Die Selbstrechtfertigung Gottes in der Heilsgeschichte
Autor: Layer, Karl | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Heilsgeschichte | 630 x gelesenIch gebe gerne zu, dass dies ein eigenartiges Thema ist. Es weckt sofort viele Fragen, von denen manche geradezu zum Protest werden können: »Hat denn Gott eine Selbstrechtfertigung nötig? Ist es nicht anmaßend, wenn das Geschöpf den Schöpfer mit der Warumfrage bis zum Letzten herausfordert? Fährt uns da nicht der Apostel Paulus in die Parade: Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst?« (Röm. 9, 20). Nun — wir haben nicht vor, Gott zur Rechenschaft zu ziehen. Aber das Ganze bekommt doch eine neue Sicht, wenn sich Gott selbst einem Rechtsprozess stellt. Er tut dies in der Tat!
Der Prophet Jesaja z. B. bringt seine Botschaft vom geschichtsmächtigen Gott in Form von Gerichtsverhandlungen, die in mehreren Prozessen ablaufen (Kapitel 41-44).
Der Apostel Paulus zitiert im Römerbrief ein Wort aus Ps. 51, 6, das das Rechten mit Gott zum Inhalt hat: »Damit Du Recht behältst in Deinen Worten und siegst, wenn man mit Dir rechtet« (Röm. 3, 4).
Der Begriff »Selbstrechtfertigung Gottes« ist also berechtigt. Er ist keine Erfindung von mir. Ich habe ihn bei Erich Sauer in seinem Buch »Das Morgenrot der Welterlösung« gefunden: »Damit (mit Seinem Heilsplan) steht Gott vor Seiner ganzen Schöpfung im Himmel und auf Erden als gerechtfertigt da, dass Er gerade diesen Heilsweg bestimmte. Die Heilsgeschichte wird somit zu einer geschichtlichen Selbstrechtfertigung Gottes« (Fußnote: zu einer »historischen Theodizee«). Die Theodizee ist die Frage nach der Rechtfertigung Gottes: Wie lässt sich angesichts des Bösen in der Welt an die Güte und Allmacht Gottes glauben? Wir sind also mit unserem Thema durchaus am Lebensnerv unseres Christseins. Dabei geht es um zwei zentrale biblische Begriffe. Es sind dies »Sünde« und »Gnade«. Bei beiden beweist Gott, dass »Er Recht hat«. Er tut dies um uns Menschen willen, die wir gerade an diesen zwei Stellen unsere Einwände haben: Sünde wird entweder geleugnet, verharmlost oder als selbst zu reparierendes Delikt angesehen, und Gnade wird als nicht zumutbare Sklavenmoral abgelehnt. Es sind dies zwei entscheidende Kristallisationspunkte im Erlösungsplan Gottes. Deshalb ist Ihm der selbstrechtfertigende Nachweis ein Anliegen: Wir Menschen sollen von der Richtigkeit und Notwendigkeit gerade dieses Erlösungsweges überzeugt werden.
Wie geschieht nun die Selbstrechtfertigung Gottes?
1. Gott beweist das Böse im Menschen
Er macht dies, weil Sein Richterspruch nach dem Sündenfall lautet: »Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf« (1. Mose 8, 21). Das ist Gottes unumstößliche Diagnose. Dass Er bereits in Verbindung mit diesem Richterspruch Seine Therapie ankündigt — dem Menschen nämlich eine »Gnadenbehandlung« zuteil werden zu lassen — ist eine großartige Erkenntnis: »Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um des Menschen willen.«
Dass wir Menschen gegen Gottes Diagnose ständig Sturm laufen, ist leider eine Tatsache. Der Mensch sei im Kern gut, wird behauptet. Es seien nur die schlechten Verhältnisse, die ihn schlecht machen. Das ist einer der zählebigsten Irrtümer. Die Religionen in ihren verschiedensten Ausprägungen sind letztlich nichts anderes als der Versuch, eine Selbsterlösung aufgrund dieses gefährlichen Selbstbetrugs zu bewerkstelligen. Wenn aber die Voraussetzung nicht stimmt, kann das Ergebnis auch nicht stimmen. So wird das Angebot der Religionen zum Irrweg, weil am Anfang ein Irrtum steht. Der Apostel Johannes bringt es lapidar auf den Punkt: »Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir Ihn (Gott) zum Lügner« (1. Joh. 1, 10).
