Acht göttliche Wandlungen
Autor: Schadt, Robert | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Erkenntnis & Wesen Gottes, Lehre, Verwandlung & Erstattung | 686 x gelesen(Neujahrsansprache auf der Langensteinbacherhöhe vom 1. Januar 1962)
Zu dem, was ich heute morgen sagen möchte, zwei Bibelstellen:
“Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf daß die Überschwenglichkeit der Kraft sei Gottes und nicht aus uns. Allenthalben bedrängt, aber nicht eingeengt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg; verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht umkommend; allezeit das Sterben Jesu am Leibe umhertragend, auf daß auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde.” (2. Kor. 4, 7-10)
“… indem wir in keiner Sache irgendeinen Anstoß geben, auf daß der Dienst nicht verlästert werde, sondern in allem uns erweisen als Gottes Diener: in vielem Ausharren, in Drangsalen, in Nöten, in Ängsten, in Streichen, in Gefängnissen, in Aufständen, in Mühen, in Wachen, in Fasten; in Reinheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Gütigkeit, im Heiligen Geiste, in ungeheuchelter Liebe, im Worte der Wahrheit, in der Kraft Gottes;
durch die Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und Linken;
durch Ehre und Unehre;
durch böses Gerücht und gutes Gerücht;
als Verführer und Wahrhaftige;
als Unbekannte und Wohlbekannte;
als Sterbende, und siehe, wir leben;
als Gezüchtigte und nicht getötet;
als Traurige, aber allezeit uns freuend;
als Arme, aber viele reich machend;
als nichts habend und alles besitzend.” (2. Kor. 6, 3-10)
Wenn man diese beiden Stellen liest, die Paulus aus der Praxis heraus schreibt, kann man erschrecken. Sie zeigen Licht und Finsternis, ungeheure Spannungen, aber auch den Herrn, der aus den Spannungen herausführt. Darauf möchte ich uns einmal hinweisen auch im Blick auf das neue Jahr, das vor uns liegt und viele ungelöste Fragen mit sich bringt. Werden sie gelöst werden? Das weiß GOTT allein.
Gott ist ein Gott, der auf der einen Seite Spannungen herbeiführt, und zugleich ist Er der, der immer einen Ausweg für uns hat. Er kann Wandlungen vollführen, und darüber möchte ich heute morgen etwas sagen.
1. Er verwandelt Wasser in Wein
Davon lesen wir in Joh. 2, 7-9. Es ist das erste Wunder, das der Herr tut, als Er aus der Verborgenheit heraustritt. Er verwandelt Wasser in Wein, und zwar in einer Fülle! Es sind wohl sechs- bis siebenhundert Liter Wein gewesen. Darüber könnte man eine Bibelstunde halten, daß Gott, wenn Er etwas darreicht, immer die Fülle reicht. Wir denken dabei an Joh. 1, 16: “Aus Seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade.”
Die Wasser der Trübsal, durch die der eine und die andere von uns zu gehen hat, werden eines Tages, weil Gott es in Seinen Händen hat, in den Wein der Freude verwandelt werden. Wir alle stehen in Spannungen, es gibt keinen, der nicht darin steht. Jeder einzelne sieht am Anfang eines neuen Jahres irgendwelche Fragen ungelöst vor sich liegen. Wir aber blicken auf den wunderbaren Herrn, der diese Spannungen lösen und sie in Freude verwandeln kann. Das wollen wir Ihm zutrauen, wie immer unsere ungelösten Fragen, Spannungen und Nöte auch heißen mögen! Er wird es tun!
2. Er verwandelt den Libanon in ein Fruchtgefilde
“Ist es nicht noch um ein gar Kleines, daß der Libanon sich in ein Fruchtgefilde verwandeln und das Fruchtgefilde dem Walde gleichgeachtet werden wird?” (Jes. 29, 17). — Der Libanon ist der “weiße Berg”, der mit Schnee und Eis bedeckt ist. Es ist das Gebirge im Norden von Israel. Gott verheißt: Ich will den Libanon mit seinen schneebedeckten Gipfeln zu einem Fruchtgefilde machen!
