Christus — Der Felsen Israels
Autor: Jugel, Wolfgang | Kategorie(n): Biblische Symbolik, Das prophetische Wort, Erkenntnis & Wesen Gottes, Israel | 392 x gelesen»Fels der Ewigkeiten, Welten durch dich steh’n,
Fels im Meer der Zeiten, Hort im Sturmesweh’n,
Fels, der in den Gluten öder Wüste hier
sprudelt Lebensfluten, Fels, dich preisen wir!«
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir mit einer Jugendgruppe der Methodistenkirche die altehrwürdige Halle der Blankenburger Allianzkonferenzen besuchten und dort dieses Lied von Georg von Viebahn sangen. Über diesen Felsen Israels wollen wir nachdenken, den jüdische Menschen auch im Gebet nennen: »Der FELS — hochgelobt sei sein Name!« Denn der FELS ist JAHWEH selbst, der HERR, der EWIGE. So endet auch die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel vom 14. Mai 1948 mit der Formel: Im Vertrauen auf den FELSEN ISRAELS setzen wir unsere Namen zum Zeugnis unter diese Erklärung …«
Dazu lese ich eingangs 1. Kor. 10, 1-4: »Denn ich will nicht, daß ihr Unwissende seid, Brüder, darüber, daß unsere Väter alle unter der WOLKE waren (das heißt, unter der Lichts- und Herrlichkeitswolke der Gegenwart JAHWEHs), und daß sie alle durch das MEER hindurchgegangen sind, und daß sie alle getauft wurden in der WOLKE und in dem MEER; und daß sie alle dieselbe geistliche SPEISE aßen und alle denselben geistlichen TRANK tranken, denn sie tranken aus einem geistlichen FELSEN, der sie begleitete« (oder: der mit ihnen wanderte).
Eine merkwürdige Aussage, die jemanden auf die Idee bringen könnte, mit Israel sei ein Felsen durch die Wüste gezogen!
Geistliche SPEISE — geistlicher TRANK — ein geistlicher FELSEN!
Aber zunächst einmal war dieses Manna eine wirkliche Speise für die Hungernden, der Felsen war ein realer Steinfelsen, und die Wasserströme aus dem Felsen erbrachten trinkbares Wasser.
Der Apostel Paulus aber will sagen, daß über die irdisch-natürliche Bedeutung hinaus das sättigende Manna, der Trank frischen Wassers und der wasserspendende Felsen eine »geistliche«, eine symbolisch-prophetische Bedeutung haben.
Er sieht eine vorbildliche Darstellung des wahren Lebensbrotes Gottes, des Christus, ferner der Lebensströme des göttlichen Geistes und des »Felsens«, der den Geist spendet, und das ist JAHWEH selbst, der Christus Gottes. Darum fährt er fort: »Der FELS aber, der Israel begleitete, war der MESSIAS« (der Christus).
Dies ist eine klare Aussage darüber, dass JAHWEH in den Zeugnissen des Alten Bundes der Sohn Gottes, als der »Gott und Heilige Israels«, war; in Ihm war der Name des Vaters, und Er machte Ihn als Mittler offenbar.
Wer das beim Lesen der Schrift nicht beachtet, verstrickt sich in unlösbare Widersprüche. Es war nicht der Vater selbst, der Israel geleitete, und der mit Moses wie mit einem Freunde sprach, sondern der Sohn als der Repräsentant Gottes. Denn »Gott hat niemals jemand gesehen, und Er wohnt in einem unzugänglichen Licht« (1. Tim. 6, 16).
Darum sind die Berichte von jenem FELSEN von solch großer geistlichprophetisch-symbolischer Bedeutung; sie weisen hin auf den Christus, der ja selbst »der FELS der Ewigkeiten« ist (Jes. 26, 4).
In der Furcht, den Gottesnamen zu entheiligen, sprechen die Juden den Namen JAHWEH nicht aus, sondern umschreiben ihn mit ADONAI (= Herr) oder mit »der EWIGE«.
Nur einmal im Jahre durfte der hochheilige Name »ausgerufen« werden: Wenn zum Großen Versöhnungstage (Jom Kippur) der Hohepriester ins Allerheiligste ging, und wenn er nach vollbrachter Versöhnung wieder von dort herauskam, um segnend »den NAMEN« auf die Söhne Israels zu legen.
Eine von den Umschreibungen des hochheiligen Namens ist nun der FELSEN. »DER FELSEN« bedeutet also nichts anderes als: JAHWEH, der Ewige, der »Ich-bin-der-ich-bin!« (2. Mose 3, 14).
Und wenn es in 1. Kor. 10, 4 heißt: »Der FELS, der mit ihnen zog, war der CHRISTUS«, so will dies etwas für jüdische Ohren Ungeheuerliches sagen: Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, der Gott und Heilige Israels, war und ist selbst JAHWEH, der den Namen des Vaters trägt.
In 5. Mose 32, 15.18 wird Er als der »FELSEN der Rettung«, der »Israel gezeugt hat« genannt, der im Gegensatz zu »den Felsen« steht, zu den »Göttern« und Mächten, Fürstentümern und Gewaltigen in der unsichtbaren Welt.
In diesem Liede des Mose steht ein wunderbares Wort über diesen »Felsen Israels«: »Horchet, ihr Himmel, und ich will reden, und die Erde höre die Worte meines Mundes! Es träufle wie Regen meine Lehre, es fließe wie Tau meine Rede, wie Regenschauer auf das Gras und wie Regengüsse auf das Kraut« (V. 1-2).
Und nun hat Moses eine ganz bestimmte Absicht: »Denn den Namen JAHWEH will ich ausrufen, gebet Majestät unserem Gott!« (V. 3).
Solches Ausrufen und Anrufen des NAMENS ist überaus wichtig; so haben die Apostel »im Namen Christi« der Finsternis geboten und »im Namen Jesu Christi« Kranke geheilt und Gottes Wort verkündigt. Sie taten es nicht, indem sie sich auf »das deckende Blut« beriefen, wie man es so oft empfiehlt. Das Blut des Gotteslammes ist die Grundlage der Versöhnung und des Loskaufs von der Vollmacht finsterer Mächte; aber das ganze Christuswerk wird dargeboten durch den »NAMEN Jesu Christi«. In diesem ist das Heil, und er ist der starke, bergende Turm (Apg. 4, 12; Spr. 18, 10). Sein »Name ist ausgegossenes Salböl« (Hohel. 1, 3).
So dürfen auch wir immer wieder durch Jesus den Namen des Vaters ausrufen und erheben, — Ihn preisen als den »Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus«, als den »Vater aller Vaterschaften«, als den »Gott des Friedens und der Hoffnung«, — aber auch den Namen des Sohnes, der von sich selbst gesagt hat: »Ich bin, der ich bin — der Weg, die Wahrheit und das Leben« (Joh. 14, 6).
