“Wenn aber Christus nicht auferweckt wurde …”
Autor: Jugel, Wolfgang | Kategorie(n): Lehre, Paulus, Paulusbriefe | 788 x gelesenErnste Fragen an Zweifelnde
(Nach einem Wortdienst einer Brüder-Freizeit 1969)
“Wenn aber Christus verkündigt wird, daß Er aus Toten auferweckt wurde, wie kommen denn einige in eurer Mitte dazu, zu sagen, eine Auferstehung Toter gäbe es nicht? Wenn es aber eine Auferstehung Toter nicht gibt, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden; wenn aber Christus nicht auferweckt wurde, dann ist leer unsere Verkündigung, leer (und inhaltslos) auch euer Vertrauen! Dann werden wir (Apostel) aber auch als Lügenzeugen Gottes erfunden, weil wir im Widerstand gegen Gott bezeugt haben, daß Er den Messias auferweckt habe, den Er doch nicht auferweckt hat — wenn nämlich Tote nicht auferweckt werden. Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, dann wurde auch Christus nicht auferweckt; wenn aber Christus nicht auferweckt wurde, vergeblich ist dann euer Glaube, dann seid ihr noch in euren Sünden. Folglich sind auch die in Christo Entschlafenen verloren. Wenn wir Hoffende in Christo sind, allein auf dieses Leben ausgerichtet (oder: nur in diesem Leben), dann sind wir bemitleidenswerter als alle (anderen) Menschen!” — 1. Kor. 15, 12-19
A) Mit welchen Gegenargumenten hat es Paulus hier zu tun?
1. Behauptungen der Feinde der Auferstehungsbotschaft
Paulus redet in diesem Text von “einigen wenigen”, die durch ihre Aussagen die Gemeinde gefährden. Da könnten wir sofort fragen, ob das denn wirklich so schlimm ist, wenn in der Christusgemeinde “etliche” etwas Falsches lehren; wir Brüder werden ja manches Mal zu Recht gefragt, wenn wir gegen irgendeine Lehrmeinung zu Felde ziehen: Warum verschwendest du so viel Munition im Kampf mit einer Lehre, die höchstens einige hundert “Anhänger” auf der Welt hat?! Könnte man so nicht auch den Apostel fragen? Ich glaube nicht. Denn jene Handvoll Leute gefährdeten damals und gefährden heute, da ihre Zahl längst angewachsen ist, die Wahrheit Gottes, unseren Glauben und unser Zeugnis an einer ganz zentralen Stelle. Aus dem geringen Anbruch könnte eine Gefährdung für die Gesamtgemeinde entstehen, die “um sich frißt wie ein Krebs”, wie Paulus es einmal an anderer Stelle sagte. So will der Apostel Christi Jesu hier den Anfängen einer höchst gefährlichen Verirrung wehren, die erst in unseren letzten Tagen ihre volle Ausreife erfahren sollte.
Welche Behauptungen haben nun diese Gegner der Auferstehungsbotschaft aufgestellt? Der Text selbst gibt uns Auskunft darüber:
- Sie behaupteten, es gäbe keine reale, auch die Materie und den Leib einbeziehende Auferstehung der Toten. Offensichtlich leugneten sie nicht die Auferweckung Christi, sondern deuteten sie “lediglich” ideell um, wie man das auch in unserer Zeit tut, wenn man behauptet, Jesus lebe nur im Sinne eines Leitbildes (etwa wie Marx, Goethe und Schiller) weiter und sei geistlicherweise, in Wort und Tat Seiner Jünger hinein, auferstanden.
- Sie behaupteten also offensichtlich, auch Christus sei nicht körperlich, nicht in der Geschichte, in Raum und Zeit auferweckt worden, sondern vielmehr in irgendeinem anderen, “pneumatischen” Sinne.
- Sie behaupteten, daß sich unsere Hoffnung auf Jesus, den Messias, in diesem irdischen Leben erfülle, also in der gegenwärtigen Weltgestaltung, etwa im Sinne der Mitmenschlichkeit und der politisch-sozialen Problembewältigung. So hat es ja einer unserer heutigen Theologen auch gesagt: “Von Gott reden, heißt, vom Menschen reden”. Aus der Erwartung des lebendigen, wiederkommenden und die Welt vollendenden Christus wird eine bloße Lebenshilfe, eine kümmerliche Medizin zur Daseinsbewältigung! Eine solche Haltung und solches Denken aber bezeichnet Paulus in V. 34 als “Unnüchternheit”, ja sogar als “Sünde” und “beschämende Unwissenheit über Gott”!
2. Die Zeitgeist-Philosophie nährt die Gedanken der Zweifler
Was ist nun zu diesen Behauptungen der Feinde der Auferstehungsbotschaft zu sagen? Was steht im Hintergrund ihres Denkens? Ist es nicht ein philosophischer Hintergrund — allerdings in seinem geistigen Nährboden geformt vom “Fürsten der Gewalt der Luft, der als Geist wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams” (Eph. 2, 2)?
Zu allen Zeiten der Gemeinde standen ja die Christusboten im Kampfe mit der jeweiligen Zeitgeistphilosophie, wohl noch nie aber auf einer so breiten Front wie in unseren Tagen. Immer dann aber, wenn sie einen Friedenspakt mit der Philosophie ihrer Zeit schlossen, wurde das Evangelium Jesu Christi, des Messias Israels und der Gemeinde, von innen ausgehöhlt und verfälscht. Wir hörten gestern von Br. Schirrmacher, wie dem Zauberer Bileam zwar eine Zerstörung des Gottesvolkes durch Verfluchung von außen her mißlang, wie er aber dann auf das Wissen baute, daß Israel sich selbst von innen her aushöhlen und zugrunde richten werde. Daran ändern auch die besten missionarischen Absichten nichts, wenn man etwa meint, mangelnde innere Vollmacht durch Anpassung an den Zeitgeist ausgleichen zu können; im Gegenteil: solche Zeiten der Angleichung waren stets die vollmachtslosesten. — Wie aber war es damals?
Im Unterschied zu heute glaubte man im Raume des Griechentums ja wenigstens noch an ein Fortleben der Seele, an ein ideelles, geistiges Weiterexistieren, doch leugnete man mit aller Kraft ein Wiederaufleben des Leibes in der Auferstehung. Die Materie galt von vornherein als böse und verachtungswürdig, und der Leib galt als Kerker auf Zeit, in dem auch der Christ lebenslang, einem Zuchthäusler gleich, weile, von dem er aber dann endlich durch den Tod auf ewig befreit werde.
