Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
Beitrag per E-Mail weiterempfehlen   Beitrag drucken    0

Das paulinische Zeugnis vom Reiche Gottes

Autor: Jugel, Wolfgang  |  Kategorie(n): Lehre, Paulus, Paulusbriefe  |  597 x gelesen

»Siegesfürst und Ehrenkönig,
höchst verklärte Majestät,
alle Himmel sind zu wenig,
Du bist drüber hoch erhöht;
sollt’ ich nicht zu Fuß Dir fallen,
und mein Herz vor Freude wallen,
wenn mein Glaubensaug’ betracht’
Deine Glorie, Deine Macht?«

So singen wir tiefbewegt; als Erstlinge Seiner Schöpfung dürfen wir schon jetzt das Ziel aller göttlichen Heilsplanung vorwegnehmen, indem wir vor JESUS unsere Knie beugen und unsere Zungen — zur Verherrlichung Gottes, des Vaters — frohlockend bekennen: Allherr (kyrios) ist Jesus, der Messias! In dieses Christus- und Gotteslob werden einmal in der Vollendung aller Heilszeiten alle Himmlischen, Irdischen und Unterirdischen einstimmen (Phil. 2, 10-11).

Aber sollten wir den Christus nicht lieber als das Haupt Seiner Gemeinde statt als deren König bekennen? Solche Unterscheidung kann nur menschlichem Denken entspringen; denn ebenso, wie der Herr das HAUPT Seiner Gemeinde ist, ist Er auch der KÖNIG Seines Reiches und der BRÄUTIGAM Israels. Und weil wir als Gemeinde der Erstlinge das Vollzugsorgan Seines Leibes bilden, gehören wir auch zu Seiner königlichen Herrschaft; ja, wir werden in kommenden Weltzeiten mit Ihm als Könige herrschen und als Priester dienen, wenn anders wir hier mit Ihm gelitten haben. Nach unserer Auferstehung, Verwandlung und Entrückung werden wir einmal nach 1. Thess. 4, 17 »allezeit zusammen mit dem Herrn sein«, wie es eigentlich heißt. Wir werden also teilnehmen an allen Seinen künftigen Ämtern und Vollendungsaufgaben — gewiß auch bei der sichtbaren Ausgestaltung Seines Reiches und bei der Wiederherstellung Israels durch Ihn, den Bräutigam. Die Heiligen werden einmal »Engel richten«, aber auch »die Welt«, wie aus 1. Kor. 6, 2.3 hervorgeht, und ihr Dienst wird sich nicht auf himmlische Aufgaben beschränken.

An den Anfang unserer Betrachtung möchten wir zwei Worte stellen, die nicht aus der Feder des Apostels Paulus stammen, die sich aber völlig mit dem decken, was er selbst auch vom Reiche Gottes bezeugt. In Jak. 2, 5 steht das feine Verheißungswort: »Hat Gott nicht die Bettler des Kosmos (die Armen der Welt) auserwählt, reich zu sein im Glauben und zu Erben des Reiches, welches Er denen verheißen hat, die Ihn lieben?«

Wenn wir wirklich zu denen gehören, die in aller Schwachheit Gott und Christus lieben, dann dürfen auch wir uns diese Verheißung zu eigen machen — »Bettler« im Irdischen, aber »Millionäre« in der zukünftigen Welt!

2. Petrus 1, 8-10 stellt uns als Glaubensziel vor Augen, daß wir »nicht träge noch fruchtleer seien« und damit »blind, kurzsichtig und ungereinigt, was die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus anbetrifft«. Wenn wir aber »unsere Berufung und Erwählung festmachen, dann wird uns reichlich dargereicht werden der Eingang in das ewige Reich (oder: Königtum) unseres Herrn und Retters Jesus Christus!«

Aber gilt eine solche »Reichsverheißung« wirklich den Gliedern des Leibes Christi? Gilt ihnen nicht »Höheres«? Haben wir mit dem Reiche Gottes und Christi, also mit Seinem Königtum, überhaupt etwas zu schaffen?

Wenn wir das Neue Testament gründlich befragen und unvoreingenommen untersuchen, werden wir überrascht feststellen, wie vieles der Apostel Paulus in allen seinen Briefen über unser Erbteil am Reiche Gottes und Christi zu bezeugen wußte! Diese Zeugnisse sollen in der vorliegenden Arbeit aufgezeigt werden. Wir werden dann erkennen, wie der eine Geist alle Apostel zu einer Hoffnung der Berufung führte, bemüht, sie alle »in das Ganze der Wahrheit zu leiten« (Eph. 4, 4; Joh. 16, 13). Wenn wir den Heiligen Geist als den eigentlichen Verfasser der Apostelschriften sehen, dann wird uns manch scheinbarer Widerspruch zwischen ihnen, den oft nur unsere menschliche Logik aufgerichtet hat, wie Nebel an der Sonne schwinden!

Schon in seiner geistlichen Rechenschaft vor den Ältesten der Gemeinde in Ephesus betonte Paulus, er habe in allen Gegenden, die er bereiste, »das Reich Gottes (Gottes Königtum) als Herold verkündigt«; diese Verkündigung aber setzte er selbst gleich mit dem »Zeugnis des Evangeliums der Gnade Gottes« — als einem Teil des »ganzen Heilsratschlusses Gottes« (Apg. 20, 24-27).

