Der Mensch und seine Stellung zwischen Tier und Engel
Autor: Jugel, Wolfgang | Kategorie(n): Lehre | 360 x gelesen(Nach einem Vortrag auf der »Langensteinbacherhöhe«)
In dem feinen Schöpfungslied von Chr. F. Gellert (»Wenn ich, o Schöpfer, Deine Macht …«) heißt es:
»Der Mensch, ein Leib, den Deine Hand
so wunderbar bereitet,
der Mensch, ein Geist, den sein Verstand
Dich zu erkennen leitet:
der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis,
ist sich ein täglicher Beweis
von Deiner Güt und Größe!«
Ich erinnere mich noch gut an die Jugendkonferenzen von Missionar Willy Schirrmacher, bei denen ich ihm oftmals assistieren durfte; dort hat er öfters aus einem Büchlein von Lewis zitiert mit dem Titel: »Dienstanweisungen an einen Unterteufel«. In ihm gibt ein geringer Teufel namens »Screwtape« (Gewindebohrer) Instruktionen an einen bösen Geist namens »Wormwood« (wohl: Holzwurm), in denen er ihn anweist, wie er die Frommen aufs Glatteis führen und zu Fall bringen könne. Wenn Sie in den Zitaten aus diesem Büchlein von »unserem Vater« hören werden, dann meint dieser Teufel natürlich den Satan, und wenn er von dem »Feind« spricht, meint er damit den lebendigen Gott. Also hören wir einmal eine solche Botschaft an Wormwood:
»Natürlich wird auch der Feind inzwischen nicht müßig bleiben. Wo immer ein Mensch betet, besteht die Gefahr, dass er selbst unverzüglich eingreift. Mit zynischer Gleichgültigkeit gegenüber der Würde seiner und unserer Stellung als reiner Geister überschüttet er diese menschlichen Tiere, wenn sie nur auf den Knien liegen, mit Selbsterkenntnis in ganz schamloser Weise. Aber selbst wenn er deinen ersten Angriff der Irreführung vereitelt, so stehen uns noch feinere Kampfmittel zur Verfügung …«
Und dann sagt er etwas zur körperlichen Haltung beim Beten:
»… denn sie vergessen stets, was dir jedoch nie entgehen darf, dass sie Tiere sind, und dass alles, was ihr Körper tut, auch ihre Seele beeinflusst. Es ist spaßhaft, dass die Sterblichen sich immer vorstellen, wir flößten ihnen gewisse Dinge ein; dabei beruhen unsere besten Erfolge darauf, dass wir ihnen gewisse Dinge fernhalten!«
Schließlich empört er sich noch mehr über die Geschöpflichkeit des Menschen:
»Der Mensch ist ein Amphibium — halb Geist, halb Tier. (Der Entschluss des Feindes, solch einen empörenden Mischling zu schaffen, war einer der Gründe, die unseren Vater bestimmt haben, ihm seine Unterstützung zu entziehen.) Als Geister gehören sie der ewigen Welt, als Tiere jedoch der Vergänglichkeit an. Während also ihr Geist auf ein ewiges Ziel ausgerichtet werden kann, ist ihr Körper, sind ihre Leidenschaften, ihre Vorstellungen fortwährenden Veränderungen unterworfen, denn in der Zeit leben heißt sich wandeln.«
Denken Sie nur einmal an die erschreckende Tatsache, dass wir nur wenige, kümmerliche Jahre auf diesem Planeten Erde leben und dann wieder von hier entschwinden. Als der greise Patriarch Jakob nach seinem Wiedersehen mit Joseph auch eine Audienz bei dem Pharao hatte, sagte er u. a.: »Kurz und böse waren die Tage meiner Lebensjahre« – und dabei war er schon 130 Jahre alt! Zweimal segnete er den Pharao — bei seinem Eingang und bei seinem Ausgang.
In den Zitaten von Lewis hörten wir etwas davon, wie der Mensch — gleichsam als ein Bastard — zwischen TIER und ENGEL steht, zwischen Fleisch und Geist. Er hat einerseits Zutritt zu den ewigen Dimensionen des Geistes, ist aber andererseits durch seinen Fleischesleib in dem engen Kerker von Raum und Zeit gefangen und lebt auf Erden in den drei kümmerlichen Dimensionen von Breite, Länge und Höhe. —
Zunächst soll uns nun ein Wort aus Pred. 3, 16-22 leiten; doch sei bei dieser etwas deprimierenden Aussage darauf hingewiesen, dass der »Prediger« gewisse Sachverhalte »unter der Sonne« betrachtet, das heißt aber nach irdischen, wissenschaftlichen, biologischen Maßstäben, die aus der Erfahrung der menschlichen Sinne gewonnen wurden. Insgesamt 31-mal erscheinen in diesem Büchlein die Ausdrücke »unter dem Himmel« und »unter der Sonne«.
Wir sind einmal mit Freunden in der Gegend von Lofer gewandert; als wir mit dem Auto zur ersten Alm emporfahren wollten, war das Tal noch von dichtem Nebel eingehüllt; als wir aber oben ankamen, war auf einmal der Nebel wie abgeschnitten, und strahlende Sonne umfing uns. Unter dem tiefblauen Himmel mit den scharf gezeichneten Bergen lag in den Tälern allüberall der weiße Nebel. Aber auch dieses Erleben war noch »unter der Sonne«! Was glauben Sie, was wir einmal erleben werden, wenn wir zum Herrn heimgehen und auf einmal über der Sonne sind, wo wir den König schauen werden in Seiner Schönheit (Jes. 33, 17)! Dann werden wir jenseits aller erschaffenen Wirklichkeit in der Wirklichkeit Gottes und Seines Geistes und in den ungezählten Dimensionen Seiner göttlichen Welt stehen! Wie wird dann »der Nebel« zu unseren Füßen dahinschwinden, der uns so oft das Gotteslicht verschleierte; wie werden wir uns dann der Sonne Gottes erfreuen, die Jesus Christus selbst ist, der »Sonne der Gerechtigkeit mit Heilung in ihren Flügeln« (Mal. 4, 2)!