Dieses Denken aber konnte man nicht mit der Botschaft der Apostel vereinen, die aufs klarste verkündigten, daß die Neuwerdung des Lebens zwar im erneuerten Geiste beginne und Ausstrahlungen auch auf unsere Seele zeige, daß sie sich aber erst bei der Wiederkunft des Christus, in der Erneuerung unseres Leibes zur Gleichheit mit Seinem Herrlichkeitsleibe, vollenden werde. Mit dem Alten Testament bekannten sich Jesus und Seine Apostel entschieden zu einer Auferstehung des Leibes. Freilich schauten sie ihn als einen “Geistesleib”, der — nicht mehr von der Seele, sondern ausschließlich vom Geiste beherrscht — dann ein vollkommenes Instrument des Heiligen Geistes und Seiner Absichten sein wird. Röm. 8 spricht davon, daß wir “in uns selbst stöhnen”, weil wir die Vollendung der Sohnschaft im neuen, verklärten Leibe erwarten, die Volleinlösung der Verheißungen von der “Freiheit der Herrlichkeit der Söhne Gottes”. Im Schauen auf dieses Ziel seufzt (oder stöhnt) auch der Heilige Geist mitsamt der ganzen Schöpfung. Wir stöhnen in uns selbst wie ein Mensch, der eine notwendige, den Tod abwendende Operation durch seine Unterschrift bejaht hat und dann die Schmerzen während der Operation kaum mehr zu ertragen vermag. Wir alle haben, als wir gläubig wurden, diese Unterschrift geleistet! Und darum schickt uns unser Gott in Not und Leid hinein, weil Er will, daß auch unser Leib einmal zur Schönheit und Klarheit des Sohnes umgestaltet werden soll, auf daß er dann ein vollkommenes Werkzeug des Heiligen Geistes sei. So seufzen wir in uns selbst, weil wir danach verlangen, zur Freiheit der Herrlichkeit der Söhne Gottes erhoben zu werden, nicht allein um unseretwillen, sondern auch um Israels und der Schöpfung willen, sonderlich aber um des Herrn willen, dem wir im unerneuerten Leibe noch soviel Schande und Unehre bereiten.
Weil Paulus sich in diesem Sinne zur Auferstehung des Körpers bekennt und das Fortleben der Seele nur im Sinne eines Brückenschlages zur neuen Leiblichkeit sieht, darum kann er das — griechischem Denken — ungeheuerliche Wort sagen: “In Christus wohnt die Fülle der Gottheit körperlich”. In der Auseinandersetzung mit einem solchen Zeitgeist hätten wir diese Aussage gewiß gezähmt und etwa gesagt: In Christus wohnt die Fülle Gottes geistlich, pneumatisch.
Konnte doch der Sohn selbst bei Seinem Kommen in die Welt den Sünden und Todesleib mit Frohlocken begrüßen und dem Vater zurufen: “Einen Leib hast Du mir bereitet!” — war dieser doch für Ihn das Instrument des Gehorsams, um zur Verherrlichung Gottes Sein Wohlgefallen zu realisieren und Seinen Plan zu vollführen.
Darum hat Er es auch als Auferstandener so sehr darauf angelegt, die Jünger davon zu überzeugen, daß Er kein Gespenst, kein “pneuma”, kein Geist sei; darum forderte Er sie alle (nicht nur Thomas!) auf, Ihn zu betasten und so zu fühlen, daß Er “Knochen und Muskeln” habe (Luk. 24, 39). In dem Bemühen aber, die Dinge nicht allzu drastisch, eher poetisch zu formulieren, schreiben alle Übersetzungen, die ich kenne, “Gebein”. Jesus will Seinen Jüngern die Auferstehungswirklichkeit zeigen, Er läßt sich von ihnen schauen und betasten und ißt vor ihnen das, was sie immer gemeinsam aßen, um ihnen so zu verdeutlichen, daß zwischen dem Leibe vor Seinem Tode und Seinem Auferstehungsleibe nicht etwa nur eine “Ähnlichkeit” bestehe, sondern daß Er “genau derselbe” sei; der Auferstehungsleib Jesu ist identisch mit dem Leibe, der drei Tage im Grabe lag —, freilich dann erhoben in Gottes Herrlichkeit, lebendiggemacht durch Gottes Machttat, befähigt, an der göttlichen Lichtwelt teilzunehmen.
3. Ein Beispiel aus der paulinischen Missionspraxis
Was wir darüber in Apg. 17 lesen, kann uns dieses griechische Denken verdeutlichen. Als Paulus in Athen zu missionieren begann, fand er zunächst das Interesse gewisser Kreise der Bevölkerung, die, geistig aufgeschlossen, jeweils die Weisheit in ihrer neuesten Aussage begehrten (V. 21). Weil Paulus auf dem Markt die Frohe Botschaft von “Jesus” und von der “anastasis” (der “Auferstehung”) verkündigte, hielten sie ihn für einen “Herold fremdartiger (ausländischer) Dämonen” (also Götter — V. 18). Die Mehrzahl “Götter” weist darauf hin, daß sie nicht nur Jesus für einen Gott, sondern auch die “anastasis”, die Auferstehung also, für eine Göttin hielten; und darüber kann man gelassen diskutieren! Gibt es doch in diesem Kosmos “viele Götter und Herren” (1. Kor. 8, 5) — warum sollte man diesem Götterkreise nicht auch noch Jesus und die “anastasis” hinzufügen! Als Paulus aber dann auf dem Areopag davon sprach, daß Gott einen Mann aus Toten auferweckt und Ihn zum Richter aller Menschen, also auch der Toten, gesetzt habe, brach ein Sturm des Spottes los. Nun wußten sie, was Paulus unter “Auferstehung” verstand, und dies war ihnen schier unerträglich. Ihnen, die erwarteten, beim Tode endlich aus dem Leibeskerker befreit zu werden, wurde eine Auferstehung des Körpers zugemutet — sollten sie Eingekerkerte ohne Hoffnung sein?
Nun wird uns gewiß der Fragenkreis der Zweifler in den paulinischen Gemeinden etwas deutlicher geworden sein.
B) Die Stellungnahme des Paulus zu den Behauptungen der Feinde der Auferstehungsbotschaft
Der Apostel antwortet ihnen in der Logik des Glaubens. Er möchte diesen Irrenden und Zweifelnden, den Feinden der Auferstehungsbotschaft in der Gemeinde “in den nous (in den Denksinn) reden”; er möchte ihnen gleichsam sagen: Denkt doch bitte einmal darüber nach, welche ungeheuerlichen Folgerungen aus euren Behauptungen erwachsen, aber bitte, denkt gründlich nach!
