Wenn die Schrift bezeugt, daß Gott die Welt liebt, so ist damit gar
nichts darüber ausgesagt, wie die Welt ist, sondern nur, wie Gott ist.
Das gilt es einmal ganz klar mit allen Konsequenzen zu fassen.


Adolf Heller (1895 - 1973)
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Grüße aus der ersten Christenheit (Kol. 4, 7-18)

Autor: Jugel, Wolfgang  |  Kategorie(n): Gemeinde, Paulusbriefe  |  381 x gelesen

Wenn man die Grußlisten apostolischer Briefe, wie jene aus Kol. 4, auf sich wirken läßt, spürt man etwas von der Verschiedenartigkeit der Glaubenden aller Zeiten. — Welche Vielfalt der geistlichen Biographien und des inneren Werdens! — Welche verschiedenen Wege, die zum Heil in Christo führten! — Welche Fülle vielfältiger Prägungen! — Wie unterschiedlich sind doch die geistlichen Charaktere, die jeweils einen Wesenszug aus der unermeßlichen Herrlichkeit Christi spiegeln! — Welche Mannigfaltigkeit der Gnadengaben und der daraus erwachsenden Dienste! — Welche verschiedenen Grade des Wachstums auf dem Wege des Lebens, des Hungers nach dem Wort des Lebens und der Erkenntnis des Reichtums Christi!

Überdies kommen die Glieder der Christusgemeinde aus vielerlei Rassen, Völkern und Sprachen der Welt. Vereint nicht die Gemeinde Gegensätze größten Ausmaßes, die leicht zu Spannungen führen könnten? Da sind Griechen und Juden, Beschneidung und Vorhaut, Barbaren und Skythen, Sklaven und Freie (Kol. 3, 11), Männer und Frauen (Gal. 3, 28), Alte und Junge — doch sind sie alle mit einem Geiste getränkt und darum wesenseins in Christo Jesu!

Dies erinnert uns an das unübertreffliche Bild, das Paulus für die Gemeinde wählte: den Körper mit seinen so verschiedenen Zellen, Wirkstoffen, chemischen Wirkungskreisen, Gliedern und Organen. Diese verhindern durch ihre Verschiedenartigkeit nicht etwa die Einheit des Körpers, sondern fördern und bewirken sie gerade dadurch! Aber nur dann ist der Leib gesund, wenn die einzelnen Organe in “Zuverlässigkeit” und “Treue” ihre angestammte Funktion erfüllen.

Ja, es gibt Unterschiede in den Gnadengaben, aber es ist derselbe Geist, der sie hervorruft; es gibt Verschiedenheiten von Diensten, und doch ist es derselbe Dienstherr, der sie anordnet; und es gibt verschiedenste Kraftwirkungen, aber es ist derselbe Gott, der “das Ganze” (des Leibes Christi) in allen (Einzelgliedern) wirksam werden läßt (1. Kor. 12, 1-3).

Es ist ein Gott und Vater, der über allen Glaubenden thront und durch sie alle wirkt und in ihnen allen wohnt (Eph. 4, 6).

Gerade solche Vielschichtigkeit trägt zu jener Verkündigung der buntfarbigen Weisheit Gottes an die Fürstentümer und Gewalten in der unsichtbaren Welt bei (Eph. 3, 10)!

Wie armselig erscheinen demgegenüber die wohlgemeinten aber fehlgeleiteten Versuche, alle über ein Bekehrungsmodell, ein Verhaltensmuster der Frömmigkeit und ein Schema des Dienstes führen zu wollen! Erschafft man hierbei nicht oftmals “Menschen zu seinem (eigenen) Bilde” und greift der Führung des Geistes vor, der “austeilt, wie Er will”? Trägt man auf diese Weise nicht dazu bei, daß die buntfarbige Schönheit der Christusgemeinde zum farblosen Grau einer Denomination verfällt? Treibt man nicht oft gerade an jungen Glaubenden “Knospenfrevel”? —

Wenn wir uns nun einem Grußkapitel aus der paulinischen Briefliteratur zuwenden, das uns 10 Namen aus der ersten Christenheit nennt, so sollten wir in ihnen keine abstrakten Nummern sehen; sie alle waren blutvolle Menschen, die in einer bestimmten Zeit, Kultur und Umwelt lebten; sie standen in bestimmten Berufen und hatten sich mit dem römischen Kaiserstaat auseinanderzusetzen; sie alle hatten ihre ganz spezielle Lebensgeschichte und Jüngerschule durchlaufen; ein jeder von ihnen hatte auch seine ganz persönlichen Krisen, Konflikte, Versuchungen und Anfechtungen, aber auch Glaubenserfahrungen, Hoffnungen, Freuden und Siege. So stehen wir mit Kol. 4 nicht auf einem Friedhof, dessen Grabsteine , uns einen Nachruf längst verwehter Gebeine geben: alle jene ersten Zeugen der Christusbotschaft leben IHM, obgleich sie starben. Die meisten von ihnen gehören, wenn sie nur Treue hielten bis zum Tode, jener lichten Zeugenwolke an, die uns umlagert und gespannt unserem persönlichen Glaubenswettkampf in der kosmischen Arena zuschaut (Hebr. 12, 1-3). Ist es uns überhaupt schon einmal bewußt geworden, daß der weitaus größte Teil der Gottesgemeinde bereits im Lichte weilt, und daß wir zu jenem geringen Teil gehören, der noch auf Erden die Kampfbahn des Glaubens durcheilt? Daß wir dabei auf das Zielband schauen — auf Jesus, den Urheber und Vollender auch unseres Glaubens —, dazu wollen uns auch die Christuszeugen aus Kol. 4 ermutigen.

Die meisten von ihnen werden als Mitarbeiter erwähnt, so wie sie gerade dadurch in das Buch des Lebens eingeschrieben sind (Phil. 4, 3). Bedeutsam erscheint bei einem ersten Überblick über unsere Grußliste, warum der Apostel diese Männer überhaupt erwähnt, warum sie also den ehrenden Eingang in das Wort des Lebens fanden:

  1. wegen ihrer Mitwirkung an der Darstellung des Lebenswortes Christi in einem dunklen Kosmos;
  2. weil sie Ermunterungen für ihren Weg und Dienst brauchten;
  3. wegen ihrer Bewährung in der Nachfolge und in ihrer geistlichen Prägung;
  4. aber auch wegen einer möglichen persönlichen Gefährdung und einem drohenden geistlichen Scheitern. —

1. TYCHIKUS, der treue Diener und Berichterstatter

“All mein Ergehen wird euch TYCHIKUS berichten, der geliebte Bruder und treue (vertrauenswürdige) Diener und Mitsklave in dem Herrn. Eben darum habe ich ihn zu euch gesandt, damit ihr erfahret, wie es um uns steht (oder: damit ich erfahre, wie es um euch steht, ‘eure Umstände’ — so nach einer anderen Lesart), und damit er eure Herzen tröste (ermuntere, ermahne, ermutige) — gemeinsam mit ONESIMUS, dem treuen und geliebten Bruder, der aus eurer Mitte kommt. Alles, was hier geschieht, werden sie euch berichten” (V. 7-9).

