Glaubt nicht einem jeden Geist!
Autor: Mössinger, Manfred | Kategorie(n): Gemeinde, Schwarmgeist, Versuchung & Verführung | 734 x gelesenWir leben in einer gefährlichen und versuchlichen Stunde der Weltgeschichte. Dabei denke ich nicht an das wachsende Rüstungspotential in Ost und West, sondern an die wachsende Unruhe auf dem religiösen und kirchlichen Gebiet. Wenn ich es recht sehe, dann sind hier Geister aus verschiedenen Quellen tätig. Paulus sagt einmal: wir brauchen Waffen zur Rechten und zur Linken. Zur Linken, das meint: die frontalen Angriffe Satans auf die Gemeinde Jesu, die wir sofort als teuflisch erkennen können. Zur Rechten, das heißt: Er kann sich verstellen in einen Engel des Lichts, er ist wie ein geistiges Chamäleon. Da können Menschen Visionen, Träume, Gesichte, Weissagungen haben und sie beanspruchen dazu noch, daß sie diese außergewöhnlichen Gaben von Gott haben. Hinter dem frömmsten Machwerk kann sich der Satan verstecken, daß er auch die Auserwählten noch verführe. Da werden Bibelstellen serviert, prophetische Voraussagen gemacht, die ein schwaches Gemüt, wenn es sich dazu noch nach einem geheiligten Leben sehnt, schnell verführten. Neue Bewegungen entstehen. Sieht man sich ihre Programme und Traktate an, so scheinen sie auf den ersten Blick die Antwort für die Probleme zu haben, die Überwindung des Kirchendilemmas zu bieten. Wir brauchen dringend heute die Gabe der Geisterunterscheidung, mehr noch als die Gabe des Zungenredens. Jesus sagt für die endzeitliche Stunde: es werden viele kommen in meinem Namen — d. h. sie führen den Namen Jesu in ihren Aussagen, sie predigen von Jesus und sie berufen sich auf ihn — und sie sind dennoch Verführer.
In einer ähnlichen Situation war schon der Prophet Jeremia. Am Hofe in Jerusalem gab es falsche Propheten! Sie weissagten ihres Herzens Trügereien. Das Volk wurde verführt, so daß ihm diese Träumereien wichtiger wurden als der Name Gottes. Sie führten ihr eigenes Wort, lallten einander nach. Sie waren nicht von Gott beauftragt. Jeremia sagt knapp und kurz: “Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen, spricht der Herr.” Die falschen Propheten sagten: so spricht der Herr; Jeremia trat auf: so spricht der Herr; — wer kann da noch unterscheiden, Prophetie Gottes von der Prophetie Satans? “Prüfet die Geister, ob sie von Gott sind”, sagt Johannes, aber wie denn?
Leichtgläubigkeit und seelische Ergriffenheit sind auf jeden Fall fehl am Platz. Es gehört eine gute Portion Ehrlichkeit dazu, zuzugeben, wo wir uns schon einmal getäuscht haben. Waren wir nicht schon von einem Menschen oder einer Sache sehr angetan — und schnell hatte die Geschichte unsere Begeisterung überholt? Es war Scharlatanerie und Irrtum. Manche wollen daran nicht mehr erinnert werden und rennen schnell dem nächsten Propheten in die Arme. Immer lebt man von den außergewöhnlichen Dingen und die echte geistliche Urteilskraft, die aus der Buße und Demut herauskommt, geht verloren.
Wichtig ist, daß wir uns immer die Männer und Frauen genau besehen, die sich als Propheten mit ihren außergewöhnlichen Gaben ausgeben. Manche haben ein völlig zerfahrenes Ehe- und Familienleben und reisen mit einer Sekretärin umeinander. Aber es wird alles hingenommen und für Wahrheit geglaubt, denn wenn er die Gabe der Vision hat, dann nimmt man das andere gerne in Kauf. Sicherlich kann Gott in Seiner Allmacht auch ein solches Wort noch gebrauchen, aber der Normalfall wird es doch nicht sein dürfen. Ein weiteres wichtiges Kennzeichen ist, daß Weissagung und Prophetie dem Wort der Hl. Schrift nicht widersprechen. Und wenn es nur eine Wiederholung des Wortes ist, dann brauche ich dazu nicht das Besondere einer Vision, sondern einen bevollmächtigten Zeugen. Vor Jahren wurde eine Weissagung über einen Kontinent gegeben, über Zukunft und Gericht. Das meiste steht in der Hl. Schrift als Gericht über die ganze Erde, das Restliche war menschlich-Eigenes. Nicht die einzelnen Schriftworte sind schon Garantie für die Echtheit, sondern der ganze Ratschluß Gottes muß verkündigt werden. Jeremia sprach von dem kommenden Unheil und von der Wiederherstellung Israels. Gottes Gerichte sind nie das Letzte.
Der ganze Christus muß gesagt werden: das Kreuz Jesu und die Stellvertretung und unsere Kreuzgemeinschaft mit IHM; die leibliche Auferstehung und unser Mitauferwecktsein mit IHM zu einem neuen Leben. Der Christus für uns und der Christus in uns. Nicht nur daß ER jeden Tag bei uns ist, sondern, daß wir jetzt schon mit IHM in die himmlischen Örter versetzt sind und darum Macht haben über die Finsternis. — Und schließlich darf ich noch ein Kennzeichen einer echten Prophetie nennen; Paulus schreibt einmal: “Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan!” Das heißt jede Aussage lasse sich vom Bruder in Christus prüfen. Weder Theologie noch Prophetie gibt es außerhalb der Gemeinde der Heiligen. Wer sich nichts mehr sagen läßt, hat keine Weisheit von oben. Hochmut kommt vor dem Fall. Es sind schon viele “fromme” Propheten gefallen, weil sie in einem falschen Geist lebten und hochmütig waren. Eine ganze Reihe von Menschen kenne ich, die einmal gesegnete Werkzeuge Gottes waren, die aber unbrauchbar wurden, weil sie sich nichts mehr sagen lassen wollten. Manchmal gilt es, eine scharfe Trennung zu vollziehen, weil Weizen und Stroh — nach dem Wort Jeremias — sich nicht zusammenreimen. Beides zusammen ergäbe in der Mühle kein Mehl und im Backofen kein Brot. Wo der Mischgeist in einer Gemeinde herrscht ohne Scheidung, werden wir Mißgeburten züchten und letztlich antichristlich arbeiten. Beten wir darum für uns und für alle Gemeinden, daß wir nichts wissen als Jesus den Gekreuzigten und Auferstandenen und Wiederkommenden. Übernehmen Sie bitte mit die Last für die Gemeinde Jesu! Seien Sie selber einer, der sich unterm Wort beugt und in der Bruderschaft demütig bleibt!
(Quelle: “Start am Morgen”; Paulus-Verlag Karl Geyer; Heilbronn)


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