Nun kann man freilich mit einer solchen Glaubenslogik christuslosen Spöttern außerhalb der Gemeinde nicht begegnen. Die “Wenn … dann”-Logik des Apostels stellt niemals einen Beweis für Ungläubige dar und kann es auch nicht; sie ist aber eine entscheidende Hilfe für solche, die im Glauben schwanken und noch anzusprechen sind. Ihnen will er in aller gebührenden Schärfe und Deutlichkeit vor Augen führen, welche Konsequenzen sie aus ihrem Denken ziehen müßten, wenn sie gründlich und folgerichtig arbeiteten. Hier tritt uns Paulus als geschulter Denker entgegen, der uns bis an die äußersten Grenzen der Logik, damit zugleich aber in eine zwingende Entscheidung führt.
Wenn wir jetzt im einzelnen über seine Thesen sprechen wollen, so sei mir jeweils erlaubt, diese im Sinne eines Leitsatzes ein wenig umzuformulieren.
1. Wenn man Christus als den aus Toten Auferweckten bekennt und predigt, so kann man unmöglich die Auferstehung aller Toten leugnen! (V. 12)
Wir sollten beachten, daß Paulus hier bezeugt, daß der Messias “aus den Toten” auferweckt sei, nicht etwa nur “aus dem Tode” — im Sinne eines abstrakten Begriffes. Dem Gott und Vater Jesu Christi “leben sie alle”, weshalb Er sich “Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs” nennt (Luk. 20, 38); darum werden auch alle Toten im Scheol “Seine Gefangenen” genannt, und es wird bezeugt, daß Er sie nicht verachtet (Ps. 69, 33).
Die Apostel wissen um ein Reich der Toten und sprechen darum von “Geburtswehen des Scheols” (des Totenreiches), die zu immer umfassenderen Geburten aus dem Totenreiche führen, bis zur endgültigen Beseitigung des ersten und zweiten Todes. Der Christus aber hat den “Mutterschoß des Todes” als erster zerrissen und damit allen kommenden Geburten den Weg eröffnet. Darum heißt Er sowohl “Erstling der Toten” als auch “Erstgeborener aus Toten”. Dies aber, damit Jesus, unser hochgelobter Herr, in jeder Beziehung den Vorrang habe, auch hinsichtlich der Erweckung aus den Toten. So führt Er den Sieges- und Triumphzug der Totenauferstehungen an und leitet durch Seine Auferweckung die endgültige Überwindung des Todes und seiner Mächte ein; unser Kapitel spricht ja davon, daß erst nach der Verwirklichung dieses Teilzieles die alles entscheidende und allumfassende Vollendung anheben kann.
Nur von dieser Gesamtschau aus kann Paulus sowohl die “Auferstehung der Gerechten” als auch die “der Ungerechten” als eine “Hoffnung” bezeichnen (Apg. 24, 15) — dies aber im vollen positiven Sinne und ohne jeden ironischen Beigeschmack! Wie kann man das verstehen? Nun, die Auferstehung der Ungerechten ist eine Auferstehung zum Gericht und zu “äonischer Scham”; da aber die Gerichte Gottes dazu dienen, die Gesetzlosigkeit auszubrennen und den Gerichteten gnadenbegierig zu machen, ist das Los der Toten dadurch um vieles besser, als wenn sie ohne Ziel und Ende im Totenreiche schmachten müßten! Darum kann Paulus auch ihre Auferstehung eine “Hoffnung” nennen. Der Ausweg aus dem ersten Tode ist die Auferweckung der Toten zum Gericht des zweiten Todes; da dieser aber nicht mit einem nochmaligen Sterben gleichgesetzt werden kann, wird der Ausweg aus ihm in einer “Lebendigmachung”, einer Belebung durch Gottes Geist bestehen. “Denn in derselben Weise wie in dem Adam alle sterben, also werden in dem Messias alle lebendiggemacht werden!” (1. Kor. 15.22).
Bei allem spüren wir, daß es dem Denker Paulus nicht um fromme Gefühle geht. Nicht unser frommes Ich, sondern “die Sache Gottes und Seines Messias” steht im Mittelpunkt, wie es unser Br. Kahn immer wieder gesagt hat. Wie stehen wir doch in Gefahr, Gottes großen Plan zu verdrängen und im Selbstgenuß frommer Gefühle und damit in einer verhängnisvollen Ichfrömmigkeit zu versinken! Der große Gedanke der Todesüberwindung durch Jesus, den Auferstandenen, steht hinter allen Aussagen unseres Kapitels; darum glauben wir auch die Auferstehung der Toten und halten in gespannter Erwartung Ausschau auf den wiederkommenden Herrn, der Gottes Werk zu Ende führt und verklärt. In seiner Auslegung des 1. Korintherbriefes (Wuppertaler Studienbibel) hat Werner de Boor dazu folgendes gesagt:
“Wer die harte Grenze des gegenwärtigen Heilsbesitzes tief erleidet” – d. h. wer darunter leidet, daß er, belastet durch die im Fleische wohnende Sünde, seinem Herrn nur unter ständigen Spannungen und in immer neuen Versuchungen und Sünden zu dienen vermag — “der wird das sehnliche Erwarten des kommenden Heils nicht so leicht verlieren! ”
Er stöhnt in sich selbst, erwartend die Volleinlösung der Verheißung, die Vollendung der Sohnschaft, das Vollerbe der Söhne, den christusgleichen Leib. De Boor führt weiter aus:
“Die Botschaft von der Auferstehung der Toten ist der schärfste Angriff auf unsere ganze irdische Selbstsicherheit, gerade auch in ihrer religiösen Verbrämung. Sie ist auch die Durchbrechung und Aufhebung jedes ‘geschlossenen’ natürlichen Weltbildes, sei dieses nun ein ‘griechisches’, ‘gnostisches’ oder ‘modernes’ …”
Christus hat alle unsere Weltbilder und Denksysteme durchbrochen. Er steht jenseits unserer selbstgebastelten Philosophie. Sein Gott und Vater lebt nicht im Kerker unserer Gedanken, sondern in einem unzugänglichen Licht. Doch ist Sein Heil zu uns hin “durchgebrochen”, und Er hat sich aufs klarste in Jesus, dem Messias, sonderlich in Seiner Auferweckung aus Toten, geoffenbart. — In V. 13 kehrt Paulus die Aussage von V. 12 einfach um; ich möchte V. 12 nochmals wiedergeben:
Wenn man Christus als den aus Toten Auferweckten bekennt und predigt, so kann man unmöglich die Auferstehung aller Toten leugnen (V. 12). — Wenn es aber keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden! (V. 13).
