Das siebenfache Handeln Gottes
Autor: Kuch, Martin | Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes | 556 x gelesenDas Handeln Gottes ist nicht so leicht zu verstehen, weil es sich in unterschiedlichen Wirkungsweisen offenbart. Erst wenn man die verschiedenen Handlungen Gottes zusammen und als Ganzes sieht, erkennt man die volle Wahrheit. Das Wort Gottes, wie wir es in der Bibel vor uns haben, ist die Wahrheit; aber sie erstrahlt in mehreren Farben. Es ist wie beim Licht der Sonne, das sich in der Lichtbrechung durch ein Prisma oder durch Wassertropfen im Regenbogen in den sieben Spektralfarben zeigt und doch zusammengenommen die Farbe weiß ergibt.
So ist auch die Wahrheit des Wortes Gottes zusammen betrachtet hell und klar, aber wir haben die Wahrheit in einem buntfarbenen Gemisch vor uns. Jede der sieben Farben rot, orange, gelb, grün, hellblau, blau, violett ist ein Anteil der weißen Farbe. Falsch wäre es nun, nur einige der Farben für die Wahrheit zu nehmen und andere außer Acht zu lassen.
Es soll hier am Modell der Spektralfarben die buntfarbige Wahrheit des Wortes Gottes dargestellt werden, was ja auch das unterschiedliche Handeln Gottes deutlich macht.

Diese sieben wichtigsten Handlungsweisen Gottes lassen sich in die Leitsätze fassen:
- Gott ist der Schöpfer und Erhalter aller Dinge
- Gott ist der Erlöser von Sünde und Tod
- Gott erwählt Menschen zu Werkzeugen Seines Handelns
- Gott sorgt in Liebe und Treue für die Seinen
- Gott gibt Menschen in ihren Eigenwillen dahin
- Gott richtet Seine Geschöpfe im Prozess des Leidens
- Gott vollendet alles Geschaffene hinein in Herrlichkeit
Diese Aktivitäten Gottes stehen zwar schwerpunktmäßig in einer chronologischen Abfolge von der Schöpfung bis zur Vollendung, aber sie durchdringen auch einander. So ist zum Beispiel der Akt der Schöpfung wohl ein ursprünglicher, geschieht aber bei jedem wiedergeborenen Menschen mit der Neuschöpfung in Christus und im Blick auf die Vollendung in der Weise, dass Gott alles neu macht. Auch das Richten Gottes ist nicht eine Tätigkeit mit abschließendem Charakter bezüglich der so genannten Ewigkeit, sondern findet durch alle Zeitläufe hindurch statt. Das Gleiche gilt auch für die Liebe und Treue Gottes, die Er Seinen Geschöpfen zuwendet.
Wenn wir unser Sein, das Leben auf Erden mit all seinen Wirrnissen recht verstehen wollen, dann doch nur, wenn wir das ganze Wirken Gottes im Blick haben. Freilich können wir nicht jedes. aktuelle Ereignis immer gleich befriedigend erklären, aber der ganze Überblick ist uns doch eine Hilfe, die Geschehnisse in das Handeln Gottes einzuordnen. So sollen im Folgenden zu den genannten Tätigkeiten Gottes noch einige Bemerkungen gemacht werden.
1. Gott ist der Schöpfer und Erhalter aller Dinge
Gott will nicht allein sein und bleiben. Er will Gemeinschaft, will Beziehung, will Sein Leben vermehren, will Geschöpfe. Gott will lieben, weil Er die Liebe ist. Darum hat Er durch Seinen Sohn alles ins Dasein gerufen. Dazu gehört alles Materielle von den Atomen bis zu den Galaxien, alles Sprießende, Wachsende, Blühende und Fruchttragende, alles Lebende von der Ameise bis zum Elefanten und insbesondere der Mensch im Ebenbild seines Schöpfers. Dazu gehören aber auch alle Mächte und Gewalten, Throne und Herrschaften. Es existiert nichts, was Gott nicht geschaffen hätte durch Sein Schöpferwort.
An der Schöpfung ist die Größe und Herrlichkeit Gottes sichtbar. Sogar noch in der gefallenen Schöpfung sehen wir Seine Weisheit und Kraft. Welch ein Reichtum an Formen und Farben, welch ein wunderbares Zusammenwirken aller Kräfte in der Natur und allem Lebendigen! Gott will nicht lauter gleiche Geschöpfe; jedes ist ein Original mit eigenem Aussehen und Wesen. Jedes ist ein Gedanke Gottes und ein Bild Seiner Schöpferherrlichkeit.