Und nun ruft Moses in seinem Liede den Namen JAHWEH aus: »DER FELS — vollkommen ist Sein Tun; denn alle Seine Wege sind recht (oder: Berichtigung, Gericht), ein Gott der Treue und ohne Betrug, gerecht und gerade ist ER!« (V. 4).
Ja, Er ist ein Gott der Treue, oder, wie es eigentlich heißt: »Ein Gott des Amen« (vgl. Jes. 65, 16; 2. Kor. 1, 20; Offb. 3, 14).
Und wenn nur eines als wertbeständig von unserem Leben im Glauben übrigbliebe, dann möge es doch sein, dass wir solches bis zum letzten Atemzuge rühmen könnten, so wie es auch der greise Mose tat — vor allen finsteren Mächten, die im Kampfe mit dem Christus und Seiner Gemeinde liegen; daß wir auch, wenn wir durch vielerlei Nöte, Anfechtungen und Todestäler, Leiden und Krankheiten zu gehen haben, nicht mit dem Vater hadern, sondern Ihm danken »allezeit und für alles im Namen Jesu Christi«. Dies ist ja einer der praktischen Wege zur Erfüllung mit dem Geist, — und nicht spektakuläre Visionen und Wunderzeichen, — wozu auch gehört, daß wir uns in der Gemeinde Christi »einander unterordnen in der Furcht Christi« (Eph. 5, 21).
Ja, wir dürfen es auch einmal persönlich so sagen: »Du bist ein Gott der Treue und ohne Betrug, gerecht und gerade bist Du! Auch in Deinem Handeln mit mir ist Dein Weg vollkommen und gerecht!«
Der Christus ist der FELSEN, ist JAHWEH.
Dies bestätigt auch die »göttliche Mathematik« in den heiligen Schriften, in den Wortsummen und Zahlwerten der hebräischen oder griechischen Grundtextwörter:
Der Zahlwert des hebräischen Wortes »tsur« (Felsen) ist 296. So wundern wir uns nicht, daß der Zahlwert des Wortes »CHRISTUS« 5×296 ist; der Zahlwert des Namens JESUS 3×296; der Zahlwert des Begriffes MENSCHENSOHN 10×296. Ja, Er ist der Felsen, das bezeugt uns auch die Mathematik Seines heiligen Wortes! Er ist JAHWEH, Er ist der Ewige. Wundern wir uns noch, daß »die Juden Steine aufhoben«, um Ihn zu steinigen, wenn Er solche »ICH BIN der ICH BIN Worte« sprach (Joh. 8, 59)?
Und nun wollen wir den ersten Bericht über den wasserspendenden FELSEN lesen. Das aus dem FELSEN strömende Wasser ist ja, wie wir schon sahen, der Zufluß des Lebens aus dem Heiligtum Gottes, die Erquickung aus dem unzugänglichen Licht der Gotteswelt, die Erfrischung und Belebung durch den Heiligen Geist. Wir schlagen auf 2. Mose 17, 1-7:
»Und die ganze Gemeinde der Kinder Israel brach auf aus der Wüste SIN nach ihren Panieren gemäß dem Befehl JAHWEHS, und sie lagerten sich zu REPHIDIM (= Stützen, Ruhe, Lagerplätze; SIN = Morast, Kot, Schlamm). Da war kein Wasser zum Trinken für das Volk. Und das Volk haderte mit MOSE, und sie sprachen: Gebet uns Wasser, daß wir trinken! Und MOSE sprach zu ihnen: Was hadert ihr mit mir? Warum versuchet (erprobet) ihr JAHWEH? Und das Volk dürstete daselbst nach Wasser, und das Volk murrte gegen MOSE und sprach: Warum doch hast du uns aus Ägypten heraufgeführt, um mich und meine Kinder und mein Vieh vor Durst sterben zu lassen? — Da schrie MOSE zu JAHWEH (d. i. zu dem Christus): Was soll ich mit diesem Volk tun? Noch ein wenig, und sie steinigen mich!«
Da steht nun dieser treue Gottesmann und Glaubenskämpfer scheinbar ganz allein, — er, der Israel in großer Geduld getragen hat, wie es der Hebräerbrief ihm bezeugt, daß er »treu in seinem ganzen Hause gewesen sei« (3, 5); und es gibt nur einen, der ihn an Treue überragt, und das ist der Christus, der sich eine Behausung Gottes im Geiste aus lebendigen Steinen erbaut (Hebr. 3, 6).
»Und JAHWEH sprach zu MOSE: Gehe hin vor dem Volke und nimm mit dir von den Ältesten Israels; und deinen Stab, womit du den Strom geschlagen hast, nimm in deine Hand und gehe hin! Siehe! Ich will dort vor dir stehen auf dem Felsen am HOREB!«
Der wesenhafte Felsen Israels, JAHWEH selbst, der Sohn Gottes, steht auf dem abbildhaften, buchstäblichen Steinfelsen: Der FELSEN — auf dem Felsen!
»Und du sollst den FELSEN schlagen, und es wird Wasser aus ihm hervorströmen, damit das Volk trinke. Und MOSE handelte also vor den Augen der Ältesten Israels. Und er gab dem Orte den Namen MASSA und MERIBA (Zank und Streit; so müßte auch mancher Ort in der Gemeinde Jesu genannt werden!) wegen des Haderns der Kinder Israel, und weil sie JAHWEH versucht hatten, indem sie sagten: Ist denn nun JAHWEH in unserer Mitte — oder nicht?!«
Indem sie Zeichen und Wunder fordern, versuchen sie den Christus! Eine solche »Beschwörung« des Handelns Gottes ist also nicht die Haltung eines besonders kühnen Glaubens, sondern vielmehr des Unglaubens! Im übrigen entquoll dem Felsen nicht eine kümmerliche Quelle, denn von diesem Wasser tranken etwa drei Millionen Menschen mit ihrem Vieh. Das müssen also »Wasserströme« gewesen sein!
Auch in der Christusgemeinde dürfen wir sagen: Der Heilige Geist wird uns nicht in »Tröpflein« gesandt, so wie wir singen: »Herr, ich hör’ von gnäd’gen Regen, die Du ausgießt mildiglich, Regen, die das Land bewegen: Sende Tropfen auch auf mich!«
Wenn wir bedenken, wie viele Millionen lebendiger Gotteskinder schon in der Kraft dieses Geistes auf Erden gelebt haben, dann dürfen wir sagen, daß Ströme des Geistes der Gesamtgemeinde Christi zufließen! Israel hat sich an das Geschehen der Wasserströme aus dem Felsen immer wieder erinnert. Denken wir nur an Ps. 78, 15: »ER spaltete Felsen in der Wüste und tränkte sie reichlich mit Fluten aus der Tiefe!« Und in Ps. 105, 41-42 heißt es: »ER öffnete den Felsen, und es flossen Wasser heraus. Sie liefen in die wüsten Örter wie ein Strom, denn Er gedachte Seines heiligen Wortes«.
