Das Gesetz ist abgetan – sind wir nun gesetzlos?
Autor: Maier-Gerber, Hartmut, Dr. | Kategorie(n): Gemeinde, Lehre | 589 x gelesenIn dieser Formulierung ist eine wichtige, grundlegende Feststellung getroffen, nämlich, dass das Gesetz abgetan ist, und danach wird eine ebenso berechtigte Frage gestellt: »Sind wir jetzt also ohne Gesetz, das heißt gesetzlos?«
Wir spüren förmlich, dass wir mit dieser Frage gefährlichen Boden betreten, dass sie gründlich anhand der Schrift zu prüfen ist, damit wir nicht einem Irrtum verfallen, einer Verführung des Teufels. Einerseits ist in Röm 5, 21 von der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes die Rede, in Gal. 5, 13, dass wir zur Freiheit berufen sind, und schließlich in 2. Kor 3, 17, dass da, wo der Geist des Herrn ist, immer Freiheit ist; andererseits lesen wir aber in 1. Petr. 2, 16, dass wir uns hüten sollen, die Freiheit als einen Deckmantel der Bosheit zu gebrauchen. Was bedeutet mir »Bosheit« noch, wenn ich frei bin von jedem Gesetz, frei von Gut und Böse?
So öffnet sich in unserem Thema ein weiter Spannungsbogen, und immer wieder mangelt es Gotteskindern am rechten Durchblick gerade auf paulinischem Boden, wo das Gesetz wie der Sauerteig ausgeräumt werden soll, damit es nicht neuerdings alles durchsäuere, und ich dennoch nach Gal. 5, 17 nicht tun und lassen darf, was ich will. Gesetzlosigkeit ist also sicher nicht unser Teil. Schreibt doch Paulus in Tit. 2, 14, dass Christus uns losgekauft hat von aller Gesetzlosigkeit, und stellt die Frage in 2. Kor. 6, 14: Welche Genossenschaft hat also Gerechtigkeit mit Gesetzlosigkeit, welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Johannes trifft in seinem ersten Brief im dritten Kapitel (V. 4) die grundsätzliche Feststellung: Jeder, der die Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit, die Sünde ist die Gesetzlosigkeit. Darum nennt Paulus in 2. Thess. 2, 3 den Antichristen, der geoffenbart werden wird, den Menschen der Gesetzlosigkeit und stellt wenig später fest, dass es sogar ein Geheimnis der Gesetzlosigkeit gibt, das jetzt schon wirksam ist. Sicherlich ist es auch unter uns wirksam, und wer von uns allen würde nicht spüren, wie die Gesetzlosigkeit in der Welt durch Kriminalität und Terrorismus, Kriege und Gewaltherrschaft überhand nimmt?
Dennoch aber ist das Gesetz für uns abgetan, und wir sind frei von ihm. Hier steht noch eine Antwort aus, um die wir uns bemühen wollen.
Ich möchte meine Gedanken in acht Punkten weitergeben:
- Was heißt Gesetz, und wie kommt ein Gesetz zustande auf Erden und im Himmel?
- Vorsatz und Ratschluß als Basis der Gesetzgebung Gottes
- Versammlungsort und verschiedene Versammlungen als gesetzgebende oder ausführende Körperschaften in den Himmeln
- Verordnungen und Anordnungen Gottes betreffend irdische Dinge
- Sind alle diese Ordnungen mit dem Gesetz abgetan?
- Welche Gesetze nennt die Bibel noch?
- Inhalt und Gültigkeit der einzelnen Gesetze
- Gültigkeit der einzelnen Schriftteile für die Leibesgemeinde
1. Was heißt Gesetz, und wie kommt ein Gesetz zustande auf Erden und im Himmel?
Ein Gesetz ist in unserem Sprachgebrauch etwas nach bestimmten Regeln »Gesetztes«. Da wir aus mehreren Bibelstellen wissen, dass alles auf Erden nur ein Abbild oder eine Abschattung ist von den großen Originalen in den Himmeln, dürfen wir wohl aus den Gegebenheiten im Räume der Politik und der Völker auf die Vorbilder in den Himmeln schließen, welche sich abschatten auf Erden. Lassen Sie uns also sozusagen von dem Abbild hier auf Erden nun auf das Vorbild im Himmel rückschließen.
Gesetze werden auf Erden in den demokratischen Ländern meistens von einem ministeriellen Referentenkreis entworfen, von einer bestimmten Partei oder Koalition in eine gesetzgebende Körperschaft eingebracht, also den Bundestag oder einen Landtag, dort besprochen, eventuell geändert und dann mehrheitlich beschlossen oder abgelehnt. Gesetzeskraft erhält ein solcher Beschluß allerdings erst, wenn nach unserem Grundgesetz die Länderkammer, also der Bundesrat, zugestimmt hat und der Bundespräsident es gegengezeichnet hat und es der jeweiligen Regierung — also der Exekutive — zur gewissenhaften Durchführung übergibt. Sie wissen weiterhin, dass die Durchführung eines Gesetzes sodann mit seiner Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt beginnt.
