Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die Verwirklichung unseres Heils

Autor: Kuch, Martin  |  Kategorie(n): Gemeinde, Heiligung, Heilsgeschichte  |  574 x gelesen

Gott will das Heil der Menschen. Die Bibel als das Wort Gottes bezeugt es vom ersten bis zum letzten Blatt. Gott hat zwar nicht verhindert, dass wegen der Sünde des Menschen Unheil uns heimsucht, aber Er hat schon vor Grundlegung der Welt das Lamm Gottes ausersehen (1. Petr. 1, 20), das der Welt Sünde trägt (Joh. 1, 29). Durch die Sendung Seines Sohnes hat Gott Seine Liebe zu uns sichtbar gemacht. Johannes sagt: Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott Seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch Ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass Er uns geliebt hat und gesandt Seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden (1. Joh. 4, 9.10). Und diese Versöhnung mit Gott ist bereits geschehen durch den Tod Seines Sohnes, als wir noch von Gott getrennte Sünder und Feinde waren (Röm. 5, 8.10) Nur dadurch ist das Heil Gottes uns zugänglich gemacht. Petrus bezeugt in Apg. 4, 12: In keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden. Das Heil Gottes kann uns Menschen nur durch den Heiland der Welt (1. Joh. 4, 14) zuteil werden.

Was ist Heil Gottes, was beinhaltet es? Zuerst unsere Errettung und Erlösung von der Schuld und Macht der Sünde. Das Wort Heil weist aber auch hin auf Heilung. Wir sind nicht nur belastet mit der Schuld der Sünde, sondern auch behaftet mit der Krankheit der Sünde. Und davon sollen wir heil werden, von dieser tödlichen Krankheit sollen wir ganz genesen. Aber nicht nur das, wir sollen wieder in das ursprüngliche Gottesbild hineingestaltet werden, aus dem wir durch die Sünde gefallen sind. Dann erst hat das Heil Gottes seine volle Auswirkung erlangt, wenn wir Ihm gleich sein werden und Ihn sehen werden, wie Er ist (1. Joh. 3, 2).

Nun zum Thema dieses Beitrages: Auf welche Weise verwirklicht Gott Sein Heil bei den Menschen? Auf diese Frage gibt uns das Zeugnis der Schrift eine dreifache Antwort:

  1. Das Heil Gottes wird Menschen durch Erwählung vor Grundlegung der Welt zuerkannt.
  2. Das Heil Gottes wird den Erwählten im Akt der Rechtfertigung zugesprochen.
  3. Das Heil Gottes wird bei den Gerechtfertigten im Prozess der Heiligung ausgestaltet.

Diese drei biblischen Wahrheiten stellen drei unterschiedliche Bereiche dar. Die drei Aussagen liefen gewissermaßen in verschiedenen Ebenen, auf unterschiedlichen Stufen, in verschiedenen Höhen. Man muss sie klar voneinander unterscheiden, um ihre Bedeutung zu erfassen. Andererseits hängen die drei Bereiche aber auch miteinander zusammen. Eines bedingt das andere, jedes ist vom andern abhängig. Bei der ewigen Gottheit haben wir ja auch drei Wesenheiten vor uns: Vater, Sohn und Geist; und doch bilden sie eine untrennbare Einheit. Bei uns Menschen liegt auch eine Dreiheit vor nach Geist, Seele und Leib.

Die drei Bereiche der Verwirklichung unseres Heils hat Paulus in Röm. 8, 29-30 so zusammengefasst: Die Er ausersehen hat, die hat Er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild Seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die Er aber vorherbestimmt hat, die hat Er auch berufen; die Er aber berufen hat, die hat Er auch gerecht gemacht; die Er aber gerecht gemacht hat, die hat Er auch verherrlicht.