Paulus hat Tychikus oft zu solchem Botendienst gebraucht (Eph. 6, 21 / 2. Tim. 4, 12 / Tit. 3, 12). Sicherlich war er auch der Kolossergemeinde bekannt, da er ja Paulus als Vertreter der kleinasiatischen Gemeinden begleitet hatte, um die große Liebesgabe der heidenchristlichen Versammlungen der Muttergemeinde in Jerusalem zu überbringen (Apg. 20, 4 / 1. Kor. 16, 3-4).

Drei Ehrennamen werden dem Manne von dem Apostel beigelegt, der den Namen “Glücklicher, Glückskind” (hebr. Benjamin) trug; er ist

  • ein geliebter Bruder,
  • ein vertrauenswürdiger (treuer, zuverlässiger) Diener oder Diakon,
  • und ein Mitsklave in dem Herrn.

So steht er in der Bruderschaft derer, die sich als “Sklaven Jesu Christi” rückhaltlos dem Werden auf dem Sohnesweg und dem Dienste Christi verschrieben haben.

Dies sollten ja die Merkmale eines göttlich beglaubigten Dienstes sein:

  • ein Mann Gottes sollte bekehrt sein (ein geliebter Bruder),
  • er sollte begehrt sein (durch einen treuen, vertrauenswürdigen Dienst),
  • und er sollte bewährt sein (gewachsen und gereift in einem kampferprobten Leben der Nachfolge Christi).

Dies sollte auch unser Ziel sein, daß wir “wohlgefällig sind der Menge unserer Brüder, weil wir das Wohl des Gottesvolkes suchen und zur Wohlfahrt (zum Guten) des göttlichen Samens reden” (Esther 10, 3). Dazu bedarf es nicht zuletzt einer Zurüstung durch das Leid, wie es auch ein Mordokai erfuhr; kündet doch schon sein Name, daß er zur “selbstausfließenden Myrrhe” werden wollte, die als bitteres Element des Leidens dem heiligen Salböl beigemengt wurde. So wurde sein Name und Wesen ein “ausgegossenes Salböl” (Hoheslied 1, 3). Wie anders dagegen der (”von Zeus ernährte”) Diotrephes, der unter den Brüdern gerne “der erste sein wollte”, die Apostel bekämpfte und gegen sie schwätzte, sich aber hiermit nicht begnügte, sondern auch die Brüder abwies, die den Aposteln verbunden waren, und sie aus der Gemeinde ausschloß (1. Joh. 9-10)!

Der schlichte Dienst der Berichterstattung, ausgerichtet von diesem treuen, allseits geliebten Bruder, war von nicht zu überschätzendem Wert! Dabei ging es sicher nicht nur um das äußere, persönliche Ergehen des Apostels Paulus und der mitgefangenen Brüder. War er doch “der Gefangene Jesu Christi”. “Paulus, der Bevollmächtigte des Christus, ist verhaftet und in einen Prozeß auf Leben und Tod verwickelt. Der Ausgang dieses Prozesses war von größter Bedeutung für die weitere Geschichte der Weltmission und für das Leben der Gemeinde Jesu. Darum warteten viele Gemeinden … gespannt auf Nachricht” (Wuppertaler Studienbibel). Zum anderen ersehnten auch die gefangenen Brüder Nachricht von den Gemeinden, denen ihre ganze Sorge, Liebe und Sehnsucht galt, ja, die sie als ihren “Ehrenkranz der Herrlichkeit” am Tage der Christuswiederkunft betrachteten! Wie mag es um die innere, geistliche Entwicklung der Gemeinden und um die Reife und Mündigkeit ihrer Glieder stehen? So werden sie sich oft gefragt haben. Drohten doch damals schon große Gefahren durch falsche Brüder, durch ein “andersartiges Evangelium, einen fremdartigen Jesus und einen fremden Geist” (2. Kor. 11, 4). Nicht in erster Linie um die äußeren Dinge, die uns heute bei der Frage nach unserem Ergehen so wichtig erscheinen, ging es den Brüdern damals; weit mehr beschäftigte sie die brennende Frage nach dem geistlichen Stand der ihnen anvertrauten Gemeinden, sowie nach dem Offenbarungsfortschritt der Ausgestaltung des Geheimnisses Christi.

So erschöpfte sich der Dienst des TYCHIKUS nicht in bloßer äußerer Berichterstattung, sondern zielte darauf hin, die Herzen der Geschwister in Kolossä zu “trösten”. Dies ist ja der überaus wichtige Hirtendienst des Zuspruchs, der Ermahnung, Ermunterung, Ermutigung, der Warnung und des Trostes (parakläsis), der in solch enger Beziehung zum Dienste des Heiligen Geistes steht. Ist dieser doch der eigentliche, von Christus eingesetzte “Paraklet”, der uns an Jesu Wort erinnert und uns belehrt; der Menschen von Sünde, Gericht und Gerechtigkeit überführt; der den Zugang in den Vollumfang der Gotteswirklichkeit eröffnet, das Zukünftige verkündigt und in allem nur Jesus verherrlichen will. ER ist der Tröster, Zusprecher und Beistand. Wie wertvoll und wichtig ist darum jeder Dienst, der in diesen Linien verläuft und die Heiligen ermutigt und ermuntert! Gerade für die Endzeit der Christusgemeinde gilt: “Laßt uns das Bekenntnis der Hoffnung unerschütterlich festhalten! Laßt uns aufeinander achthaben, uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken! Laßt uns einander ermuntern (ermahnen, zusprechen, ermutigen, trösten), und das immer mehr, je näher ihr den Tag (der Wiederkunft Christi) kommen sehet” (aus Hebr. 10, 23-25).

Zu solch wichtigem Herzenstrost gehört es, daß “alles berichtet” und nichts verschwiegen wird! Wie oft leiden die Berichte dienender Brüder an einer verhängnisvollen Schönfärberei, die letzten Endes die Gebete der sendenden Gemeinden verhindert. Die Schilderung der “näheren Umstände” gehört unbedingt zu jeder geistgewirkten Berichterstattung. Wie gut, wenn hierzu der Geist der Weissagung uns beisteht, hinter die flüchtige äußere Erscheinung zu leuchten, den Kern der Not, den heilsgeschichtlichen Hintergrund, oder aber den konkreten Willen Gottes in der Führung aufzudecken und alle Sachverhalte im Lichte der Ewigkeit zu schildern und zu schauen. Darin besteht ja immer schon das Geheimnis gesegneter Seelsorge im Geiste der Weissagung (nach 1. Kor. 14, 23-25.31: überführen — beurteilen — Verborgenes offenbaren — Anbetung bewirken — lehren — ermahnen — trösten). Und schließlich wird ein wahrer “Sohn des Trostes”, wie Barnabas, die Glaubenden immer wieder dazu ermuntern, “mit festem Herzensentschluß bei dem Herrn Jesus zu verharren” (Apg. 11, 23). Welche Freude und Herzensbewegung mag die Berichterstattung des TYCHIKUS und ONESIMUS in Kolossä ausgelöst haben! Wie werden die Glaubenden den Herrn dafür gepriesen haben, daß alle Umstände zur “Förderung des Evangeliums”, ja, zur Erschließung letzter Offenbarungen des erhöhten Christus gedient haben!

