Gibt es nur einen Gott — oder viele Götter?
Autor: Muhl, Arthur | Kategorie(n): Lehre, Religionen, Unsichtbare Welt | 1,270 x gelesen(Nach einer Tonbandaufnahme, vom Verfasser überarbeitet)
Weshalb beschäftigt uns, liebe Geschwister, heute ein solches Thema? Weil damit eine andere aktuelle Frage sehr eng verbunden ist, die heute viele, besonders junge Leute, bewegt: Welche Kraft steckt eigentlich hinter den
großen Weltreligionen auf Erden,
denen zum Teil seit Jahrtausenden Völker und Volksmassen zugetan sind? Woher kommt deren Treue und Hingabe, oft sogar Fanatismus? Was gibt diesen großen Religionen solche Macht und Gewalt und Zähigkeit, mit der sie nicht nur unverändert fortexistieren, sondern zum Teil neu erwachen und im Anmarsch sind?
Um die biblische Antwort oder die biblischen Antworten hierauf zu finden, bedürfen wir einer Einsicht in biblische Zusammenhänge, die leider normalerweise weder in Kirchen noch in Gemeinschaften anzutreffen ist. Für Christen wie für Juden und Mohammedaner steht im allgemeinen fest:
Es gibt nur einen Gott und keine Götter!
Nun kommt es für uns heute darauf an, ob wir im bisherigen Erkenntnis-Fahrwasser weiterrudern oder uns hineinführen lassen wollen in die Wahrheit des Wortes des Gottes, der Seine Ehre darein setzt, sich uns in Seinem Wort so vorzustellen (5. Mo. 10, 17; Ps. 136, 2; Jos. 22, 22):
“Ich bin der Gott der Götter!”
Damit wir in dieser Frage möglichst rasch die klaren biblischen Aussagen zur Kenntnis nehmen können, greifen wir vier biblische Zeugen heraus. Das Fundament dieser Aussagen oder ein wichtiges Fundament in diesem Fragenkomplex finden wir in Psalm 82.
1. Das Zeugnis des 82. Psalms
Psalm 82 — ein Psalm von Asaph. Er war einer der drei Tempelsänger, Vorsänger.
“Gott steht in der Versammlung Gottes.” Wir können auch lesen: “Die Gottheit steht in der Versammlung Gottes.” Und dann heißt es: “Inmitten der Götter richtet Er.” Er hat diesen Hoheiten gegenüber zweierlei Anklagen vorzubringen.
Die erste wendet sich an himmlische Hoheiten, die Gott untreu geworden sind in ihrer ganzen Haltung. Sie lautet: “Bis wann wollt ihr ungerecht richten und die Person der Gesetzlosen ansehen? Schaffet Recht dem Geringen und der Waise; dem Elenden und dem Armen lasset Gerechtigkeit widerfahren!” Wir beachten: “Wie lange wollt ihr (Mehrzahl) ungerecht richten und die Person (Einzahl) der Gesetzlosen ansehen?” Die eine Person der Gesetzlosen ist Satan. Sie richten je nachdem, was diese Person für eine Miene macht in einer Rechtsfrage.
Und dann richtet sich Gott an die Seite der Engel, die Ihm treu geblieben ist. Ihnen hat Er zu sagen (Vers 4): “Befreiet den Geringen und den Dürftigen, errettet ihn aus der Hand der Gesetzlosen!” Da richtet sich das Wort Gottes an die Engel, von denen Er erwarten dürfte — Engel, die Er Götter genannt hat, wie wir gleich sehen werden —, daß sie normalerweise zum Rechten sehen.
Ich denke, wir haben doch alle Kenntnis von den biblischen Offenbarungen, die uns Einblick gewähren in Vorgänge am Thron Gottes, und wissen, daß von Zeit zu Zeit dort auserwählte Hoheiten von Gott zusammengerufen werden. So geschieht es z. B. Hiob 1: “An dem Tage, da die Söhne Gottes (wir werden noch von ihnen hören) pflegten vor den Herrn zu treten, kam auch der Satan in ihrer Mitte.” Gott bzw. Christus führt jeweils den Vorsitz. Sie kommen ja vor den Thron des Herrn. Bei Hiob wendet sich Gott nur an den Gesetzlosen, an Satan — in bezug auf Hiob.
