Laßt uns nie vergessen, daß immer der Fleischgeborene den
Geistgeborenen lästert und verfolgt, und nie umgekehrt (Gal. 4,29).


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Gemeinde und Reich Gottes

Autor: Malessa, Friedrich  |  Kategorie(n): Gemeinde, Schwarmgeist, Versuchung & Verführung  |  452 x gelesen

Die Gemeinde Jesu Christi und das Reich Gottes sind zweifellos als die Grundbegriffe der Bibel anzusehen. So sollte man sie auf alle Fälle sehen, denn sie sind die Darsteller der Heilsvorgänge in den Zeiten und in der Ewigkeit. — Das allgemeine Christentum spricht auch sehr viel über Gemeinde und Reich. Leider sind es aber weithin nur leere “Sprüche“.

Hinzu kommt, daß man diese beiden Begriffe in gleichem Sinne und in gleicher Auswirkung sieht. Man ist der Meinung, daß hier zwei Namen einen Vorgang anzeigen. Ja, man bezeugt sogar ganz lebendig: Die Gemeinde ist das Reich Gottes und das Reich Gottes ist die Gemeinde. — Darum auch ist nicht nur die persönliche Haltung der lieben Christen, sondern auch ihre gesamte Heilsschau so getrübt, ja sogar stark gestört. Die Heilsgeschehnisse für das persönliche und für das gesamte Leben erleiden hierbei eine nicht geringe Vernebelung. Und weil es sich hier um die Vermengung der höchsten biblischen Prinzipien handelt, darum ist auch der Auswuchs der allseitigen Mißbildung so groß.

Wie ist das möglich, daß die beiden ganz verschiedenen Begriffe in einen Topf geworfen werden? Antwort: Weil man das Wort nicht wörtlich nimmt. Bitte, kann man die beiden Worte Gemeinde und Reich sinnmäßig und wesensmäßig gleich sehen? Das wird wohl niemand behaupten können. Also sollte man doch in allem Ernst die Verschiedenheit der beiden Begriffe festzustellen und auszuführen suchen. — Für viele wird das ein “heißes Eisen” sein. Aber gerade dann heran!

Sehen wir uns ganz kurz zunächst die Gemeinde an. Hier muß in erster Linie gesagt werden, daß wir das Wort Gemeinde nicht so vereinsamt sehen dürfen, weil dann sofort große Verwechslungen und Entgleisungen erstehen. Was bezeichnet man nicht alles mit Gemeinde: Sportgemeinde, Schwimmgemeinde, Spargemeinde, Baugemeinde, Stadtgemeinde usw. Eine derartige Verschwommenheit darf bei der obengenannten Gemeinde nicht vorkommen, denn sie ist die Gemeinde Jesu Christi! — Man sollte die Gemeinde nur in diesem Zusammenhang benennen. Dann wäre auch der so “verdeutschte” Ausdruck Gemeinde in einem ganz anderen Blickfeld. Bleiben wir also bei der Gemeinde Jesu Christi. Sie ist eine ganz spezielle “Interessengemeinschaft”. — Wir merken hier schon, daß die Gemeinde nicht mit dem Reich verwechselt werden darf, weil sie eine “eigene Interessengemeinschaft” ist. Das besagt bereits das deutsche Wort Gemeinde.

Wenn wir aber die urtextliche Benennung berücksichtigen, dann erkennen wir die Unterscheidung noch weit mehr. Urtextlich: Ekklesia. Auf deutsch korrekt: Die Herausgerufene! — Bei diesem Namen brauchen wir nur einige Fragen kurz zu beantworten, schon wissen wir, was die Gemeinde Jesu Christi bedeutet. Wer sind die Herausgerufenen? Die wahren Christen! Woher sind sie herausgerufen? Aus der Welt, sogar aus der “religiösen Welt”. Wohin sind sie gerufen? Zu dem Christus! Wer hat sie gerufen? Der Jesus Christus, der da ist das “Haupt seines Leibes”, das ist die gerufene Gemeinde. Kurz wiederholt: Die Gemeinde, als der Leib Jesu Christi, ist durch Christus aus der Welt gerufen als die kleine Christenschar. Sie ist aus der Welt herausgerufen und in den Christus hineingerufen. Sie hat den zweifachen Vorgang erlebt: Heraus — hinein! Das sind die Herausgerufenen, d. h. die Gemeinde Jesu Christi, die da ist sein Leib.