Das dürfen auch wir im Blick auf alles, was uns innerlich bedrückt, in Anspruch nehmen: Wo noch Kälte und Unfruchtbarkeit ist, Eis und Schnee — ob es sich um Angehörige handelt oder um das Weltgeschehen oder unser eigenes Herz —, da bringt es unser Gott fertig, ein Fruchtgefilde hervorzubringen. Wir müssen nur lernen, IHM zu vertrauen. Nichts ehrt Gott mehr, als wenn wir Ihm kindlich Seine Verheißungen vorhalten: So und so hast Du gesagt — nun löse das bitte ein!
Gott verheißt auch uns: Ich will die eisige Kruste um dein Herz, das Schneegebirge, umwandeln in Fruchtbarkeit!
3. Er verwandelt Todesschatten in Morgen
“Suchet den, der das Siebengestirn und den Orion gemacht hat und den Todesschatten in Morgen verwandelt …” (Amos 5, 8).
Gott ist ein Umwandler, ein Umformer, der Todesschatten in Morgen, Finsternis in Licht verwandeln kann. Es ist eines der großen Geheimnisse Gottes — wir sehen es vom Alten Testament bis ins Neue hinüber —, daß Er ein Gott ist, der aus dem Tod das Leben wirkt. Und was Er einmal in den Tod hineingibt, das macht Er wieder lebendig. Er ist der Gott, der aus dem Todesschatten den Morgen, das Leben, das Licht schafft.
Diesem Gott dürfen wir all unser persönliches Leid und alle unsere Fragen hinlegen, und wo in unserem Leben noch Tod ist, wo wir zu ringen haben um den einen oder die andere, bringen wir es IHM: Du bist ein Gott, der Todesschatten in Morgen verwandeln kann! Dann wissen wir: Hinter allem Leid, der Nacht und dem Herzweh steht die wunderbare Liebesmacht unseres Gottes. Er ist der Umformer, der Umwandler, der auch in unserem Leben aus der Nacht Licht schaffen wird, aus Todesschatten einen neuen Morgen.
4. Er verwandelt Wehklagen in Reigen
“Meine Wehklage hast Du mir in einen Reigen verwandelt, mein Sacktuch hast Du gelöst und mit Freude mich umgürtet” (Psalm 30, 11).
Gott ist ein Gott, der die Wehklage in Reigen verwandeln kann. Das betrifft uns wieder ganz persönlich, denn jeder von uns hat ein Stück Leid auf dem Herzen zu tragen, es gibt keinen, der nicht durch Spannungen hindurchgeht. Deswegen habe ich die beiden Paulusworte aus 2. Kor. 4 und 6 zu Anfang angeführt.
In 2. Kor. 1, 8 lesen wir, daß Gott den Paulus einmal so geführt hat, daß er fast am Leben verzweifelte. Aber dann hat Gott ihm wieder eine Tür aufgetan. Auch wir alle haben oft Wehklagen auf unseren Herzen. Das gibt es gar nicht, daß wir alle von früh bis spät nur mit Jauchzen durch den Tag gehen. Je älter wir werden, und je mehr wir reifen, um so mehr lernen wir auch das Seufzen kennen. Paulus sagt im “Hohelied der Sohnschaft” in Römer 8: Die ganze Schöpfung seufzt, und auch wir seufzen. Hinter der äußeren Pracht und Herrlichkeit der Erde sehen wir die Dämonie und das Wehklagen. Aber wir wissen auch: Unser Gott hört es!
Als Paulus Gott dreimal darum gebeten hat: Nimm diesen Engel Satans von mir, der mich mit Fäusten schlägt — das muß furchtbar gewesen sein —, sagt Gott nein (2. Kor. 12, 7-9). “Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollendet.”
