Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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In der Löwengrube (Daniel 6)

Autor: Jugel, Wolfgang  |  Kategorie(n): Das prophetische Wort, Lehre  |  395 x gelesen

 

In tiefer Löwengrube liegt, von Moderduft umweht,
im Geiste froh und unbesiegt, der Staatsmann und Prophet.
Trotz der Gefahr, die ihn bedroht,
erschrickt er nicht vor Schmerz und Tod
und stärkt sich im Gebet.
Wie auch der Löwe heißen mag, der lauernd dich umstellt,
Gott schenkt Bewahrung Tag um Tag dem, der an Ihn sich hält!
Was gehen mich die Löwen an?
so denk’ auch du und gehe dann
mit Gott durch diese Welt!
Die wilden Bestien um ihn her umgehn ihn mit Gebrüll.
Doch Daniel fürchtet sich nicht sehr und bleibt getrost und still.
Was gehen mich die Löwen an?
so denkt gewiß der treue Mann,
es kommt, wie Gott es will!

So dichtete unser heimgegangener Bruder Adolf Heller in jungen Jahren. Und es ist wirklich ein ergreifendes Geschehen um den heldenhaften Zeugendienst des achtzigjährigen Staatsmannes und Propheten, der zu den Glaubenshelden gehörte, die “der Löwen Rachen verstopften” (Hebr. 11, 33). Dem Schreiber des Hebräerbriefes “fehlte die Zeit”, Näheres über dieses Ereignis des Glaubens zu berichten; so wollen wir uns einmal ausführlich damit befassen. Dabei soll uns der geschichtliche Hintergrund interessieren, der unerschrockene Zeugenmut Daniels bis zum Tod ermuntern, aber auch die typologisch-prophetische Seite dieses Berichtes erfreuen: So wie bei Moses, bei allen Propheten und in allen Schriften Leiden und Auferstehen des Messias zuvorbezeugt wird (Luk. 24, 26-27; 44-46; Apg. 17, 1-3), so wird uns auch in Dan. 6 der Weg des leidenden und auferstandenen Christus vorgezeichnet! Es ist ja ohnehin falsch, streng zwischen dem historisch-biographischen und dem prophetischen Teil des Buches Daniel zu scheiden, denn auch die Kapitel 1-6 tragen einen handlungsprophetischen Charakter; sie wurden in diesem Sinne aus den vielerlei Erlebnissen Daniels und seiner Freunde in Babylon ausgewählt.

Was war geschehen? Daniel selbst hatte es vorausgesehen, als er den Traum Nebukadnezars gedeutet hatte: Das “goldene Haupt” des Monarchienstandbildes war abgelöst worden durch die “silberne Brust mit den beiden Armen”, — das neubabylonische Reich Nebukadnezars durch die Herrschaft der Meder und Perser. “Mene, mene, tekel, upharsin” — diese rätselhafte Schrift, die dem letzten Chaldäerkönig während eines ausschweifenden Gastmahles erschienen war, deutete diese Wende an; in der gleichen Nacht noch wurde Belsazar ermordet, und sein Königreich wurde erobert.

“Mene: Gott hat dein Königtum gezählt und bereitet ihm ein Ende!
Tekel: Du wurdest auf der Waage gewogen und zu leicht erfunden!
Peres: Dein Königreich wird zerteilt und den Medern und Persern, gegeben!”

1. Daniel — der Mann göttlichen Geistes

Nun aber wird der Meder Darius kurzfristig König über die neu eroberte Provinz Ba­bylonien. Um das Reich besser verwalten zu können, setzt er 120 Provinzgouverneure (Satrapen) ein und stellt ihnen 3 Oberbeamte an die Spitze, denen sie Rechenschaft ablegen müssen. Einer von ihnen ist der bewährte Staatsmann Daniel; seine außergewöhnlichen Verdienste, seine bisherige Treue und geistige Unabhängigkeit bewogen Darius dazu, ihn in dieses hohe Staatsamt zu übernehmen. Die drei Oberbeamten bilden gleichsam einen dem Darius nachgeordneten “Staatsrat”. “Das Staatsprinzip hatte sich der äußeren Form nach wesentlich geändert. Es war nicht mehr die absolute Autokratie (die persönliche Alleinherrschaft), sondern mehr schon eine verfassungsmäßige Mitregierung durch die Großen im Staat, die Herrschaft des starren Gesetzesbuchstabens” (Langenberg).

Nun übertrifft aber Daniel die beiden Oberbeamten an seiner Seite samt den 120 Provinzverwaltern durch einen “außergewöhnlichen Geist”; da faßt der König den Plan, ihn als alleinigen Mitregenten über das ganze Königreich zu bestellen (Kapitel 6, 1-4). Schon unter Nebukadnezar hatte sich Daniels “außergewöhnlicher Geist” als Gottesgeist in Kenntnis, Verstand, Erleuchtung und Weisheit, sowie als “Geist der Traumdeutung, der Rätselerklärung und Knotenlösung (Problemlösung)” ausgewiesen (Dan. 5, 11-12).

DANIEL ( = mein Richter ist Gott) ist schon hierin ein Schattenriß und Vorbild Jesu Christi, des Gottes, dem er diente.

Dürfen wir in den “Vorstehern” (Oberbeamten) und “Satrapen” (Provinzgouverneuren) ein Abbild der mannigfachen und vielgestuften unsichtbaren Welt des Lichtes und der Finsternis und ihrer Mächte sehen? Allein die paulinische Briefliteratur nennt 10 Namen, die uns etwas von der Hoheit und Intelligenz in der kosmischen Verwaltung durch jene Gewalten ahnen lassen. Sind doch nach Dan. 10 die Weltvölker mit ihren irdischen Königen solchen “Göttern” und “Geisterfürsten” der unsichtbaren Überwelt unterstellt; während nun die Nationen finsteren Mächten untergeordnet sind (s. 1. Kor. 10, 20), wird Israel als der Brückenkopf Gottes von dem lichten Fürstenengel Michael geleitet. Paulus denkt zumeist an satanische Mächte. Er nennt sie “Götter” (1. Kor. 8, 5), “Satansengel” (Röm. 8, 38; 2. Kor. 12, 7), “Fürsten dieses Äons” (1. Kor. 2, 6-8), “Fürstentümer” (oder Urmächte), “Gewalten” (Autoritäten oder Vollmachtsträger), “Herrschaften”, “Mächte” (oder Kräfte, Kraftzentren), “Weltbeherrscher” (Kosmokratoren) “Geistermächte der Bosheit” und “Thronmächte” (Eph. 6, 12; Kol. 1, 16; 2, 15).

Um wie vieles klarer und vielfältiger ist doch das Bild, das uns die Heilige Schrift von der Engelwelt zeichnet, als es unsere Frömmigkeit gemeinhin gibt!

Der wahre Daniel, der Sohn Gottes, übertrifft alle Vorsteher und Satrapen, alle Mächte der unsichtbaren Welt, weil in Ihm die Fülle des göttlichen Geistes wohnt; es ist “der Geist JHWH’s, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht JHWH’s” (Jes. 11, 2).