Wer aber meint, dies sei ein geistlicher »Frühreifezustand« des Apostels gewesen, den er späterhin auf einer »vollkommeneren Stufe« überwand, möge bedenken, daß der große Apostel gleichermaßen in seinen frühen wie in seinen späten Briefen das »Reich Gottes« und das »Königtum Christi« bezeugte. So schreibt er in seinem geistlichen Testament, kurz vor seinem Märtyrertod:

»Ich bezeuge ernstlich — Auge in Auge mit Gott und mit dem Messias Jesus, der da richten wird Lebendige und Tote, und bei Seiner Herrlichkeitserscheinung (epiphanie) und bei Seinem Reiche: Verkünde wie ein Herold das Wort, bestehe auf diesem (Fundament) in gelegener und ungelegener Zeit … !«

Nun wollen wir den paulinischen Zeugnissen vom Reich Gottes in seinen Briefen nachgehen und darüber nachsinnen.

1. Das Reich Gottes ist der Generalnenner der ganzen Heilsgeschichte

Die Herrschaft Gottes, das Königtum Christi sind nicht beschränkt auf eine Haushaltung oder einen Äon, sie bestimmen vielmehr die ganze Heilsgeschichte: Überall, wo Gott als König Seine Herrschaft ausübt— auch in Menschenherzen, die sich Ihm öffnen —, ist Königtum Gottes, Reich Gottes. Dieses währt — in einem heilsgeschichtlichen Wachstum und in zunehmender Ausprägung — von Anbeginn der Schöpfung bis zur Weltvollendung, wo es endlich auch äußerlich, sichtbar und allumfassend in Erscheinung tritt.

»Evangelium ist Proklamation der Gottesherrschaft und wendet sich an den Menschen mit der Aufforderung zur gehorsamen Unterwerfung unter dieselbe … das Königreich Gottes ist der umfassende Begriff für die ganze Evangeliumshaushaltung oder Evangeliumsbewegung. Es handelt sich bei derselben zunächst noch nicht um die Herbeiführung von äußeren Königreichszuständen in der Welt, sondern um die Durchführung der Königsherrschaft Gottes in den Herzen und im Leben der Glaubenden« (Heinrich Langenberg: »Biblische Begriffskonkordanz«, S. 123).

So sind sowohl die Gemeinde des Leibes Christi als auch das kommende Tausendjährige Messiasreich wesentliche Ausgestaltungen der Gottesherrschaft, wenn auch mit verschiedenen Charakterzügen. Als Jesus dem Pilatus bezeugte, daß Sein Königtum »nicht von dieser Weltordnung« stamme, so wollte Er damit kundtun, daß es einer höheren Ordnung und dem künftigen Kosmos angehöre (Joh. 18, 36); Er verneinte damit nicht die Möglichkeit der Gestaltwerdung des Reiches Gottes auf dieser Erde. »Das Königtum des Christus ist die Vermittlung der ewigen Gottesherrschaft« (Langenberg, ebenda, S. 385). Auch das Tausendjährige Messiasreich auf dieser alten Erde ist nur eine Ausgestaltung des Reiches Gottes und Christi. Es ist auch zeitlich nicht völlig deckungsgleich mit der »Königsherrschaft Jesu Christi«; diese währt nämlich so lange, bis alle Gottesfeinde, ja, selbst der Tod, sich Ihm untergeordnet haben. Erst dann kann der Christus als der Mittler der Gottesherrschaft sich selbst (was die Herrschaft und deren Ausübung anbetrifft) wieder dem Vater unterordnen, damit dann Sein Reich in das Königtum des Vaters einmünde (1. Kor. 15, 24).

2. Die Gemeinde des Leibes Christi ist die gegenwärtige Gestalt des Reiches Gottes

Wie anders sollte man sonst den von Jesus selbst prophezeiten Übergang des Königtums von Israel zu den Nationen deuten (Matth. 21, 43)? In diesem Jesuswort ist auch schon die »Frucht des Heiligen Geistes« als wesentliches Erkennungsmerkmal des göttlichen Königtums auf dem Boden der Gemeinde angesprochen. Dazu noch einmal Heinrich Langenberg, einer der besten Kenner der Paulusliteratur:

»Wichtig ist es, das Verhältnis der Gemeinde zum Königreich der Himmel klar zu erkennen. Beide gehören eng zusammen, sind aber nicht identisch. Die Gemeinde erfüllt eine bestimmte Aufgabe für das Königreich der Himmel. Sie gehört zum Königreich, ist aber nicht das Königreich … Reichgottesarbeit besteht nicht darin, jetzt schon äußere Königreichszustände herbeizuführen, sondern die Königsherrschaft der Himmel auf dem Boden der Gemeinde zu verwirklichen« (Biblische Begriffskonkordanz; aus S. 388/89 unter »Reich Gottes«).

