Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Die Pädagogik Gottes

Autor: Jugel, Wolfgang  |  Kategorie(n): Erkenntnis & Wesen Gottes, Glaubensleben & Wandel, Heiligung  |  622 x gelesen

In dieses Thema soll uns 5. Mos. 8, 2-6 einführen:

»Und du sollst gedenken des ganzen Weges, den JAHWEH, dein Gott, dich hat wandern lassen diese 40 Jahre in der Wüste, um dich zu demütigen, um dich zu erproben, um zu erkennen, was in deinem Herzen ist, ob du Seine Gebote beobachten würdest oder nicht. Und Er demütigte dich und ließ dich hungern; und Er speiste dich mit dem Man, das du nicht kanntest, und das deine Väter nicht kannten, um dir kundzutun, daß der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern daß der Mensch von allem lebt, was aus dem Munde JAHWEHs hervorgeht. Dein Kleid ist nicht an dir zerfallen, und dein Fuß ist nicht geschwollen diese 40 Jahre. So erkenne in deinem Herzen, daß, wie ein Mann seinen Sohn züchtigt (erzieht), JAHWEH, dein Gott, dich züchtigt (erzieht) …«

Zwar gilt es grundsätzlich, daß wir vergessen dürfen, was an Schuld und Sünde unsere Vergangenheit belastete, weil wir es ins Licht gestellt haben und durch Jesu Blut bereinigen ließen (Phil. 3, 13.14); doch sollten wir uns auch erinnern an den Lebensweg, den wir unter der Führung Gottes durchmessen haben, damit wir nicht vergessen, in welcher konsequenten Liebe uns der Herr führte, demütigte, erzog, ja, züchtigte — eben wie ein Vater seinen Sohn! Gestaltet sich doch unter der Führung Gottes und durch die Prägung des Heiligen Geistes unsere »geistliche Biographie«. Vielleicht kann diese Betrachtung dazu dienen, uns »in unserer Erinnerung aufzuwecken«, wie es Petrus formulierte (2. Petr. 1, 13).

1. Die Bedeutung der Grundlagen des Glaubens

Es ist ein grundsätzliches Thema, dem wir uns widmen wollen. In Hes. 40-42 wird uns der neue Tempel Israels im Messiasreich vorgestellt. Dort wird uns auch berichtet, daß unter dem Altar dieses Tempels eine Quelle hervorbricht, die dann zu einem Bache, zu einem Flusse und schließlich zu einem Strome anschwillt; dieser fließt hinunter zum Toten Meer und läßt dessen Gewässer durch sein Süßwasser so gesunden, daß in ihm dereinst eine Fülle an Fischen leben wird; es werden sogar die Fischer erwähnt, die dann am Toten Meer reiche Fänge einbringen (Hes. 47, 1-12). Es ist ein schönes Bild, auch in geistlich-erbaulicher Beziehung: Der Prophet muß immer wieder in das Wasser des Flusses waten, um mit seinem Körper seine Tiefe auszumessen; zuerst gehen die Wasser ihm nur bis an die Knöchel, dann aber bis an seine Knie, schließlich bis an seine Hüften, und zum Schluß kann er überhaupt nicht mehr stehen und muß schwimmen. Dieses Bild gab ja die Vorlage für das Heilslied: »Ich weiß einen Strom, dessen herrliche Flut fließt wunderbar stille durchs Land …« (Lobgesänge 497).

Im Blick auf die verhängnisvollen Vermischungen und Methoden, mit denen man heute meint, Menschen für Christus gewinnen zu können, sollten wir beachten, daß der göttliche Lebensstrom von Anfang an klares, reines, unvermischtes Wasser führt und »unter dem Altar« entspringt. Wir dürfen hierbei an Röm. 12, 1 denken, wo es heißt, daß wir in einem »wortgemäßen Gottesdienst« unsere Leiber Gott darbringen sollten als ein heiliges, lebendiges, Ihm wohlgefälliges Schlachtopfer. So sollten die Anfänge des Glaubens — auch in der Arbeit an Kindern und Jugendlichen und in Evangelisationen — sauber und klar sein, unvermischt mit weltlichen Methoden und Menschenphilosophie, wie es heutigentags allerorten geschieht. Zwar müssen die »neugeborenen Kindlein« im Glauben die »Milch des Wortes Gottes« dargereicht bekommen, weil sie noch keine »feste Speise« verwerten können, aber auch diese Milch muß »unverfälscht und wortgemäß« sein (1. Petr. 2, 2). Wenn wir 1. Kor. 2, 1-5 nicht beachten, erzeugen wir nur »Mischvolk«, das uns eines Tages doch wieder davonläuft. Dort heißt es: »Und ich, als ich zu euch kam, Brüder, kam nicht nach Vortrefflichkeit der Rhetorik oder der (philosophischen) Weisheit, als ich euch das Zeugnis Gottes verkündigte. Denn ich hielt nicht dafür, etwas in eurer Mitte zu wissen, als nur Jesum, den Messias, und Ihn als gekreuzigt. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und in vielem Zittern; und meine Rede und meine Verkündigung geschah nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung von Geist und Kraft, damit euer Glaube nicht gegründet sei auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft!«

Darum geht es auch in unseren letzten Tagen: Daß der Glaube von Anfang an gegründet werde auf Gottes Kraft, auf Erweisungen des Heiligen Geistes und auf dem Worte Gottes, als dem reinen, unvermischten Quellstrom vom Gottesaltar, damit das »Tote Meer unseres Lebens« belebt werden kann.

Zu diesem Leben aus dem Geiste gehört als unverzichtbares Element die Pädagogik, die Erziehung Gottes!

2. Züchtigung — ein Erweis der Liebe Gottes

Wir wollen nachdenken über die Pädagogik Gottes, über Seine Erziehung und über die göttlichen Erziehungsmaßnahmen. Zwei Worte aus den Sprüchen sollen uns dabei leiten.

Das Hauptthema der SPRÜCHE ist ja die Unterweisung des Vaters für den erstgeborenen Sohn, die Instruktion für Seinen Weg auf Erden, zugleich aber die Unterweisung für die nachgeborenen Söhne. Darum finden wir in ihnen beide Anreden: »Höre, mein Sohn!« und: »Höret, ihr Söhne!« Laufen doch die nachgeborenen Söhne prinzipiell auf dem gleichen Weg wie der Erstgeborene. Lesen wir zuerst Kapitel 3, 11-13:

»Mein Sohn, verwirf nicht die Unterweisung JAHWEHs und laß dich Seine Züchtigung nicht verdrießen!« Die Anrede »Mein Sohn« (die im Hebräischen des Sprüchebuches 22 mal erscheint) weist hin auf den Vater, der auch unser Lehrer, Erzieher und Pädagoge ist; denn ein guter Vater ist immer auch ein guter Erzieher. Unser Wort legt nahe, daß man auch »verdrießlich« werden kann, wenn man die Erziehungsmaßnahmen Gottes erfährt, weshalb es fortfährt: »Denn, wen JAHWEH liebt, gerade den züchtigt Er, und zwar wie ein Vater den Sohn, an dem Er Wohlgefallen hat!« Denn »wer die Rute spart (wer auf Erziehungsmaßnahmen verzichtet) haßt seinen Sohn. Aber wer ihn liebt, sucht ihn frühe heim mit Züchtigung« (Spr. 13, 24). Und weil der Vater aller Vaterschaften uns als Seine Söhne nicht haßt, darum erzieht und züchtigt Er uns, gerade weil Er »Wohlgefallen an uns hat«. Weiter heißt es in Spr. 3, 13: »Glückselig der Mensch, der Weisheit gefunden hat, und der Mensch, der Verständnis erlangt« — nicht zuletzt ein tiefes Verständnis für die pädagogischen Maßnahmen Gottes!