Wie klar betont Hebr. 1-2 die Überlegenheit des Geistes und der Herrlichkeit, die der Sohn Gottes als der Einziggezeugten vor allen erschaffenen Geistermächten innehat! Die Herrlichkeit der “Sonne” (Christi) ist wirklich anders und göttlich-wesenhaft gegenüber der Herrlichkeit des “Mondes” (Satans) und der Lichtesklarheit der “Sterne” (der Engel) (1. Kor. 15, 41)! Als “ERBE DES ALLS” und “SCHÖPFER DER ÄONEN”, als “AUSSTRAHLUNG DER VATERHERRLICHKEIT” und “PRÄGESTEMPEL DES GOTTESWESENS”, der “das ALL durch das Wort Seiner Macht trägt” ist Er “um so vieles besser geworden als die Engel, weil Er ja auch einen vorzüglicheren Namen lange vor ihnen ererbt hat” (Hebr. 1, 1-4). Er ist der Sohn Gottes (V. 5), der “Erstgeborene” (V. 6), ja, Er ist “Gott” (V. 8) und trägt den hochheiligen JHWH-Namen (V. 10-12). Engel veranlaßten das Wort des Gesetzes und vermittelten es, sie sind Winde und Feuerflammen, Diener und Liturgen des himmlischen Gottesdienstes (V. 7; 14); aber nur dem Sohn, der wegen des Todesleidens den Engeln kurze Zeit untergeordnet war, ist der kommende Erdkreis unterworfen (Kapitel 2, 5). “Alle Engel Gottes werden IHN anbeten” (V. 6). Dies alles aber, “weil ein außergewöhnlicher Geist in Ihm ist”. In Hebr. 1, 9 lesen wir: “Du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehaßt, darum hat Gott, Dein Gott, Dich (zum Messias) gesalbt mit Freudenöl über Deine Genossen hinaus!” Gottgesalbt ist der Messias Jesus zum KÖNIG, zum PRIESTER und ZUM PROPHETEN. Er wurde gesalbt und gesegnet mit dem göttlichen “Salböl”, dem Geiste der Freude und des Frohlockens. Als der “Herr der Heere” (JHWH-SABAOTH) übertrifft Er, gerade in diesem allesbesiegenden Geist der göttlichen Freude, alle Seine Genossen in der unsichtbaren Welt! Wie köstlich, daß wir Seines Geistes sind und jetzt schon das Angeld des außergewöhnlichen Freudengeistes Jesu in uns tragen! So werden wirklich einmal die schöpfungsmäßig Ersten (die unsichtbaren Geistermächte) die Letzten, und die Letzten im Kosmos (wir gefallenen Menschen) die Ersten sein! Wundern wir uns, daß “Darius” (Gott als der König, “Erhalter” und “Besitzer”) Daniel “über, das ganze Königreich zu setzen gedenkt”?

Dem Schöpfer, Heilsmittler und Weltvollender, Jesus, dem Sohne Gottes, werden einmal alle Weiten huldigen und alle Feinde untertan; hat doch der Vater Ihm ausnahmslos das ganze All untergeordnet, auch wenn wir davon in der Gegenwart noch nichts sehen. Erst, wenn dem Christus alles untergeordnet ist, wenn es keinerlei Gottesfeindschaft in der Schöpfung mehr geben wird, wenn das ganze All in die Neuschöpfung eingemündet ist, wird der Sohn dem Vater die Reichsregierung wieder in die Hände zurücklegen.

2. Daniels Feinde suchen ihn anzuklagen

Die Pläne, die Darius mit Daniel hegte, hatten sich gewiß herumgesprochen. Daniels Qualitäten sowie seine Vorrangstellung beim König erweckten den Neid und Haß seiner Mitregenten und der ihm unterstellten Provinzverwalter. Eifrig suchen sie einen Anklagegrund gegen ihn zu finden; doch seine untadelige Treue sowohl in der Reichsverwaltung als in seinem privaten Leben gibt ihnen keinerlei Handhabe, sosehr sie auch nach “schwarzen Punkten” suchen.

Daniel war treu. Wie selten ist solche Treue, sowohl im irdischen als auch im geistlichen Leben! Auch von den “Dienern Christi und Verwaltern der Gottesgeheimnisse” sucht man nur eines: daß sie treu erfunden werden (1. Kor. 4, 2), In diesem Schriftzusammenhang spricht auch Paulus von den nach Anklagematerial schnüffelnden feindlichen Agenten. Doch sieht er ruhig dem Gerichtstage Jesu entgegen, der “das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Ratschläge der Herzen enthüllen wird” (1. Kor. 4, 1-5).

Wie kostbar ist solche Treue gegenüber dem Herrn, aber auch gegen die Brüder und im Hinblick auf die Christusgemeinde insgesamt; selbst wenn sie sich nur in “geringen” Verhältnissen erweisen kann! Doch selbst wenn wir einmal untreu sind — und wie oft sind wir es doch! —, so bleibt doch die Treue Gottes unwandelbar bestehen, weil Er sich selbst in Seinem Wesen nicht untreu werden und verleugnen kann (2. Tim. 2,13).

Mit sicherem Instinkt haben die Neider und Hasser Daniels herausgefunden, daß sie einen Anklagegrund gegen ihn nur in seiner Religion finden könnten; so gab ja auch Israel in seiner Gefangenschaft unter den Weltvölkern nur durch seine Religion immer wieder den Vorwand zu Pogromen und Verfolgungen. Das Weltreich steht gegen das Gottesreich, die Monarchie (und bürokratische Demokratie) gegen die Theokratie, die Gottesherrschaft.

Es erinnert an die Schachzüge der Inquisition, wenn man sieht, wie geschickt nun die Gegner Daniels ihre Falle aufbauen, eine Falle auch für den arglosen König: Nach dem Machtwechsel wäre es doch wohl außerordentlich nützlich, die Position des Königs und damit die Staatseinheit durch ein (zeitlich befristetes) Dekret zu festigen; dreißig Tage lang solle niemand von einem Gott oder von einem Menschen etwas erbitten, als nur vom “gnadenreichen” König. Der Pragmatiker Darius unterzeichnet bedenkenlos das nützliche Staatsgesetz der “Meder und Perser”, das nun unwiderruflich 30 Tage lang gilt.

Aber damit gerät Daniel in höchste Gefahr. Die Feinde wissen um seine Gebetstreue. Allen, die das neue Dekret übertreten, droht der Tod im Löwengraben, in der Grube der Bestien (Dan. 6, 5-10).

Bei aller Treue von Menschen des Glaubens ist ihre Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit nur ein Schattenriß der unwandelbaren Treue Gottes und Christi. Lesen wir doch in Hebr. 3, 1-6:

“Darum, heilige Brüder, Teilhaber der himmlischen Berufung, schaut an den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses: JESUS! Er ist dem treu, der Ihn in den Dienst gestellt hat, wie es auch Mose war in seinem ganzen Hause. Denn der Sohn Gottes ist mit größerer Ehre ausgezeichnet worden als Moses, weil ja größere Ehre als das Haus der Erbauer des Hauses hat. Denn jedes Haus wird von jemandem zubereitet; der aber das All bereitet hat, ist Gott. Und Moses zwar war treu in seinem ganzen Haus als Diener … Christus aber als Sohn (und Herr) über Sein Haus. Sein Haus sind wir …!”