2. ONESIMUS, der treue und geliebte Bruder

Er durfte TYCHIKUS begleiten und zusammen mit ihm diesen gesegneten Dienst tun. “Beide werden sie euch alles berichten, was hier (in Rom) geschieht!” Die Gemeinden hören von Paulus, der gefangene Apostel aber hört von seinen geliebten Gemeinden. Wie “kommunizierende Röhren” sind so die Glieder der Christusgemeinde miteinander verbunden. “Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit” (1. Kor. 12, 26). Wie gut wäre dies auch in unseren Tagen, wenn wir mehr über den “Gartenzaun” unserer Denomination, unserer Gemeinde oder unseres Hauskreises in “Nachbars Garten” schauten und innerlich am Werke des Heiligen Geistes teilnähmen, das Er weltweit an den Gotteskindern betreibt!

Vor unserem Auge erscheint eine heilige, gesegnete Arbeitsgemeinschaft: das Geben und Nehmen, Reden und Hören, Aktivität und Passivität, Lehren und Lernen, das Anerkennen der Geistesgabe in dem anderen wie das Erstatten dessen, was noch mangelt — in der “Zweierschaft” des Dienstes. Diese blieb bis heute ein geistliches Prinzip erster Ordnung; denken wir nur an Moses-Josua, Paulus-Barnabas, Nehemia-Esra, Paulus-Timotheus, Petrus-Johannes … und wie viele sind seither gefolgt, welche die große Gefahr erkannten, als Einzelgänger ihren Dienst zu tun, und die sich darauf besannen, daß der Herr sie “zu zwei und zwei” ausgesandt hatte.

Zu solchem Dienst in der Zweierschaft ist der treue und geliebte Bruder ONESIMUS “nützlich und nutzbringend”, er, der einst so “unnütz” war (man lese hierzu den Philemonbrief).

Der Apostel ist dem ONESIMUS in besonderer Weise verbunden. Er hatte ihn in der Hausgemeinde des Philemon kennengelernt. Dort war Onesimus Sklave gewesen und hatte die geistliche Atmosphäre des Wortes Gottes und des Gebetes kennengelernt. Da er aber im Unglauben verharrte, mögen ihm die Besuche der Brüder und Dienste des Apostels “auf die Nerven gegangen sein”. Der Lockruf der Freiheit aus der Metropole Rom ließ ihn aus der Familie seines Herrn fliehen; das Risiko, ergriffen und gebrandmarkt zu werden, hatte er sicher bedacht. Nun war er wirklich ein “UNNÜTZ” für seinen Herrn (Philem. 11), der seinen Namen “NÜTZLICH” vergebens trug. — In Rom wurde er aufgegriffen und ins Gefängnis geworfen. Wen aber fand er dort? Ausgerechnet den gefangenen Apostel und damit den Christusglauben, dem er zu entfliehen suchte. In langen, bewegenden Gesprächen und Gebeten aber ereignete sich das Geheimnis der Wiedergeburt in seinem Leben: Paulus, der Alte, “zeugte ihn in seinen Fesseln”, vermittelte ihm das Leben aus dem Geist (Philem. 10). Und nun muß man einmal lesen, in welch herzergreifender Weise sich der Apostel um die Rückkehr des Onesimus zu seinem Herrn Philemon (dem “Liebhabenden”) und um seine Wiederannahme bemüht! Sogar in dem Abweg und Umweg des entlaufenen Sklaven sieht er noch einen tiefen Sinn: daß Philemon ihn nunmehr nicht länger als einen Sklaven, sondern als einen “geliebten Bruder” besitzen möge (Philem. 16). Der Irrweg wird zum Heimweg durch den Gott, der uns auf unseren Fluchtwegen stellt und heim-sucht!

“Onesimus, der treue und geliebte Bruder”! Nun ist er ein Gefäß der Ehre, “geheiligt und nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werke ausgerüstet” (2. Tim. 2, 20-21). Er darf Jesus in der Arbeitsgemeinschaft mit anderen Brüdern dienen.

Wie aber steht es um uns? Sind auch wir brauchbar für den Hausherrn, treue Diener und geliebte Brüder, oder aber “Gefäße zur Unehre”?

3. ARISTARCHUS, JUSTUS-JESUS und MARKUS: Mitarbeiter am Reiche Gottes aus dem Judentum

“Es grüßt euch ARISTARCHUS, mein Mitgefangener, und MARKUS, der Neffe des Barnabas, über den ihr Aufträge bekommen habt (wenn er zu euch kommt, so nehmt ihn auf), — und JESUS, genannt JUSTUS, die aus der Beschneidung stammen. Diese allein sind Mitarbeiter für die Königherrschaft Gottes und sind mir zu meinem Trost (zur Erquickung) geworden” (V. 10-11).

Wieder ersteht vor unserem Auge eine Aktionsgemeinschaft besonderer Art: Die drei genannten Brüder stammen aus der “Beschneidung”, aus dem Judentum. Wie bedeutsam war dies doch für den Apostel Paulus, der es miterleben mußte, wie sich Israel mehr und mehr dem Christusevangelium verschloß, und wie sich die Decke der Blindheit über sein Angesicht breitete. Wie hat er doch, bis zur geistlichen Selbstopferung (Röm. 9, 1-3), um sein Volk gerungen, dessen “Frühgeburt” er war (1. Kor. 15, 8). Und doch war und ist Israel “Verblendung nur zum Teil widerfahren” (Röm. 11, 25). Immer wieder gab und gibt es messiasgläubige Erstlinge aus dem Volke Gottes, die heute schon auf die künftige Vollerrettung Israels hinweisen. Welche Freude müssen für den Apostel solche Brüder, wie Aristarchus, Markus und Jesus-Justus gewesen sein! Und bis in unsere Tage haben glaubende Juden — auch durch ihre besondere Verbundenheit mit Israel und durch ihre Nähe zum Alten Testament und zu den Propheten — die Gemeinde Jesu Christi bereichert. Damals liefen ja überhaupt Juden- und Heidenchristenheit noch lange Zeit nebeneinander her, was zu manchen Spannungen, aber auch zu gegenseitiger Befruchtung führte. So wußten die ersten Christusgläubigen aus den Weltvölkern noch um ihr “Mitbürgertum” mit den Heiligen und Auserwählten Gottes, um ihr “Eingepfropftsein” in den edlen Ölbaum der Segnungen und Verheißungen Israels. Je näher heute die eigentliche Endzeit rückt, haben wir wieder mit einer “Fackelübergabe” zu rechnen — von der auslaufenden Erstlingsgemeinde Christi aus allen Weltvölkern an die judenchristliche Endzeitgemeinde. Gespannt warten wir auf die Erweckung in Israel, die der Wiedergeburt des ganzen Volkes vorausgehen wird.

Welchen Ehrentitel aber verleiht der gefangene Paulus seinen drei jüdischen Brüdern? “Diese allein sind Mitarbeiter für das Reich (die Königsherrschaft, das Königtum) Gottes!” — “Diese allein” — gewiß im Blick auf den jüdischen Teil der Gemeinde im Missionsgebiet des Apostels. Wir haben hier daran zu denken, daß gerade durch die Gefangenschaft des Paulus viele Brüder meinten, sich von ihm abwenden zu müssen, “da es ja offensichtlich sei, daß der Herr selbst ihn, in seiner kühnen und unkontrollierbaren Missionstätigkeit, die selbst unter den Säulen der Gemeinde umstritten sei, stillgelegt habe”.