Da all dies nur ein Abbild des Originalgeschehens im Himmel ist, bin ich so kühn, aus diesem Ablauf zu schließen, dass es bei den Gesetzgebungen in den Himmeln wohl ganz ähnlich ablaufen dürfte. Gibt es doch in den drei uns in der Bibel genannten Himmelsbereichen Myriaden, das heißt viele Milliarden von Engelwesen, sicherlich sehr viel mehr, als es Menschen auf dieser Erde gibt, ist doch unser Gott nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens. Schließlich empfiehlt Er nicht nur Seinen Kindern, dass sie den Nächsten grundsätzlich höher achten sollen als sich selbst, sondern ist uns seinerseits ein Vorbild in Achtung und Anerkennung sogar der von Ihm geschaffenen Wesen, ob Engel oder Mensch. Darum herrschen mit Sicherheit grundsätzliche Ordnungen in diesen Himmelsräumen, und der Höchste hat ihnen allen, soweit sie zum Reiche des Lichtes und damit der Gottnähe gehören, ihre Lebensräume, Namen, Aufgaben und Vollmachten zugewiesen. Nur Satan ist durch seine Rebellion gegen den Höchsten mit dem Teil der ihm anhangenden Engel zum gottfernen Reich der Finsternis geworden. Wir werden im Verlauf der weiteren Ausführungen die biblische Bestätigung für das eben Ausgesagte erhalten.
So ist die Vorstellung gar nicht so unglaubhaft, dass der Ablauf einer Gesetzgebung auch in den Himmeln — wenn auch um viele Dimensionen größer und komplexer — wirklich so ähnlich sich zutragen könnte, wie sich das auf Erden in unseren Gesetzgebungen abschattet. Dann geht aber sicher dem Erlaß eines Gesetzes auch eine gründliche Überlegung und Zielsetzung voraus.
2. Vorsatz und Ratschluß als Basis der Gesetzgebung Gottes
Die Bibel spricht ganz eindeutig von Vorsätzen, die Gott ganz für sich selbst in Seinem Herzen trifft, und von Ratschlüssen, die Er zusammen mit einer Versammlung von Himmelsbewohnern, also Engelwesen, faßt, oder diese beschließen läßt und dann selbst bestätigt. Dazu aus einer größeren Zahl nur wenige Bibelstellen:
Zunächst zum Vorsatz: In Eph. 1, 11 ist von uns Gotteskindern gesagt, dass wir zuvorbestimmt sind nach dem Vorsatz Gottes. Diese Auswahl — der Gemeinde — hat Er also ganz allein in Seinem Herzen getroffen. Dies wird noch einmal in Röm. 8, 28 bestätigt, wo von denen die Rede ist, die nach Vorsatz berufen sind; und in Röm. 9, 11 heißt es, dass der Vorsatz Gottes nach Auswahl besteht und nicht aus unseren Werken.
Wie köstlich, bei dieser Gelegenheit zu erahnen, dass der lebendige Gott ganz allein in Seinem Herzen schon vor Grundlegung der Welt an Dich und an mich gedacht und vor Seinen inneren Augen uns wohl gesehen hat. Übrigens glaube ich, dass, wenn auch der lebendige Gott allein und ganz für sich ist, noch immer der Sohn bei Ihm weilt als das Liebste und Vertrauteste, Er, der schon vor Erschaffung der Welt wie ein »Schoßkind« oder »Liebling« Tag für Tag Seine Wonne war und »Ihn allezeit ergötzte« (Spr. 8, 30).
Schließlich ist in Eph. 1, 9.10 von Seinem Herzensgeheimnis die Rede, das Er sich vorgenommen hat für die Verwaltung der Fülle aller Zeiten, nämlich »das All unter einem Haupte zusammenzubringen in dem Christus, das, was in den Himmeln, und das, was auf der Erde ist«. Auch bezüglich dieses Geheimnisses steht geschrieben, dass Er es sich nach Seinem Wohlgefallen in sich selbst vorgesetzt hat. Hier war gleicherweise kein Gremium noch so hoher und heiliger Engel beteiligt, hier hat nur das Vaterherz Gottes ein Ziel gefaßt für die Verwaltung der Fülle aller Zeiten und dieses sogar zu einem Geheimnis erklärt, dass Er nur uns mitgeteilt hat.
So sehen wir also, dass der Vorsatz Gottes die persönlichste, intimste Form der Festlegung einer Heilsstrategie oder eines Zieles ist, welche einer anschließenden Gesetzgebung wohl in allen Fällen zugrunde liegen dürfte.
Als zweites ist nun der Ratschluß genannt. Er ist stets der Beschluß einer kleineren und größeren Gruppe von Menschen oder Engeln. So spricht Ps. 33, 10 von dem Herrn, der den Ratschluß der Nationen zunichte macht. Hier also ein Beschluß von Regierungen und Parlamenten der Nationenwelt. Jesaja 14, 26 spricht von dem Ratschluß, der beschlossen ist über die ganze Erde. Offenbar der Beschluß einer Ratsversammlung in den Himmeln. In Spr. 19, 21 heißt es: Viele Gedanken sind im Herzen eines Mannes, aber der Ratschluß Jehovahs, er kommt zustande.
