzte Kapitel zeigt, wie Gott Satan ausschaltet und die Sünde richtet und beseitigt. Im Feuersee, dem letzten großen Gerichtsort, wird alles Böse ausgeschieden und abgetan.

Einer der Zornschalenengel — der es mit dem Gericht zu tun hat — führt Johannes auf einen sehr hohen Berg. Hier hat er eine weite Aussicht. Er sieht über Jahrtausende hinweg. Was sieht er? “Und ich sah

einen neuen Himmel und eine neue Erde.”

Hier gibt es keine Verdammnis, keinen Fluch, keinen Tod, kein Leid, kein Geschrei, keinen Schmerz. Was wird das sein: Eine Welt ohne Friedhöfe, ohne Gefängnisse, ohne Kranken- und Irrenhäuser. Jesaja sagt, daß man der vorigen Welt nicht mehr gedenkt, denn die neue Welt, die Gott schafft, wird eine Welt nie endender Freude sein (Jes. 65, 17.18). Sie ist eine Welt, in der Gott unter den Menschen wohnt. “Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott, mit ihnen wird ihr Gott sein” (Offbg. 21, 3). Das ist der 4. und endgültige Advent. Der Vater und der Sohn werden für immer inmitten der Menschen wohnen. Da ist die Sehnsucht nach Gemeinschaft erfüllt. “Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen.” Was Gott im Volk Israel im Vorbild gezeigt hat, ist jetzt verwirklicht.

Die neue Erde ist eine verklärte, verwandelte Welt. Der Apostel Paulus hat das Beispiel vom Samenkorn gebraucht. Das Weizenkorn stirbt in der Erde — aber nicht, um zugrunde zu gehen, sondern in die neue Pflanze hinein aufzuerstehen. So ist es auch mit der Auferstehung in eine neue verklärte Leiblichkeit. Oetinger hat gesagt: “Geistleiblichkeit ist das Ende der Wege Gottes.” In der neuen Welt sind wir keine Geister, sondern Menschen mit einem Leib, der von Gottes Geist durchwaltet ist, in einer entsprechend verklärten realen Welt. Was wird das sein?

Der Mittelpunkt der neuen Erde — das himmlische Jerusalem

Es entspricht dem Allerheiligsten in der Stiftshütte und im Tempel. Der Würfel auf dem Plan stellt es dar. Es hat die gleiche Länge, Breite und Höhe. Diese Stadt ist das Weib, die Braut des Lammes. “Komm ich will dir das Weib zeigen, die Braut des Lammes” (Offbg. 21, 9). Schon die Propheten haben Israel unter den Bildern Braut, Weib, Hure gesehen. Wir haben es hier mit dem vollendeten Volk Israel zu tun. Das Volk und die Stadt gehören unlösbar zusammen. Das himmlische Jerusalem ist auch der Thron Gottes. Gott wohnte im Allerheiligsten. Vom Deckel der Bundeslade, dem Sühnedeckel aus, sprach er zu Israel. Der Sühnedeckel ist ein Bild für das Kreuz, wo die Sünde gesühnt ist und die Versöhnung geschah. Schon Jeremia, hat davon gesprochen, daß man Jerusalem “des Herrn Thron” nennen wird (Jer. 3, 17).

Von den 12 Perlentoren ist besonders die Rede. Jedes Tor trägt den Namen eines der Stämme Israels. Die Tore sind offen — durch sie geht man in die Stadt. Diese Tore zeigen das Volk Israel in seiner weltumfassenden Missionsaufgabe. Israel soll ja Völkermissionar sein. Nachdem es gerettet, wiederhergestellt und vollendet ist, übt es nun seine Berufung als Weltmissionar aus. Der 87. Psalm hat dieses Jerusalem zum Inhalt: “Der Herr liebt die Tore Zions mehr als alle Wohnungen in Jakob.” Warum? “Herrliche Dinge werden in dir gepredigt, du Stadt Gottes.” Das ist die Weltevangelisation. Die Folge davon ist, daß die Völker Gott kennen und ewiges Leben empfangen. Sie werden hier geboren. Israel wird zur Mutter der Völker. So ist dieser Psalm auch überschrieben: “Zion wird die Mutter der Völker.” Wiedergeboren werden die Völker am Ende des Tausendjahrreiches noch nicht. Jetzt schreibt der Herr die Völker auf — sicher ins Lebensbuch des Lammes. Der Herr spricht über die Völker: “Die sind hier geboren.” Über der neuen Welt steht ja als Programm Gottes: “Siehe ich mache alles neu.”