Dann lesen wir Spr. 4, 1-3:

»Höret, ihr Söhne, die Unterweisung des Vaters, und merket auf, um Verstand kennenzulernen! Denn gute Lehre gebe ich euch, lasset meine Belehrung nicht!«

Wer spricht hier? Die Weisheit Gottes, der Sohn Gottes, der die Unterweisung des Vaters, die Er selber empfangen hat, an die Söhne weitergibt. Darum bezeugt Er in V. 3, wie es im Hebräischen eigentlich lautet:

»Denn ein Sohn wurde ich meinem Vater — ein zarter und einziger — angesichts meiner Mutter.«

Die Mutter Maria mußte, was Jesu »Werden« für Gott in Seinen Erdentagen anbetrifft, beiseitestehen; Sein Werden galt dem Vater im Himmel.

Diese Stellen sprechen von der Unterweisung, von der Zucht und der Erziehung Gottes. Jedoch gibt es keine Züchtigung, keine Erziehung und kein Gericht Gottes, das nicht aus Seiner Liebe stammte und mit heilspädagogischen Zielen der Zurechtbringung, verbunden wäre! Das wäre ein schlechter und verwerflicher Pädagoge, der mit seiner Erziehung keinerlei positive Ziele verfolgte und die Kinder nur darum züchtigte, weil er Freude an der Züchtigung hat; dann wäre er ein Sadist. Es ist Zeichen eines echten Vaters, daß ihm selbst jeder Schlag, den er bei einer Züchtigung geben muß, weh tut bis in sein eigenes Herz hinein, und daß er nur gezwungenermaßen so handelt, wenn alle anderen pädagogischen Maßnahmen versagen. Gott hat immer heilspädagogische Ziele im Auge. Doch auch bei Ihm gilt: Verzicht auf Erziehung bedeutete Lieblosigkeit!

Was ist nun das Erziehungsziel, das Gott mit Seiner Erziehung und Züchtigung verbindet? Hebr. 12, 10 sagt uns, daß Gott will, »daß wir Seiner Heiligkeit teilhaftig würden«. Dazu dienen alle Leiden, alle Nöte, Spannungen, Versuchungen, Drangsale und Ängste unseres Lebens. Es ist keineswegs Gottes Ziel, uns damit zu quälen, daß wir nicht mehr aus noch ein wissen, sondern daß wir jenes wunderbare Ziel erreichen, daß wir einmal »ohne Flecken, ohne Runzeln und ohne dergleichen etwas« in heiliger Vollkommenheit von dem Christus vor dem Thron Seines und unseres Vaters dargestellt werden können (Eph. 5, 27)!

Welche Methode aber wendet Gott an, um Sein Erziehungsziel mit uns zu erreichen? Jeder Pädagoge muß ja eine Methode haben, hoffentlich eine gute! Heutigentags ist es oftmals eine recht fragwürdige oder gar destruktive. Dazu sagt Spr. 22, 6: »Erziehe den Knaben seinem Wege gemäß, er wird nicht davon abweichen, auch wenn er alt wird!« Das heißt aber auch: Erziehe ihn seinem Wesen und seiner bisherigen Lebensgeschichte gemäß! Es gilt also, das Wesen des Kindes zu erfassen, wozu so etwas wie »pädagogische Weissagung« gehört, die dem Erzieher ein Gefühl gibt für die Struktur und Wesensanlagen eines Kindes. Wenn man alle Kinder einer Familie oder einer Schulklasse »über einen Leisten schlägt«, dann können sensible Kinder gefährdet werden. Ich hatte einmal in einem neuen 1. Schuljahr ein Mädchen, das sich so still und schüchtern verhielt, daß ich in den ersten Tagen den Eindruck hatte, es sei debil. Nun herrscht ja heute an den Schulen Ellenbogenfreiheit für solche Kinder, die sich am lautesten durchsetzen können, was auch nach Kräften gefördert wird. Ich gab mir viel Mühe, dieses Kind aus seiner Reserve zu locken. Nach einiger Zeit stellte es sich heraus, daß es mit einem Höchstmaß an Konzentration begabt war, sogar in der mathematischen »Mengenlehre«, die damals noch galt. Es hat sich dann in den vier Grundschuljahren vorzüglich entwickelt.

»Erziehe einen Knaben (ein Kind) seinem Wesen gemäß« — das tut auch der lebendige Gott. So können die »Zeugnisse« in der christlichen Gemeinde in die Irre führen, wenn die Hörer meinen, bei ihnen müsse alles genauso laufen. Auch Biographien von großen Missionaren oder Führergestalten der Gemeinde Christi erzeugen oft im Leser ein Gefühl der »geistlichen Minderwertigkeit« gegenüber einem solchen »religiösen Genie«; und dann meinen wir oft: das schafft Gott bei mir nie! Und der Teufel fügt in einem Nachsatz hinzu: Gott kommt mit dir nie zum Ziel! Jesus kann es bei dir nicht erreichen, daß du »einen reichlichen Eingang in das Reich Gottes findest« (2. Petr. 1, 11)! Im übrigen werden oftmals die Schwachheiten, Niederlagen, Mutlosigkeiten und Sünden der besprochenen Menschen verschwiegen.

Jeder Glaubende hat seine eigene, vom Geist gestaltete und seinem Wesen gemäße geistliche Biographie; diese Werdegeschichte kann man dann nicht so aufschreiben, wie man es mit den äußeren Daten bei einer Bewerbung tut!

»Erziehe den Knaben seinem Wege (seinem Wesen) gemäß — er wird nicht davon abweichen, auch wenn er alt wird!« Das ist dann »das Kind im Manne« (oder in der Frau) — Erwachsene, die sich eine bleibende Kindheit bewahrt haben, die sie befähigt, bei Kindern »gut anzukommen«, und die nicht im schlechten Sinne »typische Erwachsene« sind. Wenn erst einmal die Grundstrukturen des Wesens in uns angelegt sind, dann werden sie durch das Leben hindurch nur noch verfeinert und deutlicher ausgeprägt, oder aber auch verderbt und verschüttet; und wenn der Heilige Geist in uns die Grundstrukturen der Christusnachfolge eingeprägt hat, dann werden wir diese bis zur geistlichen Altersreife beibehalten. Darum ist es so überaus wichtig, daß auch die Gemeinde Jesu prägende Führergestalten hat, die erzieherisch wirken und andere prägen können. 2. Tim. 3, 10-11 zeigt allein schon, welch hohen Stellenwert die Erziehung in der Christusgemeinde hat.

3. »Aggregatzustände« der Liebe Gottes

In »Lobgesänge der Gemeinde« finden wir in einem Lied von Karl Geyer folgende Verse, die sich an Hoheslied 8, 6-7 anlehnen:

    »Stark ist Deine Liebe, stärker als der Tod;
    härter ist ihr Eifer als der Hölle Not;
    ihre Feuergluten eine Flamme JAHs;
    Breite, Länge, Tiefe, Höhe ohne Maß.

    Deine starke Liebe treibt kein billig Spiel.
    Es geht ihr ums Ganze, um das höchste Ziel.
    Wenn zurück wir scheuen vor der Leidensglut,
    kann sie nichts gereuen, bis das Ende gut.