Die unwandelbare Treue Gottes und des Sohnes gründet darin, dass es bei Ihm keine Wesensänderung noch den Schatten eines Lichteswechsels gibt. “Kein Vergehen und keine schlechte Handlung wurde an ihm gefunden” (Dan. 6, 5), — gilt dies nicht unübertrefflich vom Sohne Gottes? So bezeugt Paulus als der Mann der Erkenntnis von Ihm: “Er kannte keine Sünde” (Er wußte nicht von ihr und dachte sie noch nicht einmal; 2. Kor. 5, 21); Petrus als der Tatmensch rühmt: “Er tat keine Sünde” (1. Petr. 2, 22); und der Apostel der Wesensschau bekennt: “In Ihm ist keine Sünde” (1. Joh. 3, 5).

Jesus war der einzige je auf Erden lebende Mensch, der Seinen anklagenden Feinden die Frage stellen konnte, die ohne Antwort blieb: “Wer von euch kann mich einer Sünde überführen?” (Joh. 8, 46).

Wie hatte Er doch schon als der “mitwandernde FELSEN”, als der Gott und Heilige Israels, Sein Volk in unwandelbarer Treue geführt! Wie oft hatte Er die Kinder Israels und Jerusalems sammeln wollen (wie eine Henne ihre Küken vor dem Zugriff des Raubvogels unter ihren Flügeln mit dem Lockruf der Liebe sammelt), — doch Israel hatte nicht gewollt! In welcher Treue hütete und bewahrte Er Seine Jünger (Joh. 17, 12)! Er, der “die Seinigen, die in der Welt waren, zu lieben begonnen hatte, liebte sie auch bis ans Ende” (Joh. 13, 1). Und in welch unwandelbarer Treue hat Er auch uns gesucht und gefunden, verwendet Er sich als Hoherpriester immerdar für uns und trägt uns hindurch bis zum Ziel im Licht! Und doch suchten die “Oberbeamten und Satrapen”, die Obersten und Führer Israels, “aus dem Gesetz seines Gottes” einen Anklagegrund gegen Ihn. Wie stritten sie mit Ihm um die Reinheits- und Sabbathgebote, um die ungezählten Vätertraditionen, aber auch um die zentrale Frage der Gottessohnschaft!, Nicht aus politischen, sondern aus religiösen Gründen wurde unser Herr vom Hohen Synedrium zum Tode verurteilt. “Wir werden gegen diesen … keinen Anklagegrund finden, es sei denn in dem Gesetz seines Gottes” (Dan. 6, 6).

Ist nicht im Gesetz Israels die drohende “Löwengrube” (die Grube des Scheols und der Rachen des Todes) geradezu vorgezeichnet, wie im königlichen Dekret des Darius? Man lese nur einmal den Ketzerparagraphen Israels in seinem Gesetz, um dies in aller Schärfe zu erkennen (5. Mos. 13, 1-5).

Aber auch die Fürsten und Satrapen der unsichtbaren Überwelt suchten einen Anklagegrund der Sünde in Jesus zu finden; dieser hätte den gesamten Heilswillen und das ganze göttliche Erlösungswerk mit einem Schlage zunichte gemacht. Darum die unaufhörlichen Versuchungen, die der Sohn Gottes in den Tagen Seines Fleisches immer wieder erlitt! So müssen wir auch das rätselhafte Wort über die letzte satanische Sichtung des Lammes Gottes in der “Stunde der Rechtsvollmacht (oder Autorität) der Finsternis” verstehen: “Denn der Fürst des Kosmos kommt und — findet nichts in mir” — keinen Anklagegrund, keine Sünde, keinen Tadel, kein Gebrechen, die das auserwählte Gotteslamm untauglich gemacht hätten (Luk. 22,53; Joh. 14,30; 2. Mos. 12,5).

Nur darum konnte das Opfer am Kreuz auf Golgatha zur Sühnung der Sünden einer ganzen Welt gereichen: Weil Jesus als der Schöpfer des ganzen Alls und aller Wesen für alle bezahlen konnte, indem Er aller Gericht trug; und zum anderen, weil Er ohne Sünde war, ein reines, fehlerloses Lamm.

Als der Verkläger der Brüder sucht der Feind auch heute noch unermüdlich, gegen Gottes Heilige Anklage zu erheben (Offb. 12, 10). Doch: “Wer könnte gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Etwa Gott, der sie rechtfertigt?” (Röm. 8, 33). Christus hat die Schuldschrift unseres Lebens an Sein Kreuz genagelt und den Mächten der Finsternis die Rechtsgrundlage zur Anklage gegen die Glieder Seines Leibes entzogen — solange sie in Ihm bleiben, ihre Sünde bekennen und sich reinigen lassen in Jesu Blut. Wie eine solche Anklageerhebung und Gerichtsversammlung in der unsichtbaren Welt wohl aussieht und wie dramatisch sie verläuft, vermag uns Sach. 3, 1-8 zu zeigen.

Um einen hohen Preis sind wir durch das Blut Jesu losgekauft. Nur auf dieser Grundlage kann es sich verwirklichen, daß wir einmal “unverklagbar” durch die satanischen Mächte vor Gottes Thron stehen werden, — nachdem unser Herr noch ein letztes Mal unser Leben durchleuchtete und uns in das reinigende Feuer Seines Gerichtes brachte.

Doch was Sein Blut gelöst hat, bietet der Finsternis kein Anklagematerial mehr, sosehr sie es auch wünschte, am Tage der Christuswiederkunft die Vollendung der Heiligen doch noch zu verhindern!

Aber Gottes Eidschwur gilt: “Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde unverklagbar bewahrt bei der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist, der euch ruft! ER wird es auch vollbringen” (1. Thess. 5, 23-24; 1. Kor. 1, 4-5).

Was man in gesetzlichen Heiligungsbemühungen oft mißversteht, ist zutiefst eine der größten Verheißungen Gottes! Das “tadellos” und “untadelig” unserer Übersetzungen verfälscht das ganze Bild, da es von moralischer Vollkommenheit im Sinne eines christlichen Perfektionismus zu sprechen scheint; doch will der Grundtext nur darauf hinweisen, daß gerade bei der Parusie Christi die finsteren Mächte noch einmal alle nur möglichen Anklagen hervorbringen werden, um die Vollendung der Heiligen doch noch zu verhindern. Darin werden sie aber abgewiesen, bei allen, die sich durch das Blut Jesu und durch Seine Stellvertretung beim Vater reinigen ließen; sie können nun nicht mehr verklagt werden, sie sind unverklagbar (s. auch 1. Joh. 1, 7-2, 2).

3. Die Gebetstreue Daniels

“Und als Daniel erfuhr, daß der Erlaß aufgezeichnet war, ging er in sein Haus; und er hatte in seinem Obergemach offene Fenster in Richtung nach JERUSALEM; und dreimal am Tage kniete er nieder und betete und lobpries vor seinem Gott, wie er es zuvor immer getan hatte. Da liefen jene Männer eilig herbei und fanden Daniel betend und flehend vor seinem Gott” (Dan. 6, 10-12).