Gott will das, was Er erschaffen hat, auch erhalten. Er hat die Dinge nicht ins Dasein gerufen, um sie sich selbst zu überlassen. Nein, Gott ist mit Seinem Geist in Seiner Schöpfung. Sie kann nur bestehen in Ihm und durch Ihn. Alle Atome würden sofort zerfallen und alles Leben würde sogleich erlöschen, wenn Gott Seinen Geist zurückzöge. Er trägt alle Dinge durch Sein kräftiges Wort. Er ist der Erhalter aller Dinge (Hiob 34, 14; Hebr. 1, 3).
Gott ist der Zielpunkt aller Dinge. Alles Geschaffene ist für Gott da. Er hat alles für sich selbst geschaffen, Er will es bei sich haben. Alles Geschaffene findet seine Erfüllung nur bei Ihm. In der Trennung von Gott wäre alle Existenz sinnlos. Gott kann sich auf die Dauer mit einer Trennung von Ihm nicht abfinden. Das würde Seinem Wesen widersprechen. Darum gibt es die zweite Aktivität Gottes.
2. Gott ist der Erlöser von Sünde und Tod
Die größtmögliche Erfüllung hat ein Geschöpf in der lebendigen Verbindung mit seinem Schöpfer. Aber diese ideale Verbindung konnte vonseiten des Geschöpfes gelöst werden. Gott hat diese innerliche Trennung von Ihm nicht verhindert. Luzifer, der Lichtträger, war der erste, der das in seinem Hochmut vollzogen hat, und ist dadurch zum Satan geworden. Die alte Schlange verführte auch die ersten Menschen zum Ungehorsam gegen Gott und dadurch kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod. Jeder Mensch ist von Geburt an hineingenommen in den Zustand der Sünde und muss sterben. Auch die Kreatur wurde der Vergänglichkeit unterworfen.
Gott sah aber den Sündenfall voraus und hat schon vor Grundlegung der Welt Seinen Sohn zum Retter erwählt. Der Sohn als der Erstgeborene vor aller Schöpfung stimmte dem Rettungsplan des Vaters zu und war bereit, das Lamm Gottes zu werden, das der Welt Sünde trägt.
Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott Seinen Sohn als Mensch in die Welt. Er wurde unser Stellvertreter. Er nahm alle Schuld auf sich und erlitt dafür den Kreuzestod. Gott hat Ihn zur Sünde gemacht, damit wir die Gerechtigkeit Gottes würden. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber (2. Kor. 5, 18-21). Durch Seine Auferstehung wurde der Tod rechtlich besiegt und wir können als Gerechtfertigte wieder in Lebensgemeinschaft mit Gott kommen.
Die Rechtfertigung vor Gott betrifft alle Sünder. Durch die Sünde des Adam wurden alle Menschen Sünder. Durch den Gehorsam des Christus werden alle Menschen Gerechte. Durch einen Menschen kam der Tod, sodass alle sterben, und durch einen Menschen kommt die Auferstehung der Toten, sodass alle lebendig gemacht werden. Gott ist der Retter aller Menschen, besonders der Gläubigen. Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. Gott hat durch das Blut Seines Sohnes am Kreuz Frieden gemacht und durch Ihn alles mit sich versöhnt. Nun kann die Wiederherstellung der gefallenen Schöpfung beginnen (Röm. 5, 12.18.19; 1. Kor. 15, 21; 2. Tim. 1, 10).
3. Gott erwählt Menschen zu Werkzeugen Seines Handelns
Es gehört zu den großen Entscheidungen Gottes, dass Er gefallene Geschöpfe an der Wiederherstellung Seiner gefallenen Schöpfung beteiligt. Und das geschieht aufgrund von Erwählung durch Gnade.
Gott erwählt einzelne Menschen für besondere Aufgaben. Abram wurde von Gott erwählt, um der Segensträger für alle Geschlechter auf Erden zu werden. Mose wurde erwählt, dass er das geschundene Volk Israel aus Ägypten herausführt und in das Land Kanaan bringt. David wurde erwählt zum König für Israel und als Vorläufer des ewigen Königs Jesus Christus. Paulus wurde erwählt, weil er den Sohn Gottes durch das Evangelium unter den Nationen verkündigen sollte.