Wenn eine Ratsversammlung in den Himmeln, bestehend aus heiligen Engeln, Fürstentümern und Gewalten, zusammentritt, so offenbar stets um den Thron des Höchsten herum und unter Seiner Verantwortung. Darum wird der zustandegekommene Beschluß auch der Ratschluß Jehovahs genannt, selbst wenn der Antrag dazu von einem Engelfürsten eingebracht worden wäre. Für all dies gibt es biblische Beweise.
Schließlich ist in Apg. 2, 23 sogar von Jesus Christus gesagt, dass selbst Er nach dem bestimmten Ratschluß und nach Vorkenntnis Gottes übergeben worden ist und durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen werden durfte. Darum ist in Apg. 4, 28 ausgesagt, dass alles geschehen darf, was Seine Hand und Sein Ratschluß vorbestimmt haben, dass es geschehen solle. Um die Unwandelbarkeit Seines Ratschlusses überschwenglicher zu beweisen, tritt Er sogar mit einem Eide ins Mittel (Hebr. 6, 17).
3. Versammlungsort und verschiedene Versammlungen als gesetzgebende oder ausführende Körperschaften in den Himmeln
In Jes. 14, 13 wird der Versammlungsberg im äußersten Norden genannt, auf den sich der Widersacher Gottes hoch über alle Sterne erheben und niedersetzen wollte. Offenbar ist dort der Thronsessel Gottes und der Versammlungsort der himmlischen Ratsversammlungen. Dies finden wir bestätigt in 1. Kön. 22, 19, wo wir lesen: Ich sah Jehovah auf Seinem Thron sitzen und alles Heer des Himmels bei Ihm stehen zu Seiner Rechten und zu Seiner Linken. Nicht nur in Hiob 1, 6 und 2, 1, sondern auch in 1. Kön. 22, 19 wird uns berichtet von Gesprächen und Überlegungen sowie von Vorschlägen aus dem Kreis der Umherstehenden, die der Höchste in solchen Ratsversammlungen gestattet.
Übrigens ist nur von Jesus Christus gesagt, dass Er zur Rechten Gottes sitzt, während alle übrigen ehrfurchtsvoll stehen. Wie unfaßlich, dass auch wir als Kinder und Erben Gottes nach der Aussage des Neuen Testamentes in Christo sitzen zur Rechten Gottes, schon heute im Geiste, dereinst auch im Herrlichkeitsleib (Eph. 2, 6).
Es ist für mich immer neu bewegend, diese zahlreichen Stellen zu lesen, in denen von den Geschehnissen um den Thron Gottes und von den Ordnungen der Himmel berichtet wird, und es hat sich mir ein ganz neues Verständnis für das Handeln Gottes eröffnet, das stets in erster Linie auf die Bewohner der Himmel und ihren Heilsweg ausgerichtet ist. Wie majestätisch erscheint der Höchste uns in Ps. 89, 7, wo geschrieben steht: Er ist ein Gott, Achtung gebietend in der Ratsversammlung der Heiligen (gemeint sind heilige Engel) und ehrfurchterregend über alle, die rings um Ihn her sind.
Von diesem Gott aller Götter und Herrn aller Herren ist in Ps. 103, 19-22 gesagt, dass Er in den Himmeln festgestellt hat Seinen Thron und Sein Reich herrscht über alles. Und dann folgt eine Aufzählung der himmlischen Hierarchien: »Preiset Jehovah, ihr Seine Engel, ihr Gewaltigen an Kraft, ihr Täter Seines Wortes, ihr Gehorsamen der Stimme Seines Wortes. Preiset Jehovah, ihr alle Seine Heerscharen, ihr Seine dienstbaren Geister, ihr Täter Seines Wohlgefallens. Preiset Jehovah, alle Seine Werke an allen Orten Seiner Herrschaft!«
Unter diesen verschiedenen Versammlungen und Körperschaften um den Thron Gottes gibt es ferner nach Hebr. 12, 23 eine Versammlung der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind, und eine Versammlung der Geister der vollendeten Gerechten. Dort heißt es auch, dass die Vollversammlung — oder allgemeine Versammlung — aus Myriaden von Engeln besteht. Welch heilige Ordnungen und gottgewirkte Hierarchien in dieser Welt der Himmel und ihrer Milliarden von Wesen!
4. Verordnungen und Anordnungen Gottes betreffend irdische Dinge
Ohne Zweifel wird in diesen Ratsversammlungen Gottes nicht nur Beschluß gefaßt über himmlische Ordnungen und Abläufe, sondern auch über das Geschehen auf dieser Erde. Ich würde meinen, auch über Dich und mich und unsere Schicksalswege. Wahrscheinlich ist das sogar ein Hauptanliegen aller dieser Ratsversammlungen, deren Blick bekanntlich mit größtem Interesse auf die Erde gerichtet ist, wie etwa in einem Theater auf die Bühne und das dortige Geschehen oder in einer Wettkampfarena auf die Kampfbahn inmitten der umgebenden Tribünen. Darum ist auch all jenes Geschehen in Jerusalem und schließlich auf Golgatha nicht nur als Vorsatz im Herzen Gottes entstanden, sondern als heiliger Ratschluß zur Durchführung an das höchste Gremium gegeben worden (Apg. 2, 23 und 4, 28).