Wundern Sie sich also nicht darüber, wenn der Prediger Salomo manches sagt von dem, was »unter der Sonne« ist und geschieht oder unseren Sinnen erscheint. Doch lesen wir Pred. 3, 16-18:
»Und ferner habe ich unter der Sonne gesehen: an der Stätte des Rechts, da war die Gesetzlosigkeit, und an der Stätte der Gerechtigkeit, da war die Gesetzlosigkeit. Ich sprach in meinem Herzen: Gott wird den Gerechten und den Gesetzlosen richten; denn Er hat eine Zeit gesetzt für jedes Vornehmen und für jedes Werk. Ich sprach in meinem Herzen: Wegen der Menschenkinder geschieht es, damit Gott sie prüfe, und damit sie erkennen, dass sie an und für sich Tiere sind!«
Eigentlich heißt es: »… dass sie auf sich gestellt Tiere sind«, das heißt aber: getrennt von dem lebendigen Gott! Denken wir doch an Röm. 1, wo in den Versen 24, 26 und 28 vom Verfall Adams und der Völker bezeugt wird, dass sie ins Gericht Gottes »dahingegeben« wurden — in den Ruin von Geist, Seele und Leib. Und doch sollte Adam ursprünglich der Königspriester Gottes in einem unversehrten Leib und strahlenden Geist sein! Und wenn es hier von dem Menschen heißt, er sei »auf sich gestellt, getrennt von Gott« in seiner kümmerlichen Existenz »an und für sich« wie ein Tier, dann stimmt das wohl, »unter der Sonne« betrachtet. Auch diese Aussage ist geistgehauchtes Wort Gottes, selbst wenn damit noch nicht alles über den Menschen gesagt ist, was kommenden Offenbarungsstufen vorbehalten war.
Das Predigerwort will natürlich nicht sagen, dass wir von den Tieren abstammen, wie es die atheistische Evolutionstheorie behauptet; und dies ebensowenig, wie ein Rolls-Royce von einem Opel P-4 aus dem Jahre 1910 abstammen würde. Vielmehr war es der gleiche, technisch bewährte Konstruktionsplan, der die Autohersteller angeregt hat, immer modernere Autos zu bauen. Ebenso hat auch der lebendige Gott und Schöpfer den gleichen Bauplan, der den höheren Säugetieren zu eigen ist, auch auf den Menschen übertragen, sodass beide gewisse Merkmale aufweisen, in denen sie sich gleichen. Doch lesen wir in V.19 weiter:
»Denn was das Geschick der Menschenkinder und das Geschick der Tiere anbetrifft, so haben sie einerlei Geschick« (immer: »unter der Sonne« mit unseren natürlichen Sinnen oder mit wissenschaftlichen Instrumenten betrachtet!). »Wie diese sterben, so sterben jene, und einen Geisthauch haben sie alle; und da ist kein Vorzug des Menschen vor dem Tiere, denn alles ist Eitelkeit« (Sinnlosigkeit, Vergänglichkeit, Leerlauf).
Bitte behalten Sie diese Aussage im Gedächtnis: »Denn da ist kein Vorzug des Menschen vor dem Tiere« — unter der Sonne betrachtet, und wie es vielleicht auch die Wesen der Geisterwelt sehen. Wir werden später noch ausführlich darauf zu sprechen kommen. Weiter heißt es in Pred. 3, 20-21:
»Alles geht an einen Ort; alles ist aus dem Staube geworden, und alles kehrt zum Staube zurück. Wer weiß von dem Geisthauch der Menschenkinder, ob er aufwärts fährt, und von dem Geisthauch der Tiere, ob er niederwärts zur Erde hinabfährt?«
Antwort: Wir wissen es! Denn wir stehen auf einer höheren Offenbarungsstufe, die wir jetzt schon gekommen sind zum himmlischen Jerusalem, zu Myriaden von Engeln der Allfestversammlung und zu der Gemeinde der Erstgeborenen in den Himmeln (Hebr. 12, 22-24). Wir können mit Paulus sagen: »Ich habe Lust abzuscheiden und — bei Christus zu sein« (Phil. 1, 23). Aber rein wissenschaftlich und »unter der Sonne« betrachtet, weiß man dies nicht!
»Und so habe ich gesehen, dass nichts besser ist, als dass der Mensch sich freue an seinen Werken; denn das ist sein Losteil. Denn wer wird ihn dahin bringen, dass er Einsicht gewinne in das, was nach ihm werden wird?« (V. 22).
Antwort: Der Heilige Geist, der in uns wohnt, der das Göttliche erkennt und uns auch in die Tiefen der Geheimnisse Gottes und in das Zukünftige hineinführen will (Joh. 16, 12-14; 1. Kor. 2, 10). Aber damit wäre »Koheleth«, Salomo als der Mund der Weisheit, überfordert, wenn man von ihm auf der damaligen Offenbarungsstufe schon solche Erkenntnisse erwarten würde! —
Also: Getrennt von Gott, auf sich gestellt besteht eine überraschende Ähnlichkeit des Menschen mit den höheren Tieren. Beide haben den gleichen grundsätzlichen Bauplan — denken wir nur an das Skelett und die inneren Organe beider; auch die gleichen biologischen Grundbedürfnisse (Essen, Trinken, Sexualität, Überlebenswille) sind ihnen zu eigen; alle Menschen und Tiere der Erde haben die gleiche Erbsubstanz (DNS — Desoxyribonucleinsäure), nur dass deren Moleküle im chemischen Verbund bei jedem Lebewesen etwas anders angeordnet sind, und jede Art auch eine andere Chromosomenzahl hat. Aber es ist grundsätzlich die gleiche Erbsubstanz, die den Genen und Chromosomen zugrunde liegt. Das hebräische Wort »ha härajon« bezeichnet mit seinem Zahlwert 276 die Tage einer normalen Schwangerschaft; löst man es auf, so ergibt sich 6 x 46 — der Mensch (6) mit seiner Chromosomenzahl (46). Löst man es weiter auf, so sehen wir das Geheimnis der Zeugung, bei welcher Mann und Frau je 23 Chromosomen beisteuern: 6 x 2 x 23. Und wenn wir es prophetisch betrachten, ergibt sich in 12 x 23 die Zeugung (23) und Wiedergeburt Israels (12). Nicht nur die »Gene« des DNS-Fadens hat »der Gott des Maßes« alle gezählt, sondern auch die Buchstaben und Zahlwerte Seines Wortes (vgl. 2. Kor. 10, 13).