Kurz und bündig: Wer nicht die Auferstehung aller Toten glaubt, verliert das Recht, von der Auferweckung Jesu Christi zu reden, denn dann ist der Christus nicht auferweckt worden, soviel man auch davon redet! Alle Vergeistigungsversuche sind hier Fehlkonstruktionen. Dann ist der Leib Jesu längst verwest, und Seine Seele weilt — je nach Standpunkt — noch unter der Gewalt der Todesmächte, oder aber sie ist bei Seinem Sterben schon erloschen.
Paulus redet hier so radikal, weil er allen Zweiflern vor Augen führen will, welche Konsequenzen es hat, wenn man die Auferstehung der Toten leugnet. Er möchte sagen: Man kann nicht zugleich die Auferstehung Toter bestreiten und die Auferweckung Christi bekennen, oder man muß sie — damals wie heute — in irgendeiner Weise vernebeln und umdeuten. Solche gefährlichen Versuche aber bekämpft Paulus, weil mit diesem Punkte die Christusbotschaft steht oder fällt. Damit steht der Apostel klar auf der Grundlage der Propheten und der Heiligen Israels, die niemals den Leib und die Materie verachteten. So fand das Denken der Hebräer seinen höchsten und edelsten Ausdruck darin, daß Jesus von Nazareth Seinen Körper als einen Tempel Gottes bezeichnete. Paulus kann es ihm nachvollziehen und vom Leibe der Glaubenden ebenfalls als von einem “Tempel des Heiligen Geistes” sprechen.
Nun könnte mancher fragen: Warum redet Paulus hier so scharf? Ändert denn diese oder jene “Theorie” etwas am inneren Bestand des Glaubens? Ist es denn so entscheidend, ob man an die Auferstehung der Toten glaubt oder nicht? Ist es nicht wichtiger, daß “wir mit Christus geistlich auferstanden” sind? Paulus antwortet: Die Stellungnahme zu dieser Frage entscheidet alles; es wird nicht etwa nur ein einzelner Stein aus der “Behausung Gottes im Geiste”, also aus der Gemeinde und ihrer Verkündigung herausgebrochen, so daß sie mit einem kleinen “Schönheitsfehler” weiterbestehen könnte, vielmehr stürzt das ganze Gebäude ein, wenn man die Auferstehung der Toten leugnet, und hinterläßt ein unübersehbares und nicht wiederherstellbares Trümmerfeld. Die Zerstörung der Gemeinde aber ist die Zerstörung unseres Glaubens. “Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden!”
Hier erscheint auch der große Gedanke von der unlösbaren Solidarität (Verbundenheit) des letzten Adams Jesus Christus mit der gesamten Menschheit, auch hinsichtlich der Todesfrage und der Totenauferweckung. Sein Heil, Seine Rettung in der Auferweckung durch den Vater ist aufs engste mit dem Heil der ganzen Menschheit verknüpft. (Hier sei einmal darauf verwiesen, daß wir in der “Auferweckung” die alleinige Aktion und Machttat Gottes zur Rettung Seines Sohnes, in der “Auferstehung” dessen Re-Aktion auf die Tat Gottes sehen; nur weil der Vater Ihn auferweckte, konnte Er auferstehen.) Als letzter Adam ist Christus der Urheber einer neuen Menschheit mit göttlichem Leben. Wir verwiesen schon auf 1. Kor. 15, 22, wo deutlich genug bezeugt wird, daß die Lebendigmachung aller (und dies ist mehr als Auferstehung) den gleichen Umfang hat und in derselben Totalität geschieht wie das Sterben der Menschheit in dem ersten Adam. In Seiner Auferstehung hat der Messias “als Erster Licht verkündigt — sowohl dem Volke Israel als auch den Nationen” (Apg. 26, 23). So ist Jesus die mächtige Quelle der Totenauferstehungen, aber auch der Überwindung des Todes und seiner finsteren Mächte. “Wenn die Toten nicht auferstehen, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden”. Oder im Gleichnis des Stromes: Wenn ein großer Strom plötzlich austrocknet, dann sind folgerichtig zuvor alle seine Quellen und Nebenflüsse versiegt. Die Quelle aber der Auferstehung ist unser Herr, der den Schoß des Totenreiches durchbrach, und wenn jemals der “Strom der Todesüberwindung” abrisse und versiegte, so würde dies beweisen, daß die Quelle dieses Stromes versiegt ist. Noch radikaler: Dann hätte es niemals eine Quelle gegeben; dann wäre Christus nicht auferstanden; hiermit aber wird der enge Rahmen des Bildes gesprengt. —
Zum folgenden Vers 14 eine Vorbemerkung. Der Glaube kommt ja, wie wir wissen, aus der Predigt, die Predigt aber (jedenfalls das, was man innerlich aus ihr vernimmt) wächst aus dem Worte Gottes hervor, dieses aber beruht auf den objektiven göttlichen Heilstatsachen.
2. Wenn nun Christus nicht auferweckt wurde, so ist die Predigt der Apostel (und damit jegliche Evangeliumsverkündigung) “kenos”, d. h. leer, hohl, sinnlos, vergeblich, Form ohne Gehalt und reine (utopische) Rhetorik. Wenn aber die Predigt ohne die Wirklichkeit der Christusauferstehung “vergeblich” ist, dann auch alles, was sie jemals bewirkt, also auch der aus ihr erwachsende Glaube.
Die Verkündigung der Apostel war dann hohles Geschwätz und bloße Utopie; dann sparen auch wir uns besser jedes Wort, denn dann ist auch die kunstvollste Redeweisheit nur ästhetischer Schnörkel um die Lüge.