Weiter ist uns gesagt, dass Er durch Seine Ratsversammlungen Zeiten verordnet und die Grenzen der Wohnung aller Nationen auf der ganzen Erdoberfläche bestimmt (Apg. 17, 26). Von Anordnungen dieser himmlischen Ratsversammlungen über die Regierungsgewalt auf Erden berichtet Röm. 13, 2, wo geschrieben steht: »Wer sich daher der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil über sich bringen.« Wir erkennen also erstaunt, dass es viel mehr Reglementierungen himmlischer Gremien hinein in die Geschehnisse dieser Erde und damit auch unseres kleinen privaten Lebens gibt, als wir gemeinhin dachten.
5. Sind alle diese Ordnungen mit dem Gesetz abgetan?
Ich habe mir lange Jahre keine Rechenschaft darüber gegeben, was das Neue Testament eigentlich unter dem Sammelbegriff »das Gesetz« versteht. In meiner Vorstellung handelte es sich dabei um die Summe aller Gesetzesparagraphen und Ordnungen des mosaischen Gesetzes, welches bekanntlich ein Engel als Mittler der großen Ratsversammlung in den Himmeln und im Auftrag Gottes auf dem Berg Horeb im Sinaigebirge an Mose übergeben hat (Gal. 3, 19.20).
Gerade von diesem Gesetz steht aber geschrieben, dass aus seiner Erfüllung kein Fleisch vor Gott gerecht wird (Röm. 3, 20), ja, dass dieses Gesetz zur Knechtschaft gebiert (Gal. 4, 24) und dass es sogar ein Dienst des Todes und ein Dienst der Verdammnis ist (2. Kor. 3, 7.9). Wie verständlich daher, dass in Hebr. 7, 18 von seiner Abschaffung die Rede ist um seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit willen. Schließlich ist nach Röm. 10, 4 Christus des Gesetzes Ende geworden.
Damit, so meinte ich früher, gibt es nun eigentlich keine festen Ordnungen mehr, an die ich mich noch zu halten hätte, außer dem Gebot der Liebe gegenüber Gott und meinem Nächsten. Ich suchte unermüdlich nach Klarstellung dieser wichtigen Frage im Worte Gottes und stieß nicht auf das, was wir gemeinhin Gesetz nennen, sondern auf heilige Ordnungen Gottes, die wir kennen sollten. So stieß ich unter anderem auf 1. Kor. 9, 21, wo Paulus sagt: »Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie ohne Gesetz (wiewohl ich nicht ohne Gesetz vor Gott bin, sondern Christo gesetzmäßig unterworfen!).« Paulus bekannte also eindeutig, dass er vor Gott nicht ohne Gesetz ist und dass es ein Gesetz gibt, durch welches er Christo unterworfen oder untergeordnet, besser, eingeordnet ist.
Nun begann meine Suche nach weiteren im Worte Gottes genannten Gesetzen neben dem mosaischen Gesetz. Und damit komme ich zu
6. Welche Gesetze nennt die Bibel noch?
Ich fand auf meiner Suche im ganzen Neuen Testament sieben Gesetze, die dort genannt sind. Ein anderer mag acht finden oder auch nur sechs, je nachdem er zwei davon zusammenfaßt oder eines mehr abtrennt. Lassen Sie mich die sieben einmal nacheinander aufzählen, so wie die Schrift sie benennt:
- Das Gesetz Gottes — Röm. 7, 22
- Das Gesetz des Glaubens — Röm. 3, 27
- Das Gesetz meines Sinnes — Röm. 7, 23
- Das Gesetz der Sünde und des Todes — Röm. 8, 2
- Das Gesetz des Mannes — Röm. 7, 2
- Das Gesetz des Geistes des Lebens in Christo — Röm. 8, 2
- Das Gesetz des Christus — Gal. 6, 2
Alle weiteren Stellen des Neuen und des Alten Testamentes, die von irgendeinem Gesetz sprechen und es teilweise mit anderen Begleitworten umrahmen, meinen eines dieser sieben Gesetze. Fast ein wenig verwirrt über diese Entdeckung, begann ich nun die ganze Schrift daraufhin zu überprüfen, welches wohl der Inhalt dieser einzelnen Gesetze und auch der Umfang ihrer Gültigkeit sein würde. Lassen Sie mich dies in Punkt 7 zusammenfassen:
7. Inhalt und Gültigkeit der einzelnen Gesetze
a) Das Gesetz Gottes (Röm. 7, 22)
Wenn wir lesen, dass unser Gott kein Gott der Unordnung, sondern des Friedens ist (1. Kor. 14, 33), so dürfen wir davon ausgehen, dass es ein allein von Ihm als Vorsatz Seines Herzens erdachtes und mit dem Sohne beschlossenes göttliches Grundgesetz gibt. Dies war sicher das erste, welches zustande kam, und es legte die Basis künftigen Handelns Gottes entsprechend Seinem Wesen fest. Er wollte alle Wesen, die Er schaffen und später ins Leben zeugen würde, in die vollkommene persönliche Freiheit hineinstellen, und die Basis Seiner Beziehung zu ihnen sollte nur die Liebe sein. Darum nennt Jakobus in Kap. 1, 25 dieses Gesetz das vollkommene Gesetz der Freiheit und in Kap. 2, 8 das königliche Gesetz der Liebe. Er führt weiter aus, dass der, welcher in dieses Gesetz der Freiheit einmal nahe hineingeschaut hat, glückselig sein wird in seinem Tun, und wer es als das königliche Gesetz der Liebe erfüllt, der handelt nach Gottes Wohlgefallen.