Aber auch Lebensanfang und Lebensende haben wir mit den Tieren gemeinsam: »Alles geht zum Staube zurück!« Ja, »auf uns gestellt« und getrennt von Gott, sind wir dem Gesetz der Sünde und des Todes unterworfen, aber »das Gesetz des Geistes des Lebens hat uns befreit von dem Gesetz der Sünde und des Todes«, wie Röm. 8, 2 triumphierend bezeugt. Sind wir doch als Glaubende durch die Auferstehung Jesu Christi wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung (1. Petr. 1, 3).
Aber zu der Aussage »Getrennt von Gott hat der Mensch keinen Vorzug vor dem Tiere« möchte ich noch zwei wichtige Schriftstellen lesen — nicht über die physiologische Nähe zum Tier, sondern über die Möglichkeit eines geistigen und geistlichen Verfalls in das Tierwesen. In Dan. 4, 30-35 heißt es:
»Und der König Nebukadnezar hob an und sprach: Ist das nicht das große Babel, welches ich zum königlichen Wohnsitz erbaut habe – durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit? Noch war das Wort im Munde des Königs, da kam eine Stimme vom Himmel herab: Dir, König Nebukadnezar, wird gesagt: Das Königtum ist von dir gewichen! Und man wird dich von den Menschen ausstoßen, und bei den Tieren des Feldes wird deine Wohnung sein. Und man wird dir Kraut zu essen geben wie den Rindern, und es werden sieben Zeiten über dir vergehen, bis du erkennst, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht, wem Er will. In demselben Augenblick wurde das Wort über Nebukadnezar vollzogen. Und er wurde von den Menschen ausgestoßen und aß Kraut wie die Rinder, und sein Leib ward benetzt vom Tau des Himmels, bis sein Haar wuchs gleich Adlerfedern, und seine Nägel gleich Vogelkrallen« —
wie wir es heute an manchen Zeitgenossen auch beobachten müssen. Nach V. 34 wurde Nebukadnezar nach Verlauf der sieben Zeiten wiederhergestellt, als er seine »Augen zum Himmel erhob und sein Verstand ihm wiederkam« — was uns ja von den Tieren unterscheidet; und er »pries den Höchsten und rühmte und verherrlichte den ewig Lebenden, dessen Herrschaft eine ewige Herrschaft ist«.
Dies mag uns alles noch ein wenig spaßhaft erscheinen, doch wenn wir jetzt einmal Ps. 73, 20-26 lesen, dann wird es für uns persönlich sehr ernst:
»Wie einen Traum nach dem Erwachen wirst Du, o Herr, beim Aufwachen ihr Bild verachten« — dabei könnten wir auch an das Aufwachen der Gesetzlosen in der Auferstehung denken — »als mein Herz sich in mir erbitterte, und es in meinen Nieren mich stach, da war ich dumm und wusste nichts, ein Vieh war ich Dir gegenüber!«
Kennen Sie das auch: Wenn unser Herz sich erbittert, wenn wir verbittert werden gegen den lebendigen Gott wegen der merkwürdigen Führungen, wegen der Nöte, Spannungen, Ängste und Drangsale, die Er über uns verhängt, und die scheinbar kein Ende nehmen? Die Myrrhe der Leiden, die ja als wesentliches Element zum Salböl des Heiligen Geistes gehört, ist wohl ein bitteres »Gewürz«, doch darf uns dies nicht zur Verbitterung führen! Wenn nämlich eine »Wurzel der Bitterkeit« und Verbitterung in uns aufwächst, dann ist diese nur schwer auszurotten und verunreinigt auch andere neben und mit uns (Hebr. 12, 15).
Das hebräische Wort »behema« für »Vieh« ist verwandt mit dem »Behemoth« des Buches Hiob, in dem wohl nicht die Nilpferde, sondern die urzeitlichen Saurier gesehen werden (vgl. Hiob 40, 15). Sie haben sicher schon einmal Abbildungen von jenen Riesenwesen gesehen — eine ungeheure Masse Fleisch mit einem winzigen Gehirn und Verstand. Wörtlich bedeutet »behemoth« nach dem Hebräischen »im Tode sein«. Wenn wir also gegen Gott murren und uns gegen Ihn und Seine Führung erbittern, dann sind wir wirklich »dumm und wissen nichts« und sind vor Ihm »wie ein Vieh«. Und dennoch liebt Er uns und lässt uns in Seiner unbegreiflichen Gnade nicht los! Obwohl wir uns oftmals benehmen wie ein »Behemoth im Tode«, lässt Er uns alle Dinge zum Guten mitwirken, wie es Röm. 8, 28 bezeugt. Darum fährt Ps. 73 in V. 23 fort:
»Doch ich bin stets bei Dir; Du hast mich erfasst bei meiner rechten Hand; durch Deinen Rat wirst Du mich leiten, und nach Deiner Herrlichkeit wirst Du mich aufnehmen. Wen habe ich im Himmel? Und neben Dir habe ich an nichts Lust auf der Erde. Vergeht mein Fleisch und mein Herz – meines Herzens Fels und mein Teil ist Gott auf ewig!«
Was ist das doch für ein schönes Zeugnis und Bekenntnis! Und da haben wir wieder beides: Der Mensch mit der Möglichkeit, ein Tier, ein Vieh zu sein — »kein Vorzug vor den Tieren« — und andererseits mit dem Geiste begabt und von Gott und Seinem Heiligen Geist geleitet, wenn Er Gott liebt! —
Wir haben kürzlich in der Bibelstunde einige Stellen aus dem Matthäusevangelium betrachtet, die im Gespräch darüber zu Fragen führten. Wenn wir diese Jesusworte jetzt lesen, so wollen wir in Erinnerung behalten, was der »Prediger« gesagt hat: »Es gibt keinen Vorzug des Menschen vor dem Tiere«. In Matth. 6, 25-26 führt der Herr aus:
»Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise, und der Leib mehr als die Kleidung? Sehet hin auf die Vögel des Himmels, dass sie nicht säen noch ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel vorzüglicher als sie?«
Weil wir ja durch den Heiligen Geist »prüfen« können, »was das Vorzüglichere sei«, weil ja die Liebe überfließt in Erkenntnis und Einsicht (Phil. 1, 10), dürfen wir diese Aussage gründlich bedenken. Besteht nun nicht doch ein Widerspruch zwischen der Aussage des »Predigers« und dem Worte Jesu? Doch lesen wir noch ergänzend Matth. 10, 29-31:
»Werden nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig verkauft? Und nicht einer fällt auf die Erde ohne euren Vater; an euch aber sind selbst die Haare des Hauptes gezählt. Fürchtet euch nun nicht: Ihr seid vorzüglicher als die Sperlinge!« (Luk. 12, 24: »Um wieviel vorzüglicher seid ihr als die Vögel«).