Gott erwählt Gruppen von Menschen für bestimmte Funktionen. Der Herr Jesus erwählte sich zwölf Jünger, die mit Ihm gingen, als Er auf Erden lebte, damit sie Seine Zeugen seien von dem, was sie mit Ihm erlebt hatten. Gott erwählt die Glieder des Leibes Christi aus allen Nationen, damit sie als Gemeinde die Vervollständigung (Fülle) des Hauptes darstellen. Durch diesen »ganzen Christus« soll alles in allen erfüllt (vervollständigt) werden.
Gott erwählt ein ganzes Volk als Muster Seines Handelns. Israel ist das einzige Volk auf Erden, das sich Gott zum Eigentum erwählt hat. Es soll im Friedensreich Jesu Christi Segenskanal für die Völker sein. Doch wie viel Zuwendung und auch Gericht sind nötig, damit Gott mit Israel zum Ziel kommt! Damit ist es aber auch Anschauungsobjekt für das Handeln Gottes. An Israel können wir die Liebe und Treue Gottes in besonderer Weise ablesen. Deshalb betrachten wir nun ein weiteres zentrales Handeln Gottes:
4. Gott sorgt in Liebe und Treue für die Seinen
Das gilt sowohl für das Volk Israel als auch für die Gemeinde Jesu Christi. Durch die ganze Heilsgeschichte hindurch können wir verfolgen, wie Gott für die Seinen sorgt. Das hat Er bei der 40-jährigen Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste getan; das hat Er im Leben eines David erwiesen und bei vielen Männern und Frauen des alten Bundes. Durch Propheten redete Gott mit Seinem Volk, durch Richter und Könige führte Er es durch die Jahrhunderte und begleitete es in Liebe und Treue. Das bedeutet jedoch nicht, dass Gott nicht strafen und richten würde, wenn es notwendig ist. Gerade an Israel wird das sichtbar. Jesaja sagt: Zion muss durch Gericht erlöst werden (1, 27). Wie viel haben die Juden schon erlitten durch die Völker, leider auch durch unser deutsches Volk; aber Gott hat Sein Volk erhalten. In unserer Zeit kam es zur Staatsgründung, und Gott hat Sein Volk gesegnet und bewahrt trotz aller Feindschaft ringsherum. Und Gott wird dieses Volk zum Ziel führen durch alle Kämpfe hindurch, die ihm noch bevorstehen, bis es seinen Messias erkennt und annimmt.
Die Völker der Erde stehen auch unter der Obhut Gottes, obwohl sie es nicht sehen. Gott sitzt ja im Regiment und lenkt alles nach Seinem Rat. Alle Obrigkeit ist von Gott eingesetzt und jedermann soll ihr Folge leisten. Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt der Anordnung Gottes (Röm. 13, 1.2). Es ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland, dass man für die Obrigkeit betet und für alle Menschen, denn Er will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. So wacht der treue Gott über Seine Schöpfung. Es kann nur geschehen, was in Seinem Willen liegt. Gott hat Seinen Bogen in die Wolken gesetzt als Zeichen des Bundes zwischen Ihm und der Erde. Obwohl das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend auf, soll, solange die Erde steht, nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht (1. Mose 8, 21.22).
Von der Himmelfahrt Jesu bis zur Seiner Wiederkunft gilt aber die Fürsorge Gottes hauptsächlich der Gemeinde Jesu Christi. Sie wird in dieser Zeit herausgerufen aus den Nationen, für ihre zukünftigen Aufgaben zubereitet und als Körperschaft des Leibes Christi vollendet. Die Glieder der Gemeinde werden in das Ebenbild des Sohnes Gottes hineingestaltet, wozu auch die Leiden dieser Zeit dienen. Denn die nach Gottes Ratschluss berufen sind und die Ihn lieben, denen wirken alle Dinge zum Guten mit. Gott leitet sie durch Seinen Geist, öffnet ihnen die Schrift, dass sie den Willen Gottes mehr und mehr erkennen, schenkt Gaben zum Dienst, stärkt das Vertrauen zu Ihm und erfüllt das Herz mit göttlicher Freude. Er bewirkt priesterliche Gesinnung und bringt in ihnen die Frucht des Geistes hervor. Die Gemeinde Jesu Christi ist ein Geheimnis vor der Welt und wird in ihrer großen Bedeutung, die sie im Plan Gottes hat, nicht erkannt. Darum ist auch ein anderes Handeln Gottes festzustellen:
5. Gott gibt Menschen in ihren Eigenwillen dahin
Die ganze Geschichte der Menschheit ist ein Beleg dafür. Die Mehrheit der Menschen will ohne Gott leben, hat Ihn trotz Seiner Werke in der Schöpfung nicht erkannt, Ihn nicht als Gott gepriesen noch Ihm gedankt. Sie sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. Satan hat ihren Sinn verblendet, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi. Darum hat sie Gott dahingegeben in verkehrten Sinn, sodass sie nicht tun, was recht ist. Unsere Medien sind voll von dem, was Menschen und Völker einander antun in ihrem egoistischen Wesen. Gott lässt sie gewähren; sie dürfen ihren eigenen Willen tun (Röm. 1, 24.26.28).