“Mitarbeiter für das Reich Gottes” zu sein, ist aber nicht auf Judenchristen beschränkt; es gilt ebenso den Gliedern des Leibes Christi! Dieser ist ja ein wesentlicher Bestandteil des Reiches Gottes, also der Entfaltung Seines göttlichen Planes und Seiner Herrschaft! Ist doch die Gemeinde Christi schon jetzt “versetzt in das Königtum des Sohnes Seiner Liebe” (Kol. 1, 13). Die Königsherrschaft Gottes verläuft ja in immer deutlicheren Gestaltungen von der Schöpfung an bis zur Vollendung der Welt. Und die vollendete Gemeinde wird einmal, “zusammen mit dem Messias, dem Christus”, alle Verheißung en Gottes ausführen; ist sie doch eben darum “Leib”, also Offenbarungsorgan “des Messias”. Sie wird gewiß einmal nicht nur himmlische, sondern auch kosmische und irdische Aufgaben zu erfüllen haben. So werden wir schon jetzt durch Gottes guten Geist zu Königspriestern erzogen, die “königlich über die Sünde herrschen” und “priesterlich ihren Brüdern dienen” sollen. Wenn dies doch auch von uns gesagt werden könnte: Diese sind Mitarbeiter für das Königtum Gottes!

ARISTARCHUS (= der beste Herrscher, der gute Herr, der gute Fürst, — vielleicht die griechische Form des hebräischen TOB-ADONIJA) — mit welch schönem Namen durfte er Zeugnis von Jesus geben. So singen auch wir gerne: “Welch ein Freund ist unser Jesus, o wie hoch ist Er erhöht …!” oder: “Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehn, wir dürfen Ihn in Demut Vater nennen; wenn wir nur treu auf Seinen Wegen gehn, so sehn wir Ihn vor zarter Liebe brennen. Dies Wort gibt uns im Kampfe Kraft und Mut: Der Herr ist gut!”

Als Reisegefährte des Paulus war Aristarchus einmal, beim Aufstand der Silberschmiede in Ephesus, dem rasenden Pöbel in die Hände gefallen (Apg. 19, 29 / 20, 4). Er hatte den Apostel auch bei jener dramatischen Schiffahrt begleitet, die diesen in die Gefangenschaft des kaiserlichen Rom führen sollte (Apg. 27, 2 ff). In ungezählten Krisen und Kämpfen des Glaubens hatte sich dieser Mann bewährt. In unserem Text erscheint er als des Paulus “Mitgefangener”, in engster Leidens-, Lebens- und Liebesgemeinschaft mit dem “Gefangenen Jesu Christi”.

Wenn man dann im Zerbruch gewaltiger Ideale und Hoffnungen gleichsam in einer Zelle sitzt, ohne zu wissen, wie denn nun die Sache Gottes und Seines Messias in der Heidenwelt weiterlaufen würde, wenn weithin die Brüder und ganze Gemeinden sich von dem angefochtenen Manne Gottes abwenden, und er sich allein den kaiserlichen Gerichtsverhandlungen stellen muß, — dann hat sich die Bruderschaft zu bewähren! Wie köstlich mag es für den Apostel, der immer “Mut faßte, wenn er die Brüder sah”, gewesen sein, einen solchen Bruder bei sich zu haben (Apg. 28, 15). Als “Mitteilnehmer an der Trübsal” ist Aristarchus jedoch auch “Mitteilnehmer an der Herrlichkeit”; welch ungeahnte Höhen und Tiefen der Christusoffenbarung wurden doch dem Paulus gerade in der Gefangenschaft erschlossen, die er dann als der “Wortvollender” in seinen Gefangenschaftsbriefen niederlegte!

Zwei weitere jüdische Brüder werden aus dieser Arbeitsgemeinschaft genannt: JESUS JUSTUS (jeschua ha zadik) und MARKUS (zu deutsch: der Zarte, Zärtliche, Weiche, Furchtsame, Höfliche; vielleicht die griechische Form des hebräischen ADINA).

Der zuletzt genannte Name läßt uns an Apg. 13, 13 und 15, 37 denken. Dort wird uns berichtet, wie eine gesegnete missionarische Gemeinschaft daran zerbrach, daß Barnabas Rücksichten auf Blutsbande nahm, vielleicht auch über der seelsorgerlichen Zartheit gegenüber seinem Neffen die harten Notwendigkeiten des Pionierdienstes übersah; zum anderen berichtet Gottes Wort freimütig, wie der große Paulus in Verbitterung, flammendem Zorn und heiliger Rücksichtslosigkeit auf den unbewährten jungen Bruder verzichten wollte. Was hatte Johannes MARKUS in Pamphylien versagen lassen? War es nur ein Zurückschrecken vor den sich auftürmenden Schwierigkeiten der geplanten Missionsreise, oder nicht vielmehr auch vor den heilsgeschichtlichen Konsequenzen der paulinischen Heidenmission? “Er kehrte nach Jerusalem zurück” (Apg. 13, 13 b), dies scheint auch eine innere Orientierung nach den Maßstäben der Jerusalemer Urgemeinde zu verraten. Paulus jedenfalls wußte, daß eine brüderliche Aktionsgemeinschaft von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, wenn nicht in grundsätzlichen Linien Klarheit und Einheit des Geistes im Verständnis des Willens Gottes besteht. Während nun bei Barnabas mehr die seelisch-fleischliche Rücksichtnahme überwog, war es bei Paulus die zornige Erbitterung seines Geistes.

Doch der Geist Jesu fügt später alles Zerbrochene wieder zusammen und heilt die Wunden, die sicherlich aus jenen Tagen verblieben sind. Markus wird dem Paulus “nützlich zum Dienst” (2. Tim. 4, 11), und er gibt spezielle “Befehle”, wie die Kolosser ihn aufzunehmen hätten, wenn er zu ihnen käme. Wie denn? “Nehmet einander auf, wie Christus euch aufgenommen hat in die Herrlichkeit Gottes” (Röm. 15, 7).

Diese drei Brüder aus der Beschneidung wurden dem gefangenen Apostel “zum Trost”, zur “Erquickung”. Doch bezeichnet das griech. Wort “parägoria” außer Linderung und Zuspruch auch den Brennholzvorrat, den man auf ein ausgehendes Feuer auflegt, um es wieder anzufachen, oder die “Nährmittel” für den Ausgehungerten, Schwachen und Kranken. Wie hat doch auch der große und gewaltige Paulus dies gebraucht, wie brauchen wir es alle! In solchen Notzeiten, wo einem das Wasser bis an den Hals steht, wo man “das Todesurteil in sich selbst trägt” und “selbst am Leben verzweifelt”, weil man “über Tragvermögen beschwert ist” (2. Kor. 1, 8-9), — da vergißt man das kleinliche Erkenntnisgezänk und das Sicherinnern an Kränkungen und Entzweiungen der Vergangenheit; da braucht man die Brüder! Und welche Freude wird dann ausgelöst, wenn man die Brüder sieht und mit ihnen Gemeinschaft haben kann! Phil. 1, 13-15 und 2. Tim. 4, 14-18 mögen uns die Situationen innerer Mutlosigkeit, Trostlosigkeit, Resignation und der Vereinsamung zeigen, doch zugleich die Erquickung, die aus neuer brüderlicher Gemeinschaft erwuchs. “Mitarbeiter an der Königsherrschaft Gottes …!” Welch reichen Gotteslohn Paulus für diese Brüder erbat und erwartete, vermag uns 2. Tim. 1, 16-18 zu zeigen.