Ich habe nun, um das Gespräch zu beleben, die Frage gestellt: Stimmt das denn überhaupt? Inwiefern sind wir vorzüglicher als die Vögel, oder allgemein, als die Tiere? Es wurde dann die Meinung geäußert, Jesu meine damit doch wohl nur Seine Jünger und Apostel; aber das wäre denn wohl zu wenig gesagt über jene Menschen, die aus Gottes Geist wiedergeboren sind, dass sie besser als die Tiere seien (im übrigen bezieht sich Matth. 12, 12 auf den Menschen im allgemeinen, wenn es von ihm bezeugt, er sei vorzüglicher als ein Schaf).
Hinsichtlich der Eigenschaften und Qualitäten der Vögel möchte ich Ihnen einige Beispiele aufzeigen; auch der König Salomo redete ja »über die Bäume, von der Zeder, die auf dem Libanon wächst, bis zum Ysop, der an der Mauer herauswächst; und er redete über das Vieh und über die Vögel und über alles, was sich regt, und über die Fische« (1. Kön. 4, 33)!
- Die Vogelfeder ist so kompliziert und genial gebaut, dass es über sie und überhaupt über das Phänomen des Vogelfluges in seinen verschiedenen Formen ganze Bücher gibt.
- Um auszuschließen, dass Brieftauben bei ihrem Fluge sich über das Sehen orientieren, hat man ihnen die Augen zugeklebt und sie dann fern von ihrem Schlage aufsteigen lassen; sie haben zielsicher zu ihm zurückgefunden! Man hat dann festgestellt, dass sie sich, wie auch andere Vögel, an den Magnetfeldlinien der Erde orientieren. In ihren Knochen fand man magnetische Partikelchen, die wie ein Kompass wirken. (Da werden wir schon etwas vorsichtiger mit einer gedankenlosen Bejahung der Aussage, dass wir vorzüglicher als die Vögel seien! Wir werden aber hernach noch klar erkennen, worin dieser unser Vorzug liegt!)
- Oder denken wir an die winzigen Kolibris, die in der Geschwindigkeit ihrer Flügelbewegungen den Insekten gleichkommen. Im Schwirrflug vor einer Blüte hat dieses Vögelchen 1200 Herzschläge in der Minute, wenn es sich ruhend auf einer Pflanze niederlässt, 460 Herzschläge; und wenn es in der kühlen Nacht Energie sparen muss, senkt es den Puls auf 60 Schläge pro Minute. Wenn wir das so mit unserem Herzen machten, wären wir sofort tot.
- In einem »Planetarium« ist es möglich, alle Sternenhimmel an die Kuppel zu spiegeln, etwa den südlichen Sternenhimmel Australiens. Zur Zeit des Vogelzugs hat man dies in einem Planetarium gemacht und versuchsweise einige Grasmücken unter der Kuppel fliegen lassen. Diese waren natürlich von dem ihnen unbekannten Sternenhimmel mit seinen Sternbildern völlig verwirrt. Nachdem man dann zur Nachtzeit die Kuppel geöffnet hatte, haben diese Vögelchen den ihnen vertrauten europäischen Sternenhimmel wiedergesehen. Sie flogen einige Orientierungsrunden und sind dann in der genau richtigen Zugrichtung davongeflogen. Welches Wunder der Navigation!
- Oder denken wir an die Küstenseeschwalbe, die zweimal im Jahr von der Arktis zur Antarktis und zurück je 15.000 km zurücklegt, nur um optimale Brutbedingungen zu finden. Dabei frisst sie sich vorher genau das Quantum Fett an, das für den Energieaufwand benötigt wird, den diese ungeheure Strecke erfordert.
- Jedes Jahr ziehen etwa 10.000 Jungstörche ohne Elternbegleitung allein über Spanien/Gibraltar oder via Türkei/Israel nach Afrika — und das zum allerersten Mal in ihrem Leben, ohne »Radar« und ohne »Landkartenkenntnisse« — und finden prompt Weg und Ziel.
Da werden wir immer vorsichtiger der Aussage gegenüber: »Ihr seid um vieles vorzüglicher als die Vögel!« Aber ich möchte ja keineswegs das Wort Jesu kritisieren, sondern uns nur zum Nachdenken über das Wort Gottes bringen! —
Nun sollten wir noch Ps. 8 bedenken, den David wohl auf der Flucht vor Saul gedichtet hat, als er in der Wüste Juda unter dem nächtlichen Sternenhimmel seine Probleme überdachte.
»JAHWEH, unser Herr, wie herrlich ist Dein Name auf der ganzen Erde, der Du Deine Majestät gestellt hast über die Himmel. Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hast Du Vollmacht bereitet um Deiner Bedränger willen, um zum Schweigen zu bringen den Feind und den Rachgierigen« (und das ist der Satan als der Verkläger der Brüder; V. 1-2).
Dieser Himmel, den David beschaute, war kein Großstadthimmel, sondern ein Sternenhimmel in jener Klarheit, wie wir sie etwa an der See oder im Hochgebirge finden, wo man noch eine gewaltige Sternenzahl erblickt und dann wie Abraham kapituliert, wenn man wie er die Sterne zählen sollte.
»Wenn ich anschaue Deinen Himmel, Deiner Finger Kunstwerk, den Mond und die Sterne, die Du bereitet hast — was ist der ENOSCH (der vergängliche Erdenmensch), dass Du seiner gedenkst, und der SOHN ADAMS (der Menschensohn), dass Du auf ihn Acht hast?« (V. 3-4).
Das verstehen wir aber — aus naheliegenden Gründen — immer falsch, und zwar in einem objektiven, wissenschaftlichen Sinn: Wenn ich mir die unerhörten Weiten des Universums vors Gemüt führe, die scheinbar unzähligen Sternenwelten und Galaxien, die Millionen an Sonnen und Planetensystemen, von denen heute die Astronomen sprechen (ob es so stimmt, bleibt noch die Frage!); — wenn ich das alles anschaue und bedenke und damit den Menschen vergleiche, der dem Gesetz der Sünde und des Todes unterliegt und ein Mischling aus Geist und Fleisch ist — was ist dann schon dieses Menschlein? Ein Staubkorn, ein Würmlein, ein Nichts! Ist es da nicht vermessen zu glauben, dass ein persönlicher Gott ihn wahrnimmt, ihn beachtet und seiner gedenkt?