Das Wort Gottes sagt uns aber auch, dass Er dennoch auf dem Thron sitzt und regiert. Die Weltgeschichte läuft auf ein Ziel zu, was alle Bosheit der Menschen nicht verhindern kann. Der Wille Gottes steht über dem Willen des Menschen. In der Dahingabe in ihren Eigenwillen müssen die Menschen zur Einsicht kommen, dass ohne Gott das Dasein verfehlt wird. Gott kann ihnen diese Erfahrung nicht ersparen. Jesaja sagt: Wenn dem Gottlosen Gnade widerfährt, so lernt er nicht Gerechtigkeit (26, 10). Gott geht mit Seiner Gnade sorgsam um, obwohl sie für alle ausreicht, denn Er ist der Gott aller Gnade; doch Er schenkt sie nur dem Demütigen, der einsieht, dass er der Gnade bedarf und ohne sie verloren ist. Das erleben Gott sei Dank auch in unserer Zeit noch Menschen, wenn sie sich dem Ziehen des Geistes Gottes und dem Wirken Seines Wortes nicht widersetzen, sondern offen sind für die Botschaft des Evangeliums und ihr Leben Gott anvertrauen.
Obwohl Gott die Menschen in ihr eigenes Sinnen und Trachten dahingegeben hat, ist Er doch nicht ihr Feind. Wenn Jesus Seine Jünger lehrt, die Feinde zu lieben, damit sie sich als Kinder des Vaters im Himmel erweisen, dann tut Er selbst das gewiss auch. Er lässt Seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Das ist nun die notvolle Situation, in der die Menschheit steckt, dass sie aus dem relativ Guten, das ihr noch zuteil wird, nicht die rechte Reaktion zeigt, sondern ihren eigenen Weg weiter geht.
Aber Gott will, dass die Menschen Gerechtigkeit lernen. Wenn nicht durch Gnade, dann durch Gericht. In der oben erwähnten Jesaja-Stelle (26, 9) sagt der Prophet: Wenn Deine Gerichte über die Erde gehen, so lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit. Damit kommen wir zu einer sehr wichtigen Tätigkeit Gottes.
6. Gott richtet Seine Geschöpfe im Prozess des Leidens
Die Gerichte Gottes sind neben Seiner Gnade die notwendigen und notwendenden Mittel, mit denen Er Seine Ziele erreicht. Gericht ist zwar das negative Gegenstück zur Gnade, doch sie schließen sich nicht gegenseitig aus in der Weise, dass Gott entweder richtet oder Gnade erweist. Beides geschieht am selben Objekt. Gericht und Gnade ergänzen einander. Das sehen wir am ganzen Verlauf der Heilsgeschichte.
Das schlimmste Gericht hat der Sohn Gottes erlitten. Er war ja der Mann des Leidens schlechthin. Und aus diesem Gericht erwächst Gnade und Heil für die ganze Schöpfung. Das Gericht Gottes fängt am Hause Gottes an. Die Kinder Gottes müssen als Erste gerichtet werden. Gerichtet werden bedeutet nicht nur Strafe, sondern wie es das Wort in seinem Doppelsinn auch sagt: zurecht gerichtet werden. Das Richten Gottes hat eine große positive Wirkung. Gericht ist heilsnotwendig. Im Gericht bewirkt Gott Erziehung. Es dient zu unserer Erziehung, wenn wir dulden müssen. Durch Leiden und Trübsal bewirkt Gott in geheimnisvoller Weise Herrlichkeit. Die Gemeinde Jesu Christi hat das Vorrecht, in ihrer irdischen Zeit sich selbst zu richten. Wenn wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet, sagt Paulus. Wenn wir aber von dem Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht samt der Welt verdammt werden. Nicht andere sollen wir richten und nicht vor der Zeit. Aber die Gemeinde Jesu Christi ist berufen, einmal die Welt und über Engel zu richten. Doch zuvor wird sie in den Leiden der Zeit zubereitet für ihre Ewigkeitsaufgaben. Der Herr wird Seine Gemeinde heiligen und reinigen durch das Wasserbad im Wort, damit Er sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei. Durch alle Prozesse des Leidens und der Trübsal wird sie hineingestaltet in das Ebenbild des Sohnes Gottes und sie wird dann mit Ihm königlich und priesterlich regieren (1. Kor. 6, 2.3; 11, 31.32; Eph. 5, 27).