1. Die Erwählung

In diesem Zeugnis des Apostels Paulus ist der erste Bereich mit den Ausdrücken beschrieben: ausersehen, vorherbestimmt, berufen. Das sind wunderbare Wahrheiten. Paulus sagt: Die ER ausersehen hat. Das ist uns modernen Menschen ziemlich unverständlich, dass Gott auswählt. Wir sind ja so geprägt, dass der Mensch selbst für sein Leben und Ergehen zu sorgen hat. Diese Haltung findet man auch weitgehend im geistlichen Bereich: Demnach ist der Mensch selbst für sein Heil verantwortlich, indem er sich zu Gott hinwenden soll und Seine Gebote halten soll. Und Gott ist dann der Richter, der über die Annahme bzw. Ablehnung des angebotenen Heils durch den Menschen urteilt. So entscheidet der Mensch auch über sein »ewiges« Geschick. Bestärkt wird diese Auffassung durch die Rede vom »freien Willen« des Menschen, das unser Denen so sehr bestimmt, dass man fast gar nicht mehr einsehen kann, dass das unbiblische Rede ist. Biblisches Denken dagegen ist, dass Gott Menschen erwählt. Die Erwählung Gottes durchläuft die ganze Heilsgeschichte, von Abraham über Mose, David, das Volk Israel, die Jüngerschar der Zwölf, bis zu Paulus und der Gemeinde Jesu Christi. Keiner konnte zu Gott kommen ohne Erwählung. Ob also in diesem Leben einem das Heil Gottes zuteil wird, liegt nicht an seinem Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Er erbarmt sich, wessen Er will, und verstockt, welchen Er will. Er ist der Töpfer, wir sind der Ton. Er ist unser Schöpfer und hat Macht, uns zu erschaffen, wie Er will. So lauten die eindeutigen Aussagen in Röm. 9.

Sagt der Herr Jesus aber nicht, so könnte man einwenden: »Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen« (Joh. 6, 37)? Muss man aus diesem Wort nicht ableiten, dass es doch am Willen des Menschen liegt, zu Jesus zu kommen? Aber so bekannt das zitierte Wort ist, so wenig wird die Aussage davor im gleichen Vers beachtet: »Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt …« Damit hat aber der ganze Vers eine andere Bedeutung. Nämlich: Wenn jemand zu Jesus kommt, dann deshalb, weil er einer ist, der Jesus vom Vater gegeben ist. Beachten wir, wie oft Jesus in Seinem hohepriesterlichen Gebet (Joh. 17) dem Vater gegenüber ausspricht: »… die du mir gegeben hast.«

Wenn man das Häufigkeitsverhältnis betrachtet, wie viel im Wort Gottes von Erwählung und Berufung und wie wenig (um nicht zu sagen: gar nicht) vom »freien« Willen gesprochen wird, dann ist es schon erstaunlich, dass die Verkündigungspraxis gerade im umgekehrten Verhältnis steht. Freilich muss das Evangelium, die frohe Botschaft vom Heil Gottes, den Menschen gesagt werden, denn der Glaube kommt durch die Predigt. Und dies darf und soll durchaus als Einladung, als Aufruf geschehen. Denn vom Menschen aus gesehen scheint es ja auch zunächst so zu sein, dass es seine Entscheidung ist, wenn er diesem Ruf folgt. Aber auf Grund der klaren Schriftaussagen darf (und soll) ein zum Glauben gekommener, wiedergeborener Mensch erkennen und bezeugen, dass es eben nicht sein Verdienst ist, sondern dass er es der Gnadenwahl Gottes verdankt. Was konnte ein Mensch zu seiner natürlichen Geburt beitragen? Nichts! Warum meint man dann, wir könnten oder müssten unsere göttliche Geburt durch unseren Willen herbeiführen oder in die Wege leiten, zumal das Wort Gottes unseren Zustand zuvor als »tot« bezeichnet? Ein Toter kann sich nicht selbst zum Leben bringen oder es auch nur wollen. Das kann nur ein anderer tun, jemand, der dazu auch das Vermögen hat, und das ist Gott.

Nach welchen Kriterien erwählt Gott? Dass es nicht viele Weise, Gewaltige, Edle sind, die Gott erwählt und beruft, sondern Törichte, Schwache und Unedle vor der Welt, zeigt, nach welchen »Qualitäten« sich Gott bei Seiner Auswahl richtet (1. Kor. 1, 26-30). In dieser Schriftstelle ist auch der Grund genannt: »… dass Er zuschanden mache, was weise und stark ist (in sich selbst) und zunichte mache, was etwas ist (aus sich selbst)« Gott ist es ein Gräuel, wenn Fleisch sich vor Ihm rühmt. Er kennt das Fleisch, den Träger des Sündenprinzips, und darum lässt Er es nicht zu, dass bei der Neuschöpfung das Fleisch auch nur im geringsten eine Rolle spielt. Eigenruhm steht uns nicht zu; aber dennoch dürfen wir uns rühmen, nämlich des Herrn; dass wir Ihn haben, dass Er uns gegeben ist, dass Er uns von Gott gemacht ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung.