4. EPAPHRAS, der zielstrebige Beter

“Es grüßt euch EPAPHRAS, der aus eurer Mitte stammt, und der ein Sklave Jesu Christi ist. Allezeit kämpft er ringend in den Gebeten für euch, damit ihr als Zielstrebige dargestellt werdet und mit Vollgewißheit in allem Willen Gottes erfüllt seid. Denn ich bezeuge ihm, daß er viel Mühe hat um euch und um die in Laodicäa und in Hierapolis” (V. 12-13).

EPAPHRAS war in Kolossä zu Hause; hat er doch offensichtlich sogar die Gemeinde gegründet (Kol. 1, 7). Doch gibt sich dieser Bruder nicht damit zufrieden, daß sich Menschen aus der Völkerwelt zu Christus bekehrt haben und sich nun der Vergebung ihrer Sünden und des Friedens mit Gott freuen. Er selbst beweist sich in seinem Dienst als ein “Sklave Jesu Christi”, der sich vorbehaltlos dem Herrn zur Verfügung stellt, in großer Mühe und mit großem Fleiß seinen Dienst vollzieht, ja, um die innere Ausgestaltung der Gemeinde “ringend kämpft”.

Sein Name weist auf seinen geistlichen Charakter; EPAPHRAS bedeutet: der Überschäumende, Überströmende, oder: der keine Schaumschlägerei macht und “keine Phrasen drischt”.

Die Einstellung, daß man Menschen zum Glauben führen möchte und sich dann damit begnügt, wenn sie sich einer Gemeinde anschließen und dort “ihren Platz ausfüllen”, war in der Urchristenheit weithin unbekannt. Darum will der “Leibeigene Christi” auch die Glaubenden in Kolossä, Laodicäa und Hierapolis zur vollen Hingabe und Reife führen und sie im geistlichen Wachstum fördern. Er weiß um die Gefahr einer bloßen “Etikettierung” ohne dauernde “Prägung”, um die Gefahr einer weichlichen Unentschlossenheit und Wankelmütigkeit (Jak. 1, 7-8). Mit dem Apostel Petrus möchte er gerade die “Lenden des Gemüts”, d. h. das schwankende Gefühls- und Seelenleben “fest umgürtet” wissen, gehalten und gesichert von der Disziplin eines mutigen und entschlossenen Geistes (1. Petr. 1, 13).

EPAPHRAS vollzieht sein Gebet wie einen inneren Ringkampf. Worum betete er? Ihm ging es vor allem um eines: Daß seine Brüder und Schwestern als “Zielstrebige” erfunden würden, gereift, entschlossen und zielbewußt in geistlichem Wollen, Planen und Tun. Wir würden unseren Text und die Ziele dieses Mannes falsch verstehen, wenn wir meinten, er habe die Vollkommenheit im Sinne eines geistlichen Perfektionismus angestrebt. Dies wird es ja auf Erden nicht geben. Doch ist sein Kämpfen um die Zielstrebigkeit der Gemeinden ebensoweit von einem Armesünderchristentum dogmatischer Art und einer falschen Sicherheit in einer “billigen Gnade” entfernt. Der in Christo durch die Gabe des Geistes von Anfang an vollkommene Gottesmensch darf in der Glaubensbewährung heranreifen und in diesem Sinne mündig, erwachsen, zielstrebig und vollendet werden (Jak. 1, 4). So ist ein neugeborenes Kind vollkommen schon bei seiner Geburt — alles ist angelegt, vorhanden, vorgebildet; aber es muß nun heranreifen und alle seine Fähigkeiten, Glieder und Organe “vollenden”, zum praktischen Gebrauch ertüchtigen.

Ein Gottesmann hat einmal gesagt: “Die Bekehrung ist ein großes Gotteswunder, die Bewährung ist aber ein größeres Gotteswunder!”

Zu solcher Mündigkeit auf dem Wege der Sohnschaft gehören auch Verständnis, ja, “Vollgewißheit in allem Willen Gottes”. Dies kann zweifach verstanden werden: einmal als Erkenntnis des heilsgeschichtlichen Willens und der inneren Liebesziele Gottes, ohne irgendein Wirkungsfeld Seines Wollens und Planens auszuschließen; wie oft geschieht dies im Volke Gottes aus methodischen Gründen der “Menschenführung”! Zum anderen aber geht es auch um das Erkennen des ganzen Gotteswillens in den Grundlinien der Gemeindearbeit und in unserem persönlichen Leben. Kennen wir wirklich den “guten, wohlgefälligen und vollkommenen Gotteswillen”? Sehen wir Seine göttlichen Ziele in unserem Leben, in unserer Gemeinde? Was will der Vater von uns, was will Er von mir? Beides sollte — wie das stetige Wachstum in Gnade und Erkenntnis — Hand in Hand gehen.

Einige Schriftworte zu den Gebetsinhalten der ersten Christen sollen uns zeigen, wie anders heute oft unsere Gebetsziele sind. Geht es nicht in unseren “Werken” und Gemeinden oft so wie in dem Witz von dem neuen Flugkapitän in einer Verkehrsmaschine, der sich ungefähr eine Stunde nach dem Start mit folgenden Worten an die Passagiere wandte: “Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich möchte etwas bekanntgeben. Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Als erstes die schlechte Nachricht: Wir haben die Orientierung verloren! Und jetzt die gute Nachricht: Wir kommen außerordentlich schnell vorwärts!”

Äußeres Wirken und Tun, ein übervoller Veranstaltungskalender, pausenlose Jagd für die Mitarbeiter, werbewirksame Darstellung der Gemeinden gegenüber der Öffentlichkeit sowie ein volles christliches “Unterhaltungsprogramm” auf der einen Seite, doch zum anderen: zu wenig Stille vor dem Herrn, eine oberflächliche Erkenntnis Seines Wortes, viel Flachheit im geistlichen Leben statt wesenhafter Tiefe, kein Werden und Wachsen des mit Christus in Gott verborgenen inneren, Menschen.

Zu den Zielen urchristlicher Gebete:

Die Fürbitte der Gemeinden soll dem Apostel “eine Tür des Wortes öffnen”, damit er das Christusgeheimnis so enthüllen könne, wie es seinem göttlichen Auftrag entspricht (Kol. 4, 3-4).

Paulus selbst kämpfte in seinen Gebeten darum, jeden Glaubenden zu ermuntern, ihn in aller Weisheit zu lehren und ihn zielstrebig in Christo darzustellen. Er wollte seinen Gemeinden den ganzen Reichtum der Herrlichkeit des Christusgeheimnisses offenbaren. Die Herzen aller Heiligen sollten getröstet und in Liebe vereinigt werden. Er wollte den ganzen Reichtum der Vollgewißheit des Verständnisses in der Erkenntnis des Geheimnisses Gottes vermitteln (Kol. 1, 27 - 2, 5; man vgl. auch Eph. 3, 8.18 und Eph. 6, 18).

