Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die drei Heilszentren

Autor: Malessa, Friedrich  |  Kategorie(n): Heilsgeschichte  |  897 x gelesen

Das Heil Gottes haben die Apostel mit Fleiß bezeugt. “Euch ist das Wort des Heils gesandt” (Apg. 13, 26). “Ihr Lieben, nachdem ich vorhatte, euch zu schreiben von unser aller Heil” (Judas 3).

Das Heil Gottes in Christus ist die Mitte alles göttlichen Geschehens. Gott offenbart sich in seinem Sohne der heillosen Welt. Darum ist die Mitte aller göttlichen Offenbarung die Heilsoffenbarung.

Das Zeugnis von der Heilsoffenbarung bezieht sich auf die Mitte. Somit steht auch das Heilszeugnis in der Mitte. Die Botschaft vom Heil Gottes ist die Zentralbotschaft, die da froh und selig macht.

Das muß unsere Sorge bleiben, dass die Heilsbotschaft die zentrale Stellung behält. Alle anderen Botschaften liegen “am Rande”. Sie mögen wichtig sein, sind es aber auch nur, wenn sie zentral bedingt und zentral ausgerichtet sind. Alle Botschaften, sofern sie nicht die Ausstrahlung der Heilsbotschaft sind, verlieren ihren Wert und können sich ins Gegenteil verwandeln.

Es ist darum sehr wichtig, dass das zentrale Heilsgeschehen gründlich uns umfassend begriffen wird. Die Bibel lässt drei in sich gegliederte Heilszentren erkennen, die wir in dieser Abhandlung aufweisen wollen. Möge dieser kurze Abriss zum ernsten Nachdenken veranlassen.

1. Heilszentrum

Die erste Zentrale des Heilsgeschehens ist der Kosmos. Schon vor dem ersten Sündenfall ist die “Erde” gesondert erwähnt: “Im Anfang schuf Elohim die Himmel und die Erde.” Zu dieser Zeit, als die Himmel und die erde erschaffen wurden, kann von “Wüste, Leere, Finsternis” noch keine Rede sein. Der unwandelbare Schöpfer erschafft Dinge, die seinem Wesen entsprechen und nicht widersprechen. Daß diese Schöpfung wüst, leer und finster wurde, hat seine tragische Bewandtnis, die hier nur angedeutet sei. Wir lassen die Tatsache bestehen, dass die Erde vor dem Tohuwabohu schon extra genannt wird, obgleich sie wesensmäßig zu den Himmeln gehört. Es schuf der Schöpfer die Himmel und benannte die Erde besonders, weil nach der “Vorschau” des Schöpfers die erde eine Sonderstellung einnehmen sollte. Bei den ersten Erschaffungen erhielt der Kosmos vorsatzmäßig eine Sonderstellung, wir können schon sagen: Zentralstellung!

Als die Rebellion “in den Himmeln” geschah, wurde die Erde die “Behausung” der Rebellen. Der Oberrebell wurde “der Fürst dieser Welt”. Da stellte er sein Fürstentum unter Beweis: Tohuwabohu! Der Kosmos wurde die Zentrale des Rebellen und der Rebellion. Da ist die Zentrale des totalen Unheils.

Mit der Unheilszentrale ist auch die Heilszentrale bestimmt und abgegrenzt. Im Brennpunkt des Unheils wird der Brennpunkt des Heils aufgerichtet. Der “Stuhl Satans” wird zum “Gnadenstuhl Gottes” erklärt. Der Kosmos als Träger des Durcheinanderwerfers wird gleichzeitig zum Träger des “Ordners” bestellt. In der prophetischen Schau darf der Seher Johannes feststellen: “Und anbeten werden es alle, die da wohnen auf der Erde, deren Namen — eines jeden seiner — nicht geschrieben ist in der Rolle des Lebens des Lämmleins, das geschlachtet ist vom Niederwurf (kata bolê) der Welt an.” (Offb. 13, 8). Vor Grundlegung (kata bolê) dieser Welt, d. h. vor Grundlegung dieser chaotischen Welt, ist das “Lamm” zu seinen Diensten verordnet. Christi Kreuzes- und Heilsweg begann im Augenblick des ersten Falles.