Die Frage ist ja doch, ob wir in einer Utopie (also in reiner Täuschung) leben, oder aber, ob wir eine lebendige, untrügliche Hoffnung haben! Die Brücke zwischen der Christusauferweckung und lebendiger Hoffnung schlägt Petrus in seinem ersten Briefe (1, 3): “Wir sind wiedergeboren durch die Auferstehung Jesu Christi zu einer lebendigen Hoffnung”. Eine “tote Hoffnung” und damit bloße Utopie wäre jegliche Hoffnung ohne den Untergrund der Auferstehung Jesu. Weil aber Jesus lebt, leben auch wir durch die Wiedergeburt aus Seinem Geiste, und darum ist auch unsere Hoffnung lebendig. Auferstehungsleben im Glauben gibt es nur als Ausfluß der Auferstehung Christi. De Boor sagt hierzu:
“Nicht das Wort (die Predigt) trägt und schafft die Auferstehung” — wie man heute behauptet — “sondern das heilsgeschichtliche Faktum der Auferstehung schafft und trägt das sie bezeugende Wort!” (und damit den aus ihm wachsenden Glauben).
Und Heinrich Langenberg (in seiner Auslegung von 1. Kor. 15):
“Zwar ist geschichtliche Tatsache ohne Heilserlebnis wertlos für uns” (das erleben wir ja bei jedem nicht glaubenden Menschen. Ihm nützt die Auferstehung Jesu zunächst gar nichts), “Erlebnis aber ohne geschichtliche Tatsache ist Täuschung! Beides in unlöslicher Vereinigung dagegen ist Grundlage unseres Glaubenslebens!”
Hinter dem Heilserleben muß die entsprechende Heilstat Gottes in Raum, Zeit und Geschichte stehen. Wenn Christus nicht auferweckt wurde, ist die Apostelpredigt, dann aber natürlich auch unsere Verkündigung leer und inhaltslos, und alle ihre Wirkungen geschehen fürs Feuer.
3. Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, so sind die Apostel in ihrem Zeugnis von der Auferstehung Jesu Christi “Lügenzeugen” und stehen damit als “Zeugen gegen Gott” dem Ketzer gleich (V. 15-16)
Im Grundtext heißt es eigentlich “Lügenzeugen”, die ihr falsches Zeugnis “im Widerstand gegen Gott” ausrichten, also den falschen Propheten des Alten Bundes gleichen. Man muß einmal in 5. Mose 13 nachlesen, was dieser “Ketzerparagraph Israels” einem Lügenzeugen androht, selbst wenn er in der Lage war, Wunder und Zeichen zu vollbringen, wie etwa die Apostel: Der Tod der Steinigung war ihm gewiß. Nach diesem Gesetzesparagraphen wurde auch Jesus von Nazareth verurteilt; nach ihm bestätigen Zeichen und Wunder eine göttliche Beauftragung nicht, wenn der Prophet nicht aufs klarste den Einzig-Einen Gott bezeugt.
In unseren Tagen muß die Frage gestellt werden: Waren diese Apostel Augenzeugen oder aber Lügenzeugen und Schwindler, — erfüllt mit dem Geiste des “Vaters der Lüge”? Auch wir müssen uns immer wieder die Frage nach der Wahrheit unseres Zeugnisses stellen; sind wir wahr in unserer Verkündigung oder schwätzen wir den Leuten nach dem Begehr ihres Herzens? Hier liegt auch die zentrale Schaltstelle zu unseren gegenseitigen Beziehungen — ob wir aus der Wahrheit sind oder aus der Lüge. Gott kommt mit einem Menschen, der auf irgendeinem Gebiet moralisch gestrandet ist, gewiß schneller wieder zurecht als mit einem Menschen, dessen innerstes Wesen der Lüge verhaftet ist! Die Gemeinschaft zwischen Brüdern wird durch die Wahrheit gesegnet und gereinigt, durch die Lüge aber vergiftet. Hier droht allerhöchste Gefahr für Verkündigung und Heilserleben!
Sind wir aber Lügenzeugen, dann sind wir verbrecherische Ketzer, die im Widerstand gegen Gott arbeiten und Menschen in die Irre führen. “Gegen Gott zeugen” ist, biblisch gesehen, darum höchster Frevel, weil man Handlungen Gottes bezeugt, mit denen Er nie etwas zu schaffen hatte, und Wesenszüge Gottes, die mit Ihm unvereinbar sind oder im schärfsten Widerspruch zu Ihm stehen, der ein Gott der Liebe, des Geistes, des Lichtes und des Lebens ist. Wie könnte die Gerechtigkeit Anteil haben an der Gesetzlosigkeit, welche Gemeinschaft besteht zwischen Licht und Finsternis, welche Harmonie zwischen dem Christus und dem Satan (2. Kor. 6, 14-15)? Paulus will den Zweiflern sagen: Wenn ihr auf dem Nährboden eurer Philosophie solche Gedanken pflegt, dann tretet doch einmal offen aus euren Schützenlöchern heraus und sagt uns Aposteln ins Angesicht: “Ihr seid keine Augenzeugen, sondern Lügenzeugen, und man müßte euch nach dem Gesetz Israels steinigen!”
4. Ohne die Auferweckung Christi sind Vertrauen und Glauben der Christen “vergeblich”, und sie sind noch in ihren Sünden (V. 17)
Hier macht Paulus die zentrale Aussage des vorliegenden Textes. Das Wort, das er für “vergeblich” gebraucht (mataios), wollen wir uns ein wenig näher anschauen, damit wir seine ganze Tragweite erkennen.
“Mataios” bedeutet: fruchtlos, kraftlos, erfolglos, unbegründet, vergeblich, frevelhaft, ja sogar töricht und wahnsinnig. Alle unsere Glaubenserfahrungen stehen ohne die Auferweckung Christi unter diesem Zeichen: Sie sind ohne Frucht, Kraft und Erfolg, entbehren jeder echten Grundlage, ja sie sind sogar frevelhaft, wenn nicht Einbildung eines Wahnsinnigen, weil wir mit ihnen gegen Gott stünden; es ist “wahnwitzig” zu behaupten, Jesus sei auferweckt worden, wenn es keine allgemeine, weltweite Totenauferstehung gäbe! Zur Füllung noch einige verwandte Begriffe:
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“matazo” “mataio-logos” “mataio-ponia” “mataiotäs” “mataio-o” |
= freveln, Unsinn schwatzen = hohles Geschwätz = fruchtlose Philosophengrübelei = Leichtsinn, Nichtigkeit, Hinfälligkeit = betört werden, in sinnlosen Wahn verfallen |
Wir schwatzen Unsinn und treiben sinnlose Philosophengrübelei, wenn wir großartige Glaubensbekenntnisse ablegen und dabei über irgendeine unterirdische Kanalisation in Verbindung mit der sogenannten “modernen Theologie” stehen; dann handeln wir oberflächlich und leichtsinnig und haben bestenfalls die Ausrede, nicht zu wissen, was wir tun, d. h. wie Wahnsinnige zu handeln.