Die Völker stimmen in eine neue Welthymne ein. Sie singen beim Reigen: “Alle meine Quellen sind in dir.” Dazu paßt das Bild, daß vom Thron Gottes und des Lammes ein Strom lebendigen Wassers ausgeht. An dessen Ufer stehen die Lebensbäume, deren Blätter zur Heilung der Völker dienen. Siebenmal wird in den letzten beiden Kapiteln der Bibel das Lamm genannt. Leben gibt es nur im Gekreuzigten und auferstandenen Herrn.

Alles geht von Gott, dem Vater aus — vom Thron Gottes. Der Gottes Gedanken ausführt, ist das Lamm Gottes. Das Lamm Gottes führt die Weltvollendung durch seine Werkzeuge aus: Die Gemeinde und das Volk Israel. Hier endet unsere Bibel. Nur der Apostel Paulus durfte noch weiter sehen, über Offbg. 21 und 22 hinaus.

Die Weltvollendung

Der Heilsplan endet mit dem Strom des Lebens, der nach vorn offen ist. Mit dem neuen Himmel und der neuen Erde ist das Ziel Gottes mit seiner Schöpfung noch nicht erreicht. Was ist mit all denen, die im Gericht des 2. Todes, des Feuersees sind? Ist dieses Gericht endlos? Gottes Plan umfaßt ja nicht nur den Kosmos — Himmel und Erde — , sondern das ganze Weltall. Die Gerichte Gottes sind nicht zwecklos, sie sind auch nicht ziellos und auch nicht endlos. Sie gehören in die Zeit der Heilsgeschichte, in den Ablauf der Weltzeiten. Die Bibel gebraucht manchmal den Ausdruck “von Ewigkeit zu Ewigkeit” — wörtlich “bis in die Ewigkeiten der Ewigkeiten!” Das meint das Ziel der Heilsgeschichte — der Äon, der die Vollendung bringt. So stellt sich Jesus dem Johannes vor: “Ich war tot und siehe, ich lebe von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle” (Offbg. 1, 18). Das heißt doch: Der Gekreuzigte, der Auferstandene und Wiederkommende überwindet bis zur Vollendung Tod und Hölle ganz und gar.

Am Ziel ist auch kein Raum mehr für den 2. Tod und den Feuersee. Hebräer 9, 26 sagt, daß das ein für allemal geschehene Opfer Jesu zur Aufhebung/Abschaffung der Sünde dient, auf die Vollendung der Weitzeiten hin. Bis zur Vollendung ist vom Kreuz her die Sünde mit ihren furchtbaren Folgen ganz und gar überwunden — abgeschafft.

Wir wollen noch einige Worte nennen, die uns auf die Vollendung der Schöpfung hinweisen. Römer 8, 18-23: “Das ängstliche (sehnsüchtige) Harren der Kreatur wartet darauf, daß die Kinder (Söhne) Gottes offenbar werden.” Die vollendete Gemeinde hat eine Aufgabe an der ganzen Schöpfung. Hat doch Gott den Menschen schon mit der Absicht geschaffen, zu herrschen über Fische, Vögel, Tiere, über seine Schöpfung. “Die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder (Söhne) Gottes.” Da wird die Sehnsucht der Ökologen nach einer heilen Welt gestillt. Jesaja 11 zeigt schon das Bild einer befreiten Schöpfung, in der der Säugling spielen kann am Loch der Otter. Da sind sicher auch die Naturkatastrophen, Krankheiten, Bazillen, Viren usw. überwunden und verwandelt. “Die Erde wird voll sein der Erkenntnis des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt.”

Eph. 1, 9.10 verheißt, daß in der Fülle der Zeiten Christus das Haupt des ganzen Weltalls sein wird. Luther sagt, daß alles zusammengefaßt würde in Christus. Das griech. Wort meint: alles “unter ein Haupt bringen” — “ta panta” mit dem Artikel heißt oft: das All, das Weltall, das Universum. So wie Christus jetzt das Haupt seiner Gemeinde, seines Leibes ist, wird er am Ziel das Haupt über alles, über das ganze All sein.

Kol. 1, 19.20: “Denn es hat Gott wohlgefallen, daß in ihm die ganze Fülle wohnen sollte und er durch ihn alle (ta panta = das All) mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder in den Himmeln, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.” So geht vom Kreuz aus die Linie bis dahin, daß Christus der Versöhner des Alls ist. Ein ganz in Ordnung und in Harmonie mit Gott gebrachtes Weltall ist das Ziel der Heilsgeschichte.