Trotz der Untreue und des Murrens Israels gibt der treue Gott Ströme frischen und lebendigen Wassers.
Nun war MOSES ein Gottesprophet, nicht nur durch seine Worte und Schriften, sondern auch durch prophetische Handlungen; neben der Wortprophetie kennt die Heilige Schrift auch darstellende Tat- und Handlungsprophetie; und dies finden wir auch in dem ersten Bericht von der Wasserspende aus dem Felsen. Nach Gottes Weisung schlug MOSES den Felsen, damit aus ihm Ströme lebendigen Wassers hervorströmen sollten. Worauf soll uns das hinweisen? Wenn wir an den wahren Felsen, an Jesus, den Messias denken, so werden wir gewiß an das Passionslied von Paul Gerhardt erinnert:
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»Wer hat Dich so geschlagen, mein Heil, und Dich mit Plagen so übel zugericht’? Du bist ja nicht ein Sünder, wie wir und unsre Kinder von Übeltaten weißt DU nicht!« |
»Ich, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer, die haben Dir erreget das Elend, das Dich schläget und das betrübte Marterheer!« |
Das ist gewißlich wahr!
Aber MOSES, der den Felsen schlägt, ist auch ein Handlungsbild für die christusfeindlichen Führer Israels, die durch die Hand der Römer Jesus ans Kreuz schlugen. Dazu zwei Worte aus der Apostelgeschichte: »Diesen, übergeben nach dem bestimmten Ratschluß und nach Vorsatz Gottes, habt ihr — durch die Hand von Gesetzlosen — angenagelt und umgebracht!« (Apg. 2, 23). Und Apg. 3, 17-18, aus der zweiten Pfingstrede des Apostels Petrus: »Und jetzt, Brüder, ich weiß, daß ihr in Unwissenheit gehandelt habt, gleichwie auch eure Obersten. Gott aber hat auf diese Weise erfüllt, was Er durch den Mund aller Propheten schon im voraus verkündigt hat: daß Sein Messias leiden sollte!«
Es war also Gottes Plan, der durch das Geschlagenwerden des Felsens, durch die Kreuzigung Christi, erfüllt werden sollte.
Also: Die Führerschaft Israels, Kaiphas mit dem Hohen Synedrium, hat Jesus an den Pfahl angenagelt, hat den Felsen geschlagen.
Wer aber war im tiefsten Grunde der Verantwortliche für das »Geschlagenwerden des Felsens«? Dies war der lebendige Gott selbst, der nach Jes. 53, 4 u. 10 Seinen Sohn geschlagen und die Strafe für die Sünden einer ganzen Welt auf Ihn gelegt hat, damit wir Frieden hätten, und damit Ströme lebendigen Wassers, Zuflüsse des Heiligen Geistes, durch Ihn und aus Ihm und von Seinem Leibe in die Welt fließen könnten!
Das sollten wir recht bedenken, was ja die Kirche so sehr übersehen hat, wenn sie von der Schuld der Juden als von »Christusmördern« sprach und dies zu einem Grund der Judenverfolgung werden ließ.
Ich möchte an das kostbare Wort aus Joh. 3, 16 erinnern: »So sehr hat Gott den Kosmos geliebt, daß ER Seinen einziggeborenen Sohn dahingab (preisgab, auslieferte, überlieferte), damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben!«
Es ist bemerkenswert, daß in diesem Text das gleiche Grundtextwort verwendet wird, das von der »Auslieferung Jesu« durch Judas in die Hände der Christusfeinde gebraucht wird. Der Vater hat letztlich Seinen Sohn preisgegeben und ausgeliefert in die Vollmacht Seiner finsteren Feinde. Der Herr selbst hat es gesagt: »Dies ist eure Stunde und die Stunde der Gewalt (Vollmacht, Autorität, Rechtsbefugnis) der Finsternis« (Luk. 22, 53).
»Wer hat Dich so geschlagen?« fragt der Liederdichter. Es war letzten Endes der lebendige Gott selbst, der Vater unseres Herrn Jesus Christus. So war MOSES auch ein Handlungsprophet, der durch sein Tun Gott den Vater darstellte, indem er den Felsen schlug.
Nun wurde durch das Kreuz und vom Kreuze herab zu Pfingsten erstmals das Heil eröffnet, erstmals für Israel als »Frühregen des Heiligen Geistes«. Aus dem Felsen ließ Gott Ströme des Geistes hervorbrechen für das Volk. An diesem Feste Schabuoth (Pfingsten) gedenkt ja Israel der Gesetzgebung Gottes auf dem Berge Sinai, wo Gott es zum Volke des Eigentums erwählte, damit sie alle Könige und Priester würden.
Im Gedenken an dieses Geschehen singen wir das schöne Heilslied:
»Fels des Heils, geöffnet mir,
birg mich, ew’ger Gott, in Dir;
laß das Wasser und das Blut,
Deiner Seite heil’ge Flut,
mir das Heil sein, das frei macht
von der Sünde Schuld und Macht!«
Am denkwürdigen Tage des Laubhüttenfestes hat dies der Herr zuvor verkündigt (Joh. 7, 37-39).
Dieses Fest SUKKOTH wurde ja vom Volke Israel gefeiert im Gedenken an die Gabe des MANNA, an die lichtvolle Herrlichkeit der GOTTESWOLKE und an das WASSER AUS DEM FELSEN. Darum wurde auch der Tempel in den Nächten dieses Festes illuminiert, und man wohnte in Laubhütten wie in der Wüste.
Zur Zeit Jesu zogen Priester und Leviten hinab zur Quelle Siloah, schöpften dort mit einem goldenen Krüglein Wasser und trugen es in einer feierlichen Prozession zum Tempel hinauf, um es dann als »Wasserspende« und Trankopfer am Fuße des Altars auszugießen. Die Levitenchöre sangen dazu »Mit Wonne werdet ihr Wasser schöpfen aus dem Brunnen des Heils!« (Jes. 12, 3). Wasser aus dem Felsen — vertrocknet in der Vätertradition Israels zu einem Wässerlein in einem kümmerlichen Krug: Wenn die Wirklichkeit Gottes und des Geistes verlorengeht, entfalten sich um so mächtiger liturgische Formen, die den Mangel verdecken sollen!