An einer anderen Stelle (1. Kön. 22, 19-23) sieht der Prophet wieder den Thron Gottes und die Vertreter, die Abgeordneten der Himmel, versammelt vor Seinem Thron. Nun aber heißt es: “Zu Seiner Rechten und zu Seiner Linken”. Es finden also Ratsversammlungen statt wie in einem irdischen Parlament. Den Vorsitz führt wieder der Herr. Gott stellt den Antrag: “Meine Herren, es handelt sich jetzt darum, daß der gottlose König Ahab in einem Kriegsgeschehen, und zwar in RamothGilead, fallen muß. Das ist mein Beschluß. Was soll geschehen, meine Herren, damit Ahab da hinaufzieht und Krieg führt?” Dann heißt es so fein: Der eine sprach so — der andre sprach so. Die anwesenden himmlischen Hoheiten und Majestäten haben also ihre Anträge gestellt. Keiner wurde angenommen. Jetzt tritt ein Geist hervor und spricht: “Ich will ihn bereden.” — “Bitte schön, wodurch? Wie soll das zugehen?” — “Ich werde ausgehen und ein Lügengeist sein in aller seiner Propheten Munde.” Gott spricht zu ihm: “Du wirst es tun.” Der Antrag in dieser Art kam — beachten wir das bitte! — nicht aus dem Herzen Gottes. Aber Gott hat es für gut befunden, den Antrag von der linken Seite, der Lügenseite, zum Beschluß zu erheben, zur Durchführung zu bringen. Ich kann etwas für gut finden und habe absolut kein Wohlgefallen daran. Eine vollkommene Sache ist es schon gar nicht. Wir sollen ja unterscheiden lernen: was entspricht dem guten Willen Gottes, was dem wohlgefälligen und was dem vollkommenen Willen Gottes (Röm. 12, 2). Ich, als Vater und Opa, habe es gelegentlich für gut befunden, einen meiner Buben oder Enkel mal übers Knie zu nehmen und entsprechend zu behandeln, aber wohlgefällig war mir das nicht, und als eine vollkommene Sache habe ich es auch nicht erachtet. Auch unser Gott kennt Zuchtruten. Und wen züchtigt Er? Nicht nur den Sohn, den Er lieb hat — das steht auch geschrieben. Aber was mich einmal von einem Augenblick zum andern geheilt hat, als ich den Herrn beinahe gebeten habe: “Herr, hab’ mich ein bißchen weniger lieb; d. h. züchtige mich nicht allzusehr!”, war ein Wort in den ersten Kapiteln der Sprüche Salomos. Dort heißt es so großartig: “Laß dich die Zucht des Herrn nicht verdrießen; denn Er züchtigt dich wie einen Sohn, an dem Er Wohlgefallen hat.” Das hatte ich noch nicht gewußt. Hatte ich gerade noch gedacht: “Wenn Er mich so züchtigt, dann hat Er etwas gegen mich, dann stimmt etwas zwischen Ihm und mir nicht”, so merkte ich nun: Nein, das tut Er gerade, weil Er Wohlgefallen an mir hat! Hat der himmlische Vater Wohlgefallen an Seinem einzigen Sohn Jesus Christus? Wurde der gezüchtigt? Ja, wie kein anderer.
Eine himmlische Ratsversammlung finden wir nun auch hier in Psalm 82. Jetzt stehen diese Hoheiten als Angeklagte vor Gott, und nun macht Gott, der Vorsitzende — gleichsam sich von ihnen abwendend — in Vers 5 für sich eine Bemerkung, nämlich: “Sie wissen nichts und verstehen nichts.” Das muß Gott feststellen. Weiter: “In Finsternis wandeln sie einher, es wanken alle Grundfesten der Erde.” Wenn wir im AT solche Aussagen haben: Grundfesten der Erde, Säulen der Himmel und dergleichen mehr, — so finden dann Hoheiten menschlicher Herkunft — nicht selten in ihrer eigenen Weisheit hoch angesehen — daß solche Aussagen im AT klare Beweise dafür sind, daß die damaligen Schreiber die Dinge eben nicht besser verstanden haben. Sie haben sich die Erde auf irgendwelchen Grundlagen oder Fundamenten — ruhend vorgestellt. Hier sind aber die Grundfesten der Erde keine Betonblöcke und keine Quadersteine und dergleichen Dinge, sondern es sind Geistesmächte, die Gott bestimmt hat, die kosmischen Gesetze in Gang zu halten und grundlegend zu tragen. Das NT nennt diese Geisteskräfte, diese Engelhoheiten, die Gott Götter genannt hat und Söhne des Höchsten: Kosmokratoren, d. h. Systemträger, Weltallträger. Das sind die Fundamente, das sind die Säulen, die Gott eingesetzt hat. Gibt es denn z. B. auch eine Wolkensäule in der Bibel? Gibt’s eine Feuersäule? Gab es in der ersten Gemeinde in Jerusalem drei Säulen? Johannes, Petrus und Jakobus wurden Säulen genannt. Der Beweis genügt uns jetzt. “Sie