Gott weist nach, dass Seine Diagnose stimmt und Er eben kein Lügner ist! Wie macht Er das? Wir wollen jetzt die verschiedenen Epochen (Haushaltungen) in Seinem Heilsplan ins Auge fassen.
1.1 Gibt Gott dem Menschen eine Zeit, in der er selbst bestimmen darf, so endet diese in maßloser Zügellosigkeit. Dies ist der Zeitabschnitt von Adam (nach seinem Sündenfall) bis Noah. Es ist die Zeit der Freiheitsprobe für den Menschen. An den Gestalten Kain und Lamech lässt sich deutlich eine Steigerung des Bösen ablesen. Diese Zeit beginnt mit einer Mordtat (Kain erschlägt Abel) und endet mit einem Mordlied (1. Mose 4, 23.24). Das Böse im Menschen hat ein solch schreckliches Ausmaß angenommen, dass Gottes Antwort darauf das Flutgericht (Sintflut) wurde. Noah aber fand Gnade(!) vor dem Herrn (1. Mose 6, 8). Das ist bereits an dieser Stelle ein Hinweis darauf, dass Gottes Gerichte nie »total« sind. Gott macht mit Seiner Heils(!)-geschichte weiter.
1.2 Gibt Gott dem Menschen eine Zeit, in der er unter einer gewissen obrigkeitlichen Ordnung lebt, so endet diese in diktatorischer Unterdrückung. Das Ergebnis ist der trotzige Turmbau zu Babel und die Gestalt, in der das Böse sich typisch verdichtet, ist Nimrod. Er war der erste, der Macht gewann auf Erden (1. Mose 10, 8). Sein Reich wurde zur »großen Stadt« (1. Mose 10, 12) — ein alarmierendes Vorauszeichen für das Endgeschehen (Offenbarung 17, 18 u.a.). Die Gerichtsantwort Gottes auf diese Zeit (von Noah bis zum Turmbau, 1. Mose 9-11) ist die Sprachenverwirrung. Aber wieder macht Gott mit Seinem Heilsplan weiter. Er ruft eine Einzelperson in seinen Dienst: Abraham.
1.3 Auch dieser Zeitabschnitt — von Abraham bis Mose — der unter der Verheißung Gottes steht (Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein, 1. Mose 12, 2), endet — menschlich gesprochen — mit einem Fiasko. Die positive Antwort des Menschen auf Gottes Verheißungen ist der Glaube. Gott will, dass man Ihn in dem, was Er verspricht, ernst nimmt. Dies ist an dem Vater des Glaubens und aller Gläubigen, Abraham, abzulesen. Doch verläuft die Entwicklung in den folgenden Generationen negativ. Israels Knechtschaft in Ägypten ist der traurige Tiefpunkt: Gottes Gerichtsantwort auf den Unglauben des Volkes. Auch nach der Erlösungstat Gottes an diesem Volk bleiben Abfall und Unglaube eine ständige Bedrohung, was das 10-malige Murren des Volkes während seiner Wüstenwanderung zeigt. An Israel wird beispielhaft deutlich, dass das Herz des Menschen stets den Irrweg will (Ps. 95, 10). Nun kommt es zu einem weiteren Rechtfertigungsnachweis Gottes.