So ist der Kosmos in den Himmeln zur Heilszentrale gesetzt worden. Der Kosmos ist seit dem ersten Fall die Zentrale des Unheils und des Heils. Das erste Heilszentrum hat kosmische Spannweite. Johannes hat Recht: “Also hat Gott die Welt geliebt.”

Solange Heilsvollführungen erforderlich sind, bleibt die Erde die Heilszentrale. Selbst die “neue Erde” hat noch die gleiche Bedeutung. Auf ihr wird das “neue Jerusalem” in der Mitte stehen, allerdings ohne den symbolischen Tempel, denn der Tempel ist “das Lamm”. Gleichfalls werden da die notdürftigen Lichtskörper fehlen, denn “die Leuchte ist das Lamm”. Und die “Heiden” werden in diese Lammes-Mitte eingehen, freilich erst nach Eintrag in das “Buch des Lammes”. Der Kosmos, ob alt oder neu, behält die ganz zentrale Bedeutung, bis alles Unheil überwunden und alles Heil vollführt sein wird. Danach wird die Zentralstellung nicht mehr der neue Kosmos, sondern der versöhnte Vater haben. Lies aufmerksam 1. Kor. 15, 28. — Dieses “Danach-Geschehen” hat allerdings einen noch recht weiten Lauf.

2. Heilszentrum

Das zweite Heilszentrum ist nicht daneben, sondern darin! Die kosmische Heilszentrale wird weiter zentralisiert. Es entsteht eine neue Heilsdimension in der Konzentration, d. h. in der Verinnerlichung. Die Konzentration wird, wie wir noch sehen werden, so engmaschig, dass niemand und nichts hindurchschlüpfen kann.

Die Heilszentralisation auf den Kosmos verläuft: durch das erwählte Volk, durch das erwählte Land, durch die erwählte Stadt, über den erwählten Berg, über die erwählte Stätte (= Golgatha), zum Kreuz.

Das Kreuz von Golgatha ist die neue, konzentrierte Heilszentrale. Wohlgemerkt, nicht daneben, sondern darin; nicht dezentralisiert, sondern zentralisiert; nicht verbreitert und verflacht, sondern vertieft und verinnerlicht. Die zweite Heilszentrale ist in der Fundamentierung begriffen!

Die kosmische Heilszentrale ist das All (= ist in den Himmeln) wohl zentral, aber in sich zu weiträumig. Es sind im Kosmos noch zu viele Schlupfwinkel für Dinge des Unheils. Das Heilsgeschehen wäre unvollständig, wenn neben dem Geschehen noch zuviel “Nichtgeschehen” möglich wäre. Diese Möglichkeiten werden ausgeschaltet. Darum geht der Christus Gottes nicht nur an das kosmische Kreuz, sondern auch an das Kreuz von Golgatha. Christi Heilsdimensionen gehen nach innen bis zu den letzten Tiefen. Das Heil von Golgatha ist soweit zentralisiert, dass es über die “Völker” durchdringt bis zu dem erwählten “Volk”. Immer innerlicher, d. h. immer persönlicher, wird das Heil. Wenn es ganz persönlich sein wird, hat es seinen Zweck erreicht. Bis zu der “Verpersönlichung” ist das Heil in der Anbahnung. Erst im persönlichen Eingriff und Geschehen ist das Heil in der Vollführung!