    Heil’ge Flamme, glühe, schmilz die Schlacken aus,
    bis mein Leben leuchtend strahlt Dein Bild heraus!
    Was in der Bewährung Du versiegelt mir,
    ist in der Verklärung ewig Zeugnis Dir!«

Dort sagt die Braut, also das erneuerte Israel, zu ihrem Bräutigam, dem Messias: »Lege mich wie ein Siegel an dein Herz und wie ein Siegel an deinen Arm!«

Erinnert uns das nicht an den Hohenpriester, der die Namen der 12 Stämme Israels sowohl auf der »Brustplatte des Rechts« auf seinem Herzen, als auch auf den Schulterklappen seiner Schultern trug? In die verschiedenen Edelsteine waren die Namen der Stämme in Siegelstecherei eingegraben. Die Braut möchte also der Barmherzigkeit des Hohenpriesters und Bräutigams Jesus, als auch Seiner Handlungsmacht (dargestellt durch Herz und Arm) teilhaftig werden. In Hoheslied 8 heißt es auch: »Denn die Liebe ist gewaltsam wie der Tod, hart wie der Scheol ist ihr Eifer.« Ist das der »liebe Gott«? Ferner heißt es von der Liebe Gottes: »Ihre Gluten sind Feuergluten, eine Flamme JAHs!«

Da erhebt sich doch die Frage: Sind etwa auch die Flammen der Gottesgerichte und des Feuersees eine Auswirkung der Liebe Gottes? Sind sie begründet in den heilspädagogischen Maßnahmen der heimsuchenden Barmherzigkeit Gottes? Im Lichte dieses Wortes müssen wir dies bejahen! In V. 7 aber heißt es:

»Große Wasser vermögen nicht die Liebe auszulöschen, und Ströme überfluten sie nicht. Wenn ein Mann allen Reichtum seines Hauses anstatt der Liebe geben wollte, man würde ihn nur verachten!«

Gott ist Einer in der Fülle Seiner Wesenseigenschaften

Die harte Liebe Gottes ist es, die auch die Gerichte veranlaßt. Wir können den Zorn und die Liebe Gottes nicht voneinander trennen, Seine Wesensgerechtigkeit nicht von Seines Wesens Barmherzigkeit! Der Zorn Gottes ist nichts anderes als eine Auswirkung, eine äußerste Maßnahme (ultima ratio) der Liebe Gottes. Hierin müssen wir ganz ernst nehmen, was das Bekenntnis Israels und damit der Christusgemeinde ist: Gott ist EINER! Der Herr ist ein einzigartiger und einziger Gott — eins in Seiner Wesensvollkommenheit und wesenseins mit Seinem Sohn. Keinesfalls muß der richtende Gott Seine Liebe verhüllen, verleugnen oder unterdrücken, damit sie nur ja nicht zuschauen müsse, wenn Er Seine Geschöpfe in die Qual der Gerichte dahingibt! Andererseits gilt, daß Gott nicht Seine Gerechtigkeit verleugnen muß, wenn Er einem Geschöpf Gnade erweist; hat ER doch Seinen Sohn an unserer Stelle gerichtet, damit Er uns das Böse nicht zurechnen müsse; darum überführt uns der Heilige Geist in der Buße von der Sünde, der Gerechtigkeit und dem Gericht. Gott ist EINER — in der Fülle Seiner Wesenseigenschaften und göttlichen Charakterzüge!

Verschiedene »Aggregatzustände« der erzieherischen Liebe Gottes

Nun gibt es verschiedene »Aggregatzustände« der Liebe Gottes. Wir kennen die verschiedenen Aggregatzustände des Wassers: Es kann flüssig, im Dampf auch gasförmig sein, welches zur Wolkenbildung führt, und unter null Grad Celsius zu Schnee und Eis kristallisieren. Trotz dieser verschiedenen Zustände bleibt es in seiner chemischen Struktur H2O, also Wasser.

So gibt es auch verschiedene »Aggregatzustände« der erzieherischen Liebe Gottes, die aber auch in den härtesten Maßnahmen der Züchtigung und der Gerichte immer Liebe bleibt, da ja die göttliche Barmherzigkeit Seine Wesensvollkommenheit darstellt (vgl. Matth. 5, 48 mit Luk. 6, 36).

Wieso rechnet Gott das Böse nicht an?

Die Liebe Gottes rechnet das Böse nicht an. Haben wir das so zu verstehen, daß Gott bei aller Sünde, die im Kosmos weltweit und in unserem Leben individuell geschieht, einfach Vergessen walten läßt und gleichsam »keine Rechnung aufmacht«? Ist es wirklich so, daß dereinst, wenn vor dem Richterstuhl Christi alles, was wir getan haben im Leibesleben, es sei gut oder böse, ans Licht gebracht wird, und wir uns zu unserer Schuld bekennen, der Herr dann sagen wird: »Mein Kind, ich weiß nicht, wovon du eigentlich redest«? Es gibt nur einen Grund, warum Gott dem das Böse nicht anrechnet, der gebeugt seine Sünden bekennt: Weil Er alles Böse, das es in Seiner ganzen Schöpfung gibt, Seinem einziggezeugten Sohn angerechnet hat, als Er am Kreuz auf Golgatha hing! Nur darum kann es geschehen, daß Er, »der treu und gerecht ist, alle unsere Sünden vergibt und uns reinigt von aller Art der Ungerechtigkeit« (1. Joh. 1, 9)!

Dies ist der eine »Aggregatzustand« der Liebe Gottes.

Widerspricht dem aber nicht das bekannte Wort des Apostels Paulus aus 1. Kor. 11, 28-32, worin er zum Herrenmahl ausführt:

»Ein jeder aber prüfe und richte sich selbst, und also (in dieser Haltung) esse er von dem Brote und trinke von dem Kelche. Denn, wer in einer unwürdigen Weise ißt und trinkt, ißt und trinkt sich selbst Gericht, indem erden Leib nicht unterscheidet (nämlich den Leib Christi von gewöhnlichem Brot, das Herrenmahl von einer normalen Mahlzeit). Darum sind viele unter euch schwach und krank, und eine große Anzahl ist (vor der festgesetzten Todeszeit) entschlafen. Aber, wenn wir uns selbst richteten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht gemeinsam mit der Welt verdammt werden!«

Erziehung — Züchtigung — Gericht

Das Leben aus Gott können wir nicht verlieren; Er kann uns aber schärfsten Maßnahmen Seiner Erziehung, Seiner Züchtigung und Seines Gerichtes unterstellen. Doch gilt weiterhin für jeden, der aus dem Geiste Gottes wiedergeboren ist, was Röm. 8, 1-2 bezeugt: »Also gibt es nun kein Verdammungsurteil mehr für die, die in Christo Jesu sind! Denn das Gesetz des Lebensgeistes hat mich in Christo Jesu freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes!« Kein Verdammungsurteil — aber das schließt Zucht und Gericht bei mutwilliger, bewußter, unbereinigter und nicht bekannter Sünde nicht aus! Wir kennen ja jene Ausführungen des Apostels Paulus über den »Blutschänder« von Korinth, der mit der zweiten Frau seines Vaters ein sexuelles Verhältnis unterhielt. Ihn hatte der Apostel — vereint mit der Gemeinde und in der Kraft Jesu — »dem Satan überliefert zum Verderben des Fleisches«, damit wenigstens sein Geist gerettet würde am Tage der Machtergreifung Christi (vgl. damit 1. Thess. 5, 23).