Was ist der Zweck der Erwählung? Das Heil Gottes zu empfangen? Das liegt selbstverständlich auch darin, ist aber nicht der eigentliche Zweck. Die Erwählungen in der Heiligen Schrift haben es mit Aufgaben und Funktionen zu tun, die Gott für Seine Erwählten vorgesehen hat. Das gilt für Einzelne (Abraham, David, Paulus) wie für Gruppen (Volk Israel, Gemeinde Jesu Christi). Und dabei geht es nicht nach Verdienst, was wir z. B. bei den Söhnen Isaaks Esau und Jakob sehen: Ehe die Kinder geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, da wurde, damit der Ratschluss Gottes bestehen bliebe und Seine freie Wahl — nicht aus Verdienst der Werke, sondern durch die Gnade des Berufenden —, zu ihr (Rebekka) gesagt: »Der Ältere soll dienstbar werden dem Jüngeren« (Röm. 9, 11.12). Der Zweck der Erwählung ist also nicht allein darin zu sehen, dass die Erwählten das Heil Gottes empfangen, sondern vielmehr dass das Heil Gottes durch die Erwählten an andere weiter vermittelt wird. So wurde Abraham erwählt, dass durch ihn alle Geschlechter auf Erden gese riet werden (1. Mose 12, 3). Paulus wurde von seiner Mutter Leib an ausgesondert und berufen, dass er den Sohn Gottes durchs Evangelium verkündigen sollte unter den Nationen. Das Volk Israel hat Gott als Eigentumsvolk vor allen anderen Völkern auserwählt, damit es nach langer Zubereitungs- und auch Gerichtszeit das Segensvolk für die Völker der Erde im kommenden Äon des Friedensreiches Christi sei. Die Gemeinde hat Gott in Christus erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass sie heilig und untadelig vor Ihm sein sollte; in Seiner Liebe hat Er sie dazu vorherbestimmt, Seine Kin­der zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen Seines Willens, zum Lob Seiner herrlichen Gnade (Eph. 1, 4-6). Sie ist die Fülle (Vervollständigung) des Christus, der alles in allen erfüllt (vervollständigt) (Eph. 1, 23).

Einen noch herrlicheren Zweck der Erwählung nennt Paulus in unserer Stelle Röm. 8, 29: Die Er ausersehen hat, die hat Er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild Seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Gleich zu sein dem Bild Seines Sohnes, das ist der tiefste Sinn unserer Erwählung. Kinder, Söhne Gottes gleichen dem Sohn Gottes, sie sind von gleicher Art, von gleichem göttlichem Wesen. Darin liegt unsere Vorherbestimmung, das ist der Zielgedanke Gottes in der Erwählung. Der Sohn ist der Erstgeborene unter vielen Brüdern; Er ist der An­fang, Er ist auch der Erstgeborene von den Toten, damit Er in allem der Erste sei, sagt Paulus in Kol. 1, 18. Und Jakobus bezeugt: Gott hat uns geboren nach Seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, damit wir Erstlinge Seiner Geschöpfe seien. Im Hebräerbrief heißt es: Ihr seid gekommen zur Gemeinde der Erstgeborenen (Hebr. 12, 23).

Erstgeborene sind aber nicht die Einziggeborenen, sondern eben die Ersten, denen noch Nachgeborene folgen. Das macht deutlich, dass die Erwählung zwar eine Auswahl (Erstlinge) betrifft, dass aber das Heil Gottes nicht nur dieser Auswahl gilt, denn Paulus setzte seine Hoffnung in seiner Arbeit und in seinem Kampf für das Evangelium auf den lebendigen Gott, der der Heiland (Retter) aller Menschen ist, besonders der Gläubigen (1. Tim. 4, 10). Paulus weist darauf hin, dass auch die Schöpfung frei werden wird von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes (Röm. 8, 21).