In der letzten Zeit vor der Wiederkunft Jesu Christi gehen schreckliche Gerichte über die Erde. Dies schaut Johannes in seiner Offenbarung. In Offb. 15 lesen wir, dass durch die letzten sieben Plagen der Zorn Gottes vollendet ist. Und was ist die Folge? Die Völker werden zum König der Völker kommen und anbeten vor Ihm, denn Seine gerechten Gerichte sind offenbar geworden. Gerichte führen zu Gott. Das durchleben die Völker vor der Wiederkunft Christi, das erfährt das auserwählte Volk Israel in exemplarischer Weise. Dieses Volk wird dann aber auch in der Lage sein, die Gnade Gottes, die es nun erlebt, aus eigener Erfahrung zu bezeugen und zu verkündigen. Dann gehen sie hin und machen zu Jüngern alle Völker und taufen sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehren sie halten alles, was der Herr befohlen hat.
So segensreich diese Friedenszeit auch sein wird, abgeschlossen wird sie durch Gericht. Satan, der tausend Jahre gebunden war, wird losgelassen, und er wird die Völker verführen und sie zum Kampf versammeln gegen Jerusalem. Gott aber lässt Feuer vom Himmel fallen, das sie verzehrt. Der Teufel, der sie verführte, wird in den Pfuhl von Feuer und Schwefel geworfen, wo auch das Tier und der falsche Prophet sind; und sie werden gequält werden Tag und Nacht, von Äon zu Äon.
Es folgt das Gericht vor dem großen weißen Thron. Alle, die in den Gräbern sind, werden die Stimme Gottes hören und es werden hervorkommen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts. Das Buch des Lebens und andere Bücher werden aufgetan. Die Toten werden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, nach ihren Werken. Wer jedoch in seinem irdischen Leben das Wort des Herrn hört und glaubt dem, der Ihn gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Wer nicht im Buch des Lebens steht, muss die äonischen Gerichte erleiden (Joh. 5, 24.28.29; Offb. 20, 11-15).
Diese äonischen Gerichte sind nicht endlos, sondern dauern so lange, bis sie ihren Zweck erfüllt haben. Würden sie unendlich lange dauern, dann wären sie zwecklos, dann würden sie nichts bewirken, sondern hätten nur den Sinn einer fortwährenden Strafe und Qual. Solches von dem Schöpfergott und Erlösergott zu denken, ist Seinem vollkommenen Wesen unangemessen und entspringt menschlichen Vorstellungen von Gott.
Das Richten ist eine Tätigkeit, die Gott durch Seinen Sohn ausführen lässt; denn der Vater richtet niemand, sondern Er hat alles Gericht dem Sohn übergeben, damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Der Zweck aller Gerichte ist die Gottesehrung. Nach dem Gehorsam des Sohnes bis zum Kreuzestod hat Gott Ihn erhöht und Ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters (Joh. 5, 22.23; Phil. 2, 9-11). Darum kann noch ein weiteres, abschließendes Handeln Gottes genannt werden.
7. Gott vollendet alles Geschaffene hinein in Herrlichkeit
Dass die Kinder Gottes die Herrlichkeit Gottes nicht nur schauen, sondern ausstrahlen werden, gehört zu den wunderbaren Verheißungen im Wort Gottes. Der Gott aller Gnade hat sie berufen zu Seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus. Im Innern beginnt diese Verwandlung von einer Herrlichkeit zur andern schon jetzt durch das Anschauen der Herrlichkeit des Herrn. Aber noch sehnen wir uns nach der Erlösung unseres Leibes. Wir erwarten den Herrn Jesus Christus vom Himmel her, der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde Seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der Er sich alle Dinge untertan machen kann. So wie bei unserem Gläubigwerden Kraft Gottes wirksam war, entsprechend der Kraft, mit der Er den Sohn von den Toten erweckte, so ist auch Gotteskraft am Werk bei unserer Leibesverwandlung gleich der Leibesherrlichkeit Christi (2. Kor. 3, 18, Phil. 3, 20.21).