Und wenn wir dann und wann innerlich seufzen und manche Wehklage auf unserem Herzen liegt, dürfen wir sehen und es immer wieder erleben, daß Gott alle Wehklage in einen Reigen umwandeln kann, so daß lauter Freude und Wonne daraus wird. Wir wollen uns gar nicht schämen, alles Leid und Weh und alles, was uns anficht, unserem Gott kindlich zu sagen — ich wenigstens tue es nicht. Aber wir sehen dahinter das Morgenrot und wissen, daß Er der Herr ist, der die Wehklage und das Weinen in Freude und Wonne umwandeln kann.
Als der Herr das Abendmahl einsetzt, nachdem die Jünger vorher eine heftige Diskussion darüber hatten, wer unter ihnen der Größte sei, und als Er dann sieht, daß Judas Ihn verraten und Petrus Ihn verleugnen wird — als Er alles zusammenbrechen sieht und sagt: “In dieser Nacht werdet ihr euch alle an mir ärgern” (Matth. 26, 31), da lesen wir vorher: “Und als sie ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus …”
Dazu müssen wir noch Hebräer 5, 7 heranführen: “Der in den Tagen Seines Fleisches, da Er sowohl Bitten als Flehen dem, der Ihn aus dem Tode zu erretten vermochte, mit starkem Geschrei und Tränen dargebracht hat — und um Seiner Frömmigkeit willen erhört worden ist —, obwohl Er Sohn war, an dem, was Er litt, den Gehorsam lernte.” Hinter all dem sah unser Herr den Reigen und Lobgesang!
Und was immer auch uns packen mag an Weh, Leid und Schmerz — Gott kann es umwandeln in Freude. Er legt Spannungen und Leiden in unser Leben, damit wir Ihn darin verherrlichen können, und damit das Lob Gottes größer wird!
5. Er verwandelt Verderblichkeit und Vergänglichkeit in Herrlichkeit
“Denn dieses Verwesliche muß Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen …” (1. Kor. 15, 53). — Nach diesem Wort wird unser Gott Verderblichkeit und Vergänglichkeit umwandeln in Herrlichkeit. Nach 2. Kor. 4, 17 werden die Trübsale und Spannungen unseres Lebens einmal zu Herrlichkeit werden. Und hier in 1. Kor. 15, 53 wird uns gesagt, daß auch unser Leib der Vergänglichkeit, den wir an uns tragen, von Gott verwandelt wird in Herrlichkeit.
Das ist etwas, das wir ganz besonders mitnehmen sollten im Blick auf all die Spannungen, die wir ahnen und die das neue Jahr uns bringen mag. Tod und Sünde und Elend, das vor uns liegt, die ungelösten Fragen der Weltpolitik, Nacht und Dämonie — Gott ist ein Gott, der es in Herrlichkeit umzuwandeln vermag. Darauf müssen wir vertrauen, das muß als Hoffnungsgut in unseren Herzen lebendig sein, sonst gehen wir unter, sind verzagt und mutlos. Gott wandelt Vergänglichkeit in Herrlichkeit!
Bruder Muhl sprach einmal in Unteriflingen vom Stabe Gottes. Vorher war es der Hirtenstab, den Mose 40 Jahre in Händen hatte. Und dann wird dieser Stab zum Stabe Gottes (2. Mo. 4, 20). Mit ihm tut Mose die größten Dinge. Er schlägt den Nil, das Rote Meer und den Felsen. Der Nil verwandelt sich in Blut, das Rote Meer teilt sich, und der Felsen gibt Wasser.