Dieser feierlichen Prozession stellt sich Jesus in den Weg und ruft ihr laut entgegen:
»Wenn jemand da ist, den dürstet, so komme er zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt!« (Nun beginnt nach dem Grundtext, der ja keine Zeichensetzung kennt, inhaltlich ein neuer Satz:) »Gleichwie die Schrift sagt: Von Seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen!« (nämlich vom Leibe des Messias, eigentlich: aus Seiner Leibeshöhle, aus der Höhlung des personalen Felsens; hier fließen die Bilder des Leibes und des Felsens ineinander).
Die an den Christus glauben, sie trinken die lebendigen Wasser. Sie sind die Empfangenden. Wer aber ist deren Spender? Der Messias, der Felsen; davon berichtet die Schrift in 2. Mose 17.
Man wendet dieses Wort ja gerne auf die Glaubenden und ihre Segenswirkungen an; aber von unserem Leibe können bestenfalls »Tropfen« fließen! STRÖME lebendigen Wassers — des Geistes, den der Sohn Gottes in die Welt entsandte — fließen von Seinem Leibe! Sie fließen aus der »Felsenhöhlung«, welche die Gesetzgeber Israels mit ihren Stäben gegraben haben (4. Mose 21, 17-18).
In einem weiteren Sinne könnten sich die »Wasserströme von Seinem Leibe« bestenfalls auf jene Segnungen beziehen, die vom erhöhten Christus über die Gemeinde Seines Leibes in die Welt fließen: »Gleichwie die Schrift sagt: Aus Seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen! — Dies aber sagte Er von dem Geiste, den die Ihm Vertrauenden empfangen sollten. Denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war«.
Erst mußte der Messias die Erlösung vollbringen, mußte durch die Vollmacht Gottes als Sohn bestätigt und als König erhöht werden, ehe Er als »Inthronisationsgeschenk« Gottes die Verheißung empfing, den Heiligen Geist von sich in die Welt auszusenden; dies aber nicht mehr wie im Alten Bund als zu einer vorübergehenden Amtsausrüstung, sondern zu einer bleibenden Innewohnung in den Glaubenden: »Nachdem Er nun durch die Rechte Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfangen hat, hat Er dieses ausgegossen, was ihr sehet und höret« (Apg. 2, 33; s. auch Apg. 1, 4). —
Als Überleitung zum zweiten Bericht über das Wasser aus dem Felsen laßt uns einmal kurz in die Josephsgeschichte schauen; Joseph ist ja ein prophetisches Vorbild des Messias Jesus. Vom Vater ausgesandt und seine Brüder aus Israel suchend durchwandert er drei Stationen: die erste Station ist HEBRON, wo Joseph, ausgezeichnet mit dem Fürstenrock der Herrlichkeit, »Gemeinschaft« mit dem Vater hatte (Hebron = Gemeinschaft), — wie der Christus mit Seinem Vater vor aller Zeit und Welt.
Nun wird er vom Vater ausgesandt, um seine Brüder mit ihren Herden zu suchen. Er sucht sie zu SICHEM (= Schulterlast), wo sie zuvor geweilt hatten. So wurde der Christus Gottes aus der vorweltlichen Gemeinschaft mit dem Vater und der Gottgleichheit im unzugänglichen Licht ausgesandt, damit Er in Seiner Menschwerdung auf dieser Erde zum Sündenträger würde; wie es der Täufer sagte: »Sehet, das ist Gottes Lamm, das die Sünden der Welt hinwegträgt!« (Joh. 1, 29; vgl. Gal. 6, 2).
Welche Schulterlast! So hat ja auch der Hohepriester Israels vorbildlich die Namen der Stämme Israels auf seinen Schultern getragen — und auf seinem hohepriesterlichen Herzen.
SICHEM/Schulterlast — ein Vorbild für die Kreuzigung des Sündenträgers auf Golgatha, der die »verlorenen Schafe aus dem Hause Israel« suchte, schließlich aber auch die Verlorenen der ganzen Welt.
Doch Joseph mußte weiterwandern, zu einer dritten Station, denn die Brüder waren ja »weitergezogen«; allein dieses Wort umreißt den »heilsgeschichtlichen Fortschritt« im Ablauf der Zeiten. Wo hoffte Joseph seine Brüder in einer brüderlich-freundlichen Begegnung zu finden?
Zu DOTHAN — das aber bedeutet »Doppelquelle«.
Da möchte ich fragen: Gibt es denn eine zweifache Ausgießung des Heiligen Geistes? Gibt es eine zweifache Wasserspende aus dem FELSEN? Jawohl!
Dies dürfen wir jedoch nicht individuell mißverstehen, als müsse ein Glaubender nach dem Empfang des Gottesgeistes in der Wiedergeburt noch einmal »mit dem Geist und seiner Fülle getauft werden«! Wir müssen es heilsgeschichtlich verstehen.
In 4. Mose 20 wird uns das zweite Hervorströmen lebendiger Wasser aus dem Felsen berichtet; es geschah zu KADES, zu deutsch: Heiligkeit.
Wieder murrt das Volk Gottes. »Wären wir doch umgekommen!«, so lautet ihr »frommer« Wunsch! Sie unterstellen den Führern Israels, sie hätten sie an diesen bösen Ort der Wüste gebracht, damit sie dort umkämen. Immer wieder erschallt die alte Leier: »Wären wir doch in Ägypten geblieben!« Nun lesen wir ab Vers 6:
»Und MOSE und AARON gingen von der Versammlung hinweg zum Eingang des Zeltes der Begegnung und fielen auf ihr Angesicht, und die Herrlichkeit JAHWEHs erschien ihnen. Und JAHWEH redete zu MOSE und sprach: Nimm den Stab und versammle die Gemeinde, du und dein Bruder AARON, und redet vor ihren Augen mit dem FELSEN!«
Jetzt gebietet der Herr nicht mehr: »Schlaget den Felsen!«, sondern: »Redet mit dem Felsen!« Wir sind also, prophetisch gesehen, schon weiter fortgeschritten. Natürlich sollten sie nicht mit dem »Kieselfelsen« reden, sondern mit dem Felsen, der — verhüllt von der Wolke der Herrlichkeit — auf dem Felsen vor ihnen stand — mit dem Christus.
Und Gott verheißt: »Wiederum (oder: ein zweites Mal) wird er sein Wasser geben!« Aus dem »Frühregen des Geistes« soll für Israel der »Spätregen des Geistes« in seiner ganzen Fülle werden. DOTHAN = Doppelquelle.