Diese Aussage deckt sich völlig mit dem Zeugnis des Apostels Paulus in Röm. 14, 17.18; den Hintergrund bildet ein — aus dem Spannungsfeld zwischen glaubenden Juden und Heiden geborener — Meinungsstreit über »gebotenes« und »verbotenes« Essen und Trinken; dieser spielte im Urchristentum eine große Rolle und drohte die Schwerpunkte der Heilsbotschaft zu verschieben:

»Denn das Reich Gottes (Gottes Herrschaft und Königtum) ist nicht Essen und Trinken, sondern GERECHTIGKEIT und FRIEDE und FREUDE aufgrund des Heiligen Geistes. Denn wer darin Christus dient, ist Gott wohlgefällig und vor Menschen bewährt« (s. auch V. 14-16).

Gesunde Lehre und daraus erwachsender gesunder Glaube kann erkranken, wenn wir die Schwerpunkte der Heilsbotschaft verschieben, Nebensächliches zur Hauptsache machen und Wesentliches zur Randfrage erklären. Solche »Lastverschiebungen« in der Ladung eines Schiffes können dieses zum Kentern bringen! (s. 1. Tim. 1, 19.20).

Die tragenden Säulen der Gottesherrschaft in der Christusgemeinde sind geistgewirkte Gerechtigkeit, geistlicher Friede und Freude im Heiligen Geiste. Wo diese sind, ist Gott »gegenwärtig«, dort »herrscht Er als König«. Nur auf solchem Grunde stehen wir unter dem göttlichen Wohlgefallen, das wie »Tau auf das dürre Gras« und wie eine »Spätregenwolke« auf unser Leben kommt und es fruchtbar macht (Spr. 16, 15; 19, 12). Dem entspricht auch 1. Kor. 4, 19.20, wo der Apostel der frommen Phrase, die den Ungehorsam verschleiern will, das geistgewirkte Wort der Kraft entgegenstellt, das allein Wesenhaftes bewirken kann:

»Ich werde bald zu euch kommen, so der Herr will, und werde erkennen, nicht das Wort der Aufgeblasenen, sondern die Kraft; denn die Gottesherrschaft (das Reich Gottes) besteht nicht im Worte, sondern in der Kraft!«

Dementsprechend äußerte Prof. Ströter einmal:

»Die ganze Arbeit des Heiligen Geistes in betreff des Reiches Gottes in diesem Zeitalter zielt nicht ab auf äußere Aufrichtung und Darstellung im Völkerleben, sondern lediglich auf die Zubereitung von Gottesmenschen, Gottessöhnen, Reichserben, Überwindern, die in den Lebenskräften der zukünftigen Welt erzogen und vollbereitet werden müssen, bei völligem Verzicht auf Anerkennung, führende Stellung in Staat und Gesellschaft und dergleichen für diesen Äon« (aus W. J. Pasedag: »Christus und Israel«, S. 411).

So ist die »Wiedergeburt« aus Gottes Geist und das mit ihr geschenkte »äonische Leben« eine Vorwegnahme der künftigen sichtbaren Gestalt des Gottesreiches; sie läßt die prophetisch angekündigte Volkswiedergeburt Israels schon jetzt in Glaubensmenschen Wirklichkeit werden (s. Matth. 19, 28, wo von diesem kommenden prophetischen Großereignis prophetisch gesprochen wird).

Daß »äonisches Leben« schon in diesem bösen gegenwärtigen Äon persönlich empfangen werden kann, war auch dem glaubenden Juden unbekannt; zur Erkenntnis dieses Geheimnisses wollte Jesus Nikodemus in einem denkwürdigen Nachtgespräch führen (vgl. Joh. 3).

So ist für die Erstlinge des Glaubens schon jetzt geistig-geistliche Wirklichkeit, was sich einmal sichtbar vor aller Welt ausgestalten wird, wenn wir dereinst »zusammen mit dem Christus enthüllt werden in Herrlichkeit« (Kol. 3, 4).

In Kol. 1, 12.13 nennt uns der Apostel ein Dreifaches, wofür wir dem Vater der Herrlichkeit danksagen sollten:

  1. dafür, daß Er uns »passend gemacht hat, Anteil zu haben am Erbe der Heiligen in dem Lichte«; dabei können wir an die »Gemeinde der Erstgeborenen in den Himmeln« denken, die schon jetzt im Lichte weilt (Hebr. 12, 23), oder aber allgemein an das Lichteserbe, das allen Heiligen als göttliche Wirklichkeit bereitsteht. Für beides mußten wir durch den Geist »angepaßt werden«.
  2. ferner sollen wir Gott dafür danksagen, »daß Er uns errettet (oder: herausgeris­sen) hat aus der Vollmacht der Finsternis« — also aus Herrschaft, Rechtsanspruch und Autorität der finsteren Mächte. Dies hat die »Freilösung« durch das Blut Christi bewirkt;
  3. schließlich danken wir dem Vater dafür, »daß Er uns versetzt hat in das Reich des Sohnes Seiner Liebe«, in die königliche Herrschaft Jesu Christi.

So wie das Reich Gottes eine sichtbare zukünftige Gestalt haben wird, werden auch diese geistlichen Wirklichkeiten nach unserer Vollendung sichtbare und darstellbare Form annehmen:

  1. Wir werden durch Auferstehung, Entrückung und Verwandlung endgültig aus dem Vollmachtsbereich der Finsternis »geraubt« und mit Christus vereinigt.
  2. Wir werden mit Ihm königlich herrschen und priesterlich dienen, wenn wir durch unsere »Himmelfahrt« hineinversetzt wurden in Sein Reich und Königtum und in dessen künftige weltumfassende Ausgestaltung.
  3. Wir werden dann — dem Christus gleichgestaltet — in unserer vollendeten Persönlichkeit teilnehmen können am Erbteil, das uns Christus erschloß, werden mit allen Heiligen vereinigt vor dem Throne Gottes und dann hinübergeführt in das — jetzt noch unzugängliche — Gotteslicht.