Wenn man heute diese Ziele günstigstenfalls einigen wenigen “Spezialisten” zubilligt, aber den unausforschlichen Christusreichtum den Gemeinden weithin verschweigt, dann braucht man sich nicht darüber zu wundern, wie wenig der “gute, wohlgefällige und vollkommene Gotteswille” auch im praktischen Glaubensleben verwirklicht wird (s. Röm. 12, 2).

Dabei ist solche tiefe Gründung, Vollgewißheit und Zielstrebigkeit das einzige Gegenmittel gegen das weltweit reifende Geheimnis der Bosheit und die vielfältigen Gestaltungsweisen antichristlichen Geistes in unserer Generation! Wie der “überströmende” EPAPHRAS wollen auch wir “überströmen zur Auferbauung der Gemeinde” (1. Kor. 14, 12), wollen “allezeit überströmen im Werke des Herrn” (1. Kor. 15, 58), in der Danksagung zur Verherrlichung Gottes (2. Kor. 4, 15), in der geistlichen Freude (2. Kor. 7, 4), in jedem guten Werke (2. Kor. 9, 8), in aller Weisheit (Eph. 1, 8), in der Erkenntnis wirkenden Liebe (Phil. 1, 9) und im Glauben (Kol. 2, 7).

5. LUKAS, der geliebte Arzt

“Es grüßt euch LUKAS, der geliebte Arzt …!” (V. 14).

Wir kennen Lukas als den Evangelisten und als den Biographen des Paulus. Gerade in der Apostelgeschichte wird deutlich, wie eng er mit dem Apostel der Völker verbunden war; die “Wir-Berichte” scheinen auf gemeinsame Reisen und Erlebnisse hinzudeuten. Bis zuletzt hält er dem kühnen Missionar und geistlichen Pionier die Treue; in einer Zeit, als ihn “viele” Brüder, ja, bei seiner ersten Verantwortung vor dem kaiserlichen Gericht “alle” verlassen haben, manche ihm sogar “viel Böses” erwiesen, ist LUKAS “allein bei ihm” (2. Tim. 4, 9-18). Wie wenig wurde schon damals das gesetzesfreie Evangelium der freien Gnade Gottes und der Herrlichkeit Christi samt Seinem universalen Heilswillen verstanden! Wie wurde Paulus mißdeutet und bekämpft, wie oft wurden ihm Verfälschungen des Gotteswortes unterschoben! War nicht seine Gefangenschaft das “Todesurteil über seine Botschaft”? Wie wohltuend, in solchen Zeiten um einen treuen Bruder zu wissen!

LUKAS, “der geliebte Arzt”. Noch währt die Zeit des anbrechenden Reiches, wo Zeichen und Wunder durch die Hände der Apostel und ihrer Mitarbeiter gleichsam noch an der Tagesordnung waren. Da ist es doch bemerkenswert, daß Paulus nicht meint, Lukas müsse seinen ärztlichen Beruf aufgeben, sondern daß er durchaus positiv von ihm als dem Arzt spricht. Welchen Segen kann doch bis in unsere Tage ein glaubender Arzt oder eine glaubende Ärztin stiften, Segen für Seele und Leib!

Wenn es auch nach 1. Kor. 1, 26 “nicht viele Weise, nicht viele Mächtige (oder Einflußreiche) und nicht viele Edle” in der Gottesgemeinde gibt, so hat es doch immer “etliche” von ihnen gegeben, für die wir nur dankbar sein können. Ob man dabei an den Arzt Jung-Stilling, an den Grafen Zinzendorf, an den Philosophen Kierkegaard denken mag, an Theologen wie Karl Heim, Adolf Schlatter, Karl Barth oder an glaubende Naturwissenschaftler, die ein jeder von seinem geistigen Standort aus der Gemeinde zu helfen suchen — auch sie sind ein wichtiger Beitrag für das Gesamtwachstum des Leibes Christi. Dies sollten wir anerkennen, auch wenn solche Brüder und Schwestern nicht immer leicht in anerkannte Frömmigkeitsideale und genormte Verhaltensmuster ein­zuordnen sind! Ihr demütiges Bekenntnis zur Gemeinde Jesu, ihr Wille, sich ihr einzuordnen, sollte auch die vielen “Nicht-Weisen”, Nicht­-Mächtigen”, “Nicht-Edlen” bewegen, “sie höher zu achten als sich selbst”. LUKAS — der geliebte Arzt!

LUKAS heißt zu deutsch: der Erleuchtete, Licht Spendende (wie im Hebr. Naggai, oder Aaron). Gilt dies nicht insonderheit von seinem Dienst als gottgeleiteter Verfasser zweier Bücher des Wortes Gottes? Nur als ein “Erleuchteter” konnte er darin — von höchster prophetischer Warte aus — “Licht spenden”. Daß er dabei Zeugen der Jesusgeschichte befragte und gesichertes “Quellenmaterial” benutzte, widerspricht nicht der Inspiration durch Gottes Geist; es weist vielmehr auf sein Bemühen hin, durch seine Schriften den Lesenden und Lernenden “untrügliche Sicherheit” zu vermitteln (siehe auch das kostbare Widmungswort, das er in Luk. 1, 1-3 seinem Evangelium voranstellt).

Zwar “ist des vielen Büchermachens kein Ende, und viel Studieren führt zur Ermüdung des Leibes”; doch wenn heilige Männer Gottes reden und schreiben, getrieben vom Heiligen Geist, dann sind “ihre Worte wie Treiberstacheln, und wie eingeschlagene Nägel die gesammelten” (Worte, Schriften, Bücher), und wenn es aufs allerhöchste kommt, “sind sie gegeben von dem einen Hirten” Israels (Pred. 12, 11-12). Möchte das doch auch von unserem mündlichen und schriftlichen Dienst immer mehr gelten!

In seinem Widmungswort führt Lukas unter anderem aus, er habe “von Anfang an alles genau verfolgt”; das griechische Wort kann aber auch bedeuten: “von oben her”, “von höchster Warte aus” (anothen). Dies aber ist der horizontumfassende Adlerblick von den Schautürmen des prophetischen Wortes aus. Erleuchtet — lichtbringend. Phil. 2, 15-16 ermuntert auch uns, als unbescholtene Kinder Gottes inmitten einer verdrehten und verkehrten Generation unverklagbar und durchsichtig zu leben; in ihr sollten wir aufleuchten wie “Himmelslichter in dem Kosmos”, indem wir das Wort des Lebens darstellen …

Dr. LUKAS — der geliebte Arzt! Du geliebter Bruder Physiker und Ingenieur, Professor und Theologe, und wo immer dein geistiger Standort sein mag, — stelle als Himmelslicht im Kosmos das fort des Lebens dar!