In welch einer klaren, kristallharten Sprache redet doch dieser Sendbote Jesu Christi zu uns, als habe er es zuvorgeahnt, in welch hartem Kampf die endzeitliche Gemeinde mit der Zeitgeistphilosophie steht, die ja letzten Endes nichts anderes als eine Geisteswirkung des Fürsten der Gewalt der Luft ist, der in der jeweiligen Gegenwart durch die Söhne des Ungehorsams das geistige Geschehen formt. Doch hatte Paulus zu seiner Zeit gleiche Kämpfe mit einer im Ansatz ähnlichen Ideologie zu bestehen, auf daß Gott durch die prophetischen Schriften der Apostel bereits die Arznei für die Endzeitgemeinde schaffen könne. So hat Gott in Seiner unausforschlichen Weisheit die törichten Zweifler in den ersten Gemeinden zum Zuge kommen lassen und hat das, was der Feind Böses bewirken wollte, “zum Guten ersonnen” (1. Mos. 50, 20) — zum Guten nämlich für die Christusgemeinde in der Letztzeit, da die geistigen Auseinandersetzungen immer schärfer werden. Wir sollten uns darüber freuen, daß wir endlich in einer Zeit des Bekennens stehen, wo die Masken fallen, die pseudochristliche Heuchelei aufgedeckt wird und die Fronten im Kampf der Geister sich klar abzeichnen.
Ohne Christi Auferweckung ist das Vertrauen der Christen töricht, leer, sinn- und gehaltlos, und sie sind “noch in ihren Sünden”.
Hier erscheint zum erstenmal ein “soteriologischer Gesichtspunkt”, d. h. der Gedanke des Heils, der Errettung aus dem Gesetz der Sünde und des Todes. Langenberg sagt hierzu:
“Es gibt keine Befreiung von den Sünden ohne den entscheidenden Generalsieg über die Welt der Sünde durch die Auferweckung Christi!”
Dem müssen wir die Frage entgegenstellen: Rettet uns denn nicht das Kreuz Jesu, Sein vergossenes Blut und das ganze “Heilsinstrumentarium der Passion”? Warum weist Paulus hier hinsichtlich der Versöhnungsfrage, also hinsichtlich der Errettung aus den Sünden, auf die Erweckung Jesu aus den Toten hin? Paul Humburg (der frühere Generalsekretär des CVJM) deutete dies einmal so:
“Wir haben kein Heilmittel gegen die Sünde, wir haben nur einen Heilsmittler! Alles hängt an der Gemeinschaft mit dem lebendigen Christus, dem Versöhner und Erretter. Alles ist ganz personbezogen. Man kann nur aus des Auferstandenen Hand die ewige Gnade Gottes empfangen!”
Erst als Christus in der Auferweckung aus den Toten “als Sohn Gottes unter Beweis gestellt wurde” (Röm. 1, 4), erhielt Seine Kreuzigung und Selbsthingabe Sühnecharakter und Heilsbedeutung. Ohne dieses Ja des Vaters zu Seinem gekreuzigten Sohn bei dessen Auferweckung ist das Kreuz bestenfalls das Zeichen eines in seiner Naherwartung des Gottesreiches enttäuschten und gescheiterten Märtyrers, oder Kreuz unter Millionen anderer antiker Kreuze — Zeichen eines hingerichteten Verbrechers. Dann ist Jesus kein anderer als etwa der von Mörderhand niedergestreckte Ghandi oder John F. Kennedy oder Martin Luther King!
Nicht das Kreuz rettet uns, auch nicht allein der Gekreuzigte, es sei denn als der Auferstandene! Wir reden oft und viel von dem Heil, das wir “im Kreuz” haben — sollten wir nicht einmal an das Rettungszeichen der Kupferschlange des Mose denken, an die “Nechustan”, die später zu einem Götzen wurde, dem man in Israel Rauchopfer darbrachte, weshalb der Reformatorkönig Hiskia sie zu Pulver stoßen und in die Bäche um Jerusalem streuen ließ, wie er es auch mit allen anderen Götzenbildern Judas tat?
So hat auch die Christenheit das Kreuz nahezu einem Götzensymbol gleichgemacht. Nicht im Kreuz ist unsere Rettung! Darum trage ich kein Kreuzlein und hänge mir kein Kreuz in die Wohnung. Ich glaube an den Lebendigen, den aus Toten Auferstandenen, der mich am Kreuz, als Er Sein Blut vergoß, errettet hat – ganz gewiß; aber wirksam wurde die “Arznei der Errettung” erst, als der Vater Jesus aus dem Tode wiederbrachte und Ihn so als Sohn unter Beweis stellte (Röm. 1, 4). Röm. 4, 24 gibt uns hierzu die entscheidende Antwort: “Wir glauben an den Gott, der Jesus, unseren Herrn, aus Toten auferweckte; Er wurde unserer Übertretungen wegen dahingegeben, um unserer Rechtfertigung willen aber auferweckt!” Rechtfertigung — durch die Christusauferstehung.
In unserer Gemeinde hielt einmal ein junger Mann die Osterpredigt, der auf einem freikirchlichen Seminar seine “moderne”, theologische Ausbildung erhalten hatte; das gibt es eben leider nicht nur in den “bösen” Landeskirchen! Und wenn die Arbeitsgemeinschaft freikirchlicher Gemeinden sich bereits zweimal in dem Sinne geäußert hat, sie habe mit der Bekenntnisbewegung “Kein anderes Evangelium” nichts zu tun, da dies eine rein innerkirchliche Angelegenheit sei, und könne auch ihre Arbeitsweise theologisch nicht billigen, so ist dies Verrat an den Brüdern! In meiner Bibel steht: “Wenn ein Glied leidet, so leiden alle mit” (1. Kor. 12, 26)! Ganz zu schweigen von dem, was auf freikirchlichen Seminaren (oft den Gemeinden und ihren Ältesten verborgen) gelehrt wird.