Dass diese herrliche Botschaft des Evangeliums von der Rettung aller Menschen aber von den meisten Gläubigen immer noch nicht geglaubt wird, hängt zusammen mit dem Festhalten an der menschlichen Meinung von der Willensfreiheit. Wenn man die freie Gnadenwahl Gottes nicht sehen kann oder sehen will, dann hat auch die Versöhnung aller wenig Raum in der menschlichen Vorstellung. Man hält dann auch an der gedanklichen Gewohnheit fest, dass die Gerichte der Ewigkeit selbstverständlich als endlos angenommen werden müssten. Dabei übersieht man aber, dass solche unendlichen Gerichte absolut zwecklos wären, weil sie ja dann nichts mehr bewirken, sondern nur den Sinn hätten, endlos zu strafen. Solches aber von unserem Gott zu denken, ist zumindest gedankenlos, denn die Bibel beschreibt Ihn als die Liebe, die auch die Feinde einschließt. Schon der Psalter rühmt: Du aber, Herr, Gott, bist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue (Ps. 86,15). Danket dem Herrn, denn Er ist freundlich, und Seine Güte währet ewiglich (Ps. 106, 1). Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben (Ps. 103, 9). Der Herr ist allen gütig und erbarmt sich aller Seiner Werke (Ps. 145, 9).

Freilich muss gerichtet werden. Auch das Richten Gottes durchzieht die ganze Heilige Schrift. Ohne Gericht kein Heil. Gericht ist neben der Gnade das notwendige Heilsmittel. Der Vater hat alles Gericht dem Sohn übergeben, damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren (Joh. 5, 22.23).

2. Die Rechtfertigung

Die Erwählung Gottes liegt lange vor unserer Zeit. Zu ihr haben wir auch nichts beigetragen; sie ist freies Gnadengeschenk Gottes. Man kann sie nur im Glauben bejahen. Damit dies aber vonseiten der Erwählten und Vorherbestimmten geschieht, ergeht an sie im Laufe des irdischen Lebens der Ruf Gottes in der Berufung. Dieser Ruf kann auf verschiedene Weise erfolgen: durch das Hören oder Lesen des Wortes Gottes, durch das Glaubenszeugnis von Menschen, durch einschneidende Erlebnisse. Dabei wird aber immer auch der Heilige Geist am Geist des Menschen wirksam sein, denn ohne das Geisteswirken bleibt dem Menschen das Heil Got­tes verschlossen.

Gott schenkt es dann aber auch, dass der so von Christus ergriffene Mensch (wie Paulus in Phil. 3, 12 sich sieht) dem Ruf Gottes folgt und seinerseits Jesus im Glauben ergreift. Das ist also ein bewusstes Handeln des Menschen, es geschieht nicht ohne seine Beteiligung. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass er es aus eigenem Antrieb vollzieht. Der Herr Jesus sagt in Joh. 6, 44: Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater. Auch der Glaube ist eine Gabe Gottes. Paulus bezeugt in Eph. 1, 19, wie überschwänglich groß Gottes Kraft an uns ist, die wir glauben, weil die Macht Seiner Stärke bei uns wirksam wurde. Wir können nur deshalb glauben, weil die überschwänglich große Kraft Gottes bei uns »Toten« wirksam wurde und — wie Paulus in Eph. 2, 5 sagt — auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht hat. Dies geschah aus Gnaden wegen der großen Liebe Gottes, mit der Er uns geliebt hat. Darum sagt er dann auch in Vers 8: Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. Die Kraft Gottes, die uns zum Glauben befähigte, ist die gleiche Kraft, mit der Er in Christus gewirkt hat. Durch sie hat Er Ihn von den Toten auferweckt (Eph. 1, 20) und auch uns lebendig gemacht.

Dieses ganze Geschehen nennt die Bibel: von neuem geboren werden. Jesus sagt dem Nikodemus, dass die Neugeburt erforderlich ist zum Eingang ins Reich Gottes: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir. Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser (Wort) und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden (Joh. 3, 5-7). Auch der Apostel Johannes verbindet das Von-Gott-geboren-sein mit dem Christus­-Glauben im 5. Kapitel seines 1. Briefes: Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren. Diese Aussage enthält eine Ursache und eine Wirkung, eine Voraussetzung und eine Folge, aber in anderer Kausalität, wie es die Reihenfolge der Worte vielleicht vermuten lässt. Nicht unser Glaube ist die Voraussetzung und die Geburt aus Gott die Folge, sondern umgekehrt: Ursache ist das Geborensein und der Glaube die daraus folgende Wirkung. »Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist«, das ist das nachfolgende Kennzeichen für das zuvor geschehene »der ist von Gott geboren«.