Zur gleichen Zeit hat auch Aaron einen Stab in Händen. Aaron ist als der Hohepriester ein Vorbild auf Christus. Und als er seinen Stab zu Boden warf, wurde er zur Schlange. Als dann die Stäbe der Weisen und Zauberer Ägyptens auch zu Schlangen wurden, fraß die Schlange Aarons alle anderen Schlangen auf. Als Aaron dann nach der Schlange greift, wird sie wieder in einen Stab verwandelt, und nun hält er die ganze Todesmacht der Ägypter in seinen Händen (2. Mo. 7, 10-13). — Wir denken dabei an Jesaja 25, 8: “Den Tod verschlingt Er auf ewig”. So sehe ich die Erlösung letztlich darin, daß der Lebensfürst JESUS CHRISTUS den Tod und alles Todeswesen einmal verschlingt, und damit ist nur noch Leben da!
Unser Leib, der als Samenkorn in die Erde gelegt wird, vergeht; er wird aufgelöst, genauso wie eine Raupe, die sich einhüllt und zur Puppe wird. Dann vergeht diese Raupe, wird eine schleimige Masse, und nach Wochen, Monaten, in manchen Fällen nach Jahren, wird sie verwandelt in einen herrlichen Schmetterling. “Tod, wo ist dein Stachel; Hölle, wo ist dein Sieg?”
Gott ist der große Umwandler, der aus der Nacht das Licht schafft und Verderblichkeit und Vergänglichkeit umwandelt in Herrlichkeit!
6. Er verwandelt den Sünder in Sein Bild
“Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bilde von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist” (2. Kor. 3, 18).
Paulus schreibt diesen Korintherbrief an eine Gemeinde, die aus Hafenarbeitern und Sklaven bestand. Die Sklaven durfte der Herr auspeitschen, ihnen seinen Namen in die Haut einbrennen, ja, er durfte sie töten. Sie hatten von früh bis spät zu arbeiten, kannten keine Freizeit und durften auch nicht fragen: “Darf ich in die Stunde gehen?.” Ihnen schreibt Paulus: “Wir alle … werden verwandelt … von Herrlichkeit zu Herrlichkeit als durch den Herrn, den Geist.” So verwandelt Er den Sünder in das Bild Seiner Herrlichkeit.
Als ich kürzlich im Westerwald war und Zeit hatte, in den Morgenstunden Lebensbilder durchzuarbeiten, wurde mir das Lebensbild des Ohm Michel im Siegerland wichtig. Er war ein Scheckfälscher, Taugenichts, wurde zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, und war dort ein Revolutionär, der die andern aufwiegelte, so daß man auf ihn achtgeben mußte. In sein Leben fällt ein Wort Gottes durch den Dienst eines Anstaltsgeistlichen, und dieses Wort formt ihn so um, daß, er begnadigt und ein Segensträger im Siegerland wird.
Gott kann aus dem Sünder das Angesicht Jesu herausgestalten. Soweit wir Ihn anschauen, werden wir verwandelt. Ich möchte herzlich darum bitten, daß wir viel Stille haben möchten im neuen Jahr. Nehmt euch viel, viel Zeit — lieber mal ein Gespräch abbrechen, einen Besuch aufschieben —, um mehr in das Angesicht Gottes hineinzusehen, um umgewandelt zu werden in das Bild des Herrn.
7. Er verwandelt Fluch in Segen
“… weil sie den Kindern Israel nicht mit Brot und mit Wasser entgegengekommen waren, und Bileam wider sie gedungen hatten, um sie zu verfluchen; aber unser Gott wandelte den Fluch in Segen” (Nehemia 13, 2).
Ich komme öfter in ein Kinderheim in Süddeutschland. Die 30 Jungen dort sind mir so ans Herz gewachsen, daß mir der Dienst immer eine innere Bereicherung und Freude ist. Wenn man dann in die Akten dieser Buben sieht und weiß, woher sie kommen, was da an Fluch auf kindlichem Leben liegt, könnte man fast verzweifeln. Ich denke da an einen Jungen, der seine Mutter nicht gekannt hat, den der Vater mit 6 Jahren homosexuell vergewaltigt hat, so daß er fliehen mußte, der bis zum 10. Lebensjahr nicht sprechen konnte — und der jetzt ein großer, feiner Junge ist. Gott ist ein Gott, der Fluch in Segen verwandelt. Ich erlebe es immer wieder, daß der eine und der andere aufwacht für Gott, und daß Gott auch bei ihnen, die nur Dreck gesehen haben, ein Umformer ist, der in ihrem Leben Segen wirkt.