1.4 Gott gibt dem Menschen Sein Gerechtigkeitsmaß, Sein Gesetz: Israel bekommt die Thora am Sinai. Das ist eine Maßnahme Gottes, die Israel aus allen andern Völkern heraushebt. Es ist sozusagen eine Investition, die Gott vornimmt, um Sein Volk zu einem »Demonstrationsobjekt« zumachen. Es ist die Zeit von Mose bis Christus, der bekanntlich des Gesetzes Ende oder Ziel ist. Diese Zeit lässt sich in zwei Abschnitte gliedern: Vor der babylonischen Gefangenschaft, die Israel als Gottes Gerichtsantwort erleben musste, war die ständige Versuchung der Abfall zum Götzendienst. Wir könnten sagen: Die Antwort des Menschen auf Gottes Gerechtigkeit war seine Ungerechtigkeit. Israel hat seinem Gott immer wieder den Rücken zugekehrt und sich andern Göttern zugewandt. Davon wurde Israel in der babylonischen Gefangenschaft Weltgehendst geheilt. Aber nun hat sich nach der Rückkehr ins Land der Väter eine neue Fehlantwort herausgebildet: die Selbstgerechtigkeit. Im Pharisäer hat diese eine typische Negativausprägung gefunden. Ich weiß, dass dies grob vereinfacht. Es gab gewiss auch ehrliche Fromme, die mit dem Einhalten des Gesetzes Gott suchten. Aber Jesu Heuchlerrede über die Pharisäer (Matth. 23) spricht doch für sich. Auf jeden Fall hat Israel aufgrund seines Gesetzes seinen Messias kreuzigen lassen: »Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss Er sterben« (Joh. 19, 7). Die Gerichtsantwort Gottes auf dieses bittere Geschehen, dass Israel seinen Messias nicht erkannt und abgelehnt hat, ist die Zerstreuung des Volkes unter alle Völker. Gott ist aber in unsern Tagen dabei, dieses Schicksal des Volkes Israel zu wenden! Dies sollte alle Christen wachrütteln! Es ist besonders Kapitel 11 im Römerbrief, das deutlich macht, dass Gottes Heilsangebot nicht ans Ende gekommen war. Es beginnt ein neuer Heilsabschnitt in Gottes Plan.
1.5 Jetzt gibt Gott der ganzen Welt Seinen Christus als Heilsangebot: Israels Versagen wurde zum Reichtum für die Welt (Röm. 11, 12). Dies ist der Zeitabschnitt der Evangeliumsverkündigung, der »Tag des Heils« (2. Kor. 6, 2). Die Bibel lässt uns darüber nicht im Zweifel, dass auch dieser Abschnitt (leider!) negativ endet. Es kommt zu keiner christianisierten Welt, wie dies manche meinen. Es kommt zu einer Herausrufung der Gemeinde, die als Leib des Christus zu jetzigen und zukünftigen Heilsdiensten gebildet wird. Aber aufs Ganze gesehen wird die heutige Menschheit dem Antichristus verfallen, der seinen Thron bereits jetzt schon kräftig baut. Das Ende wird Gottes Gericht über die antichristlich gewordene Welt sein. Christus wird wiederkommen und Sein Reich aufrichten. (Ich will hier nicht ins Einzelne gehen. Es soll ja lediglich der Negativnachweis erbracht werden.) Mit der Wiederkunft Christi kommt es zu einem neuen Heilsabschnitt in Gottes Plan.
1.6 Gott gibt der Welt Seinen König — den König aller Könige, der im dann gekommenen Reich Gottes — auch 1000-jähriges Reich genannt — Seine Segensherrschaft ausübt. Die ganze Welt wird jetzt endlich(!) erfahren, was es bedeutet, wenn Gottes Wille wie im Himmel so auch auf Erden geschieht. Frieden und Sicherheit werden sich ausbreiten bei allen Völkern, die sich der Gottesherrschaft unterordnen. Es kommt zu einem Wohlstand sondergleichen. Die Weltprobleme finden ihre Lösung. In keinem der bisherigen sogenannten Weltreiche hat es solch glanzvolle Verhältnisse gegeben. Und dennoch: Offb. 20, 7-10 schildert das eigenartige Ende dieser Zeit. Satan kann noch einmal — ein letztes Mal — die Menschheit verführen und — gewinnt! Das ist überraschend und erschütternd zugleich! Mit diesem Ergebnis hat Gott jetzt endgültig den Nachweis erbracht, dass die besten Verhältnisse den Menschen nicht ändern. Er ist und bleibt unter der Macht der Sünde dem Bösen verschrieben. Gottes Antwort darauf ist Weltuntergang, Weltverwandlung, neuer Himmel und neue Erde.