Was hat aber nun der Glaube selbst für eine Auswirkung? Die Rechtfertigung aus Gnaden. Paulus lehrt in Röm. 3, 22-24: Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus Seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Der Glaube ist also die Folge und das Kennzeichen der Wiedergeburt aus Gott, und dieser Glaube hat unsere Rechtfertigung zur Folge. Beides aber ist Wirkung und Geschenk unseres Gottes. Er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in Ihm die Gerechtigkeit werden, die vor Gott gilt (2. Kor. 5, 21). Gott rechnet die Sünden nicht mehr zu, da Er die Welt mit sich selber versöhnte. Das Wort von der Versöhnung ist aufgerichtet, weil im ganzen Erlösungsgeschehen Gott in Christus war (2. Kor. 5, 19). In dieser Versöhnung hat ein wunderbarer Tausch stattgefunden: Alle Sünde wurde auf Jesus Christus gelegt, ja noch intensiver: Er wurde zur Sünde gemacht, Er wurde die personifizierte Sünde. Mit welcher Konsequenz für uns? Damit wir in Ihm die Gottesgerechtigkeit würden. Das bedeutet, durch die Rechtfertigung wird der Sünder ganz real die Gerechtigkeit Gottes. Das ist nicht so leicht zu begreifen. Aber man sieht, wie total der Austausch unserer Sünde mit der Gottesgerechtigkeit ist. Dass dies tatsächlich so ist, wird in der Auferstehung Jesu deutlich. Paulus sagt in Röm. 4, 25: Unser Herr Jesus ist um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt. Gott hat Seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat Ihn für uns alle dahingegeben, bezeugt der Apostel in Röm. 8, 32. Das ist gläubigen Menschen all­gemein bewusst. Dass aber Jesus um unserer Rechtfertigung willen auferweckt wurde, ist weniger geläufig. Die Auferstehung Jesu ist die Bestätigung Gottes unserer Rechtfertigung, so wie Seine Dahingabe die Bekundung Gottes war, dass Jesus als das Lamm Gottes die Sünde der Welt hinweg an das Kreuz tragen sollte. Also schon in der Auferstehung Jesu ist unsere Rechtfertigung erwirkt. Durch den Glauben aber wird sie uns zuteil. Was ist das für ein Glaube? Paulus sagt (Röm. 4, 5): Ein Glaube, der nicht mit Werken umgeht, der sich die Gerechtigkeit Gottes nicht »verdienen« will. Und was ist der Inhalt dieses Glaubens? Gott macht die Gottlosen gerecht. Das heißt, die Gerechtmachung Gottes geschieht an den Gottlosen. Deshalb folgert Paulus: Dem aber, der an den glaubt, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit. Glauben wir, dass Gott die Gottlosen gerecht macht? Hoffentlich! Das ist ja eine große Verheißung, die alle Menschen betrifft. Schon Abraham wurde die Gerechtigkeit zugesprochen, weil er der großen Verheißung Gottes geglaubt hat, dass seine Nachkommen so zahlreich sein sollen wie die Sterne am Himmel, die nicht zu zählen sind (1. Mose 15, 5.6). Der Glaube ist eine feste Zuversicht auf das, was man hofft (Hebr. 11, 1) und die Hoffnung gründet sich auf den lebendigen Gott und auf Seine Zusagen.

Unsere Rechtfertigung in der Wiedergeburt ist wie unsere natürliche Geburt ein einmaliger Akt und dauert nicht ein ganzes Leben lang. Doch wir dürfen uns stets des neuen Lebens aus Gott freuen und Ihm dafür danken. Und wir dürfen uns auch, wenn unser Glaube angefochten wird, immer wieder darauf berufen, dass wir durch die Gnade Gottes gerechtfertigt sind und es auch bleiben. Die Gotteskindschaft brauchen wir uns so wenig streitig machen zu lassen wie die Tatsache, dass wir Kind unserer leiblichen Eltern sind. Beachten wir, dass Paulus unsere Rechtfertigung als ein Werk Gottes betont: die Er aber berufen hat, die hat ER auch gerecht gemacht. Und das gilt auch für die dritte Stufe: die ER aber gerecht gemacht hat, die hat Er auch verherrlicht.