Ich könnte mir denken, dass in diesem göttlichen Grundgesetz die Ordnungen der Himmelsregionen festgelegt sind, ist in der Schrift doch von einem Lufthimmel die Rede, von einem Gestirn- und Thronhimmel mit dem Versammlungsberg Gottes, dem Lager der himmlischen Heerscharen, und von Überhimmeln. Paulus nennt sie den dritten Himmel, wo wir die Behausung Gottes im Geiste finden. Dort dürfte jenes Licht des Geistes strahlen, da niemand hinzutreten kann, der nicht die Heiligkeit Gottes angenommen hat. Darum finden wir dort nur den Vater, den Sohn, den Heiligen Geist und die ins Leben gezeugten und in das Ebenbild des Sohnes verwandelten Leibesglieder Jesu Christi. Wie unfaßlich, dass dort unsere Heimat ist!
Weiter dürfte dieses Grundgesetz Gottes die Verteilung der Zuständigkeiten und Vollmachten regeln der heiligen Engel, der auserwählten Engel, der Seraphim als Thronwächter und Cherubim als Träger der Herrlichkeit Gottes, der Erzengel, Fürsten, Obrigkeiten und schließlich der dienenden Geister in Seinen Heerscharen. Alle diese Gruppierungen sind in der Bibel genannt.
Dieses Grundgesetz dürfte den Vorgang der Willensbildung, den Inhalt der Rechtsnormen und möglicherweise auch der Straf- oder Gerichtsbestimmungen enthalten, spricht die Bibel doch von dem Vorwurf des Irrtums, den Gott selbst Seinen höchsten Engeln zur Last legt, und von Ketten der Finsternis, mit denen Er Engel band, die ihr Fürstentum nicht bewahrt, sondern ihre eigene Behausung verlassen haben und die zum Gericht verwahrt werden (Jud. 6).
Selbstverständlich existiert dieses königliche Gesetz der Freiheit, der Liebe und der himmlischen Ordnungen unverändert auch heute und für uns bis zum Ende aller Äonen.
b) Das Gesetz des Glaubens (Röm. 3, 27)
Es ist ein für die Himmelsbewohner wahrscheinlich völlig ungewöhnliches und neuartiges Gesetz, das trotz seiner zentralen Bedeutung nur eine zeitlich begrenzte Gültigkeit haben dürfte. Es ist sozusagen ein Sonderrecht nur für die Menschen, das vermutlich erst existiert, seitdem es gefallene Menschen gibt. Während alle Himmelsbewohner die Wirklichkeiten jener Himmelsregionen und die Realität Gottes auf Seinem Throne schauen können, Seine Stimme hören und so Seinen Willen vernehmen, also nicht des Glaubens bedürfen, sind die Menschen dieser Erde ganz auf den Glauben ohne Schauen angewiesen. Sie vermögen nicht hineinzusehen in die Himmel, und die Stimme Gottes selbst können sie nicht hören. Ich möchte jetzt offen lassen, warum und seit wann das so ist. Fest steht, dass wir Menschen mehr oder weniger blind vertrauen und ohne zu wissen glauben müssen. Gerade das aber ehrt den Höchsten und bringt eine Qualität vertrauensvoller Zuwendung zu Ihm und Seinem Vaterherzen hervor, die den Himmelsbewohnern so nicht möglich ist. Darum ist in diesem Gesetz des Glaubens von Ihm festgelegt, dass ein Mensch allein durch Glauben gerechtfertigt wird ohne Gesetzeswerke (Röm. 3, 28). Selbst Abraham glaubte Gott, und nur das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Er zweifelte nicht durch Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern gab Gott die Ehre und war der vollen Gewißheit, dass Er, was Er verheißen habe, auch zu tun vermöge (Röm. 4, 4.20.21). Kein Engelwesen könnte auf der Basis dieses Gesetzes des Glaubens gerechtfertigt werden. Darum beneiden sie uns und begehren, hineinzusehen in die Dinge, die uns verkündigt worden sind (1. Petr. 1, 12).
So ist das Gesetz des Glaubens die Basis unserer Rechtfertigung und die Glückseligkeit unserer Hoffnung. Dieses Gesetz verliert für uns seine Gültigkeit, sobald wir aus diesem irdischen Leben abgerufen und in die Lichteswelt übergehen dürfen, wo wir dann im Schauen stehen.
Jetzt beginnen wir zu verstehen, warum wir in diesem irdischen Leben auf dem Boden dieses Sondergesetzes durch einen einzigen Glaubensakt Rechtfertigung erfahren. Durch unseren Glauben dürfen wir in wenigen Jahren oder Jahrzehnten Rettung und Heiligung in einem Maße erreichen, wie es später in der Geisteswelt für den, der nicht geglaubt hat, also nicht zu den Erstlingen gehörte, nicht mehr möglich ist. Ein jedes Geschöpf erlebt seine Erlösung und Neuzeugung in der ihm zugewiesenen Heilskörperschaft.