Aber so ist es eben nicht gemeint! David steht bewundernd vor der erstaunlichen Tatsache, dass der lebendige Gott dieses vergänglichen Menschleins gedenkt, dass Er sich seiner erinnert, ja, dass Er auf ihn Acht hat. So singen wir zu recht das Lied:
»Herr, habe Acht auf mich und reiß mich kräftiglich
von allen Dingen; denn ein gefesselt Herz
kann sich ja himmelwärts durchaus nicht schwingen!«
Vielmehr müssen wir die Aussage Davids so umschreiben: Was ist denn das Geheimnis dieses vergänglichen Menschen, des Sohnes Adams, dass Du, o Gott, so sehr auf ihn Acht hast, dass Du sogar seine Schritte, seine Tränen und Haare zählst — nicht etwa nur die Sterne! (vgl. Hiob 14, 16; 31, 4; 38, 37; Ps. 56, 8; 147, 4; Matth. 10, 30).
Dann aber wird etwas Erstaunliches von der Hoheit und Würde dieses Menschensohnes gesagt, was sich natürlich am umfassendsten in dem »letzten Adam« Jesus Christus erfüllt, dem Urheber einer neuen Menschheit! Auch Er wurde ja in Seiner Erniedrigung ein »Enosch«, ein Sterblicher und Vergänglicher, der teilgenommen hat am Fleisch und Blut der Brüder:
»Denn ein wenig nur hast Du ihn unter die Engel erniedrigt« — also unter die Geistwesen — »aber mit Herrlichkeit und Pracht hast Du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrscher eingesetzt über die Werke Deiner Hände. Alles hast Du unter Seine Füße gestellt« (V. 5-6).
Es ist das Geheimnis des Menschen, dass er im Bilde Gottes erschaffen wurde, und dies ist mehr als »zum Bilde Gottes« (vgl. 1. Mose 1, 26; 2, 7). Das wird oftmals falsch verstanden, als wären wir ein photographisches Abbild Gottes, und Er sähe so aus wie wir. Wer aber ist dieses »Bild Gottes« (zäläm elohim), in dem wir konzipiert und erschaffen wurden? Nach Kol. 1, 15 ist es Jesus Christus selbst! In IHM sind wir geschaffen als in dem Bauplan Gottes, den Er der Menschenschöpfung unterlegt hat.
Der Herr Jesus wurde einmal von den Pharisäern gefragt, ob man dem Cäsar in Rom Steuern zahlen dürfe, dem obersten Repräsentanten der heidnischen Besatzungsmacht. Der »Test« sollte erbringen, ob Jesus ein Römerknecht oder aber ein militanter Aufrührer wäre. Ihnen antwortete der Herr: Greift doch einmal in eure Tasche, was findet ihr darin? Und da finden sie eine Silbermünze und zeigen sie Ihm. Der Herr aber spricht: Schaut euch doch die Münze an, die ihr täglich gebraucht, welches Prägebild sie trägt! Sie mussten bekennen: das Bildnis des Cäsars Tiberius (bei einem Denar mit der Inschrift: »Tiberius, Cäsar, des göttlichen Augustus Sohn, Oberster Priester«). Wie? Das duldet ihr frommen Juden und tragt es in eurer Tasche herum, die ihr den Kaiser hasst und am liebsten die römische Besatzungsmacht aus dem Lande vertriebet? Dann zieht doch auch die Konsequenzen daraus und gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist – nämlich das Geld, das er schließlich hat prägen lassen; es trägt ja sein Bildnis! Doch dann fährt Jesus fort: »Und gebt Gott, was Gottes ist!« Und das verstehen wir dann manchmal so: »… und was dann nach der Steuerzahlung an Pfennigen noch übrigbleibt, das gebt Gott!« Was ist aber »Gottes«? Was hat Er denn mit Seinem Bildnis geprägt? Wir Menschen tragen das Bildnis Gottes, weil wir in diesem Bilde, Seinem Christus, erschaffen wurden; und darum gehören wir in unserer ganzen Existenz Gott — so wie die Silbermünze dem Cäsar in Rom! Wir tragen das Bild Gottes. —
Und das ist nun wirklich der Vorzug des Menschen vor dem Tiere, wenn wir es von »über der Sonne«, d. h. aus der göttlichen Perspektive, betrachten: Der Mensch hat Geist! Gehirn haben auch die Tiere — merkwürdigerweise haben manche von ihnen sogar eine größere Gehirnmasse als wir, was allerdings noch nichts über die Leistungsfähigkeit aussagt. Doch sind Gehirn und Geist nicht identisch; das Gehirn ist lediglich das Medium, der Computer des Geistes. Doch nützt ein Computer ohne Programmierung, ohne »Software« überhaupt nichts. »Es ist der Geist, der sich den Körper baut.«
Mit dem Geiste verbunden ist unser personales Ichbewusstsein. Wir wissen, wer wir sind; anders als die Tiere wissen wir um unsere Vergangenheit, sind uns der flüchtigen Gegenwart bewusst und fürchten uns vor unserer Zukunft. So sind nur wir Menschen »durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen«, wenn wir nicht im lebendigen Glauben stehen (Hebr. 2, 15).