Dieser Mann sagte also in seiner Osterpredigt etwa folgendes: Man stelle sich einmal vor, es habe “am dritten Tage” bereits das Fernsehen gegeben, und eine Fernsehkamera wäre die ganze Nacht, das Felsengrab im Blick, gelaufen, und Jesus sei, “wie wir mit den Vätern bekennen, auferstanden”, so wäre ganz gewiß der Fernsehfilm von vorn bis hinten völlig leer gewesen — abgesehen von dem unverändert gleichen Bild des Felsengrabes und der natürlichen Szenerie. “Das ist auch gar nicht so wichtig, meine lieben Brüder und Schwestern”, so fuhr er fort, “zu wissen, ob Jesus, historisch gesehen, auferstanden ist”. Wichtig sei es vielmehr, Leben in Ihm zu haben, wie Jesus geistlicherweise auferstanden zu sein und die Glaubensgeschwister sowie alle Menschen im Sinne der Mitmenschlichkeit zu lieben; dieses tätige Auferstehungsleben aber sei völlig unabhängig von der Frage, ob die Auferstehung des Herrn geschichtlich geschehen sei oder nicht. —
Nun muß man solch eine schöne salbungsvolle Predigt einmal hören; ich habe anschließend die leitenden Brüder gefragt, ob ihnen etwas aufgefallen sei; sie hatten alle nichts gemerkt und waren sehr angetan von der “Moral der Geschicht’”.
Aber ist dies nicht wirklich das Wichtigste, daß ein Mensch sich zu Jesus bekehrt und, wiedergeboren aus Gottes Geist, sich selbst im Gebet zu trösten vermag — “zu Jesus beten, heißt soviel wie zu seiner eigenen Großmutter beten” (so sagte ein bekannter Theologe) — und daß er seinen Nächsten liebt wie sich selbst? Ist es nicht das Wichtigste, daß er über “heiligen Schriften” meditiert, Gemeinschaft mit allen anderen Christen hat, und was es sonst noch an schönen frommen Dingen gibt? Die Frage ist, ob dies ohne die tatsächliche Auferstehung Jesu überhaupt möglich ist!
Paulus bezeugt in aller gebührenden Schärfe das Gegenteil: Dies alles, also das subjektive Heilserleben (Bekehrung, Wiedergeburt, Heilsgewißheit, Bibelstudium, Erkenntnis, Gemeinschaft, Brotbrechen, Gebet, Apostellehre) ist sinnlos, ja Betrug und Opium für das Volk ohne die objektive Heilsgrundlage der Auferweckung Christi! Es ist leeres und dummes Geschwätz, wenn nicht im Hintergrund die weltumspannende und nicht mehr rückgängig zu machende Heilstatsache der Auferweckung Jesu steht! Wenn wir hierüber nicht volle Gewißheit haben, ist alles, was wir sonst an frommen Dingen pflegen, Selbstbetrug; dann sollten wir uns lieber an die “zeitliche Ergötzung der Sünde” halten (Hebr. 11, 25), wenn diese auch “kurzbefristet” ist. Oder mit Paulus: “Lasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!” (1. Kor. 15, 32b).
5. Wenn Christus nicht auferweckt ist, dann sind auch die “in Christo (d. h. in der Hoffnung auf ewiges Leben) Entschlafenen” verloren (V. 18)
Zu fragen wäre hier: Genügt denn nicht der von Christus und Seiner Auferweckung losgelöste Glaube an einen lebendigen Gott allein? Wäre dies nicht um vieles besser als Gottlosigkeit? Paulus verneint auch dies. Und er begründet es: Die in Christo, in der Hoffnung der Heilsannahme und des ewigen Lebens Entschlafenen, wären ohne Seine Auferweckung aus Toten nicht nur “tot”, nicht nur “nichtexistent”, sondern unerlöst, ohne Hoffnung und Heilszukunft dem endzeitlichen Gotteszorn preisgegeben; sie wären “verloren”. Dies heißt eben nicht nur, daß sie einmal keine Auferweckung erfahren werden, sondern daß sie nach wie vor und wirklich dann in alle Unendlichkeit unter dem Zorne Gottes stünden, als ob nie eine Erlösung geschehen wäre!
Dann herrschen noch die Todesmächte über uns, dann hat der Satan noch immer die “Rechtsbefugnis” (exousia) von Gott aus, den Tod einzusetzen als Bezahlung für unsere Sünden (Hebr. 2, 14-15); dann sitzen wir alle noch als ewige Zuchthäusler des Todes hinter den Gittern der versklavenden Todesangst; dann hat nicht Jesus die “Schlüssel des Todes und des Hades” in Seinen heiligen Händen, sondern nach wie vor der Satan als der “Chef des Todes”. — Oder im Bilde der Josephsgeschichte: Nachdem dieser Joseph im Kerker Potiphars in den Stock gespannt wurde, wo er im Feuer Gottes litt, damit sich seine Seele als schlackenlos erwies, wurde er ja dann vom Fürsten des Kerkers zum Aufseher aller Gefangenen gemacht; er empfing von ihm die Schlüssel, die ihm Zugang zu allen Zellen verschafften, wo er dann den Gefangenen ihre Heilszukunft weissagen konnte (1. Mos. 39, 22 ff.).
Wenn dies nicht, auf Christus bezogen, volle Wahrheit ist, “dann sind selbst die in Christo Entschlafenen verloren” — auch Paulus! Dann bleibt der Tod ein auswegloser Kerker, und wir sind als Sklaven dem unentrinnbaren Gesetz der Sünde und des Todes unterworfen; dann stehen wir mit aller Schöpfung in der Lebenssinnlosigkeit, und all unsere Frömmigkeit ist nur eines: Narkotikum, Opium für das Volk, Haschisch für uns selbst.
Doch Jesus spricht zu Johannes, der angesichts Seiner Thronherrlichkeit wie ein Toter zu Seinen Füßen niedergesunken war: “Fürchte dich nicht! Ich bin der Ewige, der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich wurde tot, doch siehe, ich bin lebendig in die Äonen der Äonen und habe (darum) die Schlüssel des Todes und des Totenreiches in meiner Hand!” (Offb. 1, 17-18). So kann auch Hebr. 2, 14-15 bezeugen, daß Jesus, als Er die Schlange am Pfahl wurde, durch Seinen Tod dem die Vollmacht entzog, der sie bisher rechtmäßig besaß, das ist dem Satan, und daß Er durch Seine Auferweckung alle die befreite, die lebenslang der Todesfurcht unterlagen.
So steht die Auferweckung Christi in der Mitte zwischen Seinem Tode am Kreuz und Seiner endzeitlichen Wiederkunft, in der Mitte zwischen Heilsvergangenheit und Heilszukunft, Heilsbeginn und Heilsvollendung, und beide, Kreuz und Wiederkunft, erhalten ihren Sinn nur durch den Auferstandenen, der zu einem gleichsam Toten sprach: “Ich bin lebendig!” So ist die Gemeinde aus Erstlingen Judas, aus Stämmen Israels und der Weltvölker auch hinsichtlich des totalen Sieges Jesu über den Tod und seine Mächte “eine Erstlingsfrucht (oder: Erstlingsgarbe) aller Geschöpfe Gottes”. Wenn einmal die Gemeinde auferweckt, verwandelt und entrückt wird, dann wird man sagen: “Verschlungen ist der Tod im Siege”, weil dieses Geschehen den ersten Etappensieg des Messias auf dem Wege zur endgültigen Beseitigung aller Todesmächte, auch des zweiten Todes, darstellt.