wissen nichts und verstehen nichts. “In Finsternis wandeln sie einher, ja, es wanken alle Grundfesten der Erde”, stellt Gott, der Vorsitzende, fest. Also: die Situation erscheint hoffnungslos in bezug auf diejenigen Kräfte und Mächte, die Gott als Wächter und Träger der Vorgänge auf der Erde — als Verwalter — eingesetzt hat. Es sind alles Versager! Vielleicht sind wir jetzt weniger erstaunt, warum es vorläufig noch so aussieht auf unserer Erde, genau wie es aussieht? — Wie kann Gott nun von solchen himmlischen Hoheiten links und rechts sagen: “Sie verstehen nichts, sie wissen nichts”? Sie sind zwar weise, reichlich mit kosmischer Weisheit versehen, blendende Herrlichkeiten, aber sie wissen nichts von Liebe und Barmherzigkeit. Die zur Rechten sind heilige Engel, heilig, gerecht und gut. Wie das Gesetz, von ihnen beantragt, es sagt, so handeln sie auch. Heilig, gerecht und gut ist dieses Gesetz, aber es verurteilt den Menschen ohne Barmherzigkeit (Röm. 7, 12; Hebr. 10, 28). Gott aber läßt schon im AT immer wieder die Stimme Seines Herzens erschallen, indem Er kundtut: “Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Schlachtopfer” (Hosea 6, 6; Ps. 51, 16-17 Elbf.; Matth. 9, 13; 12, 7).
Und nun kommt (Psalm 82, 6) das schwergewichtige Wort: “Ich habe gesagt!” Gott repetiert vor den anwesenden Hoheiten: “Ich habe gesagt, Ihr seid Götter, und Söhne des Höchsten ihr alle.” Aber um eurer Untreue willen (von der wir eben gehört haben) seid ihr dem Gericht verfallen (Vers 7). Euch wird eines Tages ein Gericht treffen, wie den gefallenen Menschen sein Gericht treffen wird. — “Ich habe gesagt: Ihr seid Götter, und Söhne des Höchsten ihr alle!” Das sagte Gott diesen Erschaffenen vielleicht vor Äonen, vor vielen Zeitaltern! Gott ließ ihnen eine Ehre zuteil werden, über die sie wahrscheinlich im ersten Augenblick gestaunt haben; denn Gott hat diesen Hoheiten Seinen, nur Ihm eigentlich zukommenden Gottesnamen rechtsgültig abgetreten, damit jeder einzelne in dem Bereich des Weltalls, den Gott ihm zugeteilt hatte, antreten konnte als — Gott! Mit göttlicher Vollmacht! Und so finden wir in der Schrift Aussagen, wo Gott diese Hoheiten entsprechend ehrt.
2. Das Zeugnis des 8. Psalms
Wir schlagen einen zweiten Psalm auf, Psalm 8. Wir haben jetzt gehört: Sie wissen nichts und verstehen nichts, die Hoheiten himmlischer Art, denen Gott die Ehre erwiesen hatte, Götter zu sein, Söhne des Höchsten, von Gott selbst so genannt, geehrt, bevollmächtigt. —
David, eines Nachts auf der Zinne seines Palastes stehend, blickt auf zum Himmel und sagt: “Wenn ich anschaue Deine Himmel, Deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die Du bereitet hast” — dann bricht die Frage auf: “Was ist nur, o Gott, mit dem Menschen? Du, der Du das Wunder dieser Sternenwelt, die Himmel und aller Himmel Himmel und ihre Heere, sichtbare und unsichtbare, geschaffen hast, was ist nur mit dem Menschen?! Ein Häuflein Staub auf dem Erdboden ist er! Was ist nur der Mensch, daß Du sein gedenkst? Hast Du überhaupt noch Zeit, des einzelnen Menschen zu gedenken?” Begreifen wir den David? “Und was ist des Menschen Sohn, daß Du auf ihn acht hast” (und zwar mit einer Präzision acht hast, die uns vollkommen fremd ist)? Gott gibt ihm sofort eine überragende Antwort: Ein wenig (oder: für kurze Zeit) hast Du, Gott, ihn, den Menschen, unter die Götter (jetzt steht im Hebräischen wieder “Elohim”) erniedrigt. Zum Glück nur ein wenig, für kurze Zeit. Aber diese kurze Zeit, von der hier die Rede ist, ist natürlich göttliches Zeitmaß, da sind 1000 Jahre Menschheitsgeschichte für Gott wirklich nur ein Tag. Für kurze Zeit hast Du ihn, den Menschen, unter die Götter erniedrigt, und mit Herrlichkeit und Pracht hast Du ihn gekrönt. Der Mensch ist das letzte Geschöpf, das aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen ist. Letzte sind aber vor Gott in irgendeiner Weise eines Tages — Erste! Dieses letzte Geschöpf hat nun Gott, als Er es schuf, in folgender Weise geehrt: “Du hast ihn zum Herrscher gemacht über die Werke Deiner Hände, alles hast Du unter seine Füße gestellt”, das ganze Weltall.