Und das möchte ich uns allen sagen, teure Freunde: Wenn wir als Erlöste zurückdenken an manchen dunklen Punkt in unserem Leben, dann zieht vielleicht ein Weh durch unser Herz, und wir fragen: Warum? Warum? — Dann kann es sein, daß uns der Teufel das immer wieder vorhält, weil er uns unglücklich machen will, so daß wir ganz am Boden liegen. Aber Gott verwandelt Fluch in Segen. Das kann nur Er fertigbringen, wie dort bei David, der sich eine Zeitlang dagegen wehrte, seine Sünde zu bekennen. In Psalm 32, 3 sagt er: “Als ich es verschweigen wollte, verschmachteten meine Gebeine …” Als dann der Prophet Nathan kommt und ihm die Geschichte von dem reichen und dem armen Mann erzählt und zum König sagt: “Du bist der Mann”, da lehnt sich David nicht auf. Er hätte den Nathan sofort ins Gefängnis werfen und enthaupten lassen können, so wie es Herodes mit Johannes dem Täufer tat, aber er tut das nicht, sondern sagt: “An Dir allein habe ich gesündigt, o Herr” (Psalm 51, 6; Elbf. Vers 4). Und dann erfährt er die große Gnade der Vergebung. Wenn wir den 32. und 51. Psalm nicht hätten, die David gedichtet hat, nachdem er gefallen war, dann wäre unsere Heilige Schrift viel ärmer; Hunderttausende haben sich an diesen beiden Psalmen wieder aufgerichtet.
Als Paulus vor dem König Agrippa Rechenschaft ablegte über sein ganzes Leben (Apg. 26), zählte er alles auf, wie er die Gemeinde Gottes verfolgt und gequält hatte (V. 9-11). Aber er weiß auch das eine: “Mir ist Barmherzigkeit widerfahren” (1. Tim. 1, 13), und zwar deshalb, damit alle anderen, die ebenfalls mit Schuld und Not und Fluch behaftet sind, daraus lernen können, wie Gott Fluch in Segen wandelt.
Und wenn heute morgen jemand hier ist, der Rückschau hält auf sein vergangenes Leben und sich mit der Frage quält: Was ist mir passiert? Wie konnte das möglich sein? — dann bleiben wir nicht bei der Schuld stehen, sondern kommen zu Gott, und Er verwandelt den Fluch in Segen, und wir können als fröhliche und glückliche Menschen durch die Tage gehen.
8. Er verwandelt Sturm in Stille
“Er verwandelt den Sturm in Stille, und es legen sich die Wellen” (Psalm 107, 29). — Dieses Wort gilt zunächst für Israel, das durch viel Sturm gehen mußte. Gott verwandelt den Sturm in Stille! Dazu ein Dreifaches:
a) Der Sturm in unserem inneren Leben. — Was für Liebeshoffnungen, Leid, Schmerz, Not tragen wir oft in unseren Herzen! Das alles kann uns aufwühlen wie ein Sturm. Aber dann kommt die wunderbare Hand des Herrn, wie einst am See Genezareth (Matth. 8, 26), und der Sturm legt sich, und das Herz wird stille. Ich spreche aus eigener Erfahrung, weil ich weiß, wie oft wir aufgewühlt sein können — sei es wegen Ungerechtigkeiten, gegen die wir uns auflehnen, oder wegen etwas anderem, das unsere Seele zum Zittern bringt. Gott ist ein Gott, der diesen Sturm in unserem Leben in Stille verwandeln kann. Lassen wir uns von dem Sturm nicht hinreißen, von den Leidenschaften nicht packen! Lassen wir uns so führen, daß, wir uns innerlich nicht auflehnen! Alles, was unser Gemüt in Wallung bringt, müssen wir in die Hände des Herrn legen, ER verwandelt den Sturm in Stille!