Ihre Anzeige bei dem König führt schließlich nach dem “Gesetz der Meder und Perser” zur Verurteilung zum Tode im Löwengraben. Daniel handelt hier nach dem göttlichen Gesetz, das Jesus später so zum Ausdruck brachte: “Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und (gebet) Gott, was Gott gebührt!” Daniel diente der Obrigkeit; aber sein Gehorsam ihr gegenüber wurde begrenzt durch die höchste Pflicht des Gehorsams gegen Gott und Sein Gebot. Gerade das Gebet des Glaubens forderte den Haß der Feinde Daniels heraus; diese fühlten sich durch seinen heiligen Wandel herausgefordert und gestraft. Daniel “blieb in den Gebeten” (Apg. 2, 42). Was ihm in seinem Glaubensleben zur festen Norm und heiligen Gewohnheit geworden war, bewährte sich nun in der Krisenzeit; nun mußte er dies teuer bezahlen, in der Treue bis zum Tode.

Es gibt ein Werden auf dem Sohneswege, ein Einüben gesegneter Praktiken unter der Erziehung durch die heilsame Gnade Gottes. Wozu schenkt uns der Herr Zeiten des inneren und des äußeren Friedens, der Ruhe und des Wohlstandes, der Gesundheit und eines geordneten Lebens unter dem Schutz der Obrigkeit? Doch auch darum, daß wir in solchen Zeiten Normen eines festen Glaubens ausbilden, die wir dann nicht mehr lassen können, auch in Stunden des Zusammenbruches und der äußersten Not! “Laßt uns nun mit Freimütigkeit zum Thron der Gnade hinzutreten, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe” — zu einer der Not vorauseilenden, gleichsam zukunftsichernden, Hilfe (Hebr. 4, 16).

Die “offenen Fenster in Richtung auf Jerusalem” in der “Dachkammer” Daniels wurden schon oft zum Bilde des beharrlichen Gebetes. Sie zeigen aber auch die Pflichttreue, Gesinnung eines frommen Juden im Exil, so wie späterhin auch die Synagogen mit dem heiligen Schrein der Thorarollen auf Jerusalem ausgerichtet wurden. Man sollte einmal Ps. 137 ganz lesen, wo es unter anderem heißt: “Wenn ich deiner vergesse, Jerusalem, so möge meine Rechte verdorren! Es möge meine Zunge am Gaumen kleben, wenn ich deiner, nicht gedenke, wenn ich Jerusalem nicht erhebe über die höchste meiner Freuden!” (V. 5-6).

Gedenken wir auch an 1. Kön. 8, 48; dort verheißt der Herr Seinem Volke Israel im Lande der Gefangenschaft, daß Er der Gefangenen Bußgebet erhören und Israels Sünde vergeben werde, wenn sie mit ganzem Herzen aus dem feindlichen Lande “nach ihrem Lande hinbeten”, das Er ihren Vätern gegeben hat, “und nach der Stadt”, die Er samt dem Tempel erwählt hat.

Dies ist die geistliche Orientierung hin nach Jerusalem, der Stadt des großen Königs. Würde nicht solche Gebetshaltung zugunsten Israels auch uns in unseren Tagen gut anstehen?

Daniel aber will das Martyrium nicht herausfordern; vielmehr geht es ihm um die unbedingte Ehre Gottes gegenüber dem menschenvergottenden Anspruch der Staatsgewalt. Beim Beten aber wird er von den Spähern seiner Feinde überrascht.

Läßt uns das nicht an Jesus Christus denken, der Nächte im Gebet, ja, in unaufhörlicher Zwiesprache mit dem Vater blieb — ausgerichtet auf das “Jerusalem droben”, die Wohnung Gottes im Licht? Werden wir nicht an den stillen Garten, Gethsemane erinnert, wo Er erneut Seinen Willen mit dem Willen des Vaters koordinieren mußte, weil dieser das Äußerste von Ihm forderte — daß Er stürbe, zur Sünde gemacht, wie die Schlange am Pfahl? Dort betete unser Herr, “wie Er es zuvor getan hatte”, dreimal. Er schaut dabei vom Ölberg “gen Jerusalem”, das zu Seinen Füßen liegt, schaut aus der Richtung der aufstrahlenden in die Richtung der untergehenden Sonne. Kein Fenster, aber der Himmel selbst steht über Ihm offen, und die Engel Gottes stehen zum Dienst an Ihm bereit (Joh. 1, 51; Luk. 22, 43). Und wie Daniel sein Gebet bewußt vollzog, nachdem er erfahren hatte, “daß die Schrift (der Erlaß) aufgezeichnet war”, so richtete auch der Menschensohn Seinen Weg ein nach der Vorverheißung der heiligen Schriften und nach dem heilsgeschichtlichen “Muß” Gottes (Hebr. 10, 5-8; Apg. 2, 23.30-31; 3, 18; 4, 28; Röm. 1, 1-3; Luk. 21, 22; 22, 37; 24, 46 u. a.). Von der Notwendigkeit des Leidens am Kreuz wurde unser Herr nicht überrascht. Er selbst hatte es Seinen Jüngern vorhergesagt und einen Petrus, der Ihn vor solchem Geschick bewahren wollte, einen “Widersacher” (Satan) gescholten; doch zur letzten Tiefe dieses Leidens — dem zur Sünde Gemachtwerden und dem Erleiden aller Gerichte Gottes — mußte Er erneut das Ja finden, als Er dreimal in ringendem Kampfe auf Sein Angesicht fiel.

“Er hat in den Tagen Seines Fleisches Bitten und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht, der Ihn aus dem Tode erretten konnte; und um Seiner Frömmigkeit willen wurde Er auch erhört! Weil Er Sohn war, hat Er an dem, was Er litt, den Gehorsam gelernt” und ist so als Sohn vollendet worden (Hebr. 5, 7-9).

Während Daniel betet, wird er von seinen Feinden überrascht. Während Jesus in Gethsemane betet, rotten sich die Häscher unter der Führung. des Judas zusammen, und nach dem dritten Gebetsringen ereignet sich das kurze und schmerzvolle Drama Seiner Gefangennahme. Der “Todesrachen” in der “Löwengrube” des Scheols erwartet Ihn nach festem Dekret der Schriften und unverbrüchlichem Gesetz.

4. Das Gesetz, das zum Tode führt

“Weil die Feinde die dem Daniel wohlwollende Gesinnung des Königs kannten, richteten sie ihre Anklage gegen Daniel erst dann, als sie den König durch sein eigenes Gesetz in der Hand hatten. Im persischen Weltreich stand das Staatsgesetz höher, als der persönliche Wille des Königs. Der Konflikt bestand also zwischen dem Gesetz Gottes, dem Daniel in erster Linie diente, und dem Staatsgesetz der Menschen, das im Weltreich als oberste Autorität galt, dem selbst der König unterworfen war. Auf dieser gesicherten Grundlage brachten Daniels Feinde ihre Anklage vor” (Langenberg). Vgl. Dan. 6, 13-14.