Weil aber die Christusgemeinde die gegenwärtige Gestalt des Reiches Gottes darstellt, konnte Paulus in seiner Kolossergrußliste die Judenchristen Aristarchus, Markus und Jesus-Justus also ehren: »Diese allein sind Mitarbeiter am Reiche Gottes, sie sind mir ein Trost gewesen« (Kol. 4, 10.11)!

Schon die sprachliche Logik läßt uns erkennen, daß der große Apostel sich als »Arbeiter am Reiche Gottes« sah, wenn er diese Männer als »Mit-Arbeiter im Reiche Gottes« bezeichnete. Wie wesenhaft, unschematisch und mit einem weiten prophetischen Horizont versehen war doch das biblische Denken und Fühlen der Apostel Christi! »Werdet auch ihr weit …« (2. Kor. 6, 11-13)!

3. Ein würdiger Wandel ist Vorbedingung für die Teilnahme am Königspriestertum im Reiche Christi und Gottes

Jesus ist als der geistgesalbte Messias zugleich der PROPHET, der HOHEPRIE­STER und der kommende KÖNIG. Er war in Seinen Erdentagen der PROPHET in der Gleichheit des Mose; Er ist in der gegenwärtigen Heilszeit der Gemeinde der HOHEPRIESTER, der uns allezeit vor Gott vertritt und der die Wiederannahme und Erlösung Israels anbahnt; Er wird bei Seiner sichtbaren Wiederkunft und glorreichen Machtergreifung der KÖNIG Seines Reiches sein. An Seinem königlichen Priestertum wird die Erstlingsgemeinde teilnehmen, wird mit Ihm königlich herrschen und priesterlich dienen. Als Mitteilhaber Seiner Verheißungen und Berufungen, die nach ihrer Vollendung »allezeit bei dem Herrn sein werden« (1. Thess. 4,17 b), werden wir an allen Seinen künftigen Ämtern und Aufgaben beteiligt.

Darum lautet jetzt schon unser Lobgesang: »Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in Seinem Blute und uns gemacht hat zu einem Königtum und zu Priestern Seinem Gott und Vater: IHM sei die Herrlichkeit und die Macht in die Äonen der Äonen! Amen« (Offb. 1, 6; 5, 10; 1. Petr. 2, 9).

Es war immer das Bestreben des Apostels Paulus, nicht nur Gemeinden zu gründen und Menschen zum Heil zu rufen, sondern auch »die Seelen der Jünger zu befestigen und sie zu ermuntern, im Glauben zu verharren«. Solcher Hirtendienst ist von höchster Wichtigkeit, weil Gotteskinder »durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen« und dabei schnell ermüden und verzagen könnten, wenn nicht ihre Seele vom Geiste aus gefestigt wäre (Apg. 14, 21.22).

Alle Drangsale, Leiden und Anfechtungen, Verzicht, Verfolgung und Demütigung aber haben ein hohes und herrliches Ziel:

»Das Wort ist glaubwürdig; denn wenn wir mitgestorben sind, dann werden wir auch mit (dem Christus) leben; wenn wir ausharren, dann werden wir auch mit (dem Christus) als Könige herrschen; wenn wir verleugnen, dann wird auch Er uns verleugnen …« (2. Tim. 2, 11.12).

So lautet das paulinische Zeugnis vom kommenden Königtum der Gemeinde im vollendeten Reiche Christi und Gottes; wo aber bezeugt er etwas von unserem zukünftigen Priestertum? Gilt hier etwa das oftmals so mißbrauchte »Gesetz der Fehlanzeige«, wonach ein biblischer Schriftsteller nichts von dem gewußt habe, wovon er nicht ausdrücklich selbst geschrieben hat?

Doch auch Paulus wußte von priesterlichem Dienst; es war seine besondere Berufung von Gott aus, »Amtsdiener Christi Jesu zu sein für die Nationen und priesterlich zu dienen an der Frohen Botschaft Gottes, damit das Opfer der Nationen wohlannehmbar werde, geheiligt durch den Heiligen Geist« (Röm. 15, 16).

Wenn aber schon unser Erdendienst durch Barmherzigkeit, Mitleid, Ermunterung und Trost die Charakterzüge priesterlichen Dienstes im Zeichen des Hohenpriesters Jesus tragen kann, wieviel mehr unser zukünftiger Dienst in der Vollendung beim Herrn! So dürfen wir biblisch aus dem Gesamtzeugnis der heiligen Schriften folgern.