1. Tim. 1, 18-20 zeigt uns ein Beispiel, das auf der gleichen Linie liegt: »Dieses Gebot vertraue ich dir an, mein Kind Timotheus, gemäß den vorangegangenen Weissagungen über dich, damit du durch diese den guten Kampf kämpfest, indem du den Glauben bewahrst und ein gutes Gewissen, das einige von sich gestoßen und so, was den Glauben anbetrifft, Schiffbruch erlitten haben; unter diesen ist Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan ausgeliefert habe, damit sie durch Zucht unterwiesen würden, nicht mehr zu lästern.«

Dieser Alexander — ein Schmied mit Fleischeskraft und seelischer Leidenschaft — hatte der Wortverkündigung des Paulus und seiner Mitar­beiter heftig widerstanden. »Der Herr wird ihm vergelten nach seinen Werken!« ruft der Apostel in 2. Tim. 4, 14 aus.

Solche Zucht Gottes kann sich durch Satan als »Verderber des Fleisches« vollziehen. Dennoch bleibt auch eine solche härteste Maßnahme ein Erweis der erzieherischen und heimsuchenden Gottesliebe! Auch ein irdischer Vater, der sein Kind züchtigt, wird dies immer nur als allerletzte Maßnahme tun, wenn alles andere Bemühen, alles gute Zureden und alle Warnung, nicht mehr fruchtet.

Doch stellt sich die göttliche Liebe neben der Zucht des Gerichtes auch in Seiner Erziehung dar. Während die Liebe Gottes in ihrer reinsten Form sich unserem GEISTE offenbart, die Zucht des Gerichtes unseren LEIB trifft, wendet sich Seine Erziehung mehr an unsere SEELE, damit sie sich dem erneuerten Geist unterordnet. Dazu sagt 2. Tim. 1, 7 als Zuspruch für müde gewordene Gotteskinder: »Gott hat uns nicht einen Geist der Mutlosigkeit gegeben, sondern einen Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit« (letzteres auch: Selbstdisziplin, gesunde Vernunft). Auch die neunteilige Frucht des Heiligen Geistes nennt in Gal. 5, 22 als letztes die »Selbstbeherrschung« und meint damit die Disziplin der Kinder Gottes und ihrer Seele, gewirkt durch Gottes Geist! Wir dürfen nicht disziplinlos durch unser Leben wandern, indem wir uns darauf berufen, daß Gott ja doch die Armen, Schwachen, Unedlen und Törichten auserwählt hat, und daß wir nun auch in dieser Weise fortfahren dürften. Sind wir nicht berufen »zum Lobpreis Seiner Herrlichkeit« (Eph. 1, 12.14), berufen, den Charakter dessen darzustellen, der uns aus der Finsternis in Sein wunderbares Licht berief (1. Petr. 2, 9)?

Über diese Erziehung Gottes sagt Spr. 26, 3: »Die Peitsche dem Pferde, der Zaum dem Esel, und der Stock dem Rücken der Toren« — jener Toren, die sich durch die liebevolle Weisheit Gottes nicht belehren lassen! Daß Er aber die Erziehung allen Maßnahmen der Züchtigung vorzieht, bezeugt Ps. 32, 9-10:

»Seid nicht wie ein Ross, wie ein Maultier, das keinen Verstand hat; mit Zaum und Zügel, ihrem Schmucke (ihrer Kandare) mußt du sie bändigen, sonst nahen sie dir nicht! Viele Schmerzen hat der Gesetzlose (der mit Peitsche und Stock wie ein Esel von Gott gezüchtigt werden muß), wer aber JAHWEH vertraut, den wird Güte umgeben« — das heißt, den braucht Gott nicht züchtigen; Er kann ihn liebevoll erziehen, in Liebe und Güte an Seinem Herzen bergen.

4. Ordnung — oder Freiheit?

Während meines Pädagogikstudiums war das Lesen eines Werkes von Theodor Litt für jeden Studenten unumgänglich; es trug den Titel: »Führen und Wachsenlassen«. Heute gäbe es dies als pädagogische Grundlinie nicht mehr; man würde vielmehr sagen »Führen oder Wachsenlassen«, als schlösse sich beides gegenseitig aus. Man würde den Standpunkt vertreten: »Wir müssen alles, was der Mensch mitbringt, im Rahmen der Selbstverwirklichung voll zur Entfaltung kommen lassen.« Der Pädagoge soll nur ja nicht führen und gestalten, Grenzen und Ordnungen setzen! Dies hat sich in einer sogenannten »Reformpädagogik« allmählich entwickelt und schließlich seine schauerlichen Blüten getrieben. Dabei ist es dem Menschen gesund und heilbringend, wenn er nicht nur freiheitlich »wächst« und alle Bindungen abwirft, was ihn ja letztlich zur Zügellosigkeit führt, sondern, wenn er auch Ordnungen bejaht und übernimmt und sich durch Erzieher in seinem Wachstum »führen« läßt; dies gilt in besonderer Weise auch von der Erziehung Gottes. »Führen und Wachsenlassen« könnte man auch mit dem Buchtitel von Theodor Bovet als »Die Ordnung der Freiheit« umschreiben. Erschöpft sich doch die wahre Freiheit nicht in einer »Freiheit von …«, sondern erfüllt sich in einer »Freiheit zu …« — einer Freiheit, die freiwillig und einsichtig, in Verantwortung dem Nächsten und Gott gegenüber Bindungen eingeht.

Ich habe bis zu meinem Ruhestand viele Klassen geführt und habe selbst, aber auch am Wirken meiner Kollegen feststellen müssen, dass die Kinder sich in Klassen am wohlsten gefühlt haben, wo beides vorherrschte: der Freiraum zum Wachsen und zur Entfaltung, aber auch Ordnungen und Grenzen, die vom Lehrer gemeinsam mit den Kindern erarbeitet und dann auch konsequent eingehalten wurden. Dabei konnte man »die Grenzpfähle« durchaus weit stecken, um eine psychische Einengung zu vermeiden. In jenen Klassen aber, wo der Lehrer nur noch Hampelmann war und die Schüler machen konnten, was immer sie wollten, herrschte psychischer Terror, der gerade sensible Kinder krank machen konnte.

Der Gott des Maßes und des Friedens

Der Philosoph Paul Tillich hat seine Philosophie auf dem Gedanken der Grenze aufgebaut und damit Wesentliches für den Menschen erfaßt; denn auch unser Gott ist ein »Gott des Maßes«, der Begrenzung, weshalb der Apostel Paulus die Grenzen seines Wirkungsbereiches nicht überschritten und in das Arbeitsfeld anderer eingegriffen hat (2. Kor. 10, 12-16). In 1. Kor. 14, 33 heißt es: »Gott ist nicht ein Gott der Unordnung«, und nun müßte man meinen, daß der Nachsatz lautete: »… sondern der Ordnung!« Dies wäre aber zu wenig, denn Ordnung allein ist lediglich ein formalgesetzlicher Faktor. Darum heißt es wirklich weiter: »… sondern des Friedens!« Allerdings ist nicht jener Scheinfriede gemeint, wo man sagt »Friede, Friede, und es ist doch kein Friede« (Jer. 6, 13-14), sondern der Friede in der Neuordnung durch den Heiligen Geist. Darum gibt es auch in der Christusgemeinde zu Recht »Ordnungen«. Nach Kol. 3, 15 soll dieser ordnende Gottesfriede in unseren Herzen königlich regieren (oder: richterlich entscheiden); das ist der Ordnungsfaktor des Heiligen Geistes, der diese Friedensordnung nur bei Gotteskindern bewirken kann, die sich durch die Liebe Gottes erziehen lassen. In 1. Kor. 14, 10 schrieb Paulus den Korinthern: »Alles aber geschehe anständig und in der Ordnung!« und nach Kol. 2, 5 freute er sich über die »Ordnung« und »Festigkeit« des auf Christus ausgerichteten Glaubens bei den Kolosserchristen. Und in Tit. 1, 5 befahl er seinem Mitarbeiter, alles, was noch in den Gemeinden mangelte, »in Ordnung zu bringen«. So war die Freiheit in den ersten Gemeinden, wie sie die Apostel verstanden, eine »Freiheit in der Unterordnung«.