»Und du wirst ihnen Wasser aus dem Felsen hervorbringen und die Gemeinde tränken und ihr Vieh. Und MOSE nahm den Stab vor JAHWEH weg (d. h. aus der Bundeslade des Allerheiligsten), so wie Er ihm geboten hatte. MOSE und AARON versammelten die Versammlung vor dem Felsen. Und er sprach zu ihnen: Höret doch, ihr Widerspenstigen …!«
Und nun geschieht etwas überaus Tragisches. Der treue Gottesmann Mose wird vom lodernden Zorn einer geschmähten Amtsautorität gepackt. Immer und immer wieder mußte es dieser Diener Jesu Christi, des Felsens Israels, erleben, wie Israel gegen ihn und Gott gemurrt hat, so daß es ihn sogar steinigen wollte, und wie es den Heiligen verunehrte, indem es nicht mehr Seiner Wunder in der Wüste gedachte; da meint er, um die Ehre seines Amtes und die Heiligkeit seines Dienstes kämpfen zu müssen. Kennen nicht auch wir das hin und wieder, wenn wir von »falschen Brüdern« ungerechtfertigt geschmäht werden, daß wir dann für unseren Namen und um unsere beleidigte Ehre kämpfen möchten?
So handelt hier Moses, indem er dem Gottesbefehl nicht gehorsam ist, sondern sich zu einem verständlichen Eifer des Fleisches! hinreißen läßt. Ps. 106, 32.33 führt hierzu aus:
»Und sie erzürnten ihn an dem Wasser von MERIBA, und es erging MOSE übel ihretwegen; denn sie reizten seinen Geist, so daß er unbedacht redete mit seinen Lippen.«
»Höret doch, ihr Widerspenstigen: Werden wir euch nicht Wasser aus diesem Felsen hervorbringen?« (4. Mose 20, 10).
In diesem Worte des Mose wird offenbar, daß er nicht mehr den Christus als den allein Handelnden und Wundermächtigen sieht, sondern sich selbst und Aaron in diesem Sinne aufwertet und darstellt. »Wir« haben Vollmacht … sind die Träger des göttlichen Amtes … sind die gottgesandten Führer … Ein leidenschaftlicher Zorn reizt ihn zur Handlung des Ungehorsams:
»Und MOSES erhob seine Hand und schlug den Felsen mit seinem Stabe zweimal; da kam viel Wasser heraus, und die Gemeinde trank und ihr Vieh. Da sprach JAHWEH zu MOSE und sagte: Weil ihr mir nicht vertraut habt, mich vor den Augen der Kinder Israel zu heiligen, darum sollt ihr diese Versammlung nicht in das Land bringen, das ich ihnen gegeben habe. Das ist das Wasser von MERIBA, wo die Kinder Israel mit JAHWEH haderten, und Er sich an ihnen heiligte« (V. 11 ‑13).
Gott läßt Seine Ehre keinem anderen, vor Ihm soll sich kein Fleisch rühmen! Er läßt Seine Ehre auch dir nicht und auch mir nicht! Und darum hat Er es so eingerichtet, daß Er den Lichtglanz der Herrlichkeit Seines Evangeliums in »irdene«, tönerne, zerbrechliche und anfechtbare »Gefäße« des Dienstes gegeben hat, damit es sich erweise, »daß die Kraft von Gott stamme und nicht aus uns!« (2. Kor. 4, 7). Darum ist uns Christus geworden zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung, damit wir uns noch nicht einmal unserer Bekehrung und unseres Glaubens rühmen könnten (1. Kor. 1, 30).
Zweimal schlug Moses in seiner Selbsterhöhung den Felsen, als er mit ihm reden sollte.
Und damit wurde er wiederum — trotz seines Ungehorsams — zum heilsgeschichtlichen Propheten; so wie Kaiphas »Prophet war, weil er desselbigen Jahres Hoherpriester war«, als er sprach: »Es ist besser, daß ein Mensch stürbe, als daß das ganze Volk verdürbe!« (Joh. 11, 49-50).
Was hätte zu PFINGSTEN (Schabuoth) geschehen sollen, als Gott »von Seinem Geiste« — also den Frühregen des Geistes — ausgoß über Sein Volk? (Apg. 2, 17).
Israel hätte mit dem zu Gott erhöhten Messias Jesus in Beugung und Buße reden müssen! Während in 2. Mose 17 für »Felsen« das hebräische Wort »zur« verwendet wird, steht in 4. Mose 20 fünfmal das Wort »säla« = »Steilfelsen« — ein Bild für den erhöhten Christus. Bezeichnenderweise wurde die Aufforderung, mit dem Felsen zu reden (4. Mose 20, 7-8), verbunden mit Psalm 15, in der BAR-KOCHBA-Höhle der Wüste Juda gefunden, — im Zufluchtsort jenes falschen Messias, der sich nach der Zerstörung des Tempels zu Jerusalem noch einmal gegen die Römer erhoben hatte.
Wir wollen in diesem Zusammenhang das wunderbare Petruswort mit dem Reichsangebot aus Apg. 3, 19-21 lesen:
»So tut nun Buße und kehret um, damit eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn, und Er den euch zuvorverordneten Messias Jesus sende; diesen muß freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Neuordnung aller Dinge, wovon Gott durch den Mund Seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat.«
Wenn Israel dieses wunderbare Heilsangebot zu Pfingsten angenommen hätte, dann wäre die letzte Jahrwoche (die eigentliche Endzeit) und hernach das Messiasreich auf Erden gekommen, damit verbunden auch die Wiederherstellung Israels. Nach dem Anbruch, dem Frühregen des Geistes, wäre der Spätregen des Geistes, also die ganze Fülle des göttlichen Geistes über Israel gekommen.
Aber sie haben mit dem FELSEN nicht geredet, sondern haben ihn erneut (und zwar wie Moses: zweimal) geschlagen.
Wir dürfen das mit der Apostelgeschichte so sehen:
Das erste Mal »schlugen sie den Felsen« nach Pfingsten in jener Verfolgungszeit, deren Hauptakteur Saulus war, und die zur Steinigung des treuen Zeugen Stephanus führte. »Saul, Saul, warum verfolgst du mich?« fragt ihn der Erhöhte vor Damaskus. Die Verfolgung der Christusgemeinde war also zutiefst eine Verfolgung des Messias Jesus, — ein zweites Geschlagenwerden im Lande Israel.
Ein zweites Mal schlugen sie den Felsen während der Paulusmission unter den Weltvölkern. Diesmal waren es die Diasporajuden, die Paulus von Stadt zu Stadt verfolgten und seine »Lichtesmission unter den Nationen« (Jes. 49, 6) zu sabotieren suchten; sie verursachten ihm Leiden ohne Maß, so daß er fünfmal in der Synagoge ausgepeitscht und bei Lystra gesteinigt wurde.