Wir werden also größten Wert darauf legen dürfen und müssen, dass dieses Gesetz des Glaubens keineswegs abgetan ist, sondern weiterbesteht, bis auch der Letzte aus der Erstlingsschar auf dem Boden dieses Sonderrechtes herausgerettet und zum Leibe des Christus hinzugetan ist.
c) Das Gesetz meines Sinnes (Röm. 7, 23)
In diesem Gesetz ist von dem Höchsten festgelegt, dass ich in meinem Sinn oder »Denksinn«, meinem Herzen völlig unabhängig bin und absolut frei entscheiden kann, was ich denken, für wahr halten, ablehnen, tun oder lassen will. Die Achtung des Höchsten auch vor Seinen Geschöpfen hat ihnen die völlige Freiheit ihrer Herzensentwürfe eingeräumt (Spr. 4, 23). Allerdings kommt schon die Antwort der Zunge und das, was zur Ausführung genehmigt wird, von Gott (Spr. 16, 1). Dort steht im 9. Vers: »Das Herz des Menschen erdenkt seinen Weg, aber Jehovah lenkt seine Schritte.« In Spr. 23, 26 fordert der Höchste uns auf: »Gib mir, mein Sohn, dein Herz und laß deine Augen Gefallen haben an meinen Wegen!«
So dürfte es der Inhalt dieses Gesetzes meines Sinnes sein, dass ich in meinem Herzen tun und lassen kann, was ich will, während alles, was zur Ausführung kommt, vom Höchsten genehmigt und in Seinen Gesamtplan eingeordnet wird. Darum prüft Er auch unsere Herzen, welche Ihm allein zugänglich sind, und beurteilt erst dann unsere Taten. Die Engel hingegen beurteilen uns nur nach unseren Taten und schließen daraus auf unser Herz, in welches sie nicht hineinzusehen vermögen. Ohne Zweifel hat also dieses Gesetz ebenfalls noch seine Gültigkeit.
d) Das Gesetz der Sünde und des Todes (Röm. 8, 2)
Wie wir aus mehreren Bibelstellen wissen, kam dieses Gesetz, welches auch das mosaische Gesetz heißt, auf Antrag heiliger Engel zum Beschluß. Ungeachtet dessen trägt es die Unterschrift Gottes, wie wir von den Gesetzestafeln des Berges Horeb wissen. Er hat die Verantwortung dafür übernommen, dass es sein Ziel zwar nicht erreicht, durch den Sohn Gottes seine Forderungen aber erfüllt werden und es dann abgetan wird. Nach Gottes wunderbarer Weisheit ist dieses Gesetz über den Weg des Kreuzes von Golgatha sogar zur Basis Seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden unter Seiner Nachsicht geworden (Röm. 3, 25).
In diesem Gesetz der Sünde und des Todes haben die Engel festgelegt, dass für sie und dieses Gesetz nur zählt, was vor Augen ist. Ein Mensch wird nach diesem Gesetz nur aus seinen Werken gerechtfertigt. So ist das Leistungsprinzip und das Vergeltungsdogma, das Lohn-Strafe-Schema, der eigentliche Stachel dieses Gesetzes. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Wer das ganze Gesetz halten, aber in einem straucheln wird, ist des ganzen Gesetzes schuldig (Jak. 2, 10). Der Tod aber ist letztlich der Sünde Sold, darum trägt es den Namen »Gesetz der Sünde und des Todes«. Dieses Gesetz ist wahrlich abgetan, erfüllt durch Jesus Christus und hinfort für uns nicht mehr »das Urteil des Todes«.
e) Das Gesetz des Mannes (Röm. 7, 2)
In ihm ist festgelegt, dass die Frau unlöslich an den Mann, der zu ihr eingegangen ist, gebunden bleibt, solange er lebt. Erst wenn der Mann gestorben ist, so ist sie losgemacht von dem Gesetz des Mannes (Röm. 7, 2). Dieses Gesetz und seine Abschattung in den Ehen von uns Erdenkindern hat seine tiefe, geheimnisvolle Bedeutung, welche wir aus V. 4 bis 6 dieses gleichen Römerkapitels erfahren. Letztlich legt dieses Gesetz fest, dass wir Erdenkinder, nachdem wir geistlicherweise eine Ehe mit dem Finsternisfürsten eingegangen waren, durch den Leib des Christus getötet und somit frei von dieser Finsternisverbindung werden, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auf erweckten, auf dass wir Gott Frucht brächten (Röm. 7, 6).
Wie weise hat der Höchste bis in die juristischen Details vor den Augen Seiner heiligen Engel alles vorbereitet für einen herrlichen Heilsweg nicht nur der Menschen, sondern auch derer in den Himmeln und unter der Erde.
Auch dieses Gesetz gilt noch. Es stellt die Rechtsgrundlage her für die innigste Gemeinschaft zwischen irgendwelchen Wesen, hohen und niederen, in der klar geordneten Schöpfung Gottes. Die Ehe wird damit zum Abbild innerster Herzensgeheimnisse Gottes und Seiner unergründlichen Liebe.