In V. 13 heißt es: “Der König antwortete ihnen und sprach: Die Sache steht fest nach dem unabänderlichen Gesetz der Meder und Perser!”

Wessen Gesetz war dies nun im vorliegenden Fall? Es war erdacht und vorgeschlagen worden durch die “Vorsteher” (Oberbeamten) und “Satrapen” (Provinzgouverneure); als “durchaus nützlich” unterzeichnet und in Kraft gesetzt wurde es vom König selbst (V. 7-8; 9-10). Dieser ahnte nicht, in welche Falle er getappt und wie er als Werkzeug benutzt worden war.

Werden wir hierbei nicht erinnert an die “Vorschlagsmächte” und “Initiatoren” des Gesetzes Israels, das jedoch durch JHWH, den König Israels, “gebilligt” und “erlassen” worden war? Darum heißt es ja immer wieder “Sein Gesetz”!

Allerdings bestehen einige Unterschiede zum historisch-typologischen Hintergrund aus Dan. 6: Es waren Engelmächte des Lichtes, die Israels Gesetz in der “hochgeistigen” Meinung vorschlugen, es könne zum Weg für die Erlösung der Menschheit werden; dies erwies sich jedoch “wegen der Schwachheit des (ihnen unbekannten) Fleisches als ohnmächtig” (Röm. 8, 3). In dieser Beziehung konnte der Herr Seinen Engeln lediglich Irrtum zur Last legen (Hiob 4, 18).

Gott aber setzte die Gesetzesinitiative Seiner Engel in Kraft, weil das Gesetz zum einen die Heiligkeit, Gerechtigkeit und Majestät Gottes offenbart, zum andern aber die Sünde bewußt macht und uns nach Erlösung rufen läßt; es ist so ein “Zuchtmeister auf Christum hin”, ein Pädagoge, der auf das Heil in Christus hin erzieht. Und doch wußte der Herr auch um alles, was das Gesetz an negativen Folgen bringen würde, — letzten Endes die “Löwengrube”, d. h. den Tod Seines Sohnes, der jede Seite des Gesetzes in sich selbst erfüllte.

Welche Schriftstellen sprechen nun von der Mitwirkung der “Satrapen” in der unsichtbaren Welt bei der Verfügung des Gesetzes Israels? In Hebr. 2, 2 wird es “das durch die Engel geredete Wort” genannt. Nach Apg. 7, 38 “redete ein Engel mit Moses auf dem Berge Sinai”, und Kapitel 7, 53 bezeugt: “Ihr habt das Gesetz empfangen auf Anordnungen (Verfügungen) von Engeln hin”. Dies bestätigt uns auch Paulus in Gal. 3, 19-20: “Warum nun das Gesetz? Es wurde wegen der Übertretungen hinzugefügt (eingeschaltet), bis DER SAME käme, dem die Verheißung gemacht war, angeordnet durch Engel in der Hand eines Mittlers”.

Wider seinen Willen mußte Darius die Urteilsvollstreckung an Daniel befehlen, doch rang er um die Befreiung Daniels, bis er schließlich der eigenen Staatsraison unterlag:

“Da wurde der König sehr betrübt, und er richtete sein Herz auf Daniel, um ihn zu retten; und bis zum Untergang der Sonne bemühte er sich, ihn zu befreien. Da liefen jene Männer eilig zum König und sprachen zu, ihm: Wisse, o König, daß die Meder und Perser ein Gesetz haben, daß kein Verbot und keine Verordnung, die der König aufgestellt hat, abgeändert werden darf. Da erließ der König den Befehl, und man brachte Daniel und warf ihn in die Löwengrube. Da erhob der König seine Stimme und sprach zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst, Er möge dich retten!” (V. 15-17).

Da stehen nun die Ankläger mit einem unerbittlichen Gesetz dem König gegenüber; wie sehr gleicht doch Darius — bei allen zeitbedingten Unterschieden — in seinem Ringen um Daniels Leben dem römischen Landpfleger Pilatus! Kämpfte nicht auch dieser darum, Jesus, von dessen Unschuld er überzeugt war, aus der Hand und vom Todesurteil des Hohen Rates der Juden zu erretten? Doch läßt er sich schließlich von ihnen dazu erpressen, das Todesurteil zu beglaubigen und an Jesus vollstrecken zu lassen (Joh. 18 und 19). Um das Mitleid der Juden zu erregen, läßt Pilatus Jesus foltern und mit der Dornenkrone und dem “königlichen” Purpurmantel vor die Menge führen. Und dann spricht er das so rätselhafte und vieldeutige Wort: “Siehe, der Mensch! ” Siehe, einer, der den Namen Mensch verdient! Der wahre Adam.

Wie lautet aber die Antwort der Juden, die in Pilatus Furcht erweckt und letztlich das Prozeßgeschehen entscheidet? “Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muß Er sterben, weil Er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht hat” (Joh. 19, 7)! Wie stimmt doch dieser Ruf damit überein, daß sich Daniels Ankläger beharrlich auf das unabänderliche Gesetz (der Meder und Perser) berufen!

Wir lassen es hier einmal offen, ob die Begründung der jüdischen Führer der Wahrheit entspricht; doch möge man bedenken, wie es auf die Engelwelt gewirkt haben mag, die ja entscheidend am Zustandekommen des Gesetzes mitgewirkt hat, daß nun ihr Herr, der JHWH SABAOTH (Herr der Heerscharen) ihnen für kurze Zeit untergeordnet wird und durch “ihr Gesetz” dem Tode verfällt!

Dies bedeutete für die Mächte der unsichtbaren Welt eine entscheidende Wende! Seitdem haben sie ihren mit dem Gesetz verbundenen “Irrtum”, erkannt und begehren darum — vornübergebeugt — hineinzuschauen in das Geheimnis des Gnadenevangeliums, mit dem wir heute bedient werden (1. Petr. 1, 12). Ist es nicht geradezu tragisch, daß das Gesetz JHWH’s, welches von den Engeln dazu ausersehen war, Heilsweg des Menschen zu werden, nun den Ausschlag zum Tode des Sohnes Gottes gibt?

Darius bemüht sich bis “zum Untergang der Sonne”, Daniel zu befreien; das spricht symbolisch-prophetisch vom “Untergang der Sonne der Gerechtigkeit” in Jesu Tod; geschichtlich weist es auf Daniels “Versinken in der Löwengrube”, so wie Jesu Bestattung am Ende des Rüsttages geschah, als gegen 18.00 Uhr in den Häusern Jerusalems bereits die Passahkerzen aufflackerten (Luk. 23, 54: “der Sabbath leuchtete auf’).

Noch einmal versuchte Pilatus, Jesus vor dem Tode zu bewahren, indem er ausrief: “Siehe, euer König!” Während nun die Volksmenge die Kreuzigung begehrte, fiel das tragische Wort der verblendeten Hohenpriester und Schriftgelehrten, das fast zwei Jahrtausende der künftigen jüdischen Geschichte bestimmen sollte: “Wir haben keinen König, als nur den Cäsar! Da nun gab Pilatus Ihn an sie preis, damit Er gekreuzigt würde” (Joh. 19, 15). “Da befahl der König (Darius), und man brachte Daniel und warf ihn in die Löwengrube” (Dan. 6, 17).