3. Die Heiligung (oder Verherrlichung)

Die Heiligung hat zum Ziel die Umgestaltung in das göttliche Bild und Wesen. Und das ist das eigentliche Heilsziel Gottes mit uns Menschen. Mit weniger gibt Er sich nicht zufrieden. Es wäre auch Seiner göttlichen Liebe und Allmacht nicht angemessen und entsprechend. Die Ausgestaltung des Gottesbildes kann sich nur bei Wiedergeborenen vollziehen. Es wie im Natürlichen: Erst muss ein Mensch geboren werden — und dann erst kann seine weitere Entwicklung bis in das Erwachsenenalter verlaufen. Und so ist es auch im Geistlichen, Göttlichen, das in vielen Dingen seine Abschattung im Natürlichen hat. Soll das Göttliche im Menschen zur Ausreife kommen, so muss erst ein geistlicher Mensch geboren worden sein. Und wie dann nach einer natürlichen Geburt die Pflege zum Gedeihen und auch Maßnahmen zur Erziehung durch die Eltern wahrgenommen werden, so übernimmt diese Aufhabe für unser geistliches Wachstum, für unsere göttliche Erziehung, unser himmlischer Vater in Christus Jesus. Wir können uns den Erziehungsvorgang etwas veranschaulichen, wenn wir an unsere geschöpfliche Dreiheit denken: Geist — Seele — Leib.

In der Neugeburt wurde unser Geist durch den Heiligen Geist in das göttliche Leben gezeugt und steht unter der Führung des Geistes Gottes. Unser Geist ist das Organ, mit dem Gott mit uns und wir mit Ihm Verbindung haben, mit dem wir Gott erkennen können, wenn Er sich uns durch Seinen Geist offenbart. In einem wiedergeborenen Menschen steht der Geist unter göttlicher Bestimmung. In unserem Geist ist die Neuschöpfung als Erstes vollzogen, nicht gleich in unserer Seele oder gar in unserem Leib. Der Prozess der Heiligung betrifft nun besonders unseren seelischen Bereich, zu dem neben dem Fühlen und Empfinden auch unser menschliches Denken und Wollen zu zählen sind. Unsere Seele ist immer noch von der innewohnenden Sünde bestimmt, vor allem wird sie durch den Leib, der total unter der Macht der Sünde steht, ständig negativ beeinflusst. Beim wiedergeborenen Menschen findet ein fortwährender Kampf zwischen Geist und Leib um die Seele statt. Unsere Seele muss sich entscheiden, zu welcher Seite sie sich hinwendet, von welcher Seite sie sich beeinflussen und bestimmen lässt. Die Entscheidung zum Geist hin fällt der Seele nicht leicht, da sie mit dem Leib natürlicherweise eng verbunden ist. Die Bibel nennt diesen Verbund »Fleisch«. Der Apostel Paulus fordert deshalb im Wissen um diese Zusammenhänge auf: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch streitet wider den Geist und der Geist wider das Fleisch; dieselben sind widereinander, dass ihr nicht tut, was ihr wollt (Gal. 5, 16.17).

Lesen wir einmal unter diesem Gesichtspunkt aufmerksam die Kapitel 6 bis 8 des Römerbriefes. Dann wird uns vieles verständlicher werden. Das Resümee dieser tiefen Aussagen könnte man mit dem Vers Röm. 8, 10 zusammenfassen: Unser Leib ist tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen. Unsere Aufgabe ist es, den Leib im Tode zu halten, damit unsere Seele vom Geist her mehr und mehr geheiligt wird. Das ist doch wohl auch der eigentliche Sinn der Ermahnung von Röm. 12, 1.2: Wir sollen unseren Leib zum Opfer (in den Tod) geben und wir sollen uns durch Erneuerung unseres Sinnes verändern. Der Welt, die das nicht tut, nicht kann, sollen wir uns nicht gleichstellen. Aber wir sollen (und können) statt dessen prüfen, was des Herrn Wille ist, nämlich der gute, wohlgefällige und vollkommene. In unserem Zusammenhang des Heiles Gottes könnte man sagen, der gute Wille entspricht dem, was Gott an Heil durch Seinen Sohn gewirkt hat und wirkt, der wohlgefällige Wille kommt darin zur Wirkung, dass Menschen ihren Willen dem Heilswillen Gottes unterordnen, und der vollkommene Wille Gottes bewirkt das Heil Gottes in Seiner herrlichen Vollendung. Diese Vollendung wird allerdings im irdischen Leben nicht sichtbar, weil die Erlösung unseres Leibes erst bei der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus geschieht. In der Vollendung wird unser nichtiger Leib gleichgestaltet sein dem verklärten Leibe unseres auferstandenen und verherrlichten Herrn (Phil. 3, 21). Und auch dazu ist wieder große göttliche Kraft wirksam. Unsere Vollendung geschieht nach der gleichen Wirkung Seiner Kraft, mit der Er alle Dinge sich untertänig machen kann.