Zweimal also wurde der Felsen erneut geschlagen, statt daß Israel mit ihm geredet hätte nach der Geistes- und Wasserspende zu Pfingsten; dies stellte Moses wiederum prophetisch dar. Dazu ein Wort aus Hebr. 6, 4-9, das mit seinem ganzen Ernst auch uns gilt, jedoch in seinem engeren prophetischen Sinn von der nachpfingstlichen Abwendung Israels von dem Messias Jesus spricht:
»Denn es ist unmöglich, diejenigen, die schon einmal erleuchtet waren und die gekostet haben das himmlische Geschenk und Anteil hatten am Heiligen Geiste, und die gekostet haben das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des kommenden Äons, und die dennoch abgefallen sind, noch einmal zur Umkehr zu erneuern, — weil sie den Sohn Gottes für sich selbst (noch einmal) gekreuzigt und zur Schau gestellt haben« (4-6).
Dazu einige Anmerkungen: »Erleuchtet« ist nicht »wiedergeboren«; es ist der Zustand zuvor, wo man Licht über den eigenen Weg und Zustand empfangen hat. »Sie haben geschmeckt« = sie sind auf den Geschmack gekommen, haben eine Kostprobe erfahren. »Anteil haben« am Heiligen Geiste meint die »Tuchfühlung«, die auch Israel zu Pfingsten hatte, und ist nicht mit einem Erfülltwerden durch den Geist gleichzusetzen. Mit den »Wunderwerken des kommenden Äons« oder »des zukünftigen Zeitalters« sind die Wunder, Kräfte und Segnungen des künftigen Messiasreiches gemeint, die zu Pfingsten und in einer geraumen Zeit danach anbruchhaft in diesen alten Äon »hereinragten«; sie geschahen durch die Hände der Apostel und durch ihre spezielle apostolische Vollmacht (2. Kor. 12, 12). Diese Vollmacht der Christusapostel haben nicht alle Gotteskinder.
Dies alles wurde den Juden aus Israel und der Diaspora zuteil, die zum Feste Schabuoth in Jerusalem weilten. Wenn dann später die Erweckten wieder abfielen, dann kreuzigten sie gleichsam den Sohn Gottes noch einmal persönlich für sich selbst und prangerten ihn öffentlich an. So hat beispielsweise Saulus von Tarsus Glaubende oder dem Glauben Nahestehende dazu gezwungen, in der Synagoge einen Absageschwur mit Bannfluch über Jesus zu sprechen.
Nun wundern wir uns nicht, wenn in Hebräer 6, 7-9 von Erez Israel, vom »LANDE« gesprochen wird:
»Denn das LAND, welches den häufig über es kommenden Regen trinkt und nützliches Gemüse für die hervorbringt, um deretwillen es auch bebaut wird, empfängt Segen von Gott; wenn es aber DORNEN und DISTELN hervorbringt, so ist es unbewährt und dem Fluche nahe, und sein Endziel ist die Verbrennung. — Wir aber sind in bezug auf euch, Geliebte, von besseren und mit der Errettung verbundenen Dingen überzeugt, wenn wir auch also (scharf) reden!«
Dies ist ein warnendes Wort für uns, aber im engeren Sinne eine prophetische Deutung dessen, was in Israel und der Diaspora nach der Ausgießung des Frühregens des Heiligen Geistes geschah, wo Israel erneut den FELSEN — zweimal — schlug und so das Kommen des Spätregens dieses Geistes verhinderte.
Aber Wasserströme kamen doch aus dem Felsen hervor! Auch beim zweiten Male, wo der Felsen zu KADES geschlagen wurde (4. Mose 20). Dies erfüllte sich im Hause des römischen Hauptmannes Kornelius, wo eine zweite Ausgießung des Geistes geschah, diesmal anbruchhaft für die Erstlinge aus den Weltvölkern. Dies ist gleichsam das »zweite Pfingsten«; und hier liegt der »Geburtstag« der Gemeinde Jesu Christi aus den Nationen, während das Pfingstgeschehen zu Jerusalem der »Geburtstag« der Messiasgemeinde in Israel und Auftakt des kommenden Reiches war.
Wasserströme für die Völkerwelt! So erfüllte sich Römer 11, 11: »Durch ihr Fallen ist den Völkern das Heil zuteil geworden!« —
Doch was geschieht mit dem eigenwilligen Gottesknecht MOSES? Ihm wird das Land — Israel — verwehrt; er darf es wegen seiner und Aarons Selbsterhöhung nicht betreten. Zwischen beiden Wasserspenden aus dem Felsen (2. Mose 17 und 4. Mose 20) liegen im übrigen rund 40 Jahre. Diese Landverweigerung widerfuhr auch dem Volke Israel, als es, statt mit dem Felsen »zu reden«, diesen wiederum schlug; im Jahre 70 wurde Israel von den Römern aus dem Lande der Väter verschleppt, nachdem der Tempel in Flammen unterging, und Jerusalem zerstört wurde.
Für Moses, der in all seinem treuen Bemühen nur das eine große Ziel der Landnahme vor Augen hatte, war diese Landverweigerung durch den Herrn etwas Erschütterndes. Freilich, — er sah mehr als nur das künftige LAND; er hatte die Schätze und Reichtümer Ägyptens verlassen, indem er hinschaute auf den »Unsichtbaren, als sähe er ihn«, indem er sogar die Leiden des Messias prophetisch voraussah, doch schaute er auch aus nach der »Belohnung«; und es war nun einmal sein irdisches Ziel, das VOLK Israel in das verheißene LAND zu führen und dieses als Erbe den zwölf Stämmen auszuteilen. Das verwehrte ihm nun der Herr, nachdem er den Felsen geschlagen hatte, statt mit ihm zu reden.
Wir werden dies als eine übermäßige, unangemessene Strafe Gottes sehen; aber mit den Knechten, die Ihm dienen, verfährt Gott anders als mit denen, die Ihm nicht dienen. Wem viel gegeben ward, von dem wird viel gefordert.
Wie das Moses getroffen hat, lesen wir in seinem Alterstagebuch, in der »Lehre des Rabban MOSE«, wie es die Juden sagen (5. Mose 3, 23-27):
»Und ich flehte zu JAHWEH in dieser Zeit und sprach: Ach, Herr, JAHWEH! Du hast begonnen, Deinem Knechte Deine Größe und Deine starke Hand zu zeigen; denn welcher Gott ist im Himmel und auf Erden, der tun könnte gleich Deinen Werken und Deinen Machttaten? Laß mich doch hinüberziehen und das gute Land sehen, welches jenseits des Jordan ist, dieses gute Gebirge und den Libanon …!«
Das muß für Moses ein Sehnsuchtsziel gewesen sein, wie für uns vielleicht die Entrückung und unsere Verwandlung in die Christusherrlichkeit!