Zu solch könig-priesterlichem Dienst aber gehört eine geistliche Würde, die der hohen Sendung und Berufung angemessen ist — Würde in Wort und Wandel, Würde in der Lebensführung und im Auftreten, Würde in den von der Gemeinde angewandten Methoden zur Ausbreitung des Evangeliums. Wieviel Albernes und Würdeloses, samt weltangepaßten Werbestrategien, gibt es doch gerade in der »Reichgottesarbeit« unserer Zeit! Einer in gesetzlosen Albernheiten und zügellosen Clownerien dahintaumelnden Welt ist nur noch ein »stiller Wandel in würdigem Ernst« ein wirkliches Zeugnis! (1. Tim. 2, 2).

Auch für uns selbst können wir mit Würdelosigkeit das Reich Gottes verspielen! Der Herr Jesus hat einmal Seinen Jüngern aus Israel gesagt: »Ich verordne euch, wie mein Vater mir verordnet hat, ein Reich …« (Luk. 22, 28.29). Erweisen wir uns dieses Rufes würdig? Kann der Herr uns für würdig erachten? Freilich sind wir unserer Herkunft nach Unwürdige, weshalb nur die bedingungslose Gnade Gottes uns erretten kann. Und doch sollen wir auf diesem Grunde etwas sein und werden »zum Lobpreis Seiner Gnade und Herrlichkeit«. Wenn auch — aufs letzte gesehen — allein das Gotteslamm würdig ist (Offb. 5, 9.12; 4, 11), so läßt der Herr uns doch teilnehmen an Seiner königpriesterlichen Würde, die dann auch von uns gefordert werden kann.

Gerade die Drangsale, die wir um Jesu willen erdulden und wodurch wir teilnehmen an Seiner Lammesnatur, sind Zeichen dafür, »daß wir würdig geachtet werden des Reiches Gottes, um dessentwillen wir auch leiden« (2. Thess. 2, 4.5). Noch heute kann uns der Apostel Paulus »wie ein Vater seine eigenen Kinder ermahnen, trösten und uns feierlich bezeugen, daß wir würdig wandeln sollten des Gottes, der uns zu Seinem eigenen Reiche und zu Seiner eigenen Herrlichkeit beruft« (1. Thess. 2, 11.12).

Wie schließt er uns im Auftrage Gottes mit diesem Wort väterlich in seine Arme! Ist es doch Gotteswort und nicht Menschenwort, das er so an uns richtet und das in uns wirksam werden will!

4. Wir können der Teilnahme am Reiche Gottes in Herrlichkeit verlustig gehen

Wenn wir im »Vaterunser« bitten: »Dein Reich (Deine Königsherrschaft) komme!«, dann denken wir mit Jesus an die zukünftige Endgestalt des Reiches Gottes, an die sichtbare Erscheinung und Ausformung Seiner Königsherrschaft, so daß dann auch auf Erden »Sein Wille geschieht, wie jetzt schon im Himmel«. Das Jesuswort: »Es ist nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und nichts verborgen, was nicht kundwerden wird«, gilt auch im umfassenden prophetischen Sinn: Das Unsichtbare wird sichtbar, das Verborgene offenbar (Matth. 20, 26). Dies gilt auch von unserem inneren geistlichen Leben, das jetzt noch mit dem Christus »in Gott verborgen« ist, aber dereinst offenbar werden wird, wenn sich der Christus mit uns enthüllen wird in Herrlichkeit (Kol. 3, 1-3; s. auch Hebr. 2, 8.9).

Der »glückselige und alleinige Machthaber« wird Seine Macht mit Seinem Sohne und den Gliedern Seines Leibes teilen; der »allein Unsterblichkeit hat« wird ewiges Auferstehungsleben denen verleihen, die des Christus sind; der »ein unzugängliches Licht bewohnt«, wird mit dem himmlischen Jerusalem auf die neue Erde herniederkommen und »unter den Menschen wohnen«; den »keiner der Menschen je gesehen hat noch (gegenwärtig) sehen kann«, wird dereinst geschaut werden von allen, die reinen Herzens sind.

Doch sind es überaus ernste Worte, die der Apostel Paulus spricht im Blick auf die Teilhabe an der kommenden Machtergreifung des Christus und die künftige Reichsherrlichkeit Gottes.

Nach 1. Kor. 6, 9-10 gibt es Glaubende, die sich selbst durch ihren ungeheiligten Wandel vom Erbteil am Reiche Gottes ausschließen (die sorgfältige Auslegung läßt es nicht zu, diese Warnung nur auf Ungläubige zu beziehen):

»Oder wisset ihr nicht, daß Ungerechte das Reich Gottes nicht ererben werden? Irret euch nicht! Weder Hurer noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Weichlinge, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habsüchtige, auch nicht Trunksüchtige, nicht Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes ererben!«

Die Bemerkung »Irret euch nicht!« zeigt, daß es in dieser Frage innerhalb der Christusgemeinde und ihrer Lehre lebensgefährliche Irrtumsmöglichkeiten gibt (s. auch Matth. 22, 29; Mark. 12, 24‑27; Gal. 6, 7; Jak. 1, 16; 2. Thess. 2, 11). Der aufgezeigte moralische Schaden sollte nur in unserer Vergangenheit zu finden sein, die durch das Blut Christi »abgewaschen wurde«, so daß wir »geheiligt und gerechtfertigt worden sind in dem Namen des Herrn Jesus und durch den Geist unseres Gottes« (V. 11). Der Apostel erwartet bei Glaubenden eine neue Lebenswirklichkeit: »Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden …« (2. Kor. 5, 17).