Nach diesem Beweisgang wenden wir uns in einem zweiten Abschnitt dem Thema »Gnade« zu. Die Heilsgeschichte Gottes — übrigens eingebettet in die Weltgeschichte — hat bisher (und tut es immer noch) nachgewiesen, dass die Sünde = Trennung von Gott, die Grundursache für alles Böse in der Welt ist. Ich frage jetzt sehr menschlich: Wie wird Gott damit fertig?
2. Gott beweist, dass Er mit der »Gnadenbehandlung« des Menschen Recht hat
Gottes Entschluss nach dem Sintflutgericht — wir stellten dies bereits fest —, den Menschen künftig »gnädig« zu behandeln, hat als eigenartige Begründung das Böse im Menschen: »… denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf …« Weil unser Gott ein Rettergott ist, will Er aber nicht den Tod des Sünders. Der Mensch soll nicht Sklave des Bösen bleiben. Gott entwirft einen Rettungsplan, wobei Er verschiedene Gnadenmethoden einsetzt. Wir wollen einige ins Auge fassen.
2.1 Gott wählt aus. Der Erwählungsgedanke ist bei Gott ein durchgehendes Gnadenprinzip. Wir können dies bereits bei Adam feststellen. Noah macht die Fortsetzung, ebenso Abraham, das Volk Israel und schließlich die Gemeinde aus allen Völkern. Dabei zeigt gerade die Tatsache, dass Gott bevorzugt das Kleine, Schwache und Geringe erwählt, Seine barmherzige Zuwendung. Das ist Gnade. Der Grund ist, »damit sich vor Ihm kein Fleisch rühme« (1. Kor. 1, 29).
2.2 Gott erlöst. Gerade die beiden Zeitabschnitte der Freiheitsprobe (1.1) und der obrigkeitlichen Ordnung (1.2) haben gezeigt, dass Sünde Knechtschaft bedeutet. Es ist nichts mit der angeblichen Autonomie des Menschen. Das ist bis heute so geblieben, auch wenn man noch so lautstark Selbstfindung und Selbstverwirklichung dazu sagt. »Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht« (Joh. 8, 34). Aus einer Knechtschaft muss man befreit werden. »Nur wen der Sohn freimacht, der ist recht frei« (Joh. 8, 36). Deshalb ist die Erlösung durch den Erlöser Jesus Christus ein Freikauf. Will der Mensch frei werden, muss er das Gnadenangebot Gottes, das in der Erlösungstat Jesu Christi vorliegt, annehmen. Er muss das »Es ist vollbracht« am Kreuz als für ihn geschehen gelten lassen. Gott hat Recht, wenn Er so handelt; denn ein ohnmächtig Gefangener braucht Hilfe von außen. Er kann sich nicht selbst befreien. Alle Versuche der Selbsterlösung, auch wenn sie im edlen Gewand der Hochreligionen daherkommen, sind deshalb eine Illusion.
2.3 Gott versöhnt. Sündigen bedeutet auch Schuldigwerden. Der Zeitabschnitt unter dem Gesetz macht dies besonders deutlich; denn: »Wo kein Gebot ist, gibt es auch keine Übertretung« (Röm. 4, 15). »Durchs Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde« (Röm. 3, 20). Gerade der Apostel Paulus, der »im Gesetz unsträflich war« (Phil. 3, 6), zeigt uns die Wirkung und Bedeutung der »Gesetzeszeit« auf. Römerbrief und Galaterbrief sind hierfür ein besonderes Zeugnis. Aber eben auch dafür, dass durch Christus Versöhnung geschehen ist. Der Apostel wird nicht müde zu betonen, dass »ohne Zutun des Gesetzes« der Mensch vor Gott gerecht werden kann. Es ist die geschenkte Gerechtigkeit, die er herausstellt. Eine Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, kann keine selbst erworbene sein. Wie kann ein mittelloser und total schuldig Gewordener Schuld abtragen? Gott hat deshalb Recht, wenn Er die Versöhnung des Menschen vornimmt, ohne ihn aktiv dabei einzuschalten. Christus ist die Versöhnung für unsere Sünden und für die der ganzen Welt (1. Joh. 2, 2) geworden. Das Schuldigwerden und das Erfahren der Versöhnung wurde in Israel jedes Jahr am großen Versöhnungstag (Yom Kippur) dargestellt, auch vorausdargestellt — bis auf Christus hin. Wenn ein Mensch mit Gott in Ordnung kommen will, geht es deshalb niemals ohne die vollbrachte Versöhnungstat Christi. Auch wenn dies uns Menschen nicht gefällt: Wir müssen uns diese »Gnadenbehandlung« Gottes gefallen lassen! Wie anders wollen wir denn Schuld los werden als durch das Vergebungsangebot Gottes, das Er aufgrund der vollbrachten Sühnetat berechtigterweise machen kann? So erweist sich Gnade als Versöhnung und Versöhnung wird als Vergebung erfahren. Noch ist aber Gott mit Seiner Gnade nicht am Ende!