»Aber JAHWEH war über mich erzürnt um euretwillen und hörte nicht auf mich; und JAHWEH sprach zu mir: Laß es genug sein! Rede mir von nun an nicht mehr von dieser Sache! Steige auf den Gipfel des Pisga und hebe deine Augen auf gegen Westen und gegen Norden und gegen Süden und gegen Osten, und sieh mit deinen Augen; denn du wirst nicht über diesen Jordan gehen!«
Es gibt eine Parallele hierzu im Erleben des Apostels Paulus, wovon er uns in 2. Korinther 12, 1-9 berichtet. Die Tatsache, daß er einen Sendboten des Satans hatte, der ihn »mit Fäusten schlug«, und einen »Pfahl im Fleisch«, türmte sicherlich oft Hindernisse vor ihm auf und setzte seinem Dienste enge Grenzen. So war er wirklich in jeder Weise ein »Gefesselter Jesu Christi«, — nicht nur in seinen Gefangenschaften. Und nun berichtet er, daß er dreimal zum Herrn »gefleht« habe, daß ihm um des Dienstes willen die Last genommen werde, im Grundtext heißt es sogar, er habe den Herrn »ermahnt« (parakaleoo). Da sagte der Herr Jesus auch zu ihm: Genug! Sprich mir nicht mehr von dieser Sache: »Laß dir an meiner Gnade genug sein, denn meine Kraft kommt in der Schwachheit am besten zum Ziel!«
Dies alles aber widerfuhr ihm, damit er sich der hohen Offenbarungen wegen nicht überhebe. Da haben wir wieder das geistliche Gesetz vom Schatz der Herrlichkeit in irdenen Gefäßen. »Genug!«
Aber: »Aufgeschoben ist nicht aufgehoben«!
MOSES kam ins Land, als er bei der Verklärung Christi auf dem Berge gemeinsam mit ELIAS in der Gotteswolke der Herrlichkeit erschien. Und wenn nicht alles täuscht, so werden diese beiden Gottesmänner — als die Repräsentanten des Gesetzes und der Prophetie — die endzeitlichen Christuszeugen in Jerusalem sein (Offb. 11).
Dieses Gesetz gilt auch für Israel. Der Spätregen des Geistes wird über Israel kommen! Nicht über die Gemeinde, wie es pfingstliche Kreise erwarten; aber Joel 2, das die Ausgießung des Geistes bezeugt, betrifft Israel; dieses Ereignis wird geschehen, wenn JAHWEH selbst in der Mitte Seines Volkes weilen wird (Joel, 2, 17). Verbunden mit kosmischen Katastrophen und Wunderzeichen im Himmel und auf Erden am Ende dieser gegenwärtigen bösen Weltzeit wird der Herr nicht mehr nur »von Seinem Geiste«, sondern den Geist der Gnade und des Flehens in seiner ganzen Fülle dem Volke und Lande Israel senden.
Ein kostbares Gotteswort zu dieser prophetischen Perspektive der Endzeit Israels ist auch Jakobus 5, 7-9: »Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn! Siehe, der Ackersmann wartet auf die köstliche Frucht des Landes und hat Geduld ihretwegen, bis es den Früh- und Spätregen empfange. Habt (nun) auch ihr Geduld, befestigt eure Herzen, weil die Ankunft des Herrn nahegekommen ist. Seufzet nicht gegeneinander, damit ihr nicht gerichtet werdet. Siehe, der Richter steht vor der Tür!«
Nun ein Letztes:
Viele wissen nicht, daß die Schlacht Israels mit den Amalekitern eng mit den Wasserströmen aus dem Felsen verbunden ist.
Wir alle kennen den Bericht, wo Moses seinen Stab gleichsam wie eine Antenne in den Himmel erhebt, — für den Kraftzustrom aus Gottes Heiligtum, wobei AARON (der Erleuchtete, Erhabene) und HUR (der Edle, Freie) ihn stützen. Und nur so lange, wie Moses den »Stab Gottes« erhebt, siegt Israel im Kampfe gegen den AMALEK (eine unsichtbare Finsternismacht), dessen Vollzugsgewalt auf Erden die räuberische Schar der Amalekiter ist. Die »Amalekiter« heißen zu deutsch die »Mühseligen aus der Tiefe«. Darum heißt es in 2. Mose 17, 16: »Krieg hat JAHWEH gegen den Amalek — von Generation zu Generation!« oder nach Rabbi Hirsch: »… bis in es’chatologische Zeiten!«
Und JOSUA — das Vorbild Jesu — führt die Kämpfenden Israels im Streite an.
Warum sind nun eigentlich diese Feinde des Gottesvolkes gekommen, um es zu überfallen? Es war ein Kampf um das Kostbarste, was es in der Wüste überhaupt nur zu erringen galt: um die lebenswichtigen Wasserquellen, die Gott erschlossen hatte. Um das voll zu verstehen, müßte man Wüstenbewohner sein!
Auch geistlicherweise geht der Kampf um die Wasserquellen!
Immer dann, wenn der lebendige Gott uns durch Zuflüsse des Heiligen Geistes besonders gesegnet hat, oder wenn Er beabsichtigt, uns zu einem bevollmächtigten Segenskanal in Seinem Dienste werden zu lassen, werden »die Amalekiter« in unserem Leben erscheinen; dann werden wir im Kampfe des Glaubens und in der Feuerprobe stehen, in Versuchung und Anfechtung, wie sonst nie.
Solche Prüfungszeiten sind keineswegs ein Zeichen dafür, daß Gott uns verlassen hat, und daß der Heilige Geist nicht mehr in uns wohnt; welcher Frevel ist es, wenn Glaubenden, die bis aufs Blut versucht werden oder etwa besonders schwer und lange erkrankt sind, gesagt wird, sie »stünden nicht mehr recht« oder sie hätten nicht »den richtigen Glauben«! Anfechtungen sind ein Zeichen dafür, daß du ein von Gott Gesegneter bist! Nur wenn du ein Bastard bist und kein Sohn, dann kann dir der Vater solches nicht auferlegen, denn »Er züchtigt einen jeden Sohn, den Er aufnimmt« (Hebr. 12, 7-8). In solchen Glaubensproben werden die Wasserquellen Seines Geistes erschlossen, die aus Christus, dem FELSEN Israels, fließen, und aus Ihm allein. Glaube denen nicht, die durch die Lande ziehen und dir einreden wollen: Komme zu mir und lasse dir von mir die Hände auflegen, dann empfängst du den Geist in Seiner Fülle …!
Die Mächte der Finsternis greifen die Kinder Gottes an, wie die Amalekiter das Volk Israel. Doch dieser »edle Kampf des Glaubens« ist von Gott her den Heiligen verordnet!