Die antiautoritäre Erziehung

Die »antiautoritäre Erziehung« und die mit ihr verbundene »Reformpädagogik« neuerer Zeit strömte aus einer unsauberen Quelle — der Philosophie des ultralinken Philosophen Marcuse und des mit ihm verbundenen »Frankfurter Kreises«. Erziehungsziele, wie die Ehrfurcht vor Gott, vor der Schöpfung und die Achtung des Mitmenschen wurden ersetzt durch die antireligiöse »Selbstverwirklichung«, die auch jeder sexuellen Praxis Tür und Tor öffnete, die lediglich dadurch eingeschränkt wurde, daß mit ihr der Partner nicht geschädigt werden durfte. Leitsätze wie »Fleiß, Pünktlichkeit, Sauberkeit, Disziplin, Gehorsam, Leistungswille, Ehrerbietung und Gewissenhaftigkeit sind faschistische Tugenden« bestimmten die Diskussion. Seit einigen Jahren versucht man, unter dem Eindruck der schrecklichen Auswüchse, die pädagogischen Extreme wieder zurückzuschrauben.

Aggressivität und Lustprinzip

Es gibt heute Kinder, die wir nur als »besessen« kennzeichnen können. So hat das Fernsehen eine Psychotherapie vorgestellt, wo den Müttern aggressiver Kinder empfohlen wurde, sich auf das tobende Kind zu legen, seine Hände und Füße festzuhalten, damit es nicht um sich schlagen könne, bis es sagt: »Laß mich los, Mutter!« Bei einem Vierjährigen hat dies vier Stunden gedauert. In der Zeitschrift »Hör zu« war zu lesen: »60 % der Eltern geben an, daß sie … mit ihren Kindern nicht mehr fertig werden. 5 % der Drei- bis Sechsjährigen fallen bereits als gewalttätig auf. In Kindergärten ist die Quote mit 20 % deutlich höher. 70 % der Kindergärtnerinnen, die ihren Beruf aufgaben, nennen die zunehmende Aggressivität der Kinder als Begründung. In deutschen Schulen entsteht durch Zerstörungswut jährlich ein Sachschaden von 200 Mill. DM. Eine Ursache sieht der Erziehungswissenschaftler Prof. Struck im exzessiven Fernsehkonsum der Kinder. Denn: Vierzehnjährige haben bereits 18.000 Std. TV geschaut; dagegen stehen lediglich 15.000 Schulstunden … Kinder fordern von ihren Eltern größere Geldsummen und drohen ihnen bei Verweigerung Schläge an …«

Ich habe in jungen Jahren die Beschreibung des Charakters der Endzeitmenschen durch die Apostel Paulus, Judas, Petrus und Johannes oft mit dem Gefühl gelesen, daß es doch so schlimm nicht werden könne. Inzwischen weiß ich längst, daß weit mehr zutrifft als das, was sie geweissagt haben! Die Männer und Frauen von Sodom und Gomorra könnten heute von unseren »zivilisierten« Völkern noch vieles hinzulernen!

In dem Buch »Heil für die Seele« schrieb Pastor M. Mössinger: »Viele junge Menschen sind heute von einer erschreckenden Labilität … Selbstzucht ist nicht mehr gefragt, das Lustprinzip regiert. Aber Lust als Prinzip hat noch immer Ekel erzeugt. Die Seele, die keine Last übernimmt, wird an ihrer Lust krank!« und: »Mit dem Ziel der sogenannten “Selbstverwirklichung” ist noch keine Jesus-Bild-Verwirklichung erreicht!«

5. Mutternähe und Vaterbild

Es ist besonders wichtig in unserer zutiefst kranken Zeit, daß ein Kind wenn irgend möglich, mit Mutter und Vater aufwächst; einmal mit der Mutter und in engem Kontakt mit ihr, weil schon im »Hautkontakt« der ersten Wochen und Monate jenes »Urvertrauen« dem Leben gegenüber heranwächst, das wir in dieser angstvollen Welt so dringend brauchen. Jede gesunde Spontaneität wie auch die spätere Liebesfähigkeit in der Ehe erwachsen hieraus. Keine »Leihmutter« kann dies ersetzen! In Ps. 22, 9-10 betet der Messias: »Doch Du bist es, der mich aus dem Mutterleibe gezogen hat, der mich vertrauen ließ an meiner Mutter Brüsten. Auf Dich bin ich geworfen von Mutterschoße an, von meiner Mutter Leibe an bist Du mein Gott!«

Ebenso wichtig ist die ergänzende Erziehung durch den Vater, die eine psychische Grunddisposition für das spätere Vater- und Gottesbild schafft. Wer nicht die Erziehung eines Vaters genossen hat, der diesen Namen wirklich verdient, wird es später schwer haben, Gott zu vertrauen, wenn Er in Leiden, Not und Drangsal geführt wird. Er überträgt dann das in ihm angelegte falsche Vaterbild auf Gott, und viel zu schnell flammt Mißtrauen in seiner Seele gegen ihn auf. So dürfen sich Väter nicht zum »Hanswurst« machen lassen, wie dies heute so oft geschieht! Sie sind nicht nur dazu da, um »Geld anzuschaffen« und »liebe Papas« zu sein — auch nicht die Gemeindeväter! Väter dürfen nicht einfach alles zudecken, was falsch läuft. Gute Väter sind auch gute Erzieher!

Dazu laßt uns Spr. 1, 8-9 lesen:

»Höre, mein Sohn, die Unterweisung deines Vaters, und verlaß nicht die Belehrung deiner Mutter; denn sie werden ein Kranz der Gnade deinem Haupte sein und ein Geschmeide deinem Halse!«

Also: Mutterlehre und Vaterunterweisung, zu der auch die Züchtigung gehört. Im Judentum oblag vor allem die religiöse Grunderziehung der Mutter, wenn auch die entscheidende erzieherische Wegweisung der Vater gab. Schlimme Folgen hat es, wenn Mutter und Vater in verschiedene, sich widersprechende Richtungen ziehen — er-ziehen!

6. Väter sind auch Erzieher

Wir sahen schon, daß sich die Liebe Gottes in ihrer reinsten Darreichung mehr an unseren GEIST richtet, der sich ihr willig öffnet; hingegen wendet sich die Erziehung Gottes mehr unserer SEELE zu, die sich im Idealfall lernwillig dem Geist unterordnet; wenn dies aber nicht geschieht, widerfährt die göttliche Liebe als Züchtigung unserem LEIBE; doch ist es immer die gleiche väterliche Liebe, die uns mit verschiedenen Maßnahmen heimsuchen, nach Hause führen will. Daß es mehr dem Wohlgefallen Gottes entspricht, uns unmittelbar mit Seiner Liebe zu beschenken, um die Zucht zu umgehen, bezeugt Gottes Wort ganz klar. Damit stimmt überein, was Pastor Mössinger in »Heil für die Seele« schrieb: »Wir müssen Seelsorge so üben, daß wir zuerst um den Geist des Menschen besorgt sind. Ist der Geist eines Menschen krank, unerleuchtet und ohne Wiedergeburt, dann hat es nicht viel Sinn, die Auswirkungen dieses kranken Geistes an der Seele zu kurieren!«

Ein guter Vater ist also auch immer ein guter Erzieher!