Was noch stark unterstrichen werden muß, ist die Tatsache, daß der vor Grundlegung der Welt von Gott beschlossene “Herausruf” eine ganz erhabene Bedeutung hat. Eine Bedeutung, die den meisten Christen nicht bewußt ist. Bei dieser “Herausrufung” geht es nicht nur um das Heilsgeschehen an einigen bevorzugten Menschen, sondern um die Verkörperung des Jesus Christus! Die Herausgerufenen haben folgende Zielsetzung: “Und (Gott) hat alle Dinge unter seine (Christi) Füße getan, und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles; welche da ist sein Leib (= Heilskörper), nämlich die Fülle (= Vollmaß) des, der alles in allen erfüllt” (Eph. 1, 22.23). — Nur Paulus hatte den Auftrag, dieses “Geheimnis” kundzutun (Eph. 3, 8-14)!

Darum die Ekklesia, d. h. die Herauswahl, damit die Herausgewählten aus der Welt in die Verkörperung des Christus geführt werden. Er muß durch die Ekklesia seine “Heilands-Fülle” erlangen, damit er als der Fülle-Christus alles in allen erfülle. — Was das bedeutet, wird nur der in etwa erkennen, der die paulinische Gemeindelehre kennt. Verständlich sollte es aber allen werden, daß die Ekklesia nicht in erster Linie um ihres Heiles willen berufen ist, sondern um Christi willen. Sie ist — kurz gesagt — im All die heilvollführende Körperschaft des Christus!

Weil die Gemeinde Jesu Christi für die weiteren Heils-Fülle-Dienste berufen ist, darum muß sie auch ganz speziell “herausgerufen” (und hineingerufen) sein. Sie soll ja in der Unheilswelt als der Fülle-Christus die ganz erhabenen Heilsdienste vollführen. Darum muß sie schon bei der “Herausrufung” ganz erhaben über der Unheilswelt stehen. Sie ist von der Welt, sonderlich von der Endwelt, die wegen des antichristlichen Wesens so gerichtsreif wird, restlos getrennt. Die Ekklesia und die religiöse Endwelt stehen in einem Gegensatz, der nicht zu beschreiben ist. Der Ausdruck: “Die Herausgerufene” (und Hineingerufene) gibt uns hierfür einen Lichtblick.

Reich Gottes dagegen hat einen ganz anderen Stand. Im Reich Gottes gibt es keine geteilte Herrschaft, keine Nebenkönige und keine Nebenfürsten. Im Reich Gottes kann nur Gott souverän herrschen. Alle gegensätzlichen Reichsfaktoren sind da aufgehoben. — Reich Gottes beginnt also erst dann, wenn alle Voraussetzungen dafür gegeben sind.

Freilich gibt es für das Reich Gottes noch Anlauf-Zeiten. Der Fülle-Christus ist hier der “Brückenbauer”. Auf diese Vor-Gänge können wir hier nicht eingehen. Angedeutet sei nur, daß der Fülle-Christus dieses Reich erst “her-richten” muß. Das wird vollendungsmäßig geschehen, wenn er den Vater der Lüge mit seinem Reich “hin-richten” wird. Mit dem Tausendjährigen Friedensreich wird die “Erst-Einführung” des Reiches Gottes anlaufen. Dieses voreilende Reich ist aber erst das Reich des Fülle-Christus. Nach diesem seinem Friedensreich sind weitere Heilsvorgänge, die alle eine klare Weiterführung haben bis zum endgültigen Reich Gottes. Paulus deutet diese Geschehnisse an mit den Worten: “Er muß aber herrschen, bis daß … Wenn aber alles ihm untertan sein wird, alsdann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles untergetan hat, auf daß dann Gott sei alles in allen” (1. Kor. 15, 24-28). — Erst da ersteht das endgültige und absolute Reich Gottes.

Darum hat Jesus zu seiner Erdenzeit viel vom Reich Gottes, d. h. von dem Zielgeschehen gesprochen. Das Ziel des Heilsgeschehens blieb immer in seinem Blick. Aber immer sagte er: Es kommt! Sogar im Blick auf sein vorübergehendes Reich (= Tausendjähriges Friedensreich) hat er belehrend sagen müssen: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt.” Zwar konnte er sagen: “Das Reich Gottes ist mitten unter euch”, aber das bezog sich ganz klar nur auf seine Person. Durch die Gegenwart des Königs des Reiches war auch das Reich insofern vergegenwärtigt. Mehr nicht. Was das “Mehr” betraf, lag in der Aussage Jesu: “Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.” Es soll aber nicht nur ein Werk der Nähe sein, sondern ein Werk des Inwendigen. Allumfassendes Werk! Darum lehrte Jesus seine Jünger (und die Gläubigen in der weiteren Zeit) beten: “Dein Reich komme!” Dieses kommende Reich setzt selbstverständlich das Geschehen voraus: ­”Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf der Erde.”

