Das neue Jerusalem
Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Das prophetische Wort, Endzeit, Heilsgeschichte | 2,794 x gelesenJerusalem ist von jeher die erwählte Gottesstadt gewesen. Schon Melchisedek der König von Salem, wie die Stadt früher hieß, spielt in der heiligen Geschichte eine bedeutende Rolle, Abraham gab diesem König den Zehnten seiner Kriegsbeute und wurde von ihm gesegnet, denn Melchisedek war auch ein Priester und zwar des EI-Elyon d.h. des höchsten Gottes (1. Mose 14, 18-22; Hebr. 7, 1f). Hier finden wir also noch eine Spur von dem ursprünglichen unverfälschten Gottesdienst, den Abraham feierlich anerkannt. Salem oder Jerusalem (= Gründung des Friedens) ist von Urbeginn an eine Offenbarungsstätte des reinen Gottesdienstes. Durch David, der diese Stadt später von den Jebusitern eroberte, ist sie zur Hauptstadt seines Königreiche gemacht worden (2. Sam. 5, 6-9). Der Zionshügel wurde zur Königsburg und der Hügel Morija zur Stätte des Heiligtums (Psalm 76, 2).
Zion Jerusalem wurde somit der Mittelpunkt der Theokratie (Gottesherrschaft) und die Stätte der Offenbarung Gottes für die ganze Welt. Durch die Gerichte Gottes ist Jerusalem mit seinem Tempel verschiedene Male zerstört, aber danach immer wieder aufgebaut worden. Das messianische Heil der Endzeit ist untrennbar verbunden mit Jerusalem. Das alte Jerusalem muss jedoch erst untergehen, damit ein ganz neues Jerusalem entstehen kann. Eine geradlinige Entwicklung vom Status quo aus, wie die falschen Propheten lehrten, indem sie die Unantastbarkeit das alten Jerusalem als Hauptdogma verkündigten, kennt die wahre Prophetie nicht. Es gibt kein Heil ohne Gericht. Das Jerusalem der Endzeit, als Zentrum der Gottesherrschaft auf Erden, ist deshalb ein ganz und gar Neues, nachdem das alte in den endgeschichtlichen Gottesgerichten völlig beseitigt sein wird. “Aber am Ende der Tage wird es geschehen, da wird der Berg des Hauses Jehovas gestellt sein zum Haupt der Berge und erhaben über die Hügel. Und zu ihm werden Völker strömen und Heiden in Menge ziehen und sprechen: Auf lasst uns auf den Berg Jehovas hinaufziehen und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns belehre aus seinen Wegen, und wir wandeln in seinen Pfaden” (Micha 4, 1-2). Die universale Bedeutung des neuen Jerusalems liegt darin, dass von hier das messianische Heil für die ganze Völkerwelt ausgehen soll. “Denn von Zion wird Weisung ausgehen und Jehovas Wort von Jerusalem, und er wird Richter sein zwischen vielen Nationen und Bescheid sprechen gewaltigen Völkern weithin“ (Micha 4, 2.3). Zu diesem Zweck muss also ein ganz neues Jerusalem gebaut werden, wie es in Micha 7, 11 heißt: “Ein Tag zu bauen deine Mauern, ist jener Tag. Entfernt ist die Schranke an jenem Tage”. Mit jenem Tage ist der Tag Jehovas gemeint. Keine Schranke soll dann mehr die gottsuchenden Heiden vom Heiligtum trennen.
