Das Bewußtsein des Mitauferstandenseins mit dem Christus
Autor: Schacke, Martin | Kategorie(n): Gemeinde, Glaubensleben & Wandel | 561 x gelesen«Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes!» (Kol. 3, 1).
Dass Christus am Kreuz für unsere Sünden gestorben ist, das ist jedem Gotteskind zum Erlebnis geworden. Ohne dieses Erlebnis gibt es keine Sündenvergebung. Dem entspricht auch das Bewusstsein des Sühnetodes Christi für unsere Sünden und der Sündenvergebung durch ihn.
Anders ist es mit der Auferstehung Christi! Dass wir mit Christus auferweckt worden sind, davon ist das Bewusstsein lange nicht so verbreitet unter Kindern Gottes. Und doch ist dieses Bewusstsein nicht minder wichtig als das Bewusstsein der Sündenvergebung.
Ist daran die mangelnde Belehrung schuld oder die Bequemlichkeit der Kinder Gottes, die sich mit der Sündenvergebung begnügen und geistlicherweise keine großen Anforderungen mehr stellen? Sie sind zufrieden mit dem Bewusstsein, dass sie in den Himmel kommen, und begehren nicht mehr, als dereinst selig zu sterben. So meint es Gott allerdings nicht mit uns.
In Tat und Wahrheit ist die Auferstehung mit Christus für uns ebensosehr ein göttliches Erlebnis wie die Vergebung unserer Sünden. Vielleicht wird das nicht ohne weiteres einleuchten. Doch lasst uns kurz folgende Überlegung machen: Wir erleben doch dadurch etwas Göttliches, dass Gott durch seinen Geist es in unseren Herzen zu einer Wirklichkeit macht. So war es mit der Sündenvergebung. Sie war nicht die Folge einer Gedankenoperation, nicht das Resultat einer sorgfältigen Überlegung. Sie wurde vielmehr in uns lebendig, als Gott durch den Heiligen Geist sie in uns zu einer göttlichen Wirklichkeit machte.
Das muss Gott aber mit allem Göttlichen tun, das in uns lebendig werden soll. Er macht es in uns zu einer Realität. Wir können gar nichts Göttliches in uns aufnehmen, es sei denn, dass Gott es durch den Geist Gottes in uns wirklich und darum auch lebendig macht. Wenn Paulus Gal. 1, 15f. schreibt, dass es Gott wohlgefallen habe, seinen Sohn in ihm zu offenbaren, so bedeutet das, dass der Sohn Gottes im Herzen des Paulus lebendig und zu einer göttlichen Wirklichkeit geworden war.
Nicht anders ist es, wenn uns gesagt wird, dass wir mit dem Christus auferweckt sind. Gott macht uns diese wunderbare Tatsache lebendig; sie wird zu einer göttlichen Wirklichkeit in uns, sie wird Erlebnis.
Vielleicht müssen wir noch beifügen, dass dem Erlebnis gewisse Erfordernisse vorausgehen. An sich müssen wir festhalten, dass Gott jedes Menschenkind, dem er Sündenvergebung schenkt, auch mit Christus auferweckt hat. Die Frage ist nur, ob dieses Auferwecktsein mit dem Christus im Gotteskind lebendig wird und ob es davon ein ebenso lebendiges Bewusstsein bekommt wie von der Vergebung seiner Sünden. Wenn jemand seines Glaubens lebt, das Wort Gottes lieb hat und begierig ist nach der Unterweisung durch das göttliche Wort, wenn jemand weiter in herzlichem Umgang und in der Gemeinschaft mit Christus wandelt, in diesem wird Gott die Tatsache lebendig machen, dass er mit Christus auferweckt ist. Das Auferstandensein mit dem Christus wird in ihm eine Wirklichkeit werden, deren er sich von Herzen freut. Es ist ein Gotteserlebnis, das ihn auf dem ganzen Glaubensweg um so mehr begleitet, als er sich nicht nur mit Christus auferstanden, sondern auch mit ihm lebendig weiß. «Weil ich lebe, werdet auch ihr leben» (Joh. 14, 19). Dieses Wort des Herrn Jesus wird ihm immer lebendig vor der Seele stehen und in ihm eine dauernde Lebensfreude auslösen.
Das Mit-Christus-Auferwecktsein bedeutet das Leben mit ihm, das Leben mit ihm in seinem Lebensbereich, ja das Leben mit ihm in seiner Herrlichkeit. jeder, der das Auferstehungsbewusstsein bekommt, freut sich, dass die Auferstehung mit dem Christus den Durchbruch ins göttliche Leben bedeutet und zugleich der Durchbruch ist mit dem Christus in die Gegenwart Gottes. Das ist aber der Platz, den Gott für seine Kinder vorgesehen hat. Du sagst, ja, das ist der Platz, den wir dereinst einmal einnehmen werden, wenn wir selig gestorben sind und auch dem Leibe nach auferstanden sein werden. Gott hingegen sagt es anders. Eph. 2, 5.6 heißt es: «Mit dem Christus lebendig gemacht … mitauferweckt hat Gott uns in Christus Sitz gegeben im Himmlischen». Gott redet hier von vollendeten Tatsachen, die heute schon gelten und nicht erst vollzogen werden, wenn wir diese Welt verlassen haben werden.
Oder was könnte es uns nützen, mit dem Christus den Durchbruch ins Leben zu erleben, ohne dass dieser Durchbruch nicht auch zugleich Durchbruch wäre mit dem Christus in die Gegenwart Gottes? Unser geistliches Leben müsste ja in der Luft hängen. So aber bleibt es in der Gegenwart Gottes verankert, verankert mit dem Christus in Gott.
Wenn nun die Aufforderung ausgesprochen wird, zu suchen, was droben ist, dann ist das eigentlich die logische Folgerung aus unserem Auferstehungsbewusstsein. Wir sind durchgebrochen mit dem Christus ins Leben. Durch und mit ihm ist der Durchbruch vollzogen bis in die Gegenwart Gottes. Wir leben dort, wo Christus lebt. Unser Lebenszentrum ist in ihm. Und wir freuen uns von ganzem Herzen, dass er zur Rechten Gottes verherrlicht ist. Dort nimmt er seit über neunzehnhundert Jahren eine abwartende Haltung ein. Er sitzt, er ist noch nicht sichtbar in Aktion. Doch ist er voll und ganz mit seiner Gemeinde beschäftigt. Die Seinigen liegen ihm am Herzen. Dem Vater hat er sie anbefohlen. Er möge sie heiligen in der Wahrheit (Joh. 17, 17). Damit hatte der Herr Jesus dem Vater nahegelegt, dass er die Weihe an ihnen vollziehe. Diese wird dadurch vollzogen, dass Gott selbst in ihnen die Wahrheit lebendig macht, oder mit anderen Worten, dass Gott in ihnen göttliche Wirklichkeit schafft. Und gerade das ist es, was Gott in uns lebendig machen will: den Durchbruch mit dem Christus ins Leben und damit auch den Durchbruch ins Göttliche, unseren bewussten Vorstoß in die Gegenwart Gottes durch Jesus Christus. Solche Wirklichkeit schafft Gott in unseren Herzen um seines Sohnes willen.
(Quelle: Schrift; Verlag “Steh auf”, Basel)


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