Und nun meine ich, daß wir das Pauluswort aus 1. Kor. 4,14-16 leicht mißverstehen können, wo es heißt:

»Nicht, um euch zu beschämen, schreibe ich dieses, sondern ich ermahne euch als meine geliebten Kinder!«

Ein Vater in Christo ermahnt, ermuntert, tröstet, warnt und ermutigt seine Kinder im Glauben, wie es auch in der Pädagogik unverzichtbar ist, daß man Kinder ermutigt.

»Denn wenn ihr auch 10.000 Zuchtmeister in Christo hättet, so doch nicht viele Väter! Denn in Christo Jesu habe ich euch gezeugt durch die Frohe Botschaft. Ich bitte euch nun, seid meine Nachahmer!«

Das Wort »Zuchtmeister« erinnert zu sehr an die Prügelstrafe; eigentlich ist im Grundtext von »10.000 Pädagogen (Erziehern) in Christo« die Rede. Viele deuteten dieses Wort so, daß sie in den 10.000 Zuchtmeistern Verführer sahen, die in die Gemeinde das Gesetz wieder einschleusen wollten; die Gemeinde des Christusleibes brauche keine Pädagogen und Zuchtmeister, sondern nur Väter. Die Zahl 10.000 bot einen gewissen Anlaß für diese Schau, weil sie gelegentlich im Zusammenhang mit den »heiligen Myriaden« der Engelmächte gebraucht wird. Aber so kann es nicht sein; hier ist nämlich von »Erziehern in Christo« die Rede. Weist uns nicht Hebr. 12 klar darauf hin, daß der erzieherische Dienst des Vaters und damit aller Väter in der Gemeinde Christi höchst notwendig und unverzichtbar ist? Zwar ist der Dienst des geistlichen Pädagogen mit dem Ordnungsfaktor des Gesetzes verbunden, weil ja das Gesetz JAHWEHs »ein Erzieher auf Christus hin« ist, also ein Pädagoge, der zu Christus führt (Gal. 3, 24). Es ist biblisch unrichtig, zu behaupten, das Gesetz Gottes führe den Menschen von Christus hinweg in die Irre. Dies ist ja nur dann der Fall, wenn man es mißbraucht und zum Heilsweg der Rechtfertigung aus Werken macht. Nein, das heilige Gottesgesetz überführt als göttlicher Pädagoge den Sünder von der Sünde. Dem schließt sich der Heilige Geist in seinem Wirken an (Joh. 16, 8-14).

1. Kor. 4, 15 will ein gefährliches Mißverhältnis im Zahlenverhältnis zwischen Vätern und Erziehern aufweisen. Man kann es so umschreiben: Was würde es helfen, wenn ihr 10.000 Sklaven als Pädagogen einsetztet (wie es im Altertum geschah), und ihr hättet keine Väter, die neues Leben zeugen können, und darum auch keine Kinder! Wo es aber keine Kinder gibt, sind Erzieher völlig nutzlos. Dies gilt auch geistlicherweise »in Christo«. Auch ein Vater, wenige Väter und 10.000 Erzieher umschreiben ein solches Mißverhältnis, das die Gemeinde gefährden kann!

Liebe und Zucht stehen zueinander nicht im Gegensatz! In Offb. 3, 19 sagt der erhöhte Herr: »Alle, die ich liebe, eben die überführe und züchtige ich!« Und Spr. 13, 24 bezeugt: »Wer seine Rute spart, haßt seinen Sohn!« Wenn wir also nicht vom Herrn überführt, erzogen, ja gestraft und gezüchtigt würden in Leiden, Nöten und Anfechtungen unseres Lebens, dann würde dies beweisen, daß Er uns nicht liebt! Dann wären wir keine echten Söhne, sondern Bastarde und Mischlinge (Hebr. 12, 8).

7. Erziehung im Gemeindeleben

Oftmals wird uns, die wir an den Heilsuniversalismus glauben, vorgeworfen, wir würden eine »billige Gnade« verkündigen — die der Mensch also »zu billig« erlangen könne. Zwar hat uns Gott »geschenkweise« und ohne unser Zutun und Mitwirken gerechtfertigt (Eph. 2, 5/Jes. 55, 1-3), doch ist dies eine »teure Gnade«, weil wir ja »teuer erkauft worden sind« durch Christi Tod und Blut! Doch darin geben wir dem Vorwurf recht, daß es eine »zu schnelle Gnade« gibt, wo man Menschen ohne wirkliche Buße bereits tauft, wenn sie ein gewisses Interesse für Jesus bekunden oder sich ein Johannesevangelium schenken ließen. »Man stopft sie in die Gemeinde, wie den Brei in eine Wurst«, sagte ein Evangelist kürzlich in unserer Gemeinde, »und bindet dann schnell zu, damit sie nicht mehr herauskommen!« Doch irren wir uns sehr, wenn wir meinen, wir könnten Menschen durch solches vorschnelles Handeln »festbinden« an Jesus. All das Mischvolk, das wir in unseren Tagen durch allerlei unbiblische und nicht wortgemäße Lockmittel in die Gemeinden hereinholen, wird über kurz oder lang wieder dorthin abschwimmen, wo diese ohne Glauben zu bekommen sind! Dies gilt auch von der Rockmusik mit christlichen Texten. Es gibt aber auch noch Gemeinden, wo die Taufe erst nach gründlicher Buße und Sündenerkenntnis erfolgt, weil man nicht die »Großtaufe« will, sondern die »Glaubenstaufe«, die nicht mit dem Zollstock des Lebensalters zu bemessen ist.

Br. Mössinger führt in »Heil für die Seele« dazu aus:

»Unserer Seele ist nur geholfen, wenn Sünde Sünde genannt wird. Alles Ausweichen in Halb- und Ganzentschuldigungen ist gefährlich. Wer nur von innermenschlichen Verklemmungen und erklärbaren Aggressionen spricht, bringt keine Heilung. Er kann das Übel nur verlagern. Sünde will bekannt sein vor Gott und in vielen Fällen auch vor Menschen. Vergebung und Friede Gottes heilen!«

Heute fehlt weithin das Sündenbewußtsein!

Von der pädagogischen Rolle des Gesetzes in der Anbahnung der Sündenerkenntnis und des Heilsverlangens sagten zwei der größten Evangelisten Europas, John Wesley und Spurgeon, folgendes:

»Bevor ich Liebe, Erbarmen und Gnade predigen kann, muß ich Sünde, Gesetz und Gericht predigen!« (Wesley). In einem Brief an einen jungen Mitarbeiter wies er diesen an: »Predige 90 % Gesetz und 10 % Gnade« — das ist natürlich überspitzt gesagt. Spurgeon hat es noch schärfer ausgedrückt: »Sie müssen durch das Gesetz niedergeschmettert werden, ehe sie vom Evangelium wiederbelebt werden können!«

Und das fehlt in unseren Tagen! Warum tragen die außerordentlichen Bemühungen der Evangelisation in unseren westlichen Ländern so wenig Frucht? Weil es kein Sündenbewußtsein mehr gibt! Bestenfalls spricht man von »Kavaliersdelikten« und führt Gewissensanklagen auf »Verbiegungen« der Seele in der frühen Kindheit zurück. Und dann stülpt man den Menschen die Gnade Jesu über und erklärt sie zu Gotteskindern, ohne daß sie jemals ihre Verlorenheit vor dem lebendigen Gott wirklich erkannt hätten! Gott soll gewissermaßen nur noch den alten Menschen »reparieren«.