Mit diesem Gesetz des Mannes bereitet Gott gleichzeitig die Heimkehr Seiner Schöpfung vor durch die Liebesgemeinschaft jedes einzelnen von uns mit dem Sohne. In dieser Gemeinschaft mit dem aus den Toten Auferweckten entsteht neues, göttliches Leben durch Zeugung und wird immer weiter vermehrt. Gleichzeitig aber legt dieses Gesetz fest, dass die Lösung einer früheren Verbindung durch den Tod eines der beiden Partner möglich wird. Nun können wir alle aus der verhängnisvollen, eheähnlichen Verbindung mit Satan frei werden. So ist dieses Gesetz des Mannes ein Teil unserer Freiheit von der Finsternis und unserer Rechtfertigung durch den Glauben und die Inanspruchnahme des Todes Jesu Christi, den wir miterlitten haben.
f) Das Gesetz des Geistes des Lebens in Christo (Röm. 8, 2)
Die beiden letzten Gesetze hat der Höchste wohl erlassen, um das neue Leben in Christus und die Ordnungen der Zeugungsgeschehnisse in Christus juristisch vor Engeln und Menschen festzuschreiben. Es ist uns gesagt, dass wir nicht neugezeugt sind aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes (1. Petr. 1, 23). In diesem Gesetz nun ist sehr wahrscheinlich festgelegt, dass alles, was aus Gott neugezeugt ist, die Welt überwindet, weil der, welcher in uns ist, größer ist als der, welcher in der Welt ist (1. Joh. 5, 4 und 4, 4).
So kam der Geist des Lebens aus Christus als unverweslicher Same bei dieser Neuzeugung durch das Wort Gottes in mich und hat mich freigemacht von aller Sünde, hat mich Teilhaber Seiner göttlichen Natur werden lassen (2. Petr. 1, 4) und zur Familie Gottes als Sohn oder Tochter hinzugetan, damit ich wachstümlich umgestaltet werde in das Ebenbild Seines geliebten Sohnes. Das ist die herrliche Aussage dieses Gesetzes des Geistes des Lebens in Christo, und es bedarf keiner Frage, dass es weiter existiert und auch heute noch die Grundlage unserer geistlichen Existenz ist.
g) Das Gesetz des Christus (Gal. 6, 2)
In diesem Gesetz wurden die Ordnungen des Leibes des Christus, so dürfen wir annehmen, schon vor Grundlegung der Welt festgelegt, und nach diesen Ordnungen werden Du und ich eingebaut als lebendige Steine, als lebende Zellen, in ein bestimmtes Organ dieses Herrlichkeitsleibes. Wenn schon unser eigener Leib durch nahezu unergründliche Baupläne aufs herrlichste bereitet ist und Tausende von Einzelprozessen und Funktionen programmiert sind in den DNS-Molekülen unserer Gene, wieviel mehr sind die Ordnungen des Leibes des Christus von dem Höchsten selbst erdacht, zum Vorsatz Seines Herzens und schließlich zum Gesetz des Christus geworden. Keine Frage, dass dieses Gesetz unverändert existiert, lebt und geheimnisvoller Bauplan bleibt, bis nach 1. Kor. 15, 28 der Sohn und in Ihm das ganze All zurückkehrt in Gott, auf dass Gott wieder alles in allem sei.
So komme ich zu meinem 8. und letzten Punkt:
8. Gültigkeit der einzelnen Schriftteile für die Leibesgemeinde
Wir sehen, dass von diesen sieben Gesetzen nur eines abgetan ist, nämlich das zuletzt entstandene mosaische Gesetz; es wurde erst 430 Jahre nach Abraham durch den Engel auf dem Berge Horeb gegeben. Alle übrigen bleiben weiterhin in uneingeschränkter Gültigkeit für uns und alle Himmlischen sowie Unterirdischen. Diese geltenden Ordnungen sind die stillen Richtlinien unseres Denkens, Hoffens, Glaubens und Wachsens bis hin zur Zielerreichung. Mir scheint, wir müssen uns bei dem Begriff »Gesetz« von überkommenen, gewohnten Vorstellungen trennen, sobald wir nicht mehr von dem mosaischen Gesetz, das ja abgetan ist, sprechen, sondern von den übrigen, noch geltenden »Ordnungen Gottes«. Auch wenn in den meisten Übersetzungen vom Gesetz des Glaubens, Gesetz Gottes, Gesetz meines Sinnes, Gesetz des Mannes oder Gesetz des Christus die Rede ist, sind damit heilige Ordnungen, die ein Geschenk sind, gemeint. Gesetze muß man durch eigene Leistung erfüllen. Heilige Gottesordnungen aber werden durch das Gegenteil von Leistung, durch Hingabe ausgelebt. Werden Gesetze infolge Minderleistung nicht voll erfüllt, tritt automatisch das Vergeltungsdogma, die Strafe, in Kraft. Wird eine heilige Ordnung Gottes mangels restloser Hingabe nicht voll ausgelebt, kommt es nie zur Strafe, sondern zur Minderung bzw. Abwesenheit von Liebe, Freude und Friede und damit zur verzehrenden Sehnsucht nach der Nähe Gottes und dem glücklichen Geborgensein in Seinen heiligen Ordnungen.