5. In der Löwengrube

“Der König erhob die Stimme und sprach zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienest, Er möge dich erretten! Und ein Stein wurde gebracht und auf die Öffnung der Grube gelegt; und der König versiegelte ihn mit seinem Siegelring und mit dem Siegelring seiner Gewaltigen, damit hinsichtlich Daniels nichts verändert würde” (Dan. 6,17b-18).

Welch genaue Vorschattung der Vorgänge in der Passionsgeschichte Jesu nach den Evangelien! Das letzte Wort des Darius an Daniel mag uns an Matth. 27, 43 erinnern, wonach die Hohenpriester und Schriftgelehrten dem Gekreuzigten spottend zuriefen: “Andere hat Er gerettet, sich selbst kann Er nicht retten. Er ist Israels König? Dann steige Er jetzt vom Kreuze herab, und wir werden an Ihn glauben. Er vertraute auf Gott, der errette Ihn jetzt, wenn Er Wohlgefallen an Ihm hat … ”

Der Stein, der über die Öffnung der Löwengrube gelegt wird, entspricht dem Rollstein vor dem Felsengrabe Jesu; das Siegel des Königs mitsamt dem Siegel seiner Würdenträger weist prophetisch auf die Versiegelung des Grabes Jesu und die römische Wachmannschaft vor dem Grabe hin; selbst die Zweckbestimmung “damit Daniel betreffend nichts verändert würde” findet sich in den Evangelien wieder, — als Sorge der Führer Israels, daß die Jünger Jesu einen Auferstehungsbetrug inszenieren könnten (Matth. 27, 62-67!).

Die Grube ist ein Bild des Grabes, ja, des Scheols (Sach. 9, 11-12), der Löwe ein Bild des Satans als des Machthabers über den Tod (Hebr. 2, 14); die Löwen stellen dämonische Mächte der Finsternis dar. — Wie mag es Daniel zumute gewesen , sein, als er nun zwischen die ausgehungerten Bestien stürzte!

Viele Zeugnisse in den Psalmen sprechen von den “Löwen”, welche die Seele des leidenden Gottesknechtes und Messias bedrohen (Ps. 7, 2; 10, 9; 17, 12; 35, 17; 57, 4), und auch Sein eigentlicher Leidenspsalm stellt die Mächte der Finsternis als Bestien dar, die den Gekreuzigten in der “Stunde der Vollmacht der Finsternis” umringen. “Mächtige STIERE haben mich umzingelt, starke BÜFFEL von Basan mich umringt; sie haben ihr Maul gegen mich aufgerissen, gleich einem reißenden und brüllenden LÖWEN” (V. 12.13). Und in V. 20-21 betet der Leidensknecht: “Errette vom Schwert meine Seele, meine einsame aus der Gewalt des HUNDES; rette mich aus dem RACHEN DES LÖWEN! Ja, Du hast mich erhört von den Hörnern der WILDOCHSEN”. Dan. 6, 23 spricht vorbildlich ja auch vom “Löwenrachen” und 6, 28 von der “Löwentatze”.

Ob im Gebet des todgeweihten Hiskia nicht auch etwas vom Leiden des Messias unter, der Gewalt jener Todes- und Finsternismächte deutlich wird? In Jes. 3 8, 13 betet er: “Ich beschwichtigte meine Seele bis zum Morgen … dem Löwen gleich, also zerbrach Gott alle meine Gebeine. Vom Tage bis zur Nacht wirst Du ein Ende mit mir machen. Wie eine, Schwalbe, wie ein Kranich, so klagte ich, ich girrte wie die Taube. Schmachtend blickten meine Augen zur Höhe: O Herr, mir ist bange! Tritt als Bürge für mich ein!”

Bezeichnend ist der Zahlenwert des hebräischen Wortes “arieh” (Löwe): 216 = 6 x 6 x 6! Wird nicht auch das endzeitliche Tier mit der Namenszahl 666 ein “Löwenmaul” haben (Offb. 13, 2)? Das Maul aber deutet hin auf des Löwen furchterregendes Gebrüll, sein Rachen hingegen auf das drohende Verschlungenwerden. So erkennen wir nach 1. Petr. 5, 8, daß auch wir immer wieder dem angsteinflößenden Gebrüll und den Vernichtungsgelüsten des Teufels ausgesetzt sind; auch wir können ihm, wie Daniel, nur im Glauben widerstehen: “Seid nüchtern! Wachet! Euer Gegner, der Teufel, streift umher wie, ein brüllender Löwe, und sucht, wen er verschlinge. Dem leistet im Glauben standhaften Widerstand; ihr wisset ja, daß dieselben Leiden sich an euren Brüdern auf der ganzen Welt vollziehen.”

Auch wir haben es also mit dem “brüllenden Löwen” und mit mancherlei “Gruben” der Verzweiflung, der Anfechtung und des Todesschattens zu tun. Wie der Löwe durch sein Gebrüll den Beutetieren Angst einflößen will, damit sie ihm, wie gelähmt, zur leichten Beute werden, so arbeitet auch der Teufel mit der Methode der Angsterzeugung, wenn er nicht anders zum Ziele kommt. Wie angstkrank ist doch unsere Zeit!

Wie furchteinflößend ist vieles, was heute geschieht, und wie starke heimliche Ängste gibt es auch unter den Glaubenden! Da braucht nur noch eine gesetzliche Verkündigung als Resonanzboden zu wirken, und schon werden wir von der Angst beherrscht, Jesus könne mit uns nicht zum Ziele kommen! Die vollendete Liebe Gottes aber treibt in uns die peinigende Furcht aus, damit wir in dieser Welt leben wie unser Herr, mit Freimütigkeit im Blick auf den Tag des Gerichtes (1. Joh. 4, 17-19). Nicht zufällig steht das Wort vom “brüllenden Löwen” in einem Textzusammenhang über die Hirtengabe und den Hirtendienst in der Gottesgemeinde; dieser so wichtige Dienst soll ja Ermunterung, Ermutigung, Trost und Wegweisung ausstrahlen und kann so am wirksamsten dem Gebrüll des Löwen begegnen (1. Petr. 5).

Wie das umherschweifende Suchen des Teufels samt seiner Begierde zu verschlingen gesehen werden muß, kann uns der Zuspruch Jesu, an Simon Petrus zeigen: “Simon, Simon, siehe, der Satan hat sich dich von Gott ausgebeten, um dich wie den Weizen im Sieb zu schütteln; ich aber habe für dich gebetet, damit dein Glaube nicht aufhöre; und du, wenn du einst umgekehrt bist, dann stärke deine Brüder!” (Luk. 22, 31-34).