Auch von den in Gal. 5, 19-21 genannten »Werken des Fleisches« (Hurerei, Unreinigkeit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Sekten, Neid, Totschlag, Trunkenheit, Gelage) läßt uns Paulus wissen: »Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht ererben!«

Wie eng sind hier die Grenzen gezogen; wie nahe stehen wir an der Bergpredigt Jesu, die wir sonst gerne einer anderen Haushaltung zuweisen wollen. Nein, auch als Glieder am Leibe Christi müssen wir uns mit allem Ernst der Frage der Heiligung stellen! Der kommende »Richterstuhl Christi« ist eben nicht nur ein »Preisrichterstuhl«, und man kann vieles, wenn nicht alles verlieren, was Gottes Geist in unserem Leben hätte ausgestalten wollen und können und worin wir ihn entscheidend behindert haben. Nachdem man zur Erkenntnis der Wahrheit kam, kann man noch »mit Willen (Absicht, Vorsatz) sündigen«, worauf uns nur noch ein gewisses »furchtvolles Erwarten des Gerichtes verbleibt« (Hebr. 10, 26.27). Die Unterscheidung zwischen Schwachheitssünden, für die man bitten, und der »Sünde zum Tode«, für die man nicht mehr bitten soll (1. Joh. 5, 16.17), hat auch Paulus getroffen; er empfahl nicht, für den Blutschänder von Korinth zu beten, sondern übergab ihn in apostolischer Vollmacht dem Satan zum Verderben des Fleisches, damit sein Geist am Tage des Herrn Jesu gerettet werde (1. Kor. 5, 3-6). Hüten wir uns, mit falschen Weichenstellungen ernste Warnungen der Apostel als uns nicht betreffend von uns abzuschieben!

Die beiden Worte aus den paulinischen »Frühbriefen« ergänzt Eph. 5, 5:

»Denn dieses wisset ihr, indem ihr es erkennt — daß kein Hurer oder Unreiner oder Habsüchtiger (welcher ein Götzendiener ist) ein Erbteil hat in dem Reiche Christi und Gottes!«

Wie sehr verantwortungslose Lehrer damals schon bemüht waren, die Gemeinde irrezuführen mit der falsch verstandenen Parole vom »allgemeinen Sündertum«, kann uns V. 6 zeigen, der im Zusammenhang mit V. 5 zu sehen ist: »Niemand verführe euch mit inhaltlosen Worten, denn dieser Dinge wegen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams!«

Doch steht der Weg zur Gnade Gottes und zur Vergebung der Sünde um Jesu willen allezeit offen, wenn wir unter der harten Anklage des Wortes und des Geistes Gottes zusammenbrechen!

Eine letzte Aussage des Apostels über das Erbteil am Reiche Gottes finden wir in 1. Kor. 15, 49-55. Darin wird unsere Umwandlung in Christi Bild und Herrlichkeit begründet, mit der unser künftiger Geistleib ausgestattet ist:

»Und ebenso, wie wir das Bild dessen von Staub getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen. Dies aber sage ich, Brüder, daß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können, daß auch die Verwesung nicht die Unverweslichkeit ererbt!« (s. Joh. 3, 3). Darum »muß dieses Verwesliche Unverweslichkeit und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen« (V. 49.50.53).

Die Verwirklichung geschieht in der Auferstehung der Toten in Christo sowie in ihrer Verwandlung und Entrückung.

Es ist noch zu bemerken, daß es in diesen Worten um das Erbteil an der letzten Herrlichkeitsgestalt des Reiches Gottes geht. In das Tausendjährige Königreich Christi auf Erden, das »Reich der Vorvollendung« (H. Schumacher), gehen auch Menschen und Völker ein, die noch nicht wiedergeboren oder gar auferstanden und verwandelt worden sind; nach klarem prophetischen Zeugnis gibt es für sie in der Zeit des Messiasreiches auch noch ein mögliches Sterben.

5. Das geistliche Testament des Apostels Paulus

Die Spätbriefe des Apostels (1. Tim.; 2. Tim.; Tit.; Philem.), die zum Teil unmittelbar vor seinem Martyrium geschrieben worden sind, zeichnen sich durch einen sonst bei Paulus ungewohnten »Altersstil« und durch Gedankengänge aus, die einen scheinbaren Rückschritt von den hohen Erkenntnissen der »Füllebriefe« zu einer starken Betonung von Werk und Wandel und Treue bilden. Die theologische Textkritik hat darum weitgehend die paulinische Verfasserschaft geleugnet.

Wodurch wurde nun die Wandlung in Stil und Gedanken hervorgerufen, außer durch die Tatsache, daß es im Leben eines Schriftstellers auch stilistische Wandlungen geben kann? Ursache war die Machtergreifung der sektiererischen Gnostiker in der jungen Christenheit, die Paulus als »verderbliche Wölfe« angekündigt hat, die »in die Herde Gottes einbrechen werden« (Apg. 20, 29). Der Apostel erwähnt sie in 1. Tim. 6, 20.21 sogar mit Namen:

»O Timotheus, bewahre das Anvertraute, indem du dich wegwendest von dem unheiligen, inhaltlosen Gerede und den Antithesen (Widersprüchen) der fälschlich sogenannten Gnosis (Wissen); etliche, die sich zu ihr bekennen, sind von dem Glauben abgeirrt. Die Gnade sei mit euch!«

Der Apostel Johannes sprach von den Gnostikern als von solchen, die, von antichristlichem Geist getrieben, zwar von einem »himmlischen Christus« sprachen, ihn aber nicht als den »im Fleische Gekommenen« bekannten; sie galten ihm als Lügenpropheten (1. Joh. 4, 1-3).