Da nun der erste Mensch die bekannte Untreue beging, von Gott abfiel, der Lüge mehr glaubte als der Wahrheit, gab Gott ihn, den ersten Menschen, und damit alle Menschen, die ganze aus seinem Samen kommende Menschheit, dahin, unter die Engel erniedrigt zu sein. Zum Glück nur für kurze Zeit! Unter die Engel erniedrigt zu sein, habe ich gesagt, schon in Anpassung an die Elberfelder Übersetzung, die aber in der Fußnote richtig setzt: eigentlich: unter die Götter erniedrigt. Wir erinnern uns hier an Psalm 82: “Wie lange wollt ihr ungerecht richten?” Wer? Die Götter, unter die Gott die Menschheit und die Nationen gestellt hat. Es dämmert uns hier vielleicht schon etwas, wie die Antworten auf unsere Fragen, gewaltige Fragen, lauten könnten.
Und nun wissen wir: Da Adam versagt hat, hat Gott Seinen Sohn Mensch werden lassen. Er hat alles geordnet, was der erste veruntreut und durcheinandergebracht hat (Röm. 5, 12-21). Und Gott vermag durch das, was Er durch Jesus Christus auf Golgatha vollbracht hat, den entstandenen Schaden nicht nur wiedergutzumachen, sondern eine Herrlichkeit zu erreichen, die nur durch die Genehmigung der Untreue des Menschen möglich geworden ist für Gott. (Es macht nichts, wenn wir bei dieser Aussage zunächst nicht ganz mitkommen.)
Diesen Menschensohn nun, Jesus Christus, hat Gott wegen Seines Gehorsams und wegen Seiner Treue, daß Er sich als Sühnopfer, als Lösegeld bereitgestellt hat, die verlorene Welt zu versöhnen, hoch erhöht über alles und Ihm Vollmacht gegeben über die Himmel und die Erde, über das ganze Weltall. Als was? In welcher Stellung? Als Mensch! Weil Er bereit war, sich in die Gleichgestalt des Fleisches der Sünde einkleiden zu lassen, damit Er ein Hoherpriester werden könnte, der mit uns, mit allen unseren Schwachheiten, vollkommenes Verständnis haben könnte, hat Gott Ihn so überaus hoch erhöht. Und zwar nicht als Sohn Gottes — das war Er sowieso —, sondern als Mensch! Wie wir lesen: Es gibt einen Abgeordneten zwischen Gott und den Menschen: — wen? den Menschen Christus Jesus (1. Tim. 2, 5). Halleluja!
Also derjenige, der jetzt schon das ganze Weltall unter Seinen Füßen hat, ist ein Mensch! — des Menschen Sohn, Jesus Christus (Eph. 1, 20-22; Phil. 2, 9-11; Hebr. 2, 5-9; Ps. 8, 4-6).
Nun noch einmal das Wort: “Denn ein wenig hast Du ihn, den Menschen, unter die Engel, unter die Götter, erniedrigt.” Das gilt jetzt für Adam und die ganze bisher existierende Menschheit sowie für alle Menschen, die noch kommen. Für kurze Zeit unter die Götter erniedrigt! Aber wer ist wirklich der Mensch und des Menschen Sohn? Jesus Christus, der vom Vater Erhöhte (Offb. 1, 13). Wurde Er auch für kurze Zeit unter die Engel, unter die Götter erniedrigt? Unter Gesetz getan? Ja! Das Gesetz aber entstand auf Anordnung von Engeln hin.