Wie vollzieht sich nun unsere Heiligung? In Joh. 17, 19 sagt der Herr Jesus: Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in der Wahrheit. Und Paulus bezeugt: Christus Jesus ist uns von Gott gemacht zur Heiligung (1. Kor. 1, 30). Andererseits sollen wir der Heiligung nachjagen, ohne die niemand den Herrn sehen wird (Hebr. 12, 14). Der Prozess der Heiligung hält an, solange wir in dieser Zeit leben. Es ist dies wohl auch der tiefste Grund, warum wir auf dieser Erde und nicht in einer anderen Seinsform leben. Die Erde stand von Anfang an unter dem starken Einfluss Satans. Und gerade hier erreicht Gott Sein Ziel bei Seinen Kindern am sichersten und schnellsten. Der Kampf, in den wir gestellt sind, mit seinen Kümmernissen und Nöten, Anfechtungen und Leiden ist dafür das beste Mittel. Wenn Paulus in Röm. 8,18 sagt, dass dieser Zeit Leiden nicht wert sind der Herrlichkeit, die an uns soll offenbart werden, dann wird damit genau die Absicht Gottes aufgezeigt. Er will Seine Kinder durch die Leiden dieser Zeit zur Herrlichkeit bringen, oder besser gesagt, herrlich machen.

Wir sollten den Begriff »Leiden dieser Zeit« viel allgemeiner auffassen, als dies meistens geschieht. Wir müssen da gar nicht an be­sondere, außergewöhnliche Geschehnisse denken. Unser ganzes Leben steht mehr oder weniger unter diesem Umstand. Unsere körperliche und seelische Verfassung ist doch weithin ein leidend­liche. Das menschliche Zusammeneben in all seinen Bereichen bringt viel Leid ins Leben. Wie viel Kampf, Hass und Streit gibt es da. Aber Gott weiß — und wir sollten es auch wissen, weil es uns Sein Wort bezeugt — »dass diese zeitliche und kurze Trübsal eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit schafft« (2. Kor. 4, 17).

Leiden schafft Herrlichkeit, wirkt Herrlichkeit aus. Ein großes Geheimnis Gottes! Das Leiden als Folge der Sünde hat sowohl den tiefen Sinn der Überwindung, Rückgängigmachung, Aufhebung der Sündenmacht als auch die Auswirkung der Herrlichkeit Gottes bei uns Menschen.

Wir sehen das am eindrucksvollsten beim Mann des Leidens: Jesus Christus! Sünde kann nur durch Leiden getilgt und überwunden werden. Bei Jesus war es stellvertretendes, priesterliches Leiden, bei uns ist es schlechthin notwendiges Leiden. Doch es heißt auch von Jesus, dass Er durch Leiden vollendet wurde (Hebr. 2, 10). Welch ein Mysterium! Hebr. 5, 8.9 sagt: Er hat, wiewohl Er Gottes Sohn war, doch an dem, was Er litt, Gehorsam gelernt. Und da Er vollendet war, ist Er geworden allen, die Ihm gehorsam sind, der Urheber ihres ewigen Heils. Ihm gehorsam sein heißt: »Ja sagen« zum Leiden. Nicht dass wir es von uns aus besonders suchen müssten. Gott sorgt in Seiner Führung dafür, dass das rechte Maß und die richtige Art von Leiden in unser Leben kommt. Wichtig ist, dass wir das erkennen und akzeptieren. Letztlich ist alles Leid (und natürlich auch alle Freude), die Er in unser Leben kommen lässt oder bewirkt, Ausfluss Seiner Liebe zu Seinen Kindern. Weil Er sich ein so hohes Ziel gesteckt hat, nämlich die Gottesebenbildlichkeit, darum lässt Er nicht nur so viel Leid zu, Er ordnet es auch in unser Leben hinein. Der Hebräerbrief sagt: Denn wen der Herr lieb hat, den züchtigt Er, und Er schlägt jeden Sohn, den Er annimmt. Es dient zu eurer Erziehung, wenn ihr dulden müsst. Wie mit Seinen Kindern geht Gott mit euch um; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Seid ihr aber ohne Züchtigung, die doch alle erfahren haben, so seid ihr Ausgestoßene und nicht Kinder (Hebr. 12, 6-8).