Woher kommt das Wissen um unsere personale Identität? Es ist Ihnen sicher bekannt, dass alle Zellen unseres Körpers sich spätestens alle sieben Jahre erneuern; wenn ich also heute vor Ihnen stehe, dann habe ich nichts mehr gemeinsam mit dem Kinde, das ich einmal gewesen bin; aber dies stimmt nicht ganz, weil unsere Gehirn- und Nervenzellen von unserer Geburt bis zum Tode die gleichen bleiben; in ihnen wird aber durch chemische »Engramme« unser Gedächtnis gespeichert. Darum wissen wir, wer wir sind; darum ist uns auch die Vergangenheit stets gegenwärtig, weil Gott »das Verdrängte« wieder »hervorholt«, wie es in Pred. 3, 15 heißt. Und wenn dereinst im Gericht vor Seinem Thron »die Bücher« aufgetan werden, so werden wir nicht sagen können: »Von wem, o Gott, redest Du denn?« Es sind ja keine ledernen oder papierenen Buchrollen, in denen alles gezählt und verzeichnet ist – sogar jedes Wort, das wir jemals gesprochen und jeder Gedanke, den wir je gedacht haben; so ist auch in unserem Gehirn alles gespeichert, auch wenn wir es zeitweilig vergessen oder im Unterbewusstsein »eingepackt« und »ausgelagert« haben! Weiter haben wir Menschen das kostbare Geschenk der Sprache; und dies sind nicht nur Lock-, Warn-, Aggressions- und Sexualrufe wie bei den Fischen, Vögeln und Landtieren, oder irgendwelche Alarmsignale wie bei Vögeln und Murmeltieren, oder aber Signalsprachen wie bei Bienen und Ameisen; das sind allesamt nur kümmerliche »Sprachen« zur physischen Orientierung. Nein, wir Menschen haben eine überaus reiche Sprache, mit der wir Gott anbeten und Sein Wort ergründen und verkündigen können; so ist es ein endzeitlicher Trick des Teufels, wenn er die Glieder der Christusgemeinde heutigentags herunterschrauben möchte auf »400 Wörter Bildzeitungssprache«, von denen dann noch viele Gassenausdrücke oder englische Lehnwörter sind. Unsere Jugend wird, wenn es in diesem Verfallstempo weitergeht, das Wort Gottes, das ja einen Ausdrucksreichtum ohnegleichen hat, kaum noch verstehen. Selbst die jungen Computerfachleute in den Gemeinden sagen schon: »Das ist mir alles zu schwer!«, und: »Wenn ich in die Gemeinde komme, möchte ich relaxen!« Manche Verlage haben sich darauf eingestellt und geben die Bibel in Romanform oder in modernem »Umgangsdeutsch« oder als »Comic-Bibel« heraus. Die Finsternis führt heute einen Sturmangriff auf das Wort Gottes durch und tut alles, um es irgendwie zu entkräften oder gar lächerlich zu machen! Der Feind Gottes hat auch in unserer Zeit eine mächtige Strategie. Übrigens: Das Wissen um Anfang und Ende, um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, das Wissen um einen Schöpfer und Richter, um Schuld und Sühne schafft das Ge-wissen.
Zu diesem wunderbaren Computer unseres Gehirns möchte ich aus einem Büchlein von Prof. Werner Gitt zitieren (»Schöpfung oder Evolution«):
»Unvergleichlich viel komplizierter ist das Leben. Allein das menschliche Gehirn stellt eine so komplizierte Schaltung dar, wie sie in keinem noch so modernen Computer anzutreffen ist. Die Grundeinheit aller Denk- und Gedächtnisleistungen des menschlichen Gehirns ist die Nervenzelle, das Neuron. Es gibt etwa 10 Milliarden Neuronen in unserem Hirn, wovon jedes Neuron etwa 10.000 Verbindungen (Synapsen) zu anderen Neuronen trägt« (also: 10.000.000.000 x 10.000!). »Ein menschliches Gehirn vermag … 10 Billionen Bits zu speichern. Die letztere Kapazität entspricht der 800.000-fachen des Arbeitsspeichers heutiger moderner Großrechenanlagen. So schreibt Wilder-Smith: ›Zu meinen, dass eine derart komplexe sprachanalytische Maschine wie das menschliche Hirn durch Zufall nach den Prinzipien des Neodarwinismus‹ (also: der Evolutionstheorie) ›entstand, ist informationstheoretisch absolut untragbar!‹«
So liegt in dem »Computer« unseres Gehirns ein ungeheures ungenutztes Potential! Dieses hat der Schöpfer vorzüglich durch den Schäelknochen geschützt; und Geistesmenschen, die in den Gedanken Gottes denken, schützen es geistlicherweise durch einen Schutzhelm, den »Helm der Heilshoffnung« (1. Thess. 5, 8). — Und dennoch ist der Geist, mit dem uns Gott begabt hat, mehr als sein Medium, das Gehirn.
In Sach. 12, 1 wird das prophetische Kapitel vom Endkampf der arabischen Völkerschaften gegen Jerusalem mit den Worten eingeleitet: »Ausspruch des Wortes JAHWEHs über Israel: Es spricht JAHWEH, der den Himmel ausspannt« (also die kosmischen Weiten von Raum und Zeit) »und der die Erde gründet und des Menschen Geist in seinem Inneren bildet« – nach Ps. 139 im embryonalen Werden nach der Zeugung eines Menschen.
Der Mensch — zwischen TIER und ENGEL. Ich möchte Ihnen dazu noch Mark. 1, 12-13 lesen, weil es für unser Thema so bezeichnend ist. Markus berichtet von der Versuchung des »letzten Adam« durch Satan, der durch seine Menschwerdung »niedriger als die Engel geworden ist«. Nach dem Zeugnis Gottes bei der »Solidaritätstaufe« Jesu – »Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe« — heißt es weiter: »Und sofort treibt der Geist Ihn in die Wüste hinaus« (Matth. 4, 1 fügt hinzu: »… damit Er dort von dem Teufel versucht würde«). Dies war die erste Handlung des Heiligen Geistes an dem letzten Adam, dem Sohne Gottes, damit Er in der Versuchung den Gehorsam erwiese. Weiter heißt es: »Und Er war 40 Tage in der Wüste und wurde von dem Satan versucht; und Er war unter den wilden Tieren, und die Engel Gottes dienten Ihm«.
So sehen wir den letzten Adam, der zwischen TIEREN und ENGELN steht und von SATAN versucht wird. Dies ist genau auch unsere Position, die wir den Geist in uns tragen mit allen geistbegabten Wesen, doch auch das Fleisch und den Bauplan der Tiere; auch wir stehen als »Söhne Adams« zwischen Tier und Engel und werden vom Teufel versucht.