3. Das Zeugnis des Paulus in 1. Korinther 8
Wir fahren fort und hören nun auf den Apostel Paulus, der in 1. Kor. 8, 4 zunächst folgendes schreibt: “Was nun das Essen der Götzenopfer betrifft, so wissen wir, daß ein Götzenbild nichts ist in der Welt, und daß kein (anderer) Gott ist als nur Einer.” — Nun könnte der eine oder andere denken: “So, Bruder Muhl, und jetzt?” — Lesen wir bitte weiter: “Denn wenn es allerdings solche gibt, die Götter genannt werden, sei es im Himmel oder auf Erden, wie es ja viele Götter und viele Herren (kyrioi) gibt …” — Welcher Meinung also ist der Apostel Paulus in dieser Frage? Er sagt uns: Wir wissen, daß es nur einen Gott gibt, der wirklich Gott ist. Aber dieser eine Gott hat sich dazu herabgelassen, diesen Ihm allein rechtlich zustehenden Namen oder Ehrentitel rechtsgültig abzutreten an von Ihm erschaffene Hoheiten im Himmel — und sogar, wie wir noch sehen werden, auch auf Erden. “Wie es ja viele Götter und viele Herren gibt …” — Ihr denkt: Es gibt viele Herren, das ist klar. Es gibt den Herrn Gembruch und den Herrn Muhl, den Herrn Maier und den Herrn Müller. Ist das der Sinn dieses Wortes? Nein! Das griechische Wort kyrios kennt ihr von Kyrieeleison (”Herr, erbarme dich”). Es bezeichnet in der Schrift nicht irgendeinen braven Bürger, sondern einen Kaiser, einen Cäsar, einen König, einen Engel, einen der Götter oder eben — Gott. Er ist der Gott der Götter. Er ist der König der Könige. Er ist der Herr der Herren (Offb. 17, 14).
Und nun kommt bei Paulus die Lösung, wunderbar (1. Kor. 8, 5-6): “Da es ja viele Götter und viele Herren (kyrioi) gibt, so ist doch für uns ein Gott, der Vater, aus dem das All ist und wir für Ihn, und ein Herr, Jesus Christus, durch den das All ist und wir durch Ihn.” Seht, das ist die kristallklare biblische Darstellung und Wahrheit. Der eine wahrhaftige und einzige Gott, mit dem wir es zu tun haben, hat Seinen göttlichen Namen rechtsgültig an dazu bevollmächtigte Herrschaften im Himmel und auf Erden abgetreten.
Daß es auch auf Erden solche gibt, die Götter genannt werden, mögen uns noch weitere Schriftworte zeigen.
In 2. Mose 4, 17 spricht Gott zu Mose hinsichtlich Aarons: “Er soll für dich zum Volke reden; und es wird geschehen: Er wird dir zum Munde sein, und du wirst ihm zum Gott sein.” — Als dann Mose vor den Pharao treten soll, sagt Gott zu Mose (2. Mo. 7, 1): “Siehe, ich habe dich dem Pharao zum Gott gesetzt, und dein Bruder Aaron soll dein Prophet sein.” Verstehen wir jetzt, daß Mose nie Angst hatte, vor den Pharao zu treten, der doch Mose und die ganze Judenschaft mit einer Handbewegung hätte vertilgen können? — An mehreren Stellen im Alten Testament werden auch Israels Richter Götter genannt. So lesen wir in 2. Mose 21, 6: “…so soll ihn sein Herr vor die Richter (Elbf. Fußnote: Hebr. Elohim: Götter) bringen und ihn an die Tür oder an den Pfosten stellen, und sein Herr soll ihm das Ohr mit einer Pfrieme durchbohren; und er soll ihm dienen auf ewig” (so auch 2. Mo. 22, 8.9).
Warum kann Gott Menschen — allerdings fähige, gerechtdenkende, gottesfürchtige Männer, auserwählt aus Israel — Götter nennen? Weil sie unter den Menschen auf Erden die Funktion ausüben, die die Engel (ebenfalls von Gott als “Götter” bezeichnet) in der unsichtbaren Welt haben. Das läuft also parallel.
Und als ich das zur Kenntnis nahm: Gott setzt Seinen Knecht Mose ein als Gott seines Bruders Aaron, als Gott des Pharao, da ist bei mir der Gedanke wach geworden: jetzt müßte ich noch einmal von vorn damit beginnen, die Geschichte des Mose zu erforschen; denn er ist ein Modell Gottes! Er ist zwar bloß ein Mensch, aber doch von Gott gewürdigt, ein Modell Seiner selbst zu sein und ein Modell des Sohnes Gottes. Er kann ja sagen (5. Mo. 18, 15): “Einen Propheten … gleich mir wird Jehovah, dein Gott, dir erwecken; auf ihn sollt ihr hören!”