6. DEMAS, der Mann ohne Gesicht

Während DEMAS in Philem. 24 noch als Mitarbeiter des Paulus erwähnt wird, erscheint er in Kol. 4 ohne jede Kennzeichnung — des Lobes oder der Mahnung. Schaut der Apostel hier schon die drohende innere Abwärtsentwicklung dieses Mannes? Von ihm heißt es ja in 2. Tim. 4, 10, er habe Paulus verlassen, habe den jetzigen “Äon”, die gegenwärtige Weltzeit, liebgewonnen und sei nach Thessalonich (offensichtlich in die dortige Gemeinde) gegangen. DEMAS hat die Welt offenbar also nicht in dem Sinne liebgewonnen, daß er tief und schmerzlich gefallen wäre und dem Glauben abgeschworen habe; dennoch gehört er letztlich zu jenem “Friedhof der Gestrandeten”, in die Reihe jener, die nach den Zeugnissen des Neuen Testaments in die Fallstricke des Teufels fielen und der Gemeinde schließlich zum Schaden gereichten.

DEMAS ist ein Mann ohne geistliche Prägung. Ihm fehlt das tiefe Verbundensein mit dem gekreuzigten Christus. Als “Mann des Volkes” und “Volksführer” — wie sein Name lautet — bekannte er sich zu den Aufgaben, die der gegenwärtige Äon stellt; er öffnete sich dem Zeitgeist und den “Gegenwartsproblemen” und arbeitete mit den kosmischen Werbemethoden, auch wenn es ihm um das Evangelium ging. Wiederum ist diesem Manne die Verkündigung und das missionarische Programm eines Paulus zu kühn, zu wenig weltoffen, zu geistlich und “nach oben ausgerichtet”, zu sehr christusgebunden und zu wenig weltgebunden, zu stark vom Schandpfahl des Gekreuzigten gekennzeichnet.

Mit ihm wandten sich HERMOGENES (der geborene Redner) und PHYGELUS (der Flüchtling) von dem gefangenen Paulus ab. ALEXANDER (der Männer-Verteidiger) widerstand der paulinischen Wortverkündigung sehr und erwies ihm viel Böses. Gemeinsam mit HYMENÄUS (hochzeitliches Brautlied) lästerte er den Apostel sogar und erlitt so im Glauben Schiffbruch; Paulus mußte beide der Zucht Satans überliefern. Von HYMENÄUS und PHILETUS (der Geliebte) aber wird sogar berichtet, sie seien von der Wahrheit abgeirrt zu immer größerer Gottlosigkeit, so daß ihr Wort wie ein Krebsgeschwür um sich fraß und den Glauben vieler zerstörte (2. Tim. 4, 10.14-15 / 2, 17-18 / 1. Tim. 1, 15.20 / 5, 15). Welche Grabsteine des Glaubensverfalls und des inneren Todes!

Ob wir heute nicht auch vielfach in der Gefahr eines Demas stehen, das Ärgernis des “alten Kreuzes” weniger anstößig machen oder es gar beseitigen zu wollen, “damit die Menschen leichter glauben können”? Verfallen nicht auch wir der “Medienpolitik” und Werbeflut der Gegenwart, weil wir meinen, wir könnten so den Menschen das Evangelium schmackhafter machen? In diese Bestrebungen paßt allerdings ein Paulus nicht! Er bediente sich noch nicht einmal der Redekunst der griechischen Philosophen; er machte in Korinth eine jämmerliche Figur, in “Angst und Zittern”; doch bejahte er diesen Weg, der ihn davor bewahrte, das Kreuz Christi zunichte zu machen, damit der Glaube der Gemeinden nicht auf dem Fundament der Menschenweisheit, sondern auf dem Felsengrund der Gotteskraft gegründet sei (1. Kor. 1, 17-19 / 2, 1-5). Er bediente sich beim Weitergeben geistlicher Sachverhalte auch “geistlicher Methoden”!

Daß unser Bürgertum im Himmel ist, weil wir von dort als Retter unseren Herrn Jesus Christus zur Umwandlung unseres Leibes erwarten, — dies konnte in solcher Ausschließlichkeit DEMAS nicht bejahen. Er suchte Aufgaben, Ziele, Dienste, Anregungen in dieser Welt und Zeit.

Darum blieb er ein Mann ohne Gesicht, ohne Prägung und prägende Kraft für andere, wenn er sich auch vielleicht bei vielen beliebt machte! Er ging unter im Fluß seiner Zeit.

7. Gemeinden im Austausch; NYMPHAS, der Älteste

“Grüßt die Brüder in Laodicäa und NYMPHAS und die Gemeinde in seinem Hause (die seinem Hause gemäße Ekklesia). Und wenn der Brief bei euch vorgelesen worden ist, so sorgt dafür, daß er auch in der Gemeinde der Laodicäer verlesen werde, und daß ihr wiederum den Brief aus Laodicäa vorleset! (V. 15-16).

Welch reger Austausch herrschte doch zwischen den einzelnen Gemeinden in der ersten Christenheit! Dafür sorgte auch der beständige Austausch von Geschwistern, der durch Berufswechsel, Ortswechsel, Flucht vor Verfolgungen und überhaupt durch eine mobilere Lebensweise “besitzloser” Zeitläufe bedingt war. Außer der Gemeinde von KOLOSSÄ wird die zu LAODICÄA genannt (die nach Offb. 3 wohl später eine geistliche Abwärtsentwicklung genommen hat); außerdem erscheint die Hausgemeinde des NYMPHAS (= der dem Bräutigam Gehörende). Kleinere Ortsgemeinden scharten sich damals — oftmals nach einer Trennung von der Synagoge — um das Haus eines Bruders und Ältesten und bildeten die Keimzelle des Gemeindewachstums und des geistlichen Lebens. Sie standen jedoch in keinem gewollten oder ungewollten Widerspruch zur “organisierten Gemeinde”, wie dies heute oft geschieht; auch dienten sie nicht der Pflege einer Sondererkenntnis oder jener geistlichen Inzucht, die nur Gleichgeartete und Gleichgesinnte unter der Prägung durch einen Bruder zusammenruft. So muß man heutigentags Normen setzen, die sich damals von selbst ergaben, etwa in dem Büchlein “Dein Haus für Christus” (Telos-Taschenbuch) mit den Themen: Biblische Grundlagen eines Hausbibelkreises — Methoden der Bibelarbeit — Die Gesprächsleitung — Hinweise für die Gründung eines Hausbibelkreises — Seelsorge im Hausbibelkreis — Die Eigenschaften eines Hausbibelkreis-Leiters. Keine starren Formen und Prägungen behinderten in der Apostelzeit das geistliche Leben; die Gemeinden, wie immer sie auch gestaltet waren, standen in regem Austausch miteinander. Sie waren außer durch den missionarischen Dienst der Apostel durch deren Briefe miteinander verbunden. Diese wurden in den Gemeindeversammlungen vorgelesen, wurden ausgetauscht und sicher auch schon in der ersten Zeit abgeschrieben und gesammelt. Später wuchsen sie unter der Leitung des Geistes Gottes mit den Evangelien, der Apostelgeschichte und der Offenbarung zum neutestamentlichen Kanon zusammen.

