Gott wandelt Fluch in Segen — Dargestellt an Josuas Fluch über die Gibeoniter
Autor: Muhl, Arthur | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Erkenntnis & Wesen Gottes, Heilsgeschichte, Verwandlung & Erstattung | 833 x gelesen(Nach einem Wortdienst von Arthur Muhl in Arosa)
Heute richten wir einmal unsere Aufmerksamkeit auf ein “Lumpengesindel”, von dem uns Josua 9 Kunde gibt. Ich will es kurz berichten und dann einige Worte herausgreifen.
Ganz Kanaan war dem Fluch verfallen. Und nun kommt Josua, der Kämpfer Gottes, mit Israel, mit den Schlachtreihen des lebendigen Gottes, herangerückt. Jericho ist bereits gefallen, und auch Ai ist gefallen. Die Leute von Gibeon, einer der hoch bis zum Himmel befestigten Städte Kanaans, haben das alles gehört. Was taten daraufhin diese verfluchten Kanaaniter? Sie glaubten der Kunde, die sie hörten, und sandten Abgeordnete nach Gilgal, ins Lager zu Josua. Nun hatten die Gibeoniter aber gehört, daß Josua, der Mann Gottes, Jericho und Ai und noch andere Städte mit List eingenommen hatte. Da sagten sie sich: Wenn ein Mann Gottes mit List eine Stadt erobert zur Zerstörung, dann dürfen wir Kanaaniter, die wir ohnehin dem Fluch verfallen sind, Gottlose von Haus aus, es doch wohl auch wagen, unsererseits mit einer List zu Josua zu gehen, um uns zu retten. Wie sehen daher diese Abgeordneten aus? Es sind keine hohen Ratsherren in Uniform, sondern sie kommen in abgetragenen Lumpen, zerrissenen Schuhen, mit schimmligem Brot und abgenutzten Weinschläuchen daher. So wollten sie den Israeliten vortäuschen, sie kämen aus fernem Lande, von einer vielleicht 500 km langen Reise, wären erschöpft und am Ende ihrer Kräfte und Habseligkeiten.
In dieser Aufmachung kommt das “Lumpengesindel” zu Josua, dem Vorbild auf Jesus, ins Lager nach Gilgal, dem hebräischen Stichwort für das neutestamentliche Golgatha, und bittet um ein Bündnis.
Wer so als “Lump” zum Herrn Jesus nach Golgatha kommt in der Hoffnung auf Begnadigung, der hat Aussicht, gerettet zu werden und dem gerechten Gericht zu entkommen, das eigentlich an ihm vollzogen werden müßte. Waren wir nicht alle solche, als wir zum erstenmal zu dem Herrn nach Golgatha kamen? Die Gibeoniter haben schauspielerisch dargestellt, was wir sind, und was auch sie in Gottes Augen tatsächlich waren. Als sie dort den Josua dreist und kühn belogen, haben sie, ohne es zu wissen und zu wollen, zum erstenmal die Wahrheit gesagt und sich so gezeigt, wie sie vor Gott sind.
Nun erheben sich aber Stimmen im Lager Israels, die fragen: Kommt ihr wirklich von so weit her, oder seid ihr aus diesem Lande Kanaan? Was machen daraufhin die Gibeoniter? Der Führer stellt sich vor Josua hin und sagt: “Wir sind deine Knechte. Nicht jene haben über uns zu entscheiden, sondern du.” Geschwister, was können wir daraus lernen! Wenn unsere Sünden uns anklagen oder der Verkläger gegen uns aufsteht, was haben wir dann zu tun? Wir wenden uns sofort an Jesus.
Josua schließt einen Bund mit ihnen, und die Fürsten der Gemeinde schwören ihnen, sie am Leben zu erhalten. Dann machen sie sich wieder auf den Weg, und am dritten Tage merkt ganz Israel, daß es betrogen worden ist, und daß die Leute, mit denen sie einen Bund geschlossen haben, mitten unter ihnen wohnen.
Da läßt Josua diese Männer vor sich treten und spricht zu ihnen: “Warum habt ihr uns betrogen? … Verflucht seid ihr!” Und nun stellt euch die Gibeoniter vor! Sie hatten Hoffnung auf Rettung gehabt, aber als sie nun Josua verflucht, denken sie: Jetzt ist alles aus. Aber nun kommt das Wunderbare. Jetzt sehen wir in das Herz des Josua. Er richtet nicht, ohne sie anzuhören. Und sie erzählen Josua, wie wunderbar Gott Israel aus Ägypten gerettet hat und was Er an Wundern in der Wüste gewirkt hat. Und dann sagen sie: Wir hörten dies alles und fürchteten uns vor Jehovah, eurem Gott, und taten diese Sache. Damit haben sie vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt bekannt: Wir haben eurem Gott mehr geglaubt als ihr selbst!
Hat das nicht auch die Rahab getan? Sie hat den Kundschaftern das gleiche gesagt. “Wir haben gehört, was euer Gott an euch getan hat.” Deshalb wurde sie nicht mit den Ungläubigen umgebracht, sondern zur Glaubensheldin gestempelt. Und so werden auch diese verfluchten Gibeoniter für ihr Tun verflucht und um ihres Glaubens willen doch gerettet. Sie werden gleichsam von Josua mit einem Fluch ins Leben gezeugt.