Noch ein Wort zu denen, die Götter genannt werden im Himmel:
Ein eigenartiges Wort, eine prophetische Aussage über das zukünftige tausendjährige messianische Reich, lesen wir in Micha 4. — Die ersten Verse des Kapitels beschreiben zunächst die Herrschaft des Messias von Jerusalem aus. “Von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort Jehovahs von Jerusalem; und Er wird richten zwischen vielen Völkern und Recht sprechen mächtigen Nationen” (vgl. Jes. 2, 2-4). Dann aber heißt es Vers 5: “Denn alle Völker werden wandeln, ein jedes im Namen seines Gottes; wir aber werden wandeln im Namen Jehovahs, unseres Gottes, immer und ewiglich.”
Was wollen wir hierzu sagen? — Es bleibt wohl keine andere Erklärung übrig, als daß die Götter, die heute über die Nationen der Erde herrschen, in Ungerechtigkeit und Mißwirtschaft, wie wir Psalm 82 lasen, beim Kommen des Herrn zur Aufrichtung Seines Reiches ihres Amtes enthoben werden. Und an ihrer Stelle werden heilige, treue Engel eingesetzt werden, um im Tausendjährigen Reich über die Nationen zu herrschen. Als was? Als Götter. Jede Nation außer Israel bekommt von unserem Gott, dem Gott Israels, einen der heiligen Engel als verantwortlichen Chef zugeteilt, dem riesige Engelheere zur Verfügung stehen.
4. Das Zeugnis Jesu in Johannes 10
Wir hören nun auf ein Wort des Herrn Jesus. Was hat Er uns zu diesen Fragen zu sagen? Wir lesen Johannes 10, 31-36:
“Da hoben die Juden wiederum Steine auf, auf daß sie Ihn steinigten. Jesus antwortete ihnen: Viele gute Werke habe ich euch von meinem Vater gezeigt; für welches Werk unter ihnen steinigt ihr mich? Die Juden antworteten ihm: Wegen eines guten Werkes steinigen wir Dich nicht, sondern wegen Lästerung, und weil Du, der Du ein Mensch bist, Dich selbst zu Gott machst. Jesus antwortete ihnen: Steht nicht in eurem Gesetz geschrieben: ‘Ich habe gesagt: Ihr seid Götter!’? (Ps. 82, 6). Wenn Er jene Götter nannte, zu welchen das Wort Gottes geschah — und die Schrift kann nicht aufgelöst werden —, sagt ihr von dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst, weil ich sagte: ‘Ich bin Gottes Sohn’?”
“Ich, Gott (theos), habe gesagt: Ihr seid Götter (theoi)!” — Wir haben solche Aussagen der Schrift schon längst in den Papierkorb geworfen, aus unseren Herzen getilgt. Götter gibt’s nicht — das ist klar, das ist heidnische Lehre; das kann nicht sein; sonst würde ja unser Glaube ins Wanken kommen. — Warum hat wohl Jesus, jetzt, da sie Ihn greifen wollen, dieses Wort angeführt? Nun, wenn es nach der Schrift solche gibt, die Gott “Götter” genannt hat und “Söhne des Höchsten”, dann hätten die Juden, die Jesus steinigen wollten, wenigstens einmal prüfen müssen, ob Er, Jesus von Nazareth, den sie für einen bloßen Menschen hielten, nicht einer von jenen sein könnte! Dabei war Er wirklich nicht “einer von jenen”, sondern viel mehr: Alle, die “Götter” genannt werden, wurden ja im Anfang durch Ihn erschaffen! (Joh. 1, 3; Kol. 1, 16).
5. Der Gott der Götter
Genügen uns diese vier Schriftzusammenhänge: Psalm 82 / Psalm 8 / 1. Kor. 8 und diese Stelle in Joh. 10? — Gibt es Götter nach der Schrift, oder gibt es keine? — Allen diesen Göttern gegenüber steht nun unser Gott als der Gott der Götter. So kannten Ihn die zweieinhalb Stämme Israels östlich des Jordans, nach Josua 22, 22. Und wunderbar ist, was wir in 5. Mose 10, 17 lesen: “Denn Jehovah, euer Gott, Er ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große, mächtige und furchtbare Gott, der keine Person ansieht und kein Geschenk annimmt.”