Auch Paulus, der Apostel der Nationen, war einmal in der “Löwengrube”. Er berichtet darüber in 2. Tim. 4, 16-18, wo dann auch der bezeichnende Satz steht: “… und ich bin gerettet worden aus dem Rachen des Löwen; der HERR wird mich auch in Zukunft retten von jedem bösen Werk und mich bewahren für Sein himmlisches Königtum” (V. 17-18). Will Paulus nur die äußerste Anfeindung durch den Satan schildern, die Summe der Bosheit im Verhalten untreuer Brüder und das Alleinsein in der kaiserlichen Gerichtsverhandlung, oder sollte er gar in der Arena des Cäsars wilden Tieren gegenübergestellt werden, wie es vielen Verurteilten geschah? Wir wissen es nicht. Doch durfte er in wunderbarer Weise die Nähe des lebendigen Gottes und Seine Rettungen erfahren.

Auch Daniel hat im Glauben “der Löwen Rachen verstopft”, weil Gottes Engel der Löwen Rachen verschloß (V. 23). Doch sind dies alles nur geringe Schattenbilder gegenüber dem leidenden Christus Gottes, der in des Todes Rachen ging, der in die Vollmacht des Löwen — des Teufels und des Todes — fiel und drei Tage und Nächte in der “wasserlosen Grube” des Scheols weilte. So singen wir:

    “Nun in heil’gem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha.
    Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah,
    als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering,
    als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging.”

6. Daniels Errettung — Vorbild der Christusauferstehung

Wie köstlich, daß in diesem typisch-prophetischen Bericht des Buches Daniel auch schon Züge der Auferstehung Christi aus den Toten sichtbar werden! Man lese zunächst den Bericht über die Errettung Daniels aus der Löwengrube (Kapitel 6, 19-25), der hier nur auszugsweise wiedergegeben werden kann.

Daniels Glaubenstreue wird belohnt. In seinem Vertrauen auf den lebendigen Gott, das sich in der Auseinandersetzung mit dem Heidentum bewährte, wird er glänzend gerechtfertigt. In seiner Rettung triumphiert Gott. So wie vormals seine drei Freunde ohne jegliche Verletzung, ja ohne Brandgeruch aus dem Hochofen Nebukadnezars hervorgegangen waren, so geht auch Daniel unversehrt aus der Grube hervor; und wie ein “Sohn der Götter” (nach jüdischer Überlieferung: Immanuel) die Freunde inmitten des Feuers schirmte, so war “Gottes Engel” bei Daniel und verschloß der hungrigen Löwen Rachen. Die Feinde Daniels aber, die auch den König in ihre Falle gelockt hatten, werden mit ihren Familien in den Löwengraben gestürzt, — eine Vorschattung der göttlichen Gerechtigkeit im endzeitlichen Gericht.

Auch in diesem Abschnitt leuchten Christuszüge auf.

Wenn z. B. Vers 19 die nächtliche Fastentrauer des Königs Darius beschreibt, der angstvoll das Morgengrauen erwartet, so dürfen wir darin etwas vom trauernden Mitleiden des Vaters Jesu Christi sehen, der Seinen Sohn um der Sünde willen “allein ließ”, ja Ihn “zur Sünde machte”.

Dabei darf es uns nicht stören, daß Darius in diesem typologischen Drama verschiedene Rollen zu spielen hat, — einmal die Gottes, einmal die des Pilatus, einmal die der Führer Israels sowie der zum Grabe eilenden Frauen und Jünger (V. 1-14; 15-18; 17b-18; 20). Man vergleiche hierzu nur Sach. 11, wo der Prophet nacheinander die “Rolle” JHWH’s, des leidenden Messias, des Judas, ja sogar des falschen Messias “zu spielen” hat (V. 4-11.12.13.15-17).

Über dem Leiden Jesu Christi wird oftmals die Passion des Vaters vergessen, der schon vor Grundlegung der Welt das geschlachtete Lamm bereitstellte und der “in Christo war” und die Welt “mit sich selbst versöhnte”. Was mag den Vater allein die Tatsache gekostet haben, daß Er sich nicht durch eine Stimme oder durch einen Erweis Seiner Herrlichkeit vom Himmel her zu dem Gekreuzigten bekannte, sondern Ihn “allein ließ”! Wir bezeugen oft und gern, daß, heilsgeschichtlich besehen, vor Gott 1000 Jahre wie 1 Tag sind, und teilen den Plan der Äonen in solche Gottestage ein; doch auch das andere gilt: Vor Ihm ist 1 Tag wie 1000 Jahre! So war der Rüsttag zum Passah, an dem Jesus starb, in höchster Qualität “Fülle der Zeiten” und das äußerste Ausmaß dessen, was das liebende Herz des Vaters ertragen konnte.

“Da stand der König auf beim Anbruch der Morgenöte, sobald es hell wurde, und ging eilends zur Löwengrube. Und als er sich der Grube näherte, rief er mit trauriger Stimme nach Daniel: Daniel, du Knecht des lebendigen Gottes, hat dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst, es vermocht, dich von den Löwen zu erretten?’” (V. 26).

Nun verkörpert Darius die Frauen und Jünger, die am dritten Tage trauernd und besorgt zum Grabe eilen und es leer finden; dies geschieht früh am ersten Tage der Woche beim Aufstrahlen der Sonne” (Mk. 16,2).

Sogar der Engel, den Daniel in seiner Antwort erwähnt, erscheint im Auferstehungsbericht als Zeuge des gewaltigen Geschehens der Auferstehung Christi, das die Ehre Gottes wiederherstellt und die Sohnschaft Jesu Christi rechtfertigend beweist (Matth. 28, 1-7).

Welch feines Zeugnis gibt Daniel in V. 23, das in seiner ganzen Fülle so nur vom Sohne Gottes und Seiner Errettung aus dem Tode gelten kann: “Mein Gott hat Seinen Engel gesandt und hat den Rachen der Löwen verschlossen, daß sie mich nicht verletzt haben, weil vor Ihm Unschuld an mir gefunden wurde …”

Mit Hiob 4, 10-11 hätte Daniel lobpreisen können: “Das Brüllen der Löwen und des Brüllers Stimme (sind verstummt), und die Zähne der Junglöwen sind ausgebrochen; der Löwe kommt um aus Mangel an Raub, und die Jungen der Löwin werden zerstieben!”

Ob dies auch hinsichtlich der letzten Ziele Gottes gilt, daß “das Feuer erlischt aus Mangel an Holz” (Spr. 26, 20), und daß der Löwe “um­kommt” aus Mangel an Raub, ja, daß er einmal friedlich “Stroh fressen” wird?

Vers 24: “Da freute sich der König sehr, und er befahl, Daniel aus der Grube herauszuholen. Und Daniel wurde aus der Grube herausgeholt; und keine Verletzung wurde an ihm gefunden, weil er auf seinen Gott vertraut hatte.”