Merken wir uns die Tatsache: Solange noch das teuflische Reich besteht, oder auch nur noch die teuflischen Bereiche vorhanden sind, ist das Reich Gottes noch nicht da, sondern erst im Kommen. Aber es wird kommen! Der Garant dafür ist Jesus Christus. Er hat es im heiligen Bewußtsein uns sagen können: “Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk« (Joh. 4, 34). Erst wenn Er die “Voll-Endung” bereitet hat, dann übergibt Er alles seinem Vater, auf daß dann “Gott sei alles in allen”. Dann ist das Reich Gottes da mit einer absoluten Allein-Herrschaft. — Reich Gottes (und auch das vorhergehende Reich des Christus) hat die absolute Alleinherrschaft. Wohl ist die Alleinherrschaft des Christus in seinem Reich noch im Auswuchs. Darum sagt Paulus: “Er muß aber herrschen bis …” Aber der Auswuchs und die Frucht haben die gleiche Wesenhaftigkeit. Diese Wesenhaftigkeit hat das Prinzip: Alleinherrschaft!

Ganz klar zeigen uns die beiden Begriffe, Gemeinde und Reich Gottes, daß sie voneinander unterschieden werden müssen. Zwar haben sie den einen Geist und den einen Vor-Bereiter. Aber in ihrer Ausgestaltung sind sie verschieden. Die Gemeinde wird “auferbaut” zu Christus hin. Das Reich wird “auferbaut” zu Gott hin. Die Auferbauung der Gemeinde hat den Vor-Gang, weil sie für die Verkörperung des Christus vorgesehen ist. Das Verkörperungsgeschehen des Fülle-Christus ist so hochbedeutsam, weil dieser Christus das Heil zu voll-führen hat. Erst seine Heilands-Fülle, und dann seine Heils-Fülle im All. Darum muß die Gemeinde aus der Unheilswelt herausgerufen und zu ihm hingerufen werden, damit die Heilsvorgänge in der Unheilswelt vollzogen werden können. — Die Gemeinde Jesu Christi hat darum eine Berufung (und eine Herausrufung), die nicht zu beschreiben ist. Diese Erhabenheit ist einmalig. Sie kann nur mit dem Begriff: “Erstling Christus” ein wenig begriffen werden. Das ist aber ein Vorgang bei den “Herausgerufenen” aus dieser Unheilswelt. Die Unheilswelt ist noch vollgültig da. So “voll-gültig” wie nie zuvor. Denn hier ist der Höhepunkt des Antichristentums. Höre: Aus dieser “Höhen-Welt” ist die Gemeinde Jesu Christi herausgerufen. Gleichzeitig aber auch zu der Höhe des Christus gerufen, weil der allseitige “Beschluß” folgen muß. — Diese Zeit ist offensichtlich eine Gemeindezeit. Die Gemeindezeit als Reichszeit ansprechen wollen ist unsachlich. Damit verdeckt und vernebelt man das eigentliche Geschehen. Herausrufungsgeschehnisse und Herrschaftsgeschehnisse sind hier höchst unterschiedlich. Wer sie sachlich vermengt, der beschreitet einen Irrweg. Der ist nicht vom Prinzip des Folgens beseelt, sondern mehr vom Prinzip des Herrschens. Reichsmotive und Reichsvorgänge sind bei ihm vorherrschend. Und schon werden die Heilsgeschehnisse auf den Kopf gestellt.

Damit haben wir ein brennendes Anliegen der Gegenwart angedeutet. Hier ist ein Vorgang, der uns einen Abgrund zeigt, in den viele wirklich gläubige Menschen hineinstürzen können, — und auch werden. Unser Auftrag ist, diesen Gefahrenpunkt mit aller Deutlichkeit und mit aller Gründlichkeit aufzuzeigen, damit die lieben Gläubigen nicht von dem Sog der Zeit in den Abgrund hineingerissen werden. — Fragen müssen wir allerdings in allem Ernst: Wie ist es möglich, daß die biblisch ausgerichteten Menschen sich hier so verblenden lassen? Obgleich das prophetische Wort hinsichtlich der antichristlichen Endwelt so deutlich ist und jedermann mahnt: “Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark” (1. Kor. 16, 13). Warum ist trotzdem die Irreführung so groß? Weil die antichristliche Endwelt als das Reich Gottes angesehen wird!