In einer Zeit, da schon gefälschte “Apostelbriefe” im Umlauf waren (s. 2. Thess. 2, 2.15), war das Echtheitsmerkmal mit der eigenhändigen Unterschrift des Paulus von größter Bedeutung (2. Thess. 3, 17 / Gal. 6, 11). Der Apostel beurteilte seine eigenen Briefe als “prophetische Schriften” (Röm. 16, 26); er hielt sie für maßgebend und wegweisend, worauf allein schon der dringende Appell zum Vorlesen auch in den Nachbargemeinden hindeutet; man beachte hierzu auch 1. Thess. 5, 27, wo Paulus die Gemeinde “beschwört”, seinen Brief “allen heiligen Brüdern” vorlesen zu lassen.

8. ARCHIPPUS: Im Dienste Jesu müde geworden

“Und saget dem ARCHIPPUS: Achte auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, damit du ihn auch erfüllest (ausrichtest)! Der Gruß mit meiner, des Paulus, eigener Hand. Gedenket meiner Fesseln. Die Gnade sei mit euch! Amen” (V. 17-18).

Als letzter in der apostolischen Grußliste erscheint ARCHIPPUS, der “Pferdefürst”, der “Herrscher über die Pferde”. Welche Aufgabe für Menschen, denen von Natur aus “die Pferde durchgehen”, die Leidenschaften des Fleisches und der Seele samt der natürlichen Eigenkraft im Zaume zu halten und die Zunge “an die Kandare zu legen” (Jak. 3, 3). “Pferde” sind ja in der Heiligen Schrift oft ein Bild für Kampfbegierde, Stolz und Fleischeslust.

“Im Herrn”, d. h. durch die Gnadengabe aus dem Geiste Gottes, war diesem Bruder ein Dienst in den Gemeinden zugewachsen; offensichtlich bestand die Gefahr, daß er ihn irgendwie vernachlässigte und nicht in Treue ausübte. War er müde geworden? Resignierte er unter der scheinbaren Erfolglosigkeit? Litt er unter der Nichtbeachtung, unter Widerständen in der Gemeinde oder unter den Anfeindungen durch die Widersacher? Hatte ihn ein Geist der Mutlosigkeit ergriffen? Spürte er keinen Widerhall bei denen, die er bediente? Arbeitete er — bis zur Selbstaufgabe und Erschöpfung — zu sehr “für das Haus” und zu wenig “für den Herrn”? Wir wissen es nicht.

Paulus spricht ihn nicht direkt an, sondern mittelbar durch die verantwortlichen Brüder in Kolossä; dies mag darauf hinweisen, daß sich schon eine gewisse innere Entfremdung ergeben hatte. Und doch ist das Grußwort an ARCHIPPUS kein Tadel, sondern eher eine Ermutigung, die Hoffnung nicht wegzuwerfen und im Dienste Jesu fortzufahren. “Erfülle deinen Dienst! Achte sorgfältig darauf!” Dieses “Erfüllen” meint wohl mehr die erstrebte innere Reife des Dienstes und ein qualitatives Wachstum in der Segensvermittlung, als pausenlosen äußeren Streß in der “Reichsgottesarbeit”. Solches Erfüllen kann aber immer nur im Wirkungskreise der Gabe erfolgen, die uns der Herr durch Seinen Geist geschenkt hat. Dabei ist es eine Würde und Ehre, Ihm dienen zu dürfen. Er bedarf unser nicht, wenn wir unsere Gnadengabe vernachlässigen!

Schon einer Königin Esther wurde (von ihrem Onkel Mordokai) gesagt: “Denke nicht in deinem Herzen, daß du im Hause des Königs allein von allen Juden entfliehen werdest! Denn wenn du in dieser (so wichtigen und entscheidenden) Zeit schweigst, so wird Befreiung und Errettung für die Juden von einem anderen Orte her erstehen, du aber und deines Vaters Haus, ihr werdet umkommen. Und wer weiß, ob du nicht für eine Zeit, wie diese es ist, zum Königtum gelangt bist” (Esth. 4, 13-14). — Man vergleiche 1. Kor. 4, 1-2!

Warum sind wir Königspriester Gottes geworden und zu einer Gnadengabe gelangt? Drohen nicht auch uns Substanzverlust, Wesensverfall und geistlicher Tod, wenn wir unseren Dienst vernachlässigen und “schweigen”? Wie mag dieser Zuspruch des Paulus an ARCHIPPUS wohl in der Gemeindeversammlung gewirkt haben, als er dort verlesen wurde? Wie mag es in seinem eigenen Herzen geklungen haben?

Worte des Apostels Paulus an einen anderen jungen Mitarbeiter über die Diensterfüllung sollen uns inhaltlich die kurze Bemerkung an ARCHIPPUS füllen und verdeutlichen:

“Denn dafür arbeiten wir und werden dafür gelästert, daß wir, auf einen lebendigen Gott hoffen, der ein Erretter aller Menschen ist, vorrangig der Glaubenden. Dieses gebiete und lehre! — Niemand verachte deine Jugend, sondern sei ein Vorbild der Glaubenden — im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Vertrauen, in der Keuschheit. Bis zu meinem Kommen halte an mit dem Vorlesen, mit dem Ermuntern, mit dem Lehren. Vernachlässige nicht die Gnadengabe in dir! Sie wurde dir ja geschenkt durch eine Weissagung, begleitet von der Handauflegung der Ältestenschaft. Bedenke dieses sorgfältig, lebe darin, damit deine Fortschritte allen offenbar werden” (1. Tim. 4, 10-16).

“Darum erinnere ich dich, die Gnadengabe Gottes zu heller Flamme anzufachen, die in dir ist durch das Auflegen meiner Hände. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern einen Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn, noch meiner, Seines Gefangenen, sondern leide Trübsal mit der Frohen Botschaft …” (2. Tim. 1, 6-7).

“Ich beschwöre dich feierlich vor Gott und vor dem Messias Jesus, der da die Lebendigen und Toten richten wird, und bei Seiner sichtbaren Wiederkunft und Seiner Königsherrschaft: Herolde das Wort, stehe fest dazu zur günstigen und ungünstigen Zeit; überführe, strafe, ermuntere mit aller Langmut und Belehrung. Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die gesunde Lehre nicht mehr ertragen werden … Du aber sei nüchtern in jeder Beziehung, leide Trübsal, verrichte die Arbeit eines Ver­kündigers der Heilsbotschaft, vollführe (erfülle, vollende) deinen Dienst!” (2. Tim. 4, 1-5).

Singen wir nicht: “Welch ein Herr, welch ein Herr, Ihm zu dienen, welch ein Stand!”? Und:

“Der Herr ist gut. Wer dies im Glauben schmeckt,
wird nimmermehr aus Seinen Diensten gehen.
Hier wird erst recht, was Freiheit sei, entdeckt,
hier kann der Geist im rechten Adel stehen.
Nichts ist umsonst, was hier der Glaube tut.
Der Herr ist gut!
Der Herr ist gut und sieht in Gnaden an
den armen Dienst der Knechte, die Ihn lieben.
Er gibt mehr Lohn, als man erwarten kann,
kein kühler Trunk ist unvergolten blieben.
Er gibt dafür die ganze Segensflut.
Der Herr ist gut!”

(Johann Jakob Rambach)

(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 1980; Paulus-Verlag; Heilbronn)

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