6. Die großen Religionen der Welt
Nach der breiten Grundlage, die ich nun aus der Schrift zu legen bemüht war, dürfen wir jetzt die Frage nach den Religionen der Welt zu beantworten suchen. Erst jetzt sind wir dazu in der Lage.
Wir wissen, daß Gott über Sein auserwähltes Volk Israel einen Engelfürsten eingesetzt hat als verantwortlichen Chef, Michael (Dan. 12, 1; 10, 21; Offb. 12, 7). Er ist nach Daniel 10, 13 “einer der ersten Fürsten”. Wenn er einer der ersten Fürsten ist, muß es mehrere “erste Fürsten” geben, und noch weit mehr niedere Fürsten.
Michael steht für das Volk Israel. In Daniel 10, 12-13.20-21 finden wir nun eine eigenartige Mitteilung des Engelfürsten Gabriel an den Daniel. Demnach hatte sich ihm der Engelfürst von Persien 21 Tage mit seinen Heerscharen entgegengestellt, so daß er nicht durchkam. Der Engelfürst des Königreichs Persien brachte es fertig, den Sonderbotschafter Gottes mit der Hoheit eines Gabriel — wir kennen ihn aus Lukas 1 — drei Wochen lang aufzuhalten, als er auf dem Wege zu dem unter der Perserherrschaft gefangenen Juden Daniel war! Weiter sagt Gabriel: Wenn ich dann zurückkehre, wird dann noch der Engelfürst Griechenlands, des neu aufkommenden Weltreichs, kommen (V. 20-2 1).
Ja bitte, wenn es so aussieht im Luftraum unserer Erde, sind wir dann noch erstaunt, daß es auf der Erde, im Sichtbaren, genau so furchtbar aussieht, wie es aussieht? Dann kann es gar nicht anders aussehen. Und dann verstehen wir auch den Jubel, wenn unser Gott, der Gott der Götter, eines Tages melden läßt: “Halleluja! Der Herr, unser Gott, hat die Herrschaft angetreten! Jetzt beginnt die Herrschaft unseres Herrn, des Allmächtigen, und Seines Christus über diesen Kosmos!” (Offb. 19, 6; 11, 15; 12, 10). — Wann geschieht das? — Erst wenn die Gemeinde entrückt ist und das Tausendjährige Reich beginnt. Bis jetzt herrschen noch die Götter und die Engel und die Söhne des Höchsten — und wie sie alle heißen — auf kreatürlicher Ebene. Aber Gott, unser Gott, hat ja von Anfang an das alles genauestens mit einkalkuliert, was Er diesen Hoheiten, Göttern und Herren an Ausführungsgewalt — es sei gut oder böse nicht etwa nur “zugelassen”, sondern “genehmigt” hat! Sonst hätten sie keinen Finger krümmen, nicht das Geringste ausführen können.
Dem Gott der Götter gefiel es nun, Sein auserwähltes Volk Israel als Ganzes aus Ägypten herauszuretten; der Stamm Levi wurde berufen zum Dienst am Heiligtum, die Söhne Aarons ausgewählt zum Hohepriestertum. Alle gerettet — viele berufen — wenige auserwählt!
Dann wurde auf Anordnung des Gottes der Götter Ihm ein Heiligtum erbaut, wie Er es Seinem Knecht Mose geboten hatte. Und obwohl nach dem Buchstaben des Gesetzes gilt: “Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder des, das im Himmel, noch des, das auf der Erde ist … Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!”, gab es im Heiligtum des Gottes Israels eine Fülle von Bildern der Dinge, die im Himmel und auf Erden sind. Da gab es im Allerheiligsten über der Bundeslade zwei Cherubim aus Gold, Abbilder der wirklichen Cherubim am Throne Gottes; es gab die Mandelblüten am goldenen Leuchter, die Rinder, die das eherne Meer trugen, usw. Warum war das alles keine Sünde? Weil der, der im Hause Gottes dient, nicht unter dem Gesetz steht, und das Haus Gottes ist selbst auch nicht unter Gesetz, sondern frei.
Auch die von Gott eingesetzten Götter waren bevollmächtigt, von dem ihnen jeweils unterstellten Volk Gehorsam zu verlangen. Auch sie durften sich aus ihrem Volk Priester, Medien herauswählen, um sie zu inspirieren. Auch sie durften sich Heiligtümer bauen und Bildnisse errichten und Verehrung entgegenbringen lassen. Gott der Höchste machte es so mit Israel — warum sollten sie, die für einzelne Völker Vollmacht empfangen hatten, es nicht auch tun dürfen?! (Vergl. Ps. 81, 9 u. 95, 3 u. Ps. 97, 7-9.)