Wunderbar ist das Heilsgeschehen schon in der Anbahnung. Aber würde es nicht zur Vollführung (Vollendung) gelangen, dann könnte das Heil zum Unheil werden. Das hat der Unheils-Fürst erkannt und sucht darum das persönliche Heil zu unterbinden. Das unpersönliche Heil ist dem Widerwirker noch tragbar, weil es in der Vorbereitung ist. Es gestattet zu allen Zeiten ganz großzügig die Botschaft des kosmischen Heils. Er weiß, dass diese Botschaft zum Ruhekissen wird. Aber ganz kategorisch, oft sogar brutal und auch listig, versucht er das Zeugnis vom persönlichen Heil zu verhindern, weil darin die endgültige Überwindung beginnt. Gott schreitet darum weiter mit der Heilszentralisation und eröffnet durch seinen Sohn die dritte Heilsdimension:

3. Heilszentrum

Das Heil Gottes als persönliches Erleben! “Denn wenn wir mit Ihm einsgemacht worden sind in der Gleichheit Seines Todes, so werden wir es auch in der Auferstehung sein, indem wir dieses wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, auf dass der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen.” (Röm. 6, 5.6).

“Von mir aber sei es ferne, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch welchen mir die Welt gekreuzigt ist, und ich der Welt. Hinfort mache mir keiner Mühe, denn ich trage die Malzeichen des Herrn Jesu an meinem Leibe.” (Gal. 6, 14.17).

Hier ist das Heil soweit zentralisiert, dass niemand mehr vorbeigehen kann. Niemand erreicht das Heil ohne das “Mitgekreuzigtsein”. Hier hat der Liebesruf Gottes volle Geltung: “Komm zum Kreuz mit deinen Lasten, müder Pilger du; an dem Kreuze kannst du rasten, da ist Ruh.” Darum wird das Kreuz im Schnittpunkt des persönlichen Lebens bleiben, bis alles persönliche Unheil vom persönlichen Heil überwunden sein wird.

Diese dritte Heilsdimension ist grundlegend, d. h. in der tiefsten Tiefe begründet, und kann nicht mehr rückläufig sein, kann auch nicht mehr rückgängig gemacht werden. Diese Heilsvollführung ist eben Vollführung (Vollendung)! Sie währet, bis alles vollführt ist. Sie ist darum nicht nur auf diesen Äon beschränkt. Sie endet auch nicht im nächsten Äon (= das Tausendjahrreich). Sie läuft auch nach dem Endgericht, oder besser gesagt, im Endgericht. Man lese zur Bestätigung Offb. 21, 22-27; Kol. 1, 19.20.

Die Heilszentrale in der dritten Dimension ist im Prinzip die Ur-Dimension. Denn in dieser Dimension begann das persönliche Unheil. Das Unheil ist persönlichen Ursprungs und hat persönlichen und personenhaften Charakter. Dem Ursprung gemäß muß das Heil vollführt werden. Darum geht die Heilsvollführung von Dimension zu Dimension, bis es endgültig persönlich und personenhaft wird und die Würde schafft, dem ewigen Vater gleichgestaltet zu werden. Lies Joh. 17, 20-26; 1. Joh. 3, 2.

Es bleibt dabei: Am Kreuz kommt niemand vorbei! Auch wenn Äonen dazu erforderlich sind. Und wenn “Er sie zerschlagen und wie Töpfe zerschmeißen muß” (Ps. 2, 9). Diese Aufgabe bleibe ihm überlassen. Er kommt zum Ziele. Unsere Verpflichtung ist und bleibt, solange auf das Kreuz zu weisen, bis es von jedermann persönlich erlebt wird. Diese Verpflichtung gilt nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die weite Zukunft. “Wisset ihr nicht, dass die Heiligen die Welt (den Kosmos) richten werden? Wisset ihr nicht, dass wir über die Engel richten werden?” (1. Kor. 6, 2.3).

Mag sein, dass wir in der Zukunft das persönliche Heilszeugnis lebendiger und intensiver tragen werden. Aber das wäre billiger Trost. Wir wollen uns schon jetzt der Zeugnisverpflichtung bewusst sein!

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 1953; Paulus-Verlag; Heilbronn)

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