b) Das Brodeln des Völkermeeres. — Wir brauchen nur die Tageszeitungen zu lesen, und wir werden erinnert an Luk. 21, 25-26: “… und auf der Erde Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit bei brausendem Meer und Wasserwogen, indem die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen werden.”
Alle unter uns, die ein inneres Gehör haben und am Wort geschult sind, wissen, daß wir in die entscheidungsvollste Zeit der deutschen und der Weltgeschichte hineingehen, und daß die Jahre, die vor uns liegen, die letzten Auseinandersetzungen der Weltgeschichte bringen werden. Auch große Wissenschaftler und Denker, die gar nicht an das Wort Gottes gebunden sind, fühlen: Wir gehen der Endzeit entgegen.
Es ist ergreifend, wenn man dann am Schluß des zweiten Buches der Psalmen liest. “Alle Nationen werden Ihn glücklich preisen” (Psalm 72, 17), oder in Psalm 86, 9: “Alle Nationen, die Du gemacht hast, werden kommen und vor Dir anbeten, Herr, und Deinen Namen verherrlichen” (vgl. Offb. 15, 4). Gott hat das Völkermeer in der Hand. Er will, daß es durch das Brodeln zum Kochen kommt, weil Er durch Gericht hindurch Neues schafft. Er verwandelt den Sturm in Stille, läßt den Wind sich legen und wirkt Neues!
Wenn wir die Menschen um uns sehen, und wenn wir selber in unserm Innern bange Fragen haben, wollen wir uns den Blick des Glaubens schenken lassen und sprechen: Du bringst das gesamte Völkermeer einmal zur Ruhe! Du verwandelst den Sturm in Stille! Du bringst sie dahin, daß sie einmal kommen und Dich anbeten und preisen!
c) Der Blick aufs Ziel: Wir sehen das letzte große Ziel in Offenbarung 21, 4-5: “Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Throne saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!”
Das wollen wir mitnehmen: Gott ist der große Umwandler, der
- die Wasser der Trübsal in unserem Leben in Freude verwandelt;
- den schneebedeckten Libanon und das eisige Herz zu einem Fruchtgefilde macht;
- den Todesschatten in Morgen verwandelt;
- aus Wehklagen und Seufzen Reigen und Lobpreis kommen lässt;
- Verderblichkeit und Vergänglichkeit zu Herrlichkeit wandelt;
- den Sünder in Sein Ebenbild umformt;
- Fluch in Segen wandelt und
- den Sturm in Stille.
“Siehe, ich mache alles neu” — das ist der Glaubensblick, den wir uns neu schenken lassen dürfen, auch für unser persönliches Leben.
Pfarrer Böhmerle hat einmal das Wort gesagt: “Ergreife das gute Teil! Liebe und schweige viel mit friedevollem und freudigem Herzen! Was wir durch Leiden, Schweigen, Tragen und Dulden wirken können, ist unsagbar viel!”
Laßt uns an das große Geheimnis glauben: “Du bist der Umformer und Umwandler, der aus aller Nacht und Not, aus Wehklagen, Verderblichkeit, Seufzen, Fluch und Tod ein Neues schafft!” Das ist mein Wunsch für mich und für Sie alle für das neue Jahr. Laßt uns in diesem Wissen wieder in unsere Geschäfte, Häuser und Wohnungen auseinandergehen: “Du, Vater, schaffst Segen und Herrlichkeit! Du machst einmal alles neu!” Amen.
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 1980; Paulus-Verlag; Heilbronn)


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