Der Prophet Jesaja entwirft ein ausführliches Bild von dem neuen Jerusalem in der messianischen Heilszeit (Jes. 2, 2.3; vgl. Micha 4, 1.2). — “Du Elende, Sturmbewegte, Ungetröstete, siehe, ich will deine Grundfesten mit Rubinen legen und will dich gründen mit Saphiren. Und deine Zinnen will ich aus Jaspis machen und deine Tore aus Karfunkeln und deine Grenzeinfassung aus Edelsteinen“ (Jes. 54, 11.12). Es ist schwer festzustellen, wie weit der reale Hintergrund dieser offenbar symbolischen Schilderung der Herrlichkeit des künftigen Jerusalem geht, d. h. wie weit das neue Jerusalem eine dem inneren Wesen entsprechende äußere Herrlichkeit haben wird. Bei aller notwendigen Betonung des prophetischen Realismus dürfen wir doch nicht außer Acht lassen, dass die Möglichkeit symbolischer Schilderung gegeben ist, wo der Zusammenhang des Textes es erfordert, und das scheint hier der Fall zu sein. Denn in dem folgenden Vers heißt es: “Und all deine Kinder sind gelehrt von Jehova und groß ist das Heil deiner Kinder” (V. 13). Das Fundament der inneren Herrlichkeit ist die vollkommene Gotteserkenntnis (vgl. Jer. 31, 34; Joh. 6, 45; Hebr. 8, 11), aus der das große Heil für alle fließt. Äußeres und rein Geistiges wird hier unmittelbar nebeneinander gestellt, also unterschieden. Wir dürfen nicht alles einfach vergeistigen, aber auf der anderen Seite auch nicht sinnlos materialisieren. Dass die innere Herrlichkeit des neuen Jerusalem auch im Äußeren ihren entsprechenden Ausdruck finden wird, das dürfen wir ohne weiteres als feststehend annehmen. Aber es wäre verfehlt, aus dieser symbolischen Schilderung Schlüsse ziehen zu wollen auf das wirkliche Baumaterial, als ob dieses aus lauter Edelsteinen bestehen würde. Dann wäre diese Schilderung im Widerspruch mit derjenigen von Offenbarung (21, 11-21) wo zum Teil andere Arten von Edelsteinen genannt werden.
Die verschiedenen Edelsteine sollen hinweisen auf die große Lichtsherrlichkeit, die mannigfaltige Strahlenbrechung der Herrlichkeit Gottes, die vom neuen Jerusalem als Heilsoffenbarung ausstrahlen und als Lebensherrlichkeit das innere Wesen versinnbildlichen soll. Derartige symbolische Schilderungen finden wir vielfach in der Schrift: “Und die Völker werden hinwallen zu deinem Licht und Könige zu dem Glanze, der über dir aufstrahlt” (Jes. 60, 3). Hier ist sicher nicht das materielle Licht gemeint, sondern das von Jerusalem ausgehende Licht des Heils und der Wahrheit des göttlichen Wortes (vgl. Jes. 2, 3). Die neue Schöpfung des messianischen Heils wird mit Licht beginnen, mit einer neuen Offenbarung der Lichtnatur Gottes: “Auf, werde Licht, denn dein Licht ist erschienen, und die Herrlichkeit Jehovas ist über dir aufgestrahlt. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und tiefes Dunkel die Völker; doch über dir wird Jehova aufstrahlen, und seine Herrlichkeit wird über dir erscheinen” (Jes. 60, 1.2).
Dieser helle Lichtglanz des neuen Jerusalem ist die Gerechtigkeit, die ihr von Gott aus Gnaden geschenkt wird (vgl. Jes. 61, 10). “Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht ruhen, bis wie Lichtglanz ihre Gerechtigkeit hervorbreche und ihr Heil wie eine brennende Fackel” (Jes. 62, 1). Das Heil Israels ist der großartige Anschauungsunterricht für die Welt. Jerusalem wird wie eine Fackel in die Finsternis der Völker hineinleuchten, “und die Völker werden deine Gerechtigkeit sehen und alle Könige deine Herrlichkeit, und man wird dich nennen mit einem neuen Namen, den der Mund Jehovas bestimmen wird” (Jes. 62, 2). Dieser neue Name ist vorläufig noch ein Geheimnis. Kein Mensch kann ihn erfinden und bestimmen, aber Gott wird ihn zur gegebenen Zeit offenbaren (vgl. Offenbarung 3, 12). “Und du wirst eine prächtige Krone in der Hand Jehovas sein und ein königliches Diadem in der Hand deines Gottes” (Jes. 62, 2). Diese Worte zeigen die hohe Ehrenstellung und Wertschätzung Jerusalems in den Augen Jehovas an. Von dem neuen Jerusalem soll die Neuschöpfung des Himmels und der Erde ausgehen.