Dieser Vers birgt wohl die deutlichsten Hinweise auf die Wiederbringung und Auferstehung Christi aus der Totenwelt, aus der Grube des Scheols, dem “Rachen des Löwen”.

a) Der König befiehlt, Daniel aus der Grube herauszuholen. Ohne die Machttat der Auferweckung durch den Vater hätte es für den Christus keine Auferstehung gegeben! Die Auferstehung Christi ist die Reaktion auf die Auferweckung aus den Toten durch die Kraft Gottes. Dem entspricht auch der Tatbestand, daß im Griechischen des N.T. häufiger von “auferwecken” und “Auferweckung” als von “auferstehen” und “Auferstehung” die Rede ist. So hat der Vater Jesus “als Sohn Gottes in Kraft beweiskräftig dargestellt — dem Geiste der Heiligkeit entsprechend — durch Totenauferstehung” (Röm. 1, 4); als Er den Sohn aus den Toten wiederbrachte, hat Er den ganzen Umfang Seiner göttlichen Macht und Kraft eingesetzt (Eph. 1, 19: dynamis = die ruhende Kraftquelle / energeia = die wirksam werdende Kraft / is’chys = die Kraft in ihrer Entfaltung: Stärke / kratos = die Gewalt der Auswirkung aller Kräfte). In diesem Hoheitsakt der Rechtfertigung des Sohnes durch die Auferweckung aus Toten wird der Vater als der “Wiederbringer aus Toten” bezeichnet (Hebr. 13, 20). Ralf Luther sagt hierzu in seinem “Neutestamentlichen Wörterbuch”: “Die Auferstehung Jesu ist bahnbrechend … sie ist ein Weltereignis. Die Finsternismächte, die beim Tode Jesu ihre äußerste Macht aufgeboten hatten, sind durch Seine Auferstehung an der entscheidenden Stelle entmachtet!”

b) Daniel wurde unversehrt und ohne Verletzung aus der Grube der Löwen hervorgeholt, “weil er auf seinen Gott vertraut hatte”. So wurde auch Jesus Christus “aus dem Tode errettet um Seiner Frömmigkeit willen” (Hebr. 5, 7-8). Auch Er wurde völlig wiederhergestellt, ja, in die Existenzform der göttlichen Herrlichkeit versetzt, die Er vor Erschaffung der Welt besaß. Nach 2. Mos. 12, 46 durfte dem Passahlamm “kein Gebein zerbrochen weiden”, was sich nach Joh. 19, 31-36 an dem wahren Gotteslamm wunderbar erfüllte. “Fleisch und Gebein” (d. h. Muskeln und Knochen) durften die staunenden Jünger betasten, um die Realität der Auferstehung von einer bloßen Geistererscheinung zu unterscheiden (Luk. 24, 39-40). Ja: “Viele Widerwärtigkeiten hat der Gerechte zu ertragen, aber aus allen diesen errettet ihn JHWH; Er bewahrt alle Seine Gebeine, nicht eines von ihnen wird zerbrochen. Den Gesetzlosen aber wird das Böse töten; und die den Gerechten hassen, werden für schuldig gehalten werden” (Ps. 34, 19-21). — Erfüllte sich letzteres nicht auch, als die Feinde Daniels mitsamt ihren Familien in die Grube geworfen und dort zerrissen wurden? — Und wenn wir in den Vorstehern und Satrapen nicht nur die Christusfeinde in der sichtbaren, sondern auch in der unsichtbaren Welt sehen durften, so schattet Dan. 6, 25 die in Kol. 2, 14-16 bezeugten Wirklichkeiten vor; dort wird uns gesagt, daß der “ohnmächtig” am Kreuz hangende Messias die Fürstentümer und die Autoritäten auszog (oder entwaffnete), sie öffentlich zur Schau (oder an den Pranger) stellte, ihnen die Rechtsgrundlage zu unserer Verdammung entzog und durch das Kreuz über sie triumphierte.

Ja, es war die “Hand der Gesetzlosen”, die Daniel in die Grube und Jesus ans Kreuz und ins Reich der Toten brachte, doch nach dem bestimmten Gottesratschluß und nach Seiner Vorkenntnis! Der Löwen Rachen wurde vom Engel gehalten. “Gott aber hat die Geburtswehen des Todes aufgelöst, denn es war unmöglich, daß Sein Messias von diesem festgehalten würde!” So ging der wahre Daniel nach königlichem Geheiß und zur Freude des “Königs”, des Vaters, unverletzt aus der Grube hervor. Gott ließ Seines Sohnes Seele nicht im Hades zurück und ließ es nicht zu, daß Sein Frommer die Verwesung sah; Er tat Ihm Wege zum Leben kund, Er wurde erfüllt mit Freude vor Gottes Angesicht nach Seiner Thronerhöhung (Apg. 2, 23-31).

“Keine Verletzung wurde an ihm gefunden”. Wohl uns, daß der Gott des Friedens in Seiner unwandelbaren Treue auch uns verheißt, uns nach Geist, Seele und Leib völlig unverklagbar zu bewahren bei der Christuswiederkunft (1. Thess. 5, 23-24)! Ja, Er selbst verbürgt es uns, daß wir nach einer letzten Reinigung vor dem Richterstuhl des Christus “ohne Flecken und Runzeln und dergleichen etwas” vor Seinem Throne dargestellt werden, — in christusgleicher Herrlichkeit!

c) Darius schrieb nun ein königliches Dekret an alle Völker und Provinzen des Reiches, das die Kunde von der wunderbaren Errettung Daniels enthielt und Gottes Ruhm erhöhen sollte; seit Christi Auferstehung wird Sein Lebenssieg allen Völkern, Sprachen und Rassen zur Verherrlichung Gottes, des Vaters, kundgetan. Selbst der Friedensgruß des Auferstandenen an Seine Jünger ist im Erlaß des Darius vorgebildet:

“Friede euch in Fülle! Ich gebe den Befehl, daß man in der ganzen Herrschaft meines Königreiches erbebe und sich fürchte vor dem Gott Daniels; denn Er ist der lebendige Gott und besteht in Ewigkeit, und Sein Königtum währt bis zur Vollendung; Er rettet und befreit, Er tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf der Erde: denn Er hat Daniel aus der Gewalt (Tatze) der Löwen errettet” (Dan. 6, 27-28).

Mit einem Gedicht von Adolf Heller über Daniels Erleben in der Löwengrube begann ich diese Arbeit; ich darf ihm zum Abschluß einige Verse beifügen:

Wenn auch der Löwe machtvoll brüllt
Der Christus Gottes hängt am Pfahl,
von Bestien umstellt;
es trifft Ihn nach des Vaters Wahl
der Haß der Unterwelt.
Des Todes Rachen öffnet sich,
es brüllt der Löwe fürchterlich,
kein Licht die Nacht erhellt!
Nun ist die Grube aufgetan,
und gänzlich unversehrt
ersteht der Herr und bricht die Bahn
dem, der Ihm angehört.
Er triumphiert, dies ist gewiß,
am Pranger steht die Finsternis,
und Gottes Sohn regiert!
Der Löwe brüllt und reißt und raubt
und sucht, wen er verschlingt;
nur wer dem Lebensfürsten glaubt,
den Feind im Kampf bezwingt.
Doch jedem, der von Gott bewegt,
das Wort als Schwert des Geistes trägt,
der Kranz des Lebens winkt.
Wenn auch der Löwe machtvoll brüllt,
uns schreckt, lähmt und bedroht, —
der Sohn steht bei uns und erfüllt
mit Frieden jede Not.
Jedwede Grube öffnet sich,
denn Jesus führt zum Lichte dich,
zum Leben aus dem Tod!

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 1979; Paulus-Verlag; Heilbronn)

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