Mit frommen Reden, ja auch mit der Nennung des Namens Jesu posaunen gerade die Spitzenmänner die “frohe Botschaft” in die Welt hinaus: Wenn der letzte Mensch auf der Erde zu dem Glauben an den einen Gott kommt (wir glauben alle an einen Gott), dann ist das Reich Gottes vollgültig da! Darum die dringende Mahnung an alle, sonderlich an die noch Abseitsstehenden: Werdet doch eiligst treue und frohe “Reichsgenossen”! Wir müssen alle, wirklich alle als überzeugte Genossen im Reiche Gottes haben. Und dann stimmt das Wort: “Friede auf Erden; und den Menschen ein Wohlgefallen!” — Paulus sagt hierzu: “Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, dann …” (1. Thess. 5, 3).

Diese Reichsgenossenschaft ist in der antichristlichen Welt so selbstverständlich und so unumgänglich. Nicht nur wegen der religiösen “Tüchtigkeit” der Menschen, sondern auch wegen eines sehr wichtigen Vorhabens des Gottes dieser Welt: “Diese werden streiten mit dem Lamm, und das Lamm …” (Offb. 17, 12-14 und entsprechende Parallelstellen).— Darum ist für die gegenwärtige, rasch wachsende Antiwelt diese totale Reichsaufrichtung so wichtig. Sieht man das nicht? Sehen es die biblisch ausgerichteten Menschen nicht? Hier stimmt das Wort des Luther: “Groß Macht und viel List, sein grausam Rüstung ist.”

Nochmals müssen wir die Frage stellen: Warum sehen die biblisch ausgerichteten Menschen die klaren End-Welt-Vorgänge nicht? Weil sie das prophetische Wort nicht kennen. Noch mehr: Weil sie das prophetische Wort mißachten. Das prophetische Wort ist ihnen zu “ungewiß”! Das prophetische Wort stiftet zuviel Wirrwarr. Hände weg vom prophetischen Wort! Diese Mahnung geben nicht wenige Männer, die sogar auf den Lehrstühlen sitzen. Was sollen dann die Lernenden weitergeben? Brauchen wir uns da noch zu wundern, daß heute allenthalben die Meinung stark vertreten wird: Wir müssen unbedingt die Christeneinheit, noch mehr: die Religionseinheit anstreben. Dann leben wir nicht nur im totalen Frieden, sondern auch im “Reich Gottes”! Das ist doch das biblische Ziel, nämlich das kommende Reich Gottes!

Jawohl, das Reich Gottes kommt. Aber welches Reich Gottes? Höre: Das wahre Reich Gottes ist ebenfalls im Werden. Auch die Gemeinde, von der wir oben sprachen, ist ein Teil des Reiches Gottes. Aber die Gemeinde — in ihrer Zeit — hat die “Vor-Bereitung” des kommenden Reiches Gottes. Diese Vor-Bereitung ist sehr wichtig, weil da eine Herauswahl gesammelt wird für die Dienste der Reichsaufrichtung. Diese Sammlung der Herauswahl geht noch — höre bitte genau — im Bereich dieser Welt, d. h. in der antichristlichen Welt vor sich. Diese Welt wird aber, wenn sie die Einheitshöhe und auch die “Anti-Höhe” erreicht hat, gerichtet. Höre: Gericht ist der Beschluß für diese Welt. Das Reich Gottes, das die gegenwärtige “fromme Welt” so heiß erstrebt, wird gerichtet! Welch ein Reich! —

In der Gemeindezeit (die gegenwärtige Zeit) sind die wahrhaft Gläubigen nach der paulinischen Aussage “die Aufhaltenden” (2. Thess. 2, 5-8)! Aufhaltende sind sie in jeder Weise. Auch hinsichtlich der falschen Reichserwartung. Als Aufhaltende sagen sie nicht etwa: “Wir wollen abwarten”, sondern sagen entschieden “nein”, weil sie dazu “Herausgerufen” sind. Die Aufhaltenden sagen “Nein” zu jeder Welt-Religions-Vereinigung! Sie können nur “Nein” sagen, weil sie hier das klare antichristliche Werden sehen. Darum: Hände weg von dem gegenwärtigen “Reich Gottes”!

(Quelle: Unbekannt; Schriften Johannes Ullmann)

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