Jesaja schildert in seinen beiden letzten Kapiteln (65 und 66) den verklärten Heilszustand, der vom neuen Jerusalem sich ausbreitet. “Denn fürwahr, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, und an das Frühere wird man nicht mehr denken, noch wird es jemandem mehr in den Sinn kommen“ (Jes. 65, 17). Es ist zu beachten, dass diese Neuschöpfung von Himmel und Erde nur als Mittel zum Zweck aufzufassen ist. Es ist noch nicht der Endzustand der Vollendung, sondern der verklärte Heilazustand, der zur Vollendung führen soll, ein neues Paradies als Kinderstube einer neuen Menschheit (vgl. Offb. 22, 2). Die Anschauung im Zusammenhang der beiden letzten Kapitel von Jesaja ist die, dass hier die Zustände im messianischen Heilsreich geschildert werden, wie sie wachstümlich sich entwickeln, bis dass Himmel und Erde völlig neu geworden sein werden. Wie diese Neuschöpfung im einzelnen vor sich gehen wird, wird in Jesaja bereits angedeutet (Kap. 46, 1f.), aber noch nicht weiter ausgeführt.
Der Feuerprozeß der Umschmelzung, der in 2. Petrus 3, 10-13 und Offenbarung 20, 11 bis 21, 1 beschrieben wird, die große Weltkatastrophe ist ein Teil dieses großen Neuschöpfungswerkes, das die ganze Dauer des Tages des Herrn umspannt und dem der Tag Gottes folgt (2. Petr. 3, 12). Es ist durch nichts angedeutet, dass in diesem Feuergericht das neue Jerusalem auch wieder untergehen soll. Eine innere Notwendigkeit liegt jedenfalls nicht vor. Im Gegenteil, wenn am Ende der tausend Jahre nach Loslassung Satans aus seinem Gefängnis die Nationen der Erde sich noch einmal wider Gott empören und die heilige Stadt angreifen werden, so wird diese wunderbar bewahrt werden, indem Feuer vom Himmel die Empörer verschlingen wird (Offb. 20, 7-9). Es ist wichtig, dass wir uns erst ein ganz klares Bild von dem neuen Jerusalem zu verschaffen suchen aus den Propheten, ehe wir eine Deutung der betreffenden Stellen in der Apokalypse vornehmen. Wir werden auf diesem naturgemäßen Wege der Linienziehung am ehesten unnötige Schwierigkeiten und Verwicklungen vermeiden.
“Vielmehr frohlockt und jubelt für und für über das, was Ich schaffe; denn fürwahr, ich schaffe Jerusalem zu Jubel um und seine Bevölkerung zu Frohlocken. Und ich will jubeln über Jerusalem und frohlocken über mein Volk, und nicht soll sich darin ferner vernehmen lassen ein Laut des Weinens und ein Laut der Wehklage. Nicht soll es dort geben ein Säugling, der nur einige Tage alt würde, noch einen Greis, der nicht auf die volle Dauer brächte seine Lebenstage; sondern als Hundertjährige werden die Jünglinge sterben, und als Hundertjährige werden die Sünder vom Fluche getroffen werden” (Jes. 65, 18-20). Wir haben hier den Zustand Jerusalems im messianischen Friedensreich, das die Erfüllung der alten theokratischen Segensverheißung bringt (vgl. 2. Mose 20, 12; 23, 26). Sünde und Tod sind noch nicht für immer überwunden (vgl. Jes. 25, 8), sondern beschränkt dadurch, dass die Gerechtigkeit zum herrschenden Prinzip geworden ist. Der theokratische Verheißungssegen für Israel unter Einschränkung des Fluches über die gefallene Schöpfung wird dann erfüllt werden (vgl. Jes. 2, 8f.; Amos 9, 14; Psalm 92, 13-16).