1. Kor. 15, 20-28 schaut Paulus, der größte Prophet mit der weitesten Schau, von der Auferstehung Christi bis zum Ziel der Welt- und Heilsgeschichte. So weit wirkt die Auferstehung sich aus. “Denn er muß herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter seine Füße legt. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.” Wir wissen nicht, wieviele Zeitalter noch nötig sind, um Gottes Heilsplan zum Ziel zu führen.

Das Ziel ist erreicht, wenn der Sohn das Reich Gott dem Vater übergeben wird. Der Pfarrer Albert Michaelis hat das auf einer Blankenburger Allianzkonferenz etwa so gesagt: “Der Sohn erscheint beim Vater und sagt: Vater, hier bin ich und die Kinder, die du mir gegeben hast. Ich habe das Werk vollendet, das du mir aufgetragen hast. Hier ist die abgefallene, rebellische Welt. Ich bringe sie dir zurück und lege sie dir zu Füßen!” Sie ist überwunden von der gekreuzigten Liebe. Der Sohn stellt sich mit der ganzen Schöpfung unter den Vater. Er übergibt alles ihm. Hier mündet das Reich des Sohnes endgültig in das Reich Gottes des Vaters. Und nun kommt das Wort, welches das Ziel Gottes zeigt: “… damit Gott sei alles in allen” (1. Kor. 15, 28). Es ist ein Weltall, das ganz durchwaltet, belebt und bewegt ist von Gottes Liebe, Geist, Licht und Leben. Eine Welt von Gottes Herrlichkeit, Freude und Kraft erfüllt. Nie will irgend ein Geschöpf wieder zurück.

Was kommt nun?

Hier beginnt sicher der gewaltige Lobgesang, den der 150. Psalm zum Ausdruck bringt: “Alles was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!” Alles jauchzt Gott Ehre zu. Tersteegen hat es so ausgedrückt: “Da jeder seine Harfe bringt und sein besonderes Loblied singt.” Heinrich Langenberg, ein Bibelausleger, sagt: “Die Harfe Gottes (Offbg. 15, 2) sei das zur Anbetung gestimmte Weltall.”

Dann wird Gott vielleicht sagen: Kinder, nun ist die Schöpfung zu Stand und Wesen gekommen, die ich vor aller Zeit in meinem Herzen hatte und durch meinen Sohn schuf, erlöste und vollendete. Jetzt sind wir am Anfang. Jetzt beginnt das Leben in der ganzen Gottesfülle. Bis dahin reicht die Bibel. Dann hat Gott uns sicher noch viel zu sagen. Jemand betete bewegt, als wir über diese Dinge sprachen: “Mein Gott, ich kann’s nicht fassen!”

Ein Wort zum Schluß

Noch sind wir unterwegs. Noch sind wir nicht am Ziel. Noch leben wir im jetzigen bösen Zeitalter und gehen der Stunde der Versuchung entgegen, die über den ganzen Weltkreis kommen wird (Offbg. 3, 10).

    “Jetzt kämpfen die Heere um Länder und Meere,
    ob Glaube, ob Zweifel, ob Gott oder Teufel,
    bei Mensch und Welt den Sieg behält.”
    (Otto Riethmüller)

Das Bild zeigt, wie wir Menschen noch in der Spannung leben. Da strecken sich aus dem Dunkel Hände nach uns aus — drohende, lockende, spottende, versuchende Hände. Aber da ist auch das Licht von oben. Das prophetische Wort will uns solch ein Licht am dunklen Ort dieser Welt sein, damit wir den Weg zum Ziel nicht verfehlen. Die Propheten waren auch die Wächter, die die Gefahren ins Licht stellen und zur Wachsamkeit rufen.

Die Hände von oben wollen uns halten, leiten und beschützen. Es sind die Hände, von denen Jesus gesagt hat, daß niemand die Seinen aus seiner Hand und aus der Hand des Vaters reißen wird (Joh. 10, 28.29).

Diesen Händen dürfen wir uns anvertrauen — einmal und immer neu. Im Blick auf den wiederkommenden Herrn dürfen Glaubende getrost ihre Arbeit tun, trotz aller Bedrohung.

Jesus sagt seiner angefochtenen Gemeinde: “Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung” (Offbg. 3, 10).

© 1999 Joachim Schard


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