Die Gemeinde des Leibes Christi ist dann für immer mit ihrem Herrn und Haupt vereinigt, sie ist Seine Fülle, Seine Vervollständigung und bildet mit Ihm den ganzen Christus. Alles, was Christus dann tut, das tut Er durch die Leibesgemeinde. Er wird herrschen, bis Er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird und alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet haben wird. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Der Tod wir einmal nicht mehr sein noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein. Es wird keine Nacht mehr sein, und nichts Verfluchtes wird mehr sein. Möglich ist das nur, weil Christus ein für alle Mal erschienen ist, um durch Sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben. Am Ende der Zeiten gibt es die Sünde nicht mehr. Auch der Tod als der Sünde Sold hat keine Existenzberechtigung mehr. Jesus Christus ist der Erstgeborene aus den Toten. Er ist aber nicht nur in allem der Erste, sondern auch der Letzte. Er ist das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. Er war tot und ist nun lebendig von Äon zu Äon und hat die Schlüssel des Todes und des Totenreiches. Als Letzter wird Er das Totenreich auflösen, wenn die Letzten frei gekommen sind (Offb. 1, 18; 21, 4; 1. Kor. 15, 24-28).
Das Geheimnis des Willens Gottes besteht darin, dass in der Vervollständigung der Zeiten alles hinaufgehauptet wird in Christus. Er ist das Haupt der Gemeinde, Er ist aber auch das Haupt aller Mächte und Gewalten (Eph. 1, 10. 22; Kol. 2, 10). So wie die Gemeinde die Vervollständigung des Hauptes ist, so wird durch den Füllechristus alles in allen vervollständigt. Dieser Prozess der Gesundung bis zur völligen Heilung wird Äonen beanspruchen und wird viel Leiden und Richten bedingen. Aber diesen Dienst wird der Priester in Ewigkeit an den Verlorenen tun. Es gilt das Wort, das Paulus sagen durfte: Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade noch viel mächtiger geworden, damit, wie die Sünde geherrscht hat zum Tode, so auch die Gnade herrsche durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unsern Herrn. Die Gnade ist mächtiger als die Sünde und Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht (Röm. 5, 20.21).
Gott ist der Schöpfer aller Dinge. Durch die Sünde wurde Seine Schöpfung in die Vergänglichkeit, in den Tod gerissen. Aber Gott wusste einen Weg, Seine Schöpfung wieder ins Leben zu bringen. Diesen Weg ist Er selber gegangen. Es ist der Weg der Passion, des Leidens. Und diesen Weg führt Er Seine Geschöpfe. Auf diesem Weg macht Er aus Toten Lebende. Er hat in Christus Jesus die Neuschöpfung begonnen und Er führt sie fort, bis alles neu gemacht ist. Die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Dann wird Gott alles in allen sein und jedes Geschöpf wird sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!
Die erneuerte Schöpfung erstrahlt in Gottes Herrlichkeit. Es wird ein neuer Himmel und eine neue Erde sein. Die Hütte Gottes wird bei den Menschen sein, und Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden Sein Volk sein, und Er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Der Sündenfall ist nicht nur aufgehoben, sondern Gott hat im Neumachen eine viel schönere Schöpfung erschaffen, als die ursprüngliche war. Und die neue Schöpfung hat Beständigkeit. Der Sündenfall, die Trennung von Gott, wird sich nicht wiederholen. Die durch den schmerzhaften Umweg gewonnene Erkenntnis und Erfahrung ist die Gewähr dafür, dass die Geschöpfe Gottes Ihm für immer in Liebe zugetan bleiben, weil sie in dieser direkten Beziehung zu Ihm mit höchster Freiheit und Lebenserfüllung ausgestattet worden sind. Sie werden sein, wie Er ist (Offb. 21, 1-5).
| Martin Kuch kam in den fünfziger Jahren durch Prediger Johannes Kretschmar, der den ganzen Ratschluss Gottes verkündigte, in der Christlichen Gemeinschaft der Liebenzeller Mission in Nürnberg zum lebendigen Glauben an Jesus Christus. In dieser Gemeinde lernte er auch die Brüder Hanns Heck, Adolf Heller, Karl Merz, Arthur Muhl, Willy Schirrmacher und Heinz Schumacher als Gastprediger kennen. — Seinen Dienst als Gemeindeleiter hat er aus Altersgründen aufgegeben. Er betreut aber nach wie vor zwei Hauskreise. |
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(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 2/2003; Paulus-Verlag Karl Geyer; Heilbronn)


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