Es bleibt nun noch die Frage zu beantworten, wie der Bau des neuen Jerusalem als Stadt zustande kommen soll. Darüber berichten uns Jeremia und Hesekiel. Wir müssen vorläufig noch ganz absehen von Offenbarung 21, 2 und 10 und uns in der Verfolgung der Linie durch die Propheten nicht stören lassen. Da lesen wir in Jeremia 31, 38-40: “Fürwahr, es kommt die Zeit, spricht Jehova, da soll die Stadt für Jehova wieder aufgebaut werden, vom Turm Hananeels bis zum Ecktor und weiter soll sich die Meßschnur geradeaus zum Hügel Gareb hinüberziehen und sich wenden gen Goath. Und das ganze Tal der Leichen und der Asche und alles Land bis zum Kidron, bis östlich zur Ecke des Roßtors soll Jehova heilig sein. Und soll nicht mehr verwüstet und zerstört werden in Ewigkeit” (od le olam = Fortdauer). Das neue Jerusalem als Zentrum des Neuen Bundes wird eine beträchtliche Erweiterung erfahren durch Einbeziehung solcher Stätten, die bisher als unrein außer den Toren galten. Dann gibt es keine Unreinheit mehr (vgl. Offb. 21, 27). Es wird alles Jehova heilig sein. Deshalb ist fernerhin auch keine Verwüstung oder Zerstörung zu befürchten.
Hesekiel gibt eine genaue Beschreibung von der Lage und Größe des neuen Jerusalem in Kapitel 48. Es wird nach Neueinteilung des Landes nicht mehr in irgend einem Stammgebiet liegen, wie früher im Stamm Benjamin, sondern im öffentlichen Bundesgebiet (Kapitel 48, 15). Ebenso wird der Tempel in einem abgesonderten, Jehova gehörenden Gebiet liegen, getrennt von der Hauptstadt (V. 8). Damit stimmt die Aussage Offenbarung 21, 22: “Und ich sah keinen Tempel in ihr” (vgl. Hes. 45, 1-6). Die Stadt selber bildet ein vollkommenes Quadrat von je 4.500 Ruten Seitenlänge und ist rings umgeben von einem Freiplatz von 250 Ruten Breite, so dass das größere Quadrat mit Einschluss des Freiplatzes nach jeder Seite 5.000 Ruten beträgt, also den fünften Teil des gesamten Stadtgebietes ausmacht und demnach das alte Jerusalem an Umfang weit übertrifft. Das weitere Stadtgebiet soll als Acker und Weide zur Ernährung der in der Stadt Wohnenden dienen (Hes. 48, 17-18). “Und heißen wird die Stadt fortan: Jehova Schamman (das heißt: “Jehova daselbst”; Vers 35).
Damit ist das eigentliche Ziel der Heilsgeschichte für Israel gekennzeichnet und das theokratische Grundprinzip zur geschichtlichen Erfüllung gelangt (vgl. Jes. 60, 14). Das neue Jerusalem im messianischen Friedensreich wird also einen viel größeren Umfang haben. “Frei und offen wird Jerusalem daliegen wegen der darin befindlichen Menge von Menschen und Vieh”. Deshalb sind in Sacharja 14, 10 nur die Nordostseite und die Ostseite der Stadtgrenze angegeben als übereinstimmend mit der alten Stadtgrenze, weil diese direkt an den Ölberg stößt, der durch seine Veränderung (Sach. 14, 4) nicht mehr durch das tiefe Kidrontal von Jerusalem selber getrennt sein wird. Nach den anderen Himmelsrichtungen jedoch wird das neue Jerusalem wegen seiner bedeutend größeren Ausdehnung ganz neue Stadtgrenzen erhalten, während es auf seiner Grundlage bleibt (vgl. Sach. 14, 10). Nach dieser bleibenden Stadt, welche Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist, sehnten sich die Heiligen des Alten Bundes (vgl. Hebr. 11, 10; 13, 14). Wir gehen gewiss nicht fehl, diese bleibende Stadt in dem neuen Jerusalem auf Erden zu sehen, das für das neue Israel bestimmt ist. Dieses ist nicht zu verwechseln mit dem himmlischen Jerusalem, von dem es heißt in Hebräer 12, 22: “Sondern ihr seid gekommen zum Berge Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem“. Während das ungläubige Israel gleichsam immer noch um