Auch Petrus warnte kurz vor seinem Tode vor ihnen, die als Unbefestigte und Unwissende die schwer verständliche Weisheit des Bruders Paulus zu ihrem eigenen Verderben »verdrehten« (2. Petr. 3, 16).

Über das zauberische Irrlicht dieser Vermischung und Verfälschung der Christusbotschaft wären nun vieles zu sagen; lediglich ein Gedanke dieser — wie ein Krebsgeschwür um sich fressenden — Wissenssekte sei nachgezeichnet: Ihnen galt die Materie, also auch die Schöpfung, generell als böse und als Werk des Bösen; nicht der Vater Jesu Christi, sondern ein böser »Demiurg« (Handlanger) habe die Welt erschaffen. Darum konnten sie eine zweifache Haltung gegenüber der »verächtlichen« Materie ihres Leibes und Lebens einnehmen: Entweder ergaben sie sich der Zügellosigkeit, Sittenlosigkeit und Hurerei, weil ja »der innere Mensch des Geistes davon überhaupt nicht beeinträchtigt werde« und diese bestenfalls zur Zerstörung des von ihnen verachteten Leibes führe; oder aber sie verfielen in asketische Gesetzlichkeit und Selbstheiligung im »Nichtverschonen des Leibes« (Kol. 2, 23), wie beispielsweise Marcion, der sich ausgerechnet auf einen völlig mißverstandenen und verfälschten Paulus berief (s. 1. Tim. 4, 1-4).

Darum galt ihnen auch die Menschwerdung und Fleischwerdung des »ewigen Logos«, also des Christus, als verwerfenswerter Gedanke. Von Seiner Teilnahme am Fleisch und Blut der Brüder zu sprechen oder gar von den »Tagen Seines Fleisches« (Hebr. 5, 7), war ihnen schier unmöglich. So lehrten sie beispielswei­se, nicht der Sohn Gottes habe am Kreuz gelitten, sondern lediglich der Rabbi Jesus von Nazareth als Seine »äußere Hülle«, nachdem ihn der »ewige Logos und himmlische Christus« schon vor der Kreuzigung verlassen habe — wie ein Schmetterling seine Puppenhülle; darum habe Jesus von Nazareth gerufen: »Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?«!

Auf diesem dunklen Hintergrund einer drohenden Gefahr sind nun die beiden Timotheusbriefe und der Titusbrief zu sehen und zu verstehen. Überaus ernste Warnungen, auch vor verfälschender Lehre, nehmen einen zentralen Platz in ihnen ein; Wandel und Werk des Glaubens werden in den Mittelpunkt gerückt; die »Gebote« Christi und Gottes werden als Leitziele für den Glaubenden wieder stärker als früher betont. Schon in Eph. 4, 20.21 ermahnte der Apostel die Glaubenden, darauf zu achten, daß die Botschaft von dem erhöhten CHRISTUS gemessen werden müsse an dem, was Wahrheit und Gotteswirklichkeit in dem JESUS ist. Damit wies er einen Widerspruch zwischen der apostolischen Botschaft und der Botschaft Jesu von sich — wenn auch die erstere eine Weiterführung durch den erhöhten Christus auf dem gleichen Wesensgrunde darstellte.

Nunmehr »beschwört« der gefangene Paulus seinen Mitarbeiter Timotheus (= Fürchtegott); er »gebietet« ihm und »bezeugt ihm ernstlich«

  • Auge in Auge mit Gott und dem Messias Jesus;
  • bei den auserwählten Engeln (1. Tim. 5, 21);
  • bei dem Messias Jesus, der vor Pontius Pilatus das schöne Bekenntnis bezeugt hat (1 . Tim. 6, 13); er denkt an Jesu Bekenntnis, das auch im ältesten Handschriftenfund (P52) aufbewahrt ist: »Da sprach Pilatus zu Ihm: Also, Du bist ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, daß ich ein König bin. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, damit ich von der Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme!«
  • er gebietet ihm bei dem Messias Jesus, der da richten wird Lebende und Tote;
    bei Christi Herrlichkeitsoffenbarung (epiphanie) und bei Seinem Königreich (2. Tim. 4, 1).

So stehen Gottes Königtum und Reich sowie Christi Königsherrschaft noch bis zuletzt als leuchtendes Ziel vor den Augen des Apostels, der nunmehr seinem Tod entgegengeht. Drängt doch alles, alles auf den Heilstermin der Machtergreifung Gottes und Christi hin, auf das »Jetzt« göttlichen Handelns in Macht und Herrlichkeit: »Das Königtum der Weltordnung unseres Herrn und Seines Messias ist (endlich) gekommen! Und Er wird als König herrschen bis in die Äonenvollendung« (Offb. 11, 15), und: »Jetzt ist die Rettung und die Macht und das Reich unseres Gottes und die Autorität Seines Messias gekommen …« (Offb. 12, 10)!