Welche Bandbreite, welches Spektrum ist uns hiermit eröffnet! Der Mensch kann ein Hitler oder Stalin sein, die beide ungezählte Millionen anderer Menschen in den Tod trieben, und er kann — wie der falsche Messias, der Sohn des Verderbens und des Verderbers — zur endzeitlichen »Bestie« werden. Dabei ist die Bestie Mensch weit gefährlicher als jedes normale Raubtier! Dieses schlägt nur die Tiere, die zur Existenzsicherung für sich und seine Jungen dringend notwendig sind. Normalerweise kennt kein Tier auf Erden — mit wenigen Ausnahmen — Kannibalismus, Mord um des Mordes willen. Dies kennt nur die Bestie Mensch, die Millionen Mitmenschen quälen, foltern, ausrotten kann. Es ist geradezu eine Beleidigung der Tiere, wenn man solche Zeitgenossen »Tier« nennt. In 2. Petr. 2, 12 heißt es von den »Eigenmächtigen, welche nicht erzittern und die Herrlichkeiten lästern«: »Diese aber sind wie unvernünftige natürliche Tiere, geschaffen zum Fang und zum Verderben, weil sie über Dinge lästern, die sie nicht kennen!« Dem fügt Jud. 10 hinzu: »Was irgend sie aber von Natur aus wie die unvernünftigen Tiere verstehen, darin verderben sie sich!«
Auf der anderen Seite des Spektrums steht Stephanus, von dem unmittelbar vor seinem Märtyrertod bezeugt wurde, sein Angesicht habe geleuchtet »wie eines Engels Angesicht«. Denken wir nur an die vielen Wohltäter der Menschheit, die sich selbst für andere eingesetzt, aufgeopfert, ja, stellvertretend geopfert haben, und die Elenden und Leidenden gegenüber wirklich wie »Engel auf Erden« waren!
So stehen auch wir in der Mitte zwischen Tier und Engel und haben Entfaltungsmöglichkeiten nach beiden Seiten. Aber wir können noch weit über diesen Stand hinauswachsen und dem Sohne Gottes gleich werden, der uns durch Seinen Heiligen Geist Tag für Tag nach Seinem Bilde und Bauplan erneuert! —
Ich stelle nun noch einmal die Frage: Wer hat denn nun Recht? Salomo, weicher sagte: »Da ist kein Vorzug des Menschen vor dem Tiere« — unter der Sonne betrachtet —, oder der Herr Jesus, der, die Wirklichkeit Gottes über der Sonne schauend, bezeugte: »Ihr seid vorzüglicher als die Vögel«, ja, als die Tiere? Die Frage beantwortet sich von selbst, denn es gibt keinen echten Widerspruch zwischen beiden »Standpunkten«, die sich — von ihrer jeweiligen Warte aus — gegenseitig ergänzen!
Die Flamme des Geistes, die den Adam vor seinem Fall durchleuchtete und alle »Kammern seines Leibes«, alle seine Organe und Zellen durchforscht (Spr. 10, 27), ist durch den Sündenfall fast gänzlich erloschen; aber es ist noch »ein glimmender Docht« geblieben; die Propheten bezeugen von dem kommenden Messias, dass Er diesen letzten Geistesfunken nicht auslöschen werde (Jes. 42, 3). Darum kann Christus als das wahrhaftige Licht jeden Menschen erleuchten, der in die Welt kommt (Joh. 1, 9), und Gott kann in 4. Mos. 16, 22 »der Gott der Geister allen Fleisches« genannt werden.
Nun will Er durch Seinen Geist den glimmenden Docht wieder anfachen zu einer hellen, leuchtenden Flamme, weshalb Paulus Timotheus anweist: »Fache an die Gnadengabe, die durch den Heiligen Geist in dir ist« (2. Tim. 1, 6)! So verstehen wir auch das rätselhafte Wort in Mal. 2, 15, wo es heißt: »Sein war der Überrest des Geistes«! Was aber »wollte der EINE« mit diesem Überrest des Geistes und mit der dort besprochenen Institution der Ehe? Er »suchte einen Samen Gottes« und ließ darum aus der Väterreihe Israels, aus Juda und dem Samen Davids, den Messias kommen. Zu diesem »Samen Gottes« gehören auch wir, wenn wir als Erstlinge der ganzen Kreatur und Schöpfung durch den Geist und durch das Wort Gottes zum Leben gezeugt worden sind. Nunmehr tragen wir nicht mehr nur den Funken des Geistes Adams in uns, nicht mehr nur den geschöpflichen Geist, der uns über die Tiere erhebt, sondern den Heiligen Geist als die Wirklichkeit aller Wirklichkeiten!
Nun kann unser Fleischesleib ein »Tempel des Heiligen Geistes« sein. Darum gilt: »Wehe dem, der den Tempel Gottes verdirbt, ihn wird Gott verderben« (1. Kor. 3, 17).
In Jes. 57, 15-16 steht ein feines Gotteswort über das »Allerheiligste« unserer menschlichen Existenz:
»Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum« (des unzugänglichen Lichtes), »und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist; um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen. Denn ich will nicht ewiglich rechten und nicht auf immerdar ergrimmt sein; denn der Geist würde ja vor mir verschmachten und die Seelen, die ich ja geschaffen habe!«
Allein dieses Wort genügt, dass wir nicht von unendlichen Gerichten sprechen, ohne eigentlich zu wissen, was wir da sagen, denn »ewig« (äonisch) ist nicht »unendlich«!
Wir erfahren auch aus unserer Textstelle, dass unser menschlicher Geist der Raum der Neuzeugung und Wiedergeburt ist, denn »der Geist bezeugt zusammen mit unserem Geiste, dass wir Kinder Gottes sind« (Röm. 8, 16). —
So dürfen wir es glauben: Kein Sperling fällt vom Dache herab ohne die Bewilligung Gottes, kein Haar fällt von unserem Haupt ohne Seine Zustimmung! Oder meinen wir, dies seien im Munde Jesu lediglich orientalische Übertreibungen?
Wenn wir dieses Geheimnis wie David betrachten, im Spannungsbogen zwischen dem sterblichen Menschen und dem planenden Willen Gottes, der seiner gedenkt, dann müssen wir bekennen: Wenn das Größte dem planenden Willen Gottes untersteht, dann auch das Geringste; so wie Er die Weltgeschichte gestaltet und sie umwandelt zur Heilsgeschichte, so gestaltet Er auch die Geschichte unseres kleinen Lebens, unsere Biographie! Er will eine Lebensgeschichte ausgestalten, die Seiner Geistesführung untersteht und Seiner heiligen Erziehung entspricht. »Die Entwürfe des Herzens sind des Menschen Sache, aber die Antwort der Zunge kommt von JAHWEH« (Spr. 16, 1); »Das Herz des Menschen erdenkt seinen Weg, aber JAHWEH lenkt seine Schritte« (Spr. 16, 9); »Viele Gedanken sind im Herzen eines Mannes, aber der Ratschluss JAHWHs, er kommt zustande« (Spr. 19, 21)!
