Äonisches Leben und das wesenhafte Leben
Autor: Langenberg, Heinrich | Kategorie(n): Lehre | 930 x gelesenDas äonische leben (zoä aionios) ist heilsgeschichtlich die Entwicklungsstufe des wahren, wesenhaften Lebens, wie es in dem messianischen Königreich des Christus sich entfaltet.
Die Bezeichnung “ewiges Leben” ist ungenau und irreleitend, wenn “ewig” als endlos aufgefasst wird. Wenn in der heiligen Schrift die Endlosigkeit des Lebens besonders betont werden soll, wird das in unmissverständlicher Weise zum Ausdruck gebracht, wie z. B. “unauflösliches Leben” (Hebr. 7, 16) oder “das Leben” schlechthin als das Leben Gottes. Eine Unterscheidung zwischen dem wesenhaften Leben und dem äonischen Leben kommt besonders schon im Johannesevangelium zum Ausdruck. Das äonische Leben ist das überreich gesegnete Leben im Heilsäon des Königreichs Jesu Christi, in dem Äon, der die Erfüllung der messianischen Verheißungen für Israel und durch Israel für die Nationen bringt. Das äonische Leben ist aber nicht auf das zukünftige tausendjährige Friedensreich zu beschränken, sondern hat bereits mit dem ersten Kommen Jesu einen Anfang genommen in denen, die an Jesum glauben. “Der Glaubende in den Sohn hinein hat äonisches Leben!” (Joh. 3, 36). Dieses Haben wird bei Johannes besonders betont und auch in Verbindung gebracht mit dem Besitz des wesenhaften Lebens. “Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich sendet, hat äonisches Leben, und ins Gericht kommt er nicht, sondern er ist hinübergegangen aus dem Tode in das Leben” (Joh. 5, 24). Das “äonische Leben” bezieht sich immer auf den messianischen Reichsäon, während “das Leben” das wesenhafte, unauflösliche, ewige Leben bezeichnet. Das äonische Leben geht jedoch ohne weiteres in das unauflösliche, ewige, d. h. endlose Leben über für die, die an Jesum glauben. Die Unterscheidung zwischen den Ausdrücken “äonisches Leben” und “das Leben” finden wir genau so bei Paulus wie bei Johannes. “Denen, die gemäß Geduld eines guten Werkes Herrlichkeit und Ehre und Unvergänglichkeit suchen, vergilt Gott äonisches Leben” (Röm. 2, 7). “Die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit in äonisches Leben hinein durch Jesum Christum, unsern Herrn” (Röm. 5, 21). “Als Gott dienstbar Gemachte habt ihr eure Frucht zur Heiligkeit, das Ende aber äonisches Leben. Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes ist äonisches Leben in Christo Jesu, unserm Herrn” (Röm. 6, 22.23). “Wer in den Geist sät, wird aus dem Geist äonisches Leben ernten” (Gal. 6, 8). “Das Ziel des auf Christus gestützten Glaubens ist äonisches Leben” (1. Tim. 1, 16). Den aktiven Glauben meint Paulus, wenn er 1. Timotheus 6, 12 sagt: “Ergreife das äonische Leben, in das hinein du berufen bist”, gilt also als Kampfpreis für den Sieger, als Krönung unserer Berufung. Diese unsere Berufung bezeichnet die besondere Stellung und Aufgabe im äonischen Leben in Verbindung mit dem Königreich des Christus. Das ist nach Titus 1, 2 und 3, 7 die Hoffnung äonischen Lebens.
Diese Berufung, die an Bedingungen geknüpft ist, können wir verfehlen und verlieren, aber das wesenhafte Leben (1. Tim. 6, 19), das der Glaubende ergriffen hat, ist unverlierbar.