den Berg Sinai versammelt steht (V. 18-21), hat der gläubige Teil Israels bereits die Lebensgemeinschaft mit dem himmlischen Jerusalem erlangt. Dieses himmlische Jerusalem ist nach dem Zusammenhang wohl ebenso wenig nur als bestimmte Örtlichkeit aufzufassen wie der Berg Sinai (V. 18), sondern als ein gewisses Prinzip, hinter dem allerdings eine reale Wirklichkeit steht. Ebenso stellt der Apostel Paulus in Galater 4, 25f. dem Berge Sinai und dem jetzigen Jerusalem, welches in Knechtschaft ist, das obere Jerusalem, das freie, welches unser aller Mutter ist, gegenüber. Paulus weist darauf hin, dass hinter dem Prinzip der Freiheit die Wirklichkeit einer Körperschaft steht, die er mit unser aller Mutter bezeichnet, mit dem wir alle solidarisch verbunden sind in Lebensgemeinschaft wie etwa auch mit der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumes (Röm. 11, 17). Diese Körperschaft wird nicht vertreten durch das ungläubige Israel oder das jetzige Jerusalem, sondern durch die Gemeinde der Erstgeborenen, die sich aus Israel bereits im Himmel ansammelt (Hebr. 12, 23).
Dieser Gemeinde (Ekklesia) entspricht auch eine Wohnstätte, das große Vaterhaus mit den vielen Wohnungen (Bleibestätten; Joh. 14, 2), die Stadt, welche Gott den Heiligen bereitet hat (Hebr. 11, 16). Eine materielle Schilderung derselben ist natürlich unmöglich, wird uns in der Schrift auch nicht gegeben. Das Himmlische kann nur durch Bilder veranschaulicht werden. Auf der neuen Erde haben wir die fassbare Wirklichkeit. So ist es in Offenbarung 21, wenn uns da das neue Jerusalem als aus dem Himmel herabkommend gezeigt wird. “Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel hernieder kommen, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut“ (Offb. 21, 2), und: “Komm her, ich will dir die Braut, das Weib des Lammes zeigen. Und er führte mich im Geiste hinweg auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, hernieder kommend aus dem Himmel von Gott“ (Offb. 21, 9f).
Was vom Himmel herabkommt ist eine Schar von Menschen, die Gemeinde der Erstgeborenen, die unter dem Bild der heiligen Stadt Jerusalem von Johannes in einer Vision geschaut wird. Wir sind durchaus nicht gezwungen, weil wir am prophetischen Realismus festhalten und nicht vergeistigen wollen, was wörtlich zu nehmen ist, auch die prophetische Bildersprache zu materialisieren und das aus dem Himmel herabkommende neue Jerusalem als eine fix und fertige Stadt aus Edelsteinen zu deuten. Das neue Jerusalem wird nach dem prophetischen Zeugnis hier auf Erden gebaut am Tage des Herrn. Dieses soll bleiben und nicht wieder zerstört werden. Auch das große Feuergericht der letzten Weltkatastrophe wird ihm nichts anhaben können, sondern nur das verzehren, was dem Gericht verfallen ist und zum Feuersee verdammt wird (Offb. 20, 14f; 1. Kor. 3, 12-15).
Die vom Himmel kommende Gemeinde der Erstgeborenen, oder die Braut, das Weib des Lammes, wird ihre ganze himmlische Herrlichkeit mitbringen, die ihren symbolischen Ausdruck findet in dem Bild der visionären Stadt, die in ihrem Lichtglanz die Herrlichkeit Gottes ausstrahlt. Wenn die Braut im irdischen neuen Jerusalem ihre Wohnung genommen hat, dann sind die Wege Gottes mit Israel zu einem Ziel gekommen. Dieses Ziel ist aber nicht das Ende, sondern viel mehr erst der Anfang einer wunderbaren Heilsepoche für die Welt: “Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und der auf dem Throne saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu” (Offb. 21, 3.5).
(Quelle: Unbekannt; www.r-eberle.de)


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