So sind auch die Glieder der Leibesgemeinde wahrlich nicht gesetzlos, sondern nach Pauli eigenen Worten Christus gesetzmäßig unterworfen (1. Kor. 9, 21). Er weist in 2. Tim. 2, 5 darauf hin, dass, wenn auch jemand kämpft, er doch nicht gekrönt wird, er habe denn gesetzmäßig (ordnungsgemäß) gekämpft. Gesetzlos und damit abtrünnig und in Rebellion gegen alle die vorgenannten Gesetze sind nur Satan und die ihm anhängenden Engelscharen sowie die durch ihn verführte und infolge eheähnlicher Beziehungen mit ihm geknechtete Menschheit dieser Erde. Aus ihr sind darum die Erstlinge der Erlösung genommen, und Jesu Kreuz stand nicht in den Himmeln, sondern auf dieser Erde.
Sie werden verstehen, dass dieses Ergebnis meiner Prüfung des Wortes Gottes mich zunächst höchst erstaunte. Fast war ich ein wenig erschrocken, dass es noch so viele klare Ordnungen und Weisungen Gottes und der Himmel gibt, welche für mich gültig sind, und dass mein Gehorsam und meine Ganzhingabe unverändert gefordert sind vor den himmlischen Zuschauern auf der Bühne dieser Erde. Ruhm und Ehre des Höchsten, der mein geliebter Vater geworden ist, steht auf dem Spiel in meiner Treue oder Untreue, in meinem Vertrauen oder Mißtrauen, in meinem Klagen oder Danken allezeit und für alles. Laßt uns allen Fleiß anwenden, dem Willen Gottes zu entsprechen, wie er in diesen Gesetzen und Ordnungen zum Ausdruck kommt! Wenn wir auch längst durch das Kreuz erlöst und gerecht gemacht worden sind, so gilt es doch, in allen Stücken eins zu werden mit dem Willen und den Zielsetzungen unseres Vatergottes. Dies aber bedeutet, dass alle diese Ordnungen und noch gültigen Gesetze unseres Gottes selbstverständlicher Teil unseres Wesens und Seins werden. Das ist der Weg der Heiligung, den wir nicht ernst genug nehmen können.
Soweit andere als die paulinischen Schriften, auch das Alte Testament, von diesen uneingeschränkt gültigen Gesetzen und Ordnungen Gottes sprechen, sind sie für mich nicht unwichtig, sondern aufschlußreich und in diesen Stücken verbindlich. Dabei ist wichtig zu erkennen, dass der Inhalt dieser göttlichen Ordnungen in der Bibel nicht in klarer, sprachlich geschlossener Formulierung oder gar in leicht verständlichen Paragraphen enthalten ist, wie das der Fall ist in dem von den Engeln gegebenen mosaischen Gesetz, in der Thora, etwa in den zehn Geboten. Jene himmlischen Ordnungen sind in nahezu allen übrigen Büchern des Wortes Gottes verteilt, mitunter sinngemäß unterlegt oder in Einzelaussagen enthalten, die wir aufsuchen und zusammenziehen müssen. Vieles finden wir in den Psalmen, in den Sprüchen, bei Hiob, den Propheten und natürlich auch in den Evangelien.
Der Geist Gottes und der uns gegebene Denksinn Christi Jesu befähigen uns, diese geheimnishaften und doch dem geistlichen Auge klar offenbarten Ordnungen Gottes und Christi Jesu zu erkennen und im völligen Gehorsam auch zu beachten. Tun wir das nicht, halten wir uns als Gläubige für Menschen »ohne Gesetz«, also »gesetzlos«, so sind wir zwar durch Golgatha erlöst, also freigekauft von dem Bösen, und bleiben wohl ein Eigentum Jesu Christi, aber wir sind nicht geheilt; Luther übersetzt »gerettet«. Das heißt, unsere Seele steht noch unter dem Diktat des »alten Menschen«, unserem »alten Ich« (mit oder ohne grobe Tatsünden), und der Herr kann uns so für Seine Heilsaufgaben im Kosmos nicht gebrauchen. Dann wird vor Seinem Preisrichterstuhl das meiste an uns verbrennen, und wir sind nur gerettet wie ein Brandscheit aus dem Feuer (1. Kor. 3, 14.15). Laßt uns daher alle Seine göttlichen Liebesordnungen erkennen, bedenken und beachten. Ich kann nicht etwas herausbrechen aus der Gesamtheit des Gotteswortes und behaupten, das andere gilt uns nicht. Dabei bleibt bestehen, dass das Evangelium unseres erhöhten Herrn, wie es dem Apostel Paulus aufgetragen wurde, die wichtigste Botschaft unseres Vatergottes für uns als Glieder am Leibe Seines Sohnes bleibt.
Möge Gott uns schenken, dass wir den weiten Blick über Seine ganze Heilsgeschichte und über alle Seine Willensäußerungen, Herzensvorsätze und Ratschlüsse, Gesetze und Ordnungen nie verlieren, denn der Geist Gottes führt hinein in alle Tiefen der Gottheit, und der Geistliche beurteilt alles, er selbst aber wird von niemand beurteilt (1. Kor. 2, 15). Anbetung diesem herrlichen Gott aller Götter und Seinem Sohne JESUS CHRISTUS. Amen.
(Quelle: Mir unbekannt)
— Herzlichen Dank an Wolfgang Gassler für die Bereitstellung dieses Textes! —


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