Und wenn nicht Paulus es selbst geschrieben hat (wofür starke Anzeichen sprechen), so hätte er doch ganzen Herzens in Hebr. 12, 28 eingestimmt: »Darum, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, laßt uns Gnade haben, durch die wir Gott wohlgefällig dienen mögen, verbunden mit Frömmigkeit und Furcht!«

Eines der letzten Worte aus dem geistlichen Testament des Apostels Paulus ist wohl das Zeugnis aus 2. Tim. 4,18:

»Der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und mich bewahren für Sein himmlisches Königreich; Ihm sei die Herrlichkeit bis in die Äonenvollendung. Amen!«

Dieses Ziel des himmlischen (eigentlich: überhimmlischen) Reiches ist nicht zu verwechseln mit dem, was die Christenheit unter dem »Himmelreich« versteht; es ist das Reich über allen Himmeln des erschaffenen Kosmos, das außerkosmische Königtum in der göttlichen Wirklichkeit. Dazu noch einmal Heinrich Langenberg:

»… Dies bedeutet weit mehr als ein Zur-Ruhe-Kommen oder seelisches Genießen, nämlich höheres vollkommenes Dienen als Königspriester. Der Dienst im künftigen Königreich des Christus ist die eigentliche Hauptaufgabe, gegen die unser Erdenleben nur eine Vorbereitung ist. Das Königreich des Christus ist ein himmlisches, weil Seine Königsherrschaft über das All von den Himmlischen (epurania) ausgeht … es ist die Region, in der sich die Gemeinde befindet, von wo aus Christus die Welt regiert und die Welterneuerung und Weltvollendung zustande kommen soll« (»Die beiden Timotheusbriefe«, S. 183).

Wir aber singen:

»Dem König, welcher Blut und Leben
dem Leben Seiner Völker weiht,
dem König werde Preis gegeben,
erzählt Sein Lob der Ewigkeit!
Singt alle Wunder, die Er tut,
doch über alles rühmt Sein Blut!«

Zum Schluß einige Sätze (wiederholt) zum Überdenken:

»Wir werden teilnehmen an allen künftigen Ämtern und Vollendungsaufgaben des Herrn — gewiß auch bei der sichtbaren Ausgestaltung Seines Reiches und bei der Wiederherstellung Israels durch IHN.«

»Überall, wo Gott als König Seine Herrschaft ausübt — auch in Menschenherzen, die sich Ihm öffnen — ist Königtum Gottes, Reich Gottes.«

»Die ganze Arbeit des Heiligen Geistes in betreff des Reiches Gottes in diesem Zeitalter zielt nicht ab auf äußere Aufrichtung und Darstellung im Völkerleben, sondern lediglich auf die Zubereitung von Gottesmenschen, Gottessöhnen, Reichserben, Überwindern« (Ströter).

»Wieviel Albernes und Würdeloses, samt weltangepaßten Werbestrategien gibt es doch gerade in der ‚Reichgottesarbeit’ unserer Zeit! Einer in gesetzlosen Albernheiten und zügellosen Clownerien dahintaumelnden Welt ist nur noch ein ‚stiller Wandel in würdigem Ernst’ ein wirkliches Zeugnis!«

»Es gibt Glaubende, die sich selbst durch ihren ungeheiligten Wandel vom Erbteil am Reiche Gottes (Machtergreifung und Reichsherrlichkeit) ausschließen … Doch steht der Weg zur Gnade Gottes und zur Vergebung der Sünde um Jesu willen allezeit offen, wenn wir unter der harten Anklage des Wortes und des Geistes Gottes zusammenbrechen!«

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 1/1995; Paulus-Verlag; Heilbronn)

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wichtige Hinweise:
1.) Eingereichte Leser-Kommentare geben nicht zwangsweise die geistliche Sicht und Meinung des Betreibers dieser Website wider.
2.) Der Betreiber hält sich vor, dem Wesen und Anliegen dieser Website zuwiderlaufende Kommentare nicht freizugeben resp. zu löschen. Dies geschieht selbstverständlich auf jeden Fall bei Kommentaren mit antichristlichen, beleidigenden, obszönen oder anderweitig gegen die guten Sitten oder den christlichen Geist verstoßenden Inhalten. Eine kritische und/oder kontroverse Haltung zu einem der hier verfügbaren Artikel und Texte ist dagegen keineswegs Grund für eine Nichtfreigabe, solange diese sachlich erfolgt und begründet wird.
3.) Bitte erwarten Sie nicht, dass der Betreiber dieser Website generell auf jeden abgegebenen Leser-Kommentar eingeht.
4.) Gelegentlich landen Kommentare auch ohne Spam-verdächtigem Inhalt im Moderationsordner. Woran das liegt, wissen wir nicht. Erstkommentatoren gehen generell über die Moderation. In diesen Fällen bitten wir um Nachsicht und ein wenig Geduld. Ihr Kommentar wird schnellstmöglich freigeschaltet.
5.) Wenn Sie ggf. einzusetzende Links nicht über das Quicktag/den Button "link" einbinden, bitte die URLs vorher bei short4u.de oder tinyurl.com kürzen!


468 Artikel online •
6 Besucher online