2.4 Gott erneuert. Schon im Zeitalter des Gesetzes ist deutlich geworden, dass es »ins Herz« geschrieben werden muss. Der Außenantrieb per Anordnung und pflichtgemäßer Ausführung ist nicht Gottes Ziel. Es muss zu einem Innenantrieb kommen, den Gott durch Seinen Geist bewirkt. So wird die Wiedergeburt des Menschen als wesensmäßige Erneuerung angekündigt und mit der Ausgießung des Heiligen Geistes als Möglichkeit auch angeboten. Weil die Sünde den Menschen nicht nur mit ein paar Schönheitsfehlern versehen hat — die man evtl. auch selbst beheben könnte —, sondern zu einer wesensmäßigen Grundverdorbenheit geführt hat (siehe Röm. 7), ist die »neue Kreatur« geradezu notwendig. Gott handelt somit nur konsequent, wenn Er Sein Rettungsziel erreichen will. Was heute die Gemeinde Jesu Christi erlebt, die als erwählte Schar der Wiedergeborenen dem Erstgeborenen (Röm. 8, 29; Kol. 1, 18) als Sein Leib gegeben wird, wird auch Israel erleben, wenn es an einem Tag seine Wiedergeburt erfährt (Jes. 66, 8). Schließlich wird die ganze Schöpfung ihre Erneuerung bekommen, wenn Gott den letzten Nachweis der totalen Verdorbenheit des Menschen erbracht hat.
Schluss: Wir haben gleichsam in einem Schnellverfahren Heilsgeschichte Gottes unter dem Gesichtspunkt Seiner Selbstrechtfertigung betrachtet. Am Anfang stand auch die Warumfrage: »Warum macht Gott dies so?« Vielleicht fragen auch manche: »… so kompliziert?« Ich kann darauf nur antworten mit dem Hinweis auf Gottes Wesen: »Gott ist Liebe.« Weil Gott so ist, darum macht Er dies so! Er will sich in all den Maßnahmen und Vorgehensweisen offenbaren als der gnädige und barmherzige Gott. Er lässt dem Menschen Zeit, zu zeigen was er kann, besser: nicht kann! Er lässt dem Bösen Zeit zur Ausreife. Er lässt dem Urheber des Bösen — Satan — Zeit, an seiner Rebellion gegen Gott schließlich zu scheitern. Ist dies kompliziert, wenn Gott Zeit lässt und gibt? Alle Seine Geschöpfe sollen Ihn kennen lernen, wer und wie Er ist, um das Lob Seiner Gnade darbringen zu können. Sie sollen innerlich überwunden Gott freiwillig anbeten. Darum macht es Gott so! Darum auch der lange Prozessweg Seiner Selbstrechtfertigung. Er wirbt um uns, doch endlich Seine Gnade zu begreifen und anzunehmen. Der Apostel Paulus hat Recht, wenn er dies so zusammenfasst: »Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade noch viel mächtiger geworden« (Röm. 5, 20).
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 01/2002; Paulus-Verlag; Heilbronn)


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