Spurgeon schrieb weiter: »Erniedrigt das Gesetz, und ihr dämpft das Licht, durch welches der Mensch seine Schuld erkennt. Das ist mehr ein Verlust für den Sünder als ein Gewinn, denn es verringert die Wahrscheinlichkeit seiner Sündenerkenntnis und Bekehrung … Ich sage, daß ihr das Evangelium seiner wirksamen Waffe beraubt, wenn ihr das Gesetz auf die Seite schiebt. Ihr habt den Lehrmeister entfernt, der die Menschen zu Christus zieht … Sie werden niemals die Gnade akzeptieren, wenn sie nicht vor einem gerechten und heiligen Gesetz zittern. Also dient das Gesetz einem notwendigen und gesegneten Zweck und darf nicht von seinem Platz entfernt werden. Wir tun den Sündern keinen Gefallen, wenn wir sie nur auf die Segnungen der Errettung hinweisen!«

Wenn man Hebr. 6, 1 so deutet, daß die Leibesgemeinde nichts mehr mit »Buße« zu tun habe, weil diese einem anfänglichen Glaubensstand zugehöre, der überwunden werden müsse, dann irrt man sehr; denn dieses Schriftwort spricht nicht von der Buße von den Sünden, die uns unser ganzes Leben lang begleiten sollte, sondern von der Buße von den toten Werken des Gesetzes, die sich als Heilsweg an die Stelle der Versöhnung in Christo setzen wollen.

Gal. 3-4 sagt uns auch, daß das Gesetz als »ein Pädagoge, der uns zu Christus führt«, vor allem an geistlich unmündigen »Kindern« wirken muß, solange sie noch keine »mündigen und erbberechtigten Söhne« geworden sind. Bei den mündigen Söhnen ist allerdings die Aufgabe des Pädagogen, der damals meist ein begabter Sklave war, erfüllt, und er muß abtreten; denn sie haben nun als »Erben Gottes und Miterben Christi« Leben aus Gott und unterstehen dem »Gesetz des Geistes des Lebens« (Röm. 8, 2). Doch bei allen geistlichen Vorstufen dieses Reifeziels muß der Erzieher, der Pädagoge, wirken. Dazu sagt Gal. 3, 23-27 und 4, 1-5:

»Ehe aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt, eingeschlossen auf den Glauben hin, der zukünftig geoffenbart werden sollte« — verwahrt wie ein Kleinkind im Laufstall. »Also ist das Gesetz unser Erzieher gewesen, der zu Christus führte, damit wir (bei Ihm und in Ihm) aus Glauben gerechtfertigt würden. Weil aber nun der Glaube gekommen ist, stehen wir nicht mehr unter einem Erzieher; denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben in Christo Jesu …«

»Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in keiner Beziehung von einem Sklaven, obwohl er (eigentlich) Herr des ganzes Besitzes ist; sondern er steht unter Vormündern und Verwaltern bis zu der vom Vater festgesetzten Frist. Also auch wir, als wir noch Unmündige waren, waren wir geknechtet unter die Elemente der Welt. Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott Seinen Sohn, geworden aus einem Weibe, geworden unter Gesetz, damit Er die, welche unter dem Gesetz standen, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen!«

Dies gilt nun besonders für alle Dienste in den Gemeinden an Kindern und Jugendlichen, denen wir Jesus groß und schön machen wollen, die wir aber nicht von vornherein wie Wiedergeborene ansprechen und behandeln können. Ihnen muß die Gemeinde Normen setzen, Grenzen ziehen und in einer immer orientierungsloseren Zeit die Richtung weisen. Eine »Gemeindeordnung« ist durchaus im NT begründet. Es ist nicht gut, wenn ein Knabe König wird (Pred. 10, 16/1. Tim. 3, 6), ebensowenig, wenn Jungbekehrte in der Gemeinde das Sagen haben, um sie mit ihren Methoden »auf neuesten Stand« zu bringen und »up to date« zu machen! Vielfach müssen sich nicht mehr die, welche neu zu uns stoßen — was wir sehr begrüßen — der Gemeinde und ihren biblisch begründeten Ordnungen anpassen, sondern die Gemeinde muß sich denen anpassen, die von draußen kommen und oftmals — immer unverschämter — ihre lauten Forderungen stellen!

In diesem Zusammenhang fordert man immer wieder die »Wohlfühlgemeinde«. Freilich sollte die Gemeinde Fremde, die zu ihr kommen, nicht durch traditionelle Kälte abstoßen. Aber man meint mit diesem Begriff, daß sich jeder Neuling sofort in der Gemeinde Jesu wohlfühlen müsse, gleich aus welchem Milieu er kommt, und er dürfe keinen wesentlichen Unterschied zu seiner bisherigen Umwelt verspüren! Ich zitiere noch einmal Br. Pastor Mössinger (aus: »Heil für die Seele«):

»Bleibt bei einem Gläubigen die Seele mit ihren Wünschen und ihrem Wollen beherrschend, dann wird auch ein erretteter Mensch vom Fleisch beherrscht — und das ist Feindschaft gegen Gott«; und: »Deutet das nicht auf eine schreckliche Krankheit der Seele hin, wenn auch Gotteskinder dauernd beehrt, bedankt, beachtet sein müssen …?« — »Viele Seelen der Gläubigen sind verwöhnt. Sie brauchen immer Bedienung, Erfüllung ihrer Wünsche. Sie suchen in Predigt und Gottesdienst, was ihre Seele streichelt … Entwöhnte Gläubige kennt man schnell: Sie dienen, auch ohne Lohn; sie kommen nicht immer in Erwartungshaltung; sie gleichen dem Weizenkorn, das in der Erde verborgen erstirbt und Frucht bringt. Ihr Lohn ist der Herr«

Dazu lesen wir einmal Apg. 5, 11-14, das an den Tod von Ananias und Saphira anschließt: »Und es kam große Furcht über die ganze Versammlung und über alle, weiche dieses gehört hatten. Aber durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder unter dem Volke. Und sie waren alle einmütig in der Säulenhalle Salomos zusammen, von den übrigen aber wagte sich ihnen niemand anzuschließen.« Nun fahre ich fort nach der Gemeindestrategie unserer Tage: »Da berief der Apostel Petrus mit den anderen Aposteln und Ältesten eine Gemeindeversammlung ein und sprach zu ihnen: So darf es auf gar keinen Fall weitergehen! Wir müssen die Menschen dort abholen, wo wir sie finden, und uns ihnen als Gemeinde so anpassen, daß sie keinerlei Fremdheitsgefühl mehr verspüren, wenn sie unsere Gottesdienste besuchen, sondern sich sofort bei uns wohlfühlen! Wir sollten ihnen Brot und Spiele darreichen und darin von den Römern und Griechen lernen, die auf diese Weise Massen in ihre Amphitheater holen! Wir sollten ihnen, sonderlich den Jugendlichen, für ihre Augen die christliche Pantomime bieten; wir sollten sie nicht mehr mit unseren antiquierten Tempelgesängen anlocken, sondern mit hellenistischen Tanzmelodien; und vor allem sollten wir ihnen das Kreuz als eine Quelle harmloser christlicher Vergnügungen darstellen und nicht länger als das Todesurteil Gottes über unseren alten Menschen. Das Reden vom ‚Mitgekreuzigtsein’ sollte man lieber lassen. Unsere Gemeindewoche sollten wir zu einer Hobbywoche umgestalten und jeden Abend eine andere Attraktion bieten: Mutter- und Kindkreis, Frauenfrühstück, Bastelkreis und Basketballclub, Spieleabend und Kreis der junggebliebenen Erwachsenen … es ist nicht schlimm, wenn dann der Besuch der Bibel- und Gebetsstunde nur noch kümmerlich ist; irgendwann muß man sich ja einmal von der Gemeinde erholen! Und vor allem: Pflegt einen saloppen Umgang mit der Bibel! Ihre altehrwürdige Sprache, die sowieso keiner mehr versteht, muß in eine moderne Bildzeitungssprache umgesetzt werden, die bei jedem ankommt! — Mit diesem Aufruf war die ganze Gemeinde, bis auf wenige ewig-gestrige Querulanten, einverstanden.«