Er gibt uns aber auch die erforderliche Kraft zum Ausharren und »Drunterbleiben«. Nach Kol. 1, 9.10 sollen wir würdig wandeln. Wie können wir das? Wenn wir erfüllt werden mit Erkenntnis Seines Willens in aller geistlichen Einsicht und Weisheit. Dann bringen wir auch Frucht, die Er an uns sehen will. Doch was das Große ist und unsere Heiligung weiter fördert, ist die Folge eines solchen Wandels: Wir wachsen in der Erkenntnis Gottes und werden gestärkt mit aller Kraft durch Seine herrliche Macht. Zu was ist uns denn diese dreifach geballte Energie Gottes gegeben? Zu aller Geduld und Langmut! Braucht man dazu die starke Kraft Seiner Macht? Offenbar ja. Ohne Seine kräftige Hilfe könnten wir den lebenslangen Prozess der Heiligung bis zum erstrebten Ziel gar nicht durchstehen. Aber dabei bewirken nicht wir, sondern Gott unsere Heiligung. Paulus bittet in 1. Thess. 5, 23: Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist Er, der euch ruft; Er wird’s auch tun. Und in Eph. 5, 25-27 sagt er: Christus hat die Gemeinde geliebt und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit Er sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei.

In dieser dritten Heilsebene der Heiligung wird also unser Heil real verwirklicht. Hier geht es um unsere Umgestaltung und Verwandlung als dem eigentlichen Heilsziel unseres Gottes. Diese Stufe ist die wichtigste in unserem Leben. Alle Ermahnungen und Ermunterungen der Apostel zielen darauf ab. Paulus gibt in 2. Kor. 3, 18 einen feinen Hinweis, wodurch unsere Verwandlung sich vollzieht: Nun aber schauen wir alle mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel, und wir werden verklärt in Sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist. Durch das Anschauen der Herrlichkeit des Herrn, was in Seinem Wort uns möglich ist, werden wir verwan­delt in Sein Bild. Und das geschieht wachstümlich von einer Herrlichkeit zur andern.

Hier haben dann auch die »Werke« ihren richtigen Platz. Werke schaffen nicht unsere Gerechtigkeit und schaffen auch nicht unsere Heiligung. Sie sind aber Ausdruck unseres geistlichen Standes; sie sind Zeugnis unseres Glaubens. In Eph. 2, 10 gibt uns Paulus eine treffliche Deutung der Werke: Wir sind Sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott vorbereitet hat, dass wir darin wanden sollen. Wenn die Bibel vom Wandel spricht, ob im Geist, im Glauben, in der Liebe, in den Werken, dann meint sie nie unsere eigene Anstrengung, unsere eigene Leistung, sondern immer nur das Sein, das Bewegyen, das Wirken in dem, was Gott uns bereits gegeben oder vorbereitet hat.

Wir sahen, das Heil Gottes wird durch Erwählung, Rechtfertigung und Heiligung bewirkt Das ist aber nicht eine Sache der Quantität, sondern der Qualität. Nicht die Menge der Erwählten, sondern der Zustand der Gerechtfertigten ist für Gott das Entscheidende. Weil Gott das Heil aller Menschen will (1. Tim. 2, 4) und bewirkt, darum gibt es in Seinem Handeln nicht eine Spur von Ungerechtigkeit, aber auch nicht von Hast und Hektik. Gott hat zur Erreichung Seines Zieles nicht nur »Zeit«, sondern »Ewigkeit«. In dem jetzigen Zeitlauf (bis zur Wiederkunft Christi) geht es im Heilsplan Gottes um die Herausrufung und Zubereitung der Gemeinde Jesu Christi. Sie soll und muss fertig sein, bereit sein, imstande sein, ihren göttlichen Ewigkeitsauftrag auszuführen und zu erfüllen. Nur eine vollendete herrliche Gemeinde, eine durch Leiden bewährte und ausgereifte Körperschaft kann den Heilsratschluss Gottes, nämlich die Überwindung des Bösen und seiner Macht vollbringen. Und diese mit ihrem Herrn und Haupt vereinigte Gemeinde wird als der Christus königlich und priesterlich herrschen, bis dann einmal am Ende aller Zeitläufe (Ewigkeiten) Gott alles in allen sein wird (1. Kor. 15, 28).

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 4/2002; Paulus-Verlag; Heilbronn)

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