7. Die Religion des Islam
Wenden wir uns abschließend noch der Frage zu: Wie steht es mit der Religion des Islam?
Wir wissen, daß Abraham, der Stammvater Israels, zwei Söhne hatte: einen von der Magd Hagar, den Ismael, und einen von der Freien (Gal. 4, 22), den Isaak. Die Nachkommen des letzteren stehen unter der Kontrolle Michaels, gehören aber zutiefst Gott selbst, der ihnen durch Mose einmal sagen läßt (2. Mo. 19, 4): “Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch getragen auf Adlers Flügeln und euch bis zu mir gebracht habe” — zu mir selbst. Deshalb braucht ihr, Haus Israel, keine anderen Götter neben mir zu haben (2. Mo. 20, 3).
Ismael nun, der Sohn Abrahams nach dem Fleisch, und Sohn der Hagar, der ägyptischen Magd, hat auch 12 Söhne, die Fürsten genannt werden. Seine Nachkommen sind in der Hauptsache Araber. Warum sollte nun der Gott Abrahams nicht auch über die Nachkommen Ismaels einen Engelfürsten als verantwortlichen Chef gestellt haben? Warum nicht? Ich sehe es so: Was für Israel Michael ist, ist für Ismael — Allah! Dieser wiederum wählte den Menschen Mohammed als seinen Propheten aus. Dieser schreibt seine Offenbarung nieder, und was geschieht? In kürzester Zeit breitet sich diese Kunde aus, wie ein Feuerbrand über ein Erntefeld.
Wäre es allein menschliche Weisheit gewesen, was Mohammed da produziert hat, sie wäre wie andere Weisheiten irgendwie im Sand verlaufen oder “in den Papierkorb” gekommen. Weil aber letztlich auch dahinter der “Gott der Götter” mit Seinen Anordnungen steht, dem es gefiel, in dieser Welt für eine kurze Zeit Dinge anzuordnen und überzuordnen wie eben diese Götter-Herrschaften, deshalb sind auch die großen und kleinen Religionen der Erde nicht wegzudenken und beiseitezuschaffen, solange nicht Jesus Christus selbst die Macht antritt und als Richter über diese Götter und Herren erscheint. Dann erst kann und wird diesen Kräften, Mächten und Gewalten ein Halt geboten werden, und es kommt zu einem Abschluß.
Was Israel leider nicht verstanden hat, werden wir, so hoffe ich, von heute an neu würdigen und anbetend begreifen, nämlich was Paulus in Kolosser 1, 13 schreibt: Ihr seid herausgerissen worden aus der Gewalt der Fürstentümer und Gewalten der Finsternis und der Bosheit und seid versetzt worden in das Reich des Sohnes Seiner Liebe!
Wir haben es nur noch mit Jesus und Gott selbst zu tun. Wir brauchen keine anderen Götter mehr neben unserm Gott zu haben, weder diesen noch jenen (1. Kor. 8, 6). Wir haben es allein mit dem Vater und dem Sohn zu tun, halleluja!
Aber was geschieht jetzt leider in der Gegenwart? Die Ökumene ist in das gefährliche Fahrwasser geraten, die Einmaligkeit und Einzigartigkeit des Gottes der Götter, des Vaters Jesu Christi, und Seines Sohnes herab-zu-nivellieren auf die Ebene der Götter; indem nämlich das Christentum nicht mehr sein soll als eine der vielen Religionen.
Jetzt verstehen wir vielleicht, warum ich mir heute mit etwas Vehemenz Mühe gab, die Dinge biblisch klarzumachen. Wir müssen wissen, welche Gnade wir empfangen haben und welche Orientierung. Dann werden wir keine Angst mehr haben: kommt der Mohammedanismus doch noch ganz zum Zuge oder eine andere Religion, kommt das Christentum noch ganz unter die Räder? — Fragen, die bei jungen und Alten heute im Unterbewußtsein schwelen. Dann werden wir ganz still und sagen: “Herr, wir danken Dir; Du hast auch hierin alles wohl bedacht und gut geordnet!” Es läuft auch hierin alles nach dem Ratschluß Gottes. Dafür laßt uns dankbar sein!
Halleluja, Amen!
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 1979; Paulus-Verlag; Heilbronn)


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