Stellen wir uns die Situation einmal vor: Als die Gibeoniter zum zweitenmal vor Josua stehen, hört er ringsum ein Murren der Kinder Israel; denn sie sind voller Wut und Entrüstung gegen diese Heiden, die ihnen diesen Streich gespielt haben. Als er merkt, wie das gärt und schwelt und murrt um ihn herum und sie die Gibeoniter am liebsten zerreißen wollen, da ruft er laut: “Verflucht seid ihr!” Jetzt ist Stille ringsum. Jetzt sind die harten Herzen der Israeliten befriedigt. Aber wie heißt der Fluch weiter: “Nicht sollt ihr aufhören, Knechte zu sein, Holzhauer und Wasserschöpfer.” Also, im Fluch hat er ihnen das Leben gesichert und den Dienst am Hause Gottes. Deshalb heißt es Vers 26: “Er tat ihnen also und errettete sie von der Hand der Kinder Israel; und sie töteten sie nicht.” Wodurch hat Josua die dem Fluch verfallenen Gibeoniter aus der Hand der Israeliten gerettet? Durch einen Fluch! Verstehen wir aus diesem Zusammenhang einen der Beweggründe unseres wunderbaren Gottes, warum Er flucht? Er flucht, um zu retten.
Jetzt erhebt sich aber die Frage: Josua, hast du da nach deinem eigenen Herzen und Gutdünken gehandelt? Was sagt nun Gott im Himmel dazu? Und nun wird es noch wunderbarer (Josua 10): In dem Augenblick, da die Gibeoniter mit Josua in diesem Bundesverhältnis stehen, ziehen sie sich die Feindschaft ihrer ehemaligen Stammesgenossen zu und werden von den übrigen Kanaanitern sofort angegriffen. Da senden sie zu Josua ins Lager nach Gilgal und bitten ihn um Hilfe. Was macht Josua? Sofort in der gleichen Nacht rüstet er Israel und zieht die ganze Nacht hinauf nach Gibeon. Und am Morgen, als die Sonne aufgeht, beginnt der Kampf zwischen den Heerscharen Israels und den Heerscharen der übrigen Kanaaniter. Und zwischendrin, im Frieden geborgen, sitzen die Gibeoniter.
Und nun steigt die Sonne — Christus darstellend — höher und höher, es wird Mittag, und die Sonne will sich bereits zum Niedergang neigen.
Da weiß Josua: Wenn dieser Kampf so weitergeht wie bis jetzt, dann neigt sich die Sonne zum Untergang, und unser Sieg ist noch nicht erfechten.
Da spricht Josua zu dem Herrn vor den Augen Israels: “Sonne, stehe still zu Gibeon! Und sie blieb stehen ungefähr einen ganzen Tag.” Die Sonne hat nach biblischem Bericht nur einmal stillgestanden, aber nicht wegen Jerusalem und nicht wegen Berlin und nicht wegen New York, sondern wegen des “Lumpengesindels”, wegen der Begnadeten des Josua. Wegen dieser Leute blieb die Sonne ungefähr einen Tag still stehen und der Mond im Tale AjaIon. (Das ist übrigens ein Schattenbild für das Tausendjahrreich: Die Sonne, Christus, herrscht einen Gottestag lang, während der Mond, Satan, die gleiche Zeit “im Tale” gefangen liegt.)
Noch wenige Bemerkungen zu dem verfluchten und doch wunderbar begnadeten und von Gott geschätzten Gibeon: Wo stand später die Stiftshütte? Das Offenbarungszelt stand auf der Höhe zu Gibeon. Wo begegnet Gott Salomo des Nachts im Traum? Zu Gibeon, bei dem ehemaligen “Lumpengesindel”. Bei den Begnadeten Jesu Christi steht das Zelt der Offenbarung. Dort bittet man Gott um Weisheit, und Er gibt sie uns auch.
Als später David nach dreijähriger Hungersnot Gott um Aufschluß bat, warum diese Not über Israel kam, sagte ihm der Prophet (2. Sam. 2 1): “Es ist wegen Sauls und wegen des Bluthauses, weil er die Gibeoniter getötet hat.” Saul war es in seiner Begehrlichkeit und seinem Eifer ein Stein des Anstoßes, daß diese Heiden damals von Josua begnadet worden waren und in Israel diese Stellung am Hause Gottes haben sollten. Darum hatte er in seinem Herzen beschlossen, alle Gibeoniter auszurotten. Was hat aber Gott getan? Er hat Saul und sein Haus ausgerottet. Gott ist in einem Punkt unbarmherzig, bei denen nämlich, die keine Barmherzigkeit üben oder die dort, wo Er Barmherzigkeit geübt hat, Gericht ansetzen und es besser wissen wollen.
Nun ruft David Vertreter der Gibeoniter zu sich. Was sagt ihnen der König? “Was soll ich für euch tun, und womit soll ich Sühnung tun, daß ihr das Erbteil Jehovahs segnet?” (2. Sam. 21, 3). Wer ist größer, der da segnet oder der gesegnet wird? Der da segnet (Hebr. 7, 7). Das Erbteil Jehovahs, das Volk Israel, ist wunderbar in Gottes Augen, aber noch größer ist hier in Gottes und in Davids Augen das ehemalige “Lumpengesindel” von Gibeon. Diese ehemals Verfluchten, nun aber Begnadigten sind allein vor Gott in der Lage, das Erbteil Gottes zu segnen.
Gott wandelt Fluch in Segen! Wie unausforschlich sind Seine Gerichte und unausspürbar Seine Wege! Amen.
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 1/1999; Paulus-Verlag; Heilbronn)


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