Wenn Paulus von dem wesenhaften Leben spricht, so geht das weit über das äonische Leben hinaus. Es ist das Leben Gottes, das in Jesus Christus anschaulich geworden ist (Joh. 14, 6), an dem wir durch die Geistesmitteilung persönlich Anteil erhalten haben. Gerechtigkeit, Geist und Leben bilden eine innere Einheit. Durch die Rechtfertigung ist die durch Sünde gestörte Lebensgemeinschaft mit Gott wieder grundsätzlich ermöglicht. Durch die Geistesmitteilung wird das göttliche Leben in dem Glaubenden verwirklicht und in dem Gesetz des Geistes des Lebens in Christo Jesu (Röm. 8, 2) wird dieses göttliche Leben in uns bis zum völligen Sieg über alle Todesmächte durchgeführt. An die Tatsache der Auferweckung Christi aus Toten durch die Herrlichkeit des Vaters knüpft Paulus die ganze Lebenshoffung der Gläubigen (Röm. 6, 4). Diese nehmen schon in ihrem gegenwärtigen Lebensstand unmittelbaren Anteil an dem Leben Christi durch Geistesmitteilung und Lebensgemeinschaft mit dem himmlischen Christus. Sie können zum Beweis dieser Lebensgemeinschaft schon in Neuheit des Lebens wandeln: denn ihr starbt, und euer Leben ist verborgen mit den Christus in Gott. Wenn aber der Christus offenbar geworden ist, unser Leben, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar gemacht werden in Herrlichkeit (Kol. 3, 3.4). Wenn Paulus Philipper 1. 21 sagt: “Denn mir ist das Leben Christus“ so meint er damit nicht, dass Christus Inhalt unseres eigenen Lebens ist, sondern dass er für uns das wesenhafte Leben selber ist. Als der letzte Adam ist Christus der lebendigmachende Geist. (1. Kor. 15, 45; vgl. 2. Kor. 3, 6)
“Wenn aber der Geist dessen, der Jesum auferweckt aus Toten, in euch wohnt, wird er, der Christum Jesum auferweckt aus Toten, lebendig machen auch eure sterblichen Leiber durch seinen innewohnenden Geist in euch” (Röm. 8, 11). Da das wesenhafte Leben bereits in dem Gläubigen ist, kann auch der Tod ihn nicht scheiden von der Liebe Gottes in Christo Jesu, unserm Herrn (Röm. 8, 39). Ob der Gläubige stirbt oder lebt, er steht in unlösbarer Gemeinschaft mit Christus. Diese Lebensgemeinschaft nennt Paulus auch ein “Sein in Christus”. Diese Gemeinschaft mit dem lebendigen Christus hört auch im Tode nicht auf. Deshalb kann Paulus auch von “Toten in Christus” (1. Thess. 4, 16) oder “Entschlafenen in Christus“ (1. Kor. 15, 18) sprechen. Das wesenhafte Leben Christi in den Gläubigen führt zur völligen Todesüberwindung durch Lebendigmachung des Leibes entweder durch Ausauferstehung aus Toten (Phil. 3, 10), oder durch Lebendigmachung vermittels Seiner Parusia (1. Kor. 15, 23). Ob wir nun wachen oder entschlafen, werden wir zugleich mit Ihm leben (1. Thess. 5, 10). Wenn Paulus in 1. Timotheus 6, 12 sagt: “Ergreife das äonische Leben” und 1. Timotheus 6, 19: “damit sie ergreifen das wirkliche Leben“, so macht er doch zwischen beiden keinen Unterschied. Das äonische Leben, zu dem der Gläubige berufen ist, soll als Siegeskranz ergriffen werden (epilambanesthai), während das wesenhafte Leben nicht ergriffen werden kann, sondern aus Gnaden dem Gläubigen geschenkt wird (vgl. Joh. 3, 36; 5, 24; 6, 40; Röm. 6, 23). Das hat der Glaubende bereits als unverlierbares Gut. Das äonische Leben aber, das Paulus in 1. Timotheus 6, 19 “wirkliches (ontos) Leben” nennt im Vergleich mit dem, was man so in der Welt mit Leben bezeichnet, ist verbunden mit dem besonderen Beruf des Gläubigen und an Bedingungen gebunden und kann verfehlt werden, wie auch die Krone verloren werden kann.
(Quelle: Unbekannt; www.r-eberle.de)


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