6. Wenn wir Hoffende in Christo sind – allein bezüglich dieses Lebens —– dann sind wir bemitleidenswerter als alle anderen Menschen! (V. 19)
Wir sind ja Hoffende in Christo und erwarten die Vollendung aller Dinge. Wir erwarten den Messias Jesus als den wiederkommenden Herrn der Herrlichkeit. Wie kann aber der Apostel sagen, wir verdienten mehr Mitleid als alle anderen Menschen, wenn wir “Hoffende in Christo allein bezüglich dieses Lebens” seien? Was versteht er darunter?
Es bedeutet, irdische Hoffnungen zu haben, die durch Christus “verklärt” werden, so daß Er zu einer Randverzierung unserer Lebensbewältigung und zum Heiligenschein um unseren “bios” herabsinkt.
Es bedeutet, daß unsere Christenhoffnung nur auf die Welt, auf Weltgestaltung und Verwirklichung des natürlichen Lebens (bios) bezogen ist. “Hoffende in Christo sein — bezogen nur auf dieses Leben” heißt, daß wir immer wieder neu den Selbstverbesserungsversuch auf dem Wege zur Mitmenschlichkeit unternehmen, obwohl er bereits millionenmal seit dem ersten Adam gescheitert ist. Es gibt keine Renovierung des alten Adam ohne Wiedergeburt zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferweckung Jesu des Messias! Sonst ist Christus bestenfalls Vorbild, Ideal und philosophischer Handlanger unserer Selbstverwirklichung.
“In Christo zu hoffen nur im Blick auf dieses Leben” bedeutet ferner, in einem Kosmos ohne Zukunft zu leben. Dann schrumpft konsequenterweise die “Eschatologie”, die Lehre von der Vollendung des Reiches Gottes und den letzten Dingen, zusammen zum “Offensein uns selbst gegenüber”, wie das die Theologen heute sagen. Dann ist die Wiederkunft des Christus nur mythologisches Brimborium und die vom “Spätjudentum geprägte Endzeiterwartung” nichts anderes (nachdem sie die Herren durch die Mühle der Entmythologisierung gedreht haben) als “daß Gott uns eine Möglichkeit gibt, Ja sagen zu können zu uns selbst und zur Welt”. Professor Künneth sagt hierzu:
“Das christologische Defizit zeigt sich endlich noch in dem Zusammenbruch der Eschatologie, der Zukunftshoffnung. Es ist ja klar: ist Christus nicht auferstanden, ist es sinnlos, auf Seine Wiederkunft zu warten … Es ist geradezu erschütternd, mit welchem Spott und Hohn sogar maßgebende Träger der Existenztheologie sich über die Zukunftshoffnung der Christen äußern … So muß nun das christologische Vakuum neu ausgefüllt werden (s. Matth. 12, 43-45; der Verfasser). Es wird ausgefüllt durch eine ‘Theologie der Revolution’”.
Wenn aber diese Beschränkung auf das Dasein und Diesseits durchgeführt wird, so sind alle Versuche zur Mitmenschlichkeit, der Adel des Geistes wie die Disziplinierung der Seele, samt allen anderen moralischen Reparaturen am alten Adam, fürs Feuer, weil dies alles dann nicht in der Neuheit göttlichen Lebens geschieht, sondern unter dem fortdauernden Gotteszorn. Dann sind wir bemitleidenswerter als alle ungläubigen Menschen und gehen nicht nur wie sie dem endzeitlichen Zorn entgegen, sondern erleiden ein härteres Geschick. Wie kann Paulus dies sagen?
Weil wir falschen Hoffnungen erlegen sind; weil wir — als betrogene Betrüger — eine bittere Enttäuschung erleben werden; weil wir Lügenzeugen gegen Gott und Verführer waren, die das Volk narkotisierten; und weil wir durch manchen Verzicht “um Christi willen” dann weder von der “zeitlichen Ergötzung der Sünde” noch von unserem Glauben einen Gewinn haben! Dann sollten wir doch lieber dieses Leben mit allem, was es bietet, bis zur letzten Neige ausschöpfen, wobei wir durchaus nicht im Gefängnis landen müssen. Gibt es nicht auch einen edlen Weltgenuß? “Trinke, was die Wimper hält, von dem gold’nen Überfluß der Welt”, sagte Goethe.
Zum Schluß: Es geht dem Denker und Lehrer Paulus in unserem Text nicht um weltferne theologische Theorien, sondern um Seelsorge an Irrenden, Zweifelnden und Schwankenden; und da kann er nicht klar und deutlich genug sprechen. Er entwickelt keine Gedanken, die man nach Wahl annehmen oder ablehnen könnte, sondern er kämpft um die Bezeugung einer Realität. Ohne die Auferweckung Jesu aber wandelt sich diese Realität und wird für uns höchst gefährlich: dann nämlich sind wir verloren, und man sollte uns mehr bemitleiden als alle anderen Menschen.
Baut die Gemeinde des lebendigen Gottes in unseren Tagen auf Sand oder auf Felsen? Der “Fels, hochgelobt sei Sein Tun” ist allein Jesus, der Messias, der Gott und Heilige Israels. Auf diesen Felsen wollen wir die Behausung Gottes im Geiste aufbauen, für dieses Haus Gottes kämpfen und zeugen wir. Wir bekennen uns zu dem auferweckten Messias, der als lebendig machender Geist die “Behausung Gottes” durchdringen und erfüllen will. Wo das Zeugnis des Paulus ihr aber nicht mehr als Wahrheit gilt, da bleibt von ihr nichts übrig als ein Trümmerfeld voller Totengebeine; und da erweisen sich die modernen Lügentheologen als Betrüger an Menschen, da sie ihnen mit der Leugnung der Auferstehung Jesu alles nehmen: die Hoffnung dieses Lebens, die zeitliche Ergötzung der Sünde, das volle Ausschöpfen ihres “bios” sowie auch die Hoffnung der kommenden Gotteswelt!
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 2/1970; Paulus-Verlag; Heilbronn)


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