Dies zu verschweigen, grenzt an Lüge! Es ist nicht wahr, daß alle unsere Probleme schlagartig in der Nachfolge gelöst werden, damit wir ein problemfreies Leben führen, wie es heutigentags manche »Evangelisten« versprechen. »Seliges Wandeln auf sonnigen Höh’n, willenlos nur noch dem Freunde geweiht«, sang man in Erweckungszeiten. Wir sollten aber von dem, was Kinder Gottes in der Nachfolge Jesu erwartet, nicht so einseitig sprechen.
Wenn du zu Jesus kommst und zu glauben beginnst, kommt das Kreuz in dein Leben; dann beginnt der Kampf zwischen Geist und Fleisch, den der Nichtglaubende gar nicht kennt. Wer ein relativ kampfloses Leben führen will, darf kein Jünger Jesu Christi werden!
Aber was ist das für ein HERR, dem wir folgen! »Welch ein Herr, welch ein Herr, Ihm zu dienen, welch ein Stand …!« — auch mit dem Kreuz im Leben, auch mit dem Kampf des Glaubens gegen die »Mühseligen in der Tiefe«. »Wollt ihr etwa auch weggehen?«, fragte der Herr Seine Jünger. Petrus aber gab die Antwort: »Herr, zu wem sollen wir gehen? DU hast Worte des ewigen Lebens! Und wir haben geglaubt und erkannt, daß Du der Heilige Gottes bist!« (Joh. 6, 68-69). —
Kampf um das Wasser!
Allerdings werden wir in diesem Kampfe oftmals müde. Auch ein Paulus ist müde geworden; er wurde einmal »über Tragvermögen beschwert«, so daß er mit seinen Mitarbeitern »das Todesurteil in sich selbst trug« und »am Leben verzweifelte« (2. Kor. 1, 8-10).
Müde Gotteskämpfer, müde gewordene Diener des Herrn Jesus Christus, die gibt es auch.
Dazu lesen wir abschließend ein kostbares Wort aus dem Buche der Richter; durch einen letzten »Schluck« aus der göttlichen Wasserspende wollen wir uns erfrischen: »Und das Weib gebar einen Sohn; und sie gab ihm den Namen SIMSON. Und der Knabe wuchs, und JAHWEH segnete ihn. Und der Geist JAHWEHs fing an, ihn zu treiben zu Machaneh-Dan, zwischen Zorha und Eschtaol« (K. 13, 24-25).
Und nun wollen wir einmal sehen, wozu ihn der Geist treibt: »Als er nach LECHI kam, da jauchzten ihm die Philister entgegen; aber der Geist JAHWEHS geriet über ihn, und die Stricke, die an seinen Armen waren, wurden wie Flachsfäden, die vom Feuer versengt sind, und seine Bande schmolzen weg von seinen Händen. Und er fand einen frischen Eselskinnbacken, und er streckte seine Hand aus und nahm ihn und erschlug damit 1000 Männer!« (K. 15, 14-16).
Hier haben wir es noch nicht mit einer bleibenden Innewohnung des Heiligen Geistes wie im Neuen Bund zu tun, sondern der Geist kommt plötzlich und unvermutet, damit die Männer Gottes, wie Simson, einen zeitweiligen Dienstauftrag erfüllen können; nach dessen Ausrichtung kann der Geist sie wieder verlassen. Man beachte auch: der Geist »kam über ihn«, nicht: »in ihn«!
Bei uns ist dies nicht mehr so. Wenn wir wirklich Gotteskinder sind, dann brauchen wir um den Heiligen Geist nicht mehr zu bitten, da er bereits in uns wohnt als die Hoffnung der Herrlichkeit. Wir dürfen aber danken für dieses unaussprechliche Gottesgeschenk und nach vermehrter Erfüllung im Heiligen Geiste streben.
Daß Feinde in der Kraft des Geistes erschlagen werden, ist durchaus vereinbar mit dem Alten Bund; so ergeht es auch dem endzeitlichen Israel, auf das wir noch nicht die Gesetze der Bergpredigt legen dürfen, wenn es sich seiner Feinde erwehrt.
Und nun müßte man meinen, Simson habe im Triumph des Sieges gejauchzt und Gott gelobt. Aber es kommt ganz anders, und so ist dies auch oftmals bei uns, wenn wir im Kampf gegen die Gottesfeinde Siege errungen haben: »Und es dürstete ihn sehr, und er rief zu JAHWEH und sprach: Du hast durch die Hand Deines Knechtes diese große Rettung gegeben, und nun soll ich vor Durst sterben und in die Hand der Unbeschnittenen fallen!« (K. 15, 18).
Wie könnte dies bei uns lauten? Du hast durch Deinen Diener andere gesegnet, hast durch ihn Heil, Erquickung, Aufrichtung, Ermunterung und Trost vermittelt, und nun liege ich müde geworden am Boden und resigniere, — das kann doch nicht in Ordnung sein! Doch, auch das ist in Ordnung, ist hineinverordnet in unser Leben!
»Da spaltete Gott die Höhlung, die zu Lechi ist, und es strömte Wasser aus ihr hervor; und er trank, und sein Geist kehrte zurück, und er lebte wieder auf. Daher gab man ihr den Namen EN HAKORE (Quelle des Rufenden), die zu LECHI ist, bis auf diesen Tag!« (Richt. 15, 19).
Welch ein kostbares Wort vom Wiederaufleben des Geistes. Ihr Gotteskinder, die ihr müde und verzagt seid, und die ihr euch oft resignierend die Frage stellt, ob in eurem Leben überhaupt der Heilige Geist wirksam sei …, es gibt die Möglichkeit zu einem neuen Anfang, daß uns erneut lebendige Wasser zufließen, und daß unser Geist wieder auflebt! Dann kommt nicht nur das zurück, was wir verloren zu haben meinen, sondern neue, größere Gnade, vermehrte Segnung. »Sein Geist kehrte zurück, und er lebte wieder auf!« EN HAKORE, Quelle des Rufenden, die da strömt »bis auf den heutigen Tag!«
Wir wollen schließen mit dem Wasserlob Israels aus 4. Mose 21, 16-18:
»Und von dort zogen sie nach BEER; das ist der Brunnen, von welchem JAHWEH zu Mose sprach: Versammle das Volk, und ich will ihnen Wasser geben.
Damals sang Israel dieses Lied: Steige herauf, Brunnen! Singet ihm zu! Brunnen, den Fürsten gegraben, den die Edlen des Volkes gegraben haben mit dem Gesetzgeberstab, mit ihren Stäben!«
(Quelle: “Gnade und Herrlichkeit”; 5/1991; Paulus-Verlag; Heilbronn)


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