Wir sollten in diesem Zusammenhang auch bedenken, was der Herr in Matth. 5, 17-18 bezeugt — dass nämlich kein JOTA im Worte Gottes, ja, noch nicht einmal die Buchstabenverzierungen (taanim) jemals vergehen würden, ehe sie erfüllt sind. Das dürfen wir getrost glauben! Das JOTA — der kleinste Buchstabe des hebräischen Alphabets — bedeutet: die Schwurhand. So weist er hin auf den Gott, der Seine Verheißungen bei sich selbst und in Seinem Sohn beschworen hat. Von den »taanim«, den »Krönchen« auf manchen hebräischen Buchstaben weiß man bis heute noch nicht, was sie im Sinne Jesu bedeuten sollen.
Man schmäht uns oft, dass wir an die volle göttliche Inspiration Seines Wortes glauben, doch der Herr Jesus hatte eine Inspirationsauffassung, hinter der wir uns noch verstecken müssen! —
Der Herr hat gesagt: Ihr seid vorzüglicher als die Vögel, als die Schafe, die Tiere! — Was ist aber das Vorzüglichere der Kinder Gottes, das weit hinausgeht über den Vorzug des Menschen vor dem Tiere?
Es ist zum einen der Vorzug, dass wir als Erstlinge Seiner Schöpfung den Heiligen Geist in uns tragen; sodann haben wir nach Röm. 8, 28 den Vorzug, dass der Vater uns, die wir nach Seinem Vorsatz berufen wurden und Ihn lieben, alles zum Guten angeordnet hat und zusammenwirken lässt; so ist unser Leben eine göttliche Heilsverfügung, damit in uns jenes »Gute« bewirkt wird, dass das Bild des Erstgeborenen der Brüder in uns als den Nachgeborenen ausgestaltet wird (V. 29).
Dies gibt den Glaubenden nicht nur einen Vorzug vor den Tieren, sondern vor allen Engeln, Gewalten und Fürstentümern in der unsichtbaren Welt. Darum begehren sie ja hineinzuschauen in das Geheimnis des Gnadenevangeliums, mit dem wir heute bedient werden — sie, die ausgesandt sind als Diakonen und Liturgen im Dienste derer, welche die Errettung ererben sollen (1. Petr. 1, 12; Hebr. 1, 14). Hat doch Gott sündige Menschen als »die Letzten« erwählt, damit sie zu »Ersten« würden, und lässt die »Ersten« Seiner Geschöpfe warten, bis sie schließlich als »Letzte« Einsicht in die Gnade erlangen! Wenn jene Mächte in der Anbetung Gottes »Heilig, heilig, heilig ist JAHWEH der Heerscharen!« rufen (Jes. 6, 3), so schließen wir uns ihnen gewisslich darin an; aber mehr als ihnen ist uns bereitet: Wir »dürfen dem ins Herze schauen, der uns so geliebet hat« und dürfen, getrieben vom Heiligen Geiste, rufen: »Abba, lieber Vater!« Der Geist macht uns das Wesen des Vaters offenbar und verherrlicht den Sohn.
Jene Geistermächte sind uns ja intelligenzmäßig und wirkungsmächtig weit überlegen und haben sogar Zugang zu unerschaffenen Dimensionen des Lichtes, die uns verschlossen sind; sie sind Mächte des Ratschlusses Gottes, welche die Schöpfung, die Weltgeschichte und das Weltgericht verwalten und gestalten, wir aber stehen unter dem Wohlgefallen Gottes in Christo Jesu; denn Er hat uns »angenehm gemacht« in Seinem geliebten Sohn (Eph. 1, 6).
Und so stehen wir im Zenith der Erlösung; und wie der Sohn einen vorzüglicheren Namen als die Engel erlangt hat, so nehmen wir an Seiner Würde teil und sitzen jetzt schon im Geiste über allen Fürstentümern, Mächten und Gewalten (Eph. 2, 6). —
Einmal werden auch die Tiere aus der Sklaverei der Vergänglichkeit befreit und hoch erhoben; auf einer Vorstufe der göttlichen Reichsvollendung werden »auf dem heiligen Gebirge« Judäa Wolf und Lamm, Kuh und Bärin gemeinsam weiden; der Löwe wird Stroh fressen, und die giftlose Natter wird zur Spielgefährtin kleiner Kinder (Jes. 11, 6-10). Weil der gerechte Gott »die Seele Seines Viehs erkennt«, während das Gemüt des Gesetzlosen auch in dieser Hinsicht grausam ist (Spr. 12, 10), erbarmt Er sich der Tiere (Jona 4, 9-11), ja, Er »errettet Menschen und Vieh«, auch wenn Seine Gerichte »eine große Tiefe« offenbaren (Ps. 36, 6-8)!
Weit darüber hinaus aber greift das Ziel Gottes für die neue Erde und Welt, wenn mit der gesamten Schöpfung auch die Kreatur »erhoben wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Söhne Gottes«, wonach sie sich »mit vorgerecktem Haupte« jetzt schon sehnt (Röm. 8, 18-23)! Wie werden die Tiere dann — endlich auch mit Geist begabt — gestaltet sein? Vielleicht wie jene Repräsentanten der Schöpfung in der unsichtbaren Welt, die wir Cheruben nennen, und die das Antlitz des Menschen, des Stiers, des Adlers und des Löwen tragen und in einer hochorganisierten Geistesfreiheit und Herrlichkeit leben? —
Vielleicht durfte uns auch dieser Einblick in einen Teilbereich der Offenbarung dazu dienen, dass wir nachsinnen über das Erbteil, das uns in Christo Jesu erschlossen ist!
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»Der Mensch ist der König der Schöpfung, das einzigartige Geschöpf, in dem sich die Weltschöpfung vollendet« (Heim). »Der Mensch ist bestimmt, diejenige Stelle in der Schöpfung zu sein, an der Widerspiegelung der göttlichen Liebe stattfindet« (Gollwitzer). »Wohl ist die Menschheit zu einem ›verlorenen Sohn‹ geworden. Aber die Möglichkeit, durch Erlösung ein ›wiedergefundener Sohn‹ zu werden, hat sie unverlierbar in die Fremde mitgenommen« (Kroeker). — Aus: »Was ist der Mensch und was ist seine Bestimmung?« von Heinz Schumacher; Paulus-Verteilheft Nr. 20.
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 2/2000; Paulus-Verlag; Heilbronn)


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