Wie aber fährt Apg. 5, 11-14 fort? »… und von den übrigen wagte keiner sich ihnen anzuschließen, sondern das Volk erhob sie. Aber umsomehr Gläubige wurden dem HERRN hinzugetan, Scharen von Männern als auch Frauen!« Aber das glauben wir heute ja gar nicht mehr, daß der Herr selbst zur Gemeinde hinzutut, wenn wir die Botschaft des Evangeliums vollmächtig verkündigen und vom Wort Gottes keine Abstriche machen, und wenn wir als Gemeinde Christi »Grundfeste und Pfeiler de Wahrheit« bleiben ohne uns dieser Weltzeit anzupassen (s. Röm. 12, 2; 1. Tim. 3, 15). Es gibt auch heute noch ehrliche, wahrheitssuchende, redliche junge Leute, die oft zu den »Zeugen Jehovas« abwandern, weil sie dort kompromißlos gefordert werden.

»Wohlfühlgemeinde«? Wenn ein Außenstehender in die Gemeinde Christi kommt und im Geiste der Weissagung »überführt und beurteilt« wird, so daß »das Verborgenste seines Herzens enthüllt wird«, dann fühlt er sich gewiß nicht wohl; aber er wird vielleicht »auf sein Angesicht fallen, Gott anbeten und verkündigen: Gott ist wirklich in eurer Mitte« (1. Kor. 14, 24-25)!

8. Hebr. 12 — ein pädagogisches Kompendium

Abschließend möchte ich den wohl »pädagogischsten Text« des Neuen Testaments, ja, der Bibel vorstellen. Ich zitiere Hebr. 12, 4-11 nach der Übersetzung von Prof. Menge (das Wort »Züchtigung« — paideia — ersetze ich durch das gleichwertige »Erziehung«, weil dieser Gedanke überwiegt, obgleich die Strafe als Erziehungsmittel mit eingeschlossen ist):

»Habt ihr den Zuspruch vergessen, der zu euch wie zu Söhnen spricht: Mein Sohn, denke nicht geringschätzig über die Erziehung des Herrn und verzage nicht, wenn du von Ihm zurechtgewiesen wirst! Denn der Herr erzieht nur den, den Er liebt; Er züchtigt einen jeden Sohn, den Er als Sein Eigentum annimmt. Haltet standhaft aus, um euch erziehen zu lassen! Gott behandelt euch wie Söhne! Denn wo wäre ein Sohn, den der Vater nicht erzieht?« (Heute gibt es Millionen Gegenbeispiele). »Bleiben wir ohne Erziehung, die wir doch alle erfahren, sind wir nicht (Gottes) Söhne, sondern Bastarde« (d. h. Mischlinge, die wie Bileam in der Mischung leben zwischen Licht und Finsternis, Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit, Gottesglauben und Weltliebe, Gotteswort und Zauberei).

»Bedenkt: Wir hatten doch alle unsere leiblichen VÄTER als ERZIEHER und haben ihnen Ehrerbietung erwiesen; sollten wir uns da nicht viel mehr dem Vater der Geister unterordnen und dadurch zum Leben gelangen? Denn jene (irdischen Väter) haben uns nur für eine kurze Zeit nach ihrem Gutdünken erzogen; ER aber (Gott als der Vater) hat nur das Beste für uns im Auge! Er will, daß wir an Seiner Heiligkeit Anteil bekommen. Alle Erziehung freilich scheint uns für den Augenblick nicht erfreulich, sondern bringt Schmerzen mit sich. Später aber erwächst daraus für alle, die sich durch sie haben üben lassen, eine friedvolle Frucht der Gerechtigkeit!«

»Für alle, die sich durch sie haben üben lassen« — dies sind leider nicht alle Gotteskinder! Man kann in der Schule und Erziehung Gottes auch verbittert werden; und eine solche »Wurzel der Bitterkeit« kann in uns — schier unausrottbar — aufwachsen und nicht nur uns, sondern auch andere verunreinigen, die mit uns den Weg gehen (Hebr. 12, 15). Wenn wir aber Narren sind und bleiben, dann nützt uns auch die Erziehung Gottes nichts, wie es uns Spr. 27, 22 bezeugt: »Wenn du den Narren mit der Keule im Mörser zerstießest, mitten unter der Grütze, so würde doch seine Narrheit nicht von ihm weichen!«

Sie haben sicher schon einmal in einer Apotheke — als Erinnerung an vergangene Zeiten der Arzneimittelzubereitung — ein Mörsergefäß mit einem Stößel gesehen, mit dem man Kräuter oder chemische Grundstoffe zu Pulver verrieb, um daraus Tabletten oder arzneiliche Tränke oder Salben herzustellen. Oder denken wir an die Homöopathie, wo Grundstoffe so stark verdünnt werden (D4 — D12 — oder gar D100), daß kaum noch Moleküle übrigbleiben, sondern nur noch die Anregungszustände der Atome und Moleküle. Man arbeitet ja dort so, daß krankmachende Grundstoffe in großer Verdünnung über die körpereigenen Abwehrsysteme Heilung bewirken. Wir sollten aber wohl nicht glauben, daß man ein »homöopathisches Arzneimittel gegen Narrheit« gewänne, wenn man einen Narren so zerstoßen und »verdünnen« würde! Selbst wenn Gott den Narren mit scheinbar unbarmherziger Zucht der Seele und dem Leibe nach »zerstoßen« würde, bleibt er oftmals doch ein Narr, weil er sich nicht durch die Weisheit und Güte Gottes, die uns zur Buße führen will, erziehen läßt! Daß wir doch unser Herz öffnen möchten für die liebevolle, gütige und konsequente Erziehung unseres himmlischen Vaters, indem wir Seiner pädagogischen Weisheit vertrauen! Dann kann Er uns auf dem kürzesten Wege zum Ziele führen.

In Tit. 2, 11-14 lesen wir von der »erzieherischen Gottesgnade«, woran wir allein schon erkennen können, daß die göttliche Liebe keinen Gegensatz zu Seiner Erziehung und Züchtigung bildet:

»Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen, und sie erzieht uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnen und gerecht und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf, indem wir erwarten die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus, der sich selbst für uns hingegeben hat, damit Er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und reinigte sich selbst ein Eigentumsvolk — eifrig in guten Werken!«

Dazu will uns die Gnade Gottes erziehen. Darum »schlägt« der Christuskämpfer die Gemeinde als »Seinen Leib und führt ihn in Knechtschaft«, damit Er am Ende der Zeiten die Gemeinde sich verherrlicht darstellen könne und »nicht verwerflich werde« (1. Kor. 9, 24-27/Eph. 5, 25-27). Denn »Wundstriemen scheuern das Böse weg, und Schläge scheuern die Kammern des Leibes« (Spr. 20, 30)!

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 2/1997; Paulus-Verlag; Heilbronn)

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